Der Fluss des Geldes

Grundlagenwissen zum besseren Verständnis des Geldes und der vom Geldsystem hervorgerufenen Probleme

Teil 4

Manipulationen

Verfasser: Egon W. Kreutzer, Stand 5. Mai 2003

 Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band III
Das Buch über das Geld
erscheint Mitte Juni 2005
Bis 31. Mai 2005 zum Subskriptionspres von 19,00 Euro
Informationen und Bestellmöglichkeit hier.



Geld ist nichts als ein Mittel zum Zweck. Es hat keinen eigenen Wert, es kann aus dem Nichts geschaffen werden und es kann spurlos wieder verschwinden. Die Transaktionen, die mit seiner Hilfe durchgeführt wurden, haben jedoch Bestand.

Dieser Sachverhalt wird sofort deutlich, wenn wir bei der Betrachtung des Geldes den klassischen Sachwert, den Grundbesitz zum Vergleich heranziehen.

Für ein Grundstück von 1000 m² ist es völlig egal, daß es vor 30 Jahren für 250.000 DM erworben wurde, dann vor 10 Jahren für 750.000 DM weiterverkauft wurde und zuletzt im vorigen Jahr für stolze 500.000 Euro den Besitzer wechselte.

Das Grundstück bleibt völlig unverändert 1000 m² groß.

Allerdings hat der Besitzer, der dieses Grundstück vor dreißig Jahren gekauft und vor 10 Jahren wieder verkauft hat, eine erhebliche Veränderung seines Geldvermögens erlebt. Hatte er zuerst 250.000 DM, die er dann gegen ein 1.000 m² Grund eintauschte, so konnte er zwanzig Jahre später, nachdem er sich von dem Grundstück wieder getrennt hatte, 750.000 DM sein eigen nennen.

Der Witz dabei ist: Für diese 750.000 DM hätte er nach dem Verkauf in einer vergleichbaren Lage auch wieder nur 1000 m² Grund und Boden erwerben können. Er hat zwar mehr Geld, aber gemessen am Grundstückwert hatte die Veränderung des verfügbaren Geldbetrages keine Auswirkung auf seine Fähigkeit, Grund und Boden zu erwerben. Und das ist gut so.
(Die Wirkung von Steuern und Gebühren wollen wir der Einfachheit halber nicht betrachten.)


Manipulationen am Geldwert

Manipulationen am Geldwert ermöglichen es, um im Beispiel zu bleiben, 1000 m² für 500.000 Euro zu verkaufen und ein paar Tage später die gleichen 1.000 m² und noch 500 weitere m² dazu für die gleichen 500.000 Euro zurückzukaufen. Manipulationen am Geldwert dienen dazu, über die Wirkungen von Inflation und Teuerung hinaus, die Möglichkeit zu schaffen, aus möglichst jeder Transaktion mit einem Zugewinn (ein paar Quadratmeter mehr) hervorzugehen. Das Mittel zur Manipulation ist die Geldhortung/Geldzurückhaltung, die den Wert des am Markt umlaufenden Geldes (und damit auch den Wert des gehorteten Geldes) erhöht und die überraschende Einspeisung großer Mengen gehorteten Geldes in den Markt, wodurch der Wert des Geldes vermindert wird.


Die Besitzer großer Vermögen unterscheiden sehr wohl zwischen


...und sie interessieren sich ausschließlich für die Größe ihres realen Vermögens,
während sie nach Kräften versuchen, die Relation zwischen nominalen und realen Werten immer wieder zu verändern, weil darin viele Chance liegen, sich zu bereichern
.

Nur wer reich genug ist, den erforderlichen Einfluss auszuüben, bzw. sich mit seinem Kapital an den Spielen zu beteiligen, die gespielt werden, um die Verhältnisse zwischen nominalen und realen Werten zu verändern, kann aus den Manipulationen am Geldwert Gewinne ziehen. Alle anderen, die allermeisten Menschen auf dieser Welt, bezahlen die Zeche ohne jede Chance zur Gegenwehr. So wird mit voller Absicht und im Rahmen der Legalität (was sind das für Gesetzgeber, die das erlauben?) in schöner Regelmäßigkeit der Wert vom Geld getrennt.


Manipulationen am Geldwert funktionieren innerhalb einer Volkswirtschaft bzw. innerhalb eines Währungsgebietes und sie funktionieren im internationalen Maßstab im Rahmen des weltweiten Devisenhandels.

Üblicherweise finden sich die Auslöser für derartige Manipulationen in wirtschaftlichen Ungleichgewichten, die von aufmerksamen Beobachtern erkannt und - je nach Gelegenheit - in kurzfristige Aktionen oder langfristige Projekte umgesetzt werden, wobei das verfügbare Kapital meistens ausreicht, um in einer Währungs-Spekulation gegen die Mittel der verteidigenden Zentralbank(en) zu bestehen.

Die Verteidiger solcher Aktionen behaupten gerne, sie würden nichts anderes tun, als auf vorhandene Schwächen reagieren und so einen Ausleseprozess antreiben und beschleunigen, der sowieso stattfinden müsste. Aber mit solchen Argumenten kann man das Waldsterben und die zunehmende Arbeitslosigkeit ebenfalls schönreden - besser wird davon nichts.

Was läuft also innerhalb einer Volkswirtschaft, innerhalb eines Währungsgebietes?

Wie wir wissen kann die verfügbare Geldmenge völlig unabhängig vom Wirken der Notenbanken alleine dadurch beeinflusst werden, dass im großen Stil Geld in Geldvermögen und bei Bedarf auch wieder zurück in Geld verwandelt wird.

Dies ist nicht nur unabhängig vom Willen der Notenbanken, es ist ebenso unabhängig vom Geldbedarf der realen Wirtschaft, also jener Teile des Wirtschaftslebens, die sich mit der Herstellung von Produkten und der Erstellung von Leistungen befassen. Es ist vor allem völlig unabhängig vom Geldbedarf des Staates und der Konsumenten.

Beobachten wir die reale Situation in Deutschland heute, also im April/Mai 2003.

Seit mehreren Jahren wird die Geldversorgung der realen Wirtschaft immer stärker gedrosselt. Die Banken weigern sich wie nie zuvor, Kredite zu vergeben, gleichzeitig führt eine forcierte Entschuldungspolitik beim Staat und bei einigen Großunternehmen zu einem weiteren Schwund der für die reale Wirtschaft frei verfügbaren Geldmenge.

In der Folge steigt die Arbeitslosigkeit, werden die Lohnersatzleistungen gekürzt und der Lebensstandard sinkt. Ersparnisse werden aufgelöst, Lebensversicherungen vorzeitig und mit Verlust gekündigt. Lohnerhöhungen gibt es nicht mehr, stattdessen Kürzungen an allen Ecken und Enden. Das wenige Geld reicht nicht mehr. Immer mehr Häuser und Eigentumswohnungen geraten in die Zwangsversteigerung, noch viel mehr werden kurz vor dem Zugriff des Gerichtsvollziehers noch schnell verkauft. Preiswert verkauft. Mit der Tilgung der Restschulden nimmt die Geldmenge weiter ab, die Wirtschaft trägt klare Züge einer Deflation, wer seine Preise nicht mehr senken kann, muß Insolvenz anmelden, weil bei ihm die Entlastungen aus sinkenden Löhnen und Lohnnebenkosten nicht ausreichen, um die Last der stetig wachsenden Kapitalkosten auszugleichen.

Das Geld wird anscheinend mehr wert, aber niemand hat mehr genug Geld, um sich mit dem Nötigsten zu versorgen. Zum nackten Überleben werden nach und nach die Sachwerte abgegeben. Zuletzt heißt es dann wieder: Ein Pfund Butter für den Flügel. Das hatten wir schon. "Ich hab doch schon sieben Flügel in der Scheune", sagte der Bauer 1947 zu dem hungrigen Konzertpianisten, der sich im Stillen etwas mehr als ein Pfund Butter für seinen Steinway erhofft hatte.

Doch es geht auch umgekehrt, und es war auch umgekehrt, kurz vorher,

als Hausfrauenkränzchen sich zu Börsenclubs zusammenschlossen.

Da haben wir noch einmal gesehen, wieviel Geld da ist. Da hat man die Kurse hochgejubelt, daß es die helle Freude war, da hatten die Glücksritter Hochsaison. Wer sein Geld nicht an die Börse trug, wurde mitleidig belächelt und mit großer Geduld wurden wieder und wieder die realisierten Gewinne der Kleinanleger mit immer noch weiteren Kurssprüngen quittiert, bis auch noch der letzte Sparstrumpf geleert und als Kurswert im Aktiendepot fröhliche Urständ feierte. Firmen trennten sich gegen horrende Summen von ihren notleidenden Töchtern, die als Einzelteile an die Börse gebracht und wie die warmen Semmeln verkauft wurden.

Der Crash kam ganz gemächlich daher. Dafür aber führte er konsequent aus den abenteuerlichen Höhen der Hausse in die Niederungen der Baisse.Kaum einer, der zuletzt noch gekauft hatte, fand noch ein Schlupfloch.


Gesiegt haben diejenigen, die mit großen Depots begannen und mit viel Geld eingestiegen sind, um die Kurse wie selten zuvor in die Höhe zu treiben. Als der Börsenrausch um sich griff, trennten sie sich nach und nach von ihren Anteilsscheinen und als die Kurse in schwindelnde Höhen aufgestiegen waren, hatten waren die Aktien weit gestreut, die großen Depots ziemlich leer und das Geld hatte den Besitzer gewechselt.

Um das Geschehen zu verdeutlichen hier ein einfaches Beispiel:

Ein Depot, das als der DAX bei 2.500 lag, für 1 Milliarde Euro angelegt worden war und das im Zug der Hausse immer weiter zu immer höheren Kursen ausverkauft wurde, hatte, als es gelungen war, den DAX auf über 6.000 Punkten zu treiben, ohne größere Mühen 2 Milliarden Euro Verkaufserlöse gebracht. Inzwischen haben wir den DAX wieder bei 2.500 gesehen. Das Depot wurde mit exakt der gleichen Anzahl Aktien wieder aufgefüllt, das hat wiederum nicht mehr als 1 Milliarde gekostet. Die zweite Milliarde ist wer weiß wo, nur nicht mehr da, wo sie gebraucht würde, um die Wirtschaft zu beleben.

So sieht das Grundmuster der Geldwert-Manipulation in einem geschlossenen Währungsgebiet aus. Dabei ist es nebensächlich, ob mit Aktien, Grundstücken, Kaffee, Schweinehälften oder Verschmutzungsrechten spekuliert wird und es ist nebensächlich, wer aus der Horde der Großspekulanten den größten Reibach gemacht hat. Die Wirkungen von künstlich erzeugter Geldknappheit und vorsätzlich herbeigeführter Geldschwemme treffen immer das gesamte Geld und die große Mehrheit der Bevölkerung.


Im internationalen Devisenhandel ist das Spiel einfacher und noch kurzfristiger zu spielen.

Die besten Karten hat dabei derjenige, der sich im Besitz einer Leitwährung befindet, wer also Dollars hat. Dollars sind quasi der Ersatz für Grund und Boden im Devisenhandel. Jede Transaktion bemißt sich letztlich daran, wie sich die Veränderung eines nominelles Vermögen in Euro, Yen oder Escudos auf den Wert des Vermögens in Dollar auswirkt.

Durch massiven Ankauf von Devisen wird die Wirtschaft des betreffenden Währungsgebietes stranguliert, die Exportchancen sinken und der Preis für die Devise steigt. Wer ein kleines Rad dreht, kann die aufgekauften Devisen schon bald mit kleinem Gewinn wieder zu verkaufen. Wer ein großes Rad dreht, muß einen langen Atem haben, bis der Widerstand der Notenbank(en) gebrochen ist, doch dann locken gigantische Gewinne, wenn die Masse der billig eingekauften Devisen Stück für Stück zu Höchstpreisen wieder abgegeben werden kann.

Der massive Verkauf von Devisen, die vorher klammheimlich gesammelt, oft genug nur ausgeliehen wurden, drückt auf die Kurse, bis jeder der noch Geld in der schlechten Währung hat, versucht sich so schnell wie möglich davon zu trennen. Ganz vorsichtig, um den Kurs nicht selbst wieder in die Höhe zu treiben, nimmt der Spekulant das Überangebot wieder vom Markt und wenn dann noch die Notenbank des betroffenen Staates mit Stützungskäufen reagiert, werden ihm die unter Wert gekauften Devisen mit vielen schönen Dollars teuer bezahlt.

Jeden Tag werden Devisen im Wert von fünf bis sechs Billionen Dollar rund um den Globus geschoben, immer mit dem Ziel, nach der Transaktion ein paar Dollar mehr zu besitzen, als vor der Transaktion.

So wandert Geld aus allen Volkswirtschaften in die Geldvermögenstöpfe der Spekulanten und verbleibt dort, solange es denen gefällt. Zur Stützung der Geldversorgung im betroffenen Land wird es erforderlich, neue Kredite auszureichen, dadurch steigen die Kosten für die Geldversorgung der Wirtschaft und der Profit weniger Geier wird von allen Angehörigen der betroffenen Volkswirtschaften aufgebracht.

Betroffen sind inzwischen alle Volkswirtschaften, auch die der USA, auch wenn diese, aufgrund ihrer weltweit anerkannten Leitwährung immer ein wenig im Vorteil bleiben.

Versucht eine Volkswirtschaft, die Ausweitung des Kreditvolumens zu vermeiden, wird sie früher oder später das Gespenst der Deflation sehen, so wie Deutschland heute und dann - trotz aller Wahlversprechen schnellstmöglich die Flucht in die Inflation antreten, womit neues Spielgeld und neuer Anreiz für die Spekulanten geschaffen wird.

Manchem wird die hier gegebene Beschreibung der Manipulationen am Geldwert recht einfach und naiv vorkommen, mancher wird genauer wissen, wie die Deals eingefädelt und abgewickelt werden, aber dies hier ist kein Lehrbuch für die Manager von Hedge-Fonds, dies hier ist Grundlagenwissen über unser verdammtes Geld und dieses Grundlagenwissen soll von möglichst vielen verstanden werden, damit endlich eine breite Bewegung in Gang kommt, die sich gegen das Verbrechen "Geld" zur Wehr setzt.

Da hilft keine Tobin-Steuer.

Geld muß in Zukunft zinslos und tilgungsfrei vom Staat in die Wirtschaft eingespeist werden und jeder Versuch der Erpressung einer Volkswirtschaft durch Geldhortung muß durch die Einspeisung neuen Geldes im Keim erstickt werden.

Wenn das zur Inflation führt, ist das nur die gesunde Reaktion eines Systems gegen schädliche Eingriffe, nicht mehr, und zudem weit weniger schädlich als das jetzige System, das regelmäßig kollabieren muß. Doch die Spiele der Spekulanten würden schnell von selbst aufhören, wenn sie nicht mehr zu dem Ziel führen, reale Vermögen durch Manipulation des nominellen Geldwertes zu vergrößern.

Gleichzeitig muß der Devisenhandel wieder strikt kontrolliert werden und vom Nachweis realer Geschäfte, die dem Devisenbedarf zugrunde liegen, abhängig gemacht werden.

Alle spekulativen Geschäfte, auch der Handel mit Optionen und weiteren Derivaten, auch wenn er nur zum Zwecke der Kurssicherung angestrebt wird, ist zu verbieten.

Geld ist nicht dazu da, einigen wenigen großen Spielern leichte Gewinne zu verschaffen!

Eine Regierung, die es schafft, die Geldversorgung der Volkswirtschaft zu sichern und von spekulativen Einflüssen zu befreien, tut tausendmal mehr für den Wohlstand ihres Volkes, als die unsere jetzt mit ihren hilflosen Reaktionen, die mit hochtrabenden Namen als "Hartz-Konzept", "Rürup-Papiere" und "Agenda 2010" daherkommen, aber nichts anderes bewirken, als uns endgültig dazu zu zwingen, das auszulöffeln, was uns Kapital und Spekulation eingebrockt haben.

nach oben