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47 Fragen an Helmut Creutz, 47 Antworten von Helmut Creutz,
kritisch betrachtet und analysiert von Egon W. Kreutzer

 

Frage 6

Mit der sechsten Frage wendet sich Creutz dem Problem der Hortung zu, einerseits versucht er nachzuweisen, dass es Hortung gibt, andererseits geht er auf einen Einwand gegen ein konkretes Detail einer bestimmten technischen Ausprägung der Umlaufsicherung ein.

Die Frage, die er sich stellen lässt, lautet:

Es erscheint mir unglaubwürdig, dass irgendwer größere Geldmengen dem allgemeinen Geldumlauf entzieht, da er so aufgrund der Inflation Verluste macht, statt zumindest bei der Bank ein paar Mark Zinsen dafür zu erhalten. Daher würde bei der vorgeschlagenen Geldumlaufkontrolle durch die Banken kein unangelegtes Geld zu finden sein. Außerdem stellt sich die Frage, wie Geld, was nicht umgetauscht wurde, von den Einzelhandelskassen als ungültiges Geld erkannt werden soll. Bitte nehmen Sie dazu Stellung.


Die Antwort Creutz's sieht so aus:

Der Geldentzug aus dem Umlauf wird häufig angezweifelt. Jedoch hat die Bundesbank bereits vor 10 Jahren ermittelt, dass sich ein Drittel der herausgegebenen Geldscheine im Ausland befindet. Bankinsider schätzen, dass von dem Rest noch mal etwa ein Drittel innerhalb Deutschlands gehortet wird, vor allem in kriminellen und Steuerhinterziehungskassen. Problematischer weil unberechenbarer sind jedoch die kurzfristig schwankenden Geldhortungen, die - statistisch nachweisbar - bei sinkenden Zinsen auf- und bei steigenden Zinsen wieder abgebaut werden. Zu welchen Auswüchsen es dabei kommen kann, erleben wir seit etlichen Jahren in Japan.

Die Frage, wie der Einzelhandel nach einer Geld-Umtauschaktion reagiert, ist einfach zu beantworten: Da die neuen gültigen Scheine eine andere Farbgebung haben, sind die zum Umtausch aufgerufenen davon leicht zu unterscheiden. Sie werden in der vorgesehen Umtauschzeit mit dem festgelegten Abschlag noch in Zahlung genommen, danach nicht mehr. - Möglicherweise würde aber auch schon die Ankündigung eines solchen Geldumtauschs mit Abschlag das Verhalten der Geldhorter verändern.

Die hier gestellte Frage ist in beiden Teilen berechtigt.

Der Fragesteller hat den Eindruck, Geldhortung sei die Sammlung von Münzen und Scheinen. Als Aufbewahrungsort sieht er möglicherweise eine Truhe im Keller, den Sparstrumpf, ein Versteck unter der Matratze oder den im Baumarkt preiswert erworbenen Möbeleinbausafe. Er ist der Auffassung, durch Einzahlung auf ein verzinstes Guthabenkonto bei einer Bank sei die Hortung beendet, weil das Geld auf diesem Wege wieder anderen Wirtschaftsteilnehmern verliehen werden könnte.

Creutz belässt den Fragesteller in seiner naiven Anschauung.
Statt die Gelegenheit zu nutzen, hier auf den Unterschied zwischen den Kreisläufen der Realwirtschaft und den davon nahezu vollständig getrennten Vorgängen in der reinen Finanzwirtschaft aufmerksam zu machen, statt das Verschwinden des Geldes aus der Realwirtschaft und seinen Einzug in die Zockerparadiese der Börsen und Terminmärkte zu erläutern, hält er sich damit auf, über den Verbleib des Bargeldes zu schwadronieren.

Ja! Ein Drittel des Bargeldes liegt irgendwo im Ausland.
Ja! Ein weiteres Drittel ist in Deutschland gebunkert, hauptsächlich in den Händen des organisierten Verbrechens und der großen Steuerhinterzieher.

Aber: Das restliche Drittel reicht doch vollkommen aus, um den Bedarf an Münzen und Scheinen zu decken.

Und: Wenn irgendwo das Bargeld knapp wird, dann bestellt sich die Bank Bargeld bei der Zentralbank.
Und: Wenn irgendwo in einer Bank zu viel Bargeld ankommt, dann gibt es die Bank an die Zentralbank zurück.

Wenn alles so problemlos sicherzustellen wäre, wie die Bargeldversorgung der Banken, wir hätten paradiesische Zustände auf Erden.

Um die Geldversorgung zu stören, müssen Gewinne (aus Unternehmen, aus verzinslicher Anlage, aus Mieten und Pachten), die im Umfeld der Realwirtschaft erwirtschaftet wurden in die Sphäre der Kapitalmärkte und der Spekulation transferiert und dort festgehalten werden. Das ist das Problem, das mit "Hortung" nur unzureichend beschrieben wird.

Nur so kommt es zur wirklichen Geldknappheit, einem Mangel, von dem Girokonten und Brieftaschen gleichermaßen betroffen sind. Wer sein Girokonto bis zum Anschlag überzogen hat, für den muss keine Bank mehr Bargeld vorhalten! Diese Art der Geldverknappung funktioniert ganz ohne die Hortung von Bargeld, sie entlastet den Bargeldbedarf sogar. Doch sie ist eine furchtbare Geisel der Menschheit und ihr Name ist Deflation.

(Ganz am Rande: Prof. Schneider aus Linz leitet aus dieser Entlastung seit Neuestem sogar einen Rückgang der Schwarzarbeit ab, weil er nämlich die Bargeldnachfrage der Banken als wesentliche Größe für seine Berechnungen zum Umfang der Schwarzarbeit verwendet.)

Der zweite Teil von Frage und Antwort ist nur noch amüsant.

Der Fragesteller geht von einem Szenario aus, bei dem Geldscheine nach einer gewissen Zeit zum Zwecke der Umlaufsicherung ihren Wert verlieren.

Helmut Creutz bietet die Antwort: Alte, entwertete Scheine und neue, dann gültige Scheine, unterscheiden sich durch äußere, leicht zu erkennende Merkmale, wie z.B. die Farbe.

Dass die Probleme der Umlaufsicherung ganz anders geartet sind, darauf kommt weder der fiktive Fragesteller, noch der Beantworter.

Ich will das Problem hier zunächst einmal nur ganz allgemein anreißen:

 Mit der Tatsache, dass frühe Experimente mit "Notgeld" im Umfeld der Notwährungen unmittelbar zu einer wohltuenden Belebung der Wirtschaft führten und zum Beispiel das vielbeachtete "Wunder von Wörgl" hervorriefen, scheint der Beweis für die Stichhaltigkeit der Theorie der Umlaufsicherung erbracht.

Doch möchte ich zu bedenken geben, dass Wadenwickel bei Fieber, Digitalis bei Herzschwäche und das Gift der Tollkirsche als Gegengift bei Kontamination mit Nervengas durchaus die richtige medizinischen Indikation darstellen, dass aber keines dieser Mittel geeignet ist, zur Prophylaxe an Gesunde verabreicht zu werden.

Die Prüfung auf Wirksamkeit, Verträglichkeit und Freiheit von unerwünschten Nebenwirkungen hat auch die Umlaufsicherungsgebühr erst bestanden, wenn sie sich über die Experimente im kleinen Maßstab hinaus auch im Rahmen einer nationalen oder internationalen Primärwährung (als einzigem gesetzlichen Zahlungsmittel eines Währungsraumes) bewährt hat.

 

Die Umlaufsicherung als Element der
regulären gesetzlichen Währung

Ob eine Umlaufsicherung wirksam und sinnvoll ist, lässt sich unter den experimentellen Bedingungen einer regionalen Komplementärwährung nicht nachweisen. Wir wollen daher die Frage nach der Tauglichkeit und Wirksamkeit der Umlaufsicherung als Funktion einer Primärwährung betrachten und dabei die Szenarien beleuchten, die sich aus der Kombination der "Grundprinzipien" zur Konstruktion einer Umlaufsicherung ergeben.

Man kann die Umlaufsicherung nämlich

  • auf alles Geld und Geldvermögen erheben - oder
  • zwischen und "gutem" und "schlechtem" Geldbesitz unterscheiden und demzufolge nur den schlechten Geldbesitz, die ungenutzte Liquidität, also ruhendes Bargeld und das dem Bargeld sehr ähnliche, täglich fällige Giralgeld belasten, Spargelder und sonstige Einlagen bei den Kreditinstituten aber als "gutes" Geld unbelastet lassen, -

    und,
  • man kann die Umlaufsicherung als eine Gebühr erheben, die dem Geldhalter genommen wird und einer geldverwaltenden Institution als Einnahme zufließt - oder
  • man kann sie auch durch eine reine Entwertung der Geldbestände (sinkender Nominalwert) bewerkstelligen.

Die Belastung ausschließlich des Bargeldes durch eine Umlaufsicherung hat ihren Ursprung in der Überlegung, dass "gespartes" Geldvermögen der Allgemeinheit als Tauschmittel zur Verfügung steht, weil es schließlich von jedem, der es braucht, als Kredit in den Markt geholt werden kann, während "gehortetes" Bargeld dem Markt und der Wirtschaft definitiv vorenthalten wird.

Diese Überlegung scheint dem, was Creutz in den ersten Fragen und Antworten dargelegt hat, am ehesten zu entsprechen.

Diese Überlegung geht allerdings von einem monetären Idealmodell aus, das so praktisch nie und nirgends existiert, weil es vollkommen ignoriert, dass sich Schulden und Geldmenge höchst unterschiedlich entwickeln. Schon nach kurzer Lebenszeit einer auf Kredit und Zinseszins aufgebauten Währung erreicht das als "Anspruch auf Geld" gehaltene Geldvermögen einen weit größeren Umfang, als die verfügbare Geldmenge und erzwingt damit, dass immer größere Anteile des als Kredit zur Verfügung gestellten Anteils des Geldvermögens zur Zinszahlung an die Eigentümer der Geldvermögen verwendet werden müssen, so dass das vermeintlich "gute" Geld durch seinen Zinsanspruch genauso zum Tauschmittelmangel führt, wie die Hortung des vermeintlich "schlechten" Geldes in Onkel Dagoberts Geldspeicher.

Der an dieser Stelle zu erwartende Einwand, die Umlaufsicherungsgebühr führte gleichzeitig zum Ende jeglicher Zinszahlung; Geldmenge, Schulden und Vermögen seien folglich stets gleich hoch, gehört zwar zu den naiveren Vorstellungen von den Funktionen der Umlaufsicherung, ist aber keineswegs ihre natürliche Folge. Weil die Umlaufsicherungsgebühr in der Höhe für jeden Geldbesitzer gleich ist, ist sie eben nur höchst unvollkommen geeignet, um die Allokationsfunktion des Zinses zu übernehmen. Sowohl für die Nutzung von Liquidität für besonders risiko- und/oder chancenreiche Unternehmungen, wie auch für die Bereitstellung von Liquidität für Konsumenten in prekären Einkommens- und Vermögenssituationen wird daher auch nach Einführung der Umlaufsicherung ein Zins gefordert und auch versprochen werden, der ursächlich absolut unabhängig von der Umlaufsicherungsgebühr in Erscheinung tritt, lediglich in seiner Höhe durch die Umlaufsicherungsgebühr beeinflusst werden kann.

Der Einwand verweist darüber hinaus noch auf eine weitere Dimension der mit der Umlaufsicherung erhofften Befreiung vom Zins. Wenn dank Umlaufsicherung Geldmenge, Schulden und Vermögen stets gleich hoch sind, stellt sich die Frage, wie bei Bedarf die Geldmenge ausgeweitet werden kann und wer die damit verbundenen Kosten und Risiken träg (es gibt ja durchaus auch positives Wachstum, das durch wachsende Liquidität gestützt werden muss). Im Notgeld-Experiment und im Bereich der regionalen Komplementärwährung ist das unkompliziert zu handhaben. Man nimmt einfach die entsprechende Menge der Primärwährung und tauscht sie in Komplementärwährung um. Was aber, wenn das Freigeld die einzige Währung ist? Wer gibt dann Geld zu welchen Konditionen aus? Wer kontrolliert die Geldmenge?

Die Frage, ob Gebühr oder Nominal-Entwertung der bessere Weg sei, die Hortung zu unterbinden, entspringt vermutlich einem Benennungs-Dilemma:

Nimmt man z.B. pro Quartal eine Gebühr von drei Prozent des Nominalwerts, dann muss diese Gebühr, die ja die gesamte umlaufende Geldmenge (nur Bargeld) oder sogar alles Geldvermögen belastet, aus der Geldmenge heraus genommen werden.
Die im Markt verfügbare Geldmenge mindert sich also pro Quartal um drei Prozent, was bedeutet, dass schon nach drei Jahren nur noch knapp 70 Prozent des ursprünglich verfügbaren Geldes umlaufen, nach sechs Jahren nur noch 48 Prozent und nach zehn Jahren nur noch 30 Prozent.

Also muss die Gebühr schleunigst wieder in Umlauf gebracht werden. Unterstellt man, dass irgendeine staatliche Stelle die Gebühr erhebt und das so eingesammelte Geld schnellstmöglich wieder ausgibt, entpuppt sich die angeblich als "Währungseigenschaft" dargestellte Umlaufsicherungsgebühr als nichts anderes, als eine allgemeine Steuer auf Geld und Geldvermögen. Alleine die begriffliche Gleichsetzung der Umlaufsicherungsgebühr mit der Vermögenssteuer würde aber eine völlig andere Diskussion eröffnen, die - mit Argumenten wie "Neid und Missgunst" von der einen Seite und "Ausbeutung und Betrug" von der anderen Seite - sehr schnell ihre ursprüngliche, monetäre Zielrichtung verlieren würde.

Als Ausweg aus diesem Dilemma wird die allgemeine Minderung des Nominalwertes von Geld bzw. Geldvermögen angeboten. Wenn die Geldscheine regelmäßig eingezogen und durch Scheine mit niedrigerem Nominalwert ersetzt werden und wenn die Differenz niemandem und nirgends gutgeschrieben wird, dann ist der Verdacht, die Umlaufsicherung sei eine Steuer, vollständig ausgeräumt.

Diesen Weg scheint Creutz bei der Beantwortung dieser Frage gedanklich gegangen zu sein. Im weiteren Verlauf des Frage- und Antwortspiels tritt er jedoch auch für eine Umlaufsicherung auf die Guthaben auf Girokonten ein.

 

Der Vorhalt, dass durch die allgemeine Minderung des Nominalwertes ebenfalls ein beständiges Schrumpfen der nominal verfügbaren Geldmenge - also Deflation - hervorgerufen wird, geht regelmäßig ins Leere, weil darauf entgegnet werden kann, genau dies sei ein wesentliches Argument dafür, die Umlaufsicherung ausschließlich auf Bargeld und täglich fällige Einlagen anzuwenden, aber kein Argument gegen die Umlaufsicherung als solche. So weit, so gut.

Was aber wird die Folge sein?

Absehbare Wirkungen einer Umlaufsicherungsgebühr auf Bargeld

Wer Banknoten und Münzen mit einer Umlaufsicherung belastet, muss unumgänglich auch das Giralgeld auf den Kontokorrenten und Gehaltskonten belasten. Sonst wird als erste Konsequenz die sofortige und vollständige Umstellung der gesamten Wirtschaft auf bargeldlosen Zahlungsverkehr erfolgen. Klar?

Nur Banknoten und Münzen zu belasten ist vollkommener Blödsinn.

Doch welches Verhalten der Wirtschaftsteilnehmer ist realistischerweise zu erwarten, wenn alles Bargeld, also Münzen, Scheine und das Giralgeld, regelmäßig mit einer Gebühr auf den gehaltenen Bestand belastet wird?

Weil sich mit der Umstellung der Währungsfunktionalitäten zwar die Bedingungen, nicht aber die Motive und Antriebskräfte der Marktteilnehmer ändern, wird es sehr schnell zu Verhaltensänderungen kommen.

Anfänglich wird zu beobachten sein, dass - jeweils kurze Zeit vor dem Fälligkeitstermin der Gebühr - soweit das bei den einzelnen Marktteilnehmern vorhandene Tauschmittel dafür reicht

  • möglichst alle offenen Rechnungen bezahlt werden,
  • notwendige Anschaffungen vorgezogen werden, und zwar sowohl für den Konsum (Frl. Müller kauft sich schnell noch 200 Rollen Toilettenpapier, bevor das Geld Gebühren kostet)
    als auch für investive Zwecke (die Müller & Co GmbH & Co. KgaA zahlt die Rechnung für die neue Produktionsmaschine, bevor das Geld Gebühren kostet
  • sofern irgend möglich und machbar, die zuletzt noch eingenommenen Bargeldbestände und Kontokorrentguthaben in gebührenfreie Spar-Guthaben umgewandelt werden.

Alles Effekte, die durchaus den Erwartungen an eine Umlaufsicherung entsprechen. Rechnungen werden zügig bezahlt, konsumtive und investive Ausgaben werden auf den frühest möglichen Zeitpunkt vorgezogen, das Geld läuft um und Geldbesitzer, die ihr Tauschmittel beim besten Willen nicht mehr rechtzeitig ausgeben können, tragen es zur Geldsammelstelle, die daraus einerseits einen terminierten Anspruch auf Geld für den Anleger und andererseits einen Kredit für den Tauschmittelnachfrager kreiert, also ein Schulden-Guthaben-Paar in die Welt setzt, dass sich bei Tilgung wieder auflösen soll.

Vergessen wird dabei, dass sich immer nur ein Teil der Markteilnehmer vor der Umlaufsicherungsgebühr in Sicherheit bringen kann.

Das Geld, das Frl. Müller für die vorsorglich gekauften und eingelagerten Papierrollen ausgegeben hat, liegt an Ultimo - wie der sprichwörtliche Schwarze Peter - in der Kasse des Supermarktes, geht am Abend in den Nachttresor der Bank und am nächsten Morgen fehlen drei Prozent, weil der Bankcomputer pünktlich um Mitternacht die Gebühren abgezogen hat, die zum Stichtag auf alle Geldbestände fällig sind.

Ebenso geht es dem Maschinenbauer, auf dessen Konto die Zahlung der Müller & Co GmbH & Co. KgaA erst kurz vor Mitternacht gutgeschrieben wurde. Statt der erwarteten 250.000 Euro, von denen eigentlich Löhne, Gehälter und Material bezahlt werden sollten, sind am nächsten Tag - ätsch - nur 242.500 Euro auf dem Konto. 7.500 Euro sind futsch.

Spätestens wenn die Amtsgerichte über die ersten Klagen wegen boshafter Zahlungsterminierung zu befinden haben, werden sowohl der Einzelhandel wie auch die Industrie Krisensitzungen einberufen, mit dem absehbaren Ergebnis, dass jeweils am letzten und vorletzten Tag vor dem Gebührenstichtag kein geöffnetes Einzelhandelsgeschäft mehr anzutreffen sein wird. Die Lieferungs- und Zahlungsbedingungen der Industrie werden um Regelungen ergänzt, die einen Umlaufsicherungsstrafausgleich von denjenigen fordern, die vorsätzlich oder grob fahrlässig so spät zahlen, dass dem Zahlungsempfänger ein unabwendbarer Gebührenschaden entsteht.

Auf diese Weise wird sich die Anbieter-/Verkäuferseite auf dem Markt kurz vor Fälligkeit der Gebühr jenen Spielraum verschaffen, der es möglich macht, jedes Fitzelchen nicht benötigter Liquidität in längerfristige Anlagen, also "gutes" Geldvermögen umzuwandeln, während Lohn- und Gehaltszahlungen bevorzugt kurz vor Ultimo angewiesen werden, damit sich das "schlechte" Geld da sammelt, wo es hingehört, nämlich bei den Arbeitern, Rentnern und Angestellten.

Weil wir aber immer noch clevere Banker haben werden, wird sich der ganze Umlaufsicherungsspuk sehr schnell in Luft auflösen.

Alle Girokonten werden - per Dauer-Spar-Auftrag - rechtzeitig vor Gebührenfälligkeit vollständig abgeräumt und vorsichtshalber darüber hinaus noch ein Stück ins Minus gefahren. Das von dort abgezogene Geld wird einer langfristigen, umlaufsicherungs-freien Anlage zugeführt und dient damit wunderbarerweise zur Sicherung des Kredits auf dem überzogenen Girokonto.

Die Kreditlinien werden entsprechend ausgeweitet. Die Gebührenforderung der Umlaufsicherung trifft ins Leere, denn niemand hat mehr Liquidität. Das Bargeld (Münzen und Scheine) kommt schleunigst aus den Verstecken und wird an den Kassen der Banken einbezahlt, die es wiederum zügig an die Zentralbank zurückgeben.

Unvermeidlicher Effekt einer Umlaufsicherungsgebühr auf Bargeld und Sichtguthaben:

Innerhalb kürzester Zeit verschwinden Bargeld und Sichtguthaben vollständig aus der Welt. Alle Zahlungen erfolgen aus eingeräumten Kreditlinien von Girokonten, alle zwischenzeitlich eventuell entstehenden, schädlichen Guthaben werden vollautomatisch in langfristige Anlagen, also "gutes", nicht gebührenbelastetes Geld umgewandelt.

Die Umlaufsicherungsgebühr läuft vollständig ins Leere. Alles Geld ist zu gehortetem Geld geworden und kommt nur gegen Zins und Zinseszins jeweils für einen kurzen Augenblick wieder zum Vorschein. Gewinner sind ausschließlich die Banken, deren zusätzliche Gebühren und Zinsen die Wirtschaft belasten.

Die Konstrukteure von Umlaufsicherungssystemen stehen nun vor der Wahl:

  • Entweder: Alle vereinbarten Kreditrahmen auf Girokonten werden per Definition zu Bargeld erklärt und folglich mit der Umlaufsicherungsgebühr belastet. Das wäre zwar logisch, weil der Kreditrahmen letztlich die neue Liquidität ist, aber unsinnig, weil in der Konsequenz die Kreditrahmen dann so eng wie möglich geschnitten würden, was dazu führt, dass dem Markt noch weniger Tauschmittel zur Verfügung steht, als vorher.
  • Oder: Die Unterscheidung zwischen "gutem" und "schlechtem" Geld wird aufgegeben. Alles Geld und Geldvermögen wird regelmäßig mit einer Umlaufsicherungsgebühr belastet. Dies ist das zweite Grundmuster einer Umlaufsicherung, das bei einer der nächsten Gelegenheiten im Rahmen dieser Creutz-Kritik beleuchtet werden wird.

 





Mehr in Kürze bei der Behandlung von Frage 7