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47 Fragen an Helmut Creutz, 47 Antworten von Helmut Creutz,
kritisch betrachtet und analysiert von Egon W. Kreutzer

 

Frage 28

Mit der achtundzwanzigsten Frage will Creutz belegen, dass Hortung (=Kreislaufunterbrechung) tatsächlich stattfindet.

Die Frage, die er sich stellen lässt, lautet:

Mir will nicht einleuchten, dass so große Geldsummen dem Kreislauf entzogen sein sollen, dass dadurch der Ausgleich von Angebot und Nachfrage nicht mehr gewährleistet ist. Kaum jemand wird doch selbst bei niedrigem Zins sein Geldvermögen in einen Strumpf stecken. Denn es ist ja immer noch besser, wenig Zinsen zu bekommen als nichts.


Die Antwort Creutz's sieht so aus:

Bei den Kreislaufunterbrechungen geht es nicht um die zinsbringenden Geldvermögen, sondern lediglich um die Zurückhaltung der laufend genutzten Zahlungsmittel, also letztlich um die verzögerte Ausgabe oder Anlage von Einkommensanteilen. Schon die Zurückhaltung von zwei oder drei Prozent der laufenden Einkommen genügt, um eine Volkswirtschaft ins Straucheln zu bringen. Noch größer sind die Folgen, wenn sich diese Zurückhaltung über Monate hinweg fortsetzt.

Solche Zurückhaltungen können bereits durch negative Nachrichten ausgelöst werden, noch mehr natürlich durch konkrete negative Erfahrungen wie Kurseinbrüche oder Arbeitslosigkeit. Hinzu kommt noch, dass mit den z.Zt. relativ niedrigen Guthabenzinsen auch noch der Antrieb nachlässt, sein Geld längerfristig anzulegen und man das statt dessen verstärkt in kurzfristigen Geldanlagen vornimmt. Es sind also keine großen Geldhortungen erforderlich um die Konjunktur zu gefährden, obwohl es auch diese in einem erheblichen Ausmaß gibt, z.B. in kriminellen und Steuerhinterziehungskassen.


Diese Äußerungen sind in mehrfacher Hinsicht falsch.

1. Geld läuft nicht im Kreis um. Es oszilliert, oder fluktuiert.

Geld wird durch einen Kredit geschaffen, ermöglicht dann eine geringe Anzahl von Transaktionen, bevor es zur Tilgung eines Bankkredits eingesetzt wird, und so wieder aus der Welt verschwindet, oder in eine langfristige Anlage transferiert ist, was seine Stilllegung bedeutet.

Die Existenz und Aufrechthaltung einer ausreichenden Zahlungsmittelversorgung zur Darstellung der Kaufkraft ist ohne eine permanente, ausreichende Netto-Neuverschuldung nicht herzustellen.
Geldhortung spielt so lange nur eine untergeordnete Rolle, wie die Banken bereit sind, in ausreichendem Maße Liquidität zur Verfügung zu stellen. Ob diese Liquidität durch Konsumentenkredite (Ratenkredite und großzügige Dispositionsrahmen auf den Gehaltskonten) oder durch Investitions- und Betriebsmittelkredite für die Wirtschaft, oder durch Kredite an den Staat und die öffentlichen Haushalte bereitgestellt wird, ist dabei nicht relevant.

2. Geringe Zurückhaltung von Einkommensteilen genügt nicht, um eine Volkswirtschaft ins Straucheln zu bringen

Die Sparquote, also der Teil der Einkommen der privaten Haushalte, welcher nicht ausgegeben wird, ist in Deutschland von 1950 bis 1975 von ca. 3% auf ca. 15 Prozent angestiegen. Bis 1990 bewegte sie sich zwischen 12 und 14 Prozent, danach ist sie wieder abgesunken. Die Sparquote der privaten Haushalte scheint also eher der wirtschaftlichen Entwicklung zu folgen, als ihr entgegenzuwirken. Creutz begrenzt seine Aussage zwar auf "die Zurückhaltung der laufend genutzten Zahlungsmittel", versäumt aber darauf hinzuweisen, dass Geld, dass in längerfristige Anlagen fließt, nicht automatisch dem Markt wieder zur Verfügung steht. Es ist definitiv für die Dauer der Anlage stillgelegt.

Es bedarf stets neuer Kredite, um die Liquidität wieder herzustellen. Werden diese nicht beantragt oder verweigert, tritt eine Geldmangelsituation ein, gleichgültig, ob die Anleger nun Geldscheine in der Truhe im Keller liegen haben, oder Sichtguthaben auf den Girokonten oder ob die Gelder in langfristige Geldanlageformen geflossen sind.

3. Große Geldhortungen machen nichts, kleine schon?

Creutz sollte gelegentlich daran denken, seine Argumentation ein bisschen konsequenter aufzubauen. Wenn nur geringe Geldhortungen erforderlich sind, um die Konjunktur zu gefährden, dann müssten wir, seit es die großen Hortungen gibt, deren Existenz er einräumt, konjunkturell am Boden liegen.
Wenn es also gelungen ist, diese großen Hortungen zu kompensieren, warum soll es dann bei kleineren nicht gelingen?

Nur weil Herr Creutz an eine unveränderliche Geldmenge glaubt, die eben nur bis zu einem gewissen Punkt strapaziert werden konnte?

Nein. Das kann nicht sein.
Das Problem ist ein Problem der ausreichenden Versorgung mit frischem Geld, nicht ein Problem von kleinen oder großen Kreislaufunterbrechungen.




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