Arbeitsmarktbericht
Dezember 2007
analysiert, kommentiert
und interpretiert von Sybilla
am
03.01.08 11 Uhr 30

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Paukenschläge 2007
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Jeder darf diesen Bericht unter Hinweis auf die Autorin frei verwenden - der Originalbericht von Sybilla ist hier zu finden: http://www.sozialbetrug.org/thread.php?postid=91182#post91182

Die Fakten
Ende Dezember 2007

 Arbeitslose

3.406.371

 Ein-Euro-Jobs (EEJ)

311.859

 Arbeitslose incl. EEJ

 3.718.230

   
 Leistungsberechtigte

 (vorläufige Werte)
 ALG I

930.654

 ALG II

5.086.041

 Sozialgeld

 1.913.459

 Summe Leistungsberechtigte

7.930.154

   

Datenquelle: BA-Bericht http://www.pub.arbeitsamt.de/hst/services/statistik/000000/html/start/monat/aktuell.pdf

Der Trend zeigt meines Erachtens eindeutig dass APM/API Maßnahmen; Ein Euro Jobs; 0 € Praktika und der Niedrigstlohnbereich mit ergänzenden ALG II in der Leih- und Zeitarbeitsbranche den Aufschwung am Arbeitsmarkt ermöglichten.

Viele Medien werden der Versuchung nicht widerstehen und die niedrigsten Arbeitslosenzahlen seit x Jahren oder gar seit Frau Merkels Geburt verkünden. Die Darstellung eines Vergleich der Arbeitslosenzahlen vor 2005, also vor der Neudefinition der Arbeitslosigkeit, durch das SGB II ab 2005 ansetzt, ist meines Erachtens unsachgemäß. Die Daten zu den Arbeitslosenzahlen werden seit der Reform des SGB II in den BA Berichten verkürzt wiedergegeben und von der Politik und vielen Medien einseitig tendenziös interpretiert.

Die Frage ist; finanziert die Wirtschaft den *Aufschwung* am Arbeitsmarkt mit existenzsichernden Arbeitsplätzen oder wird der *Aufschwung* am Arbeitsmarkt durch Arbeitsplätze mit ergänzendem ALG II durch Steuern finanziert? Viele Medien suggerieren mit multimedialen "Jubelmeldungen“ einen Erfolg der Reformen am Arbeitsmarkt. Entgegen der guten Nachricht vom sinken der Arbeitslosigkeit steht die schlechte Nachricht von wachsender Armut der Erwerbstätigen im Niedrigstlohnbereich und wachsende Kinderarmut.

Zitat:

 IAB-STUDIE

1,3 Millionen Arbeitnehmer beziehen zusätzlich Hartz IV
Wenn der Lohn zum Leben nicht reicht: 1,33 Millionen Menschen in Deutschland müssen ihr Gehalt mit Hartz-IV-Mitteln aufstocken - das sind über eine halbe Million mehr als noch vor zwei Jahren. Das zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarktforschung.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,518622,00.html


Arbeitslosigkeit mit APM jetzt API (Ausgewählte arbeitsmarktpolitische Instrumente)

Die Zahl der Personen in arbeitsmarktpolitischen Instrumente stieg von August 2007 (1.415.836 Personen) um + 100.630 Personen auf (vorläufig und hochgerechnet) 1.516.466 Personen im Dezember 2007 an. (Seite 37 BA Bericht 2007) 3) Es ist von einer deutlichen Untererfassung auszugehen, da nur die Informationen darstellbar sind, deren Daten individuell teilnahmebezogen im operativen Verfahren der BA erfasst sind oder von zkT über XSozial übermittelt werden.

Richtig ist, dass es Ende Juni 2001 laut BA-Bericht einen Bestand von 3.695.626 Arbeitslosen Personen gab. Durch das neu eingeführte Saison-Kurzarbeitergeld (Winterausfallgeld – „Neben der direkten Inanspruchnahme ermöglicht das Saison-Kurzarbeitergeld einen flexibleren Personaleinsatzund hilft so witterungsbedingte Entlassungen zu vermeiden. Die Winterarbeitslosigkeit fällt damit tendenziell geringer aus als vor der Einführung dieser Regelung“ BA Bericht 12/07 Seite 8 ) ist ein Vergleich von Dezemberzahlen vor 2005 nicht aussagekräftig.

Definition der Arbeitslosigkeit

Die Definition der Arbeitslosigkeit hat sich durch die Einführung des SGB II nicht geändert. Das SGB II selbst enthält keine Definition der Arbeitslosigkeit, da diese keine Voraussetzung für den Erhalt von Leistungen nach dem SGB II ist. Für Leistungsbezieher nach dem SGB II findet die Definition der Arbeitslosigkeit nach dem SGB III Anwendung. Danach ist arbeitslos, wer keine Beschäftigung hat (weniger als 15 Wochenstunden), Arbeit sucht, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht und bei einer Agentur für Arbeit oder einem Träger der Grundsicherung arbeitslos gemeldet ist. Nach dieser Definition sind nicht alle erwerbsfähigen Hilfebedürftigen als arbeitslos zu zählen. […] Mit dem dritten Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt (in Kraft seit 1. Januar 2004) wurde im § 16 SGB III klargestellt, dass Teilnehmer in Maßnahmen aktiver Arbeitsmarkpolitik prinzipiell nicht als arbeitslos gelten. […]Bei Vergleichen der Arbeitslosenzahl mit Daten vor 2004 ist das zu beachten. (BA Bericht Oktober 2007 Seite 24)

Nur wenn 1 € Jobber nicht als arbeitslos gezählt werden sinken die Arbeitslosenzahlen auf den tiefsten Stand seit x Jahren.

Bemerkung

Die Zahl der Personen in 0 € Praktika 1 € Jobs und Anspruch auf ergänzendes ALG II ist ein Großteil des Aufschwung am Arbeitsmarkt, wobei diese Personen nur ein Einkommen auf dem Niveau der Grundsicherung der ALG II Regelsätze erzielen. Ein Weg von der "Armut in Arbeitslosigkeit" in die "Woorking Poor Armut" im Niedrigstlohnbereich oder in die Beschäftigung auf 1 € Niveau.

Geringfügig entlohnte Beschäftigte

Die Zahl der ausschließlich geringfügig entlohnt Beschäftigten hat nach ersten Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit im Oktober 4,77 Mio betragen, 27.000 weniger als vor einem Jahr. Darüber hinaus übten 2,10 Mio sozialversicherungspflichtig Beschäftigte zusätzlich einen geringfügig entlohnten Nebenjob aus, gegenüber dem Vorjahr 105.000 mehr. (Seite 7 BA Bericht Dezember 2007)

Nach den letzten Daten, die hierzu vorliegen, erzielten im August rund 556.000 (Juli 547.000) Arbeitslosengeld II-Bezieher Erwerbseinkommen über der Geringfügigkeitsgrenze von 400 Euro und waren nicht arbeitslos gemeldet.

Ergänzendes ALG II - Arbeitslosengeld II-Empfänger Brutto-Einkommen aus Erwerbstätigkeit

 

Der 'Aufschwung' am Arbeitsmarkt in Zahlen

 

 Januar 2005
 

 Dezember 2007
Arbeitslosengeld II Empfänger

 4.089.000

 Arbeitslosengeld II Empfänger

 5.086.000

darunter arbeitslose

2.426.000

 darunter arbeitslose

2.367.000

darunter nicht arbeitslose

 1.663.000

 Empfänger ergänzender Leistungen

2.719.000

(BA - Bericht Januar 2005 Seite 8 rechte Spalte mitte - BA Bericht Dezember 2007 Seite 11)

Was fällt auf? Genau!

Die Zahl der ALG II Empfänger ist um 997.000 angestiegen!
Und die Zahl der nicht arbeitslosen (ergänzendes ALG II usw...) ist um 1.056.000 angestiegen

Ups - jetzt ist der 'Aufschwung' am Arbeitsmarkt weg! Wie war das??? Tja, Pech.

 

Zahl der offenen Stellen Bericht Dezember 07(Seite 13 )

(Vormonate; November 577.000; Oktober 608. 500; September 629.100; August 647.500)
Dezember 2007
Bestand alle Stellen 545.600
darunter: Vakanzen 484.200
ungeförderte Stellen 370.200
darunter: Vakanzen 321.800
ungeförderte sozialversicherungspflichtige
Stellen1) 334.600
darunter: Vakanzen 290.600

Die Zahl der offiziell offenen Stellen ist seit Monaten rückläufig. Der BA sind neben den gemeldeten offenen Stellen noch zusätzliche Stellen, unter anderem gemeldet aus der privaten Arbeitsvermittlung sowie aus ihrer Job-Börse und dem Job-Roboter bekannt viele dieser Stellen sind aber Datendopplungen ein freier Arbeitsplatz vermehrt sich nicht zu fünf freien Arbeitsplätzen nur weil er in fünf Stellenbörsen zu finden ist. Zudem werden bereits besetzte Stellen von vielen Jobbörsen erst nach Wochen aus dem Angebot genommen.

Nettolohnentwicklung

Die Nettoverdienste der Arbeitnehmer sind auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gesunken

Zitat:
Montag, 24. September 2007 11:10
Die Nettoverdienste der Arbeitnehmer sind auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gesunken
Danach lag der Nettorealverdienst nach Abzug von Steuern, Sozialbeiträgen und bei Berücksichtigung der Preisentwicklung im vergangenen Jahr etwa so hoch wie 1986
Die Nettoverdienste der Arbeitnehmer sind auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gesunken. Das ist das Ergebnis einer Statistik des Bundesarbeitsministeriums, berichtet die Bild-Zeitung.
http://www.tv-suedbaden.de/default.aspx?...showNews=125768


Hinweise:

*Zum 1. April 2006 traten in Teilen das Gesetz zur Änderung des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch und anderer Gesetze in Kraft. Die wichtigste Neuregelung betrifft unverheiratete, volljährige, unter 25-jährige Arbeitslose. Sie werden grundsätzlich in die Bedarfsgemeinschaft der Eltern einbezogen. Wenn sie eine eigene Wohnung beziehen wollen, müssen sie dafür die Zustimmung des Leistungsträgers einholen. Der Stichtag, seit dem Jugendliche eine Zulassung des kommunalen Trägers zum Auszug aus dem Elternhaus benötigen, ist der 17. Februar 2006

Nach den Regelungen der §§ 428 SGB III und 252 Abs. 8 SGB VI müssen 58-Jährige oder Ältere dem Arbeitsmarkt nicht mehr voll zur Verfügung stehen und werden auch nicht mehr als Arbeitslose gezählt.


 
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