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Ich weiß bis heute noch nicht,
warum Frauen selbst keine Mücken jagen. Warum sie im Bett
liegend den Späher machen, auf schwarze Punkte an der Decke
deuten und da! rufen. Ich weiß vor allem nicht,
weshalb ich immer wieder mitten in der Nacht, gähnend, mit
zerzaustem Haar und einer zusammengerollten Zeitung auf der Matratze
stehe und auf Zuruf Tiere totschlage.
Ein weiteres Thema ist die Schlafposition. Ich bevorzuge die
Löffelchen-Stellung, weil mich diese Schlafposition in dem
Grundvertrauen in die Richtigkeit meines Daseins bestärkt.
Nun muss ich aber leider sagen, dass sich meine Frau nur anfangs
sehr anschmiegsam gab und leidenschaftlich löffelte, dass
sie sich aber heute, wenn es um die endgültige Schlafposition
geht, als sehr hartleibig erweist. Sie stößt sich
mit einer Hand von mir los, ergreift mit der anderen Hand die
eigene Bettdecke und verteidigt dieses Refugium mit erbitterter
Gegenwehr. Ich muss geduldig warten, bis die Meine-Decke-gehört-mir-Autistin
endlich in den Schlaf gesunken ist, bevor ich beginnen kann,
vorsichtig robbend, verlorenes Terrain zurückzugewinnen.
Wenn ich dann, nur mehr halbherzig löffelnd, in tiefen Schlaf
gesunken bin, kommt häufig schnell die nächste Gemeinheit.
Ein brutaler Stoß, meist mit dem Ellbogen ausgeführt,
trifft mich in die Seite. Ich schrecke hoch und höre eine
schneidende Stimme: "Du schnarchst!"So etwas würde
ich zum Beispiel nie tun. Ich finde es bezaubernd, wenn sie im
Schlaf redet oder ein bisschen vor sich hin blubbert. Nie im
Leben würde ich sie mit dem Ellenbogen stoßen. Aber
den Frauen ist es ja egal, ob man frühmorgens einen wichtigen
Termin hat. Nach dem Ellenbogen-Attentat sinkt meine Frau dann
umgehend wieder in den Tiefschlaf und ich liege mit tellergroßen
Augen in der Dunkelheit und finde keine Ruhe.
Viel schlimmer und grauenhafter ist eine andere Variante der
körperlichen Attacke, die fast schon ein Fall für Amnesty
International ist. Da liegt man wohlig unter seiner Decke, ist
kurz vor dem Wegnicken und dann kommen sie:
Kalt, kälter,
eiskalt! Gefrorene Frauenfüße schieben sich langsam
und unaufhaltsam zwischen die männlichen Schenkel. Dort
wollen sie gewärmt werden. Ich zucke zurück, winde
mich, versuche die Flucht aber die weichen Gletscher unter der
Decke sind stärker. Ich glaube ALLE Frauen haben kalte Füße!
ALLE!Und sie kennen kein Erbarmen. Stumm, aber fordernd kommen
sie in der Nacht gekrochen und saugen Körperwärme im
Gigawatt-Bereich ab.
Schrecklich!
Manchmal gibt sie aber auch dann keine Ruhe, wenn ich ihre Permafrost-Füße
enteist, das Schnarchen eingestellt und dem Löffeln entsagt
habe. Denn dann hat sie was gehört.
"Da ist
doch jemand," raunt sie, "da hat doch was geknackt."
Oder auch nur: "Hörst du nicht auch diese komischen
Geräusche?"
Die Botschaft
meines weiblichen Bettgesellen ist erneut glasklar: "Mann,
pack' dir einen hölzernen Kleiderbügel oder sonst eine
behelfsmäßige Waffe, wag' dich in die dunkle Wohnung
und vertreib' den Einbrecher, so du einen findest."
Klar, dass jeder Mann dem tiefverwurzelten Instinkt zum Schutze
der Sippe folgt und in Socken und Unterhosen wie ein Depp im
Dunkeln umherstolpert. Wenn da tatsächlich jemand wäre,
dann hätte ich aber ratz-fatz eins auf die Rübe bekommen.
Da ist aber
NIE jemand und trotzdem geht man(n) auf die Pirsch, um danach
- frierend und unverrichteter Dinge - zur natürlich längst
wieder tiefschlafenden Partnerin zurückzukehren. Aber wer
meint, mit dem Morgengrauen sei der Ärger ausgestanden,
der irrt! Wie in einem Horrorfilm, der scheinbar seinen gruseligen
Höhepunkt erreicht hat und dann doch noch 'mal eine entsetzliche
Steigerung schafft, schlagen immer wieder die Differenzen in
den Schlaf- Wachrhythmen zu.
Ich arbeite, bzw. sehe lieber bis in die frühen Morgenstunden
fern, und stehe daher folgerichtig nicht gerade mit den Hühnern
(nein, diesmal meine ich die Tiere) auf. Kein Problem für
Alleinschläfer. Was aber soll ich mit meiner Frau machen,
die morgens um sieben kerzengerade nachfedernd im Bett sitzt,
Langeweile hat, weil die Kinder noch schlafen und sich laut und
vernehmlich reckt, gähnt, räuspert, aufdringlich Körperkontakt
sucht und am Ende gar flüssige Konversation fordert? Hä?
Was bitte? Und das alles, nachdem ich blutsaugende Insekten zur
Strecke gebracht, Einbrecher gejagt und Eisberge geschmolzen
habe, um zum Dank dafür mit kräftigen Ellenbogen-Checks
unter die eigene kalte Bettdecke verbannt wurde.
Tja, so ergeht es uns Männern nun 'mal mit den Frauen. Wie
grausam sie doch sein können! Aber es gibt eine Hoffnung,
ich habe da jemand kennengelernt. Und die ist anders! Sie ist
anschmiegsam und kuschelt exzessiv. Ich darf in ihrer Gegenwart
ausgiebig schnarchen. Wenn sie Geräusche hört, schaut
sie selber nach dem Rechten. Mücken bringt sie mit geschickten
Schlägen eigenhändig zur Strecke. Sie hat niemals kalte
Füße, das könnt ihr mir glauben, und - sie gefällt
sogar meiner Frau. Gut, sie ist vielleicht ein bisschen verspielt,
aber welche Katze ist das nicht? In diesem Sinne: Gute Nacht!
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