Der Fluss des Geldes

Grundlagenwissen zum besseren Verständnis des Geldes und der vom Geldsystem hervorgerufenen Probleme

 

Teil 2
Die Quellen

 

Verfasser: Egon W. Kreutzer, Stand 22. Februar 2003

 Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band III
Das Buch über das Geld
erscheint Mitte Juni 2005
Bis 31. Mai 2005 zum Subskriptionspres von 19,00 Euro
Informationen und Bestellmöglichkeit hier.

 

Im ersten Kapitel unserer Betrachtung über den Fluss des Geldes haben wir das Geld in seinen Funktionen als Tauschmittel und als Wertaufbewahrungsmittel kennen gelernt. Auf die häufig ebenfalls angegebene Funktion als Wertmaßstab wird hier bewußt verzichtet, denn erstens ist diese Funktion trivial, zweitens führt sie zu Verwirrung und Mißverständnissen.

Wir haben bereits den Gedanken verfolgt, dass Geld ausschließlich durch Kreditgewährung in die Welt kommt und dass es mit der Tilgung wieder aus der Welt verschwindet.

Wir haben aber auch gehört, dass das Geld, ist es erst einmal in die Welt gesetzt, wie das Wasser von einer Quelle aus seinen Weg sucht und dabei vielfach verwendet werden kann, bis es zur Tilgung eines Kredits hergenommen wird und sich dabei restlos auflöst oder bis es sich in Geldvermögen verwandelt und damit ebenfalls seiner Fähigkeiten, Handelstransaktionen zu ermöglichen, beraubt wird.

In Lehrbüchern und Seminaren zur Makroökonomie wird gerne unterstellt, das Geld liefe praktisch endlos im Kreis und könne daher immer wieder für Transaktionen verwendet werden. Es wird dann gefolgert, dass es eine Umlaufgeschwindigkeit des Geldes gäbe, die (vereinfacht ausgedrückt) so ermittelt wird, dass die Gesamtleistung des betrachteten Wirtschaftsraumes durch die in diesem Wirtschaftsraum vorhandene Geldmenge dividiert wird. Die Größe, die den Umlauf behindert, wird als "Kassenhaltungskoeffizient" dingfest gemacht, was heißen soll, dass das mehr oder weniger lange Verweilen des Geldes in Kasse und Geldbeutel die Umlaufgeschwindigkeit bremst und damit letztlich auch das Leistungsvermögen der Volkswirtschaft behindert.

Diese Theorien fördern das Verharren in einem fatalen Missverständnis, weil sie dem Geld einen Warencharakter zubilligen, also seine materielle Gegenwart ebenso voraussetzen, wie seine Dauerhaftigkeit, die nur durch physische Gewaltanwendung gefährdet sei.

Eine realistische Betrachtung der Geldbewegung innerhalb der realen Wirtschaft
ergibt ein ganz anderes Bild:

Das in unserem Geldsystem ausschließlich vorhandene Kreditgeld läuft nicht um.

Es wird bei Bedarf geschaffen, verweilt danach für unbestimmte - meist sehr kurze - Zeit in einem kleinen Ausschnitt des Wirtschaftskreislaufes, bis es sich durch einen "zufälligen" Tilgungsvorgang für einen beliebigen Kredit definitiv auflöst oder bis es durch Sparen zu Geldvermögen gerinnt und damit, mangels Beweglichkeit, seine Funktion als Tauschmittel einbüßt.

Die im Zeitraum eines Jahres innerhalb einer Volkswirtschaft erfolgreich abgewickelten Transaktionen sind daher nicht das Produkt aus fixer Geldmenge und variabler Umlaufgeschwindigkeit. Ganz im Gegenteil: Die Transaktionen kamen zustande, weil der ständigen Geldvernichtung (Tilgung/Bildung von Geldvermögen) durch ein ausreichendes Maß an Neuverschuldung soweit entgegengewirkt werden konnte, dass das erforderliche Geld im rechten Augenblick zur Verfügung stand.

Die Gesamtheit der innerhalb eines Jahres abgewickelten Transaktionen ist in erster Linie abhängig vom Umfang der Brutto-Neuverschuldung der Nichtbanken(!), wobei wir unter Brutto-Neuverschuldung die Summe aller ausgereichten Kredite, auch der Überziehungen auf Girokonten verstehen, ohne deren Tilgung dagegen zu rechnen.

Nach meinen Beobachtungen ist es so, daß wir uns in einer beschleunigten Entwicklung auf einen Zustand zubewegen, in dem der absolut überwiegende Teil der gesamten Geldschöpfung dem Wirtschaftkreislauf nur noch für eine einzige Transaktion zur Verfügung steht. Ein Versuch, diese Vermutung zu erhärten, führt zu dem Ergebnis, daß die durchschnittliche Anzahl der Transaktionen, die mit frisch geschöpftem Geld durchgeführt werden können, bevor es sich in Geldvermögen verwandelt oder in der Tilgung untergeht, bei einem Wert von 1,3 liegt. Anders ausgedrückt heißt das: Nur jeder vierte Euro aus einem neuen Kredit unterstützt mehr als eine Transaktion. Die Details sind hier zu finden.



Ohne umständliche wissenschaftliche Beweisen führen zu müssen, lässt sich alleine aus den Motiven für jegliche Art von Kreditnahme und aus den Bedingungen der Kreditgewährung ohne jeden Zweifel ableiten, dass eine kreditgeldbasierte Volkswirtschaft - solange ihr nicht von außen Geld zugeführt wird - insgesamt immer einen Geldmangel aufweisen wird, was nicht ausschließt, dass dabei auf Teilmärkten zeitweise oder dauerhaft Geldüberfluss herrschen kann.

Weil der Kredit der Vater des Geldes ist, wollen wir uns in diesem zweiten Teil der Ausführungen etwas näher mit den verschiedenen Arten, einen Kredit herzustellen, auseinander setzen und herausfinden, wie diese sich in ihren Auswirkungen auf die Geldversorgung der Volkswirtschaft unterscheiden.

 

1. Der private Kredit

Wenn der Vater seinem Sohn, die Tante dem Neffen oder der Opa der Enkelin Geld leiht, dann ist diese Kreditvergabe selbst ohne Auswirkung auf die Geldversorgung, es wird dadurch kein Geld geschaffen.

Die Herkunft des Geldes für den privaten Kredit ist eine Angelegenheit, die unabhängig von dieser Kreditvergabe betrachtet werden muß. Es soll aber schon hier darauf hingewiesen werden, dass es ein Unterschied ist, ob das Geld für den privaten Kredit aus dem Sparstrumpf kommt und über die Darlehensgewährung in den Wirtschaftskreislauf zurückfindet, oder ob erst Pfandbriefe verkauft werden müssen, um über die Rückverwandlung von Geldvermögen in Geld etwas verleihen zu können, oder ob der Kreditgeber gar das eigene Gehaltskonto überzieht, um z.B. dem Sohn das Geld für die Reparatur des Autos vorzustrecken, wodurch - im Vorfeld des privaten Kredits - das benötigte Geld erst durch die Inanspruchnahme des Überziehungskredits geschaffen wird.

2. Das festverzinsliche Wertpapier - ausgegeben von der Nichtbank

Unternehmen, die größere Geschäfte finanzieren wollen, wählen zur Geldbeschaffung manchmal die Ausgabe festverzinslicher Wertpapiere. Dieser Vorgang ist dem Privatdarlehen sehr ähnlich. Mit dem festverzinslichen Wertpapier wird Geld eingesammelt und gegen Geldvermögen (das Wertpapier) eingetauscht. Das eingesammelte Geld wird vom Schuldner in aller Regel zur Finanzierung von Investitionen verwendet und als Geld wieder ausgegeben, es steht dem Wirtschaftskreislauf also zu einem sehr hohen Anteil weiterhin als Geld zur Verfügung und wird u.U. früher und umfassender für Transaktionen benutzt, als es bei den vorherigen Geldbesitzern, die das Geld i.d.R. aus ihren gehorteten Beständen abgegeben haben, der Fall gewesen wäre.

3. Das festverzinsliche Wertpapier - ausgegeben von der Bank

Gibt eine Bank festverzinsliche Wertpapiere heraus, dann wird damit das Geld der Anleger in Geldvermögen umgewandelt. Ob, und wie, und vor allem wann die Bank die ihr zur Verfügung gestellten Gelder nutzen wird, ist ungewiss. Höchstwahrscheinlich werden sie allerdings der Refinanzierung von Darlehen dienen, die die Bank vergeben wird, was bedeutet, dass die Bank aus diesen Einlagen neue Kredite schöpfen wird.

4. Das festverzinsliche Wertpapier - ausgegeben vom Staat

Anleihen des Staates werden, wenn sich kein anderer Käufer findet, üblicherweise ohne vorhergehende Bonitätsprüfung und ohne jegliche Sicherheitsgestellung von der staatlichen Notenbank aufgekauft, die so das Geld schafft, das dem Staat die Finanzierung seiner Aufgaben ermöglicht. Finden sich andere Käufer, wird ihr Geld beim Kauf der Staatsanleihe in Geldvermögen umgewandelt.

Wichtig für unsere wertende Betrachtung ist allerdings, dass vom Staat aufgenommenes Geld (soweit es nicht für Zins- und Tilgungsleistungen aus der bestehenden Verschuldung gebraucht wird) sehr schnell wieder als Geld an die Wirtschaft weitergegeben wird, weil der Staat weder Geldhortung betreibt, noch in der Lage ist, Geld in Geldvermögen umzuwandeln - dafür hat der Staat nämlich kein Geld übrig.

 

5. Das Hypothekendarlehen und ähnliche, langfristige Kredite

Gegen Grundschulden oder andere, wertbeständige Sicherheiten (z.B. festverzinsliche Wertpapiere) reichen Geschäftsbanken langfristige Darlehen aus, die mit unterschiedlichen Tilgungsmodalitäten ausgestattet sein können. Neben dem Annuitätendarlehen, mit gleichbleibenden Jahresraten bei stetig zunehmenden Tilgungsanteil, wird häufig auch eine lineare Tilgung, jedoch mit anfänglicher Tilgungsaussetzung vereinbart. Seltener ist ein Vertrag, der die Endfälligkeit der gesamten Darlehenssumme vorsieht.

Mit langfristigen Darlehen werden relativ große Geldbeträge zur Verfügung gestellt, die über einen langen Zeitraum relativ gemächlich durch die Tilgung wieder aufgezehrt werden. Nicht selten übersteigt bei solchen Darlehen die Gesamtzinslast über die gesamte vereinbarte Laufzeit gesehen, den Darlehensbetrag. Das ursprünglich durch den Kredit geschaffene Geld verbleibt damit zwar relativ lange im Umlauf, allerdings werden durch die immensen Zinslasten schon während der Laufzeit in erheblichem Maße neue Kredite zur Geldschöpfung erforderlich.

5. Der Ratenkredit von der Bank
(auch von der Bank des Automobil-Konzerns oder von der Bank des Versandhändlers)

Gegen relativ schlechte Sicherheiten, z.T. nur gegen einen Einkommensnachweis und eventuell die Verpfändung der Lebensversicherung gewährt die Bank Ratenkredite mit Laufzeiten, die sich üblicherweise im Rahmen von 2 bis 5 Jahren bewegen. Die Schuldner finanzieren damit i.d.R. private Anschaffungen wie eine neue Wohnungseinrichtung oder einen neuen Pkw. Im Unterschied zu den langfristigen Darlehen wird hierbei relativ zügig getilgt und damit das Risiko der schlechten Sicherheiten schnell gemindert. Daneben tragen höhere Zinssätze zu höheren Finanzierungskosten bei. Trotzdem tritt bei Ratenkrediten nur selten der Fall ein, dass die Zinsen, über die gesamte Laufzeit gesehen, den ursprünglichen Kreditbetrag übersteigen.

6. Der Dispokredit

Der Dispositionskredit auf dem Gehaltskonto bzw. das Kontokorrent des Firmenkunden sind das klassische Beispiel für einen Kurzschluss zwischen Geldschöpfung und Geldvernichtung durch Tilgung. Kaum hat der Arbeitgeber das Firmenkonto geldschöpfend überzogen, um Löhne und Gehälter zu zahlen, schon ist das Geld wieder vernichtet, weil es auf den weit überzogenen Gehaltskonten der Mitarbeiter sofort als Tilgung verzischt. Ähnlich ist es bei vielen Zahlungseingängen auf Konten von Firmen, die wegen chronischer Liquiditätsschwäche des Unternehmens nur zur Veränderung des Soll-Saldos führen und damit die reine Geldvernichtung sind.

7. Lieferantenkredite - Zahlungsziele

Räumt ein Lieferant, ohne Einschaltung einer Bank, ein Zahlungsziel ein, was in der Wirkung für den Kunden einem Kredit gleichkommt, wird dadurch weder Geld geschaffen, noch Geld vernichtet.

8. Kreditkarten

Wer mit Kreditkarte zahlt, kann zwar eine Zeit lang ohne "Geld" einkaufen, nimmt jedoch keinen Kredit des Karteninstituts in Anspruch. Im Prinzip wird hier nur durch die Einschaltung der Kreditkartengesellschaft ein Zahlungsziel vereinbart und gleichzeitig eine Zahlungsgarantie übernommen. Kommt die Abrechnung, muss das Konto schnellstens ausgeglichen werden. Hier springt dann gewöhnlich wieder der Dispokredit ein, mit dessen Hilfe nachträglich das Geld für die Einkäufe geschaffen wird. Zu bedenken ist auch, daß der Händler durchschnittlich so lange auf sein Geld warten muss, wie es dauert, die Karte abzurechnen und den Saldo einzuziehen. Weil die Kartengesellschaft außerdem vom Lieferanten/Händler eine Provision verlangt, ist es für den Händler oft schon wieder ein gutes Geschäft, Barzahlern einen Rabatt einzuräumen, anstatt die Karte zu akzeptieren.

9. Tauschringe mit Verrechnungsmodalitäten

Solche Tauschringe sind ein Weg, um mit Hilfe einer "Ersatzwährung", und sei sie noch so weich, den Geldmangel zu überwinden und den steuereintreibenden Staat zu überlisten. Es wird hier ganz klar immer dann "Geld" geschaffen, wenn der Empfänger einer Leistung mit einer auf sich selbst oder auf ein anderes Mitglied des Tauschrings bezogenen Tauschquittung bezahlt. Egal ob die Tauschquittung, ähnlich richtigem Geld, einen festen Wert hat, ober ob lediglich ein individuelles Leistungsäquivalent geboten wird (z.B. der übertragbare Gutschein für 1xDauerwelle als Bezahlung für zwei antiquarische Bücher). Das Geld, das hier entsteht, ermöglicht begrenzte, von der übrigen Wirtschaft völlig losgelöste Transaktionen, die allerdings auf Grund des unzureichenden/einseitigen Angebots von Leistungen und des mangelnden Vertrauens in die Ersatzwährung praktisch nie ein nennenswertes Volumen erreichen. Käme ein solcher Tauschring auch nur annähernd in die Nähe einer tatsächlich funktionierenden Privatwährung, müsste er, wegen drohender Gefahr für den Staat und die Stabilität der Wirtschaft unverzüglich verboten werden.

10. Auslandsschulden

Wer sich bei einer Bank in den USA 100.000 Dollar leiht und sich diese Dollars bei seiner Raiffeisenbank in Niederoberauendorf auf einem Euro-Konto gutschreiben lässt, sorgt zu Anfang für das Anwachsen der Geldmenge im Dollar-Raum. Mit dem Transfer in den Euro-Raum sorgt er dann dafür, dass die Währungsreserven des eigenen Währungsraumes um 100.000 USD anwachsen und die Geldmenge im Euroraum um den gleichen Wert in Euro ebenso. Denn die Raiffeisenbank wird das Dollarguthaben höchstwahrscheinlich an die Zentralbank weitergeben, die dafür das entsprechende Euro-Guthaben zur Verfügung stellt. Aus der ursprünglich geschaffenen Dollar-Geldmenge ist damit eine Währungsreserve geworden und die Währungsreserve ist so eine Art "Geldvermögen" der Zentralbanken.

Wenn wir die unterschiedlichen Formen von Krediten im direkten Vergleich gegenüberstellen, lassen Sie sich in ihrer Wirkung auf die Geldversorgung und auf das Wachstum der Gesamtzinsmenge wie folgt bewerten:

 Kreditform

 verbaler Kommentar

 WERTUNG
    Geld-
menge
 Zinslast  Umlauf Gesamt-
Note
Langfristiges (Hypotheken-) Darlehen Geldschöpfung, langsame Tilgung, niedrige Zinsen  + + +  -  + +  + + + +
Festverzinsliche vom Staat Nur teilweise Geldschöpfung (Aufkauf durch Notenbank), relativ niedrige Zinsen  + +  - -  + + +  + + +
Privat an Privat Keine Geldschöpfung, in aller Regel zinslos  0  0  + +  + +
Festverzinsliche von Nichtbanken Keine Geldschöpfung, relativ niedrige Zinsen  0  -  + + +  + +
Tauschring Geldschöpfung ja, aber als Ersatzwährung, in aller Regel ohne Zinsbelastung  +  0  +  + +
Kreditkarte Keine Geldschöpfung, keine Zinslast, jedoch konsum- und verschuldungs-fördernd  0  0  +  +
Ratenkredit Geldschöpfung, schnelle Tilgung, hohe Zinsen  + +  - -  +  +
Lieferantenkredit Zahlungsziel, keine Geldschöpfung, auch ohne Gewährung von Skonti ist verdeckte Verzinsung im Preis enthalten  0  - -  +  -
Dispo-Kredit Geldschöpfung, sofortige Geldvernichtung durch Tilgung, sehr hohe Zinsen  +  - - -  0  - -
Festverzinsliche von Banken Keine Geldschöpfung, nur Zuwachs des Kreditpotentials  - - -  -  0  - - - -

Für die Wertung der Kreditformen wurden die nachstehenden Kriterien wie folgt beurteilt:

Geldmenge:
Zuwachs durch Geldschöpfung ist positiv (+), Minderung durch Umwandlung in
Geldvermögen ist negativ (-)

Zinslast:
Je höher der Zinssatz, desto negativer die Bewertung (-, --, ---); zinsloser
Kredit ist neutral (0)

Umlauf:
Wird durch den Kredit die Zahl der gesamtwirtschaftlichen Transaktionen
erhöht, so ist das positiv. Wird sie vermindert, so ist das negativ. Wird nur
eine einmalige, kurzfristige zeitliche Vorverlegung erreicht, ist das, wie beim
Dispokredit neutral.

Wenn das Ergebnis dieser Bewertung nun aussagt, dass die gesamtwirtschaftlich positivste Form der Kreditgewährung der langfristig ausgereichte Kredit einer Geschäftsbank ist und dass die gesamtwirtschaftlich negativste Form der Kreditgewährung darin besteht, einer Geschäftsbank - durch den Ankauf eines von dieser Bank herausgegebenen, festverzinslichen Wertpapieres - einen Kredit zu gewähren, so zeigt sich darin die ganze unauflösliche Tragik unseres kreditbasierten Geldsystems.

Schließlich sind ausgerechnet die als besonders negativ eingestuften, langfristigen Refinanzierungsinstrumente der Banken die Vorbedingung, um die besonders positiv eingestuften, langfristigen und zinsgünstigen Instrumente zur Geldversorgung erst herstellen zu können. Dabei wird an dieser Stelle besonders deutlich, dass innerhalb unseres Wirtschafts- und Geldsystems jegliche wirtschaftliche Aktivität unweigerlich dazu beitragen muss, die Macht des Geldvermögens und damit die allgemeine Abhängigkeit vom Geldvermögen zu vergrößern.

 

Phänomen Chipkarte

Wer heute Geld vom Konto auf die Chipkarte lädt, tut das in der Illussion, er würde nichts anderes tun, als die Erscheinungsform seines Geldes zu verändern. Bei Banken wird sein Denkfehler dabei in der Mehrzahl der Fälle keine schwerwiegenden Folgen haben, doch selbst da könnte -illegal- genau das passieren, was bei den Geldkarten, die von großen Einzelhändlern, von Freizeitparks und anderen Dienstleistern verwendet werden, die ganz legale Regel ist. Es wird mit jeder Einzahlung auf die Chipkarte neues Geld geschaffen, dass existiert, bis der Geldbetrag sich durch eine Abbuchung von der Chipkarte wieder in nichts auflöst. Schließlich werden hier, kaum erkennbar, geldschaffende Kredite gewährt.

Ganz langsam, zum Mitdenken:

Der Kunde zahlt dem Anbieter einen bestimmten Betrag. Dieser Betrag steht dem Anbieter der Karte sofort als Geld zur Verfügung. Der Kunde erhält im Gegenzug eine Karte, die ihm ebenfalls "Geld" zur Verfügung stellt. Das vom Kunden eingebrachte Geld wurde also nicht nur verschoben oder in eine andere Erscheiungsform transformiert, nein: Es hat sich glatt verdoppelt. Weil nämlich die Einzahlung auf die Karte nichts anderes ist, als eine Kreditgewährung mit gleichzeitiger Auszahlung des Kreditbetrages an den Kartenanbieter. Damit ist neues Geld in Höhe des gewährten Kredits entstanden, worüber der Kartenanbieter frei verfügen kann, während der Kunde über den gleichen Betrag in "Kartengeld" im Gültigkeitsbereich der Karte frei verfügen kann. Von diesem Höchstwert der Geldschöpfung an setzt relativ schnell der Abbau der Guthaben auf den Karten ein. Doch über alle eingesetzten Karten wird sich trotzdem nach kurzer Zeit ein in seiner Höhe ziemlich stabiler, durchschnittlicher Geldbetrag ergeben, der dem Kartenanbieter zinsfrei zur Verfügung steht und der von ihm ohne jede Einschränkung wie eigenes Geld verwendet werden kann.

Auch Prepaid-Karten für Mobiltelefone sind nichts anderes als Geldschöpfung, weil der Kunde eben nicht eine Leistung bezahlt, sondern einen zinslosen Kredit gibt, der vom Schuldner nach Belieben verwendet werden kann und dessen Tilgung normalerweise durch die dem Kunden gewährten Naturalleistungen erfolgen wird.

Das Gleiche geschieht, wenn ein Patient bei der Aufnahme ins Krankenhaus die Chipkarte lädt, mit der er telefonieren, fernsehen und seine Einkäufe in der Cafeteria bargeldlos bezahlen kann. Auch hier erhält das Krankenhaus zunächst ein zinsloses Darlehen, das um so höher ausfällt, je größer der kleinste Einzahlungsbetrag gewählt wird.

 

Die "Lizenz zum Gelddrucken" ist also kein Phantom, das gelegentlich bemüht wird, um ein Geschäft mit ganz exorbitanten Gewinnaussichten zu beschreiben. Die Lizenz zum Gelddrucken kann man sich heutzutage jederzeit selbst ausstellen. Man braucht nur ein System mit Guthabenkarten zu installieren.

So lange sich solche "Privatwährungen" nur im kleinen Rahmen und hauptsächlich zur Rationalisierung beim Kassieren von Kleinstbeträgen etablieren, solange der dabei erzielte Zinsgewinn also nur als erfreuliche Nebenwirkung, nicht als Hauptmotivation auftritt, ist die Gefahr, die davon ausgeht, gering. Doch das elektronische Plastikgeld ist auf dem Vormarsch. Die Möglichkeiten zur Geldschöpfung per Chip sind noch längst nicht ausgelotet und es soll Notenbanker geben, die ernsthaft daran denken, den Markt mit Hilfe einer eigenen Karte im Range des (einzig zulässigen) gesetzlichen Plastik-Zahlungsmittels abzudecken, bevor die in privaten Händen entstehenden Plastikgeldsysteme nicht mehr einzudämmen sein werden.





Anhang

Überlegungen zur Ermittlung der Transaktionshäufigkeit frisch geschöpften Geldes

Die jetzt folgende Annahme ist zugegebenermaßen spekulativ und nicht beweisbar, doch hilft sie ganz enorm dabei, die absolute Ungewißheit zu überwinden und auf eine überschaubare Bandbreite von Möglichkeiten einzugrenzen. Beginnen wir mit der Untersuchung der Geldmenge M1, jener Geldmenge, die den Bargeldumlauf und die täglich fälligen Sichteinlagen umfaßt und die, bezogen auf das Gebiet Deutschlands, zum Ende des Jahres 2002 den Betrag von knapp 650 Milliarden Euro erreichte.

Gut 80 Milliarden Euro davon sind die Bargeldbestände, die wir alle mit uns herumtragen, die morgens als Wechselgeld und abends als Tagesseinnahmen in den Ladenkassen liegen und die als Bargeldvorrat in den Auszahlungsautomaten und Tresoren der Banken liegen. 80 Milliarden, von denen ein großer Teil aber auch als eiserne Reserve und/oder als Schwarzgeldbestand regunslos gehortet sind. Unterstellen wir, daß die Hälfte dieser 80 Milliarden als unbewegter Geldsockel bereitgehalten, aber niemals wirklich ausgegeben wird, dann bleiben 40 Milliarden übrig, die im Rhythmus der Lohn- und Gehaltszahlungen einmal im Monat umgeschlagen werden. Weil es sich um Bargeld handelt, also um Geld mit materieller Substanz, wird der Großteil davon tatsächlich im Umlauf bleiben, also 12 x benutzt werden, ohne durch Rückgabe an die Notenbank aus dem Kreislauf zu verschwinden. Damit läßt sich die Herkunft des Geldes für die Bezahlung von ca. 500 Milliarden Euro erklären.

Das Brutto-Inlandsprodukt lag 2002 bei 2,1 Billionen Euro. Es ist also noch der Nachweis zu führen, wie sich das Geld bewegt hat, um die Bezahlung der restlichen 1,6 Billionen Euro zu ermöglichen.

Neben dem Bargeld weist die Geldmenge M1 auf den Girokonten Einlagen in Höhe von rd. 570 Milliarden Euro auf. Weil die meisten Girokonten von Arbeitern und Angestellten chronisch überzogen sind, spielen die wenigen Konten mit positiven Salden in dieser Zahl nur eine geringe Rolle. Der größte Teil dieser 570 Milliarden Euro sind also Guthabenbestände von Unternehmen. Diese Guthaben ändern sich über die Zeit kaum. Am Stichtag der Erfassung war nicht wesentlich mehr oder weniger Geld auf den Konten, als an jedem anderen Tag des Jahres. Wir können also davon ausgehen, daß jeder Euro, der aus diesem Betrag durch Tilgung verschwunden ist, durch eine neue Kreditaufnahme unmittelbar wieder ersetzt wurde. Weil es sich um einen gleichbleibenden Betrag handelt, können wir zudem unterstellen, daß es sich dabei um einen Sockel an Liquidität handelt, der "zur Sicherheit" vorgehalten wird, der aber tatsächlich nur in geringem Maße auch zur Ausführung von Transaktionen bewegt wird. Bräuchte es diese Sicherheitsbestände nicht, gäbe es auf den Girokonten nur Bestände in einer Höhe, wie sie in einem Zeitraum von nicht mehr als zwei Wochen auszugeben wären und das wären dann allenfalls 60 Milliarden Euro. Diese sind allerdings weit weniger tilgungsresistent, als die Bargeldbestände. Wenn die Wirtschaft also 24 x 60 Milliarden (1,44 Billionen) ausgibt, dann werden davon mehr als 60% in der Tilgung enden, nämlich der größte Teil der Netto-Löhne und Gehälter,d die auf überzogenen Girokonten ankommen und weite Teile der Zahlungen an Vorlieferanten, die auf ein überzogenes Kontokorrent treffen. Rechnen wir an dieser Stelle also damit, daß etwa 550 Milliarden (40%) der Tilgungsfalle entgehen, haben wir das Brutto-Inlandsprodukt ohne dass dazu eine Neuverschuldung erforderlich gewesen wäre zur Hälfte mit Hilfe des Sockelbestandes der Geldmenge M1 bezahlen können. Wer glaubt, die statistisch ausgewiesene Geldmenge müßte aber doch ausreichen, um die Transaktionen bezahlen zu können und daraus auf eine Umlaufgeschwindigkeit schließt, begeht einen Denkfehler.

Die Geldmengenstatistiken sind weder dafür geschaffen, noch dazu geeignet, schnell entstehende und ebenso schnell wieder verschwindende Geldmengen zu erfassen. Das Leistungsvermögen der Geldmenge M1 erschöpft sich in dem oben angegebenen Volumen. Die weiteren 1,1 Billionen Euro aus dem Brutto-Inlandsprodukt müssen durch zusätzliche und in den Geldmengenstatistiken nicht ausgewiesene Neuverschuldung erst finanziert werden. Doch das ist nicht alles, über die Bezahlung des Brutto-Inlandsproduktes (das ist der Job der Konsumenten und des Staates) hinaus, fallen weitere Transaktionen an, für die zusätzliches Geld benötigt wird.

Dazu gehören vor allem die Aufwendungen für Zins und Tilgung auf eine Gesamtschuldenlast von 5 Billionen Euro, die Netto-Mietlast (Mieteinnahmen, die den Zinsaufwand der Vermieter übersteigen) und die Neubildung von Geldvermögen.

Die Bilanz läßt sich so darstellen:

 Transaktionsumfang Geldherkunft
Brutto-Inlandsprodukt

2.112 Mrd. Euro 

Titel (Bestand)

bewirkte Zahlungen

Zinsaufwand incl.
priv.+ grauer Markt

400 Mrd. Euro

Bargeld (80 Mrd)

500 Mrd. Euro

Sichteinlagen (570 Mrd)

 550 Mrd. Euro

Tilgungsleistungen
(nur Altschulden!)

500 Mrd. Euro

Brutto-Neuverschuldung

2.673 Mrd Euro

Netto-Mietlasten

300 Mrd. Euro

Neues Geldvermögen aus
Unternehmensgewinnen

411 Mrd. Euro

- Abflüsse aus BIP

2.112 Mrd. Euro

= Netto-Neuverschuldung

 561 Mrd. Euro

 Summe

3.723 Mrd. Euro

 Summe

 3.723 Mrd. Euro



Dabei ist zu berücksichtigen, daß das Geld, das mit der Brutto-Neuverschuldung zunächst geschöpft werden mußte, nach der Bezahlung des Brutto Inlandsproduktes durch die Konsumenten bei der Wirtschaft zur Verfügung steht, um damit die Investitionen, die betrieblichen Zins- und Tilgungsleistungen, den betrieblichen Mietaufwand und die Bildung neuen Geldvermögens in Unternehmerhand zu bewerkstelligen.

Die näherungsweise Richtigkeit dieser Art der Bilanzierung kann durch die folgenden Analysen bestätigt werden:

1. Die Netto-Neuverschuldung sollte kleiner sein, als die Summe des Zinsaufwandes, der Unternehmensgewinne und der Netto-Mieteinnahmen.

2. Die Brutto-Neuverschuldung muß ausreichen, um die gesamte Wertschöpfung zeitnah vorzufinanzieren. Dazu sind dem BIP (2.112 Mrd. Euro) die Herstellungskosten der Exporte (ca. 80% der Erlöse = ca. 580 Mrd. Euro) hinzuzurechnen.
Es ergibt sich ein Wert von 2.673 Mrd Euro, der vom auf anderen Wege ermittelten Wert nur geringfügig abweicht.

3. Die durchschnittliche, kumulierte Verschuldung, die sich aus Ausreichung und Tilgung der Brutto-Neuverschuldung ergibt, sollte einen Wert erreichen, der bei etwa einem Zwölftel der Brutto-Neuverschuldung liegt und etwa die Größenordnung von einem Brutto-Monatseinkommen der Beschäftigten zuzüglich der Herstellungskosten der Wirtschaft (ohne Kapitalzins),ebenfalls für einen Monat, entsprechen. (Annahme: Die privaten Haushalte verschulden sich monatlich in Höhe des Konsums neu, bis durch die Gehaltszahlung die Tilgung erfolgt, die Unternehmer verschulden sich für die Vorfinanzierung der Produktion, bis durch den Konsum die Tilgung erfolgt, auch dieser Rhythmus folgt dem Gehaltszahlungsrhythmus.) 1/12 der Brutto-Neuverschuldung entspricht ca. 230 Milliarden Euro, 1 Brutto-Monatsgehalt der Beschäftigten liegt bei ca. 100 Milliarden, für die Gestehungskosten der Wirtschaft für einen Monat bleiben ergibt sich somit ein rechnerischer Wert von 130 Milliarden Euro, der in der Größenordnung (75% vom BIP) realistisch erscheint.

Nachdem sich somit der Wert der Brutto-Neuverschuldung mit rund 2,7 Billionen Euro als durchaus realistisch erwiesen hat, kann auch die Tatsache, dass das über die Brutto-Neuverschuldung geschöpfte Geld durchschnittlich nur für 1,3 Transaktionen zur Verfügung steht, als richtig angenommen werden. Übersetzt in die Realität heißt das, nur jeder vierte Euro aus einem neu ausgereichten Kredit, kann mehr als ein Mal zur Bezahlung einer Leistung verwendet werden.

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