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Der Fluss des Geldes

Grundlagenwissen zum besseren Verständnis des Geldes und der vom Geldsystem hervorgerufenen Probleme


Teil 8

Irrtümer und Täuschungen im Umgang mit dem Geld

 Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band III

Das Buch über das Geld


Informationen und Bestellmöglichkeit hier.

 

Verfasser: Egon W. Kreutzer, Stand 29. August 2003

Mit den Ausführungen in den Kapiteln 1 bis 6 und dem Lösungsvorschlag in Kapitel 7 ist die Betrachtung der grundlegenden Eigenschaften und Wirkungen des Geldes, so wie wir es heute kennen, vorläufig abgeschlossen.

Damit allerdings ist es noch lange nicht gelungen, alle Irrtümer und Denkfehler, alle Irreführungen und Betrugsmanöver zu beschreiben, die darauf beruhen, dass wir uns vom Geld - diesem so praktischen und universellen Tauschmittel - hoffnungslos abhängig gemacht haben und dem Geld daher eine Allmacht unterstellen, die es in Wahrheit nicht hat.

Die folgenden Kapitel beschäftigen sich hauptsächlich mit dieser Überschätzung des Geldes und den darauf errichteten logischen Kartenhäusern.

 

Überweisungen in die Zukunft
ein Vabanque-Spiel

 

Geld kann man nicht essen.

Das sollte jeder bedenken, der glaubt, seine Zukunft durch Geldanlage sichern zu können. Ganz aktuell wird mit der Vorlage des Berichtes der Rürup-Kommission und der daraus folgenden, ebenso scheinheiligen wie aufgeregten Debatte, der Privatvorsorge das Wort geredet.

Die kollektiven Systeme, die sich die Bürger dieses Staates in großer Weisheit als umlagefinanzierten Generationenvertrag gestaltet haben, sollen fallen, weil es den internationalen Konzernen nicht gefällt, dass hier - Monat für Monat - große Beträge Gegenwartsgeld, zinsfrei zwischen den Generationen transferiert werden. Geld, das unter der Überschrift "Lohnnebenkosten" völlig skrupellos nur noch als betriebswirtschaftliche Manövriermasse betrachtet wird, obwohl es eigentlich ein gesetzlich geregelter Bestandteil der Löhne und ein wichtiges Konstruktionselement des sozialen Friedens der Republik ist.

Dem muss die Erkenntnis entgegengestellt werden, dass alle auf die Jahre 2030 oder 2050 projizierten Verteilungsrechnungen, die sich im Kern nur um den Nachweis der Verfügbarkeit von Geld bemühen, nichts als Makulatur sind.

Bitte sehr: Wer heute beginnt, Geld zu sammeln, wird 2050 Geld haben. Ob er aber etwas zu essen haben wird, hängt davon ab, wie das Nahrungsmittelangebot in 2050 aussieht und das hat sehr wenig mit angesparten Rentenguthaben zu tun, es hängt fast ausschließlich von der Produktivität der dann erwerbstätigen Bevölkerung ab. Jedenfalls so lange, wie die in der Volkswirtschaft erwirtschaftete Leistung auch den Menschen zu Gute kommen darf, die sie erbracht haben und nicht hemmungslos zu Gunsten der Profite so genannter Global Player auf den Weltmärkten verramscht werden darf.

 

Kapitalgedeckte Rente
Oase oder Fata Morgana der Sozialpolitik

Das umlagefinanzierte Rentensystem sei am Ende. Eine stetig sinkende Zahl von Beitragszahlern und eine stetig wachsende Zahl von Rentenbeziehern würden den Rahmen des bejahrten Systems sozialer Alterssicherung sprengen - so die gängige Argumentation von Wirtschaft, Politik und gemäßigten Gewerkschaften.

Ein System privater Vorsorge hingegen, so wird suggeriert, könne von diesen Problemen überhaupt nicht tangiert werden, weshalb jetzt der Wechsel zur privaten, kapitalgedeckten Altersvorsorge so dringend angeraten sei, dass die Riester Rente, würde sie denn nicht freiwillig angenommen, ab 2005 als privatwirtschaftlich organisierte Pflichtversicherung gesetzlich vorgeschrieben werden müsste.

 

Das klingt alles gut und schön, aber hält es auch einer kritischen Betrachtung stand, wenn die Überlegung nicht ausschließlich vom Geld her aufgezogen wird?

Eine realistische Betrachtung muss damit beginnen, dass man sich darauf besinnt, was Rentner eigentlich brauchen. Rentner leben nämlich nicht von dem Geld, das ihnen die Rentenkasse überweist. Sie leben von den Dingen, die sie davon kaufen können und das ist keine Haarspalterei sondern lediglich die Entzauberung des Geldes: Nichtgebackenes Brot kann mit noch so viel Geld nicht gekauft werden.

Wer heute Geld spart und verzinslich anlegt und davon in zwanzig Jahren als Rentner leben will, muss also in erster Linie darauf vertrauen, dass die nachfolgende Generation soviel Nahrung, Kleidung, Medizin, Wohnraum usw. erzeugt, dass für die gesamte Bevölkerung einschließlich Kindern und Rentnern genug da ist.

Wenn also im Jahr 2050 die Zahl der Rentner tatsächlich gleich hoch sein sollte, wie die Zahl der Berufstätigen, dann werden die Berufstätigen in Summe so viel erzeugen müssen, dass es für alle Menschen im Lande reicht. Von den Kindern über nicht berufstätige Frauen, Kranke, Soldaten, Anlageberater und sonstige nicht produktiv Beschäftigte bis hin zum letzten Rentner.

Wer aber darauf vertraut, dass der produktive Teil der Bevölkerung die dafür erforderliche Leistung erbringen wird, der kann ebenso gut den Regelungen des Generationenvertrages und der umlagefinanzierten Rente vertrauen.

 

Sollten es die produktiv Berufstätigen des Jahres 2050 jedoch nicht schaffen, die Güter für die Versorgung der gesamten Bevölkerung zu erwirtschaften dann wird es Mangelerscheinungen, Hunger und Armut geben.

Diese Mangelerscheinungen treten völlig unabhängig von der Höhe des von den Rentnern angesparten Kapitals auf. Das angesammelte Kapital, das nachfragewirksam auf ein unzureichendes Angebot trifft, wird allerdings zwei höchst unerfreuliche Folgen haben: Einerseits wird es zur Inflation führen, also alles Geld soweit entwerten, bis sich das Güter- und das Geldangebot annähernd ausgleicht, und andererseits wird der Überschuss angesammelten Kapitals den Rentnern einen feststehenden Anteil an der Gesamtleistung garantieren, der wiederum ohne staatliche Eingriffe nicht korrigiert werden kann. Im schlimmsten Falle könnte eine kapitalgedeckte Rente dazu führen, dass die aktive Generation nichts, die Rentnergeneration alles für sich beanspruchen kann. Der Mangel an aktueller Leistung kann durch - in der Vergangenheit angesammeltes - Geld nicht ausgeglichen werden, allerdings kann Geld aus der Vergangenheit die Verteilung beeinflussen, was nicht zwangsläufig zu einer gerechteren Verteilung führen wird. Im Gegenteil!

Doch diese finstere Prognose hat keinerlei reale Begründung. Kein bekanntes Faktum spricht dagegen, dass es die produktiv Berufstätigen schaffen werden, die zur Deckung des Gesamtbedarfes der Bevölkerung erforderlichen Güter und Leistungen herzustellen. Es wird also möglich sein, dass - ganz unabhängig vom Geld - jeder Berufstätige einen Rentner ernähren kann. Wenn das also funktioniert, warum soll dann ein umlagefinanziertes Rentensystem nicht auch funktionieren?

Das umlagefinanzierte System ist sogar weit besser geeignet, als ein kapitalgedecktes System, die Lasten zwischen den Generationen auszutarieren, weil es die Chance bietet, den Schlüssel für die Verteilung der Wirtschaftsleistung zwischen den Generationen zeitnah und den Erfordernissen entsprechend anzupassen. Gegen zu viel konkurrierende Kaufkraft einer zu reichen Altengeneration mit kapitalgedeckter Rente hilft hingegen (siehe oben) nur die Inflation, die aber alles Geld gleichermaßen trifft.

Wenn wir nun aber schon erkennen, dass die Versorgung der Rentner in jeder beliebigen Zukunft ausschließlich von der Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft abhängt und dass auch Rentner Geld nicht essen können, dann stellt sich die Frage, ob es wirklich Sinn macht, heute damit zu beginnen, die Umlagefinanzierung zu verlassen und mit massiver Förderung und voraussichtlich schon ab 2005 mit staatlichem Zwang in die Kapitaldeckung einzusteigen?

Die Sache hat scheinbar für die gesamte Wirtschaft den Vorteil, dass sich die Arbeitgeber aus der hälftigen Finanzierung der Rentenbeiträge verabschieden und so mit niedrigeren Lohnnebenkosten konkurrenzfähiger werden.

Dies ist jedoch nur ein Taschenspielertrick. Dadurch, dass die Arbeitgeber weniger zahlen, haben ja die Beschäftigten noch nicht mehr in der Tasche. Die private Vorsorge, das Ansparen eines Kapitalstockes geht also zu Lasten des verfügbaren Einkommens und führt entweder zu einer Umschichtung von Sparleistungen - aus "irgendwelchen" Anlagen in die zulässigen Renten-Anlagen - oder, und das wird in der Mehrzahl der Fälle zutreffen, zu einem Verlust an Gegenwarts-Kaufkraft.

Die kapitalgedeckte Rente verschlechtert also zwangsläufig die Binnenkonjunktur und selbst wenn die Tarifpartner dies durch höhere Löhne ausgleichen wollten, wäre das kaum möglich, denn der Kapitalstock löst nicht nur kein Problem, er schafft ein zusätzliches:

Für höhere Löhne ist nämlich kein Geld da. Das Geld, das bisher über die Umlage aus den Einkommen der Berufstätigen direkt in die Taschen der Rentner und von dort in hohem Maße direkt in den Konsum, also wieder zurück in die Wirtschaft geflossen ist, ist mit dem Ansparen eines Kapitalstocks erst einmal aus dem Wirtschaftskreislauf verschwunden, zu Geldvermögen geronnen. Wer es reaktivieren will, muss es sich leihen, von den Banken und Versicherungen, die die Beiträge eingesammelt haben und die nur durch die Ausreichung von Krediten in der Lage sind, auf die Einlagen der Rentensparer überhaupt Zinsen zu zahlen.

Die Geldversorgung der Wirtschaft wird also durch eine kapitalgedeckte Rente um Zinskosten verteuert, die es bei der Umlagefinanzierung nicht gibt. Dabei entstehen sehr schnell ganz erhebliche Aufwände.

Außerdem, und das ist vielleicht noch wichtiger, muss die Wirtschaft damit rechnen, dass jeder Prozentpunkt "Riester-Rente", der gegenüber dem gleichen Aufwand in der umlagefinanzierten Rente eine Kostenersparnis von vielleicht 4 Milliarden Euro jährlich ermöglicht, einen Kaufkraftausfall im Binnenmarkt von weit mehr als 8 Milliarden Euro nach sich ziehen wird, weil die angesparten Beiträge ja nicht nur "einmal umverteilt/ausgegeben" werden, sondern dauerhaft(!) dem Wirtschaftskreislauf entzogen sind. Geld, das in den Ladenkassen fehlt wird bei vielen Unternehmen, alleine zur Erhaltung der Liquidität, zwangsläufig ein weiteres Ansteigen der Verschuldung erfordern.

Davon betroffen sind der Einzelhandel, die regionalen Gewerbetreibenden und Dienstleister und alle Branchen, die nicht überwiegend exportorientiert arbeiten. Umsatzausfälle und Gewinnrückgänge werden zwangsläufig weitere Sparprogramme in den Unternehmen zur Folge haben, die letztlich immer auf Stellenabbau hinauslaufen und damit verbunden zu sinkenden Steuereinnahmen, sinkendem Beitragsaufkommen und steigenden Leistungen der Sozialsysteme führen.

 

Diese desaströse Entwicklung im Binnenmarkt hat nur einen einzigen Zweck: Die Verbilligung der Exporte. Um Käufern außerhalb Deutschlands Produkte "Made in Germany" möglichst billig und trotzdem noch mit hohen Gewinnmargen anbieten zu können, müssen im Binnenmarkt die Gürtel enger geschnallt und längst sicher geglaubte soziale Standards geopfert werden.

Und hier treffen wir wieder den eigentlichen Grund für die Sparmaßnahmen in den Sozialsystemen: Alle Kürzungen, ob bei der Rente, bei den Gesundheitskosten oder beim Arbeitslosengeld und jede Leistung der öffentlichen Hände, die aus Kostengründen unterbleibt, also jedes geschlossene Freibad, jedes aufgelassene Museum, jedes nicht reparierte Schlagloch auf deutschen Straßen wird durch Geldhortung (demnächst sogar noch durch staatlich verordnetes Zwangssparen für die Riester-Rente) in einer Deflations-Spekulation erst provoziert und dann als Preisnachlass dem ausländischen Konsumenten angeboten um die Gewinne der Exporteure und Global Player auf fremden Märkten zu steigern.

Wer hat also welchen Vorteil vom Einstieg in die kapitalgedeckte Privatvorsorge?

Die Exportindustrie

verschafft sich zu Lasten des Lebensstandards im Inland Wettbewerbsvorteile und zusätzliche Gewinne auf den Weltmärkten.


Die Banken und Versicherungen

übernehmen die Kontrolle über einen bisher zinsfrei organisierten Transfer. Jede Umwandlung von Geld in Geldvermögen verschafft Versicherungen und Banken zustätzliche Kreditnachfrage und damit zusätzliche Gewinne.

Die Politiker

können sich nach Einführung der Riester Rente als Pflichtversicherung bis zum Ausbruch der Revolution beruhigt zurücklehnen und Jahr für Jahr die Beitragssätze zur umlagefinanzierten Rentenversicherung mit Verweis auf die Privatvorsorge ganz nach Wunsch und Bedürfnis der Exportwirtschaft um den einen oder anderen Prozentpunkt senken.

Die heutigen Beitragszahler und künftigen Rentner

übernehmen eine durch den Einstieg in den Systemwechsel bedingte Mehrbelastung und sollten sich darauf einstellen, dass die staatliche Förderung der privaten Vorsorge binnen weniger Jahre bis zur Unkenntlichkeit zusammengestrichen wird. Ihr Wohlstand im Alter wird - wie heute auch - primär vom Leistungsvermögen der gleichzeitig Berufstätigen und vom gesellschaftlichen Konsens zur Verteilungsgerechtigkeit zwischen den Generationen abhängen.

Die heutigen Rentner

werden über Veränderungen in der Rentenformel zur Kasse gebeten, um die Beitragssenkung für die Exporte zu finanzieren.

 

 

 

Diese Betrachtung über die Schwierigkeiten mit Überweisungen in die Zukunft haben weit über die Rentendiskussion hinaus Gültigkeit. Geld ist kein unveränderlicher Wert an sich. Geld ist noch nicht einmal ein unveränderlicher Wertmaßstab. Geld, das als Nachfrage auftritt, kann nie mehr sein, als der Schatten der gleichzeitig verfügbaren realen Leistung.

Große Mengen gehorteten Geldes stellen zwar ein enormes Erpressungspotential dar, das sowohl in den Händen superreicher Eigentümer als auch in den Händen der "verwaltenden/verwahrenden Institutionen" liegt, es hat diesen zweifelhaften Wert aber nur, weil es eben nicht umläuft, nicht nachfragt, nicht kauft.


a


* 1949 im
oberfränkischen Neustadt bei Coburg



Egon W. Kreutzer
der Verfasser dieses Artikels
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