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Auszugsweise Leseprobe aus:

Installatorische Allegorien

ein Spaßbuch für Heim- und Handwerker und alle jene, die das niemals 
werden wollen, für deren Freunde und Kollegen, Mitarbeiter, Lieferanten und
Kunden, sowie natürlich für jeden Installateur, der auf sich hält

von Egon W. Kreutzer 
mit vielen schönen Illustrationen 
lesen Sie hier aus dem ersten Zyklus: "Die Rohrartigen" das Kapitel "Der Rohrtrenner"



Der Rohrtrenner

Unter den Rohrartigen wohl der Komplizierteste ist der Rohrtrenner. Er diente als Vorbild für die Konstruktion der Diode (Elektronik), die heute zumeist als Leuchtdiode bekannt ist und in dieser Funktion ein ihrer wahren Bedeutung, (Durchgangsrichtungsbestimmung) nicht im Geringsten entsprechendes Schattendasein fristet.

Der Rohrtrenner ist eine Maßnahme zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen, wie überhaupt viele Werke des Installateurs der Hygiene und damit der Kostendämpfung im Gesundheitswesen gewidmet sind. Der Rohrtrenner verhindert regelmäßig den Ausbruch von Seuchen und Epidemien, er schützt vor Vergiftungen und Allergien und ist wahrscheinlich trotzdem in keinem medizinischen Lehrbuch verzeichnet, weil er - auch wenn sein Preis das vermuten ließe - eben nicht im Apothekensortiment zu finden ist.

Obwohl die Zahl der Einzelteile, aus denen ein Rohrtrenner gefertigt wird, stetig schrumpft, ein Phänomen, das ganz am Rande erwähnt, auch bei Einwegwegwerffeuerzeugen insbesondere in der Zeitspanne von 1983 bis 1994 zu beobachten war, bleibt der Rohrtrenner ein störungsanfälliges, mechanisches Bauteil, dem stete Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Die Industrie hat hier Vorsorge getroffen und bietet Rohrtrenner an, die an Fernüberwachungseinrichtungen angeschlossen werden können, Rohrtrenner, die wartungsfreundlich sind und Rohrtrenner, die in eingebautem Zustand repariert und gewartet werden können. Besonders schöne Exemplare tragen auch besonders schöne Namen und heißen dann, wie das in diesem Büchlein abgebildete Exemplar, nicht mehr einfach Rohrtrenner, sondern Systemtrenner, trennen aber trotzdem nur "Rohr" und nicht "System", sind also weder eisernen Vorhängen verwandt noch zwischen Linux und Windows zu verwenden.

Was aber, so höre ich sie fragen, ist des Pudels "Rohrtrenner" Kern?

Keine Hexerei, kein Teufelswerk, schlichte Physik, feinmechanisch ausgefeilt, macht der Rohrtrenner ein Rohr zu und verhindert Rückdrücken oder Rücksaugen, wenn der Unterschied zwischen dem höheren(!) Druck der Zufluß-Seite und dem niedrigeren Druck der Ablaufseite, wenn also der sogenannte Differenzdruck, ein Begriff, den ich immer mit der schlichteren Druckdifferenz zu verwechseln neige, wenn also der Differenzdruck ein bestimmtes, werksseitig eingestelltes oder vor Ort vom Installateur einstellbares Maß unterschreitet oder, anders ausgedrückt, wenn die Druckdifferenz zu klein wird.

Ursachen für die Verminderung der Druckdifferenz, die zu einem Sinken des Differenzdruckes führt, gibt es viele. Ein Druckabfall auf der Zulaufseite mit seinen vielgestaltigen Ursachengruppen kommt dafür genauso in Frage, wie die mannigfachen Möglichkeiten des Druckzuwachses auf der Ablaufseite.

Achtung. Wer es noch nicht bemerkt haben sollte:

Das ist Satire.

Dankenswerterweise hat Carsten Gudewill darauf aufmerksam gemacht, dass es auch Mitmenschen gibt, die solche Texte ernst und wörtlich nehmen könnten. Hier seine Mail vom 26. Januar 2005

Hallo, ich bin gerade mehr durch Zufall an Ihren Text zur Überprüfung eines Rohrtrenners gelangt.
Sie schreiben das zwar recht amüsant, nur sollten Sie wissen das Sie mit Ihrer Versuchsanordnung die Güte des Trinkwassers gefährden und zudem den Wasserzähler ausbauen, zudem Sie und andere Heimwerker nicht berechtigt sind !!
Es gibt bestimmt genügend Menschen die solch einen blöden Versuch nachahmen und somit gegen geltende Vorschriften verstoßen ( DIN 1988 Teil 4 Schutz der Trinkwassergüte, Trinkwasserverordnung vom 1.1.2003 ). Außerdem ist das entfernen einer Plombe am Wasserzähler eine -nach meinem Wissen- Straftat, welche zumindest mit den Wasserversorgern zu ehrheblichen Problemen führen kann. Sie sollten also solche Übungen nicht unbedingt verbreiten, und wenn dann nur mit dem ausdrücklichen Hinweis darauf das dieser vVersuch ein tiericher Leichtsinn ist !
MfG Carsten Gudewill

Also, nicht leichtsinnig an den Installationen rumbasteln und schon gar nicht den Wasserzähler ausbauen. Das könnte Sie teuer zu stehen kommen.

Für alle, die sich immer noch nicht vorstellen können, welche außerordentlich wichtige Leistung so ein Rohrtrenner vollbringt, sei die Durchführung des folgenden praktischen Versuchs empfohlen:

Versuchsanordnung zum Verständnis des Rohrtrenners

Benötigt werden: 1 m Schlauch, Durchmesser mindestens 1,5''
(der Durchmesser muß etwas größer sein,
als der Durchmesser des Badewannen-
zulaufes) (Baumarkt)
1 Schlauchklemme, passend für den Schlauch
(Baumarkt)
750 ml Badezusatz, stark schäumend
(Drogeriemarkt)
1 Wasserrohrzange, groß
(von einem Freund leihen, wenn nicht
im eigenen Werkzeugkasten vorhanden)
1 Schraubendreher, zum Anziehen der Schlauch-
klemme
1 Satz Verbandsmaterial, zur Not Verbandskasten
aus dem Pkw
1 Schild, gelb mit schwarzer Schrift
"Zutritt verboten, Wartung"

Durchführung:

Zunächst ist sicherzustellen, daß alle Materialien vorhanden sind und daß die Wasseruhr im Keller frei zugänglich ist. Danach ist das Warnschild an der Außentür des Badezimmers anzubringen.

Im nächsten Schritt ist die Badewanne vollständig auszuräumen; darin evtl. noch befindliche Badegäste sind der Wanne zu verweisen. Evtl. noch vorhandenes Wasser ist restlos abzulassen.
Nun kann das Schlauchstück vermittels der Schlauchklemme an den Badewanneneinlaufhahn angeschlossen werden. Die Schlauchklemme ist so fest anzuziehen, daß eine absolut dichte Verbindung entsteht. Der Versuch wird nicht gelingen, wenn die Verbindung undicht ist. Es empfiehlt sich daher die folgende

Dichtigkeitsprüfung:

Schlauch abknicken und an der Knickstelle fest zusammenpressen.
Zulauf-Ventil öffnen
Tritt am Schlauchanschluß Wasser spritzend
oder tropfend aus, so ist die Schlauchklemme noch
nicht fest genug angezogen.

Hinweis: Es hat sich als günstig erwiesen, das Zulaufventil
jedesmal zu schließen, bevor der geknickte
Schlauch losgelassen wird.

Nach erfolgreicher Dichtigkeitsprüfung ist der Badewannenablauf mit Hilfe der dazu vorhandenen Einrichtungen zu verstöpfeln, zumeist durch Drehen am Abflußverstöpfelungshandrad im Uhrzeigersinn. Danach kann die gesamte Menge des Badezusatzes in die Wanne gegeben werden.
Der Versuch kann bis zu diesem Zeitpunkt jederzeit abgebrochen werden. Soll er final fortgesetzt werden, ist jetzt das Badewannenzulaufventil zu öffnen. Hängt der angeschlossene Schlauch richtig in die Wanne, wird sofort zu beobachten sein, wie sich die Wanne unter Schaumentwicklung füllt. Geschieht dies, ist das Badezimmer - ohne den Zulauf zu schließen oder den Ablauf zu öffnen - schnellsten zu verlassen. Es gilt jetzt, innerhalb kürzester Zeit mit der Wasserrohrzange zur Wasseruhr im Keller zu gelangen und die Wasseruhr schnellstmöglich auszubauen .

Erwartetes Versuchsergebnis

Bei richtiger Durchführung aller vorgegebenen Schritte und vollständiger Schließung des zulaufseitigen Ventils vor der ausgebauten Wasseruhr wird der Keller trotzdem nicht trocken bleiben, weil das zur leichteren und eindeutigen Identifizierung durch den Zusatz von Badezusatz präparierte Wasser aus der Badewanne über die Wasserzu(!)leitung in den Keller gesaugt wird, wo es am offenen Rohr nach der ausgebauten Wasseruhr stark schäumend zutage tritt.

Mit Rohrtrenner wäre das nicht passiert, was quod erat demonstrantum (die spinnen, die Römer) zu beweisen war, bzw. was Ihnen Ihr Installateur gerne beweisen wird. Bedenken Sie aber, daß der Rohrtrenner einen eigenen Wasserabfluß mit Siphon braucht, weil er bei jedem Trennvorgang - konstruktionsbedingt - ein paar Tröpfchen Wasser aus dem Druckrohr in die nur mit dem üblichen atmosphärischen Druck beaufschlagte Weite entlassen muß. Außerdem sollte vor dem Rohrtrenner ein Druckminderer und nach dem Rohrtrenner ein Druckschlagdämpfer eingebaut werden. Ersterer schützt vor zu häufigen, störenden Fehltrennungen, letzterer vor beängstigenden, trennungs- aber auch wiederverbindungsbegleitenden Geräuschen im Rohrnetz.

 

So ein Rohrtrenner braucht also schon einen ganzen Hofstaat assistierender Elemente und erinnert mich nicht wenig an den hochgeschätzten Egbert Erecch von Ebereschsz, dem letzten Sproß eines österreich-ungarischen Adelsgeschlechtes mit dem ich einst für einige wenige Tage kollegial zusammenzuarbeiten mich befleißigte, was jedoch, die Kollegialität betreffend, unter keinem guten Stern stand. Graf Ebereschsz, voller Hochmut und adligem Dünkel - so jedenfalls nimmt's der arme Bürgerliche wahr - bestand zu sehr darauf, Abstand zu halten und die Differenz zum gemeinen Volke nachzuweisen.

Kaum hatte ich verstanden, Adelsprädikat und Namen auch syntax-richtig zu verwenden, und damit seiner ersten Schmähung artig zu begegnen, schon ließ er mich wissen, daß er von allen Dingen das Meiste für sich und -wenn überhaupt - dann nur das Geringste für mich bestimmt sähe.

Soff er sich voll, so sollt' ich nüchtern bleiben! Gab's Ehr und Anerkennung, so war er's der sie empfing. Kam Geld in's Haus, so war es seines und Rechnungen durft' ich begleichen. Auf's jus primae noctis war er wie wild versessen und einen Narren hieß er jeden, der seinem Dünkel noch die Stirn zu bieten wagte.

"Ich nähr' Euch alle!", war sein oft gebrauchter Spruch, den er, der nie auch nur ein fruchtbar Werk getan, in tiefstem Herzen so für wahr hielt, daß jeder Widerspruch ihn arg in Rage brachte und er sich schnell und dauerhaft verschloß. Versöhnung kannt' er nicht, und Gnade hatt' er nur für den, der sich entschuldigend ihm beugte.

Es war der Mensch, der mehr als meine Mutter, mir stets im Recht zu sein erschien, bis ich bemerkte, daß das Recht, das er zu haben vorgab nur angemaßt und nur zu seinem schnöden Vorteil ihm zu Diensten war. Mit Schimpf und Schande jagt' er mich davon, als ich ihm sagte, daß ich ihn verließe, weil unerträglich sein Benehmen sei.

Der gute, alte, gar nicht ehrenwerte Besserwisser.

Und etwas tröpfeln tat er auch.

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