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Neuerscheinung
am 1. Februar 2005

ca. 134 Seiten,
Softcover,
9,80 €









Seine Durchlaucht lassen spielen
Kurzgeschichten mit einem Lächeln


Renate Seifert, Jahrgang 1932, stammt aus einer Familie von Künstlern und Lehrern.

In Bielefeld geboren und aufgewachsen studierte sie Schauspiel bei Rudolf Hofmann und arbeitete an verschiedenen Bühnen in Deutschland, bevor sie eine Familie gründete.

Die Mutter dreier Kinder erarbeitete sich später einen zweiten Beruf im kaufmännischen Bereich, blieb jedoch ihrer Liebe zur Sprache immer treu. Zunächst unregelmäßig, begann sie zu schreiben. Inzwischen liegen zahlreiche Kurzgeschichten von ihr vor. In der vorliegenden Sammlung schildert sie mit genauer Beobachtungsgabe und subtilem Humor alltägliche und weniger alltägliche Begebenheiten.

Die Bilder in diesem Kurzgeschichten-Band hat Kurt Seifert, der Vater der Autorin gemalt. Er war Mitglied des Lippischen Künstlerbundes. Seine ausdruckstarken Bilder wurden in Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt.




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Posse in Possenhofen


Ein heißer Sommertag am Starnberger See. In Possenhofen, zwischen Sissi-Schloss und dem See, herrscht reges Treiben von Spaziergängern, Radfahrern und Menschen jeden Alters, die den See zum Baden nutzen. Die Wiesen am Seeufer liegen zum Teil im prallen Sonnenlicht und erfreuen die Menschen in Badekleidung, die dort ihre Decken und Tücher und sich selbst ausgebreitet haben. Aber die hohen alten Bäume spenden auch Schatten, und so entsteht ein lebhaftes Licht- und Schattenspiel, das zu dem bunten Treiben der Menschen passt.
Drei Spaziergänger, die mit dem Auto aus München gekommen sind, suchen einen ruhigen und angenehmen Platz. Sie möchten etwas essen und trinken und eine Unterhaltung führen. Diese drei Personen sind ein älterer Herr, der in der Nähe Münchens eine Ferienwohnung besitzt, und sein Besuch, ein älteres Ehepaar, das aus Hamburg kommt und bei ihm zu Gast ist. In jungen Jahren haben diese beiden in München gelebt. Der Mann hat dort studiert, seine jetzige Frau kennen gelernt, die beiden haben geheiratet und sind in den Norden gezogen, woher sie auch stammen. Nach einigen Jahren haben sie sich scheiden lassen. Der Mann hatte eine andere Frau kennen gelernt, er konnte einer reizvollen Verlockung nicht widerstehen. Er lebte einige Jahre mit dieser Frau und trat mit ihr bei Veranstaltungen, in Gesellschaften und in Hotels als Ehepaar auf. Diese Beziehung endete mit einer Trennung, deren Grund darin lag, dass die Gefährtin bereits Kinder aus ihrer geschiedenen Ehe betreute, der Mann aber an Familiengründung dachte.


Nachdem also diese Partnerschaft gescheitert war, setzte sich der Mann sofort mit seiner früheren Frau, der Monika, in Verbindung und fragte sie, ob sie nicht ein zweites Mal heiraten und nach Möglichkeit bald ein Kind haben sollten. Monika sagte schnell ja.


Ihrer Schilderung nach hatte sie in der Trennungszeit frei und ungebunden gelebt, fern von allen Männerbekanntschaften, ganz Dame und gute Christin. Die zweite Eheschließung der beiden wurde vollzogen, ein Sohn stellte sich ein, der zum Zeitpunkt dieses Aufenthaltes am Starnberger See zwanzig Jahre alt war. Monikas äußere Erscheinung passt zu dem Bild, das sie von sich vermittelt. Groß und schlank, dezent-elegant gekleidet. Sie trägt einen sommerlichen Strohhut, der ihr Gesicht damenhaft erscheinen lässt und weicher, als es ist.


Der Gastgeber dieses Paares ist nicht besonders elegant gekleidet, aber er gehört zu den Menschen, die auch im Polohemd eine gute Figur machen. Und so fühlt sich Monika sehr gut, eingerahmt von den beiden Herren, blendend unterhalten und bestens von ihnen beschirmt, in diesem Trubel. Nach einigem Suchen finden die drei ein kleines Strandcafe, eine Mischung aus Kiosk und Ausflugsgaststätte. Sie bestellen etwas zu Trinken, sitzen, zufrieden mit der Ruhepause, auf ihren Stühlen und blicken auf das Wasser, das Ufer und den vom Wasser heraufführenden Weg.
Von dort kommt eine Gestalt näher, ein Mann, der offensichtlich mit Füßen und Beinen im kühlenden Wasser war und sich nun ebenfalls ein erfrischendes Getränk wünscht. Er ist nicht mehr jung, etwas beleibt, hat die Hosenbeine hochgekrempelt und trägt Sandalen und Socken in der einen Hand. Die andere hat er unter den linken Hosenträger geklemmt. Er hat, da er einen Bauch vor sich herträgt, ein weites Hemd an und darüber breite, bunte Hosenträger. Ein älterer, gemütlicher Bayer also, mit gerötetem Gesicht, schütterem Haar, einem Bauch, barfuß mit Sandalen in der Hand und einem breiten Hosenträger, den er etwas lupft, um sich Abkühlung zu verschaffen. Und dieses überhaupt nicht attraktive, eher etwas zu belächelnde Mannsbild stößt einen Ruf aus, der besonders die Frau zusammenzucken lässt, er ruft nämlich: "Monika! -Ja, bist du's denn wirklich, mein Gott, ich kann's kaum glauben, wir haben uns lange nicht gesehen - ja, wie geht's dir denn?"
Monika kann nichts anderes tun, als ihren Begleitern diesen Mann als einen Bekannten aus ihrer ehelosen ‚Zwischenzeit' vorzustellen. Sie ist so peinlich berührt, dass sie kaum die richtigen Worte findet, um diese Begegnung, wie sie es gern hätte, schnell und elegant zu beenden. Und der ‚Mann mit den Hosenträgern', wie er in späteren Erzählungen immer wieder genannt werden wird, merkt auch, dass er in diesem Augenblick der Unterlegene und nicht allzu willkommen ist. Er gibt noch ein paar markante Sätze von sich und geht davon, um möglichst woanders ein kühles Bier zu trinken. Als er außer Sichtweite ist, kann Monikas Ehemann nicht mehr an sich halten, er schlägt sich auf die Schenkel und lacht, lacht dröhnend.
"Das also ist das Geheimnis deiner männerlosen Zeit", stößt er glucksend hervor. Auch der Freund und Gastgeber muss zeigen, dass er sich amüsiert. Fast kann Monika einem leid tun - aber - wo liegt das ‚Aber'?

Es ist schwer, künstliche Kulissen ein Leben lang unversehrt aufrecht zu erhalten.





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