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Der Fluss des Geldes

Grundlagenwissen zum besseren Verständnis des Geldes und der vom Geldsystem hervorgerufenen Probleme


Teil 7

Ein Lösungsvorschlag

Konzept für ein vernünftiges System der bedarfsgerechten Geldversorgung

Verfasser: Egon W. Kreutzer, Stand 11. August 2003



 Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band III
Das Buch über das Geld
erscheint Mitte Juni 2005
Bis 31. Mai 2005 zum Subskriptionspres von 19,00 Euro
Informationen und Bestellmöglichkeit hier.

Brauchen wir ein anderes, alternatives Geld?

Mit den bisherigen Artikeln der Sammlung "Grundlagen des Geldes" haben wir unser Geld
- so wie es ist - aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Die Erkenntnisse daraus sind nicht uneingeschränkt posititv. Im Gegenteil: Mit zunehmendem Wissen und wachsender Erkenntnis gelangt man beinahe zwangsläufig zu der Einsicht, dass dieses Geld, auf das sich unser gesamtes Wirtschaften stützt, ganz erhebliche Mängel aufweist, durch die der größte Teil der naiven "Geldbenutzer" ganz erheblich benachteiligt wird, während einige wenige clevere "Geldbesitzer" ihren Nutzen daraus ziehen. Doch damit nicht genug: Die dem Zinsgeld innewohnende Eigendynamik, die ein exponentielles Geldmengenwachstum hervorbringt, muss unausweichlich in regelmäßigen Abständen durch einen totalen Systemabsturz wieder auf den Nullpunkt gebracht werden, was immer wieder Krieg und Leid, Not und Hunger über die Menschheit bringt.

Glücklicherweise befasst sich inzwischen eine immer größer werdende Zahl von Menschen mit dieser Thematik und fast alle gelangen in der Analyse zu der Erkenntnis, dass das so begehrte und wertvoll scheinende Geld in Wahrheit eine der ganz maßgeblichen, wenn nicht gar die eigentliche Ursache für die wirtschaftlichen Fehlentwicklungen und Missstände ist, unter denen wir gerade in jüngster Zeit wieder zu leiden haben:

Gigantische Vermögen in privater Hand und gleichzeitig gähnende Leere in den öffentlichen Kassen, dazu eine immer weiter aufklaffende Schere zwischen Arm und Reich und eine Politik, die im rigorosen Sozialabbau die einzige Chance sieht, den drohenden Staatsbankrott hinauszuzögern, sind die sichtbaren Zeichen einer sich verschärfenden Fehlentwicklung. Daß die Realwirtschaft unseres Landes immer noch bestens funktioniert, steht völlig außer Zweifel. Deutschland ist amtierender Exportweltmeister und steht mit seiner wirtschaftlichen Leistungskraft hinter den USA und Japan unangefochten an dritter Stelle in der Welt - die Vermutung, dass das Finanzsystem die Hauptschuld an der Misere trägt, ist daher durchaus begründet.

Eine nennenswerte Anzahl von Vor- und Nachdenkern hat sich mit Theorien zum und über das Geld herumgeschlagen und die volkswirtschaftlichen Auswirkungen, die von unserem Geldsystem bis zu seinem Zusammenbruch ausgehen werden, korrekt und detailliert genauso vorhergesagt, wie wir das derzeit erleben. Aus anfänglichem Unbehagen, unzulänglichem Wissen und vielerlei Vorurteilen haben diese Menschen Schritt für Schritt gesicherte Erkenntnisse und brauchbare Vorhersagemodelle entwickelt und damit die Nachteile und Fehler des bestehenden Geldsystems bewiesen. Heute sind sie über die reine Analyse und Kritik hinaus und auf der Suche nach einem "fehlerfreien" Ersatz für das Geld. Ihr Ziel ist ein anderes, ein neues, neutrales, freies und unbelastetes Geld.

Die Namen von Silvio Gesell, Helmut Creutz, Margrit Kennedy, Bernhard Lietaer und Dieter Suhr um stellvertretend nur einige der Wichtigsten zu nennen, sind untrennbar verbunden mit Begriffen wie "Wörgl", "Freigeld", "Brakteaten", "Schwundgeld" und "Umlaufsicherungsgebühr". Die in allen Schriften wiederkehrende Idee ist es, dem Geld eine Eigenschaft zurückzugeben, die es beim Sprung von seiner materiellen Basis in eine rein ideelle/virtuelle Daseinsform verloren hat: Es soll - im übertragenen Sinn gesprochen - im Zeitverlauf verschrumpeln, verrosten, verfaulen, verrotten, also an Wert verlieren und damit dem Hang der Menschen, Geld aufzuhäufen, entgegenwirken.

Aus der kritischen Auseinandersetzung dieser Menschen mit dem Geld und seinen tatsächlich vorhandenen, schwerwiegenden Nachteilen und Konstruktionsfehlern hat sich eine "Schule" herausgebildet, deren Ergebnisse insbesondere von Wolfgang Röhrig unter den Überbegriffen "Geldreform" und "Freiwirtschaft" in ganz großartiger Weise dokumentiert und zusammengehalten werden.

Das Informationsangebot auf den Internetseiten des Wolfgang Röhrig ist eine fast unerschöpfliche Quelle für das Wissen um das Geld und ich habe sie selbst oft und oft mit Gewinn besucht . Wer seinen eigenen Denk- und Meinungsbildungsprozess zum Geld in Gang bringen, beschleunigen oder umfassend absichern will, dem sei das Studium der Geldreform-Seiten und aller zugehörigen Unterseiten wärmstens empfohlen.

 

Dass ich dennoch versuche, der weit gereiften Geldidee der Freiwirtschaftler einen grundsätzlich anderen Lösungsansatz entgegenzustellen und dass ich versuche, diesen ausschließlich aus sich selbst heraus zu begründen, hat seine Ursache darin, dass ich bei meiner Beschäftigung mit Schwundgeld und Umlaufsicherungsgebühren auf ein auch dem Schwundgeld innewohnendes Wachstums-Problem gestoßen bin, für das ich keine gangbare Lösung sehe - was aber nicht unbedingt heißen muss, dass es die nicht doch bereits gäbe oder dass sie noch gefunden werden könnte.

Daher sehe ich keine Notwendigkeit, Zeit und Kraft darauf zu verwenden, die prinzipiell richtige Frei- und Schwundgeldtheorie anzugreifen oder zu versuchen, sie zu widerlegen. Mein Anspruch ist es aber durchaus, die Diskussion zu erweitern, indem ich ein davon in den Maßnahmen verschiedenes, in der erhofften Wirkung gleichwertiges System der Geldbereitstellung skizziere und daran aufzeige, welche spezifischen Mechanismen ich für tauglich halte, das Geldproblem zu lösen, ohne dabei die spezifischen Schwundgeldprobleme in Kauf nehmen zu müssen.

 

 

 

Was muss ein "besseres" Geldsystem leisten?

Überall auf der Welt liegt die Geldversorgung in den Händen der Geschäftsbanken, ist also Geschäftszweck privater Wirtschaftsunternehmen, die dabei mehr oder weniger intensiv von staatlichen oder staatsnahen Organisationen beeinflusst und kontrolliert werden. Die so oft hervorgehobene Tatsache, dass in den USA sogar die Notenbank in Privatbesitz sei, ist daher bei näherem Hinsehen ziemlich bedeutungslos und lenkt eher davon ab, dass die Geldschöpfung praktisch überall auf der Welt von den Geschäftsbanken und eben nicht von den Noten- oder Zentralbanken erledigt wird.

Praktisch überall auf der Welt ist Geld heutzutage ein immaterielles Gut in der Ausprägung eines normierten Leistungsversprechens, das als nackte Information in den Salden der Bankkonten auftritt und nur noch in ganz geringem Umfang - von Papier und Metall bemäntelt - in Form von Banknoten und Münzen vorhanden ist.
Praktisch überall auf der Welt wird Geld auf der Basis von (und unter Bezugnahme auf) so genannte "Einlagen" von den Geschäftsbanken geschöpft und an Kreditnehmer ausgereicht, weil diese versprechen und auch in der Lage zu sein scheinen, nicht nur den geschuldeten Betrag nach Ablauf der vereinbarten Frist zurückzuzahlen, sondern auch die geforderten Zinsen aufzubringen. Dass jeder Kredit sehr schnell wieder zur Einlage wird und so neuerlich als Basis für einen Kredit dient, ist an anderer Stelle breit behandelt. Es steht außer Zweifel, dass die Geschäftsbanken in der Lage sind, gigantische Geldmengen - aus dem Nichts - zu schöpfen und damit die erforderliche Geldversorgung der Wirtschaft jederzeit sicherzustellen.

Dieses global verbreitete System der Geldschöpfung wird von den Geschäftsbanken betrieben, in der Absicht, aus dieser Dienstleistung einen Gewinn zu erzielen. Dabei besteht zwischen den Gelegenheiten des Bankensektors, durch Geldschöpfung Gewinne zu erzielen und dem tatsächlichen Geldbedarf der Wirtschaft keine harmonische Übereinstimmung. Die Notwendigkeit der Geldversorgung der Wirtschaft wird stattdessen ganz eindeutig dem Gewinnstreben des Bankensektors untergeordnet.

Gewinne können die Banken aus der Geldschöpfung aber nur erzielen, wenn sie das geschaffene Geld gegen Zinsen verleihen. Daraus ergibt sich zwangsläufig die Notwendigkeit, für die Bezahlung der Zinsen (zu einem späteren Zeitpunkt) zusätzliches Geld zu schaffen, was die Gewinnquellen der Banken zum Perpeteum Mobile werden lässt, während die Volkswirtschaft des Währungssystems zunehmend destabilisiert wird.

 

Diesen Destabilisierungseffekt kann jedermann anhand der folgenden Überlegung leicht nachvollziehen:

Unterstellt man, eine reife Volkswirtschaft mit fortgeschrittener Marksättigung benötigte in mehreren aufeinanderfolgenden Jahren zur Unterstützung aller realwirtschaftlichen Transaktionen eine unverändert große Geldmenge, so ist dennoch mit Geldmengenwachstum und ausschließlich geldbedingten Vermögensverschiebungen zu rechnen:

a) Alleine zur Abdeckung desjenigen Geldbedarfes, der aus der Zinsverpflichtung entsteht, muss zusätzliches Geld geschaffen werden, was nur durch zusätzliche Verschuldung in Höhe der geforderten Zinsen möglich ist.

b) Drängen die Zinsempfänger mit der zusätzlichen, aus dem vereinnahmten Zins gewonnenen Kaufkraft als Nachfrager in den Markt, entsteht Inflation, mit der Folge, dass den Zinsempfängern ein größerer Teil des von der Volkswirtschaft produzierten Gesamtkuchens zufällt.

c) Halten die Zinsempfänger ihr Geld jedoch zurück, entsteht schnell allgemeiner Geldmangel, also Deflation, mit der Folge, dass den Zinsempfängern ein größerer Teil des von der Volkswirtschaft produzierten Gesamtkuchens zufällt.

d) Wird auf Grund der Geldhortung die Kreditausreichung erweitert, schafft das zwar vorübergehend Erleichterung, doch die davon ausgelösten, zusätzlichen Zins- und Tilgungsverpflichtungen werden schon nach wenigen Jahren die gleiche Situation erneut hervorrufen, dann allerdings bei weitaus größeren nominalen Zahlen.

Die Wachstumshysterie, die von Politikern und Wirtschaftsweisen gleichermaßen geschürt wird, beruht einzig auf der Annahme, es sei dauerhaft möglich, den wachsenden Zinsanspruch des Vermögens aus dem Wachstum des Volumens der Realwirtschaft zu befriedigen. Weil reale Wirtschaft aber eher linear wächst, während die Wachstumskurven des Geldes exponentiell verlaufen, ist die grundsätzliche Unmöglichkeit dieses Gedankens hinlänglich bekannt, wird aber dessen ungeachtet von den Verantwortlichen solange negiert, wie die Schere zwischen Geldmengenwachstum und Leistungswachstum mit aller Gewalt noch geschlossen gehalten werden kann. Der als "Sparen" bezeichnete Raubbau in den öffentlichen Haushalten und Sozialsystemen, den wir derzeit erleben, ist nichts als der Versuch, den Geldhunger von Zins- und Zinseszins auf Kosten des Lebensstandards der Bevölkerung zu befriedigen. Dies wird jedoch verleugnet.

Die Tatsache, dass sich viele Einrichtungen der öffentlichen Wohlfahrt, der Kultur und der Wissenschaft schon heute nicht mehr finanzieren lassen und dass wir den größten Kahlschlag in den Sozialsystemen erleben, den es seit 1929 gegeben hat, wird - völlig unhaltbar und realitätsfremd - wahlweise entweder der Faulheit der Arbeitslosen oder fehlenden Kindern und zu lange lebenden Alten, oder aber auch einer angeblich zu kurzen Wochen und Lebensarbeitszeit, zu hohen Löhnen oder allen vorgeblichen Ursachen zusammen zugeschrieben: Vor dem Moloch Zins aber, der uns auffrißt, werden die Augen fest geschlossen.



Wie also müsste ein Geld, ein Geldsystem beschaffen sein, dass solche Entwicklungen verhindert, oder durch zumindest auf ein erträgliches Maß reduziert?

 

Die oberste Prämisse für ein vernünftiges Geldsystem muss lauten:

Das Geldsystem muss sicherstellen, dass die Menge des in Umlauf befindlichen Geldes der Menge des in der Realwirtschaft benötigten Geldes stets möglichst nahe kommt.

Das heißt nichts anderes, als dass z.B. jeder Bürgermeister jeder beliebigen Kleinstadt immer genug Geld haben muß, um seine Beamten, die laufenden gesetzlichen Ausgaben der Kommune und auch außerplanmäßig notwendig werdende Ausgaben, wie z.B. Renovierungsarbeiten an der Grundschule, bezahlen zu können -

Das heißt aber auch, dass das Geldsystem so beschaffen sein muß, dass sich nirgends rein spekulative und hoch bewegliche Geld-Vermögen ansammeln können, die z.B. heute für den Terminhandel mit Schweinehälften, morgen zur Finanzierung einer feindlichen Firmenübernahme mit anschließender Zerschlagung und Arbeitsplatzvernichtung und übermorgen zur Spekulation gegen die Währung Argentiniens oder auch 'nur' zum Aufkauf von einigen hundert Hektar Bauerwartungsland rings um eine prosperierende Großstadt verwendet werden können.

 

Kann ein Geldsystem den Geldbedarf überhaupt erkennen?

"Niemand weiß zu sagen, wie viel Geld zu irgend einem beliebigen Zeitpunkt gebraucht wird. Eine am Bedarf orientierte Geldmengensteuerung ist von daher unmöglich."

Diesen einfachen und schlüssig scheinenden Satz findet man - so oder ähnlich formuliert - an vielen Stellen in der wissenschaftlichen Fachliteratur. Dabei ist lediglich die Prämisse unwiderlegbar und kann daher der Wahrheit annähernd gleichgesetzt werden. Die Folgerung, der Schluss daraus, hat bei näherer Betrachtung mit der Prämisse überhaupt nichts zu tun.

Den Gärtner, der Tag für Tag, Stunde für Stunde genau zu sagen wüsste, wie viel Wasser seine Pflanzen unter optimalen Bedingungen gerade aufnehmen und verdunsten würden, möchte ich kennen, doch jeder erfolgreiche Gärtner wird über ein Bewässerungssystem verfügen (von der rostigen Gießkanne im winzigen Vorgärtlein angefangen, bis hin zu ausgeklügelten Sprinklersystemen im großen Landschafts- oder Wirtschaftsgarten), das es ihm erlaubt, seine Pflanzen im benötigten Umfang zu bewässern, solange das erforderliche Nass nicht vom Himmel fällt. Dass der Gärtner bei anhaltend ergiebigem Regen nicht zusätzlich gießen wird, sondern in dieser Situation eher versuchen wird, stauender Nässe einen Abfluss zu verschaffen, ist auch bekannt.

Der Gärtner errechnet Wasser-Mangel nicht mit Hilfe statistischer Methoden, wie er auch ein Zuviel an Wasser nicht rechnerisch ermittelt.

Die Differenz zwischen theoretischen Soll- und tatsächlich gemessenen Ist-Werten der Wasserzufuhr beachtet der Gärtner überhaupt nicht. Er orientiert sich stattdessen höchst einfach an den unübersehbaren Signalen, die von den Zuständen "Überflutung" und "Wassermangel" selbst ausgehen.

So betrachtet und rückübertragen auf das Geld wird die Sache doch wieder überschaubar und die Signale für Geldmangel werden ebenso erkennbar, wie die Anzeichen dafür, dass zu viel Geld im Markt ist.

Wenn wir das Beispiel vom Bürgermeister der Kleinstadt wieder aufgreifen und feststellen, dass er nach der Bezahlung der Beamten und nach der Erfüllung der gesetzliche Auflagen kein Geld mehr übrig hat, um das löchrige Dach der Schule reparieren zu lassen und wenn wir dazu gleichzeitig noch feststellen dass drei arbeitslose Dackdecker und ein arbeitsloser Ziegeleiarbeiter samt ihren Familien von Unterstützungsleistungen eben dieser Gemeinde leben, dann fehlt doch ganz offensichtlich nichts anderes als Geld, um Nachfrage und Angebot zusammen und so die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.

Wenn andererseits an den Börsen ein Kursfeuerwerk nach dem anderen gezündet wird, wenn riesige Umsätze im reinen Finanzbereich zu beobachten sind, wenn Tag für Tag aberwitzige Summen in rein spekulativer Absicht um den Globus geschoben werden, wenn man selbst das Großgedruckte in den Prospekten der Finanzdienstleister vor lauter Hochglanzblendung nicht mehr richtig lesen kann, dann sollte eigentlich auch dem letzten Finanzverantwortlichen klar werden, dass zu viel Geld im Umlauf ist.

Natürlich gibt es auch beide Situationen nebeneinander. Geldmangel auf der einen Seite und Überfluss bis zur Tollheit auf der anderen Seite. Glauben Sie, damit wäre eine bedarfsorientierte Geldmengensteuerung überfordert?

Fragen Sie ein fünfjähriges Kind, was zu unternehmen ist, wenn das Maisfeld des Pächters neben dem gefüllten Swimming-Pool des Grundbesitzers verdorrt! Sie werden eine verblüffend einfache Antwort erhalten.

Ich denke, wir sind uns auf diesem Abstraktionsniveau darüber einig, dass Geldmangel und Geldüberfluss mit ausreichender Genauigkeit und ausreichend zeitnah zu erkennen sind, so dass die Verantwortlichen eines alternativen Geldsystems nur geringe Mühe hätten, die Abweichung von der Normalversorgung festzustellen und dass sie auch nur geringe Mühe hätten einzuschätzen, in welche Richtung ein korrigierender Eingriff zu gehen hätte und welchen Umfang er haben müsste.


Kann ein Geldsystem die Geldmenge überhaupt wirksam beeinflussen?


Wer sich ein bisschen für die Veränderung der Geldmengen interessiert hat, weiß, dass die Möglichkeiten der Zentralbanken, die Geldmenge wirksam zu beeinflussen, sehr gering sind und dass sie über die Jahre um so weniger greifen, je mehr Geld und insbesondere je mehr Geldvermögen von den privaten Haushalten gehalten wird.

Das liegt daran, dass die Zentralbanken kaum mehr tun können, als die Bedingungen für die Geldschöpfung zu verändern, dass sie aber selbst an der Geldschöpfung praktisch nicht beteiligt sind und dass sie erst recht keine Möglichkeit haben, die Stilllegung überflüssiger Geldbestände zu beeinflussen.

Zentralbanken sind mit ihrem gegenwärtigen Instrumentarium also denkbar schlecht geeignet, das Ziel einer ausbalancierten Geldversorgung zu realisieren und die Geschäftsbanken - als die eigentlichen Geldschöpfer - sind nur wenig daran interessiert, die Geldversorgung dem tatsächlichen Bedarf anzupassen.

 

 

Was fehlt?

Ganz klar, es ist schon angeklungen, die Zentralbank muss die Hoheit über die Geldversorgung zurückgewinnen. Sie muss Geld ausgeben können, wenn Dürre herrscht und sie muss das überflüssige Geld ableiten und versickern lassen, wenn die Märkte von überflüssigem, unnützem, ja schädlichem Geld überschwemmt sind.

Das klingt einfach. Ist es das auch?

Stellen Sie sich vor, die Zentralbank eröffnet heute ein Konto für den Bürgermeister jener kleinen Gemeinde, dessen Schule dringend renoviert werden muss, schreibt darauf den Betrag von 200.000 Euro gut und bittet den Bürgermeister dann, zweckgebunden über diese Mittel zu verfügen.

Der Bürgermeister bestellt den Architekten, es gibt eine Ausschreibung, und nach ein paar Wochen ist die Schule renoviert, der Architekt hat sein Honorar, die Rechnungen der Handwerksunternehmen sind bezahlt, die Mitarbeiter haben ihre Löhne erhalten und auch schon wieder ausgegeben, das Finanzamt hat Steuern eingenommen und die Sozialversicherungen ihre Beiträge. Das Konto bei der Zentralbank steht auf NULL und wird geschlossen.

200.000 Euro, die es vorher nicht gab und die auch niemand an die Zentralbank zurückgeben muß sind als dringend benötigtes Tauschmittel solange in Umlauf, bis sie als Tilgung auf Kreditkonten landen. Danach ist die Geldmenge wieder um 200.000 Euro kleiner. Verändert hat sich nur die Gesamthöhe der Schulden und damit natürlich auch die Gesamthöhe der Forderungen. In der Folge vermindert sich der Geldbedarf für allfällige Zins- und Tilgungsleistungen.

 

Lesen Sie das einfach noch einmal! Es ist einfach und es funktioniert! Lesen Sie es immer wieder! Es funktioniert weiterhin, und dann malen Sie sich das in größerem Maßstab aus:

Nehmen wir an, eine vernünftige Politik eröffnete für alle Bürgermeister aller Kleinstädte, die sich in ähnlicher Klemme befinden, ein Konto, auf dem das erforderlich Guthaben - aus dem Nichts - eingebucht wird, stellt also das für die Erfüllung ihrer Aufgaben und für die Renovierung ihrer Schulen erforderliche Geld, solange die Einnahmen der Stadt aus dem eigenen Steueraufkommen dafür nicht ausreichen, als Geschenk zur Verfügung: Wir hätten einen - von tausenden denkbaren und sinnvoll möglichen - Einfüllstutzen gefunden, über den dringend benötigtes Geld in den Wirtschaftskreislauf eingeschossen werden kann - mit der bezaubernden Nebenwirkung, dass dieses Geld - wenn es irgendwann zur Tilgung bestehender Schulden verwendet wird - lediglich die Höhe des "zinstragenden Geld-Vermögens" reduziert, aber weder das Geldvermögen selbst mindert, noch die umlaufende Geldmenge nachhaltig ausweitet.

Das ist ein schwieriger Gedanke, aber lassen Sie ihn uns ganz langsam, Schritt für Schritt am Beispiel durchdenken.

Wir brauchen den hochvermögenden Rentier A, die Bank B, und den Bürgermeister C, sowie einen Schuldner S.

Der Rentier A hat bei der Bank B ein Vermögen in Höhe von 200.000 Euro in Pfandbriefen dieser Bank angelegt, die zum Ende des Jahres zur Rückzahlung fällig werden. dafür zahlt ihm die Bank 6% Zinsen p.a.

Der Schuldner S, ein Bauunternehmer, ist bei der Bank B mit 200.000 Euro verschuldet. Dafür zahlt er 9% Zinsen p.a. und außerdem 10% Tilgung.

Es sieht also so aus, als hätte die Bank das Geldvermögen des Rentiers A, das dieser der Bank geliehen hat, als Geld an den Schuldner S weiterverliehen, der dafür jährlich 18.000 Euro Zinsen aufzubringen hat, wovon die Bank 6.000 für sich behält und 12.000 an den Rentier A weiterreicht.

Nun erhält der Schuldner S für die geleistete Arbeit im Zuge der Renovierung der Schule den Betrag von 200.000 Euro von der Gemeindekasse überwiesen. Dieser Betrag steht als ganz normales Guthaben auf seinem Kontokorrentkonto, doch dann überweist er den gesamten Betrag als Tilgungsleistung auf sein Kreditkonto und ist damit auf einen Schlag schuldenfrei. Das auch völlig zu Recht, schließlich hat er als Gegenleistung für die 200.000 Euro gute Arbeit zu einem reellen Preis abgeliefert. Die Schule ist renoviert und wieder für viele Jahre uneingeschränkt benutzbar.

Die Bank schließt die Kreditakte des Schuldners S, bleibt aber dennoch bis zum Ende der Laufzeit der Pfandbriefe verpflichtet, dem Rentier A 6% Zinsen zu zahlen, obwohl sie selbst keinen Kunden mehr hat, der wegen eines Kreditwunsches auf diese Refinanzierung angewiesen ist.

Bei Ablauf tauscht die Bank B ihre Pfandbriefe deshalb gerne gegen eine Gutschrift auf dem Girokonto des Rentiers A ein. Weil sie dessen Vermögen derzeit nicht gebrauchen kann, bietet sie ihm für die Folgezeit weder Pfandbriefe noch irgend eine andere Form verzinslicher Anlage an. Die Bank erklärt sich lediglich bereit, das Girokonto gegen geringe Gebühren weiter zu führen und ihm gegen Erstattung der Spesen regelmäßig Kontoauszüge zu übersenden.

Das Vermögen des Rentiers A ist unverändert geblieben. Er hat 200.000 Euro Geld, von dem er sich alles kaufen kann, was für 200,000 Euro zu haben ist. Die Veränderung liegt für ihn einzig und allein darin, dass ihm dieses Geld keine Zinsen mehr einbringt, dass er für seinen weiteren Unterhalt also von der Substanz zehren muss und nicht mehr darauf hoffen kann, dass andere für ihn arbeiten und ihm damit "Zinsen" erwirtschaften.

In der weit komplexeren, vielfältig verflochtenen und millionenfach rückgekoppelten realen Welt wird der Einsatz solcher Geldgeschenke zu Gunsten leerer Gemeindekassen nicht dazu führen können, dass von einem Tag auf den anderen keine Zinsen mehr gezahlt werden, aber das Zinsniveau wird sich der Menge des frei verfügbaren Geldes anpassen und langsam aber sicher sinken, solange immer mehr zinsfreies Geld alte Schulden ablöst, ohne dass dafür neue Schulden aufgenommen werden müssen.

Damit werden zwei ganz wichtige Ziele auf dem Weg zu einem besseren Geldsystem erreicht:

Erstens ist dem Geldvermögen die Chance der Deflations-Spekulation aus der Hand genommen und

zweitens wird das dem jetzigen Geldsystem inhärente, zwangsläufige Geldmengenwachstum gebremst und allmählich zum Stehen gebracht.

Wird die Politik einen Schritt weiter gehen und frisches, unbelastetes Geld nicht nur - wie im Beispiel - in die Renovierung von Schulgebäuden stecken, sondern z.B. zur Förderung neuer Technologien, zur Einführung energiesparender Geräte, zur Finanzierung des Gesundheitswesens usw. einsetzen, kann damit außerdem ganz gezielt die Förderung erwünschter Entwicklungen und Technologien in die Wege geleitet werden, die unter den herrschenden Entscheidungs- und Kreditvergabekriterien des Zinskapitalismus niemals eine Chance gehabt hätten.

Klar, dass solche Subventionen davon abhängig sein müssen, dass Projekt und Antragssteller einigen - durchaus anspruchsvollen - Anforderungen genügen, damit das "gute Geld" nicht sprichwörtlich zum Fenster hinaus geworfen wird. Zudem muss gewährleistet sein, dass es sich bei solchen Subventionen niemals um einen Dauertropf sondern einzig und alleine um wirksame einmalige Anschubfinanzierungen handeln darf, weil die Bereitstellung freien Geldes immer nur vom volkswirtschaftlichen Gesamt-Bedarf, nicht aber von der grundsätzlichen Unwirtschaftlichkeit eines Einzelprojektes ausgehen darf. Details dazu würden den Rahmen dieses Aufsatzes sprengen, grundlegende Gedanken dazu habe ich u.a. im zweiten Band von "Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre" ausgeführt, die ich bei aller sonstigen Bescheidenheit an dieser Stelle gerne als weiterführende Lektüre empfehlen möchte.

Wichtig ist, dass mit dieser Konzeption ein Weg erkennbar wird, über den die Eindämmung des umlaufenden Kreditgeldes beinahe mühelos erreicht werden kann. Immer mehr Geldvermögen wird zu immer niedrigeren Zinsen auf den Konten liegen, niemand hätte mehr einen Anreiz, Geld zu verleihen, weil das Risiko, das verliehene Geld zu verlieren immer größer wird, während der mögliche Zinsertrag immer weiter schwindet.

Halten wir fest:

Mit dem Einschießen frischen, unbelasteten Geldes lässt sich die Geldhortung bekämpfen, lassen sich die Schulden abbauen und die Zinsen allmählich zum Verschwinden bringen.

Aber was ist, wenn die vereinte Kaufkraft der Großvermögen auf den Markt schwappt und alles in einer riesigen Inflationswelle weggespült wird?

Nun, das ist ebenfalls ein Problem, das in einem vernünftigen Geldsystem nicht mehr auftreten darf und die Lösung dieses Problems ist dringend geboten. Schließlich gibt es bereits gigantische Geldvermögen in der Republik, Geldvermögen, die in Summe annähernd das Vierfache des jährlichen Bruttosozialproduktes erreicht haben. Damit ließe sich eine so gigantische finanzielle Sintflut auslösen, dass die meisten Kinder hinterher wieder einmal nur noch wertlose Geldscheine zum Spielen hätten, weil der Bevölkerung nach dem Crash außer Bergen wertloser Scheine nichts mehr geblieben ist.

Dieses Problem ist schwieriger zu lösen, wie es auch im Garten schwieriger ist, nach tagelangem Starkregen eine meterhohe Flutwelle zu beherrschen, als bei Trockenheit zu gießen. Gegen die Flut hilft nur rechtzeitige Vorsorge, die Renaturierung von Bach- und Flußläufen und die Einrichtung ausreichender Überflutungszonen.

Das Geldvermögen ist da. Hoch oben über dem Tal im vollgefüllten Staubecken der Hochfinanz. Trotzdem kann und sollte man es nicht einfach konfiszieren, oder per Dekret entwerten. Es gibt viele gute Gründe, die dafür sprechen, eine einfachere, weniger rigorose und dennoch wirksame Lösung zu finden.

Mir schwebt dazu eine Kombination mehrerer Maßnahmen vor, die miteinander verzahnt sind und den gewünschten Effekt nach einer mehrjährigen Anlaufphase sicher bringen sollten.

 


Vermögens- und Transaktionsbesteuerung


Um die latente Gefahr, die von hochgestauten Geldvermögen ausgeht, beherrschen und bändigen zu können, sind sowohl die Vermögen selbst, als auch die spekulativen Transaktionen durch wirkungsvolle Besteuerung zu begrenzen und allmählich auf ein der Volkswirtschaft zuträgliches Maß zu begrenzen.

Im Einzelnen denke ich an folgende Maßnahmen:

Die Erhebung einer Steuer in Höhe von jährlich 12 % auf das Vermögen privater Haushalte und Stiftungen, bei Gewährung eines Freibetrag in der Höhe von 1 Milliarde Euro.

Die Belastung aller Finanztransaktionen, also aller Überweisungen, aller Wertpapiergeschäfte einschließlich des Derivatehandels mit dem vollen Mehrwertsteuersatz.

Basis sollte die Höhe der Gesamtabflüsse von den Konten bzw. Depots des einzelnen privaten Haushaltes sein, die ab einem vernünftigen Freibetrag von z.B. bis 100.000 Euro p.a. mit dem jeweils gültigen Mehrwertsteuersatz belastet werden.

Das klingt teuer, aber wenn das Mehrwertsteueraufkommen unverändert bleiben sollte, würde der Steuersatz vermutlich auf ein Zehntel des derzeitigen Wertes sinken, was die ganze Angelegenheit nochmals reizvoller machen würde.

Das System erfordert selbstverständlich die Einführung der Steuernummer in der Kontenführung der Banken und einen zentralen Computer, der die Umsätze pro Steuernummer einfach mitzählt und ab Überschreiten der Freibetragsgrenze die kontenführenden Banken unterrichtet und den Steuerabzug auslöst.

 

Ein Gesetz, das jeglichen Finanztransfer mit dem Ausland einem automatisierten Antrags- und Genehmigungsverfahren unterwirft, das stufenweise mit dämpfenden Beschränkungen reagiert, wenn sich Zu- oder Abflüsse plötzlich und in erheblichem Umfang verändern (Faustregel: mehr als 15 % des Volumens des Vorjahres in weniger als 1 Monat).

 

Wer jetzt einwendet, alle diese Vorschläge widersprächen den Grundregeln des Finanzwesens und ihre Umsetzung sei unmöglich, weil die Notenbank - als Hüterin der Währung - nicht in die Fiskalpolitik des Staates eingreifen dürfe und der Staat andererseits die Unabhängigkeit der Notenbank wahren müsse, der sollte sich überlegen, woher diese Regeln stammen und welche Effekte sie hervorgebracht haben. Es gibt kein naturgesetzliches Notenbankwesen, es gibt nur ein durch und duch marodes Geldsystem mit Regeln, die allesamt zu hinterfragen sind, bevor man sie bedenkenlos in ein neues System übernimmt.

Fakt ist, dass riesige Geldakkumulationen mit ihrem Zinsanspruch und ihrem Erpressungspotential entschärft werden müssen. Dazu fehlt dem herrschenden Geldsystem jegliche Voraussetzung. Warum also soll nicht der Staat (der doch nichts anderes ist, als der von seinen Bürgern beauftragte Dienstleister zur Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Ordnung) einen Teil zur Ordnung im Geldsystem beitragen. Lassen wir die Zentralbank die Quelle sein und den Staat den Ozean, in den sich der Strom ergießt. Wichtig ist, dass das dazwischen zirkulierende Wasser ausreicht, um das Leben zu erhalten, dass das umlaufende Geld ausreicht, um allen Menschen die Chance zu geben, ihre Arbeit gegen Geld zu verkaufen. Denn: Dass überall große Mengen an Arbeit darauf warten, getan zu werden, ist nicht zu übersehen, und dass große Mengen arbeitssuchender Menschen gerne bereit wären, diese Arbeit zu tun, ist mit allen frechen Faulheitsbehauptungen nicht wegzuwischen. Es fehlt der realen Wirtschaft nur am Geld. Geld dass von gewissenlosen Zockern, von jenen vaterlandslosen Gesellen, die sich stolz Global Player nennen und von den Zinseintreibern des Großkapitals ohne Gegenleistung beansprucht und dem Markt entzogen wird.

Dieses Geld über Vermögens- und Transaktionssteuern wieder zu aktivieren ist die zweite, unbedingt erforderliche und durchaus auch realisierbare Maßnahme, mit der irgendwann die Nähe jenes gar nicht so fernen Zieles erreicht werden kann, bei dem die Wirtschaft im Rahmen unschädlicher Toleranzen stets genau so viel Geld zur Verfügung hat, wie benötigt wird. Nicht weniger, denn das öffnet den erpresserischen Geldverleihern und ihren Zinsforderungen Tür und Tor, aber auch nicht mehr, denn überflüssiges Geld birgt die Gefahr inflationärer Dammbrüche.

Gesteuerte Zufuhr von frischem, unbelasteten Geld durch die Zentralbank schafft die blühenden Landschaften - die konsequente Kanalisierung und Ableitung von überflüssigem Geldvermögen ist die notwendige Ergänzung um die zerstörerischen Kräfte großer Geldansammlungen zu beschneiden. Beides zusammen stabilisiert sowohl den Wert der Währung, als auch den Wert der Geldvermögen, womit wiederum allen gedient ist, deren Vermögen unterhalb jener Freibetragsgrenze von 1 Milliarde Euro bleibt, die man den Superreichen durchaus zugestehen könnte.




Soviel in aller Kürze.

Was halten Sie davon?

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