Aufstehen, aufstehen! Es ist
kurz nach 8 Uhr und hell draußen. Es hat aufgehört
zu regnen und es wird ein schö-ner Tag werden. Nach der
üblichen Morgenprozedur bereiten wir uns auf das Frühstück
vor. Es riecht nach gebratenem Schinken, fast so wie jeden Morgen
in Galway. Mit knurrendem Magen setzen wir uns an den Frühstückstisch.
"I need some minutes for your breakfast. Do you like cof-fee
or tea?"
Go möchte Kaffee, ich möchte Tee. Einige Zeit später
bekommen wir unser Full Irish Breakfast: A hot tomato, ham and
eggs, sausages und zwei große Kannen: Die eine mit Kaffee,
die andere mit Tee. Nach weiteren 10 Minuten kommt der Hausherr
und fragt uns: "Do you like more
coffee or tea?"
"No, thanks"
Nein, danke!' Ich schau in meine Teekanne, sie ist noch
gut zur Hälfte gefüllt. Dabei habe ich schon zwei große
Tassen getrunken.
Frisch gestärkt möchten wir jetzt an das Ende Europas
fahren. Betrachtet man Island und die Inseln vor Irland nicht
mit, dann ist Slea Head der westlichste Punkt Europas. Die Straße
ist wie üblich sehr eng und ich bete, dass uns kein Fahrzeug
entgegenkommt. Aber das Glück ist mit uns, alle fahren in
dieselbe Richtung. Auf der linken Seite ist ein View Point und
wir nutzen die Gelegenheit für einen kurzen Stop. Etwas
weiter vorn sehen wir einen Parkplatz. "Komm, lass uns dahin
fahren, vielleicht haben wir von dort noch eine bessere Sicht."
Vom Parkplatz führt eine kleine Treppe zum Meer hinunter.
Was für eine Überraschung: Ein kleiner Sandstrand,
versteckt gelegen zwischen einer Felsgruppe. Go will sofort im
Atlantik schwimmen, doch ich kann ihn gerade noch mal bremsen.
Denn ich habe da was im Hinterkopf: INCH.
Nach einer kurzen Weile fahren
wir weiter.
Ein Blick auf die Tankanzeige verheißt nichts Gutes. Wir
müssen eine Tankstelle finden, doch weit und breit ist keine
zu sehen. Im nächst größeren Ort - Anascoul -
stehen zwei alte Pumpen, ein Überbleibsel aus besseren Zeiten.
Go fragt einen Spediteur, ich einen Mann von der Landbevölkerung.
Letztendlich folgen wir der Empfehlung des Bauern und finden
in der Nähe von Inch zwei Shell-Zapfsäulen. Doch wo
ist die Tankstelle? Wir stehen vor einem Wohnhaus. Ein netter
etwas älterer Mann kommt aus dem Haus. Er fragt uns nach
der Sorte und wieviel Liter wir haben möchten.
"Unleaded petrol. Full!"
Er betankt unseren Wagen, wie wir es aus alten Filmen kennen.
Als der Tank voll ist, nennt er uns seinen Preis. Wir geben ihm
das Geld und er verschwindet im Haus. Nach wenigen Minuten kommt
er wieder und gibt uns das Restgeld. Wir bedanken uns für
den Service, geben ihm noch Trinkgeld und verabschieden uns.
Iren sind clever. Es gibt kaum
noch Möglichkeiten, sein Geld auf dem Lande zu verdienen.
Entweder man ist Farmer, hat ein paar Schafe oder Kühe,
was von der Europäischen Union zur Erhaltung der Traditionen
gefördert wird, oder man besitzt ein Pub oder Räumlichkeiten,
die man als Bed&Breakfast an Touristen vermieten kann. Doch
im Winter sind kaum Urlauber da. Dieser Mann hat aus der Not
eine Tugend gemacht. Wie wir selbst erleben durften, sind nicht
sehr viele Tankstellen auf dem Lande vorhanden. Er stellt zwei
Zapfsäulen vor sein Haus und wartet. Vielleicht kommen nicht
viele Leute vorbei, die Treibstoff für ihr Fahrzeug benötigen,
aber ab und zu sind da welche, denen es genauso geht wie gerade
uns. Also warten wir es ab. Und Iren haben Zeit. Iren sind clever!
Bei Inch ist ein wunderschöner,
lang gestreckter Sandstrand und Go sprintet sofort ins Wasser.
Er kommt nicht weit, der Atlantik ist kalt. Zu kalt auch für
Go, den sonst kaltes Wasser überhaupt nicht stört.
So schnell wie er drin war, ist er auch wieder draußen.
Doch auch mir juckt es in den Zehen, wenigstens einmal im Atlantik
die Füße zu baden. Kneipp hätte seine wahre Freude
gehabt, zu sehen, wie wir uns im Storchengang bewegen bis die
ersten Gefühle zurückkehren.
Dazu gibt es einige Impressionen in schwarz-weiß, fotografiert,
leicht verfremdet, so richtig zum Hineinfühlen..
