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47 Fragen an Helmut Creutz, 47 Antworten
von Helmut Creutz,
kritisch betrachtet und analysiert von Egon W. Kreutzer
Frage 31
Mit der einunddreißigsten Frage versucht Creutz den Zusammenhang zwischen Zins und Inflation zu erklären.
Die Frage, die er sich stellen lässt, lautet:
Können Sie mir erklären, wo der Zusammenhang zwischen Zins und Inflation/ Wirtschaftswachstum liegt?
Die Antwort Creutz's sieht so aus:
Der Zusammenhang zwischen
Zins und Inflation ergibt sich aus dem Tatbestand, dass die Geldbesitzer,
zum Ausgleich ihrer inflationsbedingten Substanzverluste, ihre
Zinsforderungen um den Inflationssatz erhöhen. Das heißt,
die Zinsforderungen steigen tendenziell mit den Inflationen auf
und ab.
Der Zusammenhang zwischen Zins und Wirtschaftswachstum ergibt
sich aus dem Tatbestand, dass die Zinseinkommen, wie alle Einkommen
in der Wirtschaft, erarbeitet werden müssen. Das heißt,
mit steigenden Verschuldungen, Zinsbelastungen und Zinseinkommen,
müssen auch die Leistungen in der Wirtschaft steigen, wenn
es nicht zu einem Absinken der übrigen Einkommen kommen soll.
Da aber das Wirtschaftswachstum schon seit etwa 20 Jahren mit
dem Wachstum der Geldvermögen, Schulden und Zinsströme
nicht mehr Schritt halten kann, kommt es immer mehr zu Engpässen
bei dem Einkommensrest, der nach Bedienung der Zinsansprüche
den Arbeitleistenden verbleibt.
Hier beschreibt
Creutz zunächst einmal eine der möglichen Abwehrreaktion
des Kapitals gegen Inflationsverluste, nämlich steigende
Zinssätze, die den Inflationsverlust ausgleichen sollen.
Die weitaus wichtigere Tatsache, dass die Höhe der Zinsen
nämlich darüber entscheidet, wie viel Geld durch Kreditvergabe
überhaupt auf den Markt kommt, ignoriert er hier.
Niedrige Zinsen führen
üblicherweise zu hohen Ausleihungen, was leicht zu einem
Überschuss an Liquidität und damit zu inflationären
Erscheinungen führen kann.
Hohe Zinsen hingegen führen zu einer Dämpfung der Kreditnachfrage,
damit zu rückläufigem Geldangebot, zu einem Nachlassen
der Inflation bis hin zu deflationären Erscheinungen.
Ebenso reagieren auch die Finanzmärkte auf Zinsveränderungen.
Je niedriger die Zinsen, desto höher die Chance, mit spekulativen
Engagements die höhere Rendite zu erzielen; je höher
die Zinsen, desto höher die Chance, mit klassischen Geldanlagen
den besseren Schnitt zu machen.
Steigende Aktienkurse in Zeiten niedriger Zinsen sind daher eher
ein Zeichen für partielle Inflation (Geldüberschuss
auf den Aktienmärkten) als für gute Konjunkturaussichten.
Auch die dann folgende Betrachtung ist zumindest unvollständig.
Es stimmt zwar, dass Zinseinkünfte "erarbeitet"
werden müssen, doch ist der Zusammenhang bei weitem nicht
so trivial. Es gibt zwei Wirkungsmechanismen, die sich durchaus
überschneiden können:
A) Die Manipulation des Kreditvolumens
Das Geld, das für die Bezahlung von Zinsforderungen benötigt
wird, kann theoretisch aus immer neuen Krediten stammen. Solange
Gläubiger und Schuldner sich einig werden, muss überhaupt
nichts erarbeitet werden. So steigen die Schulden und die Guthaben,
die Reichen werden reicher und die Armen werden ärmer.
Erarbeitet - und gegen Geld verkauft - werden muss immer nur so viel, wie nicht durch
zusätzliche Kredite abgedeckt werden kann. Um dies zu erfüllen,
wird aus Rohstoffen und Arbeit ein Wert geschaffen, für den
(von den Gläubigern!) Geld bezahlt wird. Geld, mit dem Zins
und Tilgung befriedigt werden können. Der Anspruch ist damit
"abgearbeitet".
Je weniger neue Kredite also vergeben werden, desto mehr Leistung
(=Wachstum?) ist erforderlich, um den Geldmangel zu mildern. Doch
in solchen Situationen zeigt sich die Nachfrage oft spröde.
Der Zinsdruck, führt dann über den Verkaufsdruck zu
einem Druck auf die Preise. Das Umsatzwachstum bleibt folglich
hinter dem Mengenwachstum zurück. Gut für den Export
- schlecht für den Binnenmarkt.
B) Die Manipulation der Kaufkraft
In dem Maße, in dem die Ansprüche des Geldvermögens
nachfragewirksam auf dem Markt antreten, verändert
sich die Kaufkraft. Je mehr Geld nachfragt, desto geringer ist
seine Kaufkraft (Inflation), je weniger Geld nachfragt, desto
höher ist seine Kaufkraft (Deflation), denn die Leistung
kann der Nachfrage nicht nach Belieben und auch nur mit Verzögerung
angepasst werden.
In beiden Fällen wird die Kaufkraft der Reicheren den Markt
zu Lasten der Bedürfnisbefriedigung der Ärmeren leerkaufen.
Bei Inflation nimmt das Kapital dabei nur scheinbar einen in die
Zukunft wirkenden Substanzverlust in Kauf, denn in aller Regel
gleichen die höheren nominalen Beträge der schnell wachsenden
Gesamtverschuldung die sinkende Kaufkraft pro Geldeinheit aus.
In der Realität führen Zinseinkünfte ganz überwiegend
nicht zum Konsum, sondern erhöhen den Kapitalstock. Die Folge
ist, dass die Ansprüche des Kapitals auf einen bestimmten
Teil der Wirtschaftsleistung für immer längere Zeiträume
in die Zukunft hinein reichen.
Mehr in Kürze bei der Behandlung von Frage 32