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47 Fragen an Helmut Creutz, 47 Antworten von Helmut Creutz,
kritisch betrachtet und analysiert von Egon W. Kreutzer

 

Frage 35

Mit der fünfunddreißigsten Frage beleuchtet Helmut Creutz die Thematik großer spekulativer Transaktionen.

Die Frage, die er sich stellen lässt, lautet:

Die Geldumsätze an den Börsen sind ungeheuer groß. Wie man immer wieder lesen kann, dient nur ein Bruchteil der Umsätze effektiven Investitionen, während das Gros spekulativ eingesetzt wird. Wäre eine Besteuerung dieser Umsätze nicht gerechtfertigt und das beste Mittel, beträchtliche Summen in die Kassen zu bekommen? Warum greifen die Staaten nicht zu?


Die Antwort Creutz's sieht so aus:

Dieser naheliegende Vorschlag wird bekanntlich schon seit Jahrzehnten immer wieder diskutiert. Jetzt hat ihn erfreulicherweise die attac-Bewegung auf ihre Fahnen geschrieben. Ganz sicher würde durch eine solche Steuer, die meist mit einer Höhe von 0,5% der Umsätze angedacht wird, die Spekulation nicht aufhören. Aber zumindest würde die Kurzfristigkeit der Börsengeschäfte und damit die Hektik der Märkte gebremst. Außerdem könnten mit den Einnahmen erhebliche Hilfsmaßnahmen in den Entwicklungsländern bzw. Schuldenerlasse finanziert werden.

Warum diese Steuer bislang nicht umgesetzt worden ist hängt u.a. mit der Schwierigkeit zusammen, alle Länder bzw. Börsenplätze unter einen Hut zu bringen. Denn gehen die kurzfristigen Spekulationen zurück, trifft das auch auf die Provisionen und die Arbeitsplätze an den Börsen zu. Die auch als Grund angeführten Ausweichmöglichkeiten auf Steuer- und Spekulationsparadiese in der Karibik oder sonstwo sind dagegen weniger überzeugend. Denn man brauchte nur allen westlichen Banken und Fonds die Geschäftsabwicklungen auf solchen Plätzen zu verbieten. Es lohnt sich also, attac in dieser Sache zu unterstützen.

Ja, es lohnt sich, die Einführung der Tobin-Steuer oder eines ähnlichen Instrumentes zur Verteuerung der Spekulation zu fordern und zu unterstützen. Darin bin ich mir mit Helmut Creutz wieder einmal völlig einig.

Mein Vorschlag dazu:

Mehrwertsteuer und Besteuerung der Geldtransaktionen (letztere mit ausreichendem Freibetrag für normale Transaktionsumfänge) werden in einer Steuer mit einem einheitlichen Steuersatz bei unverändertem Gesamtaufkommen zusammengelegt. Das entlastet ganz erheblich die Konsumenten, führt zur Belebung der Binnennachfrage und damit zu einer positiven konjunkturellen Entwicklung, weil der Mehrwertsteuersatz bei einer solchen Verbreiterung der Bemessungsgrundlage ganz erheblich sinken wird, und es belastet gleichzeitig die spekulativen Transaktionen.





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