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47 Fragen an Helmut Creutz, 47 Antworten
von Helmut Creutz,
kritisch betrachtet und analysiert von Egon W. Kreutzer
Frage 40
Mit der vierzigsten Frage behandelt Creutz die Verantwortung der Notenbank für die Preisstabilität - und zwar im Umfeld einer umlaufgesicherten Währung.
Die Frage, die er sich stellen lässt, lautet:
Sie schreiben, dass durch den Wegfall wesentlicher Zinskomponenten die Preise sinken und damit die Kaufkraft der Arbeitenden zunehmen würde. Mir ist noch nicht klar, wie sich ein durchgehender Preisrückgang mit der Preisstabilität verträgt, die wir ja gleichzeitig anstreben? Also wie würde sich die Kaufkraftsteigerung bei Preisstabilität ausdrücken?
Die Antwort Creutz's sieht so aus:
Der Kaufkraftsteigerung
würde sich bei den Arbeitseinkommen durch sinkende Preise
ergeben. Allerdings steht dieser erhöhten Nachfragemöglichkeit
der Arbeitseinkommens-Bezieher eine verringerte Nachfragemöglichkeit
der Bezieher von Zinseinkommen gegenüber. Da der Rückgang
der Zinseinkommen jedoch direkt keinen Anstieg der Arbeitseinkommen
zur Folge hat, kommt es theoretisch zu einem Ungleichgewicht:
Die Gesamteinkünfte sinken, während die Menge der angebotenen
Güter und des umlaufenden Geldes gleich bleibt. Da sich diese
Preis- und Verteilungsveränderungen jedoch über viele
Jahre hinweg entwickeln, ähnlich wie z.B. bei den Zinssatzabsenkungen
in den 90er Jahren, ist es für die Notenbank ein Leichtes,
die Geldmenge so anzupassen, dass das Preisniveau insgesamt konstant
bleibt. Das vor allem, wenn sich, mit Hilfe der Umlaufsicherung,
die herausgegebene Geldmenge noch präziser als bisher an
die marktaktive und notwendige Geldmenge anpassen lässt.
Diese Aussagen können
nicht unwidersprochen bleiben.
Preise sinken nicht, weil die Zinsen sinken.
Solange die Nachfrage
stabil bleibt - steigen bei unveränderten Preisen die Gewinne
(das ist immer noch sehr vereinfacht dargestellt, aber doch um
einiges realistischer).
Und die Nachfrage bleibt stabil!
Ein Großteil der Zinseinkünfte fließt in die
Hände weniger Großanleger. Deren Nachfrage ist im Verhältnis
zu der Höhe ihrer Zinseinkünfte praktisch zu vernachlässigen.
Es findet also keineswegs ein Nachfrageausgleich statt.
Die realistisch zu erwartende Situation sieht so aus, dass die
Arbeitseinkünfte und die Preise annähernd gleich bleiben,
während sich der Ausgleich durch die Verlagerung von Zinseinkünften
zu Kapitalerträgen aus Unternehmensbeteiligungen vollzieht.
Wirklich spannend wird es jedoch, zwei ganz andere, in sich
widersprüchliche Aussagen dieser Antwort auf ihre Gültigkeit
zu untersuchen:
Creutz sagt:
a) Die Menge der angebotenen
Güter und des umlaufenden Geldes bleibt bei sinkenden Gesamteinkünften
gleich.
b) Weil sich der Prozess über viele Jahre hinzieht, ist es
für die Notenbank ein Leichtes, die Geldmenge so anzupassen,
dass das Preisniveau insgesamt konstant bleibt.
Wenn Creutz mit der Aussage a) ausdrücken will,
dass die Kaufkraft durch die Höhe der Gesamteinkünfte
bestimmt wird, dann sollten - bei sinkenden Einkünften auch
die Preise sinken, um der Markträumung nahe zu kommen. So
weit, so gut.
Weil Creutz aber gleichzeitig
sagt, dass die Menge des umlaufenden Geldes gleich bleibt, was
bei sinkenden Einkünften nicht möglich ist (Löhne,
Zinsen, Lottogewinne - das alles sind Einkünfte, die, wenn
sie nicht mehr in voller Höhe entstehen, zwangsläufig
die Menge des umlaufenden Geldes mindern), zeigt er damit auch
an dieser Stelle, dass er davon ausgeht, es gäbe eine bestimmte
Menge körperlich existenten Geldes, das irgendwann in Umlauf
gebracht wurde - und dass er diese so "in Umlauf gebrachte
Geldmenge" als die "umlaufende" Geldmenge bezeichnet.
Wenn Creutz mit der Aussage b) ausdrücken will,
dass die Notenbank die Möglichkeit hat, Maßnahmen zu
ergreifen, die gegen allgemein sinkende Preise wirken,
dann kann er nur davon ausgehen, dass die Notenbank das Geldangebot
ausweitet. Wir haben aber, in dem von Creutz aufgestellten Szenario
die Situation, dass trotz niedriger Zinsen nur ein Teil des potentiellen
Kreditvolumens ausgeschöpft ist (die Einkommen sind gesunken,
die Preise und folglich die Umsätze ebenfalls, aus der fixen
Geldmenge müssen sich unbenutzte Bestände ergeben haben).
Senkt die Notenbank die Zinsen weiter - ein anderes Mittel steht
ihr nicht zur Verfügung - würde sich der von Creutz
(fälschlich) angenommene Effekt sinkender Gesamt-Einkommen
(wegen sinkender Zinsen) mit der Folge sinkender Nachfrage doch
nur verstärken.
Folglich müsste die Notenbank, um die Preisstabilität
zu wahren - immer im Sinne der von Creutz dargestellten Mechanismen
- die Zinsen erhöhen. (!)
Nun
hat Creutz aber noch einen Notanker präpariert:
Er sagt, die Notenbank sei mit Hilfe der Umlaufsicherung in der
Lage, die Geldmenge (noch) präziser zu steuern.
Es stellt sich die
Frage, wie das bewerkstelligt werden soll.
Wie, bitte, soll die bei den Banken liegende, von der Umlaufsicherungspflicht
befreite Geldmenge, als Kredit in den Markt gebracht werden, wenn
trotz niedriger Zinsen niemand das Geld will?
Eine Erhöhung der Umlaufsicherungsgebühr kann das nicht
bewirken. Die würde dazu führen, dass noch mehr Geld
zur Bank getragen wird, wodurch die Zinsen - im Sinne der Creutz'schen
Argumentation - noch weiter sinken.
Es bleibt nur eine Erklärung
offen:
Die Notenbank
müsste die Umlaufsicherungsgebühr senken, um Preisstabilität
herzustellen.
Könnte man
davon ausgehen, dass es sich beim "Einpegeln" der korrekten
Höhe der Umlaufsicherungsgebühr um einen iterativen
Prozess handelt, bei dem sich irgendwann ein stabiler Wert finden
lässt, dann wäre das als eine kleine, korrigierende
Maßnahme durchaus in Ordnung.
Die Umlaufsicherungsgebühr soll aber ganz grundsätzlich
die Zinsen senken.
Die Umlaufsicherungsgebühr wird also, den hier vorgetragenen
Thesen entsprechend, ganz grundsätzlich die Gesamteinkünfte
mindern.
Die Umlaufsicherungsgebühr wird also, den hier vorgetragenen
Thesen entsprechend, ganz grundsätzlich die Preisstabilität
gefährden.
Die Höhe der Umlaufsicherungsgebühr müsste also,
wenn Creutzs Argumentation zutrifft, bis zu ihrer vollständigen
Abschaffung gesenkt werden.
Das kann es eigentlich
nicht gewesen sein.
Mehr in Kürze bei der Behandlung von Frage 41