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Der Fluss des Geldes

Grundlagenwissen zum besseren Verständnis des Geldes und der vom Geldsystem hervorgerufenen Probleme

Teil 5

Deflation

Verfasser: Egon W. Kreutzer, Stand 20. Mai 2003


 Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band III
Das Buch über das Geld
erscheint Mitte Juni 2005
Bis 31. Mai 2005 zum Subskriptionspres von 19,00 Euro
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Inflation und Teuerung haben wir im Kapitel "die natürlichen Feinde des Geldes" bereits besprochen, doch es gibt noch ein Phänomen, das höchste Beachtung verdient:

Die Deflation.

Deflation ist selten, zwischen deflationären Phasen vergehen Jahrzehnte der Teuerung und Inflation, aber in der kollektiven Erinnerung der Menschheit ist die Deflation tief eingegraben. Die letzte schwere Deflation nennen wir heute noch "Die Weltwirtschaftskrise" und ihr "Schwarzer Freitag" ist längst zum Synonym für Bankrott und wirtschaftlichen Ruin geworden.


Deflation sieht so aus, als gewönne das Geld auf wundersame Weise Tag für Tag an Wert. Es sieht so aus, als würden die Preise sinken, als seien die Feinde des Geldes, Inflation und Teuerung endgültig besiegt.

Natürlich ist das Unfug. Erklärt wird die Deflation mit einer Stimmung des Abwartens bei den Konsumenten, die heute nicht kaufen wollten, weil sie fest damit rechnen, dass morgen alles noch billiger zu haben sei.

Aber auch das ist Unfug, der in den Medien verbreitet wird, um die Deflation als eine unvermeidliche Erscheinung des Schicksals und der Weltenläufte darzustellen, so ähnlich als sei die Deflation eine Art Viruserkrankung, die rund um den Globus das Wirtschaftsleben befällt und lähmt.



Selbstverständlich wird Deflation von Menschen gemacht.

Die einfachste Methode zur Herstellung von Deflation ist es, die Kaufkraft der Bevölkerung, einschließlich der Kaufkraft ihres Staates und ihrer Versorgungssysteme zu beschneiden, indem die Geldversorgung gestört wird.

Dies ist in Zeiten der Globalisierung einfacher denn je. Alleine mit der Drohung, Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern, sind Bund, Länder, Gemeinden und Gewerkschaften dazu zu bewegen, Steuern und Abgaben zu senken, preisgünstiges Bauland einschließlich unentgeltlicher Erschließung zur Verfügung zu stellen, Sondertarifverträge abzuschließen und massiven Stellenabbau hinzunehmen, solange wenigstens noch ein paar Arbeitsplätze erhalten bleiben. Vergessen wird dabei leicht, dass weniger Geld in Umlauf ist, wenn Investoren weniger Geld einsetzen müssen, um Produktionsanlagen zu errichten. Es wird vergessen, dass weniger Geld in Umlauf kommt, wenn weniger Beschäftigte für geringere Löhne arbeiten und die Steuereinnahmen sinken. Jeder versucht nur, rings um den eigenen Markplatz zu retten, was zu retten ist und begibt sich damit in eine unsinnige Konkurrenz, die von lachenden Dritten in immer groteskere Formen getrieben wird.

Den umworbenen Investoren gelingt es so, bei immer weiter sinkendem Aufwand für Pflege und Unterhalt der werteschaffenden Bevölkerung, das gleiche Volumen an Produkten und Leistungen am Markt anzubieten und mit zunehmenden Exportanteilen auch gewinnbringend abzusetzen.

Dieser Bevölkerung fehlt nun allerdings das Geld. Das zeigt sich schnell an rückläufigen Einnahmen des Staates und der staatlichen Sozialkassen. Sobald die Ebbe in den Staatskassen als ein Signal zum Sparen interpretiert wird, wenn der Staat also weniger ausgibt und sogar versucht seine Schulden abzubauen, kommt noch weniger Geld in die Taschen der Verbraucher.

Kürzungen bei den Renten, Kürzungen bei den Unterstützungsleistungen für Arbeitslose, Kürzungen bei den Kuren und Heilmitteln in der Krankenversicherung vermindern den Geldumlauf, die Konsumenten, so sie noch können, beginnen nun ebenfalls zu sparen, wollen schnell eine Rücklage bilden, um für noch schlechtere Zeiten gewappnet zu sein. Damit verschwindet erneut Geld vom Markt , das erst viel später und in winzigen Dosen als angeknabberter Notgroschen zurückfließt und damit kaum eine Belebung auslösen kann.

Die Beschäftigten beginnen unter massivem Druck der Arbeitgeber, sich mit geringeren Löhnen und schlechteren Arbeitsbedingungen zufrieden zu geben, weil sie sonst gar keine Beschäftigung, gar keinen Lohn mehr erhalten. Kurz darauf trifft es die kleineren Gewerbebetriebe, den Einzelhandel, das Handwerk, wo ein ruinöser Wettbewerb um den letzten Cent der letzten Kunden beginnt.

Wer jetzt Geld hat, kann preiswert Schnäppchen einkaufen,
doch wer hat noch Geld?

Die öffentlichen Kassen sind leer. Das Gros der abhängig Beschäftigten ist kaum in der Lage, Miete und Raten zu zahlen, und in jenen gesellschaftlichen Zonen, wo früher die so genannten "Besserverdienenden" vermutet wurden, beginnt man den Gürtel enger zu schnallen, doch viele schaffen es trotzdem nicht, das in besseren Zeiten Erworbene zu halten.

Swatch-Uhren, Briefmarken- und Münzsammlungen werden zuerst versilbert, aber bald gehen auch Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen in den Notverkauf und die Zahl der Zwangsversteigerungen nimmt rapide zu.

Kein Wunder, dass die Preise für Gebrauchtwagen ansteigen, während Neuwagen auf Halde liegen und immer schwieriger abzusetzen sind.

Wer jetzt Geld hat, kann preiswert Schnäppchen einkaufen.

Deflation ist für die Reichen nämlich ebenso schön, wie Inflation. Sie entscheiden alleine, welches Sachvermögen sie zu welchem Preis erwerben.

Sie besitzen fast alles Geld, ihre Tilgungs- und Zinsforderungen verschlingen die überwiegenden Teile der Einkommen der Bevölkerung und aus diesen Geldvermögen heraus ist es ein leichtes, alle Begehrlichkeiten nach Sachwerten zu befriedigen.

Der Staat wird sich dem nicht entgegenstellen, ganz im Gegenteil, er kommt denen, die das Geld haben, massiv entgegen, verzichtet auf die Besteuerung von Kapitalerträgen, verzichtet auf die Besteuerung von Vermögen, immer in der Hoffnung, das Kapital ließe sich dadurch gnädig stimmen und würde vielleicht doch bald wieder ein bisschen Geld in den ausgetrockneten Markt geben.


Das ist Deflation.

Es wird nichts wirklich billiger, im Gegenteil. Es muß immer mehr Leistung erbracht werden, um mit Anstand zu überleben. Es sieht nur so aus, als würde etwas billiger, weil die Preise für Löhne, Leistungen und Güter sich der schrumpfenden Geldmenge anpassen, denn die in der realen Wirtschaft tatsächlich verfügbare Geldmenge, mit der alles bezahlt werden muß, wird - im Gegensatz zu den Angaben über die Geldmenge M3 in der offiziellen Statistik - immer kleiner.


So wird der Zustand Europas inzwischen von der Weltbank und vom IWF beschrieben
(Mai 2003), wer mit offenen Augen durch die Welt geht, hat bemerkt, daß die massive Geldverknappung, unter der wir leiden, mit dem Zusammenbruch der Spekulationsblase an den Weltbörsen begonnen hat und sich seitdem laufend verschärft.

Doch unsere Regierung leugnet die Deflationsgefahr und sucht ihr Heil immer noch in Sparsamkeit und Sozialabbau.

Deflation ist die Erpressung ganzer Volkswirtschaften durch Geldzurückhaltung und durch die Weigerung des Bankensystems, Geld zur Verfügung zu stellen.

Mit der Einführung des Euro, noch mehr mit den Verschuldungskriterien von Maastricht, mit den restriktiven Kreditvergaberegeln von Basel II und mit der immer gnadenloseren Öffnung und Deregulierung des Welthandels wurde die Einladung an das Kapital ausgesprochen, doch zur Abwechslung, nach fast 75 Jahren, wieder einmal auf Deflation zu setzen.

Das Kapital hat die Einladung angenommen.

Wir dürfen nicht vergessen, dass auch in Deutschland ein gigantischer Schuldenberg existiert, der sich breit über Konsumenten, Häuslebauer und Unternehmen, über die Gemeinden, die Länder und den Bund verteilt. Ein Schuldenberg, der uns mit Tilgungs- und Zinslasten, die inzwischend annähernd die Hälfte unseres Brutto-Inlandsproduktes verschlingen, erdrückt.

Wir dürfen aber erst recht nicht vergessen, daß diesen Schulden auch entsprechende Guthaben gegenüber stehen, die sich jedoch ganz anders verteilen. Der weitaus überwiegende Teil des Geldvermögen ist in wenigen Hände konzentriert. In Deutschland gibt es nur eine kleine Zahl von Gläubigern, denen eine Unzahl von Schuldnern Zinsen zahlt.
Diese wenigen Superreichen sind die Gewinner der Deflation. Diese Menschen können und werden zwar bestreiten, die Deflation absichtlich herbeigeführt zu haben, aber sie können nicht bestreiten, die Nutznießer der Deflation zu sein. Ganz zu schweigen davon, dass sie nichts tun, um die Deflation abzuwehren, obwohl sie durchaus dazu in der Lage wären.

 

Doch auch der Staat könnte die Deflation abwehren, wenn er das nur ernsthaft wollte.

Es ist nichts anderes erforderlich, als dem Markt die fehlenden Zahlungsmittel zur Verfügung zu stellen. Angebot und Nachfrage sind doch da. Sie kommen doch nur deshalb nicht zusammen, weil das Geld fehlt, weil das Geld dem Markt in krimineller Absicht entzogen wurde.

Stellt der Staat, mit der ihm eigenen Autorität und dem ihm entgegengebrachten Vertrauen, die erforderlichen Zahlungsmittel zur Verfügung, und zwar ohne jegliche Rückzahlungsverpflichtung, ohne dass Zinsen dafür zu entrichten sind, wird sehr schnell Vollbeschäftigung und Wohlstand entstehen, wo heute Arbeitslosigkeit und zunehmende Armut um sich greifen. Es sind nicht die angeblich arbeitsunwilligen, unflexiblen, immobilen Sozialschmarotzer von unten, die das verhindern. Es sind die, die uns das Geld "gestohlen" haben.

Geld ist doch weder der Motor, noch der Treibstoff, den die Wirtschaft braucht, sondern nur das verdammte, dreckige Schmiermittel. Ein MUSS; das wahrhaft billig herzustellen und leicht zu verteilen ist, das aber gebraucht wird, wenn aus Arbeit Wohlstand entstehen soll.

Dass von solchem staatlich bereitgestellten Anti-Deflationsgeld eine schwerwiegende Inflationsgefahr ausginge, ist in Anbetracht der deflationären Lage ein so blöder Witz, daß darüber kaum noch jemand lachen wird. Lediglich die Deflationsstrategen hätten das Nachsehen. Aber was macht das? Oder will jemand ernstlich behaupten, es sei die Mehrheit der Demokraten in unserem Lande, die von der Deflation profitiert?

Wäre das nicht ein Thema, für einen Sonderparteitag?



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Ein Nachtrag aus aktuellem Anlass

Die Idee, die jüngst von Herrn Struck zu hören war, man sollte das Schuldenkriterium aus dem Maastricht-Vertrag neu definieren, und zwar so, daß Schulden, die zur Deckung von Rüstungsausgaben gemacht werden, aus der Neuverschuldung herausgerechnet werden, geht zwar in der makroökonomischen Betrachtung tendenziell in die richtige Richtung - aber warum soll es ausgerechnet wieder die Kriegsvorbereitung sein, die von den Stabilitätshütern toleriert wird, warum sind es nicht auch einmal die Sozialkassen?

Klar. Rüstung war schon immer ein gutes Geschäft. Wer hat in diesem unseren Lande nicht schon alles Provisionen kassiert, dabei. Was ist dagegen das Arbeitslosengeld, da hat doch keiner was davon.