Der Fluss des Geldes

Grundlagenwissen zum besseren Verständnis des Geldes und der vom Geldsystem hervorgerufenen Probleme

Teil 14

Freigeld

Sind Umlaufsicherung und
Nachhaltigkeitsgebühr
die Ultima ratio?

Verfasser: Egon W. Kreutzer, Stand 30.11.2004

 Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band III
Das Buch über das Geld
erscheint Mitte Juni 2005
Bis 31. Mai 2005 zum Subskriptionspres von 19,00 Euro
Informationen und Bestellmöglichkeit hier.

 

Seit einiger Zeit sind lösungsorientierte Diskussionen um Wesen und Problematik des Geldes nicht mehr denkbar, ohne der Argumentation freiwirtschaftliche Denkszenarien und die Notwendigkeit einer - wie auch immer gearteten - Umlaufsicherung der Währung zugrunde zu legen.

Die in der Analyse gewonnene Einsicht, dass ein Großteil der Probleme des Geldes in seiner beliebigen Hortbarkeit liegt, führt in einer Art zerebralem Kurzschluss zu der Überzeugung, die Lösung der Problematik sei in der Belastung gehorteten Geldes mit einer Umlaufsicherungsgebühr zu finden. Wenn es gelingt, das Geld - wie jede andere Ware - einem Schwund zu unterwerfen, so die Argumentation, wird die Neigung, Geld zu horten, abnehmen, der Tauschmittelumlauf wird sich verstetigen und die Wirtschaft kann endlich nach den Erfordernissen und Bedürfnissen der Marktteilnehmer arbeiten.

Thomas Koudela hat mit seinem Buch

"Entwicklungsprojekt Ökonomie -
Marktwirtschaft jenseits des Kapitalismus"
,

das in diesen Tagen im EWK-Verlag, Kühbach-Unterbernbach, erschienen ist, eine profunde und umfassende Arbeit zur Gestaltung und Weiterentwicklung einer wahren, nicht manipulativ verfälschten "Marktwirtschaft" vorgelegt, deren vorbildliche Modellvorstellungen weit über den rein monetären Aspekt hinausgehen. Aus dem Kontext anerkannter volkswirtschaftlicher Grund- und Lehrsätze entwickelt er schlüssig die Kriterien und Parameter, die Regeln und Rahmenbedingungen für ein menschliches und menschengerechtes Wirtschaften.

Wer auch weiterhin an der Debatte um die Weiterentwicklung des Wirtschaftssystems, der Sozialsysteme und des Staates, als der integrierenden und rahmensetzenden Kraft teilnehmen will, wird um die Beschäftigung mit den Vorstellungen und Argumenten Koudelas kaum herumkommen.

Dass auch Koudela in seinem in sich geschlossenen und stimmigen Modell mit einer Umlaufsicherung arbeitet (er nennt sie "Nachhaltigkeitsgebühr"), ist nur konsequent. Er würdigt die Nachhaltigkeitsgebühr sogar sehr eingehend, weist auf ihre historischen Wurzeln ebenso hin, wie er Vorschläge macht, die optimale Höhe einer Umlaufsicherungsgebühr zu bestimmen und er versäumt auch nicht, Hinweise und Tipps für den praktischen Umgang mit diesem neuen Instrumentarium zu geben.

So weit, so gut.

Die Frage: "Sind Umlaufsicherung und Nachhaltigkeitsgebühr die Ultima ratio?", stelle ich durchaus nicht in der Absicht, Koudelas "Entwicklungsprojekt Ökonomie" zu kritisieren. Doch mit der implizit enthaltenen Frage nach eventuell doch vorhandenen, "anderen Möglichkeiten" einer "bedarfsgerechten Geldversorgung" möchte ich die Diskussion um Sinn und Nutzen der Umlaufsicherungsgebühr neu beleben und letztlich aufzeigen, dass einfachere Mitteln denkbar sind, mit deren Hilfe - unter vermutlich sehr viel geringerem Widerstand - ein erster Schritt zur Verbesserung des Systems "Geld" geleistet werden kann, ohne dass damit der insgesamt vorgezeichnete Weg, hin zu einer "Marktwirtschaft jenseits des Kapitalismus", verlassen werden müsste.

Mit der Tatsache, dass frühe Experimente mit "Notgeld" im Umfeld der Notwährungen unmittelbar zu einer wohltuenden Belebung der Wirtschaft führten und zum Beispiel das vielbeachtete "Wunder von Wörgl" hervorriefen, scheint der Beweis für die Stichhaltigkeit der Theorie der Umlaufsicherung erbracht.

Doch möchte ich zu bedenken geben, dass Wadenwickel bei Fieber, Digitalis bei Herzschwäche und das Gift der Tollkirsche als Gegengift bei Kontamination mit Nervengas durchaus die richtige medizinischen Indikation darstellen, dass aber keines dieser Mittel geeignet ist, zur Prophylaxe an Gesunde verabreicht zu werden.

Die Prüfung auf Wirksamkeit, Verträglichkeit und Freiheit von unerwünschten Nebenwirkungen hat auch die Umlaufsicherungsgebühr erst bestanden, wenn sie sich über die Experimente im kleinen Maßstab hinaus auch im Rahmen einer nationalen oder internationalen Primärwährung (als einzigem gesetzlichen Zahlungsmittel eines Währungsraumes) bewährt hat.

Die folgenden Ausführungen befassen sich zunächst mit der Frage, welche Wirkungen eine Umlaufsicherung im Umfeld einer regulären Währung, also eines gesetzlichen Zahlungsmittel voraussichtlich haben wird, stellen dann die Frage, worauf die Erfolge der historischen Feldexperimente mit Freigeld beruhen und woher die heute aktuellen Experimente mit regionalen Komplementärwährungen ihre Attraktivität beziehen, um zuletzt jenen Weg zur bedarfsgerechten Geldversorgung der Realwirtschaft aufzuzeigen, den ich einer - wie auch immer gearteten - Umlaufsicherungsgebühr vorziehen würde.

 

Die Umlaufsicherung als Element der
regulären gesetzlichen Währung

Ob eine Umlaufsicherung wirksam und sinnvoll ist, lässt sich unter den experimentellen Bedingungen einer regionalen Komplementärwährung nicht nachweisen. Wir wollen daher die Frage nach der Tauglichkeit und Wirksamkeit der Umlaufsicherung als Funktion einer Primärwährung betrachten und dabei die Szenarien beleuchten, die sich aus der Kombination der "Grundprinzipien" zur Konstruktion einer Umlaufsicherung ergeben.

Man kann die Umlaufsicherung nämlich

Die Belastung ausschließlich des Bargeldes durch eine Umlaufsicherung hat ihren Ursprung in der Überlegung, dass "gespartes" Geldvermögen der Allgemeinheit als Tauschmittel zur Verfügung steht, weil es schließlich von jedem, der es braucht, als Kredit in den Markt geholt werden kann, während "gehortetes" Bargeld dem Markt und der Wirtschaft definitiv vorenthalten wird.

Diese Überlegung geht allerdings von einem monetären Idealmodell aus, das so praktisch nie und nirgends existiert, weil es vollkommen ignoriert, dass sich Schulden und Geldmenge höchst unterschiedlich entwickeln. Schon nach kurzer Lebenszeit einer auf Kredit und Zinseszins aufgebauten Währung erreicht das als "Anspruch auf Geld" gehaltene Geldvermögen einen weit größeren Umfang, als die verfügbare Geldmenge und erzwingt damit, dass immer größere Anteile des als Kredit zur Verfügung gestellten Anteils des Geldvermögens zur Zinszahlung an die Eigentümer der Geldvermögen verwendet werden müssen, so dass das vermeintlich "gute" Geld durch seinen Zinsanspruch genauso zum Tauschmittelmangel führt, wie die Hortung des vermeintlich "schlechten" Geldes in Onkel Dagoberts Geldspeicher.

Der an dieser Stelle zu erwartende Einwand, die Umlaufsicherungsgebühr führte gleichzeitig zum Ende jeglicher Zinszahlung; Geldmenge, Schulden und Vermögen seien folglich stets gleich hoch, gehört zwar zu den naiveren Vorstellungen von den Funktionen der Umlaufsicherung, ist aber keineswegs ihre natürliche Folge. Weil die Umlaufsicherungsgebühr in der Höhe für jeden Geldbesitzer gleich ist, ist sie eben nur höchst unvollkommen geeignet, um die Allokationsfunktion des Zinses zu übernehmen. Sowohl für die Nutzung von Liquidität für besonders risiko- und/oder chancenreiche Unternehmungen, wie auch für die Bereitstellung von Liquidität für Konsumenten in prekären Einkommens- und Vermögenssituationen wird daher auch nach Einführung der Umlaufsicherung ein Zins gefordert und auch versprochen werden, der ursächlich absolut unabhängig von der Umlaufsicherungsgebühr in Erscheinung tritt, lediglich in seiner Höhe durch die Umlaufsicherungsgebühr beeinflusst werden kann.

Der Einwand verweist darüber hinaus noch auf eine weitere Dimension der mit der Umlaufsicherung erhofften Befreiung vom Zins. Wenn dank Umlaufsicherung Geldmenge, Schulden und Vermögen stets gleich hoch sind, stellt sich die Frage, wie bei Bedarf die Geldmenge ausgeweitet werden kann und wer die damit verbundenen Kosten und Risiken träg (es gibt ja durchaus auch positives Wachstum, das durch wachsende Liquidität gestützt werden muss). Im Notgeld-Experiment und im Bereich der regionalen Komplementärwährung ist das unkompliziert zu handhaben. Man nimmt einfach die entsprechende Menge der Primärwährung und tauscht sie in Komplementärwährung um. Was aber, wenn das Freigeld die einzige Währung ist? Wer gibt dann Geld zu welchen Konditionen aus? Wer kontrolliert die Geldmenge?

Die Frage, ob Gebühr oder Nominal-Entwertung der bessere Weg sei, die Hortung zu unterbinden, entspringt vermutlich einem Benennungs-Dilemma:

Nimmt man z.B. pro Quartal eine Gebühr von drei Prozent des Nominalwerts, dann muss diese Gebühr, die ja die gesamte umlaufende Geldmenge (nur Bargeld) oder sogar alles Geldvermögen belastet, aus der Geldmenge heraus genommen werden.
Die im Markt verfügbare Geldmenge mindert sich also pro Quartal um drei Prozent, was bedeutet, dass schon nach drei Jahren nur noch knapp 70 Prozent des ursprünglich verfügbaren Geldes umlaufen, nach sechs Jahren nur noch 48 Prozent und nach zehn Jahren nur noch 30 Prozent.

Also muss die Gebühr schleunigst wieder in Umlauf gebracht werden. Unterstellt man, dass irgendeine staatliche Stelle die Gebühr erhebt und das so eingesammelte Geld schnellstmöglich wieder ausgibt, entpuppt sich die angeblich als "Währungseigenschaft" dargestellte Umlaufsicherungsgebühr als nichts anderes, als eine allgemeine Steuer auf Geld und Geldvermögen. Alleine die begriffliche Gleichsetzung der Umlaufsicherungsgebühr mit der Vermögenssteuer würde aber eine völlig andere Diskussion eröffnen, die - mit Argumenten wie "Neid und Missgunst" von der einen Seite und "Ausbeutung und Betrug" von der anderen Seite - sehr schnell ihre ursprüngliche, monetäre Zielrichtung verlieren würde.

Als Ausweg aus diesem Dilemma wird die allgemeine Minderung des Nominalwertes von Geld bzw. Geldvermögen angeboten. Wenn die Banken alle Vierteljahre die Guthaben auf den Girokonten um drei Prozent reduzieren, wenn Geldscheine regelmäßig eingezogen und durch Scheine mit niedrigerem Nominalwert ersetzt werden und wenn die Differenz niemandem und nirgends gutgeschrieben wird, dann ist der Verdacht, die Umlaufsicherung sei eine Steuer, vollständig ausgeräumt.

Der Vorhalt, dass auf diese Weise ebenfalls ein beständiges Schrumpfen der nominal verfügbaren Geldmenge - also Deflation - hervorgerufen wird, geht regelmäßig ins Leere, weil darauf entgegnet werden kann, genau dies sei ein wesentliches Argument dafür, die Umlaufsicherung ausschließlich auf Bargeld und täglich fällige Einlagen anzuwenden, aber kein Argument gegen die Umlaufsicherung als solche. So weit, so gut.

Betrachten wir die möglichen Kombinationen aus Gebühr und Nominalwertminderung und schmaler oder breiter Bemessungsgrundlage im Detail, so ergeben sich folgende Gestaltungsmöglichkeiten:

A) Gebühr nur auf Bargeld
B) Gebühr auf alles Geldvermögen
C) Nominalwertminderung nur von Bargeld
D) Nominalwertminderung allen Geldvermögens

 

 

A) Absehbare Wirkungen einer Umlaufsicherungsgebühr auf Bargeld

Wer Banknoten und Münzen mit einer Umlaufsicherung belastet, muss unumgänglich auch das Giralgeld auf den Kontokorrenten und Gehaltskonten belasten. Sonst wird als erste Konsequenz die sofortige und vollständige Umstellung der gesamten Wirtschaft auf bargeldlosen Zahlungsverkehr erfolgen. Klar?

Doch welches Verhalten der Wirtschaftsteilnehmer ist realistischerweise zu erwarten, wenn Bar- und Giralgeld regelmäßig mit einer Gebühr auf den gehaltenen Bestand belastet wird?

Weil sich mit der Umstellung der Währungsfunktionalitäten zwar die Bedingungen, nicht aber die Motive und Antriebskräfte der Marktteilnehmer ändern, wird es sehr schnell zu Verhaltensänderungen kommen.

Anfänglich wird zu beobachten sein, dass - jeweils kurze Zeit vor dem Fälligkeitstermin der Gebühr - soweit das bei den einzelnen Marktteilnehmern vorhandene Tauschmittel dafür reicht

Alles Effekte, die durchaus den Intentionen der Freiwirtschaftler entsprechen. Rechnungen werden zügig bezahlt, konsumtive und investive Ausgaben werden auf den frühest möglichen Zeitpunkt vorgezogen, das Geld läuft um und Geldbesitzer, die ihr Tauschmittel beim besten Willen nicht mehr rechtzeitig ausgeben können, tragen es zur Geldsammelstelle, die daraus einerseits einen terminierten Anspruch auf Geld für den Anleger und andererseits einen Kredit für den Tauschmittelnachfrager kreiert, also ein Schulden-Guthaben-Paar in die Welt setzt, dass sich bei Tilgung wieder auflösen soll.

Vergessen wird dabei, dass sich immer nur ein Teil der Markteilnehmer vor der Umlaufsicherungsgebühr in Sicherheit bringen kann.

Das Geld, das Frl. Müller für die vorsorglich gekauften und eingelagerten Papierrollen ausgegeben hat, liegt an Ultimo - wie der sprichwörtliche Schwarze Peter - in der Kasse des Supermarktes, geht am Abend in den Nachttresor der Bank und am nächsten Morgen fehlen drei Prozent, weil der Bankcomputer pünktlich um Mitternacht die Gebühren abgezogen hat, die zum Stichtag auf alle Geldbestände fällig sind.

Ebenso geht es dem Maschinenbauer, auf dessen Konto die Zahlung der Müller & Co GmbH & Co. KgaA erst kurz vor Mitternacht gutgeschrieben wurde. Statt der erwarteten 250.000 Euro, von denen eigentlich Löhne, Gehälter und Material bezahlt werden sollten, sind am nächsten Tag - ätsch - nur 242.500 Euro auf dem Konto. 7.500 Euro sind futsch.

Spätestens wenn die Amtsgerichte über die ersten Klagen wegen boshafter Zahlungsterminierung zu befinden haben, werden sowohl der Einzelhandel wie auch die Industrie Krisensitzungen einberufen, mit dem absehbaren Ergebnis, dass jeweils am letzten und vorletzten Tag vor dem Gebührenstichtag kein geöffnetes Einzelhandelsgeschäft mehr anzutreffen sein wird und die Lieferungs- und Zahlungsbedingungen der Industrie werden um Regelungen ergänzt, die einen Umlaufsicherungsstrafausgleich von denjenigen fordern, die vorsätzlich oder grob fahrlässig so spät zahlen, dass dem Zahlungsempfänger ein unabwendbarer Gebührenschaden entsteht.

Auf diese Weise wird sich die Anbieter-/Verkäuferseite auf dem Markt kurz vor Fälligkeit der Gebühr jenen Spielraum verschaffen, der es möglich macht, jedes Fitzelchen nicht benötigter Liquidität in längerfristige Anlagen, also "gutes" Geldvermögen umzuwandeln, während Lohn- und Gehaltszahlungen bevorzugt kurz vor Ultimo angewiesen werden, damit sich das "schlechte" Geld da sammelt, wo es hingehört, nämlich bei den Arbeitern, Rentnern und Angestellten.

Weil wir aber immer noch clevere Banker haben werden, wird sich der ganze Umlaufsicherungsspuk sehr schnell in Luft auflösen.

Alle Girokonten werden - per Dauer-Spar-Auftrag - rechtzeitig vor Gebührenfälligkeit vollständig abgeräumt und vorsichtshalber darüber hinaus noch ein Stück ins Minus gefahren. Das von dort abgezogene Geld wird einer langfristigen, umlaufsicherungs-freien Anlage zugeführt und dient damit wunderbarerweise zur Sicherung des Kredits auf dem überzogenen Girokonto.

Die Kreditlinien werden entsprechend ausgeweitet. Die Gebührenforderung der Umlaufsicherung trifft ins Leere, denn niemand hat mehr Liquidität. Das Bargeld (Münzen und Scheine) kommt schleunigst aus den Verstecken und wird an den Kassen der Banken einbezahlt, die es wiederum zügig an die Zentralbank zurückgeben.

Unvermeidlicher Effekt einer Umlaufsicherungsgebühr auf Bargeld und Sichtguthaben:

Innerhalb kürzester Zeit verschwinden Bargeld und Sichtguthaben vollständig aus der Welt. Alle Zahlungen erfolgen aus eingeräumten Kreditlinien von Girokonten, alle zwischenzeitlich eventuell entstehenden, schädlichen Guthaben werden vollautomatisch in langfristige Anlagen, also "gutes", nicht gebührenbelastetes Geld umgewandelt.

Die Umlaufsicherungsgebühr läuft vollständig ins Leere. Alles Geld ist zu gehortetem Geld geworden und kommt nur gegen Zins und Zinseszins jeweils für einen kurzen Augenblick wieder zum Vorschein. Gewinner sind ausschließlich die Banken, deren zusätzliche Gebühren und Zinsen die Wirtschaft belasten.

Die Konstrukteure von Umlaufsicherungssystemen stehen nun vor der Wahl:

 

 

B) Absehbare Wirkungen einer Umlaufsicherungsgebühr auf alles Geld und Geldvermögen

 

Wird alles Geld und Geldvermögen regelmäßig mit einer Gebühr belastet, entsteht ein neuer, kräftiger Geldstrom, von den "privaten" Haltern von Geld- und Geldvermögen zu den währungsverantwortlichen Institutionen, denen die Gebühr zufließt.

Die währungsverantwortlichen Institutionen hätten die Aufgabe, die eingenommenen Gebühren "irgendwie" wieder in den Wirtschaftskreislauf einzuspeisen.

Es bedarf keines langen Nachdenkens, um festzustellen, dass der Empfänger der Gebühr letztlich nur der Kassenwart eines demokratisch legitimierten Staatswesens sein kann. Nur dadurch wäre sicherzustellen, dass die Mittel, die dem Staatsvolk insgesamt durch die pauschale Besteuerung von Geld und Geldvermögen genommen werden, auch nur halbwegs im Sinne dieses Staatsvolks verwendet werden.

In Wahrheit handelt es sich dabei aber nicht um eine Umlaufsicherungsgebühr, sondern, wie eingangs bereits erwähnt, um eine Steuer auf den "in Geld" und "in Forderungen auf Geld" angelegten Teil des Vermögens.

Unterstellen wir, es gelänge tatsächlich, jegliche steuerlich begründete Kapitalflucht zu verhindern, unterstellen wir, es gelänge tatsächlich, alle Bestände an Geld und Geldvermögen lückenlos zu erfassen und korrekt zu bewerten, unterstellen wir also optimale Bedingungen für eine korrekte und umfassende Erhebung dieser Umlaufsicherungsgebühr, es wären trotzdem alle jene Effekte zu erwarten, die zwangsläufig entstehen, wenn versucht wird, in großem Maßstab Geldvermögen aufzulösen, eine Absicht, die, wegen der Langfristigkeit der Anlagen, gar nicht so einfach in die Tat umzusetzen ist:

 

Der Währungsdesigner sieht sein Heil in diesem Szenario nur noch darin, dass er entweder direkt zur Zwangsbewirtschaftung aller Bestände an Geld und Geldvermögen übergeht, oder eine Währungsreform durchführt, oder sich vom Gedanken der Gebühr auf Geld und Geldvermögen ganz löst. Es gibt schließlich noch den Weg der Nominalwertkürzung.

 

C) Absehbare Wirkungen einer regelmäßigen Nominalwertminderung des Bargelds

 

Wenn auf dem Geldschein statt eines festen Wertes eine ganze Reihe von Werten angegeben sind, die dieser Geldschein im Verlaufe der aufeinanderfolgenden Entwertungsphasen repräsentiert, wenn man sich ausrechnen kann, oder von der Bank pflichtgemäß monatlich darüber informiert wird, wie hoch der nominale Bestand auf dem Girokonto in vier, acht, zwölf Monaten sein wird, wenn dieser Nominalwertschwund alles Bargeld gleichmäßig trifft - aber das Geldvermögen nicht, dann ist die Welt aus den Fugen und die Wirtschaft bricht unmittelbar zusammen. Die übelste Form der Deflation ist per Umlaufsicherung verordnet.

Unterstellen wir wieder, eine wie auch immer motivierte Staatsgewalt könnte diese Umlaufsicherung erzwingen, dann ist mit folgenden Effekten zu rechnen:

(Interessant in diesem Zusammenhang: Die Besteuerung von Unternehmensgewinnen nach der Methode des Vermögensvergleichs ist in Zeiten der Deflation kontraproduktiv.)

Die Entwertung des Bargeldes durch Senkung seines Nominalwertes führt also zu Verwerfungen in der Geldversorgung, bis hin zu negativen Zinsen. Das Kalkulieren wird komplizierter, aber die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes erhöht sich nicht. Im Gegenteil: Hortung wird weiterhin belohnt, weil die dadurch erzeugte, zusätzliche Geldknappheit dem Spekulanten durch überproportionalen Kaufkraftanstieg Vorteile verschafft.

Die Hoffnungen, die in die Umlaufsicherung gesetzt werden, scheinen unbegründet. Doch noch bleibt uns eine Variante, die es lohnt, zu beleuchten:

 

D) Absehbare Wirkungen einer regelmäßigen Nominalwertminderung
allen Geldvermögens

 

Geld verfault nicht.

Wer glaubt, es mit einer Änderung des Nominalwertes zum Verfaulen zu bringen, ist ein Illusionist. Seit es grenzüberschreitenden Handel gibt, und seit man die Kunst des Abzinsens auf einen Gegenwartswert beherrscht, haben die Menschen gelernt, Umrechnungskurse zu bilden und den Wert zukünftiger Einnahmen zu ermitteln.

Wer also 100 Euro umlaufgesicherter Schulden macht, und weiß, dass diese Schulden in einem Jahr nur noch auf 90 Euro lauten, wer ferner weiß, dass der Geldschein, den er erhalten hat, heute den aufgedruckten Wert von 100 Euro hat, in einem Jahr aber gegen einen neuen Schein getauscht werden muss, der einen Nennwert von 90 Euro hat, der kann das ganze Theater doch schlicht ignorieren - abgesehen davon, dass er sich der Mühe einer neuen, unsinnigen Umrechnerei unterziehen muss.

Eine Umrechnerei, die es seit der Erfindung von Wechsel und Diskont gibt und die für jeden beliebigen Zeitpunkt einen exakten Wert mit beliebig vielen Kommastellen vorhersagen kann.

Was also soll eine solche Maßnahme hervorbringen?


 

Die Erfolge
umlaufgesicherter regionaler
Komplementär-Währungen

Sind die Berichte über das historische Freigeldexperiment von Wörgl, über den ebenso historischen Wära-Verbund und vergleichbare Experimente also schlicht nicht wahr? Sind die derzeit wie die Pilze aus dem Boden schießenden Regio-Taler der blanke Blödsinn?

Nein, das sind die falschen Fragen und ein "Ja" darauf wäre der völlig falsche Schluss.

Die richtigen Fragen müssen lauten:

Bei genauerem Hinsehen zeichnen sich alle "lebenden" Währungsexperimente durch sehr geringe - im Verhältnis zur Wirtschaftskraft des jeweiligen Währungsgebietes vollkommen zu vernachlässigende - Tauschmittelumsätze aus. Obwohl ein erhebliches monetäres Problem besteht, obwohl in der Realwirtschaft ganz offensichtlich erhebliche Tauschmittelknappheit (Kaufzurückhaltung!) besteht, bleiben die Regionalwährungen in kleinen Zirkeln gutwilliger Mitglieder verhaftet. Nennenswerte Impulse für die regionale Wirtschaft gehen davon trotz aller gegenteiligen Beteuerungen nicht aus.


 

Gibt es überhaupt einen Ausweg aus der Geldkrise?

Ich halte es für wichtiger, noch einmal völlig neu darüber nachzudenken, wie eine optimale Geldversorgung der Realwirtschaft dadurch hergestellt werden kann, dass zusätzliches (!) Tauschmittel, am besten in der jeweiligen gesetzlichen Währung, bei Bedarf dort verfügbar gemacht wird, wo es benötigt wird, statt weiterhin in immer komplizierteren Modellen immer neue Spielarten der Umlaufsicherung zu konstruieren.

Ich glaube, es wäre sinnvoller, die durch Hortung entstandenen, die Realwirtschaft erdrückenden Geldvermögen, einer Konkurrenz durch zusätzliches Geld auszusetzen, das in den Markt gebracht wird, ohne dass darauf jemals jemand Zinsen zahlen, oder auch nur Tilgung leisten müsste, statt zu versuchen, erstarrtes Geldvermögen neu (und mit unvorhersehbaren Folgen) zu mobilisieren.

Dieser Vorschlag ist in der Diskussion soweit missverstanden und zerfledert worden, dass er zuletzt als "Zinsloser Investitionskredit" ausgedeutet wurde.

Ich möchte daher, bevor ich den Link auf das Original setze, bevor ich darauf hinweise, dass ich die (wirtschaftsphilosophischen?) Grundlagen dafür in "Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band II) ausgebreitet habe, noch einmal in aller Kürze die ganz entscheidenden Elemente des Modells der bedarfsgerechten Geldversorgung der Realwirtschaft aufzeigen.

I. Kein Kredit, sondern frisches, völlig unbelastetes Geld

Bei Geldmangel im Markt der Realwirtschaft wird frisches, zusätzliches Geld in den Markt eingebracht. Es handelt sich bei diesen Geldspritzen grundsätzlich um Geld, das ohne Gegenbuchung, also nur als Guthaben, in die Welt gesetzt wird. Die jeweiligen Empfänger dieses Geldes sind von Zins- und Tilgungspflichten frei, wie auch die "Emittenten" dieses Geldes durch diesen Akt der Geldschöfpung niemandem zu irgendeiner Leistung verpflichtet sind.

II. Jeweils einmalig da, wo der größtmögliche Nutzen am Markt ausgelöst wird

Die vorbeschriebenen Geldspritzen dürfen stets nur als einmalige Subventionen gewährt werden. Sie sollen da in den Wirtschaftskreislauf eingebracht werden, wo sie auf möglichst breiter, branchenübergreifender Basis Kaufkraft zuführen, also eher an Konsumenten oder Konsumentengruppen fließen, als an Großunternehmen und Konzerne, eher Gemeinden und kommunalen Einrichtungen zufließen, als dem Bundes- oder Landeshaushalt.

Eine wichtige Funktion dieser Geldspritzen soll aber auch sein, gesellschaftlich erwünschte Investitionen zu fördern, die unter den Bedingungen der gewinnorientierten Wirtschaft keine Chance haben, die erforderlichen Geldmittel zu erhalten. Dabei sollen auch hier nur einmalige Anschubsubventionen fließen. Die so geförderte Investition muss sich dann selbst tragen.

III. Maßgeblich ist nicht der Staatsbedarf, sondern die Feststellungen einer Expertenkommission

Die Feststellung des monetären Zustandes im Währungsgebiet und die Entscheidung über die Ausschüttung zusätzlichen Geldes und der erforderlichen Höhe der Geldspritze obliegt einer Expertenkommission.

IV. Verteilt wird vom Staat oder staatsnahen Organisationen, ggfs. nach Projektprüfung

Die Zuteilung des frischen Geldes auf Bedarfsträger erfolgt durch staatliche oder staatsnahe Organisationen. Gelder, die für die Förderung von gesellschaft erwünschten Investitionen vorgesehen sind, werden nach gründlicher Projektprüfung durch "Förderbanken" an die jeweiligen Antragsteller vergeben.

V. Flankierende Maßnahmen: Vermögens- und Transaktionsbesteuerung

Parallel zur Einführung zusätzlichen Geldes in den Wirtschaftskreislauf sind durch die Besteuerung besonders hoher Vermögen (z.B. Freibetrag 1 Milliarde Euro, jährlicher Steuersatz 12 Prozent), durch die Besteuerung von nationalen und grenzüberschreitenden Finanztransaktionen Mittel dort abzuschöpfen, wo sie sich im Übermaß akkumuliert haben.
Ein probates Mittel wäre z.B. die Mehrwertsteuer auch auf alle Überweisungen von Konto zu Konto zu erheben. Bei einem Freibetrag von 100.000 Euro pro Jahr und gleichbleibendem Steueraufkommen könnte der Steuersatz der MWSt. ganz erheblich sinken, was doppelt vorteilhalfte Wirkungen hätte.

VI. Liquiditätsabschöpfung bei Inflationsgefahr

Stellt die Expertenkommission Liquiditätsüberschuss fest, muss dieser durch steuerliche Instrumentarien abgeschöpft werden, um Inflation zu vermeiden. In der Regel ist hierfür die MWSt. ein gut geeignetes Instrument, im Falle massiver Intervention durch das Kapital kann aber auch eine Steuer auf aufgelöste und nicht wieder angelegte Geldvermögen erwogen werden.

VII. Bestehende Geldvermögen bleiben erhalten

Da das Bankenwesen seine Funktion unverändert wahrnimmt, wird bestehendes Vermögen durch diese Maßnahmen nicht vernichtet. Es wird lediglich der Möglichkeit beraubt, die Marktteilnehmer durch Hortung von Tauschmitteln zu erpressen. Seine Funktion, leistungsfreie Einkommen zu kreieren, wird dagegen nur ganz allmählich und nur in dem (selbstverschuldeten) Maße vermindert, wie es durch fortgesetzte Hortung die Ausgabe unbelasteten Geldes provoziert, welches die Kreditspirale, also den fortgesetzten Zwang zur Neuverschuldung durchbricht.

VIII. Hohe Systemstabilität

Natürlich sitzen Menschen an den Hebeln. Natürlich wird es zu Begünstigungen und Korruption kommen - doch selbst wüsteste Bereicherung Einzelner kann den Regelkreis nicht erschüttern, solange er nicht wieder abgeschafft wird.

Bei Geldmangel wird einfach frisches Geld eingespeist, solange, bis die Indikatoren zeigen, dass der Geldmangel überwunden ist. Der Markt funktioniert. Alle Bedürfnisse werden befriedigt. Bei Liquiditätsüberschuss wird abgeschöpft, bis die Überhitzung des Marktes abklingt.

Die negativen Folgen der Eingriffe treffen ausschließlich diejenigen, die in erheblichem Maße Geldvermögen ansammeln, weil sie (erst nach Überschreiten sehr hoher Freibeträge) durch die Besteuerung von Vermögen und Transaktionen belastet werden und bei Rückführung ihres der Realwirtschaft einst entzogenen Vermögens durch steuerliche Abschöpfungsmassnahmen mit zusätzlichen Verlusten rechnen müssen.


Hier nochmals Links

 

a


* 1949 im
oberfränkischen Neustadt bei Coburg



Egon W. Kreutzer
der Verfasser dieses Artikels
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