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14. April
2011
13.45 Uhr Geht das? Ein
dezentrales Mini-Pumpspeicher-Kraftwerk
für das Einfamilienhaus? Wäre doch schön,
könnte man mit ein paar Kubikmetern Wasser, die man tagsüber
mit Solarstrom unters Dach pumpt den Strombedarf der Nacht decken.
Der heutige Paukenschlag soll zu einer konstruktiven Diskussion
darüber anregen.
Zur Teilnahme aufgerufen ist jeder, der irgendwie dazu beitragen
kann.
Wer jetzt schon wieder anfängt,
an Patente und Schutzrechte und Gewinne zu denken, darf sich
auch beteiligen. Was an Ideen in offener Diskussion vorgelegt
wird, wird sich schwerlich noch für ein Patent eignen, wenn
aber auf diesem Humus die zündende Idee sprießt, nun
ja, man kann es niemandem verdenken, wenn die zum Patent wird.
Wichtig ist doch eigentlich, dass die Idee, wenn sie denn taugt,
realisiert wird und damit ein Schritt zur Emanzipation der Verbraucher
vom Oligopol der Großkonzerne möglich wird.
10.10 Uhr Depression.
Primär ein Schaden für die Wirtschaft?
Du böser, böser Depressiver
du! Reiß dich zusammen, denk an die Wirtschaft!
Jährlich 22 Milliarden Gewinne werden nicht erzielt, weil
du dein Depressiönchen pflegst.
Eine abenteuerliche Rechnung,
die da in der Frankfurter Rundschau aufgemacht wird.
Beginnend mit der Behauptung:
"Die Volkskrankheit Depression kostet die deutsche Wirtschaft
jährlich bis zu 22 Milliarden Euro."
Im Text wird es dann ein bisschen
wahrer, aber immer noch verlogen. Jetzt ist es nicht mehr der
Schaden der deutschen Wirtschaft, sondern "volkswirtschaftliche
Kosten" von 22 Milliarden Euro.
Gut, dann mag mir bitte einmal
jemand erklären, was volkswirtschaftliche Kosten sind.
Ein Brutto-Inlandsprodukt wird
von einer Volkswirtschaft hervorgebracht, und wo es herkommt,
ob aus der Landwirtschaft, aus dem verarbeitenden Gewerbe, usw.,
wird in der Entstehungsrechnung aufgezeigt. In der Verteilungsrechnung
wird nachgewiesen, wo das Hervorgebrachte (und sein Geldwert)
verblieben sind, was davon in Löhne und Gehälter, in
die Sozialsysteme, in Investitionen, in Unternehmensgewinne und
Kapitalerträge geflossen ist.
So ist die Aussage, 5 Milliarden
Euro direkter Krankheitskosten seien volkswirtschaftliche Kosten
eine zweifelhafte. Schließlich sind eben diese 5 Millionen
als Einkommen von Ärzten, Apothekern, Krankengymnasten,
Pharmabeschäftigten - und als Dividenden von Anteilseignern
der Klinik- und Pharmakonzerne Teil des ausgewiesenen BIP und
ihr Anstieg ist Teil des sehnlichst herbeigeredeten Aufschwungs!
Die Zahl der Frühverrentungen
mit irgendwelchen Euro-Beträgen in volkswirtschaftliche
Kosten umzumünzen führt in den gleichen Irrtum. Wovon
der Konsum im Binnenmarkt bezahlt wird, ist doch egal. Man kann
entweder die Depressiven länger beschäftigen und ihnen
Lohn zahlen, statt Rente, muss dann aber die arbeitslosen (noch)
nicht Depressiven zusätzlich alimentieren, oder man gibt
den Nichtdepressiven die Arbeit, und zahlt den Depressiven die
Rente. Maßgeblich ist die Summe der Leistungen, die den
Konsumenten für den Konsum zur Verfügung steht. Je
weniger (auch je weniger Rente!), desto weniger lässt sich
im Binnenmarkt absetzen.
Hauptsächlich aber wird
beklagt, dass diejenigen, die sich trotz chronischer Erkrankung
zur Arbeit schleppen einen Produktionsverlust von fast 17 Milliarden
Euro verursachen.
Das ist eine durch nichts (durch
nichts!) belegbare, aus den schmutzigen Fingern gesogene Zahl.
Kein Arbeitgeber kann im Zeitlohnverhältnis abschätzen,
wo der Leistungsunterschied zwischen einem Depressiven und einem
fröhlich leichtlebigen Mitarbeiter liegt. Mag sein, dass
der eine manchmal im Grübeln versinkt, bis er sich dann
zusammenreißt, und wieder ranklotzt, aber ist es nicht
so, dass der nicht depressive auch dazu neigt, hin und wieder
am Abend länger und tiefer ins Glas zu schauen als gut wäre,
für die volle Produktivität?
Alles geht wieder nur darum,
den Export zu verbilligen. Depression soll nicht bekämpft
werden, um den Kranken zu helfen, nicht um den Wohlstand im Inland
zu erhöhen, sondern um die Kosten der Produktion für
den Weltmarkt zu Lasten der weiter schuftenden deutschen Arbeitnehmer
zu senken, damit die Gewinne aus dem Export weiter sprudeln.
Wir leben im Geiste des
Kolonialzeitalters.
Und hinter der Formel "Standort Deutschland" verbirgt
sich nichts anderes als die Wahrheit "Kolonie Deutschland".
Gewinn entsteht, wenn das Volk
(die Volkswirtschaft), das die Güter erzeugt, davon möglichst
wenig für sich selbst verbraucht. Und wenn Depressive den
inländischen Konsum medizinischer Leistung erhöhen,
dann mindert das, volkswirtschaftlich gesehen, die Exporterlöse.
11.00 Uhr Ein Wölkchen
warmer Luft aus dem Elfenbeinturm
Das Arbeitsrecht erodiert,
unter dieser Titelzeile antwortet Britta Rehder, Politikprofessorin
an der Uni Bochum, auf die Fragen von Eva Völpel für
die taz.
Der Blick für das Machtgefälle
zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ginge verloren, beklagt
Frau Rehder, und begründet das damit, dass es kaum noch
eigenständige Arbeitsrechtsprofessuren an den Universitäten
gibt.
Das ist so ein Blödsinn.
Das Arbeitsrecht in dieser
Republik ist längst zerstört. Nicht, weil es keine
Professuren dafür gäbe, sondern weil neokonservatives
Denken und willfährige Politiker seit fast drei Jahrzehnten
in immer skrupelloserem Dahinstürmen alles schleifen, was
einst als "Schutzrechte für Arbeitnehmer" ins
Gesetz geschrieben wurde.
Das liegt aber nicht daran,
dass es zu wenige Arbeitsrechtsprofessoren gibt (Herrgott, wie
einfältig und elfenbeinturmsbeschränkt können
Professoren sein, noch dazu, wenn es von ihnen heißt: Sie
forschten über das Arbeitsrecht!), es liegt daran, dass
die Gewerkschaften nicht den Mut hatten, sich zu wehren, als
die ersten Dämme gesprengt wurden, um den Arbeitsmarkt zu
flexibilisieren und den Gegebenheiten der Globalisierung und
des Internationalen Wettbewerbs anzupassen.
Es liegt daran, dass Sozialdemokraten
die Seele ihrer Partei verkauft haben, um "modern"
zu sein, um als "Genossen der Bosse" akzeptiert zu
werden. Die Bosse haben sich amüsiert, abkassiert und privatisiert.
Ich rege mich zu sehr auf.
Ich schreib jetzt nicht weiter. Es gibt noch den Link auf das
- auch für die taz - erbärmliche Interview und auf
meinen alten Aufsatz zum Internationalen Wettbewerb.
14.25 Uhr Letzte Bastion
des gesunden Menschenverstandes
Als letzte Bastion des gesunden
Menschenverstandes innerhalb der in Euro-Rettungs-Panik blind
auf immer größere Risiken zustürmenden, von Angela
Merkel und Wolfgang Schäuble angeführten Masse, steht
der Bundesrechnungshof wie der Fels in der Brandung und rechnet
vor, was der Spaß kosten kann, und zeigt auf, dass wieder
einmal versäumt wurde, originäre nationale Interessen
zu wahren.
Wenn eine übernationale
Organisation ohne nachfragen zu müssen, Zugriff auf zig-Milliarden
Steuergelder aus dem Bundeshaushalt bekommt, weil wir ja unbedingt
gute Europäer sein müssen und in unserer Güte
versprechen, die Gläubiger aller Euro-Länder (aller!)
befriedigen zu wollen, wenn sich das denn zur Rettung des Euro
als notwendig erweisen sollte, dann wäre das unter "normalen"
Verhältnissen und bei "normal denkenden", nicht
von Panik und Fraktionszwängen getriebenen Parlamentariern,
ein Grund, den sofortigen Rücktritt der Regierung wegen
staatsfeindlicher Umtriebe zu fordern.
Gut, dass es wenigstens noch
den Rechnungshof gibt.
Wie sich die Radioaktivität ausbreitet, zeigt eine animierte
Grafik jeweils für drei Tage im Voraus. Es ist nicht lustig,
vor allem dann nicht, wenn man die Ausbreitungsstränge in
Gedanken auf ein zentraleuropäisches AKW überträgt.
Abschalten, so lange es noch geht! In Fukushima geht's nicht
mehr.
Google, meine liebste, weil
schnellste, umfassendste Suchmaschine, wird den Rundumblick vom
Autodach auf Fassaden und Vorgärten nicht mehr pflegen.
Die vielen Einsprüche gegen die weltweite Bereitstellung
der Ansicht des eigenen Hauses haben gewirkt, bevor noch die
eigentliche kommerzielle Nutzung des Dienstes begonnen hat. Zu
zerpixelt präsentierten sich viele Straßen, gerade
auch in den edleren Quartieren der Großstädte, als
dass Street-View-Gucken noch Spaß machen würde.
Ja, es hat Zeitgenossen gegeben,
die sich diesen Dienst als Bereicherung ihres Lebens vorstellten
und keinerlei Respekt vor den Argumenten der Verweigerer zeigten,
aber gerade darum bin ich glücklich, dass sich eine ausreichend
große Zahl von Menschen gefunden hat, die den mühsamen
Weg gegangen sind, bei Google Einspruch einzulegen.
Wo das Recht auf den Schutz
der Privatsphäre und das Recht auf die wirtschaftliche Nutzung
des Bruchs der Privatsphäre kollidieren, haben diesmal nicht
die Gaffer, Spanner und Voyeure obsiegt, sondern eine anonyme
Koalition der Vernunft.
Google Maps und Google Earth
mit Satelliten-Draufsichten und 3-D-Bildern wichtiger Gebäude
und Sehenswürdigkeiten sind hilfreich.
Wer welche Bilder aus meinem
Vorgarten sieht, möchte ich aber selbst entscheiden dürfen.
Und es sieht so aus, als ob dies für den Augenblick gelungen
ist.
Aber schon schickt Microsoft
seine eigenen Kamera-Autos auf die Reise. Wir werden also wieder
widersprechen müssen, es sei denn, jemand richtet ein nationales
Street-View-Einspruchsregister ein, dem alle unterworfen sind,
die sich nun noch auf dieses Geschäftsmodell stürzen
wollen.
Wäre das nicht eine schöne
Aufgabe für Frau Aigner?
Der kürzlich zurückgetretene
Verteidigungsminister mit der sturmfest gegeelten Frisur arbeitet
offensichtlich an seinem Comeback. Die erste Stufe ist eingeläutet,
Gutti ist wieder in den Medien:
Mit dem fast zur Gewissheit
verdichteten Gerücht, er wolle die Veröffentlichung
der Stellungnahme der Universität Bayreuth mit rechtlichen
Schritten verhindern, und dem ebenfalls fast zur Gewissheit verdichteten
Gerücht, die Uni sei zu dem Schluss gekommen, ihr ehemaliger
Absolvent habe sich der bewussten Täuschung schuldig gemacht,
tritt er, frei von jeglichem Skrupel, Schuldgefühl oder
nachgewiesenem Unrecht, wieder auf die Bühne.
Da werden die Emotionen für
den feschen Freiherrn wieder höher schlagen, das ganze Unrecht,
dass man ihm angeblich angetan hat, wird die Volksseele erneut
aufkochen lassen, und wenn die CSU dann ruft, und Gutti, sich
schüttelnd wie ein frisch dem Bade entstiegener Foxterrier
allen Schmutz, mit dem er sich bewerfen lassen musste, ebenso
vehement wie elegant von sich auf andere abschüttelt, dann
werden sie wieder Hossiannah! rufen, in seiner international,
global, fränkisch-bayrischen Heimat, und auf einem Esel
wird er Einzug halten, und mit Palmwedeln werden sie ihm zufächeln,
was immer zuzufächeln ist ...
O.k., nein, das ist die andere
Geschichte. Die mit dem tragischen Ausgang. Da wird sich Gutti
schon vorsehen, dass ihm das nicht widerfährt, ... und welcher
Pharisäer nagelt den anderen schon ans Kreuz? Da müsste
ja einer ganz fürchterlich sauer sein, ganz fürchterlich
...
Die Kapitalerhöhung der
Commerzbank hat Spekulanten angelockt, die sich auf die Schnelle
eine neue Goldauflage für die Nase verdienen wollen.
Der Betrug, der hierzulande
legal ist, läuft so ab:
Spekulanten "leihen"
sich von Banken Commerzbankaktien, die dort auf den Depots von
Bankkunden geparkt sind.
Das ist die Ungeheuerlichkeit
No. 1
Eine Bank verleiht Aktien,
die nicht ihr sondern ihren Kunden gehören, um Spekulanten
einen Raubzug zu ermöglichen. Die Banken sagen: Wenn uns
das nicht mehr erlaubt sein sollte, müssten wir die Depotgebühren
in erheblichem Umfang anheben.
(Dieses Argument ist richtig,
hat aber nichts mit den Kosten für die Depotführung
zu tun, sondern lediglich mit den fest einkalkulierten Gewinnen
der Bank aus solchen Geschäften mit fremdem Eigentum.)
Spekulanten verkaufen
die geliehenen Aktien und erzielen dafür den Kurs, der gebildet
wurde, bevor die Kapitalerhöhung verkündet wurde.
Das ist
die Ungeheuerlichkeit No. 2
Spekulanten
verkaufen Aktien, die weder ihnen, noch denen gehören, von
denen sie sie sich geborgt haben, zu einem guten Kurs, weil ihnen
nächtens im Traum ein Vögelchen (vielleicht aber auch
in der VIP-Lounge ein Insider) gesungen hat, dass bald Bewegung
in den Kurs kommen werde.
Da haben
dieses Spekulanten jetzt also mehr als 1 Milliarde kassiert -
und die Zeitung schreibt, sie hätten mehr als eine Milliarde
investiert - ein kleiner Unterschied, meine ich.
Aber, da kann
man schon mal durcheinanderkommen, wenn man als bezahlter Schreibknecht
die Damen und Herren Spekulanten immer entweder als Investoren
oder gleich als "die Märkte" bezeichnen muss.
Schwamm drüber, ist halt Premium-Journalismus für Premium
Investoren.
Nun setzt sich das Vögelein
auf den höchsten Baum und zwitschert sein Lied in die ganze
Welt hinaus. Daraufhin fällt der Kurs der Commerzbank Aktien
und die Spekulanten kaufen zu niedrigem Kurs die vorher zu hohem
Kurs verkauften Aktien zurück.
Der Unterschied zwischen
Verkaufs- und Einkaufspreis reicht aus, um die Leihgebühr,
die Vermittlungsprovision der Bank zu bezahlen und das Vögelein
angemessen zu honorieren und immer noch einen kleinen Sack voller
Millionen übrig zu behalten.
Das ist
die Ungeheuerlichkeit No. 3
Wenn das Kalkül
aufgeht, und auf Basis gesicherter Informationen geht es fast
immer auf, haben ein paar Drecksäcke in einer Form des legalen
Glücksspiels, die man "Leerverkauf" nennt, ein
paar Millionen, vielleicht sogar zig-Millionen abgesahnt. Diesen
Einkommen steht keinerlei Leistung gegenüber.
Man fragt sich,
wer dafür aufzukommen hat. Der Spekulant sagt, wir haben
niemanden geschädigt. Kann das sein?
Natürlich
nicht.
Der Spekulant
sagt: Ich bin ja auch das Risiko eingegangen, also steht mir
auch der Gewinn zu.
Da kann man
nichts mehr dazu sagen.
Außer:
Warum ist das nicht längst verboten? Hängt der Wirtschaftsstandort
Deutschland davon ab? Haben wir es mit der Systemrelevanz der
Spekulation zu tun? Sind gar Parteispenden in Gefahr?
12.40 Uhr Noch einmal "Grundeinkommen
à la Götz Werner"
Es gibt Aufreger, die kommen
immer wieder. Und es gibt immer wieder Scharen von Menschen,
die sich verlocken lassen, den Tönen der Schalmei zu folgen.
Da sind die Hamelner Kinder beileibe keine Ausnahme.
Da Götz Werner jetzt auch
schon die Schweiz bereist, um für eine Volksabstimmung zur
Einführung eines BGE (bedingungsloses Grundeinkommen) die
Trommel zu rühren, sehe ich mich gezwungen, diesem Trojanischen
Pferd neuerlich einen Paukenschlag zu widmen.
Die Perversität des Euro-Systems,
einschließlich Euro-Rettungsschirm, ist am Beispiel Portugal
besonders klar zu erkennen.
Geschäftsgrundlage
Hilfen an Schuldnerstaaten
(alle EU-Staaten sind Schuldnerstaaten, aber das ist ja egal)
werden von der Gemeinschaft an strenge Reformauflagen und Sparzwänge
geknüpft. Sonst gibt es kein Geld.
Des Portugiesischen Dramas
erster Akt
1. Aufzug (Regierung ringt
verzweifelt um das Wohl des Volkes)
Portugal hat nun für eine
Weile versucht, dem Reform- und Sparpaket der EU und des Welt-Währungs-Fonds
(Merke: Ohne dass den Amis Gelegenheit zum Mitmischen gegeben
wird, dürfen die Europäer - England ausgenommen - nicht
einmal ihre Währung retten) zu entgehen. Die Regierung hat
ein Sparpaket geschnürt, um wenigstens den Anschein zu erwecken,
daran zu glauben, man könne ein Land, dessen Geldsystem
in den Händen privater Banken liegt, durch staatliches Sparen
sanieren.
2. Aufzug (im Parlament, die
Rettung wird niedergestimmt)
Das Portugiesische Parlament
(offenbar überwiegend mit "aufrechten Portugiesen"
bestückt) hat dieses Strangulationspaket abgelehnt.
Des Portugiesischen Dramas
zweiter Akt
1. Aufzug (Bußgang nach
Brüssel)
Nachdem das portugiesische
Volk, aufgestachelt von Sozialisten und Nationalisten, die Selbstrettung
verweigerte, tritt die Regierung verschämt und niedergeschlagen
in Brüssel an, mit der Bitte, ins Füllhorn des Rettungsfonds
greifen zu dürfen.
2. Aufzug (Denkerstübchen
zu Unterbernbach)
Egon W. Kreutzer greift sich
ans Hirn. Wenn ein Land schon die von der eigenen Regierung geforderten
Sparmaßnahmen als unsinnig erkennt und ablehnt, wie soll
es da die von EU, EZB und IWF geforderten Sparmaßnahmen
als sinnvoll erkennen und sich ihnen unterwerfen? Die müssen
die Portugiesen doch unverrichteter Dinge wieder nach Hause schicken
und mit Schimpf und Schande aus der Währungsunion jagen
...
3. Aufzug (Brüssel, die
Hilfe wird genehmigt)
Unter strengsten Auflagen gewährt
Brüssel Portugal, seine Gläubiger zu befriedigen.
Die feierlich zusammengetretenen Regierungschefinnen und -chefe,
ihre Finanzministerinnen und -minister saufen beglückt Champagner,
dass ihnen wieder einmal die Rettung eines ganzen Landes gelungen
ist. Ein Hofnarr rennt über die Bühne und flüstert
jedem einzelnen ins Ohr: "Fürchtet Euch sehr, denn
siehe, ich verkündige Euch große Sorge! Ihr rettet
doch nicht Portugal - ihr rettet nur das Kapital!" Eine
schnell herbeigerufene schnelle Eingreiftruppe führt den
Narren ab.
Des Portugiesischen Dramas
dritter Akt
Einziger Aufzug (Balkon des
Reichstags zu Berlin, die sog. Fensterreden)
Die Gläubiger der Geberländer
(also die Gläubiger der 16 deutschen Bundesländer,
der Bundesrepublik Deutschland und der aus dem Bundeshaushalt
fein säuberlich herausgehaltenen, als "Sondervermögen"
bezeichneten "Sonderschulden") sitzen auf den von Portugal
erhaltenen Tilgungsmilliarden - und reichen sie, auf einen übergroßen
Scheck geschrieben (wie früher von der Aktion Sorgenkind
im Fernsehen gezeigt), mit großer Freude, ob der frisch
erworbenen Melkkuh und mit leicht angehobenen Zinsen als Darlehen
zur Finanzierung des Rettungsschirms an den deutschen Steuerzahler
weiter.
Der deutsche Steuerzahler lässt
sich durch die Bundesregierung und deren Finanzberater Josef
Ackermann versichern, es sei ja gar kein Geld geflossen, bzw.
keines verloren, denn die Portugiesen seien ja nun, durch strengste
Auflagen verpflichtet, sparsam zu wirtschaften und unsere alternativlose
Hilfe mit Zinsen zurückzuzahlen, so dass ihm, dem deutschen
Steuerzahler, am Ende daraus sogar noch ein Zinsgewinn erwachsen
wird.
Der schnell aufkommende Tumult
unter den ausländischen Touristen vor dem Reichstag wird
von einer Staffel berittener Polizei hurtig unterbunden.
14.25 Uhr Die Commerzbank
und die Fänge des Staates
Die Krallenfüße
der Greifvögel, das Maul der Hunde und Raubtiere, das ist
das, was der Waidmann als Fang bzw. Fänge bezeichnet. Die
Fänge sind die Instrumente zum Schlagen der Beute.
Wenn jetzt also gedichtet wird:
"Die Commerzbank
befreit sich aus den Fängen des Staates"
dann wird damit der Steuerzahler,
der die Commerzbank weder fangen noch auffressen, ja nicht einmal
retten wollte, sondern zur Rettung per Milliardentransfusion
von der so genannten "Systemrelevanz" und deren Hohenpriestern
gezwungen wurde, nicht nur verhöhnt, sondern darüber
hinaus noch zum mörderischen Feinbild erklärt.
Wer denkt sich solchen Blödsinn
in wessen Auftrag bloß aus?
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5. April
2011
09.35 Uhr Über den
Unterschied zwischen lang und breit
Am 2. April hatte ich angemerkt,
Verharmloser
schreiben, aus einem Riss im Reaktor "sickert" radioaktives
Wasser in den Pazifik. Dass die Strahlenwerte im Grundwasser
und im Meer nur daher kommen können, dass es "strömt"
- und zwar mindestens in dem Maße, in dem oben Wasser zur
Kühlung drübergeschüttet wird, könnte man
bei dieser Belaberung fast vergessen.
Über den Riss, aus dem
es sickert, hieß es in unseren Qualitätsmedien mindestens
einen Tag lang, er sei 20 cm lang.
Inzwischen wird über die
Länge nicht mehr gesprochen, nur darüber, dass der
Riss 20 cm breit sei. Von 20 cm breiten Rissen in Beton weiß
ich, dass sie selten nur 20 cm lang sind. Ein 20 cm breiter Riss
im Beton ist mindestens 5 Meter lang, vermutlich ist die ganze
Wand/Mauer durchgängig aufgerissen und das Loch hat einen
Querschnitt von mindestens einem Quadratmeter. Wie viel Wasser
da durchströmt, hängt nur noch von den Druckverhältnissen,
also vom Wasserstand hinter dem Riss ab.
Gestern war dann in unseren
Qualitätsmedien zu hören, dass mehr als 11.000 Kubikmeter
verseuchtes Wasser in den Pazifik abgelassen werden müssen,
um Platz zu machen für noch strahlendere Brühe, und
es war zu hören:
Die japanische
Regierung warnt vor katastrophalen Folgen, wenn weiterhin radioaktiv
strahlende Substanzen aus dem schwer beschädigten Atomkraftwerk
Fukushima ins offene Meer strömen.
Da bleibt
einem doch die Tastatur quer im Halse stecken.
Eine Regierung,
die vor katastrophalen Folgen für einen riesigen Ozean warnt,
anstatt endlich einzugreifen, Tepco endlich zu enteignen und
alle Kraft der gesamten Volkswirtschaft daran zu setzen, die
Büchse der Pandora wieder zu schließen.
Und wen
warnt Japan eigentlich? Den Rest der Welt? Göttlich!
Oder das Management von Tepco? Ein Witz!
Ehrliche und zutreffende Information wäre wichtiger.
Hilfe anzunehmen,
von wem auch immer sie angeboten wird, wäre wichtiger als
eine derart hilflose Warnung in die Welt zu setzen.
... und,
das muss auch einmal gesagt werden:
Meines Erachtens
ist Fukushima ein wichtigeres Thema für die UN als es Libyen
ist.
Meines Erachtens
sollte die UN der japanischen Regierung das Recht absprechen,
weiter im eigenen radioaktiven Sumpf ergebnislos vor sich hin
zu wursteln.
Meines Erachtens
sollte die UN eine Armee von Spezialisten - mit allem erforderlichen
schweren Gerät - losschicken, mit dem Auftrag, die atomare
Pestbeule, die die ganze Welt bedroht, zu entfernen. Koste es
was es wolle.
Da denken Wissenschaftler
darüber nach, wie man einen gefährlichen Asteroiden
abschießen oder aus der Bahn werfen könnte, um einen
Zusammenstoß mit der Erde zu vermeiden, aber einen Plan,
für die Abwehr einer hausgemachten Superkatastrophe gibt
es offenbar nicht.
12.20 Uhr ... die Spatzen
pfeifen es von den Dächern "fillip, filliip, fillliiiip"
Philipp Rösler schickt
sich an, Guido Westerwelle zu beerben, Parteivorsitz und Vizekanzlerschaft
winken einem Mann, der - außer in der FDP - in Deutschland
nur wenige Anhänger hat.
Die FDP sitzt damit in einer
klassischen Zwickmühle:
Lässt sie Rösler
an die Spitze rücken,
wird es ihm ergehen wie so manchem katholischen Dorfpfarrer indischer
Abstammung im bayrischen Pfarrsprengel. Man versteht ihn schwer,
lehnt ihn ab, sorgt für seine Ablösung und macht ihn
so zum ungeliebten Wanderprediger.
Wie die Katholen, die bis zur
Ablösung des Ungeliebten weiterhin, wenn auch mit gewissem
Ingrimm im Gesicht, sonntags zur Messe gehen, weil Taufe, Firmung,
kirchliche Trauung und die Erwartung einer ordentlichen Trauerfeier
eine ziemlich feste Bindung herstellen, werden auch die eingetragenen
Mitglieder der FDP ihrer Partei treu bleiben. Doch, anders als
die Katholische Kirche, muss die FDP nicht nur auf ihre Mitglieder
achten, sondern in ganz erheblichem Maße auch auf ihre
Wähler - und die werden ihr, weil sie mit Rösler nichts
anfangen können, in hellen Scharen den Rücken kehren.
Lässt sie Rösler,
wenn er seinen Anspruch denn verkündet, aber nicht an die
Spitze rücken,
so wird man ihr alles mögliche vorwerfen, was sich in der
Zeit der Völkerverständigung per Globalisierung so
als Vorwurf eignet, nämlich a) Populismus, wegen Eingehens
auf diffuse ausländerfeindliche Strömungen im Wahlvolk,
b) Ausländerfeindlichkeit, wegen offensichtlicher Benachteiligung
eines Migranten, c) mangelnde Toleranz gegenüber dem "Andersartigen"
- und schließlich, d) das Fehlen jeder personellen Alternative.
Das beste für die FDP
und Philipp Rösler wäre also, wenn er von sich aus
auf den Parteivorsitz verzichtete.
Wenn Christian Lindner klug
ist, verzichtet er für dieses Mal auch noch. Um seine Vorstellungen
von einer "reformierten" FDP glaubhaft vertreten zu
können, müsste er diese erst einmal parteiintern und
öffentlichkeitswirksam zugleich diskutieren und sich damit
gegen Widerstände durchsetzen. Hat er so sein Image aufpoliert,
könnte er damit in drei, vier Jahren überzeugend auf-
und antreten.
Warum also nicht jetzt Frau
Leutheusser-Schnarrenberger mit dem Parteivorsitz betrauen?
Ich frage mich, warum ihr Name
so schnell aus der Diskussion verschwunden ist.
Sie steht für einen liberalen
Kurs, der mehr beinhaltet, als neokonservatives Denken, sie hat
politische Erfahrung, bringt - parteiübergreifend akzeptiert
- ein respektables politisches Gewicht auf die Waage und könnte
das Amt sicher weitaus besser ausfüllen als Brüderle,
Gerhard, Niebel, Solms, Homburger und Pieper zusammen.
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3. April
2011
Das
Bild vom Sonntag
2. April 2011
09.35 Uhr Deutschlandweit
Prachtwetter
So war es auch vor 25 Jahren,
am 1. Mai 1986, bis dann der Regen kam, von dem wir nach und
nach erfuhren, dass er strahlende Partikel aus Tschernobyl mitgebracht
hatte, die heute noch so vor sich hinstrahlen, dass immer noch
viele der in Deutschland geschossenen Wildschweine als Sondermüll
entsorgt werden müss(t)en.
Diese und mehr Infos, zum Jubiläum
des Super-Gaus in der Ukraine hatte ich mir eigentlich erst für
Ende April vorgenommen. Nun strahlt auf dieser Welt wieder nicht
nur die Sonne.
Verharmloser schreiben, aus
einem Riss im Reaktor "sickert" radioaktives Wasser
in den Pazifik. Dass die Strahlenwerte im Grundwasser und im
Meer nur daher kommen können, dass es "strömt"
- und zwar mindestens in dem Maße, in dem oben Wasser zur
Kühlung drübergeschüttet wird, könnte man
bei dieser Belaberung fast vergessen.
Also, steckt mal alle schön
den Kopf in den Sand.
Und fragt lieber nicht nach der radioaktiven Belastung desselben.
Sonst wüsstet ihr womöglich
gar nicht mehr, wohin mit dem Kopf.
... ach ja, da gäbe es
noch eine Möglichkeit für den Kopf. Stecken Sie ihn
doch wieder mal in ein Buch. Das geht sogar beim Sonnenbad im
Liegestuhl.
1. April 2011
APRIL! APRIL!
08.45 Uhr E10-Notverordnung
in Kraft
Auf Veranlassung der EU-Kommission
hat die Bundesregierung heute, um 0.00 Uhr die Europäische
E10 Notverordnung in deutsches Recht übernommen und sofort
in Kraft gesetzt.
Tankstellenbetreiber müssen
demnach alle Zapfpistolen für Super und E10 mit neutralen
Aufklebern überkleben, auf denen nur noch die Oktanzahl
und daneben der Bundesadler aus dem Siegel der Zollverwaltung
angegeben ist. Super und E10 sollen zum gleichen Preis angeboten
werden.
Mit dieser Regelung soll erreicht
werden, dass einerseits die mit E10 vollen Tanks der Mineralölgesellschaften
sich wieder leeren und der Bürger, nach mehreren Tankfüllungen
mit einem unbekannten Gemisch das Vertrauen in E10 gewinnt, das
für den Absatz der für die CO2-Bilanz der Bundesregierung
so wichtigen Spritmischung erforderlich ist.
Zudem wird so gewährleistet,
dass die Gewährleistungsansprüche, die erst gestern
von Seiten der Automobilhersteller und der Mineralkonzerne abgegeben
wurden, zu keinen nachteiligen Folgen für diese Unternehmen
führen, da es dem Autofahrer nicht mehr möglich ist,
den Nachweis zu führen, überhaupt E10 getankt zu haben.
Meine Bitte: Verhelfen Sie
dieser Notverordnung zu voller Wirkung. Checken Sie an den Tankstellen
in Ihrer Nähe, ob die neuen Regelungen schon eingehalten
werden und schicken Sie mir andernfalls eine E-Mail mit Name
und Anschrift der Tankstelle und einem Foto im jgp-Format mit
eingeblendetem Datum als Beweis.
Deutschlands Bankerprimus Josef
Ackermann, die ausländische Fachkraft mit der unheilbaren
Rekordrenditenneurose, nölt schon wieder herum, man dürfe
die Banken nicht zu stark regulieren.
Er meint,
die mangelnde Profitabilität des hiesigen Bankensektors
schränke dessen Fähigkeit ein, Finanzierungsmittel
für die Volkswirtschaft bereitzustellen.
Wie kommt der Mann zu dem abenteuerlichen
Schluss, die mangelnde Profitabilität des hiesigen Bankensektors
schränke dessen Fähigkeiten ein, Finanzierungsmittel
für die Volkswirtschaft bereitzustellen?
Eine einigermaßen scharfe
Antwort finden Sie im heutigen Paukenschlag
08.50 Uhr Sitzblockade bleibt
Gewalt, und damit strafbare Nötigung
Nicht zu früh freuen!
Dass das Verfassungsgericht
in einem Fall aus dem Jahre 2004 (es dauert!) nun entschieden
hat, nicht jede Sitzblockade sei auch schon Nötigung, ist
die sogenannte Schauseite des Urteils.
Betrachtet man das Urteil genauer,
stellt man fest, dass es den Streit um die Frage der "Strafbarkeit
von Gewaltfreiheit" sehr eindeutig beantwortet hat. Sitzblockaden
sind grundsätzlich Gewaltanwendung (das ist die Regel!);
nicht jede Sitzblockade darf aber als Nötigung bestraft
werden (das ist die im Einzelfall festzustellende Ausnahme!).
Dass die Zeitungen eher das Gegenteil betonen, Sitzblockaden
seien erlaubt und nur im Einzelfall verboten, ist eine Lesart,
die selbst im leeren Glas noch ein potentiell mindestens halbvolles
zu erkennen vermag.
Lesen Sie die Meldungen aus der Süddeutschen und der Rheinischen
Post, dort wird auch erklärt, warum psychische Gewalt (friedliches
Sitzen) in physische Gewalt gegen den Autofahrer in der zweiten
Reihe umschlägt, weil der erste, der gebremst hat, für
ihn nun ein unüberwindliches Hindernis darstellt ...
Nein. Es geht nicht um das
Grundrecht der Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Es geht darum,
mit der nun zugestandenen Ausnahme als dem Feigenblatt der Rechtmäßigkeit
die Blöße der menschenrechtsmissachtenden Politik
und Rechtsprechung zu bedecken.
Aber aufheulen vor Abscheu
darüber, wie wenig die Briten einst Gandhis Gewaltfreiheit
als solche ansehen wollten, dass können sie alle recht gut
...
10.00 Uhr Millionenfach
erhöhte Radioaktivität, Plutonium im Grundwasser
aber
eine Gefahr für die Gesundheit besteht nicht.
Die Atomkatastrophe in Fukushima
ist ein Lehrbeispiel dafür, was herauskommt, wenn sich eine
Gesellschaft dem Diktat der Wirtschaft, der Unternehmen und des
Kapitals unterwirft.
Um die Katastrophenreaktoren
findet ein unglaubliches Pokerspiel statt, dessen Ziel es ist,
bis zum letztmöglichen Zeitpunkt die Legende aufrechthalten
zu können, Tepco hätte sein Kraftwerk im Griff, die
Wiederherstellung eines befriedigenden Zustandes sei nur noch
eine Sache von Tagen, Strahlung sei nur in geringem, nicht schädlichen
Ausmaß freigesetzt worden - kurz: Es hat nie eine Katastrophe
gegeben.
Und warum das?
Es gibt nur einen einzigen
Grund: Wenn die Regierung endlich eingreift, die Regie übernimmt
und die Katastrophe nach russischem Vorbild einbetonieren lässt,
muss man doch Schadensersatzansprüche geltend machen können,
für den Verlust einer wertvollen Kraftwerksanlage.
Und wenn diese Regierung nicht
eingreift, werden sie noch monatelang Wegwerf-Arbeiter mit Wasserspritzen
auf die Kernschmelze halten lassen, bis sich das gesamte Plutonium
in allen Weltmeeren verteilt hat.
1 Millionstel Gramm davon,
heißt es, killt einen Menschen.
Einige hundert Kilogramm soll es in Fukushima geben. Das würde
für die gesamte Menschheit reichen, und weil das Zeug nach
einmaligem Verzehr nicht aufhört, zu strahlen, sind die
Folgen der Freisetzung auf Jahrtausende unabsehbar.
Wie viele Fische, Muscheln
und Meeressäuger werden erbärmlich verrecken müssen,
weil niemand den Mut hat, den Kraftwerksbetreibern in den Arm
zu fallen?
Muss erst mit dem Einsatz US-amerikanischer
Truppen gedroht werden, damit die Nachfahren der Samurai den
Mut finden, die Verseuchung der Atmosphäre und der Ozeane
auch gegen den Willen des Kapitals zu stoppen?
Die EU hat zwei Sorten Grenzwerte
für die radioaktive Belastung von Lebensmitteln festgelegt.
Sorte 1 für den Normalfall, wenn keine erhöhte Radioaktivität
in der Umwelt ist, Sorte 2 für den Ausnahmefall, wenn nämlich
die Normalfall-Grenzwerte überschritten werden. (Ja, ist
wahr, hat nicht der Priol erfunden!)
Vorsorglich dürfen Lebensmittelimporte
ab sofort die volle Bequerel-Menge der Grenzwert-Sorte 2 haben.
(Ja, ist auch wahr. Hat nicht der Pelzig erfunden!)
Haben Sie nicht auch noch Ilse
Aigner im Ohr, die uns zugesichert hat, Lebensmittel aus Japan
streng auf Überschreitung der Grenzwert zu prüfen?
Ist wahr! Sie hat zwar gesagt,
dass die Kontrollen in Japan stattfinden, und dass es sich um
Stichproben handelt, und dass an den EU-Grenzen vielleicht zusätzliche
Stichproben genommen werden, was als "scharfe Kontrolle"
schon ziemlich dünne war,
dass wir aber aus Japan Lebensmittel
einführen, die mehr als das Vierfache der Grenzwerte nach
Grenzwert-Sorte 1 aufweisen, das hat sie uns wohl nicht gesagt.
Da muss erst das Münchner Umweltinstitut darauf hinweisen!
(sh. Grenzwertabelle im Link)
Herrschaftszeiten!
Ist denn das Überleben
der europäischen Bevölkerung vom Import japanischer
Lebensmittel abhängig?
Offensichtlich nicht!
Und warum dürfen die Japaner
ihren Strahlenmüll dann in Lebensmitteln versteckt nach
Europa exportieren?
Weil die Krebshäufigkeit
in Europa zu gering ist, um die Kapazitäten des Gesundheitswesens
auszulasten?
Weil die Europäer zu alt
werden, um ihnen noch länger Rente zahlen zu können?
Oder einfach nur, weil irgendjemand
ganz fett geschmiert worden ist, um dieser Schweinerei zuzustimmen?
Was haben die Polit-Eunuchen
aus dem Europa-Parlament dazu gesagt? Nichts?
Weil man sie gar nicht fragen muss?
Und wozu sind die dann gut?
Blöde Frage.
Verzierungen sind stets zweckfrei, aber sie machen eben alles
viel schöner.
Wie war das denn damals bei
Contergan? Hat das Pharma Unternehmen auf Schadensersatz geklagt,
als das Schlafmittel wegen seiner fatalen Folgen für ungeborenes
Leben vom Markt genommen werden musste?
Nun haben wir Energiekonzerne,
deren Kraftwerke ein vielfach höheres Gefährdungspotential
in sich tragen, und die müssen, alleine aus aktienrechtlichen
Gründen, gegen das Moratorim der Bundesregierung klagen,
das diese wiederum nur unter Heranziehung eines noch gar nicht
gegebenen Notstandes verhängen konnte.
Das ist doch Wahnsinn!
Aktiengesellschaften, deren
Eigentümer, die Aktionäre, an jeder Schweinerei, die
ihre Vorstände begehen, um die Gewinnziele zu erreichen,
verdienen, die andererseits aber keinerlei Haftung für das
übernehmen, was ihre Vorstände da anrichten, gehören
in dieser Form sowieso endlich verboten! Das sage ich hier nicht
zum ersten Mal.
Dass es aber in diesem unserem
Lande Recht sein soll, dass Unternehmen, die in ganz großem
Stil als "Gefährder" auftreten, gegen das (sowieso
nur für drei Monate ausgesprochene) Verbot, die Welt weiter
dem unkalkulierbaren Risiko einer atomaren Katastrophe auszusetzen,
klagen müssen, weil sie vom Rechtsstaat verpflichtet sind,
unter allen Umständen zuerst das Recht ihrer Aktionäre
auf maximale Dividende zu wahren, dass ist doch der Irrwitz zum
Quadrat!
Es reicht nicht, die Kernkraftwerke
endgültig abzuschalten.
Man muss
auch die Börsen schließen.
28. März
2011
27. März
2011
Das Bild vom Sonntag
26. März
2011
11.30 Uhr Morgen ist Mittag
schon vorbei
Désirée Linde
von der Rheinischen Post spricht mir aus dem Herzen, wenn sie
die Sommerzeitgegner und deren Argumente ausführlich würdigt.
und so beginnt ihrr Artikel:
Sinnlose
Sommerzeit?
Mehr Herzinfarkte, mehr Verkehrsunfälle und Menschen, die
über Monate um ihren Rhythmus ringen: Heute Nacht werden
die Uhren eine Stunde vorgestellt. Gesetzlich verordneter Unsinn,
sagen Sommerzeitgegner.
Für
den Sommerzeitgegner verhält es sich so: Gesetzlich verordnet,
quasi als Machtdemonstration der Staatsoberhäupter, bringen
Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt zwei Mal im Jahr
kostbare Zeit damit zu, an all ihren Uhren zu drehen. Armbanduhr,
Handyuhr, Wanduhren sowie Wecker und die Uhr im Auto alle
müssen umgestellt werden. Und das nur, um abends die Rollläden
herunterzulassen, um ungestört vom gleißenden Sonnenlicht
die "Tagesschau" zu schauen und später, weil es
noch hell ist, keinen Schlaf zu finden. Am Morgen müssen
sie im Dunkeln aufstehen und, weil es noch kühl ist, die
Heizung anwerfen. Dann, übermüdet um ihren Rhythmus
ringend, steigen sie ins Auto und sind damit laut Auto Club Europa
(ACE) kurz nach der Umstellung anfälliger für den Sekundenschlaf.
o.k., nach dem Lesen dürfen
Sie entscheiden, ob das noch irgendwas mit Gründlichkeit
zu tun hat, oder ob es bloße Schikane ist:
Lieber Herr Kreutzer,
irgendwie habe ich das Bedürfnis, Sie an meinen behördlichen
Erlebnissen beim Beantragen einer Kraffahrzeugsteuerermäßigung
(Schwerbehinderung) teilhaben zu lassen.
D033. Der Stempel
1) Schwerbehindertenausweis beantragen
2) Wenn das Beiblatt zum Schwerbehindertenausweis ausgestellt
wurde, beim Finanzamt Antrag auf Steuerermäßigung
stellen.
3) Wenn versehentlich eine Kopie des Beiblattes verschickt wurde,
habe man nun das Original-Beiblatt dem Finanzamt vorzulegen.
4) Auf dem Original-Beiblatt ist ein Kasten vorgesehen, damit
das Finanzamt dort einen Stempel einprägen kann.
5) Wenn versehentlich der Fahrzeugschein nicht im Original dem
Finanzamt vorgelegt wurde, habe nunmehr unverzüglich der
Außenstelle für Kraftfahrzeugsteuer der Fahrzeugschein
vorgezeigt zu werden, damit im Original-Fahrzeugschein der heiß
ersehnte Original-Stempel eingeprägt werden kann.
6) Damit ist der Antrag auf Ermäßigung der Kraftfahrzeugsteuer
abgeschlossen.
Ich denke, dass dieser unnötige Verwaltungsakt eher dazu
beiträgt behinderten Menschen das Leben unnötig zu
erschweren. Dabei hatte der Gesetzgeber mit dem Schwerbehindertenrecht
genau das Gegenteil beabsichtigt. Idealbild: Herr/Frau Kunde(in)
demnächst stellen wir Ihren Schwerbehindertenausweis aus.
Dürfen wir in Ihrem Namen alles Weitere beim Finanzamt für
Sie veranlassen?
Herzliche Grüsse und Alles Gute
12.05 Uhr Fünf nach
zwölf, das Kind im Brunnen, das Gejammer groß,
Dabei haben Sie es genau so
gewollt, sonst hätten Sie es nämlich gleich anders
gemacht.
Am 10. März 2006 - fünf
Jahre ist das nun her - habe ich einen Aufsatz mit dem Titel
"Dresden verkauft sich" geschrieben. Der begann so:
48.000 Wohnungen
und 1.300 Gewerbeeinheiten gehören in Kürze US-amerikanischen
Spekulanten, weil es 40 Dresdner Stadträte - und das war
die Mehrheit - so beschlossen haben.
Der von
den Medien angezettelte Jubel darüber, dass Dresden nun
als erste deutsche Großstadt schuldenfrei sei, will glauben
machen, da sei nun die gute Fee gekommen, hätte den Stadtvätern
einen Wunsch frei gegeben, und die hätten klug und weise
die bestmögliche Wahl getroffen und mit einer einzigen Entscheidung
nichts anderes getan, als drückende 1,459 Millliarden Euro
Schulden in 241Millionen Guthaben zu verwandeln.
Aber da
war nirgends eine gute Fee. Ganz im Gegenteil.
Nur eine
US-amerikanische Investmentgesellschaft - so eine Art Heuschrecke,
also.
Nun klagt Dresden gegen die
Erwerber, weil diese bei der Weiterveräußerung vergessen
haben, die Sozialklauseln an die Nacherwerber verpflichtend weiterzugeben.
Die Gagfah wird daraufhin pleite
machen und für nichts mehr verantwortlich sein und die Nacherwerber
werden frei von Belastungen mit ihrem Eigentum umgehen können,
und der Rest wird zwangsversteigert und damit ebenfalls von lästigen
Sozialbindungen befreit.
Ganz schöne Scheiße,
die ihr da angerührt habt, Dresdner Stadträte!
08.30 Uhr Betonpumpen sind
in Stellung, Stromversorgung steht
wo bleiben Kies und Zement?
Nach unterschiedlichen Meldungen
sollen inzwischen mindestens drei Hochleistungsbetonpumpen mit
mehr als 50 m hohen Auslegern vor Ort sein. Angeblich, um das
Meerwasser von noch höher droben auf die Unglücksmeiler
spritzen zu können.
Doch die Lage wird immer prekärer,
mit 500 Millisievert pro Stunde erreicht die Strahlenbelastung
vor Ort inzwischen wieder das 1,1 Millionenfache der natürlichen
Strahlungsintensität von 2 Millisievert pro Jahr.
(500 Millisievert/h x 24
Stunden x 365 Tage = 2.190.000 Millisiervert/a)
In Deutschland gibt übrigens
das Bundesamt für Strahlenschutz die Messwerte der knapp
2000 installierten Sonden im Internet bekannt. Update der Rohdaten
alle 6 Stunden. Die dem eigenen Standort nächsten Stationen
können über eine interaktive Karte einigermaßen
leicht gefunden werden.
15.35 Uhr Entschuldigung,
ich habe Frau Merkel Unrecht getan
Am 12. März, Fukushima
war gerade zum Problem geworden, wähnte ich, Frau Merkel
würde eine Kommission einsetzen. Das las sich dann bei mir
so:
Ich habe noch gestern Abend
eine Kommission berufen, mit dem Auftrag, die in den letzten
hundert Jahren an deutschen Küsten aufgelaufenen Tsunamis
und deren Zerstörungskraft im Hinblick auf die Sicherheit
von Stade, Biblis und Ohu zu untersuchen. Wie ich soeben aus
den Reihen der Kommission höre, besteht eine derartige Gefahr
in Deutschland nicht.
Nun muss ich eingestehen,
ihr Unrecht getan zu haben.
Angela Merkel hat mehr getan
als nur eine Kommission einzusetzen.
Sarkozy, französischer
Anführer des Libyen-Feldzuges, hat vor kurzem noch Waffen
an Libyen liefern lassen.
Im August 2007 berichtete die
WELT über ein öffentlich gewordenes Geheimpapier, in
dem Frankreich Libyen nicht nur Rüstungsexporte und die
Ausbildung militärischer Spezialkräfte zusagt, sondern
auch den Austausch von Einschätzungen und Informationen
sowie gegenseitige Expertenbesuche und die Ermutigung gemeinsamer
Investitionen im Verteidigungsbereich. Außerdem war ein
Abkommen über die mögliche Lieferung eines Atomreaktors
getroffen worden.
Das Übereinkommen wurde
am 25. Juli 2007 während eines Besuchs Sarkozys in Tripolis
unterzeichnet. Mehr Details über den Deal bietet
Neues aus Bullerbü erscheint
derzeit nicht in Buchform, es stammt auch nicht von Astrid Lindgren,
neues aus Bullerbü erscheint in Presse, Funk und Fernsehen
- aber die Welt ist immer noch so heil, die Menschen so unbeschwert
heiter, naiv und doof, wie im Original, obwohl Bullerbü
jetzt in Japan spielt und Fukushima heißt.
Hier reichlich Zitate aus der Süddeutschen:
Die Situation
des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima-1 ist weiterhin
instabil:
instabil.
Instabil!
Außerdem ist nur "die Situation" des Kraftwerks
instabil, das Kraftwerk selbst offenbar nicht.
Aus zwei
Reaktoren stiegen am Dienstagmorgen erneut Rauch und Dampf auf.
So klingt
das auch immer, wenn sie in Rom einen Papst wählen. Da steigt entweder
dunkler, schwarzer Rauch auf, oder weißer. Aber wenn die
Sonne ungünstig steht, kann man zwischen weiß und
schwarz, Dampf und Rauch nicht unterscheiden. Da sind die Beobachter
in Fukushima offenbar keinen Deut besser im Rauchdeuten, als
gläubige Katholiken ...
Die Lage
bleibe "äußerst angespannt", erklärte
der japanische Industrieminister Banri Kaieda am Dienstag. "Es
ist nach meinem Gefühl schwierig, von Fortschritten zu sprechen",
fügte der auch für die Atomaufsicht zuständige
Minister nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo hinzu.
Da haben zwei
nicht die geringste Ahnung, oder geben zumindest vor, keine zu
haben - und erzeugen mehr Nebel als alle havarierten Reaktoren
zusammen, aber statt hart nachzufragen wird nur weich gedruckt.
Aus Block
3 trete weißer, diesiger Rauch auf, über Block 2 weißer
Dampf, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo. Reaktor 3 werde
wieder mit Wasser besprüht, heißt es weiter. Bei dem
weißen Rauch über dem Reaktor 2 handelt es sich nach
Ansicht der japanischen Atomsicherheitsbehörde wahrscheinlich
um Dampf aus dem Abklingbecken.
Hatten wird
das nicht gerade?
Nein, nicht so ausführlich. Nur genauso armselig.
Bereits
am Montag war über Block 2 Dampf und über Block 3 grauer
Rauch aufgestiegen, der bis zum Abend verschwunden war. Die Dampfwolke
soll nach Regierungsangaben ungefährlich gewesen sein.
Aber sie wissen
weiterhin nicht, was es war und was es ist.
Es ist nicht zu glauben.
Der Rauch
über dem Block 3 könnte von brennenden Trümmerteilen
stammen.
Da, endlich
die erlösende Vermutung: Da könnten Trümmer brennen.
Ich halt's im Kopf nicht aus!
Bei dem
weißen Dampf über Block 2 handle es sich um Wasserdampf.
Das deutet
auf eine anhaltende Wärmeentwicklung im Abklingbecken mit
verbrauchten Brennstäbe im Block 2 hin. Aufgrund der Nachwärme
in den Reaktoren verdampft das bisher zugeführte Wasser.
Die genaue Ursache ist allerdings weiter unklar. "Wir prüfen
noch die Lage", sagte ein Tepco-Sprecher.
O.k. Beim Dampf
(es ist also weißer Dampf!) handelt es sich um Dampf!
Göttliche
Erkenntnis!
Und dass Wasser
verdampft, wenn man es erhitzt, ist ebenso eine Offenbarung.
Aber wie kommt es bloß, dass das Wasser verdampft? Was
könnte die genaue Ursache sein? Wenn wir das erst herausgefunden
haben, dann aber ...!
Meiler wieder am
Stromnetz
Eine der schönsten
Formulierungen aus diesen Tagen. Bis vor zwei Wochen lieferte
ein Kraftwerk Strom, wenn es ans Netz ging. Jetzt kann es welchen
bekommen, falls da was ist, was noch funktioniert.
Für
Block 2 bringt das allerdings keine schnelle Hilfe, da dort nach
Angaben von Kraftwerksbetreiber Tepco die Pumpen kaputt sind.
Es seien Ersatzpumpen mit höchster Dringlichkeitsstufe bestellt
worden, hieß es. Wann sie eintreffen, war zunächst
nicht bekannt.
Mit dem
Anschluss der Reaktorblöcke an die Stromversorgung hoffen
die Techniker im Krisenstab von Fukushima, die regulären
Kühlsysteme wieder in Gang bringen zu können. Doch
ob diese noch funktionieren, war auch über Block 2 hinaus
nicht abzusehen.
Wer die strahlenden
Ruinen der Kraftwerksblöcke auch nur einmal auf einem Bild
gesehen hat, weiß, dass dort so ziemlich alles kaputt ist,
innerhalb, wie außerhalb des inneren Reaktorkerns.
Aber so ist
das halt in Bullerbü.
Nicht so schlimm,
bestellen wir eine neue Pumpe, und wenn die kommt, dann ist "Heile,
heile Segen" alles wieder gut.
Als Warren Buffet vor vielen
Jahren die Herstellung von (und den Handel mit)
Derivaten als "finanzielle Massenvernichtungswaffen"
bezeichnete, konnten sich nur wenige vorstellen, was passiert,
wenn diese Waffen gezündet werden.
Es fehlt den allermeisten Menschen
einfach das Vorstellungsvermögen, um das Ausmaß eines
Schadens von 100 Milliarden Euro (so viel ungefähr hat alleine
die HRE an Schaden für Deutschland angerichtet) überhaupt
begreifen zu können.
Da braucht es erst die vom
Fernsehen übertragene, ganz große Katastrophe, aus
einem Mega-Erdbeben, einem gigantischen Tsunami, 20.000 Toten
und der Havarie mehrerer Kernkraftwerksblöcke, um einen
Vergleich zu haben.
Die aktuelle Schätzung
für den Gesamtschaden in Japan liegt irgendwo zwischen 160
und 180 Milliarden Euro. Der Betrag wird sicherlich noch steigen,
aber wir kennen auch noch nicht das ganze Ausmaß des Schadens.
Gestern haben die Finanzminister
der Euro-Gruppe zur Rettung des Euros einen neuen 500 Milliarden
Topf auf den Herd gesetzt. Deutschland wird 27 % der Suppe auslöffeln
müssen, die uns der Euro und die auf den Euro gestützte,
sinnlose Exportüberschusserzeugung und die ringsherum abzockende
Spekulantenbande eingebrockt haben.
Deutschland muss jetzt erst
einmal 21,81 Milliarden überweisen. Die verzischen wie das
Meerwasser auf der heißen Kernschmelze. Dann muss Deutschland
sich an Garantiezusagen über insgesamt 620 Milliarden Euro
beteiligen und dafür mit rund 170 Milliarden Euro in die
Haftung gehen. Der Betrag wird sicherlich noch steigen, denn
wir kennen auch hier noch nicht das ganze Ausmaß des Schadens.
Da mögen nun blauäugige
Experten in Scharen daherkommen und uns verkünden: "Es
sind ja nur Garantien, da fließt ja kein Geld ..."
- die Erfahrung lehrt klar und eindeutig: Wo immer ein Haufen
Geld auf den Tisch gelegt wird, kommt einer, der es sich holt.
Wer also so naiv ist, zu
glauben, man müsse
dem Räuber nur klarmachen, dass sein ganzes Rauben sinnlos
sei, weil man den Bestohlenen den Ersatz des Schadens garantiert,
der lädt doch geradezu dazu ein, dass sich Räuber und
potentielle Opfer gegen die Versicherung und deren Beitragszahler
verabreden. Ganze Banden haben sich gebildet, die teure Autos
mit Wissen und Billigung der Eigentümer gestohlen und ins
Ausland verschoben haben - bis man den Diebstahl technisch so
erschwert hat, dass die Karren ohne den Original-Schlüssel
nicht mehr zu starten waren. Warum sollte das ausgerechnet dann
anders sein, wenn es nicht um ein paar Millionen, sondern um
viele Milliarden Euro geht?
Wahrscheinlich sind "naiv"
und "glauben" aber die falschen Vokabeln. Vermutlich
müsste man "gerissen" und "behaupten"
sagen, aber das werden die Historiker frühestens in 100
Jahren zu erörtern wagen ...
Die neue Garantieverabredung
ist die Einladung zu weiteren kriegerischen (Währungskrieg)
Attacken auf die Steuerzahler und Staatsleistungsempfänger
der Euro-Zone.
Alleine für Deutschland
wird der (sinnlose) neuerliche Versuch, den Euro zu retten, damit
mehr Schaden anrichten als Erdbeben, Tsunami und Reaktorkatastrophe
in Japan zusammen.
Und damit nicht genug:
Wir haben uns ja nicht nur
dem Euro auf Gedeih und Verderben ausgeliefert - von den Energieversorgern
mit ihren Kernkraftwerken sind wir ebenfalls abhängig.
Pest und Cholera eben. Da kann
man überhaupt nichts machen. So ist der Lauf der Welt.
Es reicht nicht, die Kernkraftwerke
endgültig abzuschalten.
Man muss auch die Börsen
schließen.
21. März
2011
09.30 Uhr Wieder mal ein
Kriegsausbruch
An diesem Wochenende hat eine
in sich uneinige Koalition, deren interne Verabredungen der Öffentlichkeit
ebenso wenig klar dargelegt werden, wie ihre gemeinsamen Ziele.
Von den Sonderzielen einzelner Willigenanführer gar nicht
zu reden.
Grundlage ist eine UN-Resolution
auf der Grundlage der seit 2005 von der UN vertretenen Auffassung:
Ein Staat habe die Verpflichtung,
für den Schutz seiner Bürger zu sorgen. Wer dieser
Verpflichtung nicht nachkommt, müsse dulden, dass die internationale
Staatengemeinschaft diese Schutzverpflichtung übernimmt
und Truppen entsendet.
Dass sich diese Problematik
in Libyen bald deutlich zeigen wird, ist zu befürchten.
Dabei geht es mir weniger darum, dass sich aus der Einrichtung
einer Flugverbotszone schon heute ein veritabler Angriffskrieg
gegen Libyen entwickelt hat, der - zur Niederschlagung der Herrschaft
Gaddafis - in einen Krieg mit Bodentruppen auf libyschem Gebiet
übergehen wird, sondern um die Frage, wie viel Souveränität
man Libyen - nach dem militärischen Sieg von Franzosen,
Engländern und US-Amerikanern - wird zuerkennen können,
und wie die Sieger diese Frage beantworten.
Es lohnt sich, an dieser Stelle
ein bisschen nachzudenken.
20. März
2011
Das Bild vom Sonntag
19. März
2011
18. März
2011
09.45 Uhr Nun endlich doch
der Sarkophag
Eine Woche hat es gedauert,
bis die erlösende Meldung auftauchte:
Es ist nicht unmöglich,
die Reaktoren mit Beton abzudecken.
Die verwirrenden und widersprüchlichen
Meldungen über Fukushima zu verfolgen, war längst zur
Qual geworden. Der größte Irrsinn aber war die Meldung,
die seit gestern durch die Welt geisterte:
Es ist Dampf aufgestiegen,
als wir Wasser auf das Abklingbecken schütteten, also war
Wasser drin.
Nun, stellen Sie einmal einen
großen Topf voll mit Wasser auf eine große Herdplatte
und heizen das Ding nach besten Kräften auf.
Sie werden feststellen, dass erst gar nichts passiert, dass dann
leichter Dampf aufsteigt, dass sich dann kleine Bläschen
an den Topfwandungen bilden - und dann fängt es an zu sprudeln
und richtig fett zu dampfen.
Dann schütten Sie eine ordentliche Menge kaltes Wasser dazu.
Was passiert?
Es hört auf zu dampfen!
WARNUNG!
Die weitere Anleitung bitte nur in Gedanken vollziehen.
Sie könnten schwere
Verbrühungen und Verbrennungen erleiden, Ihre Wohnung und
Ihr Hausrat werden mit hoher Wahrscheinlichkeit beschädigt!
Dann wiederholen Sie das Experiment,
allerdings mit einem leeren Topf. Sie werden feststellen, dass
erst gar nichts passiert, dann fängt es an komisch zu riechen,
je nach Beschaffenheit des Topfes verändert sich die Oberfläche,
Emaille platzt ab oder der Edelstahl zeigt bläulich schimmernde
Verfärbungen. Wenn Sie das Licht ausschalten und die Jalousien
runterlassen kann es sein, dass Sie den Topf glühen sehen.
So - und nun gehen Sie vorsichtshalber
ein paar Schritte zurück und werfen irgendwie einen halben
Liter kaltes Wasser in Richtung Topf.
Was passiert?
Es knallt, zischt, brodelt und eine große Dampfwolke steigt
auf.
Dann knackt der Topf ein bisschen,
noch mehr Emaille platzt ab - und dann glüht er wieder weiter.
Ach ja, und dann ist da noch
das Stromkabel. Daran sollen, so heißt es, in den Reaktorgebäuden
die Kühlpumpen angeschlossen werden.
Es gibt aber keine Reaktorgebäude
mehr, sondern nur noch Trümmerhaufen. In diesen Trümmerhaufen
gibt es höchstwahrscheinlich jede Menge verschmorter Kabel,
auch solche, die dahin führen, wo einmal Pumpen waren. Dort
wo einmal die Pumpen waren, waren auch einmal die Rohre, durch
die das vom Reaktor erhitzte Wasser zu den Turbinen, zum Abkühlen
und wieder zurück in den Reaktor geführt wurde. Davon
existieren wahrscheinlich auch nur noch durchlöcherte Bruchstücke.
Was vor einer Woche durchaus noch hilfreich gewesen wäre,
ist für den angedachten Zweck nicht mehr zu gebrauchen.
Alles was mit dem Strom, der
womöglich heute noch auf dem Kraftwerksgelände verfügbar
sein wird, angefangen werden kann, ist: Aggregate außerhalb
der Reaktorgebäude anzutreiben, also entweder die von den
Amerikanern versprochenen Hochleistungspumpen, um weiter Wasser
aus dem Pazifik über die Reaktoren zu schütten und
es mit strahlenden Partikeln belastet in den Pazifik zurücklaufen
zu lassen (ein Entsorgungskonzept ist das nicht ...), oder das
große Betonmischwerk und die Betonpumpen, die man braucht,
um den Sarkophag anzufertigen.
17. März
2011
12.15 Uhr In jeder Hinsicht
idiotengerecht
Der Paukenschlag No. 11 des
Jahres 2011Vorab ein Hinweis in eigener Sache:
Meine (fast) täglichen Beiträge auf egon-w-kreutzer.de
und die wöchentlichen Paukenschläge sind und bleiben
kostenlos. Ich will auch nicht damit anfangen, zu Spenden aufzurufen.
Doch wenn das Interesse von inzwischen ungefähr 3.000 regelmäßigen
Erstbeziehern dieses Newsletters an den Neuerscheinungen des
EWK-Verlags ein kleines bisschen größer wäre,
würde ich mich darüber doch sehr freuen.
44 Tage mit Paul, Brieffreundschaft mit einem Abzocker
und Mein friedliches Vietnam sind seit Jahresbeginn erschienen.
Taschenbuch Hardcover Ganzleinen
und nun zum Paukenschlag:
In jeder Hinsicht idiotengerecht,
so muss die Begründung für Regierungshandeln in der
Demokratie wohl sein.
Ich komme gleich auf die Atompolitik
vor und nach Fukushima, um dies am aktuellen Beispiel zu belegen.
Vorher ist jedoch ein klein wenig Theorie erforderlich, um zu
verstehen, warum es so ist.
Der havarierte Block 4 von
Fukushima 1 soll nun mit Wasserwerfern gekühlt werden.
Der modernste in Deutschland verfügbare Wasserwerfer wirft
immerhin pro Minute 1,2 Kubikmeter Wasser bis zu 65 Meter
weit - und hat, in einem Dauerversuch über rund 1.000 Kubikmeter
am Stück störungsfrei verspritzt.
Da der Wasserwerfer in Fukushima
eher hoch als weit werfen muss, weil das Abklingbecken, in dem
keineswegs schon abgebrannte - sondern nur wegen der Wartung
aus dem Reaktor entfernte - Kernbrennstäbe zwischengelagert
sind, irgendwo oben im Gebäude sitzt, wird der Werfer also
nah heranfahren müssen.
Welchen Schutz die Fahrzeughülle
gegen radioaktive Strahlung bietet, ist mir nicht bekannt. Besser
als nichts ist es jedenfalls, aber wenn Hubschrauber wegen der
Strahlendosis, die innerhalb von Sekunden auf die Besatzung einwirkt
(reinfliegen in die Wolke, ablassen, rausfliegen) abgezogen werden
mussten, dann können es die Besatzungen der Wasserwerfer
kaum länger aushalten.
Was die Japaner bräuchten,
ist nicht ein Wasserwerfer, der ja nur noch symbolische Wirkungen
hervorrufen kann, sondern - wenn es die denn gäbe - eine
Hochdruck-Betonpumpe, die 5 Kubikmeter Beton pro Sekunde
über einen Kilometer treffsicher ins Ziel schleudert, dann
könnten die 6 Reaktoren von Fukushima innerhalb von 5 Tagen
unter einer 10 Meter mächtigen Betonschicht begraben werden
- und das wird nötig werden, auch wenn es Monate dauern
wird.
Dümmer geht's nimmer.
Auf diesen Punkt könnte man die nun von Unions- und SPD-Politikern
vorgetragene Klage bringen, die Abschaltung von sieben deutschen
Kernkraftwerken sei "rechtsstaatswidrig".
Da sind also diejenigen, die
gegen die Laufzeitverlängerung vor dem Verfassungsgericht
klagen, traulich vereint mit jenen, die fürchten, ihre parlamentarischen
Rechte vor lauter Davonschwimmen derselben bald gar nicht mehr
wahrnehmen zu können, und mit jenen, denen der Ausstieg
aus der Atomkraft als schlimmere Sünde erscheint, als der
Übertritt vom Christentum zum Islam.
Eine tragische, eine komische
Koalition!
Ich will ja nun weißgott
nicht der Diktatur das Wort reden, auch nicht der temporären,
aber wenn in einem Augenblick der Erkenntnis ein Saulus zum Paulus
werden konnte, der nicht nur aufhörte, Christen zu verfolgen
und umzubringen, sondern selber einer wurde, dann möge doch
bitte die versammelte, vom Lichte der christlich-jüdisch-moslemischen
Wurzeln erleuchtete Politelite, der Regierungschefin zugestehen,
ebenfalls so unvermittelt und abrupt Umkehr und Reue zeigen dürfen.
Ja, Angela Merkel ist der Schock
in die Glieder gefahren.
Ob dabei die Erkenntnis, dass
auch Deutschland eine Katastrophe ähnlicher Größenordnung
widerfahren könnte, und dass wir dabei ähnlich hilflos
zusehen müssten, wie weite Landstriche auf Jahrtausende
unbewohnbar werden, den Ausschlag gegeben haben mag,
oder ob die Erkenntnis, dass
ein Beharren auf vordem eingenommen und standhaft verteidigten
Standpunkten unabhängig vom atomaren GAU und Super GAU den
politsichen Super GAU für die Regierung und die sie tragenden
Parteien bedeuten könnte, die größeren Ängste
ausgelöst hat, ist doch vollkommen egal.
Es gehen die ältesten
und gefährlichsten deutschen Kernkraftwerke vom Netz.
Jetzt darum zu zetern, wie
ein Wellensittich, dem man den Hirsekolben weggenommen hat, dass
dies kein rechtsstaatlich begründeter Akt sei, ist so relevant,
wie ein Nachbeben der Stärke 3,1 in Tokio. Man kann es zur
Kenntnis nehmen, muss aber nicht.
Wichtiger wäre, jetzt
alle Kraft daran zu setzen, diesen Beschluss vom Makel des bloßen
Aussetzens für drei Monate zu befreien und ihn in eine dauerhafte
Abkehr von der nicht beherrschbaren Technologie umzuwandeln.
16.16 Uhr Auf Befragen:
Ja, alte Meiler müssen jetzt vom Netz
Auf Nachfrage eines Journalisten
erklärte Frau Merkel sinngemäß, das Moratorium
bedeute, dass Meiler, die nach der alten Ausstiegsregelung schon
abgeschaltet hätten werden müssen, sofort vom Netz
müssen.
Auf nochmalige Nachfrage: Sobald
wir mit den Betreibern gesprochen haben.
Das hört sich gut an.
14.15 Uhr drehen und winden
...
Der Aussstieg aus dem Ausstieg
der Kernenergie wird ausgesetzt. Nachdem die Zeit genutzt werden
soll, um Prüfungen vorzunehmen, deretwegen sicherlich kein
vom Aussetzen betroffener Reaktor vom Netz genommen wird, wird
das Aussetzen nach Abschluss der Prüfungen durch ein einfaches
Wiedereinsetzen beendet werden können. Das soll so ungefähr
der Inhalt der Regierungserklärung sein, die für heute
16.00 Uhr angekündigt wurde. Wenn nicht mehr kommt, dann
ist das
reine, schöne Vorwahlrhethorik
ohne jede praktische Folge.
Nicht nur die sofortige Wiederinkraftsetzung
der Ausstiegsgesetzgebung wäre jetzt geboten, sondern eine
noch weit darüber hinausgehende Beschleunigung des vollständigen
Ausstiegs!
Warum zieht diese Regierung
nicht wirklich die Konsequenzen?
Was muss noch alles passieren,
bis wir von dem Damoklesschwert "Atomkraft" erlöst
werden?
14.00 Uhr Buchvorstellung
44 Tage mit Paul von Rainer Buck
Ein Buch, verblüffend
wie ein Vexierbild.
Ob man dieses Buch
zuerst als dramatische Liebesgeschichte liest, fiebrig gespannt,
ob Paul und Natascha sich trotz aller Hindernisse am Ende "kriegen"
werden, um sich beim zweiten Lesen kringelig zu lachen, über
die skurrilen Ansichten Pauls und die immer neuen, sich täglich
steigernden verrückten Geschehnisse, in die das ungleiche
Paar hineinstolpert,
oder ob man beim ersten Lesen primär das Groteske der Situation
wahrnimmt und erst in der stillen Stunde danach beginnt, über
den ernsten Hintergrund nachzusinnen,
es lohnt sich, dieses Buch zu lesen. Wahrscheinlich sollte man
es sogar zweimal lesen.
Denn erst beim zweiten Lesen wird wirklich klar, welche Mechanismen
dazu führen, dass vernünftige Menschen, die mit beiden
Beinen fest im Leben stehen, urplötzlich von religiösen
Gefühlen ergriffen werden und dabei in Gefahr geraten, zu
Anhängern schwärmerischer und fundamentalistischer
Lehren zu mutieren.
Rainer Buck führt es faszinierend
hintergründig vor. Indem er das Spannungsverhältnis
zwischen christlichem Glauben und religiösem Fundamentalismus
in vielen, scheinbar banalen Alltagserlebnissen sichtbar macht,
öffnet er den Weg für eine befreiende Diskussion, aus
der Skeptiker, Suchende und Gläubige jedes Schweregrades
mit Gewinn hervorgehen können.
10.00 Uhr Sie
argumentieren ganz genau so, wie am Freitag befürchtet
Ordnen Sie die nachstehenden
Argumentationsmuster den 99 beliebtesten deutschen Atompolitikern
zu und senden Sie Ihre Antworten an den Dachverband der deutschen
Atomspaltungswirtschaft. Unter allen Einsendern werden 40 Millionen
Gewinner ausgelost. Den Gewinnern und ihren Familien winken komfortable
Tribünenplätze für die gesamte Veranstaltungsdauer
beim nächsten zentraleuropäischen Super-GAU, Reisekosten,
soweit erforderlich, inbegriffen.
Es ist doch wissenschaftlich
unredlich, Fukushima nicht als das zu bezeichnen, was es war,
nämlich eine Naturkastrophe. Wer da jetzt schon wieder eiligst
sein parteipolitisches Anti-Atom-Süppchen daran kochen will,
statt alle Kraft einzusetzen, den Betroffenen Hilfe zukommen
zu lassen, stellt sich doch selbst ins Abseits.
Deutsche Kernkraftwerke sind
sicher. Unsere Ingenieure haben jedes unvorhersehbare Ereignis
im Rahmen der wirtschaftlichen Verträglichkeit berücksichtigt.
Noch mehr vermeintliche Störfallsicherheit und hinreichende
Versorgungssicherheit sind unvereinbar.
Eine Brücke ist dazu
da, Flüsse, Seen, ja sogar Meere trockenen Fußes zu
überqueren. Außer Jesus ist das noch niemandem ohne
Brückentechnologie gelungen.
Die Rente ist sicher, die
Spareinlagen sind sicher, der Euro ist sicher, alles in Deutschland
ist sicher. Das ist seit Karl dem Großen so. Mindestens.
Fukushima ist eine absolute
Ausnahme, ein bedauerlicher Einzelfall, aber ein Einzelfall.
Mann kann doch nicht wegen eines faulen Apfels gleich den ganzen
Korb wegwerfen.
Ich habe noch gestern Abend
eine Kommission berufen, mit dem Auftrag, die in den letzten
hundert Jahren an deutschen Küsten aufgelaufenen Tsunamis
und deren Zerstörungskraft im Hinblick auf die Sicherheit
von Stade, Biblis und Ohu zu untersuchen. Wie ich soeben aus
den Reihen der Kommission höre, besteht eine derartige Gefahr
in Deutschland nicht.
Physiker wissen, dass alles
auf der Welt aus Atomen besteht. Warum also sollten sie Angst
davor haben?
13. März
2011
Das
Bild vom Sonntag
12.
März 2011
09.25 Uhr Flüchtige
Gedanken
zur Verteidigung einer unverzichtbaren
Brückentechnologie
Es ist doch wissenschaftlich
unredlich, Fukushima nicht als das zu bezeichnen, was es war,
nämlich eine Naturkastrophe. Wer da jetzt schon wieder eiligst
sein parteipolitisches Anti-Atom-Süppchen daran kochen will,
statt alle Kraft einzusetzen, den Betroffenen Hilfe zukommen
zu lassen, stellt sich doch selbst ins Abseits.
Deutsche Kernkraftwerke sind
sicher. Unsere Ingenieure haben jedes unvorhersehbare Ereignis
im Rahmen der wirtschaftlichen Verträglichkeit berücksichtigt.
Noch mehr vermeintliche Störfallsicherheit und hinreichende
Versorgungssicherheit sind unvereinbar.
Eine Brücke ist dazu
da, Flüsse, Seen, ja sogar Meere trockenen Fußes zu
überqueren. Außer Jesus ist das noch niemandem ohne
Brückentechnologie gelungen.
Die Rente ist sicher, die
Spareinlagen sind sicher, der Euro ist sicher, alles in Deutschland
ist sicher. Das ist seit Karl dem Großen so. Mindestens.
Fukushima ist eine absolute
Ausnahme, ein bedauerlicher Einzelfall, aber ein Einzelfall.
Mann kann doch nicht wegen eines faulen Apfels gleich den ganzen
Korb wegwerfen.
Ich habe noch gestern Abend
eine Kommission berufen, mit dem Auftrag, die in den letzten
hundert Jahren an deutschen Küsten aufgelaufenen Tsunamis
und deren Zerstörungskraft im Hinblick auf die Sicherheit
von Stade, Biblis und Ohu zu untersuchen. Wie ich soeben aus
den Reihen der Kommission höre, besteht eine derartige Gefahr
in Deutschland nicht.
Physiker wissen, dass alles
auf der Welt aus Atomen besteht. Warum also sollten sie Angst
davor haben?
09:18
Uhr
Die Nachrichtenagentur Reuters meldet unter Berufung auf den
japanischen Fernsehsender NHK, die Außenhülle des
Reaktor sei abgesprengt worden.
09:15 Uhr
Fernsehbilder des japanischen TV-Senders NHK deuten darauf hin,
dass bei der Explosion Teile der Gebäudehülle des Reaktors
Fukushima 1 weggebrochen sind.
11. März 2011
09.50 Uhr Japan erlebt die
schwerste Naturkatastrophe seiner Geschichte
Ein wichtiger Grund, innezuhalten.
Unser Mitgefühl ist bei
den betroffenen Menschen. Wie viele ihr Leben, ihre Gesundheit,
ihre Wohnung, ihr Hab und Gut verloren haben, werden wir erst
in den nächsten Wochen überschauen können.
Eine Welle der Hilfsbereitschaft
wird den verheerenden Tsunami-Wellen folgen.
Da sollten wir uns beim Innehalten
fragen, warum es immer erst einer Katastrophe bedarf, bevor Menschen
sich daran erinnern, dass wir alle Brüder sind, warum wir
uns so leicht gegeneinander aufhetzen lassen, warum wir, solange
die Erde nicht bebt, alles daran setzen, die "Konkurrenz"
auf den Weltmärkten zu überflügeln und so - ohne
dass die Ursache so einfach sichtbar wäre - in einem gigantischen
Wirtschaftskrieg skrupellos größtmögliche Schäden
an Wohlstand und Lebensqualität bei unseren Brüdern
anrichten.
Wenn wir nach dem Tsunami einfach
so wieder zum "business as usual" zurückkehren,
war dann das ganze Mitgefühl nicht einfach nur Heuchelei?
Nach dem sich die öffentliche
Aufgeregtheit um S21 gelegt hat - was nicht heißt, dass
der Widerstand erlahmt sei, er wird nur totgeschwiegen - halte
ich die Zeit für gekommen, eine ebenfalls unaufgeregte Analyse
vorzulegen, in der die Frage nach der Rechtmäßigkeit
der Gewaltanwendung eines demokratischen Staates gegen seine
eigenen Bürger gestellt - und beantwortet wird.
Wo Bürger mit harten Wasserstrahlen
wie Kehricht von der Straße gefegt werden, und die Verantwortlichen
wissen lassen, dass sie dies für eine ganz normale, vollkommen
gerechtfertigte Aktion halten, ist die Zeit zum Nachdenken überreif.
In Baden-Württemberg wird
am 27. März gewählt.
Eine Katastrophe, wenn die
Wasserwerfer wieder die Mehrheit gewönnen!
Ein wegen wohlbegründeter
Plagiatsvorwürfe vom Amt Zurückgetretener, gegen den
die Staatsanwaltschaft inzwischen ein Ermittlungsverfahren eröffnet
hat, wird nichtsdestotrotz mit einem Großen Zapfenstreich
geehrt.
26.000 Lokomotivführer
werden derweil bezichtigt, Ihre "Machtstellung" zu
missbrauchen, weil sie nichts anderes fordern und durchsetzen
wollen, als gleichen Lohn für gleiche Arbeit.
Dass die Republik unter dem
Preisdiktat der Vorstände und Aktionäre von nur vier
großen Energiemultis weit mehr und nicht nur während
kurzer Streiktage, sondern ganzjährig leidet, wird geflissentlich
unter den Tisch gekehrt. Gewinne sind gut - Löhne sind schlecht,
so ist das im Kapitalismus, und gleiche Löhne für gleiche
Arbeit sind ganz schlecht, weil man die Leute dann nicht mehr
so leicht gegeneinander aufhetzen kann.
Dass der Begriff "Zapfenstreich"
davon kommen soll, dass zu Landsknechtszeiten ein Kreidestrich
ans Bierfass gemalt wurde, wie es die Halterner Zeitung am ersten
Oktober 2009 verbreitete:
Zitat:
Der Begriff stammt aus der
Zeit der Landsknechte und war das Zeichen für den Beginn
der Nachtruhe in den Quartieren. Im Jahre 1596 wurde erstmals
ein Abendsignal in Verbindung mit dem Zapfenschlag
erwähnt.
Der Name leitet sich davon
ab, dass ursprünglich zu bestimmter Stunde ein Kreidestrich
über den Zapfhahn der Fässer gemacht wurde, um das Verbot des weiteren Getränkeverkaufs
kontrollieren zu können.
Eine andere Erklärung
ist, dass zum Zeichen des Feierabends mit dem Säbel der
Wache auf den Zapfen der Bierfässer geschlagen (gestrichen)
wurde.
Heute wird dieser traditionelle
Begriff für den Beginn der Nachtruhe immer noch in Heer
und Luftwaffe und im österreichischen Militär verwendet.
Der Zapfenstreich ist in der Bundeswehr auf 23 Uhr festgelegt. Der Große Zapfenstreich ist Teil der in der deutschen
Bundeswehr gepflegten Militärtradition und wird heute insbesondere
zur Ehrung von Persönlichkeiten vorgenommen.
Zitat Ende
erachte ich jedoch für
eine fromme Legende. Soldaten waren immer raue Gesellen und zu
derben Späßen aufgelegt - und von einem Kreidestrich,
der von jedermann jederzeit mit einem eigenen Kreidestück
nachgeahmt werden konnte, hat sich bestimmt niemand vom Weitersaufen
abhalten lassen.
9. März
2011
08.30 Uhr Rezension zur
Brieffreundschaft
Gestern um 23.38 Uhr ging die
nachstehende Rezension von Christine Fürstenfelder bei uns
ein.
Schmunzeln und Staunen waren
meine Empfindungen während und nach Lesen des Buches.
Imponiert hat mir im Buch,
dass man, die nötigen PC-Kenntnisse vorausgesetzt, als Geschädigter/Betroffener
sehr wohl tätig werden und durchaus ermitteln kann, wer
einen da so unverfroren übers Ohr hauen will.
Es könnte natürlich auch gefährlich werden, sich
mit Verbrechern -und das sind diese "Geschäftsleute"
- auf ein Gefecht einzulassen.Man weiß ja nie....
Gerne hätte ich am Ende des Romans gelesen, dass man doch
den einen oder anderen Täter erwischt, angeklagt und verurteilt
hätte. Und sollte es tatsächlich besagte Urteile von
Amtsgerichten geben, die rechtskräftig sind, obwohl sie
fingiert wurden, durch gekaufte, angeblich Schuldige?
Das ist beängstigend, ebenso das Nicht-tätig-Werden
unserer Justiz.
Vor Jahren tappte ein Familienmitglied in eben solch eine Falle.
Und es existierte auch ein Forum, in dem wir uns mit einer großen
Anzahl Betroffener austauschten.....
Damals attakierte uns ein hatnäckiger Anwalt aus Nordrhein-Westfalen
mit Zahlungsaufforderungen.
Nach vierwöchiger Korrespondenz, die wir allerdings, ängstlicherweise
stets frankierten, war die Sache zu unseren Gunsten ausgestanden.
Den letzten geharnischten Brief unseres Sohnes, in dem er andeutete,
ihn, den Herrn Anwalt ebenfalls bei Gericht anzuzeigen, wegen
Belästigung und Nötigung, unterschrieb unser Sohn mit
seinem Namen und der Bezeichnung seines Berufes "Justizfachangestellter".
Danach kam nichts mehr vom
Abzocker.
Wir haben den Vorfall bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen
und Hessens gemeldet, die in der Sache schon tätig waren.
Der Wohnort des Anwaltes wurde bekannt und tagelang massiv von
Bürgern belagert, das sendete auch das Fernsehen mehrmals.
Diese Art Publicity mögen die Abzocker und Co. am wenigsten.
Selbstredend ist im Internet Vorsicht angebracht, bevor man irgendwo
ein Häkchen aktiviert und/oder seine Daten eingibt, das
haben wir daraus gelernt.
Alles in allem ist das Buch aufklärerisch und sehr zu empfehlen..............
Freundliche Grüße
Christine Fürstenfelder
Andreas Sterntal, Brieffreundschaft mit einem Abzocker
Vor ein paar Tagen vermeldete
die Presse, China wolle seinen Außenhandel in Yüan
abwickeln. Die FAZ berichtete sogar schon davon, dass die deutschen
Banken die Einrichtung von Renminbi-Yüan Konten vorbereiten.
Das klingt harmlos, kommt aber
einer Revolution gleich, von der die gesamte Welt betroffen sein
wird. Schließlich tritt damit eine Währung auf die
Bühne der frei Konvertierbaren*), hinter der eine gigantische
Wirtschafts- und Exportleistung steht. Wenn Chinas Außenhandel
künftig in Yüan abgewickelt wird, werden in gleichem
Umfang, wie der Yüan zum Einsatz kommt, Dollar- und Euro-Guthaben
verdrängt.
*)wenn der Umtausch von Yüan
in Fremdwährung zunächst auch noch einzig der chinesischen
Zentralbank vorbehalten sein soll, was aber aufgrund des jetzt
schon erkennbaren Yüan-Hungers der westlichen Wirtschaft
praktisch keine Rolle spielen wird
Die Etablierung einer neuen
Währung bedeutet zunächst einmal das Auftreten zusätzlicher
Liquidität auf den Weltmärkten. Diese zusätzliche
Liquidität wird das Kreditgeschäft der Banken auf Dollar-
und Euro-Basis massiv beeinträchtigen und die "Gleichgewichte"
(so man davon noch sprechen kann) in den Devisenreserven der
Zentralbanken ins Wanken bringen.
Denn damit das Ausland in China
mit Yüan einkaufen kann, muss China vorher massiv Yüan
für seine Einkäufe im Ausland ausgeben. Das spricht
dafür, dass China versuchen will, sich einer ausgeglichenen
Handelsbilanz anzunähern, also Exporte und Importe ins Gleichgewicht
zu bringen.
Damit fordert China nun den
Gegenwert für die in langen Jahren eingesammelten Papiergeldberge
vom Rest der Welt ein - und behält dabei sogar (und das
ist das besonders Aufregende und Raffinierte) seine Dollar-Reserven
zurück.
Seit heute gelten griechische
Staatsanleihen als hoch spekulativ. Dieses Urteil hat die Rating-Agentur
Moody's abgegeben und damit nicht nur Griechenland, sondern der
gesamten Euro-Zone und ihrem Griechenland- Rettungsversprechen
die Seriosität abgesprochen.
Abgesehen davon, dass die Seriosität
von Rating-Agenturen womöglich weit geringer einzuschätzen
ist, als die Seriosität irgendeines Mitgliedslandes der
EU, kann die neuerliche negative Einschätzung griechischer
Staatsanleihen nur als gezielte Provokation der Euro-Länder
und der EZB angesehen werden, als eine Kampfansage an den Euro,
die zu gewagt ist, als dass deren Ziel nur in noch höheren
Zinsen oder noch höheren Garantiezusagen der übrigen
Euro-Länder liegen kann.
Die Entwicklung war abzusehen
und wird, auch wenn sich die Euro-Schicksalsgemeinschaft zu weiteren
Rettungsschirmen verleiten lässt, erst dann ein Ende nehmen,
wenn man die gierigen Gläubiger nicht mehr hofiert und bedient,
sondern konsequent auf die Fresse fallen lässt.
Es ist eingetreten, was ich
am 15. April letzten Jahres in einem Paukenschlag mit dem Titel
"Griechenland als Chance verstehen" prognostiziert
habe. Die weiteren Ausführungen dort haben noch immer ihre
Gültigkeit - und werden wohl wieder in den Wind geschlagen.
Lesen Sie einfach noch einmal nach.
Die Selbstähnlichkeit
der Erscheinungen der Realität ist so groß, dass der
winzige Ausschnitt, den der Einzelne davon wahrzunehmen in der
Lage ist, vollkommen ausreicht, um sich ein brauchbares Bild
des Ganzen zu machen - so man nur will.
Autor und Verleger
- mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit,
meint:
Kritik
muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln
noch trösten, um konstruktiv zu sein.
Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen
Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung
von Sachverhalten und Umständen abzielen.
Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür
nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.