... leider bin ich vollkommen unmusikalisch. 

 

Ein Satz, der so oder so ähnlich immer wieder und viel zu oft zu hören ist. Ein Satz, mit dem sich viele Menschen für inkompetent erklären, ein fröhliches Lied mit zu singen, einem Instrument Töne zu entlocken, oder gar Musik zu hören, von der es heißt, sie sei "schwer".

  • Da ist einerseits immer der Vergleich mit den tausendfach auf allen Kanälen abgespielten Musikdarbietungen von Profis, meist unterstützt von einer Technik, die auch aus einem dünnen Stimmchen noch ein wohltönendes Organ macht, und der in aller Regel zu ungunsten der eigenen, nicht geübten und trainierten Fähigkeiten ausgeht,
  • da ist vor allem aber auch jener unheilvolle Prozess, der in Kindergarten und Schule beginnt, bei dem Sänger für den Chor ausgewählt werden, während andere zum stummen Zuhören verdammt bleiben, und der sich im Instrumental-Unterricht fortsetzt, wo oft nicht die Freude an der Musik vermittelt wird, sondern lediglich die Pein eines fortgesetzten, ermüdenden, unbefriedigenden Übens, an dessen Ende dann das Urteil steht: "Du bist eben unmusikalisch".

 

Ganz am Rande:
Ich selbst war auch vollkommen "unmusikalisch". Stand mit meinen Musiklehrern auf Kriegsfuß, konnte nicht singen - und schon gar nicht Blockflöte spielen.
Als ich dann so ungefähr 13 Jahre alt war, stand plötzlich ein Harmonim bei uns zuhause. Es stand nur so rum. Und ich war neugierig. Ich suchte nach Notenheften und dem "Schloss-C" und begann einfingrig erste kleine Melodien zu spielen. Viele, viele Jahre - wenige davon in Begleitung einer Lehrerin - lernte ich, neugierig und aus gänzlich eigenem Antrieb. Doch immer ganz eng an ein Notenblatt geklammert.
Und irgendwann, von einem Tag auf den anderen, legte ich die Noten beiseite und drücke seitdem - in freiem Improvisieren - nur noch das aus, was mich innerlich bewegt.
 

Vor ein paar Tagen lernte ich eine Musikpädagogin kennen, Angela Buer-Meinschien, die es sich zum Ziel gesetzt hat, der fast allen Menschen innewohnenden Sehnsucht nach Musik und eigenem Musizieren einen Weg zu zeigen, fernab von Drill und entmutigender Dauerüberei.

Ihr Konzept ist so, wie das eines guten Arztes: Ganzheitlich.

Der Mensch steht im Mittelpunkt.

 

Es ist der Schüler - und hier sind durchaus auch Erwachsene angesprochen, die längst den Mut verloren haben, noch einmal ein Instrument zu erlernen - der sich unter Anleitung und Begleitung der Lehrerin das erschließt, was ihm möglich und erreichbar ist. Der Schüler geht auf Entdeckungsreise ins Land der Musik, darf und soll experimentieren, darf und soll und wird Freude an dem haben, war er hervorbringt, als Schöpfer eigener Klänge und als Interpret.

Angela Buer-Meinschien hat für die Besucher meiner Seiten zwei kleine Aufsätze aus der Schublade gekramt, in denen sie, fast liebevoll, Kritik an der üblichen Form der Musik-"Erziehung" übt, vor allem aber mit großer Eindringlichkeit erklärt:

 

Niemand ist wirklich unmusikalisch.

 Angela Buer-Meinschien

 

Gedanken zur Musikalität

 

Der Mensch im Mittelpunkt
Musikunterricht mit Erwachsenen

 

"Hat es denn Sinn mit mir? Kann ich trotz meines Alters noch ein Instrument erlernen?"

Bei meiner Unterrichtstätigkeit als Klavierlehrerin begegne ich oft diesen fragenden Blicken der mit dem Unterricht beginnenden erwachsenen Schüler. Es sind Frauen wie Männer, die irgendwie im großen Angebot der Musiklehrer den Weg in mein Musikzimmer gefunden haben und nun - etwas unsicher - nach den Erfolgsaussichten ihres Vorhabens fragen.

Es sind Menschen im Alter zwischen 40 und 70 Jahren, die mitten im Leben stehen und durchaus eine Lebensleistung vorzuweisen haben. Und nun diese Unsicherheit, ob sie gut genug sind und die Erwartung der Lehrerin erfüllen können. Und ich frage immer zurück: "Wünschen Sie es sich denn?"

Die Beantwortung dieser Frage ist natürlich ein eindeutiges "Ja", und damit ist für mich und den Schüler die Eingangsfrage beantwortet.

Wenn Erwachsene beschließen ein Musikinstrument zu erlernen, ist oft große Unsicherheit im Spiel. Die Zeit des Lernens liegt oft viele Jahre zurück in der Jugend, und das Aufnehmen und Umsetzen von gänzlich neuem Lernstoff fällt immer schwerer. Zwar entschließen sich immer mehr, im vorgerückten Alter etwas Neues zu erlernen - die hohe Zahl von Gasthörern im Rentenalter an den Universitäten belegt dies - aber mit der Musik verhält es sich angeblich doch etwas anders.

Für die Musik braucht man "Talent" oder "Musikalität". Und es geht um Leistung, auch wenn die Musikschulen mit Slogans wie "Musik macht Spaß" werben.

Der Spaß kommt schnell an seine Grenzen, wenn der Schüler an einem Vorspiel teilnehmen soll und sich dem Urteil der Zuhörer stellen muss. Das ist nicht jedermanns Sache, die Teilnahme wird aber vielfach von den Schülern erwartet.

Den Erwachsenen bleibt diese Form des Leistungsbeweises meist erspart. Aber die Erwartung, die an alle Musiker gestellt wird, ist für die meisten klar:

Das Instrument wird erlernt, um anderen vorzuspielen.


Die Vorstellung dieser Neu-Schüler, dass der Sinn ihres Tuns erst durch eine erbrachte Leistung bzw. die Erfüllung einer Erwartung seine Rechtfertigung erhält, kommt also nicht von ungefähr. Sehen wir einmal von der anerkannt heilenden Wirkung der Musik in der Musiktherapie ab, so begegnen wir in sämtlichen Bevölkerungsschichten der gleichen Vorstellung, dass der Instrumentalunterricht dem einzigen Zweck dient, sich Spieltechniken anzueignen, um im Laufe der Zeit immer anspruchsvollere Stücke spielen zu können. Wirkliche Anerkennung bei seinen Mitmenschen erwirbt nur derjenige, der höchste technische Schwierigkeiten bewältigt.

Viele kommen mit diesem System gut zurecht und haben eine Befriedigung dabei, ihre Leistung immer mehr zu steigern. Aber andere können die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen und werden als weniger musikalisch abgestempelt.

Menschen, die in fortgeschrittenem Alter mit dem Instrumentalunterricht beginnen, wollen sich natürlich nicht diesem Leistungsdruck aussetzen. Sie wollen einfach Freude am Musizieren haben. Dieser eigene Motivationsansatz ist nicht gänzlich vom Leistungsgedanken frei, nimmt sich aber das Recht heraus, sich ihm nicht unterwerfen zu müssen.

Viele Lehrer haben von ihrem Beruf ein Hierarchieverständnis, das sie als Lehrer zum alleinigen Bestimmer und den Schüler zum Befehlsempfänger macht.

Der Erfolg des Schülers wertet die Fähigkeiten des Lehrers in der Öffentlichkeit auf.

Beim Erwachsenen stehen viele Musikpädagogen vor der für sie neuen Situation, auf Augenhöhe zu unterrichten. Und der "Erfolg" bleibt unerkannt in den vier Unterrichtswänden, denn erwachsene Schüler haben das Manko, dass sie nie bei "Jugend musiziert" teilnehmen werden und somit ihrem Lehrer keine Gelegenheit geben, sich in der Öffentlichkeit zu profilieren.

Sinn und Zweck des Unterrichts müssen von jenen folglich neu definiert werden.

Der Unterricht mit Erwachsenen wird im musikalischen Lehrbetrieb immer als etwas Besonderes behandelt, das besondere Fähigkeiten vom Musiklehrer erfordere. Die Erwachsenen sind jedoch für beide Seiten eine dankbare Klientel, da sie sehr bewusst in den Unterricht gehen und hoch motiviert sind. Oftmals beteiligen sie sich aktiv an der Bestimmung der Lerninhalte und machen es dem Lehrer somit leichter. Wenn der Lehrer seine Bestimmerrolle aufgibt, gibt er seinem Schüler die Möglichkeit, sich individuell und seinen Bedürfnissen entsprechend zu entwickeln und sich nicht dem Hype um die technische Fingerakrobatik aussetzen zu müssen.


Die Menschen sind nicht für die Musik da. Die Musik dient uns Menschen!

Für diese These ist ein Umdenken im Musikbetrieb nötig, das den Menschen in den Mittelpunkt des Unterrichts stellt und die Inhalte nach ihm ausrichtet.
Schon mehrmals habe ich von Erwachsenen gehört, denen in ihrer Kindheit vom Musiklehrer jegliche Musikalität abgesprochen worden ist, weil sie nicht singen konnten. Als Strafe durften sie nicht im Schulchor mitsingen. Folgerichtig hielten sich diese Menschen wirklich für unmusikalisch und unterließen jeglichen Versuch, sich musikalisch zu betätigen. Diese Überzeugung von der eigenen Unmusikalität zieht sich in manchen Familien sogar durch mehrere Generationen. ("Die Schulzes sind eben unmusikalisch").

Die Frage nach der Musikalität nimmt aber eine viel zu bestimmende Rolle ein. Wenn die Musik den Menschen dienen soll, gibt es noch andere Inhalte als den Leistungsaspekt, der sich aus dem Begriff der Musikalität im herkömmlichen Verständnis ergibt.

Der Erwachsene, der den Wunsch verspürt Musik zu machen, erahnt unbewusst, dass er in der Musik etwas findet, das ihn persönlich fördert und ihm guttut. Er sucht die Freude im Umgang mit der Musik und findet häufig eine neue, ungeahnte Qualität, die sein Leben bereichert und ihn in seiner Persönlichkeitsentwicklung voranbringt. Damit sind noch gar nicht die bekanntermaßen positiven Auswirkungen auf die Vernetzung der Nervenbahnen im Gehirn oder der Erwerb sozialer Kompetenz gemeint. Es ereignen sich im Laufe des Unterrichts erstaunliche Wandlungen bei den Schülern:

  • Eine unscheinbare, unsichere Frau, die ein gesundes Selbstbewusstsein aufbaut, indem sie zuhause ohne jegliche Hilfe des Lehrers ein unbekanntes Klavierstück einübt und es im Unterricht fehlerfrei vorspielt.
  • Eine Buchhalterin, die als Kind am Klavier nur Klassik ohne Pedalgebrauch spielen durfte und nun unter dem Eindruck von emotionalen Pop-Klängen beschließt, ihr Leben in neue Bahnen zu lenken und eine Ausbildung zur Pilateslehrerin zu beginnen.
  • Der technikbewanderte Senior, der zum Unterricht kommt, um seine grauen Zellen zu aktivieren und dabei die neue Erfahrung macht, dass ihm das freie Spiel ohne Noten hilft Kontrolle abzugeben und Gefühle fließen zu lassen.

Die persönlichen Entwicklungen der Schüler, die man als Lehrer durch die bewusste Auswahl der Lerninhalte unter Einbeziehung der Schülerwünsche einleiten kann, sind im gängigen Musikunterricht nicht das Primärziel. Die obigen Beispiele lassen aber erkennen, welche Möglichkeiten sich aus dem Musikunterricht ergeben können.

Angela Buer-Meinschien

 

Gedanken zur Musikalität

 

Musikalisch oder nicht - Das Ende eines Irrglaubens?

Gedanken zum Aufsatz: "Wie musikalisch sind eigentlich Nicht- Musiker"
von Daniel Müllensiefen, erschienen in: Musikforum, Musikleben im Diskurs,
April/Juni 2012. Schott-Verlag, Mainz

 

"Du bist unmusikalisch. Mit dir hat es gar keinen Sinn!"

Wie viele Musikschüler haben diesen Satz so oder ähnlich in ihrer Jugend zu hören bekommen. In der Schule vom Musiklehrer, der die Auswahl traf, wer im Schulchor mitsingen durfte und wer nicht. Oder vom Instrumentallehrer, dem die Fortschritte seines Schülers am Instrument nicht schnell genug gingen. Und wieviele haben dem Lehrer geglaubt und sich daraufhin gänzlich von der Musik zurückgezogen, enttäuscht und traurig.

Im Laufe mehrerer Generationen sind auf diese Weise viele Menschen um die Freude gebracht worden, die ihnen die Beschäftigung mit der Musik hätte geben können.


Was würden wir sagen, wenn es womöglich gar nicht stimmt, was die Lehrer damals ihren vermeintlich hoffnungslosen Schülern gesagt haben - und was manche Lehrer heute immer noch sagen?

Was wäre, wenn die Musiklehrer unrecht hatten - und noch haben?

Vielleicht verhält es sich mit der Musikalität doch anders als es landläufig behauptet wird. Anders als die Musiklehrer und die Allgemeinheit seit Menschengedenken glauben und akzeptieren.Was wäre, wenn...

Eine Frage, die im ersten Moment unsinnig erscheint, denn wir alle haben von Musikalität eine ähnliche Vorstellung und sind uns alle einig darüber, welchen Menschen wir als musikalisch einstufen und wen wir als unmusikalisch erachten. Es scheint eine ganz klare Angelegenheit zu sein.


Wissenschaftler in Grossbritannien stellten nun diesen allgemeinen Konsens in Frage.

Sie wollten genau wissen, was Musikalität ausmacht. Denn darin waren sie sich einig: Musikalität ist nicht mit Virtuosität gleichzusetzen.


Folgende Fragen standen im Raum:

  • Welche Rolle spielt das regelmässige Üben? Fördert es die Musikalität, oder hat diese in Wirklichkeit gar nichts mit dem Übevorgang zu tun?
  • Sollte die Musikalität sich nicht in vielen verschiedenen Facetten ausdrücken können und nicht nur in den offensichtlich wahrgenommenen und nachprüfbaren?
  • Wie kann man Musikalität greifbar und messbar machen, wenn man darüber reden will?

Hier wurden Fragen gestellt, die an einem uralten System rüttelten, denn:

  • Sind nicht die vielbeachteten Virtuosen auf den Konzertbühnen der Welt der Inbegriff von höchster Musikalität und unser aller Vorbild?
  • Was wenn nicht die Inhalte des gängigen Musikunterrichts sollen unsere Musikalität in reinster Form fördern?
  • Die Messkriterien zur Klärung der Musikalität eines Menschen sind doch längst vorhanden und werden von allen Menschen akzeptiert.

Nun, es liegt der Autorin gänzlich fern, die Leistung der wunderbaren Musiker zu schmälern, die uns auf Tonträgern und den Konzertbühnen einen Hörgenuss gewähren, zu dem nur hochbegabte Künstler in der Lage sind. Aber wir sollten uns in Zukunft daran gewöhnen, diese außergewöhnlichen Musikvirtuosen nicht als einzigen Maßstab für die zahllosen Musikschüler heranzuziehen und jene bei mangelhafter Entwicklung im aktiven Musizieren sofort als unmusikalisch auszugrenzen. Wir könnten diesen Schülern Unrecht tun.

Laut Daniel Müllensiefen ist eine britische Studie, in deren Verlauf Fragebögen unter dem Titel "How musical are you" an 150 000 Teilnehmer ausgegeben wurden, zu einem Großteil ausgewertet und wird aller Voraussicht nach unsere Vorstellung von Musikalität auf den Kopf stellen.
Der neuartige Fragebogen enthielt Fragen zu Musikalität, musikalischer Bildung und Ausbildung sowie zum musikalischen Verhalten im Alltag, die die Teilnehmer subjektiv beantworten sollten. Gleichzeitig wurden die Teilnehmer objektiven Musiktests unterzogen, die den Forschern einen Vergleich zwischen subjektiven Einschätzungen der Teilnehmer und objektiven Ergebnissen aus den Tests ermöglichten. Die Tests bezogen sich auf die Fähigkeiten des Gehörs:


a) musikalisches Gedächtnis
b) Übereinstimmung des Beats eines Musikstücks mit dem Metronomschlag
c) eigenständiges Mitschlagen des Beats eines Musikstücks
d) sehr kurze Musikausschnitte müssen anhand ihrer klanglichen Ähnlichkeit Gruppen zugeordnet werden.


Das Ergebnis nach Auswertung von 120 000 Fragebögen:

  • Viele unterschätzten ihre eigenen Fähigkeiten
  • Das musikalische Training durch Musikunterricht bringt in Gedächtnistests und den Beattests nur moderate Vorteile
  • Profi-Musiker erzielen in keinem der objektiveb Tests bessere Ergebnisse als der Rest der Teilnehmer.

Welche Rückschlüsse können wir nun mit diesem Wissen hinsichtlich des Musik- bzw. des Instrumentalunterrichts ziehen?


Zurückkommend zu der Eingangsfrage, wonach sich Musikalität in verschiedenen Facetten ausdrücken können sollte, kann man festhalten:

Der trainierte Musiker hat ein gutes musikalisches Gedächtnis und ein Gefühl für rhythmische und metrische Präzision. Sein Gehör für Klangfarben und subtile unterschiedliche Sounds ist dagegen weniger ausgebildet. Man kann somit von einer Spezialisierung seiner musikalischen Fähigkeiten sprechen. Fähigkeiten, die er am Instrument mit besonderen motorischen Begabungen koppelt und an dem er es dann zur Meisterschaft als Musiker bringt.

Für den Sänger ist sein Körper sein Instrument, und auch er kann mit Musikalität allein nicht viel erreichen, wenn ihm die Natur nicht die körperlichen Voraussetzungen und eine schöne Stimme für eine Sängerkarriere mitgegeben hat. Musikunterricht ist somit die Ausbildung eines Teilbereichs der musikalischen Fähigkeiten sowie ein Training in Motorik bzw. die Nutzung besonderer körperlicher Gegebenheiten.


Wenn also ein Musikschüler im Unterricht nicht die erwünschten Ergebnisse erbringt, da er z.B. am Klavier die Läufe nicht schnell und perlend genug bewältigt oder überhaupt die Finger nicht so wollen wie der Kopf - und das ist im Unterricht nicht immer leicht zu erkennen - so kann dies an mangelnden motorischen Fähigkeiten liegen und sagt nicht unbedingt etwas über die Musikalität des Schülers aus.

Oft wird ein Schüler auch durch Blockaden ausgebremst, wenn die beiden Gehirnhälften nicht gut zusammenarbeiten.

Das Virtuosentum macht auf die Menschen einen großen Eindruck. Viele Musiker sind zu schnellen motorischen Abläufen in der Lage sind, die ein normaler Mensch nicht leisten kann. Zuhörer lassen sich durch das Bestaunen von Schnelligkeit aber leicht ablenken, was den musikalischen Gehalt des Vortrags betrifft. Wieviel ist ein Vorspiel aber musikalisch wert, wenn beispielsweise eine Beethoven-Klaviersonate technisch zwar rasant vorgetragen wird, man die Melodie und die Struktur des Stückes aber nicht eindeutig erkennen kann? Das Laienpublikum applaudiert trotzdem begeistert.

So können wir einerseits den Fall haben, dass ein Schüler großes musikalisches Verständnis für ein Musikstück hat, aber technisch/motorisch nicht in der Lage ist, es zu spielen. Oder andererseits hat ein Schüler schnelle, bewegliche Finger, ist aber nicht in der Lage, den "Inhalt" eines Werkes seiner Zuhörerschaft zu übermitteln.


Auch Menschen, die keinen Musikunterricht haben oder hatten, sind oft sehr musikalisch. Sie begegnen uns vielerorts. Wir erkennen sie daran, dass sie gerne singen oder mit Begeisterung und Interesse über Musik sprechen. Die Sänger, die schief singen, haben vielleicht in ihrer Kindheit zu wenig musikalische Zuwendung erfahren und deshalb ihre Stimme nicht ausreichend trainieren können. Sie haben aber in der Regel eine ganz richtige Vorstellung, wie es klingen müsste.

Fleissige Konzertbesucher haben ihr Gehör und ihre Kenntnisse oft derart trainiert, dass sie Regelmäßigkeiten in der Musik und feine Nuancen der Klangfarben sofort erkennen. Dieses nennt man "Implizites Wissen", das man sich ohne Absicht und durch viel Hörerfahrung ohne Hilfe von außen aneignet.

Wenn ein Musikschüler im Instrumentalunterricht Probleme hat und die Fortschritte weder ihn noch den Lehrer zufrieden stellen, sollte man vorsichtig mit dem Begriff "unmusikalisch" umgehen. Womöglich ist der Schüler nur für eben dieses Instrument motorisch weniger begabt und er sollte das Instrument wechseln oder eine andere musische Tätigkeit suchen, die seinen Neigungen näher kommt. Wenn der Schüler trotz seines Unvermögens Spaß am Spiel seines Instruments hat, versucht der Lehrer es besser mit Geduld.

Angela Buer-Meinschien betreibt auch eine eigene Webseite

http://www.musik-ganzheitlich.de/