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Nanomax taucht auf

Sophia war noch nicht in der Schule, aber Jonas, ihr kleiner Bruder konnte schon sprechen. Das war die Zeit, als Sophia und Jonas die Bekanntschaft von Nanomax machten, und Nanomax, das war der kleinste Mann der Welt.

Zuerst hatten sie Nanomax überhaupt nicht bemerkt. Sophia und Jonas waren ins Bett gegangen, Jonas in das vordere Bett, Sophia in das hintere Bett und Sophia hatte wie jeden Abend alle drei Regalfächer ausgeräumt, und ihre Plüschtiere mit ins Bett genommen. Sieben Bären, zwei Schildkröten, ein Plüschfisch, zwei Plüschhasen, ein Plüschtiger, ein Plüschkrokodil, sechs Plüschmäuse, ein Plüschbambi, ein Plüschlamm und alle die anderen. Insgesamt waren das über fünfzig Spieltiere und manchmal war es ziemlich unbequem im Bett, weil sich die Tiere dort breitmachten, wo eigentlich Sophia liegen wollte.

Doch Sophia hatte nun einmal beschlossen, alle Tiere im Bett haben zu müssen und um das durchzusetzen, hatte sie einen ganzen Abend lang mit hochrotem Kopf ganz fürchterlich geheult und geschrieen, bis ihre Mutter nachgegeben hatte und seitdem kamen die Tiere jeden Abend ins Bett und Sophia hatte nicht den Mut, zuzugeben, daß das ihr das mit den Tieren im Bett doch längst nicht so gut gefiel, wie sie es sich damals vorgestellt hatte. Außerdem war sie seitdem gewachsen und die Plüschtiere waren auch immer mehr geworden und jetzt war fast kein Platz mehr im Bett.

Da lag sie also im Bett, konnte nicht schlafen, weil alles so eng und ungemütlich war und hörte, daß Jonas gerade eingeschlafen war. Man hört das ja, wenn jemand einschläft, jedenfalls wenn es ringsum still ist. Da ändert sich der Atem, wenn jemand einschläft und Sophia dachte gerade: Jetzt ist auch noch der Jonas eingeschlafen, jetzt wird es ganz langweilig, als sie im letzten Dämmerlicht bemerkte, daß nicht alle Plüschtiere im Bett waren. Da war noch etwas, im untersten der drei Regale.

Dabei war sie sich ganz sicher, daß sie das unterste Regal zuerst und vollständig ausgeleert hatte. Danach hatte ihre Mutter die beiden oberen Regale ausgeleert. "Damit du nicht auf den Stuhl steigen mußt", hatte sie gesagt. Ob ihr dabei eines der Tiere aus der Hand gerutscht und in das unterste Regal gefallen war?

Sophia, die nicht einschlafen konnte, stieg aus dem Bett, ging die zwei Schritte auf das Regal zu und griff suchend in das untere Fach. Sie spürte etwas Weiches und hörte gleichzeitig aus eine laute und ärgerliche Stimme: "Heh, kannst Du nicht aufpassen? Du tust mir weh!"

Sophia bekam einen gewaltigen Schreck und ließ das, was sie da gerade in die Hand genommen hatte, vor Schreck auf den Boden fallen. Das Donnerwetter, das jetzt begann, war so laut und schrecklich, daß Sophia noch heute, wenn sie sich an diesen Abend erinnert, eine eiskalte Gänsehaut bekommt.

"Willst Du mich umbringen?", schimpfte die Stimme, "Du kannst mich doch nicht einfach fallen lassen, au, tut das weh, wahrscheinlich habe ich mir zwei Haare gebrochen, direkt auf den Kopf bin ich gefallen, komm hilf mir wenigstens auf und kleb mir ein Pflaster auf die Stirn, wahrscheinlich muß ich sonst verbluten!"

Von dem Lärm war Jonas wieder aufgewacht. "Wawawasss ist lossss", fragte er schlaftrunken und stellte sich im Bett auf, um zu sehen, woher der Krach kam, von dem er aufgewacht war.
Wenn man Jonas heute fragt, wie ihm das damals vorgekommen ist, dann redet er nicht gerne darüber, denn er hatte schreckliche Angst, damals. Jetzt ist er aber schon ein großer Junge und welcher große Junge gibt schon gerne zu, daß er Angst hat, oder daß er jemals Angst gehabt hätte?

"Still Jonas", zischte Sophia, "wir wollen nicht das ganze Haus aufwecken, komm her und mach das Licht an, hier ist etwas sehr Merkwürdiges."

Und Jonas zog sich schnell über das Gitter (er hatte damals noch ein Gitterbett), rutschte mit dem kleinen Teppich bis zur Türe und tastete dort nach dem Lichtschalter.

Nun war es hell im Zimmer.

Jonas drehte sich um und rannte zum hinteren Bett, wo Sophia auf dem Fußboden kniete und etwas Kleines betrachtete, das auf dem Fußboden vor ihr stand und sich bewegte.
"Was hast Du da, was Du da hast, was ist das denn, was Du hast das ist ein Mann, was Du da hast," sprudelte er heraus und war mit dem Sprechen fast so schnell fertig, wie mit dem Denken.

Sophia drehte sich um sagte mit ganz wichtiger Stimme: "Jawohl, das ist ein Mann".

Und dann machte das Kleine, das da auf dem Fußboden stand ein paar ganz kleine Schritte auf Jonas zu und stellte sich mit lauter fester Männerstimme vor: "Gestatten, Nanomax, ich bin der kleinste Mann der Welt."

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Nanomax Beschreibung

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