40
Doch diese theoretische Chance besteht nicht wirklich.
Das Zins-Dilemma
Einzahlung 100%
Rückzahlung
100 % + was?
Wer bitte schafft das Geld für den Zins?
Der einzelne Kreditnehmer kann damit vielleicht zurechtkommen, in der
volkswirtschaftlichen Gesamtbetrachtung stellt sich heraus, dass es das
Geld für den Zins so lange nicht gibt, bis es durch neue, zusätzliche Kredite
in die Welt gesetzt wird.
Auszahlung 100 %
Rückzahlung
100 % + was?
Folie erläutern!
Sie konnte nur erwogen werden, weil bisher ein ganz wesentliches
Element der Geldmechanik in seiner verheerenden Wirkung
vollkommen ausgeblendet wurde.
Sie wissen, was ich meine, es geht um den Zins.
Ich will Sie hier und heute nicht mit Diagrammen über das
exponentielle Wachstum des Zinses erfreuen. Ich denke, das alles
kennen Sie bereits zur Genüge.
Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf einen vollkommen unbeachteten
Aspekt des Zinses lenken:
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Eigentlich ist es selbstverständlich:
Wir leihen und Geld, und wir geben es mit einer Art Leihgebühr,
nämlich dem Zins, nach einer vereinbarten Zeit zurück.
Dabei unterstellen wir, dass es schon gelingen wird, das Geld für den
Zins zu erwirtschaften. Schließlich sind wir fleißig und intelligent,
oder doch zumindest faul und gerissen und außerdem werden wir
nächstes Jahr mehr verdienen als heuer.
Der einzelne Kreditnehmer kann mit dieser Wissensbasis ganz gut
leben. Die Mehrheit schafft es wohl auch, die Kredite zu tilgen, doch
in der volkswirtschaftlichen Gesamtbetrachtung tut sich ein Abgrund
auf:
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
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Das Zins-Dilemma
• Und wenn kein neuer Kredit ausgereicht
wird, wachsen die Schulden trotzdem!
• Zinsschulden sind Schulden!
• Die Menge potenten, flüssigen Geldes
wird dadurch nicht verändert.
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Das Geld, das für den Zins benötigt wird, ist nicht da. Es wird bei
der Schöpfung des Kreditgeldes nicht mitgeschaffen.
Mit der Zinsforderung begründet der Gläubiger einen eigenständigen
Anspruch auf Geld. Geld, das im ursprünglichen Guthaben-Schulden-
Paar nicht enthalten war. Es entstehen also mit jedem Zinsanspruch
auch neue Schulden.
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
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Das Zins-Dilemma
• Alleine das Prinzip, mit dem Zins - aus
dem Nichts - eine Schuld entstehen zu
lassen, ohne dafür gleichzeitig das Geld
herzustellen, macht es,
von der ersten Zinsforderung an
unmöglich,
die vorhandenen Schulden mit dem
vorhandenen Geld zu tilgen.
Jeder Zinszahlungstermin bringt eine gigantische Zahl neuer
Guthaben-Schulden-Paare hervor, bei denen das Guthaben aber von
Anfang an beim Gläubiger steht, während die Schuld – von Anfang an
unausgeglichen – dem Schuldner angelastet wird.
Der Schuldner muss also Geld aufbringen, dass er nie erhalten hat und
dass auch nicht im Zusammenhang mit diesem Kredit geschaffen
wurde.
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Weil Geld aber nur durch Kredit in die Welt kommt, kann Zins
überhaupt nur dann bezahlt werden, wenn das Geld dafür aus anderen,
zusätzlichen Krediten entstanden ist.
Wird aber ein Teil einer Kreditsumme verwendet, um Zinsen eines
anderen Kredits zu bezahlen, reicht die verbleibende Geldmenge nicht
aus, um diesen neuen Kredit zu tilgen, geschweige denn, die dafür
fälligen Zinsen zu zahlen. Es muss ein neuer Kredit her, und noch
einer und noch einer.
Das fatale Ergebnis:
Durch den Zinsanspruch wachsen Guthaben und Schulden, aber
die Menge flüssigen Geldes bleibt gleich.
Selbst wenn aus der Menge des flüssigen Geldes kein einziger
Cent aus dem Kreislauf der Realwirtschaft verschwunden wäre,
ist es mit der ersten Zinsforderung unmöglich geworden, die
Schulden mit dem vorhandenen Geld zu tilgen.
Es gibt einfach zu wenig Geld, um die Schulden zu tilgen.
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Natürlich kann – solange die Tilgung niedrig ist – zunächst noch Zins
gezahlt werden. Mit der Zinszahlung sinken Guthaben und Schulden
um diesen Betrag und – erstaunlicherweise bleibt damit sogar die
Menge flüssigen Geldes gleich.
Allerdings ist das flüssige Geld jetzt bei den Gläubigern. Die müssten
es ausgeben, und zwar an der richtigen Stelle, genau so, dass die
Schuldner immer in dem Maße Geld zur Verfügung haben, wie es für
die nächste Rate erforderlich ist.
Das ist strukturell unmöglich und es ist unrealistisch.
Wir haben diesen Gedanken bereits ganz am Anfang behandelt:
Nur wenn die Schuldner höhere Einnahmen haben, als Ausgaben, sind
sie in der Lage, die Leistungen für Tilgung und Zinsen zu
erwirtschaften.
Diese höheren Einnahmen können nur von den Gläubigern, als den
Empfängern der Tilgungs- und Zinszahlungen erwartet werden. Wie
stark sich der einzelne Gläubiger an diesem Spiel beteiligt, ist dabei
nicht relevant, aber es ist unbedingt erforderlich, dass jeder einzelne
Schuldner von diesem Mehr-Umsatz exakt so viel für sich
erwirtschaftet, wie erforderlich ist, um die auf seine Schuld
entfallenden Zinsen bezahlen zu können.
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Die Realität zeigt, dass sich Schulden und Guthaben in immer
größerem Tempo erhöhen, während die Menge flüssigen Geldes hinter
diesem Wachstum hoffnungslos zurückbleibt.
Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes und der Bundesbank
besagen, dass im Wirtschaftsraum der Bundesrepublik Deutschland
ungefähr folgende Verhältnisse herrschen:
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
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Die wahren Verhältnisse
Geld und Schulden im Wirtschaftsraum
der Bundesrepublik Deutschland (in Mrd. Euro)
0
500
1000
1500
2000
2500
3000
3500
4000
4500
5000
Bargeld Giralgeld Staatsschuld Gesamtschuld
Das flüssige Geld reicht
nicht aus,
auch nur die Hälfte der
Staatschulden zu tilgen!
...und das feste Geld kann nicht tilgen
Ausleihungen der Banken, Versicherungen und Bausparkassen an
Nichtbanken: > 3.000.000.000.000 Euro (mehr als 3 Billionen Euro)
In Umlauf befindliche festverzinsliche Wertpapiere der öffentlichen
Hände und der Industrie in Höhe von rund 1.000.000.000.000 Euro.
Auslandsschulden, insbesondere auch aus steuerlichen Gründen im
Ausland aufgenommene Darlehen, sowie private Ausleihungen und
die Darlehen aus dem grauen Kapitalmarkt dürften vorsichtig
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geschätzt die Größenordnung einer weiteren Billion Euro erreichen.
Es existieren also Schulden in der Größenordnung von 5 Billionen
Euro. Die Schulden der öffentlichen Hände machen mit rund 1,5
Billionen Euro nur knapp ein Drittel der Gesamtschulden aus.
Der Rest verteilt sich auf die Wirtschaft und auf die privaten
Haushalte.
Insgesamt müssten also von uns allen zu Gunsten einer relativ
überschaubaren Zahl von Großgläubigern Tilgungsleistungen von
rund 5 Billionen Euro aufgebracht werden, um alle Schulden
abzubauen.
Diesem Anspruch auf Geld stehen aber gerade einmal 80 Milliarden
umlaufenden Bargeldes und rund 600 Milliarden Sichtguthaben auf
Girokonten gegenüber.
Das vorhandene Geld reicht also noch nicht einmal, um auch nur
die Hälfte der Schulden von Bund, Ländern und Gemeinden zu
tilgen.
An dieser Stelle meldet sich meist jemand und erzählt die Geschichte
von jenem Clown,
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Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
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Die Story vom Clown
Findet fünf Mark,
tilgt damit seine Schuld beim Stallknecht,
der wiederum zahlt seine Schuld bei der
Drahtseilartistin,
die wiederum tilgt ihre Schuld beim
Zirkusdirektor
und der zahlt dem Clown die vor langer
Zeit ausgeliehenen 5 Mark zurück.
Alle Schulden getilgt, Geld übrig.
phhh...
der nach der Vorstellung in der Manege ein 5-Mark-Stück findet und
froh darüber ist, dass er damit endlich seine Schulden beim
Stallknecht tilgen kann. Der Stallknecht nimmt die 5 Mark und hat
nichts besseres zu tun, als schnellstmöglich seine Schuld in Höhe von
5 Mark bei der Drahtseilartisten zu tilgen. Die erinnert sich daran,
dass sie dem Zirkusdirektor noch 5 Mark schuldet und zahlt sie
schnellstens zurück und der Zirkusdirektor, der stets froh ist, wenn die
Ausgaben nur ein kleines bisschen höher sind, als die Einnahmen,
sieht die Möglichkeit seinerseits seine Schulden beim Clown zu tilgen.
So hat nun ein einziges 5 Mark Stück geholfen, Schulden im Volumen
von 20 Mark aus der Welt zu schaffen und es ist immer noch völlig
unversehrt vorhanden.
Phhh.....
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Es ist ein schönes Beispiel.
Ein schönes Beispiel dafür, wie man mit scheinbar plausiblen
kausalen Abfolgen die Realität vollkommen negieren kann.
Ein Problem ist z.B. die Herkunft des 5-Mark-Stückes. Ein ehrlicher
Clown hätte zum Fundbüro getragen.
Da dieser Clown das gefunden Geld aber für sich behalten hat, fehlt es
zwangsläufig beim Verlierer. Der muss nun möglicherweise Schulden
machen, weil er einer dringenden Zahlungsverpflichtung
nachkommen muss. Der Mensch, der ihm die 5 Mark pumpt,
bekommt innerhalb kürzester Zeit selbst ein Problem und muss sich
selbst bei einem Dritten 5 Mark leihen, so dass, ohne die naive
Konstruktion des Beispiels zu verlassen, innerhalb kürzester Zeit eine
beliebig lange Kette neuer Schulden konstruiert werden kann.
Ein weiteres Problem ist die der Vermögensverteilung. Den Zirkus
mit der durchgängigen Schuldenkette kann man konstruieren. In der
Realität werden wir stattdessen zwei völlig andere Modelle vorfinden:
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
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Zirkus Typ A
• Die Mitarbeiter erhalten geringe Gagen.
• Alle sind gezwungen, sich regelmäßig
beim Direktor Geld zu leihen.
• Die Schulden der Artisten und Arbeiter
wachsen beständig.
• Jeder Tilgungsvorgang e n d e t !
in der Kasse des Direktors.
• Diese Kasse enthält oft die gesamte im
Zirkus existente Geldmenge.
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Zirkus Typ A
Der Zirkusdirektor entlohnt seine Mitarbeiter so schlecht, dass diese
stets gezwungen sind, sich bei ihm zu verschulen. Alle Mitglieder der
Truppe haben mehr oder weniger hohe Schulden bei ihm.
Jeder Tilgungsvorgang endet in der Kasse des Zirkusdirektors. Diese
Kasse enthält zu vielen Zeitpunkten das gesamte im Bereich des
Zirkus umlaufenden Geldes.
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
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Zirkus Typ B
• Die Mitarbeiter werden gut entlohnt.
• Wenn die Zuschauer ausbleiben, leiht sich der
Direktor Geld von den Artisten und
Angestellten.
• Im Laufe der Zeit verschuldet er sich bei allen.
• Kann er eine Schuld zurückzahlen, bleibt das
Geld beim jeweiligen Gläubiger, der selbst
nirgends Schulden hat und von seinen
laufenden Einkommen recht gut leben kann.
Zirkus Typ B
Der Zirkusdirektor ist um seine Mitarbeiter bemüht und zahlt in guten
wie in schlechten Zeiten gute Gagen, wenn die Zuschauer ausbleiben,
leiht er sich Geld von seinen Artisten und Angestellten. Nach und
nach pumpt er jeden an, bis er bei allen Schulden hat.
Tilgt er eine Schuld, bleibt das Geld bei einem seiner relativ
wohlhabenden Mitarbeiter im Geldbeutel.
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Unsere Gesellschaft kann nur mit dem Zirkus vom Typ A verglichen
werden. Es gibt wenige Groß-Gläubiger, denen viele kleine und große
Schuldner zu Zins- und Tilgungsleistungen verpflichtet sind.
Der Tilgungsstrom ist in ganz erheblichem Umfang einseitig gerichtet.
Mehrfachtilgung - wie im naiven Zirkus-Beispiel - kommt nur in sehr
geringem Umfang vor und nur da, wo Schulden nicht durch originäre
Geldschöpfung der Banken, sondern durch Weiterverleihen bereits
vorhandenen, flüssigen Geldes begründet wurden.
Sehr gute Aussagen über die Verteilung des Vermögens und die
daraus erwachsenden Probleme macht übrigens Dr. Wozniewski auf
seinen Internetseiten.
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
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Wir leben im Typ A-Zirkus
• Wer sich einen Überblick über die
Vermögens- und Einkommensverteilung in
Deutschland verschaffen will, der sollte bei
Dr. Harald Woszniewski vorbeizuschauen:
www.dr-wo.de
www.dr-wo.de
Die Frage, wieviel Geld bleibt übrig, wenn alle Schulden getilgt
sind, darf damit als beantwortet gelten.
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Die Frage, ob es Sinn macht, wenn die öffentlichen Hände um jeden
Preis versuchen, die Haushalte zu sanieren, forciert zu tilgen und
jegliche Neuverschuldung zu vermeiden, ist ebenfalls beantwortet.
Solange unser Geld so funktioniert, wie es funktioniert, führt jede
Tilgungsanstrengung zu einer Verminderung der in der Realwirtschaft
umlaufenden Geldmenge. Einerseits, weil die Rückzahlung von
Bankkrediten zur vollständigen Auflösung von Geld führt,
andererseits weil die Tilgung von Geldschulden bei Nichtbanken in
aller Regel zu einem Anwachsen gehorteter Geldbestände bzw. zum
Abfluss von Geld in die reinen Finanzmärkte führt.
Jeder Tilgungsanstrengung folgt also zwangsläufig die Notwendigkeit
der Neuverschuldung, oder, wenn dies nicht möglich ist, ein Stück
mehr Deflation auf dem Fuß.
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
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Wir leben im Typ A-Zirkus
• Das Geld ist längst zu Ende, bevor
auch nur die Hälfte der Schulden der
öffentlichen Haushalte getilgt sind.
• Die vollständige Tilgung aller Schulden ist
unmöglich.
• Das ständige Wachsen von Schulden und
Guthaben ist unvermeidlich.
• ( ...und der Crash kommt.)
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Nun sind Sie aber heute nicht gekommen, um sich per Deflation in die
Depression stürzen zu lassen.
Ich möchte die verbleibende Zeit nutzen, um Ihnen eine Möglichkeit
vorzustellen, die Geldverfassung zu verändern, dass der Zwang zur
wachsenden Neuverschuldung gebrochen werden kann, ohne dass es
dazu revolutionärer Umstürze, weitreichender Enteignungen oder
einer „Währungsreform“ im landläufig gebräuchlichen Sinn bedürfte.
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
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Was also tun?
• Wie kann, wie soll, wie muss
ein
vernünftiges System
bedarfsgerechter Geldversorgung
aussehen?
Vorher aber noch zwei Anmerkungen
1. Im bisherigen Vortrag habe ich es vermieden, die Doppelrolle der
Geschäftsbanken – als Schuldner der Einleger und Gläubiger der
Darlehensnehmer – bis zum Exzess aufzuzeigen. Die dabei benutzten,
vereinfachenden Darstellungen führen aber zum gleichen Ergebnis,
wie die ausführliche und detaillierte Betrachtung.
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2. Außerdem bin ich auch auf die Rolle der Zentralbank im
Geldverkehr zwischen den Banken praktisch nicht eingegangen. Ich
darf Ihnen versichern, dass auch bei Einbezug dieser zusätzlichen
Institution, der Bank der Banken, wie sie auch genannt wird, keine
anderen logischen Folgerungen ergeben, als aus der verkürzten Sicht,
die ich Ihnen heute Abend vorgestellt habe.
Beide Aspekte habe ich an geeigneter Stelle in dem gerade erschienen
dritten Band von „Wolf’s wahnwitzige Wirtschaftslehre – über das
Geld“ ausführlich erläutert, und für diejenigen, die das gerne einmal
Schritt für Schritt nachvollziehen möchten, habe ich ein paar
Exemplare im Kofferraum mitgebracht – und selbstverständlich
können Sie die auch später noch bestellen. Unter www.ewk-verlag.de
finden Sie im Internet eine Bestellmöglichkeit.
Und natürlich ist auch der Lösungsvorschlag, den ich Ihnen jetzt noch
vorstellen möchte, ist in diesem Buch ausführlich beschrieben:
Ein vernünftiges System der bedarfsgerechten Geldversorgung