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47 Fragen an Helmut Creutz, 47 Antworten von Helmut Creutz,
kritisch betrachtet und analysiert von Egon W. Kreutzer

 

Frage 34

Mit der vierunddreißigsten Frage greift Creutz nochmals, wie schon mit Frage 29, die Thematik der friedlichen Koexistenz zwischen umlaufgesichertem und nicht umlaufgesichertem Geld auf.

Die Frage, die er sich stellen lässt, lautet:

Kann ein System mit "alterndem" oder "rostendem" Geld neben anderen überhaupt bestehen? Kommt es dann nicht zu Transfers in andere Kapital-Systeme? Müsste sich nicht vielmehr das Kapitaldenken und -handeln weltweit ändern, wenn wir zu einer Verbesserung kommen wollen?


Die Antwort Creutz's sieht so aus:

So lange die Finanzmärkte sachgemäß funktionieren, werden unterschiedliche Zinsentwicklungen durch Veränderungen der Wechselkurse ausgeglichen. Das heißt, wenn in einem Land die Zinsen sinken und es deshalb durch Spekulanten zu einem verstärkten Umtausch in eine andere Währung mit höheren Zinsen kommt, wird der Kurs dieser verstärkt nachgefragten Währung ansteigen und damit die Vorteile des Umtauschs tendenziell neutralisieren. Im übrigen stehen diesen Verlagerungen spekulativer Geldmittel Verlagerungen investitiver Geldmittel in umgekehrter Richtung gegenüber. Denn für einen Investor sind niedrige Kreditzinsen in einem Land ein ähnlicher Standortvorteil wie niedrigere Steuern oder Löhne. Weil das so ist, haben z.B. die seit Jahrzehnten um rund zwei Prozent niedrigeren Zinsen in der Schweiz bislang noch nie zu gravierenden Fluchtproblemen geführt. Das gilt selbst für die japanische Wirtschaft, bei der die Zinsdifferenzen zu den anderen Industrienationen seit rund zehn Jahren noch größer sind.

Würde es also in einem Land durch "alterndes" oder "rostendes" Geld nach und nach zu einer Absenkung der Zinsen kommen, würden sehr rasch auch die wirtschaftlichen und sozialen Vorteile einer solchen umlaufgesicherten Währung sichtbar werden. Es ist anzunehmen, dass dies in anderen Ländern zu einem ähnlichen Nachahmungseffekt führen würde, wie in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts bei der Abkopplung der Währungen von der Golddeckung. Gerade weil die Menschen eigennützig denken und handeln, würde eine solche Änderung des Geldsystems bei der Mehrheit der Bevölkerung gewiss Unterstützung finden - wenn sie sich erst einmal der Nachteile des heutigen Systems bewusst geworden sind.

Hier allerdings geht Creutz in seiner Deutung weiter. Bestätigte er mit Frage 29 lediglich die Vermutung, dass sich eine umlaufgesicherte Währung und eine nicht umlaufgesicherte Währung im gleichen Währungsraum nicht ergänzen, sondern behindern, geht er nun einen Schritt weiter und folgert, dass sich die positiven Folgen einer umlaufgesicherten Währung im internationalen Vergleich so auswirken würden, dass nach und nach weitere Währungen das Prinzip der Umlaufsicherung aufgreifen würden.

 

Das ist pure Spekulation, was er auch selbst durch seine im Konjunktiv gehaltenen Formulierungen zum Ausdruck bringt.
Nur wenn sich eine Umlaufsicherung mit den erhofften Wirkungen tatsächlich gestalten ließe, könnte ein solcher Effekt eintreten. Wie diese Umlaufsicherung aber beschaffen sein müsste, beschreibt Creutz weiterhin nicht.








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