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47 Fragen an Helmut Creutz, 47 Antworten
von Helmut Creutz,
kritisch betrachtet und analysiert von Egon W. Kreutzer
Frage 26
Mit der sechsundzwanzigsten Frage begibt sich Creutz auf die Suche nach den Ursachen von Deflation und Inflation - und findet die Stagflation.
Die Frage, die er sich
stellen lässt, lautet:
Wenn in unserer Wirtschaft Geld zurückgehalten und dieser
Mangel durch Zinszahlungen auch noch gesteigert wird, führt
das doch zu einer Deflation und die Preise müssten sinken.
Auf der anderen Seite scheint jemand so an der Kaufkraft des Geldes
zu drehen, dass die Preisentwicklung eher einer schleichenden
Inflation ähnelt. Weist unsere heutige Wirtschaft die negativen
Seiten beider Extreme auf?
Die Antwort Creutz's sieht so aus:
Ihre Beobachtung ist weitgehend zutreffend. In den 70er Jahren
sprach man bei einer solchen Gemengelage von "Stagflation",
also von Stagnation trotz Inflation. Heute ist die Inflation zwar
deutlich geringer, dafür aber nähern wir uns aufgrund
der niedrigen Zinsen den Grenzen der Geldzurückhaltung und
damit deflationären Gefährdungen, obwohl wir im Grunde
"im Geld schwimmen".
Verstärkt wird diese Tendenz noch durch die allgemeinen Sättigungserscheinungen,
die selbst mit dem Einsatz von Werbemillionen kaum noch zu durchbrechen
sind. Außerdem kommen noch die Wirkungen der Arbeitslosigkeit
und des Börsencrashs hinzu, die beide die Rücklagenbildungen
in den Vorsichtskassen fördern. Als Folge ist der Handel
bereits zu Preissenkungen und Rabatten gezwungen, bis hin zu den
Sonder- und Billigangeboten der Fluglinien oder der Deutschen
Bahn. All das kann man durchaus bereits als deflationäre
Erscheinungen deuten. Kurz: Den reichen Industrienationen droht
immer mehr die "japanische Krankheit", die, einmal ausgebrochen,
nur sehr schwer zu überwinden ist - es sei denn durch eine
Umlaufsicherung, die auch bei noch niedrigeren Zinssätzen
den Geldkreislauf schließen würde!
Dass Creutz in seiner
Antwort den durch wachsende Arbeitslosigkeit bei gleichzeitiger
Zerschlagung der sozialen Sicherungssysteme hervorgerufenen Mangel
an Massenkaufkraft als Sättigungserscheinung bezeichnet und
darin einen Vorgang der Auffüllung der Sicherheitskassen
sieht, kann eigentlich nur noch als Zynismus bezeichnet werden.
Trotzdem hat er letztlich recht, wenn er im aktuellen gesamtwirtschaftlichen
Szenario die Anzeichen einer Deflation sieht.
Interessant an dieser Stelle:
Die von der großen Koalition geplante und längst verkündete
Mehrwertsteuererhöhung - ist das nicht auch so eine Art Umlaufsicherungsgebühr?
Von der erhofften Wirkung her, würde eine jährliche
Anhebung der Mehrwertsteuer sicherlich ebenso zum vorgezogenen
Konsum verführen, wie eine Umlaufsicherungsgebühr in
der gleichen Größenordnung.
Mehr in Kürze bei der Behandlung von Frage 27