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47 Fragen an Helmut Creutz, 47 Antworten
von Helmut Creutz,
kritisch betrachtet und analysiert von Egon W. Kreutzer
Frage 30
Mit der dreißigsten Frage geht Creutz auf den sogenannten "Natürlichen Zins" ein, ohne ihn allerdings auch so zu nennen.
Die Frage, die er sich stellen lässt, lautet:
Was ist unter Zinsen für schuldenfreies Sachkapital zu verstehen? Diese sollen ebenfalls in die Preise eingehen. Können Sie mir das erklären?
Die Antwort Creutz's sieht so aus:
Nicht nur bei Sachkapitalbildungen mit geliehenem Geld, sondern auch bei solchen mit eigenem Geld fallen Zinsen an. Denn niemand wird sein eigenes Geld für Investitionen einsetzen, wenn er daraus nicht mindestens die gleiche Verzinsung erwarten kann, die er bisher - ohne Arbeit und Risiko - bei der Bank erhalten hat. Das heißt, so lange die Banken für die Ersparnisse Zinsen zahlen, müssen auch alle Investitionen in Sachanlagen, einschl. des Bodens, mit Zinsen bedient werden, unabhängig vom Grad ihrer Verschuldung. Soweit verschuldet fließen die in die Kalkulationen eingehenden Zinsen also an die Banken bzw. Sparer, soweit schuldenfrei an die Eigentümer des Sachkapitals.
Mit seiner Antwort folgt
Helmut Creutz einem schier unausrottbaren Aberglauben.
Natürlich
fallen keine Zinsen an,
wenn eigenes Geld eingesetzt wird, um - zum Beispiel - ein Mietshaus
zu kaufen.
Dass niemand Geld einsetzt, ohne zu erwarten,
auf diese Weise einen Gewinn erzielen zu können, der höher
ist, als der Zinsgewinn, den er bei üblichen Geldanlagen
erzielen könnte, ändert nichts daran, dass trotzdem
keine Zinsen anfallen.
Richtig ist allerdings, dass in (betriebswirtschaftlichen) Kalkulationen
und folglich auch bei der Preisbildung gerne mit kalkulatorischen
Zinsen operiert wird. Ob
diese allerdings erlöst werden können, hängt von den Gegebenheiten des Marktes ab,
nicht davon, dass Banken Zinsen zahlen.
Die Gestaltung des Angebotes, der Wettbewerb und die Nachfrage
entscheiden schließlich darüber, welche Preise für
welche Mengen erzielt werden können. Dem stehen die fixen
und die variablen Kosten der Erzeugung gegenüber. Liegt der
Umsatz unterhalb der Summe aus fixen und variablen Kosten und
haben sich keine, oder per Saldo negative Bestandsveränderungen
ergeben, ist es vollkommen egal, ob die Banken für Ersparnisse
Zinsen zahlen, oder nicht: Dann entstehen Verluste, auch wenn
noch so viele kalkulatorischen Zinsen in die Preise eingerechnet
wurden, es sind dann eben keine Zinsen für/auf das schuldenfreie
Sachkapital angefallen.
Und auch das kommt in der Realität vor.
Mehr in Kürze bei der Behandlung von Frage 31