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47 Fragen an Helmut Creutz, 47 Antworten
von Helmut Creutz,
kritisch betrachtet und analysiert von Egon W. Kreutzer
Frage 11
Mit der elften Frage geht Helmut Creutz auf die Wirkungen der - langfristigen - Konjunkturzyklen ein und begründet die Notwendigkeit von Kriegen, als die wirkungsvollste Variante sogenannter "Reinigungskrisen".
Die Frage, die er sich stellen lässt, lautet:
Das bisherige System
funktioniert bisher über Zyklen des Aufschwungs und des Abschwungs.
Die Tendenz der Amplitude scheint zu wachsen. Kapitalvernichtung
wird notwendig, um den Fluss des Geldes wiederherzustellen. -
Kann diese Kapitalvernichtung statt über Krieg nicht auch
über Schuldenstreichung als Kapitalvernichtung oder Streichungen
von Vermögen erreicht werden und so das System systemfähig
halten?
Die Antwort Creutz's sieht so aus:
Da Geldschulden und Geldvermögen sich immer gegenüberstehen,
müssten - wie Sie richtig schreiben - beide gemeinsam gestrichen
werden. Das aber setzt die Bereitschaft der Gläubiger voraus,
die sicher nur schwer dafür zu gewinnen sein werden. Eine
Schuldenstreichung alleine würde das Überangebot auf
der Geldangebotsseite noch mehr erhöhen und damit eine Belebung
der Kreditaufnahmen und des Wirtschaftswachstums noch dringender
machen. Das aber ist auf Grund allgemeiner Sättigungsentwicklungen
und sinkender Massenkaufkraft immer weniger möglich. Also
bleibt - wie Sie ebenfalls zutreffend anführen - nur eine
Reduzierung der vorhandenen Sachkapitalien übrig, wie das
bereits z.T. durch die vielen Pleiten geschieht. Ökonomen
sprechen in solchen Fällen von notwendigen "Reinigungskrisen"
oder sogar "schöpferischen Zerstörungen" (Schumpeter),
die natürlich - man wagt es kaum zu sagen - in Kriegen am
wirkungsvollsten umzusetzen sind.
Schon die
Fragestellung wirkt konstruiert.
Wie kommt der Fragesteller auf die Idee, Kapitalvernichtung sei
nötig, um den Fluss des Geldes wiederherzustellen?
Was verleitet ihn zu glauben, Kriege würden Kapital vernichten,
was versteht er unter "Streichungen von Vermögen"?
Helmut Creutz hat es mit dieser Fragestellung leicht, weder über
die Ursachen der Konjunkturzyklen sprechen, noch die Entwicklungsphasen
einer Kreditgeldwährung erläutern zu müssen. Er
bewegt sich munter weiter im Allgemeinen und erklärt wieder
einmal, dass es weder einen Schuldner ohne Gläubiger, noch
einen Gläubiger ohne Schuldner geben könne, dass Schulden
also niemals gestrichen werden können, ohne dass auch die
Forderungen gestrichen werden - und selbstverständlich geht
er davon aus, dass Gläubiger für eine Streichung von
Schulden nicht so leicht zu gewinnen sein werden.
Dennoch scheut er sich nicht, dem erstaunten Fragesteller zu erklären,
was geschähe, würde man die Schulden streichen, ohne
gleichzeitig die Forderungen zu reduzieren (was, wie er im Satz
vorher erklärte, vollkommen unmöglich ist).
Dann nämlich, meint Creutz, würde sich das Überangebot
auf der Geldangebotsseite noch mehr erhöhen und damit eine
Belebung der Kreditaufnahmen und des Wirtschaftswachstums noch
dringender machen.
Wie er darauf kommt, dass es ein Überangebot auf der Geldangebotsseite
gibt, wenn er gleichzeitig eine Umlaufsicherung fordert, um den
Geldmangel zu überwinden, bleibt sein Geheimnis. Ebenso wie
es sein Geheimnis bleibt, warum dadurch, dass Schuldnern die Schulden
gestrichen werden, mehr Geld in die Welt kommt. Dass weniger Schulden
die Belebung der Kreditaufnahmen und des Wirtschaftswachstums
notwendiger machen, ist eine weitere, vollkommen unhaltbare Folgerung.
Auf der Basis dieses katastrophalen Fehlschlusses argumentiert
er dann weiter, dass genau dies (die Belebung der Kreditaufnahmen
und des Wirtschaftswachstums) aufgrund allgemeiner Sättigungsentwicklungen
und sinkender Massenkaufkraft immer weniger möglich sei.
Spinnt man diesen Faden konsequent zu Ende, sagt Creutz damit:
Man kann
Schulden nicht erlassen, ohne auch Forderungen zu streichen, denn
dies würde zusätzliche Kreditaufnahmen nötig machen,
was wegen der sinkenden Massenkaufkraft nicht mehr möglich
ist.
Das verstehe wer will.
Aber Creutz ist noch nicht am Ende. Weil(!) das nicht geht, bleibt,
so Creutz, nur die Reduzierung der vorhandenen Sachkapitalien
übrig - und als Beispiel nennt er einerseits Insolvenzen,
andererseits Zerstörungen durch Kriege.
Auch wenn
es schwer fällt, hier noch ernst zu bleiben:
Eine alternde Kreditgeldwährung ist durch ein extremes Missverhältnis
zwischen der Menge des verfügbaren liquiden Geldes und der
Höhe der fälligen Forderungen auf Geld gekennzeichnet.
Dies führt dazu, dass pro Periode immer größere
Teile der Leistung der wirtschaftenden Individuen den Gläubigern
als Zinszahlungen zufließen und damit das zinsfordernde
Vermögen weiter erhöhen. Die Entwicklung der Forderungen
vollzieht sich exponentiell, die Wirtschaftsleistung kann dem,
trotz aller Produktivitätssteigerungen, nicht folgen.
Die einfachste Weg, diese Entwicklung zu beherrschen, besteht
darin, eine ausreichende Inflation zuzulassen. So bleibt das Verhältnis
zwischen Leistungsvermögen und der potentiellen Kaufkraft
der Gläubiger gewahrt.
Wenn man alle paar Jahre sowohl bei den Schulden, wie bei den
Preisen und Löhnen ein paar Stellen vor dem Komma streicht
- und die Zinssätze einigermaßen niedrig hält,
kann das lange gut gehen.
Lediglich die Großgläubiger haben ein Interesse daran,
dass eine Stabilitätspolitik betrieben wird, welche die wohltuenden
Wirkungen der Inflation verhindert.
Das führt dann sehr wohl dazu, dass immer weitere Teile der
Realwirtschaft zahlungsunfähig werden. Wachsende Zinsforderungen
bei stagnierender Geldmenge führen zu Liquiditätsengpässen,
führen dazu, dass die Massenkaufkraft schwindet. Die Gläubiger,
welche die Inflation vermeiden wollen, gelangen auf diese Weise
relativ zügig in den Besitz der Sachwerte. Staat und Bürger
müssen ihre Habe verkaufen, um sich ernähren, kleiden
und wohnen zu können.
Doch die Sachwerte einer Volkswirtschaft sind endlich.
Das Kapital nicht.
So stehen die Großgläubiger eines Tages vor der Erkenntnis,
dass sie so ziemlich alles, was käuflich ist, gekauft haben,
dass ihr Geldvermögen aber noch längst nicht zu Ende
ist.
Die Schuldner stehen gleichzeitig vor der Erkenntnis, dass sie
alles, was sie einst besaßen, verkauft haben, und jetzt
nichts anderes mehr tun können, als - wie Sklaven - nur noch
zu schuften, um Forderungen zu erfüllen, die niemals mehr
abgetragen werden können.
Zu diesem Zeitpunkt spätestens muss das exponentielle Wachstum
des Geldvermögens enden - es sei denn, man sprengt die Fesseln
enger nationaler Volkswirtschaften und sucht die Steigerung des
Profits außerhalb der eigenen Volkswirtschaft.
Die Versuchung, dies durch kriegerische Eroberung und Unterwerfung
zu erreichen ist groß. Zumindest dann, wenn sich das Opfer
weigert, sich den Spielregeln der Globalisierung zu unterwerfen.
Dies alles
aber sind Betrachtungs- und Handlungweisen, die ausschließlich
die Interessen des Kapitals widerspiegeln.
Kein kleiner Handwerker, kein Arbeiter, kein Lehrer, kein Bauer,
kein Ingenieur käme auf die Idee, zur Erzielung - geschweige
denn zur Steigerung - leistungsloser Einkünfte einen Krieg
anzuzetteln.
Weder dem Krieg, noch
den durch Deflation hervorgerufenen Insolvenzen darf ein vernunftbegabter
Mensch auch nur im Geringsten die Absolution erteilen, indem er
sie als "Reinigungskrisen" oder "schöpferische
Zerstörung" bezeichnet.
Die 82 Millionen Bürger der Bundesrepublik Deutschland, die
450 Millionen Bürger der EU, die 6,3 Milliarden Menschen
auf dieser Welt, sind doch etwas anderes, als Figuren auf einem
Schachbrett! Man kann und darf nicht nach Belieben Existenzen
zerschlagen und Leben vernichten, nur um der nächsten Generation
von Global Playern das von ihren Vätern verheerte Spiel neu
aufzustellen.
Schon gar nicht, wenn
man eigentlich nur beabsichtigt, die Geldversorgung zu verbessern.
Mehr in Kürze bei der Behandlung von Frage 12