Impressum
 Home alle Kommentare alle Leserbriefe  Stichwortsuche  Hauptseite Geld 



Der Fluss des Geldes

Grundlagenwissen zum besseren Verständnis des Geldes und der vom Geldsystem hervorgerufenen Probleme

Teil 13

Regional- und Komplementärwährungen
Ein tragfähiger Lösungsansatz für das Geldproblem?

...oder doch wieder nur ein Marketingstrohhalm zur Rettung schiffbrüchiger Ökofreaks und Gutmenschen?

Verfasser: Egon W. Kreutzer, Stand 26.04.2004

 Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band III
Das Buch über das Geld
erscheint Mitte Juni 2005
Bis 31. Mai 2005 zum Subskriptionspres von 19,00 Euro
Informationen und Bestellmöglichkeit hier.


Dieser Aufsatz lag einige Wochen halbfertig bei mir in der Schublade und wäre längst veröffentlicht, hätten ich nicht von Margrit Kennedys und Bernhard Lietaers gemeinsamem Buch gehört, das ich gelesen haben wollte, bevor ich mich mit meinen Zweifeln am Leistungsvermögen von Regionalwährungen zu Wort melde.

Obwohl dieser Text keine Buchbesprechung werden soll, erfordert das im Riemann Verlag erschienene Werk

"Regionalwährungen, Neue Wege zu nachhaltigem Wohlstand",

eine kurze Würdigung:

Kennedy/Lietaer wählen zunächst einen sehr weit gefassten Währungsbegriff, um ihre Vorstellungen mit historischen und aktuellen Beispielen aus aller Welt zu untermauern. Weil die Autoren letztlich aber doch zu erkennen geben, dass nicht alles, was tauschbar ist, auch schon als Währung taugt, blüht die Blume der Euphorie letztlich doch nur auf den Beeten, die auch schon in der Vergangenheit mannigfache Gutscheinsysteme, Tauschringe und in Einzelfällen auch altruistisch eingestellte Mitgliedsbanken hervorgebracht haben.

Die Autoren versäumen es zwar nicht, auf die Schwächen und Probleme der vorgestellten Ansätze und Lösungsprinzipinen hinzuweisen, sehen in der Summe der Detailprobleme aber nicht den Hinweis auf prinzipielle Schwierigkeiten, sondern lediglich den Anreiz, bessere Menschen dazu zu bewegen, die Möglichkeiten moderner Informationstechnologien vernünftig zu nutzen und unvermeidliche Systemgrenzen durch "Vernetzung" zu überwinden.

So weit, so gut. Margrit Kennedy und Bernhard Lietaer sind ausgewiesene Fachleute und haben sich beileibe nicht nur mit Regionalwährungen beschäftigt. Dennoch ist auch ihr jüngstes Werk das typische Produkt eines Trends, dem vermutlich nur die Einführung des ungeliebten Euro jenen Boden bereitet hat, auf den nun die frohe Botschaft von Regio-Talern, Chiemgauern und anderen Wunderwährungen gesät wird.

Eine knisternde Aufbruchstimmung lässt allenthalben die Diskussion um Regionalwährungen aufleben. Überall stehen Gruppen mutiger Menschen auf und kreieren neue, alternative Zahlungsmittel und schon haben auch die ersten "richtigen" Geldinstitute Interesse bekundet, schon gibt es Rechtsgutachten und politische Fürsprecher. Silvio Gesell, lange als Sozialdarwinist verleumdet, ist plötzlich in aller Munde und das über Jahrzehnte nur von wenigen Eingeweihten bestaunte Wunder von Wörgl soll sich möglichst schon im nächsten Quartal im Umkreis aller deutschen Kleinstädte wiederholen.

Die Protagonisten der Regio-Taler und Landkreis-Dukaten behaupten, mit regionalen Komplementärwährungen ließe sich Aufschwung und Wachstum dahin bringen, wo das System der gesetzlichen Zahlungsmittel versagt, doch die Hoffnungen auf ein neues Wörgl-Wunder sind unbegründet. Sowohl die bereits existierenden, wie auch die bekannten, in Planung befindlichen Regionalwährungen können die Probleme des Geldsystems nicht überwinden.

Die Gründe dafür liegen zu einem großen Teil in der Konstruktion der Regionalwährungen selbst. Doch schwerer wiegen die unüberwindlichen Schwierigkeiten, die sich aus der notwendigen Koexistenz der "Komplementärwährungen" mit dem nicht umlaufgesicherten gesetzlichen Zahlungsmittel ergeben. Alleine die Tatsache, dass die engen wirtschaftlichen Verflechtungen in Europa zu kleinen, regionalen Währungsgebieten nicht kompatibel sind, wird zwangsläufig zum Scheitern der Regionalwährungen führen, und dies paradoxerweise um so schneller und gründlicher, je mehr sich die Regionalwährung in der Region als vorherrschendes "Binnenzahlungsmittel" durchsetzt.

Bei allem Respekt vor den Forderungen nach nachhaltigem Wirtschaften, nach kleinen regionalen Kreisläufen, nach einem Ende des Konsumterrors - die Probleme des Geldes sind Zins und Zinseszins einerseits, sowie erpresserischen Geldhortung andererseits. Ein Geldsystem, ob regional, komplementär oder nur "einfach anders", als das bestehende, das diese Probleme nur unter einen experimentellen Käseglocke abzumildern vermag, nicht aber in der Gesamtheit des notwendigen Wirtschaftens beseitigen kann, ist kein wirklicher Beitrag zur Lösung der Geldprobleme.

Was also bewirken regionale Komplementärwährungen?

 

Grundgedanken der Regionalwährung

Regionale Währungssysteme haben ausnahmslos primär die Stärkung eines regionalen Wirtschaftsraumes zum Ziel. Um dieses Ziel zu erreichen, wird versucht, die Nutzung der Regionalwährung außerhalb der eigenen Region zu erschweren und es wird versucht, das hortende Sparen von Regionalgeld durch Maßnahmen zur Umlaufsicherung zu unterbinden, womit gleichzeitig eine erhöhte Umlaufgeschwindigkeit des regionalen Geldes erreicht werden soll.

Abgesehen davon, dass die Stärkung eines regionalen Wirtschaftsraumes von den meisten Befürwortern als ein Wachstumsziel(!) angesehen wird; was in sich problematisch ist, denn nichts braucht unsere Welt weniger, als weiteres Wachstum, abgesehen davon, dass die Förderung innerhalb einer Region immer auch zu Reibungsverlusten an den Gebietsgrenzen führen muss, erhebt sich die Frage, ob die regionale Einführung von Zweitwährungen für die größeren, übergeordneten Wirschaftsräume (Chiemgau - Bayern - Deutschland - Europa) und die Gesamtheit der Bevölkerung dieser Wirtschaftsräume Vorteile bringen kann.

 

1. Stärkung der regionalen Wirtschaftskraft

Es ist eine goldrichtige Strategie, das Wirtschaftsleben einer wirtschaftlich zusammengehörigen Region durch eine regionale Währung zu unterstützen. Die auf ein homogenes, regionales Wirtschaftsgebiet ausgerichtete Geldversorgung ist bei richtiger Steuerung der Geldmenge (und des Geldumlaufes) eine wichtige und unverzichtbare Säule der wirtschaftlichen Stabilität.

Die ehemaligen "Regionalwährungen" Europas, der Franc, die Lira, die Deutsche Mark, der Escudo, der Schilling, haben ihre Aufgabe doch recht gut erfüllt. Das nach wie vor "regionale" englische Pfund steht neben der neuen europäischen Einheitswährung - auch ohne deren rigorose Stabilitäts-Kriterien - immer noch recht gut da.

Der Euro hingegen, als grenzen- und folglich auch heimatlose Geldmenge schwappt unkontrolliert - weil unkontrollierbar - durch den Wirtschaftsraum und wird - wie der US-Dollar - immer weniger da ausgegeben, wo er eingenommen wird. Das führt zu wirtschaftlichen Verwerfungen, aus welchen den Banken und Spekulanten neue Profitquellen erwachsen, während den Bürgern beständig Kaufkraft abhanden kommt. Der deflationäre Prozess, unter dem Europa leidet, ist zu einem erheblichen Teil durch die Einführung des Euro und die verheerenden Zwänge des Maastricht Vertrages hervorgerufen worden.

Die Rückbesinnung auf eine regionale Geldversorgung ist daher prinzipiell eine gute Idee.

Der Rückfall auf das Niveau von Gemeinde- oder Landkreiswährungen steht allerdings in keinem vernünftigen Verhältnis zu den wirtschaftlichen Gegebenheiten eines hochindustrialisierten und hochgradig arbeitsteiligen Landes. Untrennbar untereinander verflochtene Wirschaftsbeziehungen, die sich kreuz und quer über alle Regionen austauschen, können solche währungpolitische Kleinstaaterei nicht tolerieren.

Auch unter dem Aspekt nachhaltigen, regionalen Wirtschaftens lassen sich - vom Status quo der wirtschaftlichen Verflechtungen her - derart miniaturisierte Währungsgebiete, wie sie von den Befürwortern der Regionalwährungen geplant und eingerichtet werden, nicht ernsthaft als vernünftige Lösung der Geldprobleme ansehen. Selbst wenn unterstellt wird, die einzelnen regionalen Komplementärwährungen ließen sich mit geringer Mühe über die Basiswährung Euro ineinander um- und überrechnen, haftet den Projekten doch stets das Odium des hilflosen Experimentierens im luftleeren Raum an, ein Effekt, der durch die Aufzählung der jeweiligen "offiziellen" Akzeptanzstellen rings um den Kirchturm nur noch verstärkt wird.

Müßte man aus dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland "mit Gewalt" kleinere, aber noch sinnvolle regionale Währunggebiete schaffen, dann dürften nach meiner Einschätzung bestenfalls vier Währungsgebiete entstehen, denen eine eigene, dem Gesamtwohl der Region nützliche Geld-Administration tatsächlich Vorteile brächte.

So könnten zum Beispiel die südlichen Bundesländer Bayern und Baden Württemberg eine regionale Wirtschafts- und Währungszone bilden, während eine zweite Währungszone - ohne damit den Befürwortern der "Sonderwirtschaftszone" das Wort zu reden - für das gesamte Gebiet der neuen Bundesländer in Frage käme. Eine dritte Währungszone könnte den Bereich Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen umfassen und in der vierten könnte sich die Küstenregion mit Bremen, Hamburg, Schleswig Holstein sowie Niedersachsen zusammenfinden.

Wer in weit kleineren regionlaen Währungsgebieten denkt und ernsthaft einen währungstechnischen Zustand anstrebt, bei dem ein bunter, Flickenteppich unterschiedlichster, praktisch nicht konvertierbarer Regionalwährungen über das Land gebreitet wird, ersetzt den euromanischen Gigantismus durch sein ebenso unsinniges Gegenteil, nämlich eine engstirnige, egoistische und bornierte Kirchturmpolitik.

Die Argumentation, durch modernste Informationstechnologie sei es problemlos möglich, alle Regionalwährungen stets korrekt und ohne Zeitverzug zu vernetzen und untereinander zu tauschen, verkennt die tatsächlichen Aufwände für die Installation solcher Systeme, er vergisst zudem völlig, dass die unvermeidliche Herausbildung stark schwankender Wechselkurse zwischen unterschiedlichsten Mikro-Währungen ein für die Marktteilnehmer nahezu unbeherrschbares Problem darstellen wird und dass die als Lösung angepriesene "perfekte Umrechenbarkeit und Austauschbarkeit" von Regionalwährungen, wäre sie denn darstellbar, den (kleinen, individuell gestalteten) Regionalwährungen die Existenzberechtigung entzöge.
Es muss an dieser Stelle ganz deutlich ausgesprochen werden, dass jede Anstrengung, Regionalwährungen leichter konvertierbar und zwischen den Regionen übertragbar zu machen, einen völlig unsinnigen, weil überflüssigen Aufwand darstellt, solange das gleichzeitig verfügbare, gesetzliche Zahlungsmittel ohne solche Anstrengungen europaweit verwendet werden kann. Die universellere Nutzbarkeit des parallel verfügbaren gesetzlichen Zahlungsmittels mindert die Akzeptanz der Regionalwährung. Die Bevölkerung der Region wird folglich - von wenigen Idealisten abgesehen - nur in dem Maße von der Regionalwährung Gebrauch machen, wie sich daraus lokale Einkaufsvorteile ergeben und wie es darüberhinaus der Nachweis eines geziemenden Lokalpatriotismus erfordert.

So ist es zwar richtig, dass die nur regional einsetzbare Währung auch nur regional ausgegeben wird, es ist aber ebenso richtig, dass die von Einzelhändlern und Handwerkern in Regionalwährung eingenommenen Beträge ganz überwiegend in Euro zurückgetauscht werden müssen, um Material beschaffen, Löhne zahlen und Kredite bedienen zu können. Dadurch wird offensichtlich, warum Regionalwährungen vom Ansatz her kaum mehr sein können, als eine Sonderform der Geschenkgutscheine, wie man sie in jedem Warenhaus kaufen kann. Auch ein Geschenkgutschein kann nur beim Aussteller (oder einer Filiale des ausstellenden Unternehmens) eingelöst werden, was ihn irgendwie "regionalisiert" und so ein Geschenkgutschein ist auch absolut umlaufgesichert, denn wird er nicht eingelöst, verfällt er nach einer gewissen Zeit vollständig.

 

 

2. Implementierung einer Umlaufsicherung

Ganz unbestritten schafft die unbegrenzte Hortbarkeit des Geldes eines seiner eklatanten Probleme. Die Implementierung einer wie auch immer gearteten Umlaufsicherung ist daher für jeden "Geld-Designer" eine nicht zu umgehende Herausforderung, die jedoch - soweit mir bekannt - bei allen Regionalwährungen durch einen mehr oder weniger sprunghaften Wertverlust der als "Geld" bezeichneten Gutscheine oder Guthaben gelöst wird.

Zur Begründung wird auf die Ideen Silvio Gesells und auf das Experiment von Wörgl verwiesen. Dies sind jedoch allenfalls Hin-, keinesfalls aber Beweise dafür, dass eine - wie auch immer gestaltete Umlaufsicherung durch Wertverlust - unter den Freilandbedingungen der Bundesrepublik Deutschland erfolgreich zu etablieren sein wird.

Zu bedenken ist, dass umlaufgesicherte Regionalwährungen ja nicht ausschließlich von den Idealisten, die sie ersonnen haben, verwendet werden sollen, sondern von möglichst vielen Bürgern, Konsumenten, Handel- und Gewerbetreibenden einer bestimmten Region, also auch von denjenigen, deren egoistisches Gewinnstreben durch die Einführung einer Regionalwährung nicht verändert, allenfalls zu neuen Ideen und Tricksereien angeregt wird.

Deshalb müssen einige zweifelnde Fragen erlaubt sein:

 

 

3. Prosperität durch Umlaufgeschwindigkeit

Weil die Regionalwährung schnell weitergegeben wird, können damit im gleichen Zeitraum deutlich mehr Transaktionen abgewickelt werden, als mit dem gesetzlichen Zahlungsmittel.

Eine Hoffnung.

Unterstellen wir, die umlaufgesicherte Regionalwährung könnte sich optimal verbreiten. Unterstellen wir zudem, alle bisher in diesem Aufsatz geäußerten Zweifel träfen nicht zu, die Menschen der Region würden jeden Euro, den sie einnehmen, sofort in Einheiten der Regionalwährung eintauschen, ihre Konten überhaupt nur noch in Regionalwährung führen und Überweisungen an Empfänger außerhalb des Geltungsbereichs der Regionalwährung würden von den kontoführenden Instituten automatisch und gebührenfrei in Euro umgerechnet und in Euro zur Ausführung gebracht, weil das System ausreichende Währungsreserven (in Euro) hält - dann könnte ein solches System nahe an die Wörgl-Effekte herankommen.

 

Leider gibt es dafür einige unabdingbare Voraussetzungen:

1. Der Staat akzeptiert die Regionalwährung mindestens bei der Mehrwertsteuer.

Das wird er wohl nicht tun, was dazu führt, das rund 16 Prozent aller Umsätze, die mit der Regionalwährung getätigt werden, in Euro zurückgetauscht werden müssen, der Region also verloren gehen - hierbei wirkt sich eine hohe Umlaufgeschwindigkeit sogar besonders niederträchtig gegen die Regionalwährung aus, weil die Mehrwertsteuer auf den Umsatz entfällt, was bedeutet, dass die Regio-Geldmenge bei jeder Transaktion, die mit dem gleichen Geld vollzogen wird, um den vollen Steuersatz vermindert werden muss.

2. Die Mineralölkonzerne akzeptieren die Regionalwährung bei der Bezahlung von Benzin und Heizöl-Rechnungen, ebenso müssten die Strom-, Gas- und Wasserversorger die Regionalwährung akzeptieren.

Das werden sie ganz überwiegend nicht tun, womit ein weiterer erheblicher Teil der Regionalwährung laufend in Euro zurückgetauscht werden muss.

3. Banken akzeptieren die Regionalwährung als Tilgungs- und Zinszahlung für Alt-Kredite, Versicherungen akzeptieren die Regionalwährung bei der Prämienzahlung, Immobilienbesitzer akzeptieren die Regionalwährung als Miet- oder Pachtzahlung.

Das werden sie, abgesehen von regionalen Ausnahmen nicht tun.



Die Folge:

Alleine aus den drei genannten Gruppen unvermeidlicher Aufwendungen resultiert ein Rücktauschvolumen von mindestens 50 Prozent der Gesamtumsätze, die in der Region mit Regionalwährung getätigt werden. In der Folge wird zu einem sehr frühen Zeitpunkt die Situtation eintreten, dass die Region gezwungen ist, durch "Exporte" in den Besitz der notwendigen Euros zu gelangen, die benötigt werden, um die unvermeidlichen Abflüsse mit gesetzlichen Zahlungsmitteln bestreiten zu können.

Aus der wunderschönen Idee, regionales Wirtschaften durch eine regionale Währung zu unterstützen, entsteht das folgende Dilemma:

Entweder wird auf Teufel komm raus (und das zu niedrigen, konkurrenzfähigen Preisen) ein Großteil der Wirtschaftsleistung in das Umland "exportiert", um "Devisen" zu beschaffen, was dem Gedanken des regionalen Wirtschaftens diametral zuwiderläuft, oder das Experiment mit der Regionalwährung scheitert, weil dem System die gesetzlichen Zahlungsmittel ausgehen.

Solange ein Währungsgebiet nicht vollständige Autarkie gewinnt, steht es vor der Notwendigkeit, eine ausgeglichene Zahlungsbilanz zu erreichen. Dies ist um so schwieriger, je kleiner und schwächer die Region ist, die sich auf ein solches Experiment einläßt.

Der einzelne Marktteilnehmer eines solchen Währungsgebietes wird sich also bemühen müssen, möglichst viele Umsätze in "harter" Währung zu tätigen, um seinen "Importbedarf" pünktlich beziehen und bezahlen zu können.

Auch der begeistertste Enthusiasmus wird schnell abkühlen, wenn sich zeigt, dass die Regionalwährung - obwohl sie ursprünglich im Verhältnis 1 : 1 mit Euro gekauft wurde - keinen entsprechenden Aussenwert besitzt, weil sich die Summe der im Währungsgebiet entstanden Guthaben (und Schulden) so weit über die ursprünglichen Einzahlungen hinaus erhöht hat, dass der Umfang des erforderlichen "Außenhandels" durch die "Devisenreserven" nicht mehr gedeckt ist.

Wenn aber genau dieses Geldmengenwachstum nicht möglich sein darf, weil die "Spielregeln" vorsehen, dass jeder umlaufenden Regio-Einheit eine entsprechende Euro-Einheit als Depot gegenüberstehen muss, dann kann man sich vom Gedanken des Regionalgeldes sowieso verabschieden. Denn dann wird es die regionale Kaufkraft im besten Fall in der Startphase vermehren, sie danach aber in den meisten Fällen per Gebühren und Umlaufsicherungsschwund vermindern.

 

4. Befreiung von der Zins- und Zinseszinsmechanik

Will eine Regionalwährung einen wirksamen Beitrag zur Minderung der Zinsproblematik leisten, muss die Umlaufsicherung der Regionalwährung derart zur Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit beitragen, dass die übliche Überziehung des auf Euro lautenden Girokontos überflüssig wird.

Sie muss außerdem in ganz erheblichem Maße langfristige Geldmittel für die Finanzierung von Investitionen bereitstellen, so dass die Inanspruchnahme von Euro-Geldern zur Finanzierung von Investitionen nicht mehr erforderlich ist.

Dies erfordert eine erhebliche Sparleistung der Marktteilnehmer des regionalen Währungsgebietes oder einen jahrelangen Verzicht auf Investitionen, bis genügend Geld in Regionalwährung angespart ist. Beides ist kontraproduktiv.

Da zudem durch die Einzahlung von Euros in die Devisenreserven des Regionalwährungsvereins die Euro-Guthaben bei den "normalen" Banken sinken, deren Geldschöpfungsfähigkeit damit also nachlässt, ergibt sich ein (wenn auch geringer) so doch zusätzlicher negativer Effekt.

 

Zusammenfassung

Regionalwährungen in kleinen, nicht autarken Wirtschaftsgebieten sind als Geld-Ersatz nicht ernst zu nehmen. Ihre Marketingwirkung ist eine Modeerscheinung, die schnell verpuffen wird, weil die täglichen Probleme im Umgang mit der Regionalwährung schwerer wiegen, als der Spass an der lokalpatriotischen Attitüde.

Sollte sich wider Erwarten eine Regionalwährung über das folkloristische Maß hinaus zu einem weit gehend akzeptierten Geldersatz entwickeln, muss der Versuch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit an der unausgeglichenen Zahlungsbilanz zwischen Regio-Gebiet und dem Währungsgebiet der Leitwährung scheitern.

Die eigentlichen Probleme des Geldsystems, nämlich Zins, Zinseszins und Geldhortung, Inflation und Deflation werden durch Regionalwährungen nicht gelöst, bestenfalls in einem kleinen Gebiet, für einen kleinen Teil des Geldumlaufes aus dem Bewusstsein "ausgeblendet".

Die wirkliche Lösung des Geldproblems ist m.E. nur dadurch zu erwarten, dass das für die Realwirtschaft benötigte Geld von authorisierter (staatlicher) Stelle ohne Begründuung von Schuldverhältnissen geschöpft, an geeigneten Stellen als verlorener Zuschuss in den Wirtschaftskreislauf eingespeist und durch Steuern auf Vermögen, sowie Spekulations- und Transaktions-Abgaben da wieder abgeschöpft wird, wo es übermäßig akkumuliert.

Mehr dazu ist bei mir zu lesen unter

Konzept für ein vernünftiges System der bedarfsgerechten Geldversorgung
Stand 11.08.2003

http://home.knuut.de/EWKberater/Geld/Grundlagen7.html

nach oben