Arbeitsmarktbericht
Februar 2008
analysiert, kommentiert
und interpretiert von Sybilla

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Jeder darf den Originalbericht von Sybilla unter Hinweis auf die Autorin frei verwenden - und der ist hier zu finden:
http://www.sozialbetrug.org/thread.php?postid=104582#post104582

 

Die Fakten
Ende Februar 2008

 

 

Berichtsmonat

 Vormonat
Veränderung
 Arbeitslose

3.617.443

3.659.297  

- 41.854 (1,1 %)

 Ein-Euro-Jobs (EEJ)

287.851

279.927

+ 7.924 (2.8 %)

 Arbeitslose incl. EEJ

3.905.294 

3.939.224 

- 33.930 (0,9 %)

       
 Leistungsberechtigte

 (vorläufige Werte)
   
 ALG I

1.118.075

1.090.952

+ 27.123 (2,5 %)

 ALG II

5.154.304

5.106.030 

+ 48.274 (0,9 %)

 Sozialgeld

1.934.350 

1.921.025

+ 13.325 (0,7 %)

 Summe Leistungsberechtigte

8.206.729

8.118.007 

+ 88.722 (1,1 %)

       

Datenquelle: BA-Bericht http://www.pub.arbeitsamt.de/hst/services/statistik/000000/html/start/monat/aktuell.pdf

Mit wachsenden Befremden nehme ich zur Kenntnis das viele Medien der Versuchung nicht widerstehen (wie bei der Anmoderation bei Phönix) und die niedrigsten Arbeitslosenzahlen seit x Jahren oder gar seit Frau Merkels Geburt verkünden. Dabei werden völlig unterschiedliche Statistiken verglichen – so gab es vor 15 Jahren kein Saisonkurzarbeitergeld keine Ein Euro Jobs und die Arbeitslosenhilfe hatte eine komplett andere Grundlage von Bedürftigkeit als das Arbeitslosengeld II.
Die Darstellung eines Vergleich der Arbeitslosenzahlen vor 2005, also vor der Neudefinition der Arbeitslosigkeit, durch das SGB II ab 2005 ansetzt, ist meines Erachtens unsachgemäß. Die Daten zu den Arbeitslosenzahlen werden seit der Reform des SGB II in den BA Berichten verkürzt wiedergegeben und von der Politik und vielen Medien einseitig tendenziös interpretiert. Die Frage ist; finanziert die Wirtschaft den *Aufschwung* am Arbeitsmarkt mit existenzsichernden Arbeitsplätzen oder wird der *Aufschwung* am Arbeitsmarkt durch Arbeitsplätze mit ergänzendem ALG II durch Steuern finanziert? Viele Medien suggerieren mit multimedialen "Jubelmeldungen“ einen Erfolg der Reformen am Arbeitsmarkt.
Entgegen der guten Nachricht vom sinken der Arbeitslosigkeit steht die schlechte Nachricht von wachsender Armut der Erwerbstätigen im Niedrigstlohnbereich und wachsende Kinderarmut. Sowie sich häufende Meldungen von Arbeitsplatzabbau alleine von den Kürzungen bei BMW sind laut Pressemeldungen bundesweit rund 5.000 Zeitarbeiter betroffen.

In der WirtschaftsWoche NR. 005 VOM 28.01.2008 SEITE 043, 28.01.2008 ist zu lesen.
Warum eigentlich... ...ist die Arbeitslosigkeit in Deutschland viel höher als von der offiziellen Statistik ausgewiesen? Die Wirtschaftswoche schreibt von weit mehr Arbeitslosen als in der BA Statistik ausgewiesen..

Zitat:
IAB-STUDIE

1,3 Millionen Arbeitnehmer beziehen zusätzlich Hartz IV
Wenn der Lohn zum Leben nicht reicht: 1,33 Millionen Menschen in Deutschland müssen ihr Gehalt mit Hartz-IV-Mitteln aufstocken - das sind über eine halbe Million mehr als noch vor zwei Jahren. Das zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarktforschung.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,518622,00.html

Zahl der offenen Stellen:

2007:

August 647.500
September 629.100
Oktober 608. 500
November 577.000
Dezember 545.600

2008:

Januar 528.000
Februar 565.000

Zu den Zahlen vom Februar 2008: darin enthalten Vakanzen 484.000
:::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::ungeförderte Stellen 379.000
...........................................................................................darin enthalten Vakanzen 316.000
............................ungeförderte sozialversicherungspflichtige
................................................................................Stellen 344.000
...................................................................................................darunter: Vakanzen 287.000

Der BA sind neben den gemeldeten offenen Stellen noch zusätzliche Stellen, unter anderem gemeldet aus der privaten Arbeitsvermittlung sowie aus ihrer Job-Börse und dem Job-Roboter bekannt viele dieser Stellen sind aber Datendopplungen ein freier Arbeitsplatz vermehrt sich nicht zu fünf freien Arbeitsplätzen nur weil er in fünf Stellenbörsen zu finden ist. Zudem werden bereits besetzte Stellen von vielen Jobbörsen erst nach Wochen aus dem Angebot genommen.



Ein interessanter 3-Jahres-Vergleich

 Leistungsberechtigte

Februar 2005 
 Februar 2008

 Veränderung
 ALG I

2.133.273

1.118.075

- 1.015.198 (47,6 %)

 ALG II

4.303.656

5.154.304 

+ 850.648 (19,8 %)

 Sozialgeld

1.540.573 

1.934.350

+ 393.777 (25,6 %)

 Summe Leistungsberechtigte

7.977.502

8.206.729 

+ 229.227 (2,9 %)

       

Entgegen der medialen Suggestion des BA Berichts gab es im Februar 2008 im Vergleich zum Februar 2005

ein Plus von 229.227 Leistungsempfängern.


Im Februar 2005 waren vermutlich alle Sozialhilfeempfänger (Netto-)Arbeitskräftepotenzial Dezember 2004 erfasst. Mit der Einführung des (SGB II) änderten sich die Grundlagen der Arbeitsmarktstatistik in Deutschland. Folgende arbeitsmarktpolitische Instrumente werden in die Entlastungsrechnung einbezogen:

  • Kurzarbeit: Zahl der Kurzarbeiter mal durchschnittlichem Arbeitszeitausfall,
  • Maßnahmen des zweiten Arbeitsmarktes:Arbeitsgelegenheiten, Einstiegsgeld Variante Beschäftigung, ABM, traditionelle SAM und BSI,
  • Qualifizierung: berufliche Weiterbildung, Trainings- und Eignungsfeststellungsmaßnahmen, berufliche Wiedereingliederung Behinderter
  • Vorruhestandsähnliche Regelungen: Inanspruchnahme des § 428 SGB III im Rechtskreis SGB III und Personen in geförderter Altersteilzeit
  • Teilnehmer an Personal-Service-Agenturen
  • Förderung der Selbständigkeit: Existenzgründungszuschuss (Ich-AG) , Überbrückungsgeld, Gründungszuschuss und Einstiegsgeld Variante Selbständigkeit

Folgende Instrumente werden in der Entlastungsrechnung nicht berücksichtigt, was nichts gegen ihre Wirksamkeit hinsichtlich der Eingliederung von Arbeitslosen in reguläre Beschäftigung sagt:

  • Maßnahmen der beruflichen Erstqualifizierung spielen sich größtenteils im Vorfeld des Arbeitsmarktes ab; sie betreffen
    überwiegend Personen, die vorher nicht arbeitslos gemeldet waren. Dies gilt insbesondere für berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen, die Berufsausbildung Benachteiligter, die berufliche Ersteingliederung Behinderter, BAB wegen einer
    beruflichen Ausbildung sowie für große Teile des Sofortprogramms zum Abbau der Jugendarbeitslosigkeit. Ob sich diese Jugendlichen ohne eine derartige Maßnahme (kurzfristig) arbeitslos gemeldet hätten, muss offen bleiben.
  • Daneben gibt es finanzielle Hilfen zur direkten Eingliederung Arbeitsloser in reguläre abhängige Beschäftigung. Insbesondere bei Eingliederungszuschüssen und Beschäftigungshilfen für Langzeitarbeitslose (2003 ausgelaufen) werden großenteils Schwervermittelbare gefördert, die andernfalls kaum eine Chance hätten. Die finanzielle Förderung ist also häufig Ausgleich für eine (vermutete) Minderleistung. Deshalb dürfte auf diese Weise keine zusätzliche Beschäftigung entstehen, d. h. ohne diese Hilfen wären vermutlich Arbeitnehmer ohne Vermittlungshemmnis eingestellt worden (Substitutionseffekt). Vielleicht wäre es in dem einen oder anderen Fall aber auch ohne diese Zuschüsse zur Einstellung förderungsfähiger Arbeitsloser gekommen (Mitnahmeeffekt) oder (leistungsschwache) Beschäftigte wären freigesetzt worden (Drehtüreffekt).
  • Schließlich bestehen zahlreiche Maßnahmen zur Förderung regulärer Beschäftigung ausschließlich oder großenteils in
    einmaligen Hilfen, so dass sich Bestands- und damit Entlastungsgrößen nicht angeben lassen. Dies gilt, abgesehen von den (normalen) Arbeitsvermittlungen, insbesondere für die Unterstützung der Beratung und Vermittlung sowie für Mobilitätshilfen (z. B. Übernahme von Bewerbungs-, Reise- und Umzugskosten), großenteils aber auch für die Freie Förderung gem. § 10 SGB III.

In die „Entlastung durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen“ der Bundesagentur nicht einbezogen sind schließlich Bezieher von vorgezogenem Altersruhegeld oder Erwerbsunfähigkeitsrenten , auch wenn diese Frühverrentungen arbeitsmarktbedingt sind; hierzu liegen keine monatsaktuellen Daten vor.

In der Tat es gibt einen Rückgang der statistisch erfassten Arbeitslosigkeit.
(der statistisch erfassten!)


Erstellt von Sybilla am 28.02.08 11 Uhr 00
Jeder darf diesen Bericht unter Hinweis auf die Autorin frei verwenden.

 
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