Der Fluss des Geldes

Grundlagenwissen zum besseren Verständnis des Geldes und der vom Geldsystem hervorgerufenen Probleme


Teil 12
Die letzten Feinheiten des Geldsystems

Der geplatzte Kredit
Verfasser: Egon W. Kreutzer, Stand 12. Oktober 2011

 

Schon die ersten Erkenntnisse, die wir bei der Beschäftigung mit den Grundlagen des Geldes gewonnen haben, waren nicht geeignet, das Vertrauen in unser Geldsystem zu stärken: Geld ist ein höchst flüchtiger, kaum greifbarer Stoff, der bevorzugt als Ziffernfolge auf Kontoauszügen in Erscheinung tritt und durch einfache Buchungen ebenso geschaffen, wie auch wieder vernichtet wird.

Gerade weil Geld ausschließlich durch Kredite in die Welt gesetzt und durch Tilgung wieder vernichtet wird, muss die Frage gestellt werden, welche Folgen im Geldsystem auftreten, wenn ein Schuldner nicht mehr in der Lage ist, seinen Kredit zu tilgen.

Die Geschäftsbanken werden nicht müde, die Schäden zu beklagen, die ihnen durch notleidende Kredite entstehen. Sie haben sich inzwischen zu einem Kartell zusammengeschlossen, das unter dem nichtssagenden Namen "Basel II" die Einhaltung höchst restriktiver Vergaberichtlinien verabredet hat, um die potentiellen Gefahren notleidender Kredite schon bei der Vergabe zu vermeiden. Die wichtigsten Fragen in diesem Zusammenhang lauten:

Es wird hilfreich sein, wenn wir uns dazu einige wichtige Details an einem Beispiel in Erinnerung rufen.

Die Einlage als Basis der Kreditgewährung

Der Bankkunde Raffke überweist regelmäßig die Gewinne seiner Geschäfte auf ein privates Girokonto. Physikalisch sieht das so aus, dass der Bankcomputer unter dem Ordnungsbegriff "Raffke Geschäft" den Wert im Feld "Guthaben" verringert und gleichzeitig unter dem Ordnungsbegriff "Raffke Privat" den Wert im Feld "Guthaben" um den gleichen Betrag erhöht. Eines Tages stehen auf dem Konto "Raffke Privat" 10 Millionen Euro zu Buche und Herrn Raffke fällt auf, dass diese 10 Millionen Euro auf dem Girokonto keinerlei Zinsen tragen. Um dies zu ändern, kauft er 10.000 Pfandbriefe seiner Bank, zum Nennwert von 1.000 Euro pro Stück mit einer Laufzeit von 10 Jahren bei einem Zinssatz von 5 ¼ Prozent.

Physikalisch muss der Bankcomputer dazu bei Raffkes Girokonto den Wert des Feldes "Guthaben" auf Null setzen und dafür im Depot des Bankkunden Raffke 10.000 Stück Pfandbriefe einbuchen.

Mehr passiert nicht.

Nirgendwo werden Goldbarren, Münzen oder Banknoten bewegt. Alles was sich verändert, sind die Informationen in den Speichermedien des Bankcomputers. Auch das aktuelle Vermögen des Bankkunden Raffke ist nominell anscheinend gleich geblieben. Lediglich die Qualität hat sich verändert. Raffke verzichtet darauf, innerhalb der nächsten 10 Jahre über sein Geld zu verfügen und gewinnt dadurch der Bank gegenüber einen Anspruch auf die Zahlung von Zinsen in Höhe von insgesamt 5,25 Millionen Euro, die ihm - über die Laufzeit verteilt - in zehn gleichen Raten auszuzahlen sind.
Diese Einlage erlaubt der Bank, auf der Basis jener 10 Millionen Euro Geldvermögen des Herrn Raffke, das stillgelegt ist und Zinsen trägt, unter Einhaltung der Mindestreservevorschriften theoretisch bis zu maximal 500 Millionen Euro zusätzlich in Verkehr zu bringen. Praktisch ist das aus technischen und strategischen Überlegungen allerdings viel weniger. Es ist dabei jedoch nicht ausgeschlossen, dass Geld, das auf Basis neuer Kredite geschaffen wird, unmittelbar nachdem der Kredit ausgereicht ist, erneut zur Einlage bei einer Bank wird und damit neuerlich zur Kreditvergabe berechtigt. Weil die einzelne Einlage im realen Bankgeschäft völlig anonym im Gesamttopf der Einlagen untergeht, ist es wichtig, wenigstens im Beispiel zu versuchen, die Ursache, nämlich die Einlage des Herrn Raffke, und die daraus resultierenden Wirkungen in einen direkten Zusammenhang zu stellen.

Die Kreditgewährung als Basis der Zinserträge

Gehen wir von folgenden Annahmen aus:
Insgesamt - einschließlich der 10 Millionen des Herrn Raffke - verfügt die Bank über Einlagen in Höhe von 50 Milliarden Euro, die durchschnittlich mit 5 ¼ Prozent verzinst werden. Den Einlagen stehen Ausleihungen in Höhe von 35 Milliarden Euro gegenüber, für die durchschnittlich 9 ¼ Prozent Zins gefordert werden. Der gesamte Zinsaufwand der Bank liegt also bei 2,65 Milliarden Euro pro Jahr, die Zinseinnahmen erreichen 3,237 Milliarden Euro. Von der Differenz von 587 Millionen bleibt nach Abzug der Kosten des Geschäftsbetriebs der Bank ein Vorsteuergewinn von 300 Millionen Euro übrig. Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer fressen davon (wenn die nächste Steuerreform dem nicht zuvorkommt) rund die Hälfte, so dass 150 Millionen Euro an die Aktionäre ausgeschüttet werden können.

Der konkrete Ernstfall

In diesem Szenario freut sich die Bank, dass es ihr gelungen ist, dem Bauunternehmer Pienats einen Investitionskredit über insgesamt 7 Millionen Euro zu verkaufen. Laufzeit: 10 Jahre, Zins 9 ¼ Prozent jährlich nachschüssig, Tilgung in einer Summe zum Ende der Laufzeit.
Dazu war es lediglich erforderlich, den Computer anzuwerfen, das Kreditkonto des Bauunternehmers mit 7 Millionen Euro zu belasten und im gleichen Atemzug dem Girokonto des Bauunternehmers 7 Millionen Euro gutzuschreiben. Wieder hat der Computer ein paar Zahlen verschoben. Sonst ist materiell nichts passiert. Insbesondere hat sich weder auf dem Girokonto des Bankkunden Raffke noch in dessen Wertpapierdepot in irgendeiner Weise irgendetwas verändert.


Allerdings hat sich der Bauunternehmer verpflichtet, der Bank insgesamt 6,475 Millionen Euro in 10 gleichen Raten an Zinsen zu bezahlen und selbstverständlich ist er auch verpflichtet, seine Schulden pünktlich zurückzuzahlen.
Nach wenigen Tagen bezahlt das Bauunternehmen die Rechnungen für den neuen Kran, zwei große Muldenkipper und ein Großgerüst, und räumt damit das Guthaben auf dem Girokonto bis auf den letzten Euro ab. Das war so geplant und regt niemanden auf.


Dummerweise muss der Kämmerer der Kreisstadt, für die das Bauunternehmen Pienats das neue Rathaus gebaut hat, kurz darauf öffentlich zugeben, dass er die Schlussrechnung für den Prachtbau ebensowenig bezahlen kann, wie die drei vorangegangenen Abschlagsrechnungen, die noch offen sind. Die Stadt ist schlicht pleite. Das Land stellt zwar in Aussicht, die Gemeindefinanzen zu sanieren, aber von der bloßen Aussicht auf Landesgelder kann der Bauunternehmer Pienats die fälligen Sozialversicherungsbeiträge, die er vom Lohn seiner Mitarbeiter einbehalten hat, nicht überweisen.

Aus Erfahrung klug geworden, stellt die AOK unverzüglich den Antrag, das Insolvenzverfahren über das Vermögen des Bauunternehmens Pienat zu eröffnen.


Das regt eine Bank normalerweise immer noch nicht auf, weil sie sich ihre Kredite absichert, zum Beispiel durch Grundpfandrechte, aber als es zum Schwur kommt, stellen sich die Pienats Grundstücke als hoffnungslos überbewertet, also wertlos, heraus. Die Bank muss den Kredit in voller Höhe ausbuchen.

Welch ein Verlust!

Welcher Verlust?

Beginnen wir wieder beim Wirken des Bankcomputers: Der hat, als Pienats die Rechnungen für den Kran und die Muldenkipper und das Gerüst bezahlt hat, nicht nur das Girokonto des Bauunternehmens auf Null gestellt, er hat - weil alle Zahlungsempfänger ihre Konten bei anderen Kreditinstituten hatten - gleichzeitig auch 7 Millionen Euro vom eigenen Zentralbankkonto auf die Zentralbankkonten anderer Kreditinstitute überwiesen. Im Guthaben bei der Zentralbank ist gleichzeitig die von der Bank hinterlegte Mindestreserve enthalten. Die Höhe der Mindestreserve muss mindestens zwei Prozent der bei der Bank geführten kurzfristigen Gelder ausmachen. Weil sich das Zentralbankguthaben täglich durch die Verfügungen der Bankkunden verändert, ist zwischen dem Mindestreservebedarf und dem tatsächlichen Guthaben bei der Zentralbank eine Schwankungsreserve unverzichtbar. Die jetzt abgebuchten sieben Millionen fallen dabei kaum auf; werden jedoch vom unbestechlichen Computersystem erkannt, das dafür sorgt, dass die Schwankungsreserve aus den Reserven der Bank wieder aufgefüllt wird.
Die Bank muss also im Extremfall aus den bei ihr gebunkerten, nicht verliehenen Einlagen, maximal sieben Millionen auf ihr Konto bei der Bundesbank überweisen. Deswegen wird sie noch lange nicht daran denken müssen, sich von Aktien, Optionsscheinen und festverzinslichen Wertpapieren zu trennen. In der Regel genügt es, dieses Geld aus dem Topf zu nehmen, der für kurzfristige Geldverleihspielchen zwischen den Banken vorgesehen ist. Der daraus entstehende Zinsverlust ist relativ gering und liegt im konkreten Fall vielleicht bei drei Prozent, also 210.000 Euro jährlich.


Das alles ist allerdings schon geschehen, bevor der Kredit geplatzt war!

Die Auswirkung zeigt sich erst, wenn zum ersten Fälligkeitstermin die Zinszahlung nicht eingeht und wenn zum Ende der Kreditlaufzeit die Rückzahlung der Darlehenssumme ausbleibt. Doch lange vorher kommen der Bank einige Umstände höchst hilfreich zugute. Zunächst einmal trifft es sich gut, dass das Geschäftsjahr der Bank bald zu Ende geht. Der geplatzte Kredit, der als Forderung in der Aktiva der Bilanz steht, wird durch eine Abschreibungsbuchung "getilgt", welche in der Gewinn- und Verlustrechung als Teil der Gesamtkosten der Bank wieder auftaucht und dort das gleiche bewirkt, was auch die Vorstandsgehälter und die Telefonrechnung bewirken.

Die Abschreibung mindert den Gewinn und das wiederum mindert die Steuerlast. Nach Steuern ist der Netto-Verlust der Bank von 7 Millionen auf nur noch 3,5 Millionen eingedampft. Der Fiskus ist nämlich der völlig korrekten Auffassung, dass es sich bei einem geplatzten Kredit um Kosten des Geschäftsbetriebes handelt. De facto hat das zur Folge, dass Staat und Steuerzahler rund die Hälfte dieser Kosten übernehmen. Diese Kostenübernahme, gelegentlich auch Steuerersparnis genannt, findet bei einer ordentlichen Bank ihren Weg in die Rücklagen.
Weil auch faktisch rund 3,5 Millionen Euro weniger an das Finanzamt überwiesen werden müssen, ist auf dem Zentralbankkonto jetzt sogar mehr Geld (!) vorhanden, als bei fortbestehendem Kredit. Außerdem macht die Bank auch nicht erst seit gestern Bankgeschäfte.

Daher hat sie die unvermeidlichen Kosten aus geplatzten Krediten längst in ihren Gebühren und Zinsen berücksichtigt. Die Bankkunden zahlen in den Preisen der Bank laufend einen Beitrag zur Absicherung der Bank vor Kreditausfällen. Damit ist das Problem vollständig auf Bankkunden und Fiskus abgewälzt.


Es gibt unter dem Strich weder einen Verlust, noch einen entgangenen Zinsgewinn.

Der Fall Pienats ist nichts anderes als das konkrete Eintreten eines bekannten und kalkulatorisch berücksichtigten Risikos. Nur zur Veranschaulichung: Ein Schneider muss aus jedem Stoffballen hunderte von Flicken als "Verschnitt" verwerfen, ein Schreiner erzeugt verdammt viele Hobel- und Sägespäne, bis das Brett übrig bleibt, das er tatsächlich braucht. Die Kosten für den Verschnitt rechnet der Schneider in den Preis des Anzugs, der Schreiner in den Preis des Schrankes und der Banker in den Preis des Geldes, also in Zinsen und Gebühren ein.

Die bisherige Fragestellung zielte darauf ab, herauszufinden, ob der Bank möglicherweise durch den Abfluss - bzw. durch den ausbleibenden Zufluss - von Mitteln vom Zentralbankkonto Zinsverluste entstehen. Das ist wegen der hilfreichen Steuersystematik so lange nicht der Fall, wie die Bank in der glücklichen Lage ist, Gewinne versteuern zu müssen. Es zeigt sich zudem, dass auch das völlige Ausbleiben der Tilgung im Zusammenwirken von Steuerersparnis und kalkulatorischer Risikovorsorge das eigentliche Hauptproblem des geplatzten Kredits, nämlich die Wiederbeschaffung des "verlorenen" Geldes auf einfachste Weise gegenstandslos gemacht hat.


Daher kann das Depot des Herrn Raffke nach der zehnjährigen Festschreibungsfrist ganz regulär aufgelöst werden. Sein Anspruch auf weitere Zinszahlung erlischt. Dafür schreibt ihm der Bankencomputer eine hübsche Zahl auf sein Girokonto. Das war genau so und nicht anders geplant. Der geplatzte Kredit des Bauunternehmers Pienats ändert daran gar nichts.


Es ändert sich auch sonst nichts. Die Schulden der Bank bei Herrn Raffke bleiben durch die Umbuchung vom Depot auf das Girokonto unverändert. Nur die Qualität ändert sich. Aus langfristigem Geldvermögen ist wieder kurzfristig abrufbares Geld geworden, völlig unabhängig vom Schicksal des Investitionskredites des Bauunternehmers Pienats - und dafür muss jetzt die Mindestreserve wieder entsprechend dotiert werden.

Ein wirkliches Problem entstünde lediglich, wenn nicht nur Herr Raffke, sondern viele andere Bankkunden gleichzeitig aus langfristigen in kurzfristige Anlagen wechseln und dann so rücksichtslos über ihr Geld verfügen, dass es in großer Menge von dieser Bank abfließt.
Aber auch dieses Problem hat mit dem geplatzten Kredit des Bauunternehmers Pienats nach den bankbetriebswirtschaftlichen Regeln nichts zu tun. Allenfalls könnte man daraus ein Beispiel für die Folgen chaostheoretischer Instabilitäten im Geldsystem stricken, aber ein konkreter, kausaler Zusammenhang kann daraus niemals werden.

Eine praktische Bedeutung hat der Kreditausfall also wirklich nur dadurch, dass schlimmstenfalls ein Teil der freien Reserven der Bank verwendet werden muss, um die bei der Bundesbank gehaltene Reserve aufzustocken, bis der Fehlbetrag aus der eintretenden Steuerminderung und den in Zinsen und Gebühren enthaltenen, kalkulatorischen Kosten wieder gedeckt ist.

Das verlorene Kapital ist also seltsamerweise nicht das eigentliche Problem.

Wie sieht es mit den Zinsen auf die Einlage aus?
Wer sorgt dafür, dass Pfandbrief-Raffke jährlich seine 525.000 Euro bekommen kann?
Das ist eine sehr gute Frage, mit der wir endlich an den Kern der letzten Feinheit kommen:

Die Zinsen sind nämlich erst recht kein Problem.

Was ist denn geplatzt? Der Kredit, oder die Einlage?

Na also: Der Kredit ist geplatzt!

Die Einlage ist doch deswegen noch da! Der Kredit ist ausgebucht. Das ist ganz genau so, als wäre er getilgt worden. Niemand hindert die Bank daran, auf Basis der vorhandenen Einlagen Kredite auszureichen. Zumindest solange nicht, wie die Mindestreserve ausreichend bestückt werden kann. Der geplatzte Kredit mindert also lediglich die theoretisch mögliche, maximale Geldschöpfungsfähigkeit der Geschäftsbank, weil sich im Hintergrund ihr Guthaben bei der Bundesbank reduziert, was aber normalerweise (auch bei Krediten mit laufender Tilgung) durch kalkulatorische Vorsorge und Steuerersparnis relativ schnell kompensiert wird und - falls das im Ausnahmefall einmal nicht ausreichen sollte - immer noch durch den Einsatz von Reserven aus freien Einlagen problemlos aufgefüllt werden kann.

Üblicherweise werden die Einlagen von einem notleidenden Kredit aber in keiner Weise tangiert. Sie bleiben vollständig als Kreditbasis erhalten. In aller Regel folgt der Ausbuchung eines Kredits die Ausreichung neuer Kredite auf der unveränderten Basis der Einlagen. Die Zinsen für Herrn Raffke sind also sicher, ebenso sicher, wie seine Einlage.

Bei vernünftiger Kalkulation und Risikofürsorge unterscheidet sich die Wirkung eines geplatzten Kredits in nichts von der Wirkung der planmäßigen Tilgung eines Kredits.

In beiden Fällen entsteht lediglich die Notwendigkeit, neue Kredite auszureichen, um die Verzinsung der Einlagen sicherzustellen. That's all.

Nur wenn das Volumen notleidender oder geplatzter Kredite bei einem Institut insgesamt eine Größenordnung erreicht, die über das vom Risikomanagement geplante Maß hinausgeht und eine weitere Kreditgewährung unter Berücksichtigung der Mindestreserve unmöglich macht, mindert jeder weitere geplatzte Kredit den Gewinn der Bank weit mehr, als nur marginal.


Wo ist also das eigentliche Problem?

Das eigentliche Problem entsteht in einem ganz anderen Zusammenhang. Durch einen Kredit ist Geld entstanden, das mit Tilgungs- und Verzinsungszwang ausgestattet ist. Um die umlaufende Geldmenge zu erhalten, ist es erforderlich, jede Tilgungsleistung und jede Zinszahlung durch neue Kredite zu finanzieren. Geld löst sich durch Tilgung in Nichts auf. Zinsen, die wieder angelegt werden, erhöhen das Geldvermögen, nicht aber die umlaufende Geldmenge.

Der intakte Kredit sichert also die Aufrechterhaltung der Verschuldung und lässt den Anspruch der Gläubiger auf Zinszahlung niemals erlöschen.

Ist eine Bank jedoch gezwungen, einen Kredit auszubuchen, wird das damit geschaffene Geld frei. Der Kreislauf der Neuverschuldung ist unterbrochen. Das so "befreite" Geld ist in der Lage, andere Kredite endgültig zu tilgen. Es hat die gleiche Fähigkeit, wie ein im Bachbett gefundenes Goldnugget zu Zeiten der Golddeckung der Währungen. Man kann damit eine Schuld bezahlen, ohne gleichzeitig eine neue Schuld in die Welt setzen zu müssen. Damit entfallen jedoch auch alle darauf ruhenden Zinsansprüche von heute an, bis in alle Ewigkeit!

Das ist das Problem!


Das vollkommen gleiche Problem schafft übrigens auch der Hersteller von Falschgeld. Mit der Million, die er sich im Keller druckt, schafft er zwar primär für sich illegale Kaufkraft im Wert von einer Million. Sein eigentliches Verbrechen besteht aber darin, dass durch die Erzeugung dieser Million, Zins- und Zinseszinsforderungen auf eine Million für alle Zeiten entfallen, weil sein Falschgeld, ohne selbst aus einem zinsfordernden Kredit entstanden zu sein, dennoch in der Lage ist, Schulden in Höhe von einer Million endgültig zu tilgen. Der Fälscher vernichtet also einen Teil der Fähigkeit des Geldvermögens, sich durch Zinsen zu vermehren. Er stört das Privileg des steten Geldzuwachses, dass sich die Gläubiger, ohne Angst vor Strafe und ohne dafür im Keller mit Druckplatten hantieren zu müssen, alleine durch Geldbesitz verschaffen.

Das ist völlig normal, völlig legal und das Grundprinzip eines Systems, das man als braver Untertan besser nicht in Zweifel ziehen sollte.

 

 Warnung:Selbständiges Weiterdenken kann Ihr bisheriges Weltbild restlos zerstören.

 

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