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47 Fragen an Helmut Creutz, 47 Antworten von Helmut Creutz,
kritisch betrachtet und analysiert von Egon W. Kreutzer

 

Frage 8

Mit der achten Frage kommt Creutz nun auch von sich aus auf die Umlaufsicherung für Bestände auf Girokonten zu sprechen.

Die Frage, die er sich stellen lässt, lautet:

Sollen Girokontenguthaben und andere kurzfristig verfügbare Guthaben ebenfalls mit einer Umlaufsicherung versehen werden? Wenn ja, so müsste man die Hausbank zur Einziehung dieses Abschlags verpflichten, was sie nicht unentgeltlich tun wird. Der Girokonteninhaber würde also für die Ansammlung dort nochmals zur Ader gelassen. Wenn nein, so wird das Bargeld nach und nach komplett verschwinden und der Electronic-Cash sich mit allen anhängenden negativen Facetten etablieren.


Die Antwort Creutz's sieht so aus:

Die Frage der Belastung der Sichtguthaben ist umstritten, da man davon ausgehen kann, dass die Banken bei sinkenden Zinssätzen (und damit sinkenden Einnahmen!), die Gebühren für die aufwändige Sichtguthabenbetreuung sowieso erhöhen müssen. Persönlich bin ich der Auffassung, dass die Sichtguthaben, da als Zahlungsmittel benutzt, in die Umlaufsicherung einbezogen werden sollen, alle anderen Guthaben aber selbstverständlich nicht. Deren Zinssätze werden, sich an die Negativsätze von Bargeld und Sichtguthaben anpassend, automatisch absinken. Die heutige Zinstreppe zwischen kurz- und längerfristigen bleibt also erhalten, wenn auch auf einem niedrigeren Niveau.

Die Kosten für die Einziehung der Umlaufgebühr sind bei den Sichtguthaben unerheblich. Die Abbuchungen dafür können ebenso automatisch erfolgen wie heute bei den Kontenüberziehungen. Ob und in welchem Umfang sich die Bargeldmenge durch die Umlaufsicherung reduziert, hängt nicht zuletzt von der sich einspielenden oder festgesetzten Gebühren-Differenz zwischen Bargeld und Girokonten ab. Der Einsatz elektronischer Zahlungsformen spielt dabei weniger eine Rolle. Auch sie stellen letztlich nur unterschiedliche Übertragungsformen von Sichtguthaben dar.


Logisch richtig ist die Argumentation, dass Sichtguthaben zwangsläufig in eine Umlaufsicherung einbezogen werden müssen. Siehe dazu auch die Ausführungen zu Frage 6.

Die Spekulationen über das Verhalten der Zinsen für längerfristige Anlagen und längerfristige Ausleihungen sind jedoch eher fromme Wünsche, denn logische Folgerungen.

Die Annahme, Geld, das nicht für Konsum oder Investitionen benötigt wird, könne nur und ausschließlich zur Bank getragen werden, von wo es unmittelbar wieder in den Kreislauf zurückgeführt wird, ist vollkommen unzureichend. Geld kann zum Beispiel auch - legal oder illegal - ins Ausland transferiert werden. Egal, wie es dort behandelt wird, im Binnenmarkt mindert ein solcher Transfer die Geldmenge. Geldknappheit sorgt für steigende Zinsen.

Es ist ferner ein Trugschluss, Banken würden die Einlagen ihrer Kunden ausschließlich verwenden, um daraus Kredite für andere Kunden zu generieren. Auch langfristige Einlagen können den Kreisläufen der Realwirtschaft vollkommen fern bleiben. Die erwarteten Zinsen erwirtschaftet die Bank, indem sie mit den Kundengeldern spekuliert.

Es ist ein zusätzlicher Trugschluss, der hier in der Argumentation implizit mitgeschleppt wird, dass für die Erzielung von Gewinnen aus Unternehmen und Grundbesitz jährlich neue Investitionen erforderlich wären. Ein Grundbesitzer muss die Pachteinnahmen nicht jedes Jahr ausgeben, um sein Land zu kaufen. Er hat es - im Zweifelsfall ererbt von seinen Vätern.

Nein, auch mit Umlaufsicherung wird laufend Geld aus der Realwirtschaft abgesaugt, dessen Fehlen ganz automatisch zur Nachfrage nach neuen Krediten führt. Diese Nachfrage wirkt auf die Zinssätze viel stärker, als die Umlaufsicherungsgebühr.

Creutz spricht in diesem Zusammenhang übrigens von Negativ-Zinssätzen.
Ein Begriff, der unter Freiwirtschaftlern im Allgemeinen vermieden wird.

Es ist ein falscher, zumindest fehlerhafter Begriff.

Negativ-Zins würde bedeuten, dass die Schuldner alle Jahre Zinszahlungen erhalten, die vom Gläubiger zu leisten sind, dass also eine Situation eintritt, deren faktische Wirkung wir auch ohne Umlaufsicherungsgebühr kennen, wenn nämlich bei langfristigen Kreditverträgen im Zeitverlauf die Inflationsrate über den vereinbarten Darlehenszinsen liegt.

Doch die Umlaufsicherungsgebühr wirkt anders.

Sie belastet ausschließlich die Darlehensnehmer.


Der Darlehensnehmer muss eine Schuld, die ja nicht der Umlaufsicherung unterliegt, in voller Höhe abtragen, und dafür Geld verwenden, das im Laufe der Darlehenslaufzeit mehrfach ganz erheblich entwertet wird.

Für den Schuldner wirkt die Umlaufsicherungsgebühr also verteuernd auf seine Geldbeschaffungsmaßnahme durch Kredit.

Der Gläubiger hingegen erhält als Tilgungsleistung die volle nominale Darlehenssumme zurück, obwohl sich deren Kaufkraft zwischen Ausleihung und Tilgung ganz massiv erhöht.

Auch wenn die Geldausgabestelle die einbehaltenen (Umtausch-)Gebühren unmittelbar wieder in den Geldkreislauf einspeist, werden die Schuldner dadurch doch nicht entlastet.

Letztlich muss sich Helmut Creutz fragen lassen, ob die gesamte Umlaufsicherungs-Idee, solange nur Münzen, Scheine und Guthaben auf Girokonten davon betroffen sein sollen, nicht ein einziges Vermögensschutz- und Vermehrungsprogramm für die Gläubiger darstellt, deren langfristig angelegtes Geld nie auch nur einen Cent Umlaufsicherungsgebühr zu zahlen hätte.









Mehr in Kürze bei der Behandlung von Frage 9