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47 Fragen an Helmut Creutz, 47 Antworten von Helmut Creutz,
kritisch betrachtet und analysiert von Egon W. Kreutzer

 

Frage 5

Mit der fünften Frage nähert sich Creutz scheinbar der Zinsproblematik an. Ob er sich dabei gedanklich im real existierenden Geldsystem oder im Szenario einer umlaufgesicherten Währung bewegt, bleibt offen, denn seine Argumente treffen in beiden Systemen nicht zu.

Die Frage, die er sich stellen lässt, lautet:

In seinem Buch "Die Welt des Geldes" bringt Bernhard Lietaer ein Beispiel, bei dem jemand Lederstücke als Geld ausgibt, die er am Jahresende, mit einem Aufschlag von drei Prozent, zurückverlangt. Da das nicht möglich ist (woher soll das Geld für die zusätzlichen drei Prozent kommen?, kann doch auch unser Geldsystem nicht funktionieren, bei dem ja ebenfalls die Notenbanken das Geld gegen Zinsen herausgeben. Was sagen Sie dazu?


Die Antwort Creutz's sieht so aus:

Wenn die Notenbanken tatsächlich das herausgegebene Geld mit Aufschlag zurück verlangen würden, wäre das Lederstück-Beispiel zutreffend. In Wirklichkeit aber zieht keine Notenbank das herausgegebene Geld am Jahresende wieder ein, vielmehr wird es im allgemeinen ständig vermehrt. Aber auch die von den Notenbanken eingezogenen Zinsen verschwinden nicht aus dem Kreislauf, sondern werden - soweit nicht für Gehälter, Geldscheindruck usw. von den Notenbanken selbst ausgegeben - an den Staat abgeführt, der sie bekanntlich sehr schnell wieder unter die Leute bringt. Kurz: Die bei der heutigen Geldmengensteuerung unverzichtbaren Notenbankzinsen sind kein Problem, wohl aber die 50- bis 100 Mal so hohen Zinsen für die normalen Kredite, die tendentiell immer von der Arbeit zum Besitz hin fließen und damit die sozialen Spannungen vergrößern.


Das ist fürwahr großes Creutz-Theater!

Wenn die Notenbanken tatsächlich das herausgegebene Geld mit Aufschlag zurück verlangen würden...,

So ein herrlicher Satz kann nur aus einer Feder kommen, die sich an der Umlaufsicherung wund geschrieben hat.

Natürlich verlangen die Notenbanken ihre Ausleihungen an die Geschäftsbanken zurück.
Und das beieibe nicht nur einmal jährlich, sondern an vielen unterschiedlichen Fälligkeitsterminen. Kurzfristige Liquidität wird oft nur für einen Tag zur Verfügung gestellt - längerfristige gibt es selten über drei Monate hinaus.

Mit der Zurverfügungstellung von Liquidität an die Geschäftsbanken wird allerdings die Geldmenge vergrößert, doch das ist ein Prozess der Kreditaufnahme der Banken bei der Zentralbank, kein nebulöses "Vermehren der Geldmenge im Allgemeinen", von dem Creutz gerne spricht, um von den eigentlichen Geldschöpfungsprozessen der Geschäftsbanken abzulenken.

Das Geld wird von den Notenbanken natürlich auch nicht "mit einem Aufschlag" zurückgefordert, wie Creutz formuliert, sondern mit den vereinbarten Zinsen. Zu genau den Zinssätzen, deren Höhe regelmäßig von den Zentralbanken als Diskont oder Lombardsatz festgelegt wird.

Das Lederstück-Beispiel hat also durchaus seine Berechtigung, wie auch meine inzwischen weit verbreitete kleine Geschichte von den Tischlerbauers und Weberschneiders mit dem Titel
"Wie Geld funktioniert"

Die von Creutz abschließend vorgetragene Erläuterung zum Verbleib der Zinsen ist - gelinde gesagt - verwegen.
Dadurch, dass Zinsgewinne an den Staat abgeführt werden, wird doch das Geld, das für die Zahlung von Zinsen benötigt wird, nicht geschaffen!

Nein! Wird es nicht!

Um Zinsen zahlen zu können, benötigt der Schuldner Geld, das ihm nicht geliehen wurde.

Was Creutz hier vorträgt, ist lediglich eine Neuauflage jener Münchhausen-Geschichte, in welcher der eloquente Baron behauptet, es sei ihm gelungen, sich, samt seinem Pferd, am eigenen Schopfe aus dem Sumpf zu ziehen.

Das ist jedoch ebenso unmöglich, wie es unmöglich ist, ohne zusätzliche Neuverschuldung (und die ist gleichzeitig auch zusätzliche Geldschöpfung!) jemals Tilgung und Zinsen bezahlen zu können.

Dass dieses Problem, bedingt durch unterschiedliche Fälligkeitstermine, durch allmähliche Tilgung über längere Zeiträume hinweg und vor allem durch die Praxis der ständigen Geldschöpfung durch Neuverschuldung, nicht so leicht sichtbar wird, wie im Lederstück-Beispiel, begründet die Notwendigkeit und den Nutzen des Beispiels, ist aber doch kein Beweis für einen Denkfehler Lietaers.

 

Bleibt festzuhalten:

Auch an der Quelle des Notenbankgeldes führt der Zins zwangsläufig zur Notwendigkeit der Neuverschuldung.
Es besteht kein qualitativer Unterschied zum Kreditzinsgebaren der Geschäftsbanken.



 




Mehr in Kürze bei der Behandlung von Frage 6