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47 Fragen an Helmut Creutz, 47 Antworten von Helmut Creutz,
kritisch betrachtet und analysiert von Egon W. Kreutzer

 

Frage 39

Mit der neunundreißigsten Frage verbreitet Creutz Grundsätzliches zum Sinn und Zweck der Umlaufsicherung.

Die Frage, die er sich stellen lässt, lautet:

Sie schreiben, dass alles nicht ausgegebene Geld über den Kreditweg in die Volkswirtschaft zurückfließen muss, somit also ein Verschuldungszwang besteht.
Aber was würde passieren, wenn ich eine Million bei der Bank anlegen wollte, diese aber auf der anderen Seite keine Kreditnehmer hätte? Wenn diese Problematik in größerem Umfang auftritt wird die Bank letzten Endes keine Einlagen mehr annehmen. Würde ich dann nicht gezwungen sein zu konsumieren, weil Geldscheine an sich sehr unbefriedigend sind?


Die Antwort Creutz's sieht so aus:

Die Banken leben bekanntlich vom Geld-Annehmen und Weiterverleihen, und da irgendjemandem in der Wirtschaft die Million fehlen muss die Sie zuviel haben, ist der von Ihnen geschilderte Fall einer Nicht-Annahme Ihres Geldes relativ unwahrscheinlich. Wohl aber wird Ihnen die Bank, bei einem Überangebot von Einlagen und ungenügender Kreditnachfrage, weniger Zinsen für ihre Einlage zahlen und auf der anderen Seite die Kreditzinsen entsprechend so lange absenken, bis Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht kommen. Sollten Sie auf Grund des unattraktiven Habenzins lieber konsumieren, kommt das Geld, statt über den Kreditweg, direkt in den Kreislauf zurück. Hauptsache ist, dass Sie Ihre Million nicht zu Hause bunkern und damit dem Kreislauf unterbrechen. Dass dies auch bei sinkenden Zinsen nicht geschieht, dafür sorgt die von uns vorgeschlagene Umlaufsicherungsgebühr auf die Geldhaltung.

Creutz wiederholt seine hinlänglich bekannte Auffassung, Banken würden die Spargelder ihrer Kunden verleihen.
Er erklärt implizit, dass eine fixe Geldmenge existiert, die "exakt" dem Bedarf der Wirtschaft entspricht (die Million, die der eine zuviel hat, muss einem anderen fehlen).

Beide Auffassungen sind falsch.

Banken weiten die Geldmenge durch Kreditvergabe aus.

Weder war die Bundesbank in der Lage, noch ist die EZB überhaupt daran interessiert, die Geldmenge auch nur einigermaßen exakt zu steuern, weil der Umfang der Geldmenge alleine (!) von den Aktionen der Geschäftsbanken bestimmt wird, die durch Eingriffe der Zentralbanken allenfalls beflügelt oder gedämpft, aber nicht gezielt beeinflusst werden können.

Kundeneinlagen werden für die Kreditvergabe nur in marginalem Umfang zur Darstellung der Mindestreserven benötigt.

Die Umlaufsicherung bezieht ihre Begründung aus Umständen, die so nicht (mehr) existieren.
Die Geldversorgung wird gestört, sobald die Banken sich weigern, ausreichend Kredite zu vergeben. Ob Anleger ihr Geld zur Bank tragen oder nicht, ob sie dafür hohe oder niedrige Zinsen erhalten, sind sekundäre Erscheinungen.

Sehr empfehlenswert sind dazu die Gastbeiträge von Alexander Czerny, die Sie
hier finden.





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