Paukenschlag
am Donnerstag
No. 15 /2014
vom 24. April 2014


Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

Druckversion
Kommentare lesen schreiben

Druckversion: Sigbert Döring
Do it yourself - die Deflation in der EU
 
 
Do it yourself -
die Deflation in der EU
.
Die Geschichte beginnt mit dem so genannten "Inflationsziel", das die EZB einhalten sollte.
 
Nicht etwa Geldwertstabilität steht ihr ins Stammbuch geschrieben, sondern eine jährliche Geldentwertung um zwei Prozent. Das hört sich wenig an, wirkt sich von einem auf das nächste Jahr auch nur wenig aus, doch nach 100 Jahren sind von 100 Euro nach heutiger Kaufkraft dann eben nur noch 13,80 Euro übrig.
 
Kein Problem, wer lebt schon so lange?
Nach 50 Jahren sind es ja immerhin noch 37,17 Euro.
Nach 35 Jahren sogar noch 50 Euro - und nach 20 Jahren kann man sich für 67,57 Euro immerhin noch ganz schön viel kaufen.
 
Andererseits kann man in 100 Jahren mit der Kaufkraft von nur 13,80 Euro, die man dann einnimmt, 100 Jahre alte Schulden in Höhe von 100 Euro tilgen, in 50 Jahren braucht man nur noch 37,17 Euro, um 50 Jahre alte Schulden von 100 Euro zu tilgen, und nach 20 Jahren erlebt man immerhin noch einen Schuldenerlass von knapp einem Drittel der ursprünglichen Schuld.
 
 
Die Beteiligten an diesem Spiel lassen sich in drei große Gruppen einteilen, nämlich
 
  • Die abhängig Beschäftigten,
    die jährlich eine Lohnerhöhung von 2 % brauchen, um sich das gleiche leisten zu können, wie im Jahr zuvor.
  • Die Gläubiger,
    die mindestens 2 % Zins nehmen müssen, wenn sie die Substanz ihres Vermögens erhalten wollen.
  • Die Schuldner,
    die sich mit der Inflation ständig entschulden, soweit die vereinbarten Zinssätze unter den 2 % Inflation liegen.
 
Würden die abhängig Beschäftigten tatsächlich alle Jahre 2 % Lohnerhöhung erhalten, würden die Gläubiger sich mit 2 % Zins zufrieden geben und die Schuldner diese 2 % auch als Schuldzinsen zahlen, man könnte auf das ganze Spiel auch verzichten, die Löhne unverändert lassen und auf Zinszahlungen vollständig verzichten.
 
Soweit an dieser Baustelle.
 
 
Die Geschichte geht an einer anderen Stelle weiter.
Da, wo die Schuldenberge in den Himmel wachsen.
 
Damit sind übrigens nicht nur die Staatsschulden gemeint, sondern alle Schulden, die es in einem Währungsraum so gibt. Vom überzogenen Gehaltskonto über den Ratenkredit und die Hypothek auf das Eigenheim, bis zu den Schulden der Kommunen, der Länder und der Staaten im Euro-Raum.
 
So ein Schuldenberg ist eine sonderbare Sache, ihm entspringen unaufhörlich sprudelnde Quellen von Zinserträgen, die den Gläubigern ganz erstaunlich hohe Einkommen verschaffen. Bei den Staatsschulden war das nun so, dass die Staaten über lange, lange Jahre nicht nur keine Tilgungen leisteten, sondern sich das für die Zinsen erforderliche Geld alle Jahre von den Gläubigern zusätzlich geliehen haben, um davon die Zinsen bezahlen zu können. Damit haben sich die Schulden ständig erhöht, ohne dass deswegen mehr Geld in Umlauf gekommen wäre. Im Prinzip haben nämlich die Gläubiger nur die fälligen Zinsen zur Staats-Zeche addiert, ohne dass dabei überhaupt ein Cent Geld geflossen wäre. Allerdings wurden für die gewachsenen Schulden im nächsten Jahr auch höhere Zinszahlungen fällig, so dass dem Wachstum der Schuldenberge im Prinzip keine Grenzen gesetzt waren.
 
Aus unerfindlichen Gründen wurde dieses schöne Prinzip mit Gründung der Euro-Währungsunion beschädigt. Die Staaten des Euro-Raumes schlossen stattdessen einen Pakt mit dem Teufel, den so genannten Stabilitäts- und Wachstumspakt, und verpflichteten sich darin, in keinem Fiskaljahr mehr neue Schulden aufzunehmen als drei Prozent des jeweiligen Brutto-Inlands-Produkts und die Gesamtverschuldung auf maximal 60 Prozent des BIP zu begrenzen. Verstöße dagegen wurden mit harten Sanktionen bedroht - und so schrieben sich die Staaten nacheinander wunderschöne Schuldenbremsen in die Gesetzbücher und versuchten mehr oder minder ernsthaft, die Kriterien dieses Paktes einzuhalten.
 
Die einen versuchten es mit Steuererhöhungen, die anderen mit Ausgabenbegrenzungen, wieder andere mit Privatisierungen und manche versuchten von allem etwas.
 
Der Teufel hatte ihnen nämlich zugesichert, dass auf diese Weise das Wachstum der Schuldenberge verlangsamt, ja schließlich sogar in ein kontinuierliches Schrumpfen übergehen würde, dass sich dieses Schrumpfen, wenn es erst einmal in Gang gekommen sei, sogar noch exponentiell beschleunigen würde, weil man ja immer weniger Geld für Zinsen aufwenden müsse und dadurch immer schneller tilgen könne.
 
Der Teufel hatte auch einen Banker dabei, der den versammelten Finanzministern und Regierungschefs am Beispiel eines Annuitätendarlehens grafisch aufzeigte, wie schnell die Schulden schwinden, wenn man nur erst einmal mit dem Tilgen begonnen hat.
 
Soweit an dieser Baustelle.
 
Unter den Gläubigern ging derweil das Gespenst
zukünftig sinkender Zinserträge um
und machte sie vollkommen nervös.
 
Gewohnt, dass die eigenen Guthaben ohne eigenes Zutun ständig wachsen, sahen sie sich bereits verarmt am Bettelstab daherkommen und suchten mit Eifer und Intelligenz nach einem Ersatz für ihre bisherigen Schuldner, die nun offenbar wild entschlossen waren, das Spiel nicht länger mitzuspielen, obwohl es im Grunde nie jemandem weh getan hatte. Es waren immer nur Zahlen in Büchern und Computern gewesen, die sich verändert hatten. Doch am Wachsen ihrer Guthaben hatten sich die Gläubiger nun einmal mächtig aufgegeilt, waren quasi süchtig nach immer neuen, immer höheren Forderungen an die Schuldner, und bettelten wie die Junkies um neuen Stoff.
 
Der Teufel sah ihr grenzenloses Leid und erbarmte sich ihrer. "Geht in die USA", raunte er ihnen zu, "dort könnt ihr Schulden fix und fertig kaufen, säuberlich zu Paketen verschnürt. Alles schon erledigt. Sicherheiten sind gestellt, Bonität ist geprüft, die Banken in den USA freuen sich, wenn ihr ihnen diese Schulden abkauft, denn nur wenn sie frisches Geld erhalten, können sie neue Darlehen ausreichen, und wenn ihr die dann wieder aufkauft, dann habt ihr wieder keinen Mühe, sondern ganz sichere Papiere, die weit mehr abwerfen als alle Staatsanleihen Europas zusammen."
 
Das leuchtete ein. Die Schuldner in den USA hatten offenbar nicht vor, in den Streik zu treten, wie die Staaten der Euro-Zone, dort würde man das gewohnte Geschäft mit noch viel weniger Mühe und noch viel höheren Zinsen und noch viel schnellerem Wachstum der Schuldengebirge fortsetzen.
 
Da waren sie nicht mehr zu halten und nicht wenige verschuldeten sich sogar, um die wunderschönen Schuldscheine aus Amerika zu kaufen, weil deren Rendite doch weitaus höher war als die Zinsen, die sie selbst dafür zu zahlen hatten.
 
Soweit an dieser Baustelle.
 
 
Durch diese Manipulationen entstand ein neuer, ziemlich komplizierter Regelkreis, der im Ergebnis dazu führte, dass sich der Euro-Raum immer weiter von den angestrebten Zielen entfernte, als ihnen näher zu kommen.
 
Im Bereich der Staatsverschuldung sah das so aus:
 
Der Versuch, die Kriterien des Stabilitäts- und Wachstumspakts einzuhalten,
indem sie Ausgaben kürzten, Steuern erhöhten und Staatseigentum verkauften,
blieb EU-weit nicht ohne Folgen:
 
  • Die Arbeitslosigkeit nahm zu.
    Teils, weil die Staaten selbst ihre Stellenpläne zusammenstrichen und Mitarbeiter auf die Straße setzten, teils weil die gekürzten staatlichen Investitionen zu Auslastungsproblemen in der Wirtschaft führten, was wiederum Entlassungen zur Folge hatte, teils weil staatliche Transferleistungen gekürzt wurden, was die Kaufkraft der ärmeren Bevölkerungsgruppen minderte, was sich wiederum in rückläufigem Konsum auswirkte und ebenfalls zu Insolvenzen und Entlassungen führte.
    .
  • Die Steuereinnahmen sanken.
    Wo die Arbeitslosigkeit wächst, verringert sich die Bemessungsgrundlage für die Steuerzahlungen. Weniger Umsätze - weniger Mehrwertsteuer, weniger Löhne - weniger Lohnsteuer, sinkende Gewinne - sinkende Einkommensteuer, usw.
    Der Versuch, die Steuereinnahmen durch Steuererhöhungen, vor allem im Bereich der Konsumsteuern wieder anzuheben, fruchtete wenig. Die Kaufkraft war ja bereits reduziert. Die Bevölkerung kaufte also zunehmend nur noch das Nötigste, und verursachte damit weitere Auslastungsprobleme in der Wirtschaft, weitere Entlassungen und Insolvenzen, was weitere Steuerausfälle nach sich zog.
    .
  • Die Transferleistungen stiegen an.
    Wachsende Arbeitslosigkeit erforderte mehr Geld für die Unterstützung der Arbeitslosen. Durch Kürzungen der Sätze und gesetzlichen Arbeitszwang konnte der Anstieg zwar begrenzt werden, durch die sinkende Kaufkraft der Betroffenen gerieten jedoch immer mehr Menschen in die Arbeitslosigkeit, so dass die Ausgaben für Sozialleistungen immer wieder zu explodieren drohten.
    .
  • Die Löhne sanken - und damit die Kaufkraft.
    Die Arbeitgeber hatten die Chance, aus dem Heer der Arbeitslosen diejenigen herauszupicken, die sich am billigsten verkauften. Das Wettrennen um die wenigen Jobs war nur über "Genügsamkeit" der Arbeitnehmer zu gewinnen. Dennoch blieb es eine nicht enden wollende "Reise nach Jerusalem" - immer waren da weniger freie Stühle als Arbeitswillige vorhanden.
    .
  • Die Kosten stiegen.
    Durch die Privatisierung ehemaliger Staatsunternehmen, sei es im Bereich des Wohnungsbaus, sei es im Transport- oder Energiewesen, sei es, dass Wälder verscherbelt wurden, oder Mautstraßen privatisiert, wurden einst nur kostendeckend kalkulierte Dienstleistungen zu gewinnträchtigen Geschäftsfeldern der Wirtschaft, die sich ihre Gewinne durch Qualitätseinschränkungen, Arbeitsplatzvernichtung und Preiserhöhungen zu sichern wusste.
    .
  • Die Staatsverschuldung wuchs weiter.
    Der beginnende Zusammenbruch der Binnenwirtschaft und die damit verbundenen Mehrausgaben und Mindereinnahmen konnten durch Leistungskürzungen und Privatisierungen nicht, bzw. nicht vollständig aufgefangen werden. Also hörte der Zwang zur Neuverschuldung nicht auf.
 
Dies blieb nicht ohne Folgen auf das Verhalten der Gläubiger:
 
  • Die Zinsen stiegen.
    Erkennbare Zeichen wirtschaftlichen Niedergangs ließen die Gläubiger an der Bonität ihrer Schuldner zweifeln, die Sorge, das verliehene Geld vielleicht niemals wiederzusehen, ermunterte sie dazu, kräftige Risiko-Aufschläge zu fordern.
    .
  • Die Banken drohten mit dem Zusammenbruch der Währung.
    Die einst in der Hoffnung auf gigantische Renditen zusammengekauften US-Schulden entpuppten sich nämlich als Ramsch und Schrott, den Guthaben der Großeinleger vieler Banken standen keine hinreichenden Vermögenswerte mehr gegenüber, die Banken waren bankrott.
    Wäre nicht erneut der Teufel auf die Bühne getreten und hätte den Bankern und den Politikern einen neuen, genialen Plan offenbart, wäre vielleicht noch einmal alles gutgegangen, abgesehen davon, dass sich einige sehr große Vermögen in überschaubare Vermögen zurückverwandelt hätten, und dass sich künftig verstaatlichte Banken um die Geldversorgung und den Zahlungsverkehr gekümmert hätten.
    .
  • Die Staatsverschuldung stieg rasant.
    Weil man den Plan verfolgte, die Vermögen der Bankaktionäre und Einleger zu retten, musste man die Banken retten. Abermilliarden künftiger Steuergelder wurden als Kredite (bei den zu rettenden! Banken und den Großanlegern) aufgenommen, um sie an die Banken weiterzugeben, damit diese ihren Verpflichtungen gegenüber ihren Einlegern nachkommen konnten.
 
 
Dies wiederum blieb nicht ohne Folgen für die Euro-Staaten.
 
  • Die Stabilitätskriterien rückten in weite Ferne
 
Der Versuch, die Kriterien des Stabilitäts- und Wachstumspakts einzuhalten,
indem sie Ausgaben kürzten, Steuern erhöhten und Staatseigentum verkauften,
blieb EU-weit nicht ohne Folgen:
 
  • Die Arbeitslosigkeit nahm zu.
    Teils, weil die Staaten selbst ihre Stellenpläne zusammenstrichen und Mitarbeiter auf die Straße setzten, teils weil die gekürzten staatlichen Investitionen zu Auslastungsproblemen in der Wirtschaft führten, was wiederum Entlassungen zur Folge hatte, teils weil staatliche Transferleistungen gekürzt wurden, was die Kaufkraft der ärmeren Bevölkerungsgruppen minderte, was sich wiederum in rückläufigem Konsum auswirkte und ebenfalls zu Insolvenzen und Entlassungen führte. Déjà-vu?
    .
  • Die Steuereinnahmen sanken.
    Wo die Arbeitslosigkeit wächst, verringert sich die Bemessungsgrundlage für die Steuerzahlungen. Weniger Umsätze - weniger Mehrwertsteuer, weniger Löhne - weniger Lohnsteuer, sinkende Gewinne - sinkende Einkommensteuer, usw.
    Der Versuch, die Steuereinnahmen durch Steuererhöhungen, vor allem im Bereich der Konsumsteuern wieder anzuheben, fruchtete wenig. Die Kaufkraft war ja bereits reduziert. Die Bevölkerung kaufte also zunehmend nur noch das Nötigste, und verursachte damit weitere Auslastungsprobleme in der Wirtschaft, weitere Entlassungen und Insolvenzen, was weitere Steuerausfälle nach sich zog.
    Déjà-vu?
    .
  • Die Transferleistungen stiegen an.
    Wachsende Arbeitslosigkeit erforderte mehr Geld für die Unterstützung der Arbeitslosen. Durch Kürzungen der Sätze und gesetzlichen Arbeitszwang konnte der Anstieg zwar begrenzt werden, durch die sinkende Kaufkraft der Betroffenen gerieten jedoch immer mehr Menschen in die Arbeitslosigkeit, so dass die Ausgaben für Sozialleistungen immer wieder zu explodieren drohten. Déjà-vu?
    .
  • Die Löhne sanken - und damit die Kaufkraft.
    Die Arbeitgeber hatten die Chance, aus dem Heer der Arbeitslosen diejenigen herauszupicken, die sich am billigsten verkauften. Das Wettrennen um die wenigen Jobs war nur über "Genügsamkeit" der Arbeitnehmer zu gewinnen. Dennoch blieb es eine nicht enden wollende "Reise nach Jerusalem" - immer waren da weniger freie Stühle als Arbeitswillige vorhanden. Déjà-vu?
    .
  • Die Kosten stiegen.
    Durch die Privatisierung ehemaliger Staatsunternehmen, sei es im Bereich des Wohnungsbaus, sei es im Transport- oder Energiewesen, sei es, dass Wälder verscherbelt wurden oder Mautstraßen, wurden einst nur kostendeckend kalkulierte Dienstleistungen zu gewinnträchtigen Geschäftsfeldern der Wirtschaft, die sich ihre Gewinne durch Qualitätseinschränkungen, Arbeitsplatzvernichtung und Preiserhöhungen zu sichern wusste. Déjà-vu?
    .
  • Die Staatsverschuldung wuchs weiter.
    Der beginnende Zusammenbruch der Binnenwirtschaft und die damit verbundenen Mehrausgaben und Mindereinnahmen konnten durch Leistungskürzungen und Privatisierungen nicht, bzw. nicht vollständig aufgefangen werden. Déjà-vu?
  •  

  •  
Irgendwann im Verlauf dieser Entwicklung habe ich das Buch "Das Euro-Schlachtfest - Die Logik der Krise" geschrieben.
 
 
Kann ich zur Vertiefung und Erweiterung dieser Ausführungen als Lektüre nur empfehlen.

(einfach anklicken)


Déjà-vu?
 
Regelungstechniker nennen das eine
positive Rückkopplung.
 
Das heißt, dass die Regelung so funktioniert, dass eine Abweichung vom eingestellten Sollwert nicht dazu führt, dass die Abweichung wieder korrigiert wird, sondern dass sie verstärkt wird.
 
Einen Heizungsbauer, der die Regelung so konstruiert, dass die Heizleistung, wenn die gewünschten 22 Grad Celsius Raumtemperatur um 1 Grad überschritten werden, etwas kräftiger heizt, und damit die Raumtemperatur innerhalb einer halben Stund auf 24 Grad erhöht, und weil das immer noch nicht dem Sollwert entspricht, die Temperatur in der nächsten halben Stunde auf 28 Grad anhebt, und dann auf 35, 50, 70 Grad - den würde man unter Ausstoßung wüstester Beschimpfungen in die Wüste jagen.
 
Doch genau so funktioniert der währungspolitische Teufelskreis, auf den sich die EU nun einmal eingeschworen hat.
 
Weil die Staatsverschuldung gesenkt werden soll,
muss sie ständig steigen.
 
  • Mit der Gründung einer Haftungsgemeinschaft werden die Schulden nicht weniger.
    Die Rettungsschirme EFSF und ESM, sowie die Bankenunion, stellen ja nichts anderes dar als eine Haftungsgemeinschaft. Wenn Hans, der noch Luft im Dispo hat, um weitere 2.000 Euro überzieht, um sie seinem Bruder Max zu überweisen, der damit wieder in die Lage versetzt wird, innerhalb seines Kreditrahmens zu bleiben, hat Max zwar im Augenblick 2.000 Euro Schulden weniger, dafür hat Hans 2.000 Euro Schulden mehr - und die Zinslast verändert sich nur insofern, als man sich die Überziehungsgebühren spart.
    .
  • Mit dem Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB werden die Schulden auch nicht weniger - und die Bonität der Schuldner wird nicht besser.
    Es wird lediglich wieder das Geld der Gläubiger gerettet, denen von der EZB frisch gedruckte Euros gutgeschrieben werden, statt sie mit ihren immer wertloser werdenden Papieren da stehen zu lassen, wo sie stehen, nämlich im Regen.
    Stattdessen erweitert sich die Haftung der Steuerzahler der Mitgliedsstaaten, die schließlich die Eigentümer der EZB sind.
    Irgendwann wird auch die EZB die Staatsanleihen mit dem "Marktwert" bewerten müssen, und dann ist die EZB bankrott - es sei denn, die Staaten schießen nach.
    .
  • Daher müssen die Sparanstrengungen verschärft werden.
    EZB, EU-Kommission und der Internationale Währungsfonds lassen die Troika auf die am meisten verschuldeten Mitgliedsstaaten los, und zwingen sie mit vorgehaltener Pistole zu noch abenteuerlicheren Sparanstrengungen.

Und wieder schlägt unbarmherzig die
positive Rückkopplung zu.
 
Wir sehen also eine Situation, in der den Binnenmärkten der Mitgliedsstaaten von Runde zu Runde zu Runde, initiiert durch staatlichen Sparzwang mit allen seinen negativen Folgen, die Luft immer noch ein bisschen mehr abgedrückt wird, oder, anders ausgedrückt, eine Situation, in der die Kaufkraft im Binnenmarkt schwindet.
 
 
Das kann nicht ohne Folgen
für die Preisentwicklung bleiben.
 
  • Die Preise für die Grundversorgung ziehen an.
    Überall wo Monopole, Oligopole und vergleichbare Strukturen aufgebaut wurden und die Bevölkerung diesen zur Deckung ihrer Grundbedürfnisse ausgeliefert ist, insbesondere im Bereich Energie (Strom/Öl/Gas/Benzin) wird Gewinnmaximierung über die Preise betrieben. Den Bürgern bleibt schließlich nichts anderes übrig, als zu zahlen. Ebenso ziehen die Preise für den Wohnraum an, weil der nicht beliebig vermehrbar ist und in immer stärkerem Maße durch die vorangegangenen Privatisierungen und durch die schnell wachsende Immobilienblase (irgendwo muss das Geld ja hin, dass die Haftungsgemeinschaft den Gläubigern in den Rachen wirft) in die Hände der Großinvestoren fällt.
    .
  • Alle übrigen Preise für Waren und Leistungen der Realwirtschaft sinken.
    Die gesunkenen Löhne auf einem weitgehend deregulierten Arbeitsmarkt machen es möglich - und zugleich zwingend erforderlich - die Preise im Einzelhandel zu senken. Allen voran ziehen die großen Discounter, die auch ihre massiven Preisvorteile im Einkauf nutzen, um über die schiere Masse auch bei sinkender Kaufkraft ihre Gewinne zu steigern.
    Wer als Anbieter kleiner ist, muss den Preiskampf soweit mitgehen, wie es möglich ist, und wenn es nicht mehr möglich ist, Insolvenz anmelden.
    .
  • Die Kreditversorgung der Realwirtschaft ist unzureichend.
    Trotz künstlich niedrig gehaltener Refinanzierungszinsen der EZB machen es die Regularien von Basel immer schwieriger, in einem schrumpfenden, von Insolvenzen bedrohten Markt, noch Kredite an den Mittelstand zu vergeben. Investitionen unterbleiben also, weil das Geld nicht zur Verfügung gestellt wird, dies verzerrt die Wettbewerbssituation zwischen Kleinen und Großen noch ein Stück weiter und führt zu weiteren Bereinigungsprozessen auf der Anbieterseite, mit der Folge weiterer Arbeitsplatzverluste und steigender staatlicher Transferleistungen bei eher sinkenden Staatseinnahmen - und schon wieder wird eine neue Schleife der positiven Rückkopplung ausgelöst.
    .
  • Die Inflation rutscht unter die Zielmarke.
    Der ganze Geldsegen, der über Rettungsmaßnahmen und direkte EZB-Hilfen über die Euro-Zone ausgeschüttet wird, bleibt vollständig bei den Gläubigern hängen. Nichts davon kommt in den Binnenmärkten an, die durch staatliche Sparanstrengungen mit allen negativen Folgen immer noch ein bisschen mehr stranguliert werden. Also rutschen die Preise, trotz erheblicher Gegenbewegung auf Teilmärkten, insgesamt immer weiter ab.
    .
  • Der Geldwert stabilisiert sich - und irgendwann wird er steigen.
    Wer heute einen Kredit aufnimmt, muss damit rechnen, dass er in realer Kaufkraft in einigen Jahren nicht mehr 100 Euro Tilgung für 100 Euro Kredit hinlegen muss, sondern (ohne Berücksichtigung von Zinsen) die Kaufkraft von 110, 120 oder noch mehr Euro. Warum also heute einen Kredit nehmen, wenn der schon ohne Zinsen immer teurer wird?
    Wer heute über ein Geldvermögen verfügt, kann darauf hoffen, in einigen Jahren mit 100 Euro über eine Kaufkraft von 110, 120 oder noch mehr Euro zu verfügen - und auch das ohne Berücksichtigung von Zinsen. Warum also heute einkaufen, wenn morgen schon alles viel billiger sein kann?
 
 
Der Euro, mit seinen ursprünglichen Konvergenzkriterien, die im Stabilitäts- und Wachstumspakt fortgeschrieben wurden und auch heute noch hochgehalten werden (siehe Troika), kann mit noch so viel frischem Geld, das ja wiederum nur als Kredit vergeben und direkt an die Gläubiger durchgereicht wird, nicht aus der deflationären Spur gebracht werden, in die er sich begeben hat..
 
Im Gegenteil!
 
Mit jeder Rettungsmilliarde und mit jedem neuen Sparpaket steigt tendenziell auch der Außenwert des Euro. Das macht zwar die Importe preiswerter, verteuert jedoch auch die Exporte. Damit gehen Wettbewerbsvorteile im Export verloren, die wiederum nur durch forcierte Sparanstrengungen der Wirtschaft (und der Staaten, zur Unterstützung der Wirtschaft) ausgeglichen werden können, was erneut die positive Rückkopplungs-Schleife auslöst, der wir das ganze Dilemma zu verdanken haben.
 
Die EU ist wild entschlossen, auf diesem Wege weiter zu marschieren.
 
Die EU, das ist allerdings nicht nur Manuel Barroso, nicht nur Mario Draghi, das sind unter anderem auch Angela Merkel, Wolfgang Schäuble, Sigmar Gabriel und Horst Seehofer, die mit starker deutscher Stimme dagegenhalten könnten, wenn sie es nur wollten.
 
In ein paar Wochen soll ein neues Europäisches Parlament gewählt werden. Es fällt schwer, eine positive Wahlempfehlung zu geben, doch wer will, dass es einen Denkzettel für diese Politik gibt, der sollte erstens wählen gehen - und zweitens sein Kreuz nicht unbedingt da machen, wo die Fortsetzung dieser Poltik im Wahlprogramm steht.
 

Ende des Paukenschlags
 
 
Anfang Mai erscheint mein neues Buch:
 
 
Wo bleibt die Revolution?
Die Sollbruchstelle der Macht
 
 
 
 
 
 
Für schnell entschlossene Käufer gilt noch bis zum 30. April
der Subskriptionspreis von 21,90 Euro, danach wird es zum geb. Ladenpreis von 25,90 Euro angeboten.
 
Zur Subskriptionsbestellung
 
 
 

 
 
 
Gerade eben erschienen:

Das EU-Diktat
 
Florian Stumfall, wie Gauweiler echtes CSU-Urgestein - und zudem jahrelang in Brüssel als Referent des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel in dessen Funktion als EU-Parlamentarier tätig, hat in seinem Buch "Das EU-Diktat - Vom Untergang der Freiheit in Europa" nicht nur kein Blatt vor den Mund genommen, er hat sich die Zeit genommen, seine Kritik und seine Befürchtungen ausführlich und wohlbegründet darzulegen.
 
 
zum Shop
 
 
Die ausführlichere Buchvorstellung finden Sie hier
 
 


Ebenfalls gerade eben erschienen:

Angela Buer - Meine Rückengeschichte
Ein Erfahrungsbericht über eine erfolgreiche Selbstheilung.

 

Wirbel selbst einrenken?

Angela Buer hat über viele Jahre an schlimmen Rückenschmerzen gelitten.

Als die Ärzte und Physiotherapeuten mit ihrem Latein am Ende waren - und der Rücken beinahe auch, erkannte sie, dass ihr niemand helfen konnte, außer vielleicht sie selbst.

Sie informierte sich, las viele Bücher und probierte vieles aus. Allmählich verstand sie, wie das Wechselspiel von Muskulatur, Skelett und Nervensystem funktionierte und entwickelte eine Reihe einfacher Übungen, die es möglich machten, einen "Schmerzherd" nach dem anderen zu beruhigen und ihren Rücken in einem Maße zu stabilisieren, dass sie sich heute wieder uneingeschränkt und schmerzfrei bewegen kann.

Wie ihr das gelungen ist, hat sie für alle Leidensgenossen dokumentiert.

Das Buch ist kein medizinischer Ratgeber, sondern ein Erfahrungsbericht mit vielen Denkanstößen und praktischen Anregungen für alle, die den Mut haben, die Verantwortung für ihre quälenden Rückenschmerzen selbst zu übernehmen.

Wr bieten dieses Buch zum Download in zwei Versionen an. Als typisches E-Book mit allen Funktionen für den E-Book-Reader und als pdf-Datei, mit einer feststehenden Formatierung, die es einfach macht, einzelne Seiten bei Bedarf auszudrucken.

Ihr direkter Link zum Online-Shop Meine Rückengeschichte:

- PDF-Version ---------- EPUB-Version -


Weitere wichtige Bücher mit guten Gedanken für eine bessere Welt:
 
 Egon W. Kreutzer
Unsere Freiheit - man kann sich dafür einsetzen
  Printausgabe
 Egon W. Kreutzer
Eigentum und Teilhabe (WWW Band IV)
 E-Book Printausgabe
 Freimut Kahrs
Lebenslüge Freiheit
   Printausgabe
 Werner Peters
Die Partei der Nichtwähler
E-Book Printausgabe
 Egon W. Kreutzer
Das Euro-Schlachtfest - die Logik der Krise
 E-Book Printausgabe
 Karl Waldecker
GLOCALIS - die Welt fair ändern
   Printausgabe
 
 

 

 

 

 
 
nach oben
 
Kommentare zu diesem Paukenschlag
 

 

Seitenübersicht
 
Der aktuellste Paukenschlag
Archiv Paukenschläge
Archiv Tageskommentare
Archiv "Über das Geld"
Archiv Arbeitsplatzvernichtung
Archiv Gesundheitswesen
Gastbeiträge
(Czerny, Kahrs, Petschow, Engl, Meinschien)
  Links
Gästebuch
 Auf dieser Seite mit Google suchen
 
 Kontakt
 Newsletter
abonnieren, ändern, kündigen
Förder-Abonnement
 Impressum - Copyright
  Kaffeekasse

EWK-Verlag - Online-Shop
 

EWK-VERLAG

 NEU

 
 

 
Für das Osternest:
Die Sternenpflückerin

 
Für das Osternest: S - O - S Buddelschiffkobolde über Bord

 

 
Für das Osternest:
Olli und die Hundefängerbande

 

NEU

 
Für das Osternest:
Die Handball-Helden

 
 

 SPANNUNG
 

 
 

 
 

 
 

 

 
 

 
 

 ANSPRUCH
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 WISSEN
 

 
 

 
 

 
 

 

 
 

ZEIITGESCHEHEN 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 BESINNLICH
 

 
 

 
 

 

 
 

 
 

  SCHÖNES
 

 
 

  KINDER
 

 
 

 
 

 
 

 
 
 
 
 
 
 
 

 
gE
    Sicher surfen auf
    egon-w-kreutzer.de
     
    Mit dem Original Facebook-Button nutzt FB die Gelegenheit, Ihre Nutzerdaten abzugreifen, sobald Sie eine solche Seite betreten. Hier entscheiden Sie mit dem Anklicken des Links recht selbst, ob Sie sich mit "Gefällt mir" für Facebook sichtbar machen wollen.

  

   
Suchmaschinenoptimierung mit Ranking-Hits