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47 Fragen an Helmut Creutz, 47 Antworten von Helmut Creutz,
kritisch betrachtet und analysiert von Egon W. Kreutzer

 

Frage 4

Mit der vierten Frage will Creutz beweisen, dass die Zurückhaltung von Bargeld die Konjunktur beeinträchtigt.

Die Frage, die er sich stellen lässt, lautet:

Die Erklärung, dass "...die Zurückhaltung der laufend genutzten Zahlungsmittel, also letztlich...die verzögerte Ausgabe oder Anlage von Einkommensanteilen..." für Kreislaufunterbrechungen und das Straucheln einer Volkswirtschaft sorgen kann, finde ich platt und oberflächlich. Denn für die katastrophalen Zustände in Wirtschaft, Umwelt und zwischenstaatlichen Beziehungen sind allemal die Nutznießer der großen Zinseinkommen verantwortlich, nicht die Leute mit ein paar Banknoten in der Geldbörse.


Die Antwort Creutz's sieht so aus:

Was die Verantwortlichkeit betrifft, so liegt diese m.E. nicht bei den Nutznießern, sondern bei jenen, die für die Gegebenheiten verantwortlich sind, also Notenbanken und Politik. Was nun die Kreislaufunterbrechungen angeht, so haben Sie natürlich recht, dass die Leute mit wenig Geld auch nur wenig zurückhalten können und die Besitzer großer Spekulationssummen umso mehr. Trotzdem bewirkt jeder einbehaltene Geldschein eine Störung des Kreislaufs. Wenn z.B. viele Haushalte ihre Nachfrage nur um zwei Prozent im Monat reduzieren, so wird das, über mehrere Monate praktiziert, einen deutlichen Einbruch der Konjunktur nach sich ziehen. Dass ist selbst dann der Fall, wenn das eingesparte Geld bei den Banken angelegt wird. Denn in den Kreislauf zurück gelangen kann dieses Geld nur über erweiterte Kreditaufnahmen. Dazu wiederum wird aber die Wirtschaft bei sinkender Nachfrage kaum bereit sein.

Das kann nun leider so nicht stehenbleiben.

Creutz suggeriert in seiner Antwort, die Nachfrage der privaten Haushalte sei ausschließlich über die Bezahlung mit körperlich existierenden Geldscheinen zu befriedigen. Das ist falsch.

Es stimmt zwar, dass rückläufige Konsumausgaben der privaten Haushalte die Konjunktur negativ beeinflussen. Aber das ist eine Binsenweisheit. Mit der Nutzung von Geldscheinen hat diese Aussage nicht das Geringste zu tun.

Wenn die Haushalte statt mit Geldscheinen per Scheck, Überweisung oder Lastschrifteinzug bezahlen, schadet das der Konjunktur doch nicht.

Wenn die privaten Haushalte ihre Anschaffungen per Ratenkredit finanzieren, also weder einen Geldschein, noch ein Giralgeldguthaben angreifen, um sich ihre Wünsche zu erfüllen, dann stützt das die Konjunktur mehr, als würden sie lediglich ihr bisschen Bares schnellstmöglich ausgeben.

Damit ist - ganz am Rande - auch das letzte Argument in dieser Antwort höchst fragwürdig geworden.

Schulden zu machen, und damit Geld in die Wirtschaft zu bringen, ist doch kein Privileg der "Wirtschaft"!

Der Staat und die Konsumenten haben genauso die Chance, sich zu verschulden und damit die Konjunktur zu beleben, wie die Wirtschaft, jedenfalls solange, wie ihnen ausreichende Sicherheiten (Einkommen und Vermögen) zur Verfügung stehen.

Es ist sogar durchaus so, dass die Wirtschaft immer wieder für die Schuldenaufnahme durch die Konsumenten sorgt, indem sie durch Ratenkaufangebote (unter Einschaltung eigener Finanzierungsbanken) mit günstigen Konditionen die Nachfrage ankurbelt.

Es ist also nicht das Zurückhalten von Geldscheinen oder Münzen,
sondern der Mangel an jeder Form von Geld, oder die fehlende Lust, Geld auszugeben,
was sich negativ auf die Wirtschaft auswirkt.

 

Auf die in der Frage angesprochene Zinsproblematik geht Creutz hier gar nicht ein. Von meiner Seite aus daher an dieser Stelle auch nur der kurze Hinweis, dass die Zinseinkünfte ein nicht zu unterschätzendes Problem darstellen, das an geeigneter Stelle noch sehr ausführlich zu beleuchten ist.

 

 




Mehr in Kürze bei der Behandlung von Frage 5