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Der Fluss des Geldes

Grundlagenwissen zum besseren Verständnis des Geldes und der vom Geldsystem hervorgerufenen Probleme

Teil 1
Das Wesen des Geldes

Verfasser: Egon W. Kreutzer, Stand 12. Februar 2003

 Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band III
Das Buch über das Geld
erscheint Mitte Juni 2005
Bis 31. Mai 2005 zum Subskriptionspres von 19,00 Euro
Informationen und Bestellmöglichkeit hier.

Das Wissen der meisten Menschen über das Geld ist gerade einmal ausreichend, um im alltäglichen Gebrauch ohne größere Havarie mit dem eigenen Geld über die Runden zu kommen. Dabei ist die folgende Vorstellung wohl am weitesten verbreitet:

"Geld ist einfach da. Wenn es nicht in der Ladenkasse, im Geldbeutel oder unter dem Kopfkissen deponiert ist, liegt es im Tresor der Bank. Dort bleibt es liegen, bis es vom Kontoinhaber wieder abgehoben wird oder bis es die Bank an einen Kreditnehmer verleiht. Geld vermehrt sich durch Zinsen. Der Kontoauszug informiert darüber, ob der Geldautomat vor dem nächsten Ersten noch ein paar Scheine ausspucken wird, oder ob die Gefahr besteht, dass die Karte einbehalten wird."

Trotz jahrzehntelanger Gewöhnung an das Girokonto und trotz des umfassenden Systems des bargeldlosen Zahlungsverkehrs wird immer noch angenommen, die Kontoführung der Banken gäbe Auskunft darüber, wie sich der Berg von Münzen und Scheinen, die der Staat irgendwann einmal zur Geldversorgung der Wirtschaft herstellen ließ und der jetzt überwiegend in den Tresoren der Banken liegt, aktuell auf die einzelnen Kontoinhaber verteilt.

Dabei ist es tatsächlich so, dass der allergrößte Teil des modernen Geldes keinerlei körperliche, materielle Existenz hat und völlig unabhängig von Banknoten und Münzen als nackte Information existiert. Doch diese Tatsache, dass nämlich der Großteil des Geldes keine andere Substanz und keine andere Basis hat, als die von der Bank in den Konten notierten Ziffern, ist kaum zu vermitteln. Ganz hartnäckig hält sich die Vorstellung, die Kontenführung der Banken sei eine Art "Inhaltsverzeichnis" für den Tresor, weil es eine Zahl auf dem Konto doch nur geben könne, wenn es irgendwo auch das dazugehörige "richtige Geld" gibt.

Dazu eine nüchterne und aktuelle Information:

Von der immer noch bestehenden Deutschen Bundesbank wird monatlich eine Statistik veröffentlich, die den "Deutschen Beitrag zur konsolidierten Bilanz der monetären Finanzinstitute (MFIs) im Euro Währungsgebiet" nachweist. Zum Schluss des Jahres 2002 war dort folgendes Verhältnis zwischen dem in Deutschland vorhandenen Bargeld (Banknoten, Münzen) und dem deutschen Beitrag zur Geldmenge M3 angegeben:

 Bargeldumlauf in Deutschland

 89,4 Milliarden Euro

 Deutscher Beitrag zur Geldmenge M3

 1.545,2 Milliarden Euro

Das entspricht einem Verhältnis von ungefähr 1:17 und bedeutet im Klartext: Auf jeden Euro, der in Form von Bargeld im Umlauf ist, kommen weitere 16 Euro, die nur und ausschließlich auf dem Papier stehen. (Auf dem Papier, aus dem die Kontoauszüge der Banken sind.)

Kein vernünftiger Mensch, der diese - immerhin von der Deutschen Bundesbank veröffentlichten - Zahlen kennt, wird noch bestreiten wollen, daß nur ein kleiner Teil des modernen Geldes in Form von Scheinen (Noten) und Münzen körperlich existiert. Der Rest des Geldes ist nichts als Information über Guthaben und Schulden auf den Konten. Von da aus ist es nur ein kleiner gedanklicher Schritt bis zu dem Schluss, dass Scheine und Münzen völlig überflüssig sein werden, sobald sich der elektronische Zahlungsverkehr und insbesondere die Chipkartentechnik endgültig durchgesetzt haben wird. Das heißt aber auch, dass man die Scheine und Münzen dann, sobald ihr Gegenwert einem Konto gutgeschrieben ist, einfach vernichten könnte, ohne dass damit wirklich "Geld" verloren ginge.

Daraus folgt dann im letzten Schluss, dass auch der Schein als solcher und die Münze an sich im Grunde "wertlose" Gegenstände sind, die für uns nur deshalb einen Wert repräsentieren, weil sie die Ikonen sind, an denen sich unser Glaube an das Geld festhalten kann. Dieser Glaube beschränkt sich auf die Annahme, dass jedermann innerhalb eines Währungsgebietes bereit sein wird, eine ziemlich präzise vorhersehbare Menge an Gütern und Leistungen aus seinem Angebot gegen einen bestimmte Summe Geldes abzugeben. Der aufgedruckte Wert eines Geldscheines ist folglich - genau wie die Zahlen auf dem Konto - nichts anders, als eine zuverlässige Information über die Geldmenge, die dem Besitzer von Geldschein bzw. Konto als Tauschmittel zur Verfügung steht.

Geld erleichtert den Handel, es ermöglicht ihn zum großen Teil überhaupt erst. Also ist Geld für jeden, der Handel treiben will, für Käufer und Verkäufer, für Produzenten und Konsumenten ein sehr wichtiges Instrument, das seinen Wert verlöre, könnte man es einfach an der nächsten Straßenecke finden, aufheben und einstecken. Es muss also selten und knapp und schwer zu beschaffen sein. Vor langer Zeit, als Geld noch aus Edelmetallen hergestellt wurde, war der Wert des Geldes einfach durch den Wert des seltenen, knappen und schwer zu beschaffenden Edelmetalles repräsentiert. Das galt auch noch, als die Währungen durch Gold gedeckt waren, als man also von der Notenbank verlangen konnte, ihre Banknoten in Gold einzutauschen.

Heute, in einer Zeit, in der das Geld völlig losgelöst von jedem materiellen Wert existiert, entsteht die Knappheit daraus, dass Geld nur demjenigen zur Verfügung gestellt wird, der glaubhaft versichern kann, dass er in der Lage sein wird, das Geld nach dem Gebrauch zurückzugeben und für die Dauer des Gebrauches eine Leihgebühr zu entrichten, den Zins. Doch erst wenn der Bank ausreichende Sicherheiten geboten werden, aus denen sie sich bedienen kann, falls die Rückzahlung doch nicht gelingt, steht der "Herstellung" des benötigten Geldes nichts mehr im Wege.

Geld ist also nicht einfach da.

Geld wird erst bei Bedarf und nachgewiesener Bonität zur Verfügung gestellt. Diese Aufgabe nehmen die Geschäftsbanken wahr. Die Idee dahinter ist einfach: Die Bank erklärt - durch Buchung auf dem Konto - dass ein Kunde berechtigt sei, eine gewisse Menge Geldes zu benutzen. Sie schreibt diesen Betrag dem Girokonto des Kunden gut und belastet damit das Kreditkonto des Kunden. Doch damit ist das Geld noch nicht entstanden. Kunde und Bank könnten sich jederzeit darauf einigen, die Buchungen rückgängig zu machen. Alles wäre wie vorher - die Kreditgewährung selbst ist also nur eine - wenn auch unumgängliche - Vorstufe zum Geld.

Erst in dem Augenblick, in dem der Kunde aus dem Kreditbetrag der seinem Girokonto gutgeschrieben ist, eine Überweisung vornimmt, bzw. dann, wenn ein von ihm ausgestellter Scheck eingelöst wird, ist tatsächlich Geld entstanden und auch wenn er sich an der Kasse Bargeld abholt, also die Information auf dem Konto gegen die Information in seiner Brieftasche austauscht, ist der Prozess der Geldschöpfung abgeschlossen. Erst wenn sich das Guthaben vom Kredit getrennt hat, wenn es also bei einem Dritten angekommen ist, der von der Tilgungsverpflichtung aus dem ursprünglichen Kreditvertrag nicht betroffen ist, oder wenn es in Bargeld ausbezahlt wurde, ist Geld entstanden.

Dieses Geld beginnt dann seinen Weg durch die Wirtschaft, - vergleichbar dem Wasser, das von der Quelle zum Meer strömt - und bewegt sich mehr oder weniger schnell, dem Sog der Tilgungsverpflichtung folgend, von Konto zu Konto und kann dabei - je nachdem, welchen Weg es nimmt - großen Schaden anrichten oder großen Nutzen stiften. Es verhält sich genauso wie das Quellwasser, das auf einem guten Weg zum Meer hunderte von Mühlrädern und Generatoren antreiben kann, das zum erfrischenden Bade einlädt, das schwer beladene Schiffe trägt und den Fischen einen Lebensraum bietet, das aber unter unglücklichen Umständen auch als reißender Sturzbach, als Flutkatastrophe oder als zerstörerisches Treibeis daherkommen kann.

Der Weg des Geldes durch die Welt endet, sobald es benutzt wird, um einen Kredit zurückzuzahlen. Es hat dann seinen Zweck erfüllt und ist restlos verschwunden, auch, und das ist die Regel, wenn der Kredit, der damit getilgt wird, ein ganz anderer ist, als der, aus dem es ursprünglich entstand.

Die Sache hat nur einen Haken. Das Geschäft des Kunden mit der Bank ist erst dann wirklich abgeschlossen, wenn nicht nur der geliehene Betrag getilgt ist, sondern wenn auch die vereinbarten Zinsen gezahlt wurden. Das ist tatsächlich ein äußerst gefährlicher Haken, der schon so manchen Fisch ganz unverhofft aus seinem Element gerissen hat. Denn

das Geld, das benötigt wird, um die Zinsen darzustellen, wird im ursprünglichen Kreditvertrag nicht geschaffen.


Es existiert nicht, die Zinsen können gar nicht bezahlt werden, es sei denn ...

Es sei denn, Geld, das aus einem anderen Kredit entstanden ist, wird für die Zinszahlung eingesetzt. Das erschwert natürlich die Rückführung dieses anderen Kredites gleich doppelt und an eine vollständige Tilgung und Zinszahlung ist gar nicht zu denken, wenn es nicht gelingt, über weitere Kredite so viel Geld zu schaffen, dass immer neue Zinsen aus immer neuen Krediten bedient werden können.

Geld kann also nur existieren, weil eine stille Übereinkunft existiert, daran zu glauben, dass in der Zukunft mehr Geld vorhanden sein wird, als in der Gegenwart, dass also die Schulden im Währungsgebiet mindestens in dem Maße wachsen, wie es die Zinsverpflichtungen erfordern.

Es gibt aus diesem System keinen Ausweg. Um es am Leben zu erhalten, erfordert es ein ständiges Wachstum der Verschuldung, denn auch das Bargeld, die schönen bunten Banknoten, die im Auftrag der Zentralbanken von hochspezialisierten Druckereien möglichst fälschungssicher hergestellt werden, sind zunächst kein Geld, sondern nur besondere Formulare. Formulare die erst dadurch zu Geld werden, dass eine Geschäftsbank sich in entsprechender Höhe bei der Zentralbank verschuldet und sich den Darlehensbetrag zur Auffüllung der eigenen Kassenbestände als Bargeld auszahlen lässt. Bargeld ist also tatsächlich nichts als eine besondere Erscheinungsform des Giralgeldes. Eine Erscheinungsform, mit deren Hilfe es dem Giralgeld gelingt, sich von der Bindung an das Bankkonto zu lösen und über eine gewisse Zeit eigene und völlig unkontrollierbare Wege zu gehen.

Sobald das Bargeld allerdings wieder am Schalter einer Bank einbezahlt wird, steht es in höchster Gefahr, wieder zum wertlosen Formular zu werden und wenn der Bargeldbestand einer Bank die geplante Bandbreite überschreitet, werden die schönen bunten Scheine tatsächlich an die Zentralbank zurückgegeben, wo sie im Keller verschwinden und dort solange das Dasein wertloser Formulare fristen, bis sie erneut verliehen werden.

 

Halten wir fest:

Geld entsteht dadurch, dass ein Kredit gewährt und in Anspruch genommen wird. Geld verschwindet vollständig, wenn es zur Tilgung eines Kredites verwendet wird. Übrig bleibt die Zinsforderung, die nur durch einen weiteren, zusätzlichen Kredit befriedigt werden kann.
(und hier gibt's das alles haarklein zum schrittweisen Nachvollzug)

 

So viel zum modernen Geld in seiner Funktion als Tauschmittel. Wir kennen und schätzen das Geld aber doch auch als Wert an sich. Wir legen Geld an, wir haben Geld auf dem Konto, wir haben ein Wertpapierdepot, festverzinsliche Schuldverschreibungen und Aktien. Wir haben Lebensversicherungen und Bausparverträge. Alles unser Geld, oder?

Diese Funktion des Geldes, die es ihm erlaubt, nicht nur Tauschmittel, sondern auch Wertaufbewahrungsmittel zu sein, zwingt uns zu einer neuen Unterscheidung. Wir müssen zwischen wirklichem Geld und Geld-Vermögen differenzieren. Als Geld können wir nämlich guten Gewissens nur das Bargeld und die sofort verfügbaren Guthaben auf dem Girokonto bezeichnen. Die Finanztechniker sind etwas großzügiger und nehmen in die Definition der Geldmenge M3 auch Sparguthaben mit kurzen Kündigungsfristen und sonstige kurzfristigen Einlagen auf, wobei sich diese Definition immer wieder ändert. Zur Zeit liegt die endgültige Grenzlinie zwischen Geld und Geldvermögen ungefähr da, wo die Festlegungsfristen größer als zwei Jahre werden.

Als Geldvermögen bezeichnen wir also alle Guthaben und Forderungen auf Geld, bei denen durch die langfristige Anlage ein langfristiger Verzicht auf die eigene Nutzung des Geldes dokumentiert ist. Geldvermögen bringen in aller Regel Zinserträge. Zum Geldvermögen zählen festverzinsliche Wertpapiere ebenso, wie langfristige Spareinlagen. Auch die Rückkaufswerte der Lebensversicherungen und die angesparten Summen im Bausparvertrag sind Geldvermögen. Aktien, als Anteile an Unternehmen, begründen keine Forderung auf einen Geldbetrag und zählen daher nicht zum Geldvermögen, sondern zu den Sachwerten, auch wenn dieser feine Unterschied von vielen Statistikern nicht mehr beachtet wird.

Zur Problematik der Funktion des Geldes als Wertaufbewahrungsmittel ist grundsätzlich zu sagen:

Je munterer das Geld von Hand zu Hand, von Konto zu Konto fließt, je mehr Tauschvorgänge also zwischen dem Entstehen des Geldes und seinem Verschwinden im Zuge einer Tilgung damit vollzogen werden können, desto geringer ist die direkte Zinsbelastung der einzelnen Transaktionen, die vom Geld ermöglicht werden.


Geld, das als Bargeld unbewegt im Safe liegt,
ist dem Währungsgebiet als Tauschmittel entzogen. Damit entsteht die Notwendigkeit, zusätzliche Kredite auszureichen, um den Geldbedarf zu befriedigen. Da die Kreditschöpfung der Banken durch das Instrument der Mindestreserve (ausgedrückt im Verhältnis von kurzfristigen Einlagen zur maximalen Kreditschöpfung) begrenzt ist, wird der wachsende Kreditbedarf zunächst zu einem Anstieg der Zinsen führen. Wenn das Bargeld dann in eine langfristige Anlage umgewandelt wird, die es der Bank erlaubt, ihre Kreditschöpfung zu erweitern, trägt es - dank der vorherigen Hortung - höhere Zinsen.

Geld, das als Guthaben auf dem Girokonto liegt, ist mindestreservepflichtig, hat also ebenfalls eine verknappende Wirkung, die zur Notwendigkeit zusätzlicher Kredite führt.

Geld, das in langfristigen Anlagen steckt, das also als "Geldvermögen" in der Verfügungsgewalt der Banken liegt, ist potenzielle Geldschöpfungskraft für einen vielfachen Betrag. Diese Geldschöpfungskraft wird von den Banken aber nur in dem Maße eingesetzt, wie es ihre aktuelle Strategie der Gewinnerzielung erfordert. Ob der gewünschte, absolute Zinsertrag aus hohen Ausleihungssummen (gute Geldversorgung der Wirtschaft) zu niedrigen Zinsen, oder aus niedrigen Ausleihungssummen zu hohen Zinsen (Geldverknappung) entsteht, ist nur insoweit von Bedeutung, als sich dadurch Verwaltungskosten und Kreditausfall-Risiko verändern. Wenn es z.B. gelingt, in der Verfolgung einer langfristigen Strategie zuerst viele Kredite auszureichen (die Fische anzufüttern) und dann das Geld zu verknappen (die Fische am Haken zappeln zu lassen), lässt sich aus den Tilgungs- und Zinsnöten, denen die Geldbenutzer unterliegen, der preiswerte Zugriff auf die gestellten Sicherheiten verwirklichen. Damit lassen sich sehr schöne Zusatzrenditen - oft auch direkt in den Händen von mit der Abwicklung betrauten Insidern - generieren.

Der Mindestreservesatz in Euro-Land liegt zurzeit bei 2 % der kurzfristigen Einlagen.
Das Bankensystem insgesamt - nicht die einzelne Bank - ist also theoretisch in der Lage, aus jeder Milliarde langfristiger5 Einlagen bis zu 50 Milliarden Euro Kredit zu generieren. Das daraus geschöpfte Geld taucht dann zunächst als mindestreservepflichtiges Guthaben auf den Girokonten auf. Es wäre aber naiv, jener Argumentation zu folgen, die darin nicht auch den Vorteil und das Geldschöpfungsvermögen jedes einzelnen Institutes sieht. Wenn das Bankensystem insgesamt größere Geldmengen herstellt, dann muss sich diese Geldschöpfung vollständig auf die einzelnen Institute verteilen, denn das "Bankwesen an sich" ist nur eine abstrakte Größe. Die Aktivitäten gehen von den einzelnen Instituten aus.

Es ist also nicht falsch, zu erklären, dass jede Bank aus einer einmaligen Einlage über die fortlaufende Kaskadierung von Kreditgewährung und neuerlicher Einlage, bei einer 2%igen Mindestreservepflicht am Ende bis zum 50-fachen der ursprünglichen Einlage als zinsbringende Geldmenge in den Markt bringen kann.

Die Tatsache, dass jede aus einem ausgereichten Kredit entstehende Gutschrift auf einem Konto neuerlich zur langfristigen Einlage werden kann und dann wiederum zu einer Kreditvergabe berechtigt, bedeutet also auch, dass bei einem durchschnittlichen Zinssatz von 7,5% für die ausgereichten Darlehen und bei einem durchschnittlichen Zinsatz von 5,5% für die Einlagen nicht etwa nur 2% bei der Bank hängen bleiben, sondern, dass im Extremfall aus der Erst-Einlage ein Zinsvolumen von bis zu 50 x 2% gewonnen werden kann.

Da lohnt es sich doch, möglichst viele Einlagen zu sammeln, also das Geld aus der Wirtschaft herauszuziehen und dieses zu Geldvermögen geronnene Geld durch zusätzliche, eigentlich überflüssige, nur zusätzlichen Zinsertrag schaffende Kredite zu substituieren!

Der Witz dabei ist, dass umso mehr Zinsen fließen, je öfter und schneller es gelingt, einen frisch ausgereichten Kredit in Geldvermögen zu verwandeln. Geldvermögen steht für die Tilgung nicht zur Verfügung, daher ergibt sich mit jedem Sparvorgang automatisch die Notwendigkeit einer neuen Kreditaufnahme.

 

Halten wir fest:

Geld, das als Geld gehortet oder in Geldvermögen umgewandelt wird, erfordert zur Aufrechterhaltung der Wirtschaftskreisläufe eine zusätzliche Aufblähung der Verschuldung, die wiederum zu zusätzlichen Zinserträgen führt. Daher wird die Geldhortung und die Umwandlung von Geld in Geldvermögen von den Banken, die daran verdienen, nach Kräften unterstützt. Die Transaktionen der Wirtschaft werden also in hohem Maße durch die Kosten des Geldes belastet.

Dies hat Folgen für alle Angehörigen des Wirtschaftsgebietes. Weil die zur Aufrechterhaltung von Produktion und Handel erforderliche Verschuldung ständig steigt, steigt auch die Belastung der Lebenshaltung aller Haushalte durch die Zinslast des Gesamtsystems stetig an.

Bleiben wir in Deutschland:

Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes besagen, dass die Ausleihungen der deutschen Banken, Bausparkassen und Versicherungen derzeit die Summe von rund 3 Billionen Euro erreicht haben. Dazu kommen in Umlauf befindliche, festverzinsliche Wertpapiere der öffentlichen Hände und der Industrie in Höhe von ca. 1 Billion Euro. Auslandsschulden, insbesondere auch aus steuerlichen Gründen im Ausland aufgenommene Darlehen, sowie privaten Ausleihungen und die Darlehen aus dem grauen Kapitalmarkt dürften vorsichtig geschätzt eine weitere Milliarde Euro umfassen.
Die daraus insgesamt entstehende Zinslast, bereinigt um die Kosten der Banken, dürfte bei mindestens 400 Milliarden Euro p.a. liegen. Weitere "Zinsen", nämlich der Pacht- und Mietzins,, bereinigt um die Zinslasten der Finanzierung können mit ca. 300 Milliarden Euro angenommen werden.

Diese immensen Zinsen belasten - vermutlich relativ gleichmäßig - jeden Konsum und jede Investition. Weil die Verschuldung mit derzeit jährlich etwa fünf Prozent deutlich schneller wächst, als die volkswirtschaftliche Leistung, ist eine ständige Ausweitung der über das Sozialprodukt zu erwirtschaftenden Zinslast unauweichlich.

Das System des modernen Geldes führt zwangsläufig dazu, dass seine Kosten ständig wachsen, völlig unabhängig von der Anzahl und dem Ausmaß der mit Hilfe des Geldes tatsächlich ausgeführten Transaktionen.

Das liegt daran, dass aus Zins und Zinseszins eine unauflösliche "Sockelverschuldung" entsteht, eine Verbindlichkeit die niemals abgetragen werden kann, weil sie, trotz aller Tilgungen mit jedem Geldbedarf weiter wächst.

Daraus ergibt sich die unglaubliche Tatsache, dass die meisten Bürger, auch diejenigen, die selbst nicht verschuldet sind, sondern sogar über eigene Guthaben verfügen, über die in den Preisen und in Steuern und Abgaben enthaltenen Zinslasten zu den Netto-Zinszahlern der Volkswirtschaft gehören.

Erst wenn das Geldvermögen des einzelnen privaten Haushalts nach Abzug eventuell vorhandener Schulden eine Größenordnung von etwa 200.000 Euro erreicht und durchschnittliche Zinsen abwirft, kann bei sparsamer Haushaltsführung erwartet werden, dass sich Zinserträge und versteckte Zinszahlungen aufheben. Die eigentlichen Nutznießer des Geldsystems, die Netto-Zins-Empfänger finden wir erst unter den Besitzern von Geldvermögen deutlich über 200.000 Euro und diese Grenze verschiebt sich stetig weiter nach oben.

 

Diese Entwicklung ist das Kernproblem unserer Volkswirtschaft.

Der nicht aufhaltbare Prozess des Schuldenwachstums ruiniert Unternehmen und Volkswirtschaften, wenn es nicht immer wieder aufs Neue gelingt, die zur Tilgung und Zinszahlung erforderlichen Geldmengen durch neue Kredite zu generieren. Neue Kredite werden aber nur ausgereicht, wenn erfolgversprechende Geschäftsideen, Umsätze, Gewinne und Wachstum prognostiziert werden. Nur aus diesem Grunde ist es erforderlich, jedes Jahr neues Wirtschaftswachstum zu erzeugen, ist es unmöglich, auf dem Höchststand einer prosperierenden Wirtschaft zu verharren. Fehlt es am Wachstum müssen zu Gunsten der Jahr für Jahr steigenden Zinsbelastung die übrigen Kosten gesenkt werden. Dies trifft zuerst und am härtesten die Mitarbeiter, weil es die Personalkosten sind, die immer noch am einfachsten begrenzt bzw. reduziert werden können.

Das Problem wird durch die Rückführung der Staatsverschuldung nicht gemindert sondern verschärft.

Es gelingt vielleicht, unter Inkaufnahme rezessiver Tendenzen, die Zinslast innerhalb des Staatshaushaltes zu reduzieren. Das führt aber direkt zu massiven Ausfällen bei der Geldversorgung. So war der Kurzschluß zwischen Geldschöpfung und Geldvernichtung bei der Vergabe der UMTS-Lizenzen, wo innerhalb weniger Tage etwa 100 Milliarden Euro geschöpft und durch Tilgung von Staatschulden wieder vernichtet wurden, die wesentliche Ursache dafür daß dem UMTS-Geschäft die Luft auszugehen droht. Die immense Anschubfinanzierung, die sich über einige Jahre als Kaufkraft im Markt hätte bewegen können, bevor sie sich in einem allmählichen Tilgungsprozess verabschiedet hätte, konnte sich aufgrund der Strategie des Finanzministers in keiner Weise entfalten, denn der Weiterentwicklung der neuen Technologie und ihrem flächendeckenden Einsatz standen die dafür erforderlichen Mittel im Wirtschaftskreislauf einfach nicht mehr zur Verfügung - hätte Eichel das Geld ausgegeben, um Investitionen und Konsum zu finanzieren, hätten wir die Sparziele zwar nicht erreicht, aber der deutschen Wirtschaft ginge es deutlich besser und die Zahl der Arbeitslosen wäre um einiges geringer.

Wenn große Schuldner massiv tilgen, müssen zwangsläufig andere in die Bresche springen und durch Kreditaufnahme die Geldversorgung bewerkstelligen. Die bedrohlich gewachsene Verschuldung der privaten Haushalte ist ein deutliches Indiz für die bereits eingetretene Wirkung.

Die jetzt beabsichtigte Lockerung der Maastricht-Kriterien, die wieder stärkere Neuverschuldung Deutschlands, Frankreichs, Portugals und damit der gesamten Euro-Zone wird zwar Verbesserungen in der Geldversorgung bringen, eventuell sogar Wachstum und Arbeitsplätze schaffen, aber das Grundproblem der erdrückend wachsenden Schuldenlast genausowenig lösen wie ein strikter Sparkurs mit forcierter Tilgung. Es ist das klassische Dilemma.

 

Solange sich alle Aktivitäten nach den Spielregeln dieses wahnwitzigen Systems richten, gibt es keine Rettung. Ein Ausweg muß außerhalb dieses Systems gefunden werden. Erst wenn das Denken über die Systemgrenzen hinaus erweitert wird, können die vom System aufgerichteten Blockaden überwunden werden und der Ausweg wird erkennbar.

Der gangbare und noch dazu kostenlose Ausweg bestünde darin, solange von außerhalb des Systems frisches Geld, zinsfrei und ohne Tilgungsverpflichung in den Markt zu schießen, bis die Wirtschaft wieder durchatmen kann, bis der unerträgliche Zinsdruck abgebaut und die Sockelverschuldung zurückgeführt ist. Es bieten sich viele sinnvolle Möglichkeiten, solches Geld als gezielte Subvention da einzusetzen, wo die Marktkräfte heute bei der Bedarfsdeckung versagen.

Eventuell befürchtete inflationäre Wirkungen dürften sich alleine schon deshalb in Grenzen halten, weil automatisch eine Zurückhaltung bei der Geldschöpfung im Bankensystem einsetzen würde. Alle denkbaren Gegenreaktionen und Kampfansagen des Kapitals können abgewehrt werden, denn:

Eine Gesellschaft, die es schafft, die Hoheit über ihr Geld zurückzugewinnen, ist mit Geld nicht auszuhebeln.

 

Allerdings ist nicht mehr viel Zeit. Die mit dem unvermeidlichen Zusammenbruch endende Entwicklung des Geldsystems folgt einer exponentiellen Kurve. Die Katastrophe kommt nicht erst in fünfzig oder hundert Jahren, sondern nach ziemlich seriösen Abschätzungen schon irgendwann zwischen 2010 und 2015.

Es ist Aufgabe der Politik, das Schlimmste zu verhüten.

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