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Der Fluss des Geldes

Grundlagenwissen zum besseren Verständnis des Geldes und der vom Geldsystem hervorgerufenen Probleme

Teil 15

Investoren, gesättigte Märkte und
investitionsfreundliches Klima

Oder:

Warum die Bäume kurz vor dem Winter nicht mehr in Blätter investieren.

 

Verfasser: Egon W. Kreutzer, Stand 9. Februar 2005

 Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band III
Das Buch über das Geld
erscheint Mitte Juni 2005
Bis 31. Mai 2005 zum Subskriptionspres von 19,00 Euro
Informationen und Bestellmöglichkeit hier.


Dieses - das wahrscheinlich vorletzte - Kapitel der Sammlung "Der Fluss des Geldes" befasst sich noch einmal mit der Frage, wie das Geld in die Welt kommt.

Im Unterschied zu den Ausführungen über die originäre Geldschöpfung, mit der wir uns in den ersten Kapiteln befasst haben, müssen wir nun allerdings der Frage nachgehen, ob - und falls ja, wie - es gelingen kann, einmal gehortetes, zu zinsforderndem Geldvermögen geronnenes Geld, wieder in den Kreislauf der Realwirtschaft einzuspeisen.

Glaubt man den Lehren konservativer Volkswirtschaftler, dann ist das überhaupt kein Problem. Sobald ein lohnendes Investment möglich erscheint, wird sich das Kapital diesem lohnenden Investment zuwenden, das erforderliche Geld investieren, das ja - bei gleicher Sicherheit - immer nach der Anlage mit der höchsten Verzinsung strebt, und schon wäre das Kapital wieder wohltätig tätig.

Nun ja, der konservative Nationalökonom beherrscht die Formeln der marktwirtschaftlichen Gleichgewichtsfunktionen aus dem Effeff und leitet daraus - selbst noch im Halbschlaf - den theoretisch möglichen Entwicklungsspielraum der Markt - und Volks- und Weltwirtschaft nach Belieben ab. Kein Wunder, dass er stets zu einem guten Ende, einem Ausgleich von Angebot und Nachfrage, zu Vollbeschäftigung bei stetigem Wachstum und stabilen Preisen und anderen fiktiven Wunschvorstellungen landet.

Für die Realität ist in marktwirtschaftlichen Gleichgewichtsfunktionen kein Platz.

Soviel der Vorrede, auf die gelegentlich noch zurückzukommen sein wird.

 


Um den Fluss des Geldes weiter zu verfolgen, wählen wir ein einfaches, überschaubares Beispiel:

Herr Reich hat es geschafft, ein stattliches Vermögen anzuhäufen. Neben Haus- und Grundbesitz und allerlei Unternehmensbeteiligungen hat er im Laufe weniger Jahre eine Milliarde Euro zu seiner Bank getragen, um sie sicher und verzinslich anzulegen. Die Bank war ihm behilflich, hat seine Einlage angenommen und versprochen, sein Geld, solange es für mindestens ein Jahr festgelegt ist, mit vollen fünf Prozent, also 50 Millionen Euro jährlich zu verzinsen.

Diese 50 Millionen sind Herrn Reich (ziemlich) sicher.


Wir wissen, dass es der Bank gelingen kann, auf Basis dieser Einlage ein Vielfaches an Krediten auszureichen und damit letztlich Geld zu schöpfen. Weil wir dieses Beispiel aber nicht überstrapazieren wollen, weil auch hier nicht der richtige Ort ist, um den immer wieder aufkommenden Zweifel an der Geldschöpfungskraft der Banken wiederum zu widerlegen, wollen wir davon ausgehen, dass die Bank auf Basis der ihr überlassenen Milliarde Euro nur einen einzigen Kredit in Höhe von 900 Millionen Euro zur Finanzierung einer Spezialchip-Fabrik ausgereicht hat.

Werden diese 900 Millionen zu acht Prozent verzinst, bringt das jährliche Zinserträge von 72 Millionen, davon erhält Herr Reich 50 Millionen, 22 Millionen bleiben der Bank, die damit ihre Kosten deckt, und, was übrig bleibt, als Gewinn ausschüttet.

Lässt man alle bis dahin entstandenen, einzelvertraglichen Beziehungen weg und entfernt damit vor allem auch den Geldvermittler "Bank" aus der Betrachtung, ergibt sich die Erkenntnis, dass Herr Reich de facto 900 Millionen Euro in den Bau der Spezialchip-Fabrik investiert hat.

Präzisiert man die Aussage, dann heißt die Erkenntnis:

Auf Basis der Einlage des Herrn Reich konnte ein Kredit über 900 Millionen Euro ausgereicht werden. Mit Hilfe dieses Kredits wurde eine Spezialchip-Fabrik errichtet.

 

So weit, so gut.

Nun kommen aber unsere Volkswirte, vor allem die volkswirtschaftlichen Berater des Wirtschaftsministeriums daher und fordern Herrn Reich auf, sein Geld nicht faul und träge bei der Bank liegen zu lassen, sondern stattdessen lieber selbst zu investieren. Schließlich braucht das Land Investoren, die investieren, weil Investitionen Arbeitsplätze schaffen.


"Wir haben die politischen Voraussetzungen geschaffen, die Löhne, die Lohnnebenkosten und die Unternehmenssteuern gesenkt - jetzt sind die Investoren dran." Das war zur Weiberfastnacht 2005 fast wörtlich so von Herrn Clement, zu diesem Zeitpunkt Wirtschafts- und Arbeitsminister in Deutschland, zu hören.

Unser Herr Reich will nun nicht länger untätig beiseite stehen. Er will investieren, Arbeitsplätze schaffen und den Aufschwung anschieben.

Er beschließt, eine Spezialchip-Fabrik zu errichten. Dafür braucht er Geld. Also kündigt er seine Einlage bei der Bank und verlangt, ihm die Milliarde nach Ablauf der einjährigen Festschreibungsfrist auf seinem Girokonto zur freien Verfügung gutzuschreiben.

Die Bank macht - notgedrungen - gegenüber dem Betreiber der von ihr finanzierten Spezialchip-Fabrik von ihrem irgendwo im Kleingedruckten vorsorglich verankerten Recht Gebrauch, den Kredit mit einer Frist von 12 Monaten zu kündigen. Der Spezialchipfabrikant sieht sich in allergrößter Not. In einem beispiellosen Crash-Programm trennt er sich einerseits von der Hälfte der 1.000 Mitarbeiter, fordert von den restlichen 500 die Verlängerung der Arbeitszeit um 40 Prozent ohne Lohnausgleich und lässt die Bänder um 50 Prozent schneller laufen. Mit einer Kapazitätsauslastung von 150 Prozent kann er kleinere Wettbewerber mit Dumping-Preisen vom Markt verdrängen. Indem er außerdem seine Vorlieferanten monatelang auf ihr Geld warten lässt, schafft er es tatsächlich, zum Termin die 900 Millionen zusammenzukratzen, die die Bank fordert.

Auf Herrn Reichs Pläne hat das einigen Einfluss. Er und seine betriebswirtschaftlichen Berater erkennen, wie rationell sich Spezialchip-Fabriken betreiben lassen, wenn man nur will. Auch seine Fabrik wird mit nur 500 Mitarbeitern auskommen und die gleiche Menge an Chips auf den Markt werfen, wie die bestehende.

Statt der ursprünglich vorhandenen einen (1) Spezialchip-Fabrik mit einer Kapazität von 100 % stehen nun zwei (2) Spezialchip-Fabriken mit jeweils 150 % Kapazität in einem ruinösen Verdrängungswettbewerb.

Das Ende ist abzusehen. Die Fabrik des Herrn Reich bleibt übrig (schließlich hat er die niedrigeren Kapitalkosten) und deckt mit der verfügbaren Kapazität den Bedarf des Weltmarktes vollständig ab. Zum Lohn für sein Engagement kann Herr Reich die Preise für die Spezialchips bald wieder auf das vorherige Niveau anheben. Statt bisher 50 Millionen "gewinnt" er nun rund 150 Millionen Euro pro Jahr.

Ende des Beispiels.

 

Wie auch immer die Zahlen im Beispiel aussehen mögen, es lassen sich daraus zwei wichtige Erkenntnisse ableiten:

  1. Geldvermögen ist kein Geld

    Um aus Geldvermögen wieder Geld zu machen, bedarf es mehr, als nur eines einfachen Buchungsvorganges. Es muss eine entsprechende Menge Geldes aus dem "allgemeinen Umlauf" genommen werden, um es dem "speziellen Konto" gutschreiben zu können.

    Man kann es auch anders sagen: Die auf Basis einer Einlage gewährten Kredite müssen zurückgefordert werden, wenn die Einlage zurückgefordert wird. In der Realität wird dies fast immer eine Kreditsumme sein, welche die Einlage weit übersteigt.

  2. Investitionen in gesättigte Märkte sind destruktiv

    Investitionen in gesättigte Märkte verdrängen mindestens in dem Maße Arbeitsplätze, wie sie welche schaffen, verhalten sich also bestenfalls beschäftigungsneutral. Es muss aber unter realistischen Bedingungen davon ausgegangen werden, dass der durch die Investition in einen gesättigten Markt ausgelöste Verdrängungswettbewerb per Saldo stets Arbeitsplätze kostet.

Geldvermögen ist kein Geld

Befassen wir uns zunächst noch kurz mit der hier beschriebenen, bisher kaum beachteten Eigenschaft des Geldes, die darin besteht, dass "Geldvermögen" nur in dem Maße in Geld getauscht werden kann, wie es gelingt, vorhandenes Geld aus dem Umlauf zu ziehen.

Erstaunlicherweise verhält sich Geld hier nämlich exakt so, als hätte es materiellen Charakter. Das Bild vom Koffer voller Scheine, der vom Einleger in die Bank geschafft wird, die wiederum ihrerseits die Scheine herausnimmt und sie weiter verleiht und sie zurückholen muss, um sie dem Einleger wieder geben zu können, wenn der sie verlangt, drängt sich geradezu auf und scheint im Widerspruch zu der tatsächlichen Beschaffenheit des Geldes zu bestehen, das, wie wir ja wissen, eigentlich nichts anderes ist, als Information.

Doch auch für reine Information gelten Regeln. Grundregel bei der Information "Geld" ist es, dass Geld nur dann entsteht, wenn ein so genanntes "Guthaben-Schulden-Paar" geschaffen wird und, dass Geld in dem Maße aufhört zu existieren, wie Guthaben-Schulden-Paare aufhören zu existieren. Das erfordert eine sehr detaillierte Schilderung, die im folgenden Beispiel mit einem Sparvorgang begonnen wird.

Ein Sparer, der 100 Euro auf ein Sparkonto bei der A-Bank einzahlt, macht sich dadurch zum Gläubiger, die Bank zum Schuldner. Es ist - auf diese Weise, durch den Eintrag ins Sparbuch, ein Guthaben-Schulden-Paar dokumentiert worden.

Vergibt die A-Bank auf Basis dieser Einlage einen Kredit, schafft sie zwei (!) weitere Guthaben-Schulden-Paare, die sich in sich ausgleichen. Einmal entsteht der Kreditvertrag, bei dem die A-Bank Gläubigerin, der Kreditnehmer Schuldner ist und zum zweiten bucht sie dem Girokonto des Kreditnehmers die ausgeliehenen 100 Euro als Guthaben zu, während sie sich verpflichtet, ihm diese 100 Euro zur Verfügung zu stellen, wenn er sie braucht.

Verfügt der Kreditnehmer über die 100 Euro auf seinem Girokonto, dadurch, dass er den Betrag z.B. auf das Konto seines Zahnarztes bei der Apotheker- und Ärztebank überweist, wenn also die Information "Geld" aus der ursprünglichen Kreditbeziehung entlassen wird, um beim Zahnarzt ohne Einschränkungen, ohne Rückzahlungsverpflichtung verwendet werden zu können, bleiben bei der A-Bank die Verbindlichkeit gegenüber dem Einleger und die gleich hohe Forderung gegen ihren Kreditnehmer zurück. Die Information "Geld" ist jedoch vom Girokonto des Kreditnehmers auf das Girokonto des Zahnarztes gewechselt, auf das die A-Bank keinen Zugriff hat.

Will die A-Bank die Information "Geld" wieder dem ursprünglichen Einleger zurückgeben, muss sie ihren Kreditnehmer dazu veranlassen, die 100 Euro zurückzuzahlen. Nur wenn das "freie Geld" wieder "eingefangen" werden kann, kann das Guthaben-Schulden-Paar aus dem Kredit aufgelöst werden und im nächsten Schritt das Guthaben-Schulden-Paar aus der Einlage eliminiert werden, indem dem Einleger das "freie Geld" auf sein Girokonto gebucht wird, wo es ganz zu Anfang ja auch war.

Es ist also vollkommen unmöglich, Geldvermögen zu investieren, ohne in mindestens gleicher Höhe "Geld" aus dem Umlauf zu nehmen. Weil Geldvermögen aber als Basis für die Geldschöpfung der Banken dient und es ermöglicht, ein Vielfaches des eingelegten Geldes über neue Kredite auszureichen, sind die Folgen der Auflösung von Geldvermögen in aller Regel weit umfangreicher und verheerender, als hier angedeutet.

Es ist hierbei klar zu erkennen, dass unser kapitalistisches Wirtschafts- und Geldsystem ein ganz eklatantes, letztlich unlösbares Problem damit hat, einmal angehäuftes Geldvermögen wieder in Geld umzuwandeln, weil es dazu nämlich zunächst bereits umlaufendes Geld wieder einziehen muss.

Weil die Menge des umlaufenden Geldes (Bargeld und täglich fällige Einlagen) im Vergleich zum aufgehäuften Geldvermögen aber geradezu verschwindend gering ist, kann zusätzliche, neue Investitionstätigkeit (im volkswirtschaftlichen Maßstab), ausschließlich über neue und zusätzliche Kreditgewährung in Gang gebracht werden.

Politiker, Wirtschaftsweise und Unternehmervertreter, die das Gegenteil behaupten und noch dazu erklären, das von ihnen angestrebte Wachstum, mit dessen Hilfe neue Arbeitsplätze entstehen, könne durch die Rückführung der Verschuldung erreicht werden, haben entweder keine Ahnung oder sie machen sich die Naivität und Unwissenheit der Bevölkerung bewusst zunutze, um ganz andere Ziele zu erreichen.

 

Investitionen in gesättigte Märkte sind destruktiv

Befassen wir uns nun mit dem Phänomen der Investitionen in gesättigte Märkte. Wo ein (1) Bäcker den Bedarf von 500 Familien deckt, kann ein zweiter dauerhaft nicht existieren. Wo eine Spezialchip-Fabrik den weltweiten Bedarf deckt, wird eine zweite, gleichartige Fabrik zumindest zum drastischen Rückgang der Erträge, in aller Regel aber zum Untergang eines der beiden Konkurrenten führen.

Das ist verständlich.

Doch ist das die Situation, vor der wir in Deutschland stehen?

Wo sind denn hier die Märkte gesättigt? Besteht nicht ganz erheblicher Investitionsbedarf bei nahezu allen öffentlichen Einrichtungen? Hören wir nicht laute Klagen über den Zustand von Straßen und Kanalisation, über den unzureichenden Ausbau der öffentlichen Verkehrksmittel, die Ausstattung von Schulen und Hochschulen? Bräuchten wir nicht inzwischen schon wieder mehr Krankenhausbetten, mehr Notarztwagen? Haben in Deutschland überhaupt alle Menschen ein Dach über dem Kopf, und haben die, die eines haben, auch genug Platz, haben sie die nötigen Möbel oder wenigstens ordentliche Schuhe für den Winter? Warnt nicht auch der TÜV vor dem katastrophalen Zustand einer immer weiter wachsenden Zahl immer älterer Autos in nicht mehr verkehrstüchtigem Zustand?

Wo also ist der Markt gesättigt?

Da herrscht ein Irrtum!

In unserem Wirtschafts- und Geldsystem ist Marktsättigung nicht etwa erst dann erreicht, wenn der Bedarf gedeckt ist.

Marktsättigung ist lange vorher erreicht, nämlich dann, wenn kein Geld mehr da ist.

Dies ist der Punkt, an dem nochmals auf die Gleichgewichtstheoretiker unter den Volkswirtschaftlern zurückzukommen ist. In ihren Theorien wird jeder Bedarf gedeckt. Da sinken und steigen die Löhne und die Preise um die Wette, da werden hier Produktionen aufgegeben, dort neue angefangen, damit am Ende Angebot und Nachfrage bestmöglich ausgeglichen sind und über den Zins setzen sich die Prioritäten ganz von alleine.

Als ginge es um Bedarfsdeckung!

Wenn Unternehmern aller Branchen heute darauf abzielen, eine Umsatzrendite oberhalb von 10 Prozent zu erwirtschaften und das auch schaffen, wenn die Deutsche Bank eine Kapitalrendite von 25 Prozent anstrebt, dann kann es auf dem Markt doch überhaupt kein Gleichgewicht mehr geben.

Diese Renditen gehen doch nicht zurück in den Konsum, diese ausgeschütteten Riesengewinne stehen der Realwirtschaft doch nicht mehr zur Verfügung. Dieses Geld wird doch dem Kreislauf entzogen, als Geldvermögen und als Spekulationskapital benutzt. Die logische Konsequenz:

Wer Produkte für 100 Milliarden Euro absetzt
und von diesem Umsatz 10 Milliarden Gewinn behält,

der wird irgendwann feststellen müssen, dass er zuwenig Löhne gezahlt
und zu wenig Steuern und zu wenig Sozialversicherungsbeiträge abgeführt hat,
um im Binnenmarkt noch Abnehmer für seine Produktion zu finden.

Das für den Absatz der Waren benötigte Geld ist weg.
Der Unternehmer und sein Finanzier können es sich gar nicht mehr verdienen.

Sie haben es doch schon!


Damit ist der Markt gesättigt und das System kippt um.

Ein Narr, wer nun glaubt, in forcierter Sparsamkeit, in Massenentlassungen und Lohnsenkungen, in Hartz-Reformen und Steuersenkungen sei der Ausweg gefunden. Ein Tor, wer glaubt, es müssten nur die Kosten sinken, damit sich Investitionen wieder lohnen.

Mit jeder Kostensenkung steigen zwangsläufig die Gewinne. Das ist schon wahr, und wäre auch ein Investitionsanreiz, doch mit jeder Kostensenkung erhöht sich auf der anderen Seite auch der "Sättigungsgrad" des Marktes. Wer weniger oder nichts mehr verdient (und auch keinen Kredit mehr bekommt) fällt als Nachfrager aus.

Es gibt, entgegen aller gleichgewichtstheoretischen Phantasien keinen Grund, die Preise so weit zu senken, dass das Sinken der Löhne dadurch nicht nur ausgeglichen, sondern sogar überkompensiert würde. Nur dann aber könnte zusätzliche Beschäftigung entstehen.

Nur im Verzicht auf Gewinne liegt die Chance für neue Arbeitsplätze.

Doch da führt kein Weg hin. Bald sind die Märkte - mangels Kaufkraft - so gesättigt, dass selbst der Altbestand der Produktionseinrichtungen nicht mehr rentierlich arbeiten kann. Es kommt zu massenhaften Insolvenzen, freiwilligen Stilllegungen. Wer sollte warum und zu welchem Zweck noch investieren?


Ach ja, der Export.

Wenn eine Volkswirtschaft, in deren Binnenmarkt kein Geld mehr da ist, um die eigene Produktion vollständig verkaufen zu können, ihren "vermeintlichen" Überschuss exportiert, dann kommt davon nichts in Gleichgewicht.


Im Gegenteil. Um den "vermeintlichen" Überschuss auf fremden Märkten absetzen zu können, müssen die Preise bei vergleichbarer Qualität unter dem dortigen Preisniveau liegen.

Deutschland ist ein Hochpreisland.

Export erfordert also praktisch immer, draußen billiger anzubieten, als im Inland. Wenn man trotzdem Gewinne machen will, müssen die Kosten noch weiter gesenkt werden. Das schafft man nur, wenn der Standort insgesamt kostengünstiger wird. Ein Staat, der seine Aufgaben zurücknimmt, bis er nichts mehr kostet, Sozialsysteme, die immer geringere Leistungen erbringen, das sind, neben Lohnverzicht und unbezahlter Mehrarbeit, wichtige Faktoren, die den Exporteuren helfen, im Export Gewinne zu erwirtschaften.

Der "Überschuss" an Produkten ist damit vom Tisch. Aber der erwirtschaftete Gewinn kommt im Binnenmarkt nicht an. Wie sollte er auch? Nur ganz geringe Teile der Gewinne verwandeln sich in Binnennachfrage. Der weitaus überwiegende Teil gerät in den Hort des Geldvermögens.

Dieses System funktioniert übrigens auch dann noch als profitable Quelle sprudelnder Gewinne, wenn im Binnenmarkt nur noch Sklaven beschäftigt werden, wenn keinerlei Löhne mehr gezahlt werden und sich die staatliche Ordnung vollends aufgelöst hat.

Einzige Voraussetzung:
Es findet sich irgendwo auf der Welt ein noch nicht gesättigter Markt. Freie Kaufkraft. Geld.

Dieses System dient nicht den Menschen, sondern dem Geld. Es braucht den Menschen nur als Mittel der Gewinnerzielung, als niedrig entlohnte Arbeiter und teuer bezahlende Konsumenten.

Dieses System ist nicht darauf ausgelegt, den menschlichen Bedarf bestmöglich zu decken, sondern darauf, den Zustand der Marktsättigung schnellstmöglich zu erreichen.

Bei vollständiger Marktsättigung, wenn also in der Realwirtschaft überhaupt kein Geld mehr in Umlauf ist, erübrigt sich der lästige Aufwand der Produktion für Konsumenten.

Was zu holen war, ist geholt.

Die Welt gehört wenigen Milliardären.
Die halten sich ein kleines Sklavenheer.

Der Rest sitzt bis zum Verhungern im Schuldturm,
denn frisches Geld wird einfach nicht mehr hergestellt.

 

 

Wir sind von diesem Zustand nur noch wenige Schritte entfernt. Regionalwährungen können den Prozess abmildern, geringfügig verzögern, aber nicht aufhalten.

Wir müssen dafür sorgen, dass wir als Bürger eine Mehrheit der Demokraten organisieren, die zuerst den Staat für sich zurückerobert und dann, mit einem starken Staat, die Hoheit über das Geld gewinnt.

Ein neues, anderes Geld, das so beschaffen ist, dass Marktsättigung erst dann erreicht ist, wenn der Bedarf gedeckt ist. Die mögliche Lösung ist hier zu finden.




PS

Ach so, Sie wollen noch wissen, warum Bäume kurz vor dem Winter nicht mehr in Blätter investieren?

Bäume sind doch auch nur Menschen. Kurz vor dem Crash ist sich jeder selbst der nächste. Da lässt man ein paar kleine lausige Blätter schon mal fallen, oder?

Schließlich kann man immer wieder welche wachsen lassen, wenn sich's rentiert.




PS 2

Klar, um zu investieren muss man nicht das Sparbuch plündern. Man muss nicht Pfandbriefe und andere Schuldtitel verkaufen. Man könnte auch einfach Aktien verkaufen. Man könnte Nerze versetzen, oder das letzte Hemd.
Das ändert aber alles nichts am Problem:

Wer Investitionen nicht mit frischen Krediten finanziert, muss vorher das benötigte Geld beschaffen. Muss dafür in aller Regel andere Vermögensgegenstände flüssig machen, liquidieren. Das bedeutet immer, dass das Geld woanders aus dem Umlauf herausgezogen werden muss.

Nur Onkel Dagobert hats leichter, der nimmt sich eine Mütze voll aus dem Geldspeicher, aber den gibts nur in Entenhausen. Zu weit weg, für hiesige Investoren.

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* 1949 im
oberfränkischen Neustadt bei Coburg



Egon W. Kreutzer
der Verfasser dieses Artikels
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