Wie viel Geld bleibt übrig,
wenn alle Schulden
getilgt sind?
Praktische Folgen der
angewandten Theorie
Egon W. Kreutzer
Dresden, 7. Juni 2005
Guten Abend,
meine Damen, meine Herren!
Ich freue mich, dass Sie heute Abend hier her gefunden haben, um mit
mir gemeinsam an der Frage zu arbeiten:
“Wie viel Geld bleibt übrig, wenn alle Schulden bezahlt sind?“
Diese Frage scheint nur auf den ersten Blick trivial, und diejenigen,
die es bei einem ersten Blick belassen haben, werden sich für heute
Abend im Vollgefühl geistiger Überlegenheit eine andere
Beschäftigung gesucht haben. Das macht es mir einfach.
Ja, sicher.
Sie alle sind doch gekommen, weil Sie – und das zu Recht – davon
ausgehen, mehr zu erfahren, als Sie schon wissen und neugierig sind
auf die Antwort, die ich Ihnen anbieten werde. Wir werden also völlig
unter uns sein und ungestört auf dieses gemeinsame Ziel hinarbeiten
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können.
Ursprünglich habe ich die Frage: „Wieviel Geld bleibt übrig, wenn
alle Schulden getilgt sind?“, in einem offenen Brief an den bayrischen
Ministerpräsidenten, Edmund Stoiber gestellt – er hat, um es
vorwegzunehmen, darauf nicht geantwortet, noch nicht einmal
antworten lassen – aber damit hatte ich auch nicht unbedingt
gerechnet. Ich wollte damit im Grunde die Frage stellen, ob es
überhaupt möglich ist, die Schulden der öffentlichen Haushalte zu
tilgen, ohne dass sich dafür Wirtschaft und private Haushalte im
mindestens gleichen Maße zusätzlich verschulden müssen, um die
Wirtschaft lebensfähig zu halten.
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
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Sparen, tilgen, Wohlstand
schaffen...
• Von Hans Eichel bis Edmund Stoiber
verlangt Politik – in erster Linie vom
Staat, weniger von sich selbst – mehr
Sparsamkeit.
• Das erklärte Ziel:
Die kommenden Generationen sollen
entlastet werden.
Schließlich gibt es in der veröffentlichten Meinung und in der davon
beeindruckten Politik den Glaubenssatz:
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Es ist gut und nützlich und dringend geboten, die Schulden der
Öffentlichen Haushalte zurückzufahren und am Ende vollständig zu
tilgen.
Da finden sich sogar Politiker mit ansonsten ideologisch vollkommen
unvereinbaren Positionen, wie Edmund Stoiber und Hans Eichel in
seltener Übereinstimmung wieder, und werden nicht müde, zu
behaupten, es lohne sich, für die forcierte Tilgung der Staatsschulden
nach Kräften zu sparen, zu kürzen, Personal zu entlassen und
Tafelsilber zu verscherbeln. Nur so – und dann wird es nebulös – kann
den künftigen Generationen irgendwie, irgendetwas Schlimmes
erspart, dafür etwas Gutes getan werden, auch sei es nötig, um wieder
Wachstum und Arbeitsplätze schaffen zu können, et cetera, blah, blah.
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
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...und je mehr gespart wird, desto
knapper wird das Geld
Für das Fehlen des Geldes wird ganz allgemein keine andere
Ursache gefunden, als f ehlendes Wachstum
und für das fehlende Wachstum werden zu hohe Kosten
verantwortlich gemacht, sodass die von Politik,
Wirtschaftsweisen und Wirtschaftsverbänden
vorgebetete Lösung sich auf die knappe Formel
bringen lässt:
Wir müssen das Wachstum
herbeisparen, und das um jeden Preis!
Das Stoiber nicht geantwortet hat, kann daran liegen, dass einer seiner
Berater über die Frage nachgedacht hat und zu deprimierenden
Erkenntnissen gekommen ist. Das lässt sich nachvollziehen.
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Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
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Wo das Geld bleibt:
• Beim Staat
nicht
, der ist
pleite
• Bei den Sozialkassen
nicht
, die sind pleite
• Bei den Kommunen
nicht
,
die sind pleite
• Bei den KMUs
nicht
, die
stehen vor der Pleite
• Bei mir?
Nein, auch nicht.
Trotz allen Sparens wird das Geld nicht mehr, sondern eher
weniger. Kehren wir daher zurück zur Kernfrage:
Wieviel Geld bleibt übrig, wenn alle Schulden getilgt sind?
Lassen wir zunächst einmal Revue passieren, welche ausreichend
unterscheidbaren Antwortmöglichkeiten überhaupt zur Verfügung
stehen.
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
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Wieviel Geld bleibt übrig?
ALLES?
Oder nur relativ viel?
NICHTS?
Vielleicht auch nur
relativ wenig?
Oder ist die Tilgung aller Schulden letztlich
völlig unmöglich?
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ALLES Ich weiß nicht, ob jemand unter Ihnen ist, der glaubt,
nachdem die Schulden getilgt sind, sei weiterhin alles Geld
vorhanden, aber ich weiß, dass es diese Vorstellung gibt, und dass sie
daher behandelt werden muss.
NICHTS Es gibt, wenn auch selten, sogar die Auffassung, nach
erfolgter Tilgung aller Schulden sei genau so viel Geld verschwunden,
wie vorhanden war, als es auch die Schulden noch gab.
Dazwischen ist praktisch alles möglich, von
RELATIV VIEL
bis
RELATIV WENIG
was heißt, das ein nicht genau vorhersagbarer, eher kleiner, oder eher
großer Anteil der Geldmenge durch die Tilgung verschwindet.
ES IST UNMÖGLICH Was? Es ist unmöglich, alle Schulden zu
bezahlen. Vollkommen unmöglich. Das ist die Antwort, die ich Ihnen
im Verlaufe dieses Vortrags plausibel und verständlich machen will.
Es ist die Antwort, die einen ganzen Sack voller neuer Fragen aufwirft
und mindestens ebenso viele alte Antworten und Rezepte als Irrtümer
hinstellt.
Doch bis dahin ist es (, wie ich aus Ihrer Reaktion entnehme,) ein
weiter Weg.
Beginnen wir also damit, uns mit den Antworten Alles, relativ viel,
relativ wenig, nichts – und den dahinter stehenden Annahmen über
das Geld zu befassen.
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Alles bleibt übrig.
Geld geht durch Tilgung doch nicht
verloren, natürlich bleibt alles übrig
Frau Müller hat Geld
Der Banker bekommt es
Herr Maier leiht es
Und gibt es zurück
Frau Müller hat es wieder
Wer annimmt, durch die Tilgung von Schulden ändere sich an der
Geldmenge überhaupt nichts, dessen Welt- und Geldbild ist von der
hier dargestellten Ansicht geprägt.
Menschen HABEN eine bestimmte Menge Geldes.
Manche Menschen haben Teile ihres Geldes an andere Menschen
verliehen.
Wenn dieses verliehene Geld zurückgegeben wird, ist es wieder
bei den ursprünglichen Besitzern.
Dieses Bild ist verblüffend schön, einfach und übersichtlich.
Es verwöhnt den Betrachter mit seiner mäßigen Komplexität und
seiner immer gleichen Dynamik.
Eigentlich schade, dass es falsch ist.
Es ist sogar mehrfach falsch.
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Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
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Leider ist dieses schöne Bild
falsch.
Es bildet einen vereinfachten und verkürzten W eg des Geldes ab und
stimmt daher mit der Realität nicht überein.
Schuldner leihen sich Geld nicht, nur um es bei nächster Gelegenheit
wieder zurückzuzahlen. Sie geben aus.
Schuldner müssen sich das Geld für die Tilgung erst wieder beschaffen, bevor
sie tilgen können. Jeder Schuldner müsste also von dem ausgegebenen Geld
pünktlich genau so viel zurück-erwirtschaften, dass er seinen Verpflichtungen
nachkommen kann. Das setzt aber voraus, dass alles Geld im Umlauf bleibt,
auch das ist bekanntlich nicht er Fall.
Wesentlicher Mangel der Argumentation:
Sie geht von einer unveränderten, stets gleich bleibenden Geldmenge aus.
Es wird immer nur das verliehen, was schon da ist.
Erstens sieht es so aus, als ob Schulden nur gemacht würden, um
sie bei Fälligkeit zurückzuzahlen. Wie sich die Situation in der
Realität entwickelt, wenn nämlich auch nur einer der Schuldner
zwischenzeitlich auf die Idee kommen sollte, das geliehene Geld
auszugeben, wird vorsichtshalber nicht betrachtet.
Zweitens – und das ist die logische Folge von Erstens – unterstellt
es, dass jeder Schuldner, wenn er das Geld denn ausgibt (und dafür hat
er es ja wohl geliehen) pünktlich zur Fälligkeit wieder im Besitz der
vollständigen Menge geliehenen Geldes sein wird und es, so
vollständig, wie er es geliehen hat, zurückzahlen kann.
Das ist ein Fall, der sich im theoretischen Sandkastenspiel gerade
noch hindefinieren lässt. In der Realität ist er vollkommen
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ausgeschlossen. Aber das ist noch nicht die letzte Macke dieses
Geldbildes.
Es braucht darüber hinaus auch noch die Annahme:
Drittens – und das ist jetzt ganz spannend –
dass die Gläubiger bei den Schuldnern mehr Waren kaufen und
Leistungen in Anspruch nehmen, als die Schuldner bei den
Gläubigern.
Ganz langsam, zum Mitdenken:
Nur wenn die Schuldner höhere Einnahmen haben, als Ausgaben, sind
sie in der Lage, die Leistungen für Tilgung und Zinsen zu
erwirtschaften.
Wie stark sich der einzelne Gläubiger an diesem Spiel beteiligt, ist
nicht relevant, aber es ist unbedingt erforderlich, dass jeder einzelne
Schuldner von diesem Mehr-Umsatz exakt so viel für sich
erwirtschaftet, wie erforderlich ist, um die auf seine Schuld
entfallenden Zinsen bezahlen zu können.
Viertens – und das ist das vermutlich entscheidende Manko dieses
Geldbildes –
gibt es in diesem Modell keinerlei Zuwachs an Geld. Es wird immer
nur das verliehen, was schon da ist, gerade so, als sei die Geldmenge
eine Naturkonstante.
Dies allerdings steht in einem krassen Widerspruch zur Realität.
In der Realität ändert sich die Geldmenge ständig – und das nicht,
weil der Staat oder die Zentralbank zusätzliches Geld herstellen und in
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Umlauf bringen.
Text aus der FAZ 23. Juli 2004
Noch keine drei Monate ist der neue Präsident der Deutschen
Bundesbank, Axel Weber, im Amt - und schon hat er eine Debatte um
die geldpolitische Strategie der Europäischen Zentralbank (EZB)
angestoßen. Der Wirtschaftswissenschaftler Weber sagte in einem
Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die monetäre
Analyse sei „wichtig, aber nicht zentral”. „Man sollte sie nicht
vernachlässigen, aber man sollte sie auch nicht überbetonen”, sagte
Weber weiter und er wies der wirtschaftlichen Analyse von
Preisrisiken eine „sehr zentrale Rolle” zu.
Das Gespräch führte unter EZB-Beobachtern zu einigen Irritationen.
Denn so klar wie Weber hat noch kein Bundesbankpräsident sich von
der monetaristischen Tradition der Bundesbank verabschiedet, in der
die Beobachtung der Geldmenge immer als ein ganz wichtiger
Bestandteil der Geldpolitik gesehen wurde
. Damit kommen Zweifel
auf, welche geldpolitische Position Weber im Rat der Europäischen
Zentralbank vertritt, in dem er qua Amt über die Geldpolitik für den
gesamten Euro-Raum mitentscheidet.
Irritiert hat auch, daß Webers Äußerungen in einem gewissen
Gegensatz zur offiziellen Strategielinie der EZB stehen. Die
europäische Notenbank basiert ihre Entscheidungen auf zwei Säulen.
In der wirtschaftlichen Analyse prüft sie, inwieweit die Entwicklung
der Realwirtschaft kurzfristig zu Preisrisiken führt. In der monetären
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Analyse prüft die EZB, wie sich die Geldmenge und die Kredite
entwickeln, um so mittel- bis langfristige Risiken für die Preise
abzuschätzen.
Beide Strategiesäulen sind nach offizieller EZB-Linie gleich wichtig;
die Informationen aus beiden Analysesträngen werden im
sogenannten „cross-checking” wechselseitig gegengeprüft. Die EZB
hat nie spezifiziert, wie dieses „cross-checking” abläuft; sie will sich
hier nicht binden lassen. Weber dagegen forderte in dem Gespräch
mit der F.A.Z. einen klaren, faßbaren Rahmen für diese
Gegenprüfung.
Vieles spricht dafür, daß Weber die Strategiediskussion
unbeabsichtigt auslöste. Die Offenheit des früheren
Wirtschaftswissenschaftlers muß noch der kontrollierten
Verschlossenheit des Notenbankers weichen. Deutlich hat sich der
Bundesbankpräsident mittlerweile hinter die EZB-Strategie gestellt.
Doch zeigen die Episode wie auch Webers frühere
Veröffentlichungen, daß seine Vorlieben weniger bei der monetären
Analyse von Preisrisiken liegen. Insoweit vertritt Weber die EZB-
Strategie - und gibt ihr doch eine eigene Interpretation.
In diesem Artikel vom 23. Juli 2004 wird also tatsächlich erklärt, der
neue Bundesbankpräsident habe in nie da gewesener Klarheit
ausgesprochen, dass er der Beobachtung der Geldmenge durch die
EZB nur untergeordnete Bedeutung beimisst.
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Weiter heißt es da: In der monetären Analyse prüft die EZB, wie sich
die Geldmenge und die Kredite entwickeln, um so mittel- bis
langfristige Risiken für die Preise abzuschätzen.
Sie wissen, worauf ich hinaus will, nämlich auf die so genannte
„Geldschöpfungskraft der Geschäftsbanken“
,
derzufolge
Geld aus
dem Nichts geschaffen wird, das bei Tilgung ebenso vollständig
wieder im Nichts verschwindet.
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
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Es bleibt exakt Nichts
0 = 1 – 1
Nichts ist nicht einfach nichts!
Nichts, das ist der Saldo, der sich ergibt, wenn Soll
und Haben gleich groß sind.
Nur ihr haben wir es zu verdanken, dass es die Auffassung gibt, bei
Tilgung aller Schulden käme es am Ende zu einer glatten Null. Exakt
Nichts bleibt übrig.
Betrachten wir uns auch dieses Geldbild näher,
Dann finden wir
darin die sehr richtige Darstellung der
Geldschöpfung der Geschäftsbanken.
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Nichts, das ist nämlich nicht einfach Nichts.
Nichts, das ist der Saldo Null, der sich ergibt,
wenn Soll und Haben gleich groß sind.
Der Banker sagt: „Es werde Geld!“, schreibt dem Girokonto des
Bankkunden einen Betrag von 10.000 Euro gut und belastet
gleichzeitig das Kreditkonto des gleichen Kunden mit einer Schuld
von 10.000 Euro. Guthaben und Schulden gleichen sich aus.
Der Banker hat ein „Guthaben-Schulden-Paar“ in die Welt gesetzt.
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
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Das Guthaben-Schulden-Paar
• 10.000 Euro Schulden auf dem Kreditkonto und
dafür 10.000 Euro Gutschrift auf dem Girokonto,
das gleicht sich aus. Geld (und Schulden) sind
geschaffen.
• Aber das Ganze läuft auch rückwärts:
10.000 Euro vom Girokonto auf das mit 10.000
Euro im Soll stehende Kreditkonto
überwiesen, das gleicht sich auch wieder aus.
Schulden (und Geld) sind wieder aus der Welt.
Das Gesamtvermögen von Bank und Bankkunde ist nach wie vor
vollkommen unverändert, und trotzdem lauern 10.000 Euro auf dem
Girokonto darauf, als Geld in die Welt hinaus zu ziehen.
Und ganz selbstverständlich ist dieses Geld, wenn es denn zur Bank
zurückkommt und den Kredit tilgt, nach der gleichen Formel auch
wieder verschwunden, ebenso in Nichts aufgelöst, wie es aus dem
Nichts entstanden ist.
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Soweit ist das vollkommen richtig.
Aber ist deshalb auch die Folgerung richtig, dass nach Tilgung aller
Schulden auch alles Geld verschwunden ist?
Wohl kaum.
Es gibt ja nicht nur Schulden, die aus geldschöpfenden Krediten
stammen.
Es gibt genauso gut auch diejenigen Schulden, die dadurch entstehen,
dass jemand Geld hat und es verleiht.
Egon W. Kreutzer, Dresden,
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Es gibt aber auch andere Kredite
• Wenn die Tante 1.000 Euro aus dem
Geheimfach im Sekretär nimmt, und sie
dem Neffen leiht, dann löst sich bei der
Rückzahlung durch den Neffen das Geld
natürlich nicht auf.
• Das gilt für jeden Kredit, der nicht von
einer Bank ausgereicht wird.
• Ein Teil des Geldes überlebt also
(zunächst) die Tilgung aller Schulden
Egal ob im privaten Bereich 1.000 Euro von der Tante an den Neffen
verliehen werden, oder ob ein Großunternehmen eine Anleihe begibt,
in diesen und ähnlichen Fällen wird durch den Darlehensvertrag kein
Geld geschaffen, also wird es auch durch die Tilgung nicht vernichtet.
Bleibt die Frage, ob es sich bei diesen Ausleihungen um Geld handelt,
das, bevor es weiter - verliehen werden kann, selbst erst in einem
Geldschöpfungsprozess per Guthaben-Schulden-Paar in die Welt
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gesetzt werden muss, oder ob es Geld ist, dass wie im Fall 1
angenommen, „vermutlich schon immer da war“.
Wenn das im Privat-Darlehen weiter-verliehene Geld aus einem
ursprünglich geldschöpfenden Guthaben-Schulden-Paar entsprungen
sein muss, um existieren zu können,
muss es, wenn alle Schulden getilgt werden sollen, auf irgendeine
Weise auch dorthin zurückkehren, weil sonst niemals alle Schulden
getilgt werden können.
Dies lässt sich im Sandkasten der grauen Theorie gerade noch so
hindefinieren.
Die Realität wird sich darüber köstlich amüsieren.
Eine realistischere Darstellung
Fiat money! 0 = 20.000 - 20.000
Handel und Industrie –
Wirtschaft, Unternehmer
Die Netto-Gläubiger
Das Bankwesen
Die Netto-Schuldner
Geld muss nämlich – vom Schuldner - aus dem Guthaben-Schulden-
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Paar entlassen werden, es muss von ihm zur Bezahlung von Gütern,
Waren oder Leistungen an einen Dritten weitergegeben werden.
Warum? Nun ja, sonst macht die ganze Verschuldung überhaupt
keinen Sinn, oder?
Dieser Dritte hat aber nicht unbedingt im gleichen Maße das
Bedürfnis, Geld auszugeben, wie er es einnimmt. Dieser Dritte könnte
schlicht auf die Idee kommen, das eingenommene Geld, oder
zumindest einen Teil davon, ungenutzt auf seinem Konto stehen zu
lassen. Er könnte sogar auf die Idee kommen, sich das Geld in bar
auszahlen zu lassen und es im Garten unter dem Holunderbusch zu
vergraben. Für schlechte Zeiten.
Das bei ihm gehortete Geld bleibt dann zwangsläufig übrig.
Zwangsläufig bleiben aber auch die Schulden übrig. Der Versuch alle
Schulden zu tilgen, scheitert, weil die Schuldner, die tilgen möchten,
das Geld nicht haben, das sie dazu bräuchten.
So kann die Frage also keiner gültigen Lösung zugeführt werden.
Sollte es andernfalls Geld gewesen sein, dass „schon immer da war“,
dann ist es zwar wahrscheinlicher, das Ende aller Schulden durch
Tilgung erreichen zu können, aber es wäre eben auch
wahrscheinlicher, dass ein bestimmter Teil des Geldes übrig bliebe.
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Festzuhalten bleibt an dieser Stelle, dass es praktisch unmöglich ist,
Geld und Schulden zu einem Zeitpunkt durch Tilgung aller Schulden
mit allem vorhandenen Geld auf Null zu bringen, womit sich auch die
zweite möglich scheinende Antwort als unzutreffend herausgestellt
hat.
Wir können damit vorläufig davon ausgehen, dass – wenn es gelingen
sollte, alle Schulden zu tilgen – am Ende Geld übrig bleiben wird.
Relativ viel, wenn es in dem Währungsgebiet relativ viel Geld gab,
das schon immer da war, und relativ wenig, wenn es relativ viel
Geld gab, das erst durch die Geldschöpfung der Geschäftsbanken
in die Welt gekommen ist. Diese Relation zwischen Geld, das
möglicherweise schon immer da ist, und solchem, dass erst durch
Geldschöpfung des Bankensystems entstanden ist, wird in den
Statistiken der Bundesbank, der EZB und des statistischen
Bundesamtes vergeblich gesucht, doch finden wir dort relativ schnell
zu einer ernüchternden Erkenntnis:
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
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Die wahren Verhältnisse
Geld und Schulden im Wirtschaftsraum
der Bundesrepublik Deutschland (in Mrd. Euro)
0
500
1000
1500
2000
2500
3000
3500
4000
4500
5000
Bargeld Giralgeld Staatsschuld Gesamtschuld
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Das vorhandene Geld – Bargeld und Giralgeld – reicht hinten und
vorne nicht aus, um auch nur die Schulden der öffentlichen Haushalte
zu tilgen.
Da fällt jetzt so manchem vor Staunen die Kinnlade herunter, bevor
die Überraschung umschlägt in den heiligen Zorn.
Wie denn? Unmöglich!
Das Geld war doch da, es wurde doch ausgezahlt, als die Schulden
gemacht wurden. Da muss es doch auch da sein, wenn sie getilgt
werden sollen.
Gut gedacht. Leider auch falsch.
Meine Damen und Herren, wir sind nach etwa zwanzig Minuten
endlich am Kern des Pudels angekommen.
Oder, wenn Ihnen das lieber ist, wir sind nun endgültig da, wo der
Hund begraben liegt.
Vor einer Woche hatte ich in Berlin ein Gespräch mit einem
Zahnarzt, der versuchte mir klar zu machen, dass sich alle
Geldprobleme lösen ließen, hätten wir nur endlich wieder
richtiges Geld.
Nach einigem Nachfragen habe ich dann herausgefunden, was er für
richtiges Geld hält. Richtiges Geld, so seine Aussage, kann nur
„Gold“ sein kann. Nicht das gedruckte „Schein-Geld“ und schon gar
nicht das aus der Luft geholte Giralgeld.
Diese Auffassung, dass Geld in unterschiedlichen Klassen nach
dem materiellen Gehalt zu betrachten sei, ist weit verbreitet.