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47 Fragen an Helmut Creutz, 47 Antworten von Helmut Creutz,
kritisch betrachtet und analysiert von Egon W. Kreutzer

 

Frage 45

Mit der fünfundvierzigsten Frage versucht Creutz darzulegen, dass eine Umlaufsicherungsgebühr dazu führt, dass sich die Geldmenge ganz von alleine den wirtschaftlichen Notwendigkeiten anpasst.

Die Frage, die er sich stellen lässt, lautet:

Bei der Einführung eines umlaufgesicherten Geldes ist mir noch unklar, wie eine Inflation bzw. Deflation verhindert werden kann. Wie lässt sich die Geldmenge an die Waren- und Dienstleistungsmenge anpassen bzw. regulieren?


Die Antwort Creutz's sieht so aus:

Wird die Geldhaltung bzw. Geldzurückhaltung mit Kosten verbunden, pendelt sich die Geldmenge weitgehend von alleine auf die wirtschaftlichen Notwendigkeiten ein. Denn kaum einer wird dann mehr Bargeld in der Brieftasche oder Giralgeld auf dem Girokonto halten, als es seinem laufenden Bedarf an Zahlungsmitteln entspricht. Da sich damit der Geldumlauf verstetigt, brauchen die Notenbanken nur noch den Preispegel zu beachten, an dessen Schwankungen sie erkennen können, ob die Dosierung der Geldmenge von außen beeinflusst werden muss.

Dazu zunächst eine kleine, aktuelle Anmerkung:

Die Diskutanten im Systemfehlerforum ereifern sich in diesen Tagen an meinen Ausführungen zum Frage-Antwort-Paar Nr. 16, insbesondere wird dort hartnäckig argumentiert, umlaufgesichertes Geld könne gar nicht aus dem Umlauf verschwinden, weil es immer einen geben müsse, der es hat.

Natürlich wird peinlich vermieden, die Ausführungen insgesamt zu betrachten, der Beißreflex setzt bereits nach dem ersten Satz ein.
Nun, Freunde der ewig gleichen Hartgoldmünzmenge, jetzt gibt's frisches Futter:

Creutz's ewig gleiche Geldmenge ist ein wandelbares Wesen. Sie kann sich nämlich einpendeln.

Haben Sie diesen Satz seiner Antwort gelesen?
"Kaum einer wird mehr Bargeld oder Giralgeld auf dem Girokonto halten, als es dem laufenden Bedarf an Zahlungsmitteln entspricht."

Ja?
Haben Sie sich dabei daran erinnert, dass das der Grundgedanke hinter der Umlaufsicherung ist?
Ist Ihnen wieder eingefallen, dass mit der Umlaufsicherung erreicht werden soll, dass sich der Geldbesitzer schnellstmöglich vom Geld trennt?


Mit dieser Äußerung sagt Creutz doch nichts anderes, als dass sich jeder, der kann, vom umlaufgesicherten Geld abwenden wird. Aber er sagt noch mehr, nämlich dass sich die Geldmenge weitgehend von alleine einpendeln wird. Sie wird also wachsen, schrumpfen, sich stabilisieren, wieder wachsen, schrumpfen, usw.


Wie macht die Geldmenge das?
Wie wächst die Geldmenge weitgehend von alleine?
Wie schrumpft die Geldmenge weitgehend von alleine?

Dies sind Funktionen jener Geldmenge, deren Existenz Helmut Creutz bestreitet, es ist ausschließlich die Geldschöpfung der Geschäftsbanken, welche eine umlaufende Geldmenge gezielt und auch gegen aggressiv-spekulative - oder auch nur ängstlich-egoistische - Aktivitäten stabil halten, schrumpfen oder wachsen lassen kann.

Und Helmut Creutz betont mit seiner Aussage, dass dieses Einpendeln eben ohne Zutun seiner Zentralbank funktioniert, denn "
die Zentralbank braucht nur noch den Preispegel zu beachten, um zu erkennen, ob die Geldmenge von außen beeinflusst werden muss."




So, und nun zurück zu einer vernünftigen Erklärung:

Die Umlausicherung hat selbstverständlich keinerlei regulierenden Einfluss auf die Geldmenge.
Jede denkbare Form einer Umlaufsicherungsgebühr führt ausschließlich zum Schrumpfen, bestenfalls zur Konstanthaltung einer anfänglichen Geldmenge.

Wird eine Form der Umlaufsicherung gewählt, die sicherstellt, dass die als Gebühr abgeschöpfte Geldmenge unmittelbar wieder in den Umlauf kommt (und das möglichst genau da, wo sie abgezogen wurde!), wenn es sich also de facto um eine Steuer auf Bargeld handelt, deren Erträge der Staat unverzüglich einsetz, um damit einen Teil seiner Ausgaben zu bestreiten, dann verhält sich die Umlaufsicherung vollkommen geldmengenneutral. Einpendeln kann sich da gar nichts.

Wird eine Form der Umlaufsicherung gewählt, die den Nominalwert des Geldes schrumpfen lässt, wenn also der mit der Umlaufsicherung abgezogene Teil-Nominalwert des Geldes nirgends wieder auftaucht, ist das Schrumpfen der Geldmenge eine Eigenschaft des so konstruierten Geldsystems. Einpendeln kann sich da auch nichts.

Die Umlaufsicherungsgebühr ist auch nicht in der Lage, den Geldumlauf zu verstetigen.
Sie wird stattdessen zu einem zyklischen Verhalten der Markteilnehmer führen, mit einer Vielzahl von Transaktionen unmittelbar vor dem "Gebührentermin" und nachlassendem Transaktionsvolumen zwischen den Gebührenterminen.

Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ist von einer Umlaufsicherungsgebühr nicht zu beeinflussen.
Die Umlaufgeschwindigkeit nähert sich stets dem Verhältnis zwischen theoretisch möglichem Transaktionsvolumen (das sich aus dem Umfang des nachfragegerechten Angebotes ergibt) und der Geldmenge an. Wesentliche Größen, welche die Umlaufgeschwindigkeit beeinflussen, sind z.B. Lohn- und Gehaltszahlungstermine, saisonale Einflüsse (Weihnachtsgeschäft, Schlussverkauf, etc.) und - nicht zu vergessen - die Sparquote.


Der Schluss, die Umlaufsicherungsgebühr könne regulierend auf die Geldmenge wirken ist also falsch.
Umlaufsicherung kann nur Stagnation oder Deflation hervorbringen.

Wörgl und andere Experimente beweisen keineswegs, dass Umlaufsicherung hilft, eine Deflation zu überwinden.
Sie beweisen aber wohl, dass zusätzliche Geldmengen (wie sie durch die dort geschaffenen Komplementärwährungen) in Umlauf gekommen sind, bei hochgradiger Störung der Versorgung mit Geld der Primärwährung, nützlich sind, um eine Deflation zu überwinden.





Mehr in Kürze bei der Behandlung von Frage 46