Bitte
unbedingt zuerst den Text oben lesen!
Danke.
47 Fragen an Helmut Creutz, 47 Antworten
von Helmut Creutz,
kritisch betrachtet und analysiert von Egon W. Kreutzer
Frage 32
Mit der zweiunddreißigsten Frage will Creutz zeigen, dass eine Umlaufsicherungsgebühr dazu führt, dass auch bei niedrigen Zinsen ausreichend Kredite vergeben werden.
Die Frage, die er sich stellen lässt, lautet:
Was wäre ohne Zinsen die Motivation für einen Kapitalgeber, sein Geld anderen für eine Investition zu überlassen? Menschenfreundlichkeit war doch noch nie ein großer Wirtschaftsmotor...
Die Antwort Creutz's sieht so aus:
Sie haben recht:
Heute wird kaum jemand
sein Geld einem anderen zinsfrei überlassen. Sogar schon
bei niedrigen Zinssätzen lässt die Bereitschaft zur
Kreditvergabe nach. Damit kommt es zu einer künstlichen Geldverknappung,
die den Zins nicht weiter sinken, sondern ihn sogar wieder ansteigen
lässt. Diese Möglichkeit der spekulativen Geldzurückhaltung
und Störung des Wirtschaftsgeschehens kann jedoch durch eine
Geldhaltegebühr auf alle Zahlungsmittel neutralisiert werden,
so dass der Knappheitsgewinn des Geldes, der Zins, mit der Sättigung
der Märkte, genau so marktgerecht gegen Null fallen kann,
wie das bei den Knappheitsgewinnen auf den Gütermärkten
der Fall ist.
Creutz geht auf die
Frage überhaupt nicht ein.
Er unterstellt, dass eine Umlaufsicherungsgebühr zum Verschwinden
der Zinsen führt und gleichzeitig den Kapitalanleger dazu
ermuntert, sein Geld zu verleihen, um es vor der Umlaufsicherungsgebühr
zu retten. Damit ist für ihn die Welt in Ordnung, die Frage
abgetan.
Versuchen wir, ein Modell einer umlaufgesicherten Währungswelt
zu konzipieren, in dem es zu diesen, von Creutz vorhergesagten
Erscheinungen kommen könnte:
Klar ist: Dazu braucht es einen hermetisch abgeriegelten Währungsraum,
um die Flucht des Kapitals in Devisen oder ausländische Direktinvestitionen
zu verhindern.
Klar ist auch: Die Währung innerhalb dieses Währungsraumes
muss eine Vollgeldwährung sein. Geldschöpfung durch
Kreditvergabe ist ausgeschlossen. Die Banken arbeiten ausschließlich
mit Kundeneinlagen.
Wie aber wird sich das Wirtschaften in einer solchen Währungswelt
gestalten, wie werden Gläubiger und Schuldner, Produzenten
und Konsumenten denken und rechnen? Wie wird die Geldmenge dem
Finanzierungsbedarf angepasst?
Zunächst wird zu beobachten sein, dass es in diesem Währungsraum
weiterhin zwei Klassen von Menschen geben wird, nämlich solche,
deren laufende Einnahmen hoch genug sind, um jeweils zum Gebührentermin
alle Bargeldbestände und Giroguthaben in langfristigen Anlagen
umzuwandeln und sie so vor der Umlaufsicherung zu schützen,
und solche, die es sich nicht leisten können, auch nur geringe
Teile ihres Geldes langfristig anzulegen und die sich daher bemühen,
jeweils zum Gebührentermin alles liquide Geld, das ihnen
aus Lohn, Rente, Arbeitslosengeld, Geschenken, Lottogewinnen,
Schwarzarbeit etc. zugeflossen ist, vollständig auszugeben.
Wir können und müssen also davon ausgehen, dass zu jedem
Gebührentermin die langfristig angelegten Guthaben wachsen.
(Dass
außerdem die Preise steigen werden, je näher der Gebührentermin
kommt, ist ein Effekt, der diesen Trend unterstützt.)
Welche Folgen hat das?
Die Freiwirtschaftslehre geht davon aus, dass das als langfristige
Anlage zu den Banken getragene Vollgeld von den Banken unmittelbar
wieder verliehen werden kann, also der Wirtschaft sogleich wieder
zur Verfügung steht.
Ein Wachsen der Guthaben impliziert jedoch, dass auch die Höhe
der neu auszureichenden Kredite insgesamt steigen muss, um die
Geldversorgung aufrecht zu erhalten.
Unterstellen wir weiter, dass die Geldhaltegebühr gerade
so hoch ist, dass diese Kredite tatsächlich zinsfrei ausgereicht
werden, so bleibt dennoch ein Problem bestehen, nämlich die
Notwendigkeit, aus den Einkünften der "Schuldner"
zur nächsten Tilgungsfälligkeit die mit der Gesamtverschuldung
gewachsenen Tilgungsleistungen zu erbringen.
Es ist gleichgültig, mit welchen konkreten Zahlen man solche
Szenarien durchrechnet, über eine bestimmte Anzahl von Jahren
wird sich dieses Währungssystem stets so entwickeln, dass
letztlich das gesamte verfügbare Einkommen der Schuldner
aufgewendet werden muss, um die fälligen Tilgungsleistungen
zu erbringen.
Spätestens dann, realistisch aber bereits zu einem viel früheren
Zeitpunkt, bricht dieses Währungssystem zusammen, weil es
nämlich genau das, was es vorgibt zu verhindern, fördert.
Umlaufsicherungsgebühren, die langfristig angelegtes Geld
verschonen, fördern das Wachstum der Verschuldung, mindern
die für Handel und Wandel verfügbare Geldmenge um die,
für die allfälligen Tilgungsleistungen erforderlichen
Beträge, und ersticken auf diese Weise die Volkswirtschaft.
|
Grundsätzliches
- ganz unabhängig von Frage 32 Auch wenn
das angesammelte Kapital aufgrund der Gesetzeslage und der Währungskonstruktion
stets und vollständig zinslos verliehen, also im Umlauf
befindlich ist, ist es doch regelmäßig als Tilgung
wieder dem Kapitalstock zuzuführen. Das wiederum
bedeutet nichts anderes, als dass das umlaufende Geld von den
Schuldnern in Erwartung des Tilgungstermines zyklisch gehortet
werden muss, um sich für die Zukunft als kreditwürdig
zu erweisen. |
Mehr in Kürze bei der Behandlung von Frage 33