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Neuerscheinung
im Dezember 2004

ca. 120 Seiten,
Softcover,
9,80 €









Hilfe - ich bin sozial!
Worauf muss der sozial Tätige achten?
David Dejori

Davi Dejori ist Sozialbetreuer in Südtirol. Er arbeitet mit behinderten, autistischen und psychisch kranken Menschen. Nach ersten Auslandserfahrungen steht er in der Ausbildung zum Logotherapeuten. Zur Zeit arbeitet er an einer Grundschule und betreut ein Kind mit einer geistig-körperlichen Behinderung.

Im vorliegenden Buch stellt der Autor wichtige Überlegungen in Bezug auf den sozialen Beruf an.
Wer ist dafür geeignet? Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein? Was sind gute, nützliche und was sind schlechte, schädliche Motivationen?
Er spricht über die Schwierigkeiten der Arbeit und erläutert, was Menschen zu Workaholics macht, was Mobbing bedeutet und wie es zum Burn-Out-Syndrom kommt - aber auch, was vorbeugend gegen diese sozialen Gefahren getan werden kann.
Souverän behandelt Dejori die Problematik der Fehlformen sozialen Engagements. Helfersyndrom, Minderwertigkeit und Macht, aber auch die Gefahren, die aus einem falschen Gottesbild erwachsen können, werden offen angesprochen.

Im Anhang befinden sich einige nachdenkliche "heilende Geschichten" des Autors, die gut geeignet sind, Menschen für soziale Themen zu sensibilisieren.



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oder erst noch eine kleine Leseprobe

Aus dem Vorwort

Ein soziales Problem

Es haben sich im Laufe der Zeit viele soziale Berufe entwickelt. Für Alte, Behinderte, psychisch Kranke und ganz allgemein für Menschen in Krisen werden immer neue Dienste angeboten, neue Institutionen errichtet, neue Therapieformen entwickelt. Rückblickend erkennen wir, wie prächtig sich der Sozialstaat entwickelt hat und dass die Maschen des sozialen Netzes im Lauf der Zeit immer enger gezogen werden konnten. Und doch hinken wir irgendwie der sozialen Problematik hinterher. Auf der einen Seite sind wir zwar imstande, Lösungen zu finden, auf der anderen Seite werden wir jedoch ständig mit neuen Problemen konfrontiert - darunter auch solche, die wir mit den von uns gefundenen Lösungen erst geschaffen haben.

Die fortschreitende Entwicklung im medizinischen, psychologischen und psychiatrischen Bereich hilft uns, immer neue Möglichkeiten im Umgang mit Krankheiten, psychischen Belastungen und ihren Folgen zu erkennen und eine Veränderung in sozialpolitischen, ethischen Fragen herbeizuführen. Es ist dies aber auch ein Teufelskreis, denn der gesamte Fortschritt des Menschen in Wirtschaft und Technik - denken wir nur an die rasende Entwicklung des Computerzeitalters - bringt gleichzeitig neue Gefahren; ja man könnte durchwegs sagen, neue Krankheiten mit sich.

Wir züchten uns Krankheiten, um sie dann wieder zu behandeln.

Ist dies der Preis unseres Wohlstandes? Sind dies die negativen Auswirkungen unseres forcierten Strebens nach einer besseren, bequemeren und vermeintlich sichereren Zukunft?
Nun, der Mensch ist auf Erfolg ausgerichtet. Bereits jungen Leuten werden enorme Leistungen abverlangt. Dabei entstehen Hektik, Stress, Erfolgsdruck, Frustration und Überforderung. Der psychische Druck nimmt zu. Die Folge ist oft ein seelisches Leiden, das aber meist so gut es geht unterdrückt und verborgen gehalten wird, nur um den erreichten Status nicht zu verlieren. Wir haben große Angst davor, uns schwach und hilfsbedürftig zu zeigen. Wir wollen mit allen Mitteln vorne mitmischen. Der Preis dafür ist hoch und die Zahl der Menschen mit psychischen Problemen nimmt rapide zu. Wir treiben Menschen zu Höchstleistungen und bieten ihnen gleichzeitig Seminare zur Stressbewältigung an.

Heute scheint das Motto nicht mehr zu lauten: "Durch Fehler lernen wir", sondern, "wir lernen, um keine Fehler mehr zu machen." Wir sind in allen Belangen perfektionistisch geworden und das nicht zuletzt auch im Anspruch an uns selbst. Der Mensch soll zur fehlerlosen, immer funktionierenden, pflegeleichten Maschine umfunktioniert werden. Er soll stets alle Erwartungen erfüllen, keinerlei Abweichungen von gesellschaftlichen Normen aufzeigen und jeglichem Druck standhalten.

Die sich daraus ergebenden psychischen und somatischen Folgeerscheinungen gilt es nun zu behandeln. Wir nehmen also dem Menschen keine Belastung, kein ‚Gewicht' weg, sondern wir helfen ihm, Belastungen auszuhalten. In diesem Aushalten steckt wieder die Forderung, sich anzupassen, durch- und mitzuhalten. Wer das nicht schafft, wird zum Pflegefall und erhält eine 24-Stunden-Betreuung in der psychiatrischen Abteilung. Aus dem vergeblichem Bemühen um Integration erwächst so die gesellschaftliche Protektion.


Sind diese Menschen, die es nicht schaffen, der Preis dafür, dass wir uns so prächtig weiterentwickeln? Liegt unser Schwerpunkt in der Krankheitsprävention, oder richten wir unser Augenmerk auf die notwendige Intervention?

Aus dem Anhang - Heilende Geschichten

Motivation
Oma und die Blume

Michael, ein 12jähriger Bub geht fast jede Woche mit seinen Eltern die Oma besuchen, die mit ihren 85 Jahren in einem Altersheim wohnt. Sie hat schon lange ihr Zimmer nicht mehr verlassen, obwohl sie es mit einer Gehhilfe leicht schaffen würde. Der Besuch läuft immer auf dieselbe Art und Weise ab. Die Eltern geben ihr Ratschläge, versuchen sie aufzumuntern und sind dann, weil es nichts nützt, wieder froh nach Hause fahren zu können. Auch Michael hält es nie lange aus. Er geht lieber in den Hof zum Spielen.
Eines Tages fährt er mit dem Fahrrad alleine zur Oma. Auf dem Weg dorthin pflückt er eine Blume und zeigt sie stolz der Oma, die in ihrem Bett liegt. "Die ist für dich", sagt Michael. Das Zimmer ist verdunkelt, obwohl draußen die Sonne scheint. Michael zieht die Vorhänge auf und sogleich murrt Oma: "Nicht aufmachen, ich will die Sonne nicht sehen."
"Freust du dich auch über die Blume nicht?", fragt Michael. "Was soll ich dir sagen, leg sie einfach dort irgendwo auf den Tisch."
"Und wo ist eine Vase?", erkundigt sich Michael.
"Lass nur, ich brauche keine Vase."
Michael ist verärgert. Er läuft aus dem Zimmer und fährt nach Hause. Einige Tage später, Michael denkt noch immer traurig an seinen letzten Besuch, fährt er aufs Neue in das Altersheim. Auf dem Hinweg hebt er ein Stück Holz vom Boden auf und bringt es Oma. "Hier, liebe Oma, ist ein Stück Holz. Es braucht keine Vase, kein Wasser." Noch bevor sie etwas sagen kann, ist Michael wieder fort.
Zwei Tage später läutet bei ihnen zu Hause unerwartet das Telefon. Eine Krankenschwester ruft an und sagt: "Stellen Sie sich vor, nach so langer Zeit ist Frau Gruber heute alleine in den Garten gegangen und hat eine Blume gepflückt. "Eine Blume hat sie gepflückt", fragt Michaels Vater. Michael, der das Gespräch mitgehört hat, ruft entzückt: "Ja, Vater eine Blume und ich besorge nun die Vase."





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