17
Das vorhandene Geld – Bargeld und Giralgeld – reicht hinten und
vorne nicht aus, um auch nur die Schulden der öffentlichen Haushalte
zu tilgen.
Da fällt jetzt so manchem vor Staunen die Kinnlade herunter, bevor
die Überraschung umschlägt in den heiligen Zorn.
Wie denn? Unmöglich!
Das Geld war doch da, es wurde doch ausgezahlt, als die Schulden
gemacht wurden. Da muss es doch auch da sein, wenn sie getilgt
werden sollen.
Gut gedacht. Leider auch falsch.
Meine Damen und Herren, wir sind nach etwa zwanzig Minuten
endlich am Kern des Pudels angekommen.
Oder, wenn Ihnen das lieber ist, wir sind nun endgültig da, wo der
Hund begraben liegt.
Vor einer Woche hatte ich in Berlin ein Gespräch mit einem
Zahnarzt, der versuchte mir klar zu machen, dass sich alle
Geldprobleme lösen ließen, hätten wir nur endlich wieder
richtiges Geld.
Nach einigem Nachfragen habe ich dann herausgefunden, was er für
richtiges Geld hält. Richtiges Geld, so seine Aussage, kann nur
„Gold“ sein kann. Nicht das gedruckte „Schein-Geld“ und schon gar
nicht das aus der Luft geholte Giralgeld.
Diese Auffassung, dass Geld in unterschiedlichen Klassen nach
dem materiellen Gehalt zu betrachten sei, ist weit verbreitet.
18
Demnach gilt:
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
13
Geld nach materiellem Gehalt
(übliche, volkstümliche Bewertung)
• Warengeld, bevorzugt Edelmetalle, Gold und
Silber,
das ist gutes, richtiges Geld,
• Papiergeld mit hoher oder vollständiger
Edelmetalldeckung, begründet u.U. Anspruch
auf Umtausch in Edelmetall,
ist eine Sonderform
des guten Geldes
• Papiergeld mit geringer oder keiner
Edelmetalldeckung, begründet keinen Anspruch
auf Tausch in Edelmetall,
ist schlechtes Geld
• Giralgeld nur als Ziffernfolge auf
Kontoauszügen, nicht materiell existent,
ist also überhaupt kein Geld
Warengeld, in aller Regel aus Gold oder Silber, bzw.
Edelmetalllegierungen hergestellt hat einen Wert, ist richtiges Geld.
Banknoten, aus Papier und Druckfarbe, Metallfäden und
Hologrammfolien hergestellt, haben einen Wert, solange sie in
ausreichendem Maße durch Edelmetalle (oder andere werthaltige
Waren) gedeckt sind, d.h. solange für jeden Geldschein auch die
entsprechende Menge richtigen Geldes (Gold/Silber) gelagert ist und
gegen die Banknote herausgegeben werden muss.
Giral- oder Kreditgeld hingegen hat keinen Wert und ist Betrug und
Schwindel.
Dass munter mit Giralgeld bezahlt wird, als sei es richtiges Geld, wird
von den Vertretern dieser Theorie nicht wahrgenommen, und wenn,
dann werden seltsame Thesen über die Mehrfachnutzung des gleichen
19
Geldes durch kreditbasierte Weitergabe in die Welt gesetzt, die aber
nur damit nur verwirren und vernebeln. Sie alle kennen diese
Aussagen, ich muss mich deshalb hier nicht lange aufhalten.
Das einzig Wahre und Wichtige an diesen Aussagen ist, dass es
tatsächlich eine Art Hierarchie des Geldes, oder unterschiedliche
Klassen von Geld gibt – doch diese Untergliederung folgt ganz
anderen Kriterien.
Das schon alleine deshalb, weil wir uns mit dem real existierenden
Geld der Gegenwart beschäftigen, das (auch wenn es noch
Goldreserven der Zentralbanken gibt) keinerlei Edelmetalldeckung
mehr kennt.
Die wichtige und für das Verständnis des Geldes unabdingbare
Untergliederung ist die nach dem Maß der Liquidität des Geldes.
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
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Geld nach Liquiditätsklassen
(Aggregatszustände)
• Fest
festgelegtes, erstarrtes, wartendes Geld
(Immanenz)
• Flüssig
umlaufendes, flüssiges Geld mit dem bezahlt
und getilgt werden kann (Potenz)
• „gasförmig“
die große Wolke der Kreditspielräume
(Latenz)
Die Analogie zu den Aggregatszuständen der Materie – fest – flüssig
– gasförmig – drängt sich förmlich auf.
20
Wir legen Geld fest, wir sind flüssig, und wir haben (was seltener
wahrgenommen wird) die große Gaswolke der Kreditspielräume, die
das gesamte Wirtschaften einhüllt.
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
15
Flüssiges Geld, Liquidität
Kennzeichnende Merkmale
• Der Inhaber kann frei über Zeitpunkt und
Art der Verwendung entscheiden.
• Es kann ohne weitere Transformation
unmittelbar als Zahlungsmittel eingesetzt
werden.
• Es kann ohne weitere Transformation
unmittelbar zur Tilgung von Schulden
eingesetzt werden.
Beginnen wir bei der Betrachtung dieser Aggregatszustände des
Geldes an der Stelle, die dem hergebrachten Verständnis des Geldes
am besten entspricht, beim liquiden, flüssigen Geld.
Die kennzeichnenden Merkmale der Liquidität sind:
Der Inhaber der Liquidität, der Besitzer „flüssigen“ Geldes kann frei
über den Zeitpunkt und die Art der Verwendung des Geldes
entscheiden.
Flüssiges Geld kann ohne weitere Transformation unmittelbar als
Zahlungsmittel eingesetzt werden.
Flüssiges Geld kann ohne weitere Transformationen unmittelbar zur
Tilgung von Schulden eingesetzt werden.
21
Wenn wir diese Kriterien an die bekannten Erscheinungsformen des
Geldes anlegen, dann stellen wir fest:
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
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Flüssiges Geld, Liquidität
Erscheinungsformen
• Münzen
(Scheidemünzen nur bedingt)
• Banknoten
• Sichtguthaben auf Girokonten
nicht dazu gehören
• „Geld“ auf aufladbaren Geldkarten
• Kreditkarten
Münzen, Banknoten und sofort fällige Guthaben auf Girokonten,
auch Sichtguthaben genannt, fallen eindeutig in diese Kategorie.
Aufladbare Geldkarten, auch Kreditkarten „fühlen“ sich zwar so
ähnlich an, doch die Geldkarte ist an bestimmte Akzeptanzstellen
gebunden, unterliegt also Einschränkungen in der Art der
Verwendung, kann auch nicht ohne weitere Transformation zur
Tilgung von Schulden eingesetzt werden.
Kreditkarten andererseits bezahlen nicht, sie geben dem
akzeptierenden Partner lediglich eine Zahlungsgarantie, die aber erst
eingelöst ist, wenn die Kartengesellschaft den Rechnungsbetrag (um
Gebühren vermindert) an den Leistenden überweist. Die Nutzung der
Kreditkarte hat im Zahlungsverkehr keine andere Funktion als die
22
Vereinbarung eines Zahlungsziels. Entspricht also in ihrer Wirkung
der Vereinbarung zahlbar innerhalb 30 Tagen mit 2 % Skonto.
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
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Immanentes, latentes bzw. gar kein Geld
(Aggregatszustände fest und gasförmig)
1. Geld auf Sparbüchern
2. Geld in/auf Sparbriefen
3. Geld in (festverzinslichen) Pfandbriefen,
Anleihen, Schuldverschreibungen von Banken
4. Geld auf Tagesgeldkonten
5. Geld in (festverzinslichen) Pfandbriefen,
Anleihen, Schuldverschreibungen von
Nichtbanken
6. Vermeintliches Geld in Fondsanteilen, Aktien
und Derivaten
7. Geld im nicht ausgeschöpften
Dispositionsrahmen, in der offenen Kreditlinie
Alle weiteren Erscheinungsformen des Geldes passen noch weniger in
diese Kategorie, weil sie praktisch in allen Kriterien versagen.
Die uns allen wohlbekannten Geldformen, nämlich
1) das Geld auf dem Tagesgeldkonto,
2) das Geld auf dem Sparbuch,
3) das Geld auf dem Sparbrief,
4) das Geld in (festverzinslichen) Pfandbriefen, Anleihen,
Schuldverschreibungen von Geldinstituten,
5) das Geld in (festverzinslichen) Pfandbriefen, Anleihen
Schuldverschreibungen von Nichtbanken,
6) das (vermeintliche) Geld in Fondsanteilen und Aktien und
Derivaten,
7) das (vermeintliche) Geld im nicht ausgeschöpften
23
Dispositionsrahmen, in der offenen Kreditlinie
sind kein flüssiges, liquides Geld.
Es handelt sich in den Fällen 1 bis 5 um terminierte Ansprüche auf
Geld.
Niemand kann im Supermarkt mit einem Sparbuch bezahlen.
Auch der Kontoauszug des Tagesgeldkontos wird nicht akzeptiert und
auf die Wandelschuldverschreibung der Waggonfabrik Rollegut AG
wird an der Kasse des Supermarktes ebensowenig herausgegeben wie
auf den Pfandbrief der Allgemeinen Kredit- und Handelsbank.
Vom Sparbuch oder vom Tagesgeldkonto muss zunächst Geld
abgehoben werden, das festverzinsliche Papier muss verkauft,
liquidiert, flüssig gemacht werden, um damit wirklich bezahlen zu
können. Das gilt gleichermaßen für die Tilgung von Krediten und die
Zahlung von Steuern. Dass gelegentlich „Wertpapiere“ an Zahlungs
Statt angenommen werden, ändert daran nichts, denn das liegt im
Ermessen des Gläubigers, nicht im Ermessen des Inhabers der
Papiere. Halten wir also als wichtige Erkenntnis fest:
Sparguthaben und festverzinsliche Wertpapiere erfordern die
Festlegung
des dafür zu zahlenden Geldes. Auch wenn die Frist,
wie beim Tagesgeld, praktisch vernachlässigbar kurz ist, handelt
es sich dabei nicht um Geld, sondern lediglich um terminierte
Ansprüche auf Geld.
Morgen, am Monatsende, am Quartalsende, in 3, 5, 7, 10, 20 oder
gar erst 50 Jahren erhält der Inhaber dafür wieder Geld.
24
Nicht heute, nicht jetzt.
Im Fall 6, Aktien und Fonds, stehen lediglich Sachwerte zur
Verfügung, die in Anteile aufgeteilt sind, einem (einigermaßen)
geregelten Handel unterliegen und meist relativ einfach wieder gegen
Geld verkauft werden können.
Es gibt dabei nicht einmal einen terminierten Anspruch auf Geld, wie
bei den Festverzinslichen, die zum Ende der Laufzeit eingelöst
werden, sondern lediglich die „Hoffnung“ jemanden zu finden, der
das Papier kauft und dafür mit Geld bezahlt, wenn der Eigentümer des
Anteilsscheines Geld braucht.
Der Fall 7, Kreditrahmen, zeigt ebenfalls nicht Geld, sondern
lediglich Kreditzusagen, bzw. Kreditangebote, die durch einfache
Verfügung angenommen werden. Dabei entsteht ein Guthaben-
Schulden-Paar, dessen Guthaben-Teil erst durch die Verfügung des
Kontoinhabers (die Verwendung des Geldes steht unter der
Voraussetzung der gleichzeitigen Verschuldung) zu Geld wird, aber –
genau deshalb – auch erst beim Empfänger der Überweisung, nicht
beim Aussteller.
Geld aus Kreditlinien ist potentielles Geld, das bereits dem
gasförmigen Bereich zugeordnet werden muss.
Darüber hinaus ist im gasförmigen Bereich das gesamte Potential der
Geldschöpfung des Bankensystems enthalten, dessen Volumen – trotz
der Mindestreservepflicht – über die Zeit gegen Unendlich strebt.
25
So wie ein Gas jeden verfügbaren Raum ausfüllt, steht jedem
„rentablen“ Plan ein mehr als ausreichendes und ausschöpfbares
Kreditpotential gegenüber.
Wie das funktioniert, erkennt man am besten daran, wenn man den
Weg des Geldes durch die Aggregatszustände verfolgt, also
nachvollzieht, wie aus dem nicht greifbaren, gasförmigen Potential
tatsächlich flüssiges Geld wird und wie dieses dann zu festem,
unbeweglichem, Geldvermögen gerinnt.
Vom Potential zum flüssigen Geld und zurück
Die Urformel des in der Gegenwart genutzten Geldes lautet
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
18
Fiat money,
Es werde Geld!
0 = 1 -1
Erfordert bestimmte Voraussetzungen
nämlich
Bonität und Sicherheiten
0 = 1 – 1 oder “Fiat money!“
Betrachten wir dieses Phänomen einmal ohne die vermeintlich
begrenzenden, de facto nur bremsenden, und daher irreführenden
26
Bedingungen einer Mindestreservepflicht zu berücksichtigen,
ohne handelsrechtliche und sonstige gesetzliche Vorschriften
anzuwenden und
ohne auf die Bedürfnisse der antiquierten Formen des Münz- und
Notengeldes einzugehen,
dann ist das Potential der Geldschöpfung tatsächlich unendlich.
Der heute überall zu konstatierende Geldmangel in der Realwirtschaft,
hat seine Ursache also nicht in irgendwelchen Grenzen des Potentials.
Für den Geldmangel gibt es andere Gründe. Einer davon, den wir an
dieser Stelle zu betrachten haben, ist die Zurückhaltung der Banken
bei der Ausschöpfung des Potentials.
Wenn die Formel 0 = 1 – 1 tatsächlich angewandt, der Befehl „Fiat
money, Es werde Geld!“, tatsächlich ausgesprochen werden soll,
muss derjenige, der Geld verwenden will, den Nachweis erbringen,
dass er in der Lage sein wird, das erhaltene Geld vollständig innerhalb
der vereinbarten Frist zurückzuzahlen,
dass er darüberhinaus in der Lage sein wird, den vereinbarten Zins
pünktlich zu zahlen
und in aller Regel wird er der Bank auch Sicherheiten zu stellen
haben, aus der sie sich bedienen kann, wenn trotz aller peinlichen
27
Prüfung die Rückzahlung nicht pünktlich gelingen sollte.
Diese Rituale der Prüfung der Kreditwürdigkeit haben durchaus einen
Sinn. Aber dieser Sinn liegt eben nicht darin, die Bank vor einem
Verlust zu bewahren. Ein notleidender Kredit wird ausgebucht. Die
Forderung verschwindet, ebenso wie vorher das Guthaben
verschwunden ist. Punkt, aus Amen.
Das Problem ist, dass das Geld, das aus dem Guthaben-Schulden-Paar
entsprungen ist, nicht wieder eingefangen werden kann. Egal, wer es
hat und wie er dazu gekommen ist, es handelt sich um vollkommen
freies, unbelastetes Geld. Wobei dieser Zustand keine Eigenschaft
eines bestimmten Guthabens auf einem Girokonto oder eines
bestimmten Packens von Geldscheinen ist, sondern eine Veränderung
in der Qualität der Geldmenge.
Es handelt sich um Geld, das übrig bleiben könnte, wenn alle
Schulden getilgt sind.
Nach diesem Vorgriff auf die endgültige Beantwortung der Kernfrage,
wenden wir uns nochmals in aller Ruhe dem Prozess zu, der abläuft,
wenn Geld aus dem „gasförmigen“ Zustand in den „flüssigen“
28
überführt wird.
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
19
Hausbau - Kalkulation
• Grund vorhanden
• Baukosten 300.000
• Architekt 40.000
• Gebühren 20.000
• Summe 360.000
Ein Mensch will ein Haus bauen.
Das Grundstück hat er schon, und dazu Wertpapiere im Zeitwert von
100.000 Euro, die er einsetzen will. Der Architekt hat für die
Errichtung des Hauses einen Kostenvoranschlag über 300.000 Euro
vorgelegt, sein Honorar wird 40.000 Euro betragen, allfällige
Genehmigungen und Gebühren werden weitere 20.000 Euro
verschlingen, also muss ein Kredit über 260.000 Euro gewährt
werden.
Der Mensch ist in der Lage, aus seinem Einkommen monatlich rund
2.300 Euro für Zins und Tilgung aufzubringen, einesteils, weil er sich
monatlich 1.000 Euro für die bisherige Mietwohnung spart,
andererseits, weil ihm der Staat steuerlich entgegenkommt und
letztlich weil er einen gut bezahlten Job hat.
29
Der Banker, der den Wert des Grundstücks kennt und den Wert des zu
errichtenden Hauses richtig einschätzt, lässt sich Haus und Grund als
Hypothek verpfänden und genehmigt den Kredit.
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
20
Hausbau - Finanzierung
• Verkauf von
Wertpapieren 100.000
• Hypothek 260.000
• Summe
360.000
Der Mensch hat nun ein Kreditkonto, dass 260.000 Euro Schulden
ausweist, sein Wertpapierdepot im Zeitwert von 100.000 Euro und ein
Grundstück.
Ein Jahr später hat er immer noch 250.000 Euro Schulden, kein
Wertpapierdepot mehr, aber ein bezugsfertiges Haus.
Danach wird er noch ungefähr 14 Jahre lang monatlich 2.300 Euro
von seinem Guthaben auf dem Gehaltskonto auf sein Kreditkonto
überweisen, und, nachdem er insgesamt 414.000 Euro an die Bank
bezahlt hat – und nichts dazwischen kommt – schuldenfrei zu sein.
30
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
21
Hausbau - Geldflüsse
Girokonto
Wertpapierverkauf +100.000
Kreditauszahlung +260.000
Abflüsse vom Girokonto
Handwerker -300.000
Architekt
-40.000
Behörden
-20.000
Bauzeit 1 Jahr
Saldo bei Fertig-
stellung
0
Kreditkonto
Anfangssaldo
-260.000
Zinsbelastungen
über die Laufzeit
-154.000
Schuldendienst
mtl. 2.300
ergibt insgesamt
Zins und Tilgung
über die Laufzeit 414.000
Saldo, 14 Jahre
nach Erstbezug
0
Folie erläutern!!!
Wir haben also die Erkenntnis gewonnen, dass durch eine einfache
Buchung auf dem Girokonto und eine ebenso einfache Buchung auf
einem neu errichteten Kreditkonto wiederum jenes Guthaben-
Schulden-Paar geschaffen wurde, das wir in dieser Betrachtung schon
mehrfach angetroffen haben.
Durch den Bau des Hauses entstanden Kosten. Die Rechnungen der
Handwerker und des Architekten wurden aus dem Guthaben bezahlt.
Handwerker, Architekt und Genehmigungsbehörden haben insgesamt
260.000 Euro Geld erhalten, das es vorher nicht gab und über das sie
frei und ohne Einschränkungen verfügen können.
Indem der Bauherr aus seinem laufenden Einkommen ständig Beträge
abzweigt und als Tilgungsraten auf sein Kreditkonto überweist, wird
mit der Vernichtung der Schulden gleichzeitig auch die Vernichtung
der durch den Kredit geschaffenen Geldmenge bewirkt.
31
Wir erkennen hier also den Übergang in der anderen Richtung, vom
flüssigen Geld, zurück in den Bereich des bloßen Potentials vollzieht
sich der Wandel durch den Akt der Tilgung.
Flüssiges Geld entsteht aus dem Nichts durch den Akt der
Geldschöpfung und es wird durch den Akt der Tilgung auf dem
umgekehrten Wege auch wieder vollständig aufgelöst.
Die Einbahnstraße
vom flüssigen Geld zum stillgelegten Geldvermögen
Wer über flüssiges Geld verfügt, hat jederzeit die Freiheit, dieses Geld
in Geldvermögen umzuwandeln, indem er es für eine bestimmte Zeit –
in aller Regel gegen ein Zinsversprechen – festlegt.
Technisch ist dies ein sehr einfacher Vorgang.
Das Guthaben auf dem Girokonto wird ausgebucht und dafür ein
gleich hohes Guthaben auf einem Guthabenkonto mit vereinbarter
Festlegungs- oder Kündigungsfrist eingebucht.
Weder das Vermögen der Bank, noch das Vermögen des Bankkunden
ändern sich damit in ihrer Höhe.
32
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
22
Einbahnstrasse flüssig - fest
• Einlagen werden nicht verliehen, das
machen Banken ganz anders.
• Das Kreditgeschäft hat mit dem
Einlagengeschäft dem Grunde nach nichts
zu tun
• Einlagen bleiben entweder Reserven, oder
sie werden von der Bank in die
Finanzmärkte eingespeist, bleiben der
Realwirtschaft also entzogen.
Doch die Qualität des Geldes des Bankkunden hat sich verändert, von
einem Augenblick zum anderen ist das eben noch flüssige Geld zu
kaltem Geldvermögen erstarrt. Es kann weder kaufen, noch tilgen. Es
liegt und wartet darauf, eines Tages wieder in Geld umgetauscht zu
werden.
Dieser für den Bankkunden eher nachteilige Umwandlungsprozess,
der ihm nur durch die zugesagte Zinszahlung schmackhaft gemacht
wird, hat für die Bank allerdings eine hochinteressante Wirkung:
Sie muss nun nämlich nicht mehr damit rechnen, dass der Kunde über
das Geld, das er auf seinem Girokonto geparkt hatte, urplötzlich
verfügt.
Aus einem Vertragsverhältnis, das eine Mischung aus einem
Dienstleistungsvertrag zur Kontoführung und einem Kreditvertrag
war, ist ein reinrassiger Kreditvertrag geworden. Die Bank hält nun
einerseits das Guthaben über flüssiges Geld (wie zuvor der
Bankkunde) und sie hält zugleich die entsprechende Schuld gegenüber
33
dem Kunden, also die Verpflichtung, ihm dieses flüssige Geld nach
Ablauf der Festlegungsfrist zurückzugeben.
Anders ausgedrückt:
Bis zum Ablauf der Festlegungsfrist kann sie mit dem flüssigen Geld
des Bankkunden machen, was immer sie will. Zum Beispiel an der
Börse spekulieren, oder Löhne und Gehälter der eigenen Angestellten
zahlen, oder ein neues Verwaltungsgebäude errichten, oder aber auch
gar nichts.
Was sie garantiert nicht tut, ist, dieses Geld zu verleihen.
Das Kreditgeschäft nach der Formel 0 = 1 - 1 hat mit dem
Einlagegeschäft dem Grunde nach überhaupt nichts zu tun.
Lediglich die Vorschrift, für alle ‚Einlagen’ die - in etwa - der
Definition der Geldmenge M3 entsprechen
(also Sichtguthaben + kurzfristig festgelegte Gelder bis max. 2 Jahre)
als Mindestreserve einen Betrag in Höhe von 2 Prozent dieser
Einlagen bei der Zentralbank zu halten, bestimmt für einen kleinen
Teil der Einlagen den Verwendungszweck.
Da Banken die Kosten ihres Geschäftsbetriebes üblicherweise aus
Gebühreneinnahmen finanzieren, aus eigenen Anlagegeschäften und
34
dem Kreditgeschäft ausreichende Gewinne erwirtschaften, um auch
weitere Kosten, einschließlich der Zinsen für Einlagen und des
Kreditausfallrisikos tragen zu können, ohne deshalb gleich Verluste zu
schreiben, besteht für die Bank keine Veranlassung die ihr zur
Verfügung gestellten Einlagen zu verwenden, um damit
realwirtschaftliche Güter und Leistungen zu bezahlen.
Daraus folgt:
Einlagen bei Geschäftsbanken sind der Realwirtschaft in weiten
Teilen dauerhaft entzogen.
Sie finden, wenn sie nicht einfach als Reserven stillgelegt bleiben,
zumeist den direkten Weg in die reinen Finanz- und
Spekulationsmärkte, wo für die Bank die höchsten Renditen zu
erwirtschaften sind.
Im Karussell der Finanzmärkte vermehrt sich das Geldvermögen
durch die schnelle Abfolge von Transaktionen, die mit Geld bezahlt
werden, das nur noch selten und nur in kleinen Beträgen in die
Realwirtschaft zurückfindet.
35
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
23
Einbahnstraße flüssig - fest
• Nicht nur Banken entziehen der Realwirtschaft
Geld
(weil sie Tilgungsgeld in Nichts auflösen)
und weil sie Einlagen als Reserven stilllegen
oder in Finanzmärkten parken
• Prinzipiell kann jedes Geldvermögen flüssiges
Geld auf einen Weg außerhalb der
Realwirtschaft leiten
Doch es muss nicht die Bank sein, die Geld aus der Realwirtschaft an
die Finanzmärkte, also in die Spekulation transportiert. Jeder einzelne
Geldbesitzer hat die Freiheit, sein Geld auch direkt in mehr oder
weniger spekulativen Titeln anzulegen.
Auch der grenzüberschreitende Geld- und Kapitalverkehr ist nahezu
uneingeschränkt für jedermann möglich, so dass große Geldmengen
zwar mit Mitwirkung, aber ohne direkten Einfluss der Banken, aus der
Realwirtschaft abfließen.
Die Bildung von Geldvermögen eröffnet also grundsätzlich einen
Weg, über den flüssiges Geld die Kreisläufe der Realwirtschaft
verlassen kann. Dabei ist es ziemlich egal, ob dies über den Umweg
banküblicher Sparformen geschieht, oder ob direkt in Aktien,
argentinischen Rinderhälften, oder Fondsanteilen angelegt wird.
36
Dieses Geld, das bei den Vermögenden angekommen ist, die selbst
per Saldo keine Schulden, also per Saldo auch keine
Tilgungsverpflichtungen haben,
kann von den Schuldnern auf den Märkten der Realwirtschaft nicht
erworben werden. Auch noch so viel zusätzliche Arbeit hilft nichts,
denn Arbeit erzeugt immer nur Produkte, benötigt würde aber
vordringlich das Geld, um fällige Tilgungsleistungen erbringen zu
können.
Es gibt nur einen Weg, diesen Geldverlust im Raum der
Realwirtschaft auszugleichen:
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
24
Zwangsläufige Folge:
• Neue Schulden.
• Einen direkten Rückweg aus erstarrtem
Geldvermögen in flüssiges Geld gibt es
nicht (von reinen Reserven abgesehen)
Es müssen mindestens in dem Umfang, in dem der Realwirtschaft
Geld durch die reinen Finanz- und Spekulationsmärkte entzogen
wird, neue, zusätzliche Schulden gemacht werden.
37
Denn:
Einen direkten Rückweg aus dem erstarrten Geldvermögen in
flüssiges Geld gibt es nicht.
Nur in dem Maße, in dem die Banken die Einlagen einfach als
Reserven liegen lassen, können fällige Ansprüche auf Geld auch
wieder direkt befriedigt werden.
Alles flüssige Geld, das verwendet wird, um Geldvermögen oder
Sachwerte zu kaufen, geht beim Empfänger über Kurz oder Lang
entweder den Weg der Tilgung und löst sich dabei in Nichts auf, oder
es wechselt in den Kreislauf der Finanzmärkte und verbleibt im
wesentlichen dort. Was aus den Finanzmärkten zufällig als
Konsumausgabe oder zur Finanzierung von neuen Sachinvestitionen
in die Realwirtschaft zurückfließt, wird früher oder später ebenfalls
wieder der Tilgung – oder dem Prozess der Bildung neuen
Geldvermögens zum Opfer fallen.
Geld, das einmal zu Geldvermögen geronnen ist, fehlt der
Realwirtschaft.
Geld das einmal zu Geldvermögen geronnen ist, kann nur in
begrenztem Umfang direkt in flüssiges Geld zurückverwandelt
werden.
Nämlich in dem Maße, wie es von den Banken den Reserven
zugeführt, also gehortet wurde. Dieses von den Banken „gehortete
38
Geld“ dient aber unter den Bedingungen der Mindestreservepflicht
gleichzeitig als Basis für neue Kreditgewährungen nach der Formel
0 = 1 – 1.
Alles darüber hinausgehende „Geldvermögen“, das in Geld
zurückverwandelt werden will, muss „verkauft“ werden. Der Käufer
muss das Geld dafür aufbringen. Weil dem Kreislauf der
Realwirtschaft durch Tilgung und Bildung von Geldvermögen aber
beständig liquide Mittel entzogen werden, muss der Umwandlung von
Geldvermögen in Geld zwangsläufig eine entsprechende
Neuverschuldung vorausgehen.
Dies ist der richtige Zeitpunkt, um ein erstes Zwischenergebnis
festzuhalten:
Geld entsteht durch Kreditgewährung. Einmal entstandenes Geld
kann weiterverliehen werden (speziell zwischen Nichtbanken). Es
löst sich durch Tilgung auf.
Die zur Tilgung erforderliche Menge flüssigen Geldes steht in dem
Maße nicht zur Verfügung, wie es der Realwirtschaft zugunsten
der Finanzmärkte durch die Bildung von Geldvermögen entzogen
wird.
Folglich kann die vereinbarte Tilgungsleistung nur dann erbracht
werden, wenn der bei der Umwandlung in Geldvermögen
auftretende Verlust flüssigen Geldes durch neue Kredite
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ausgeglichen wird. Doch auch wenn dies geschieht, wird das
Problem nur über die Zeitachse in die Zukunft geschoben. Dabei
wird es nicht kleiner, sondern stetig größer.
Daraus lässt sich wiederum schließen, dass es praktisch
unmöglich sein muss, die existierenden Schulden mit dem
gleichzeitig existierenden flüssigen Geld zu tilgen, solange Teile
dieses flüssigen Geldes dort gehalten werden, wo keine
Tilgungsverpflichtung besteht.
Nur wenn alles flüssige Geld solange ausgegeben und umgesetzt
wird, bis der letzte Schuldner das letzte Geld in der Hand hatte,
um damit seine Schuld zu tilgen, ist die vollständige Tilgung aller
Schulden mit dem gleichzeitig existenten Geld denkbar.
Eine Vorstellung, die zwar jeder realistischen Grundlage
entbehrt, aber zumindest noch eine minimale theoretische Chance
der Lösung offen lässt.