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Neuerscheinung
im November 2004

ca. 120 Seiten,
Softcover,
9,80 €









In Irland erlebt
Steffen Meusel

Das Atmosphärische und die Stimmungen, die kleinen Tücken, die wichtigen Tipps - das ist es, was Steffen Meusel im Tagebuch der einwöchigen "Low-Budget" Entdeckungsreise festgehalten hat.

Dazu gehören nicht zuletzt tiefe Einblicke in das Wesen der Iren:
Iren sind Kämpfer, Iren sind Patrioten, Iren sind witzig, Iren sind clever, Iren sind flexibel, Iren sind Naturmenschen, Iren sind unkompliziert, Iren sind eigenartig und Iren sind ein bisschen verrückt.

Zwischen Calway und Dublin liegen mehr als nur 1.000 km Linksverkehr. Die Cliffs of Moher, Mizen Head, Rock of Cashel, der Ring of Kerry und die Wicklow Mountains gehören zum touristischen Pflichtprogramm. Zu Meusels Kür gehört es, im abgelegensten Dorf an prähistorischen Zapfsäulen Benzin zu kaufen, in der Rush-hour in Dublin hoffnungslos im Kreis zu fahren und sich unterwegs über die Fresstechniken irischer Kühe ebenso zu wundern, wie über die Sanitärtechnik preisgekrönter öffentlicher Toiletten.

Wer wissen will, ob ihm Irland gefallen und Spass machen wird, wer die Feinheiten kennenlernen will, die üblicherweise nicht im Reiseführer auftauchen und wer nach seiner Irlandreise erst ruhiger wird, wenn er nachlesen kann, dass es anderen vor ihm ganz genauso, oder doch zumindest so ähnlich ergangen ist, der wird an diesem Buch seine Freude haben.




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oder erst noch eine kleine Leseprobe

Aufstehen, aufstehen! Es ist kurz nach 8 Uhr und hell draußen. Es hat aufgehört zu regnen und es wird ein schö-ner Tag werden. Nach der üblichen Morgenprozedur bereiten wir uns auf das Frühstück vor. Es riecht nach gebratenem Schinken, fast so wie jeden Morgen in Galway. Mit knurrendem Magen setzen wir uns an den Frühstückstisch.
"I need some minutes for your breakfast. Do you like cof-fee or tea?"
Go möchte Kaffee, ich möchte Tee. Einige Zeit später bekommen wir unser Full Irish Breakfast: A hot tomato, ham and eggs, sausages und zwei große Kannen: Die eine mit Kaffee, die andere mit Tee. Nach weiteren 10 Minuten kommt der Hausherr und fragt uns: "Do you like more
coffee or tea?"
"No, thanks"
‚Nein, danke!' Ich schau in meine Teekanne, sie ist noch gut zur Hälfte gefüllt. Dabei habe ich schon zwei große Tassen getrunken.
Frisch gestärkt möchten wir jetzt an das Ende Europas fahren. Betrachtet man Island und die Inseln vor Irland nicht mit, dann ist Slea Head der westlichste Punkt Europas. Die Straße ist wie üblich sehr eng und ich bete, dass uns kein Fahrzeug entgegenkommt. Aber das Glück ist mit uns, alle fahren in dieselbe Richtung. Auf der linken Seite ist ein View Point und wir nutzen die Gelegenheit für einen kurzen Stop. Etwas weiter vorn sehen wir einen Parkplatz. "Komm, lass uns dahin fahren, vielleicht haben wir von dort noch eine bessere Sicht." Vom Parkplatz führt eine kleine Treppe zum Meer hinunter. Was für eine Überraschung: Ein kleiner Sandstrand, versteckt gelegen zwischen einer Felsgruppe. Go will sofort im Atlantik schwimmen, doch ich kann ihn gerade noch mal bremsen. Denn ich habe da was im Hinterkopf: INCH.

Nach einer kurzen Weile fahren wir weiter.
Ein Blick auf die Tankanzeige verheißt nichts Gutes. Wir müssen eine Tankstelle finden, doch weit und breit ist keine zu sehen. Im nächst größeren Ort - Anascoul - stehen zwei alte Pumpen, ein Überbleibsel aus besseren Zeiten. Go fragt einen Spediteur, ich einen Mann von der Landbevölkerung. Letztendlich folgen wir der Empfehlung des Bauern und finden in der Nähe von Inch zwei Shell-Zapfsäulen. Doch wo ist die Tankstelle? Wir stehen vor einem Wohnhaus. Ein netter etwas älterer Mann kommt aus dem Haus. Er fragt uns nach der Sorte und wieviel Liter wir haben möchten.
"Unleaded petrol. Full!"
Er betankt unseren Wagen, wie wir es aus alten Filmen kennen. Als der Tank voll ist, nennt er uns seinen Preis. Wir geben ihm das Geld und er verschwindet im Haus. Nach wenigen Minuten kommt er wieder und gibt uns das Restgeld. Wir bedanken uns für den Service, geben ihm noch Trinkgeld und verabschieden uns.

Iren sind clever. Es gibt kaum noch Möglichkeiten, sein Geld auf dem Lande zu verdienen. Entweder man ist Farmer, hat ein paar Schafe oder Kühe, was von der Europäischen Union zur Erhaltung der Traditionen gefördert wird, oder man besitzt ein Pub oder Räumlichkeiten, die man als Bed&Breakfast an Touristen vermieten kann. Doch im Winter sind kaum Urlauber da. Dieser Mann hat aus der Not eine Tugend gemacht. Wie wir selbst erleben durften, sind nicht sehr viele Tankstellen auf dem Lande vorhanden. Er stellt zwei Zapfsäulen vor sein Haus und wartet. Vielleicht kommen nicht viele Leute vorbei, die Treibstoff für ihr Fahrzeug benötigen, aber ab und zu sind da welche, denen es genauso geht wie gerade uns. Also warten wir es ab. Und Iren haben Zeit. Iren sind clever!

Bei Inch ist ein wunderschöner, lang gestreckter Sandstrand und Go sprintet sofort ins Wasser. Er kommt nicht weit, der Atlantik ist kalt. Zu kalt auch für Go, den sonst kaltes Wasser überhaupt nicht stört. So schnell wie er drin war, ist er auch wieder draußen. Doch auch mir juckt es in den Zehen, wenigstens einmal im Atlantik die Füße zu baden. Kneipp hätte seine wahre Freude gehabt, zu sehen, wie wir uns im Storchengang bewegen bis die ersten Gefühle zurückkehren.



Dazu gibt es einige Impressionen in schwarz-weiß, fotografiert, leicht verfremdet, so richtig zum Hineinfühlen..






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