Paukenschlag
am Donnerstag
No. 6 /2013
7. Februar 2013


Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Schwarzarbeit! Helau!

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Schwarzarbeit! Helau!
.
Pünktlich zum Höhepunkt der närrischen Zeit kommt auch der Prunkwagen des Prof. Friedrich Schneider, Linz, vollgeladen mit ollen Kamellen, wieder auf die Straße.
 
Prinz Schwarzarbeit wirft mit vollen Händen unters Volk, was er da übers Jahr in seiner statistischen Hexenküche zusammengebraut hat. Doch diesmal sitzt die Pappnase hinten, janusköpfig schießt der Magier der schwarzen Zahlen diesmal den bisher zurückgehaltenen Gag vom "Rückgang der Schwarzarbeit" aus der Konfetti-Kanone.
 
Schwarzarbeit! Helau!

O-ho deutsche Schwarzarbeiter Herrlichkeit,
wohin bist Du entschwunden?
 
Und am Straßenrand halten die zahlentrunkenen Jecken ihre Postillen hoch und jubeln mit:
 
 
 

DIE WELT
Berlin : Hauptstadt der Schwarzarbeit
.
n-tv.de NACHRICHTEN
Vor allem im Privaten: Schwarzarbeit blüht
-
Südwest Presse:
Kommentar zur Schwarzarbeit.
-
Neues Deutschland
Geht Schwarzarbeit zurück?
-
Rundfunk Berlin-Brandenburg
Schwarzarbeit geht zurück- außer auf Berliner Baustellen
-
manager-magazin.de
Industrieländer: Wo Schwarzarbeit blüht und gedeiht
-
N24
Deutschen fehlt für Schwarzarbeit die Zeit
-
inSüdthüringen.de
Experten: Weniger Schwarzarbeit in Deutschland
-
Nordbayern.de
Schwarzarbeit auf niedrigstem Stand seit 20 Jahren
-
Schwarzarbeit, Schwarzarbeit und kein Ende ...
 
Und wie immer, wenn Prof. Schneider die Sau durchs Dorf treibt, wird so lange zwischen Schwarzarbeit und Schattenwirtschaft nicht differenziert, bis dem armen Leser im Kleingedruckten vielleicht gesagt wird, dass das, was hier "Schwarzarbeit" genannt wird, mit dem, was er üblicherweise unter Schwarzarbeit versteht, überhaupt nichts zu tun hat.
 
Schneiders Zahlen entspringen einer abenteuerlichen Theorie über den Zusammenhang zwischen Bargeldumlauf und Schwarzarbeit, in die er je nach Jahreszeit, Konjunkturlage und persönlichem Wohlbefinden die Einflüsse eines halben Hunderts geheimer Korrekturfaktoren einstreut.
 
Und dann kommt er mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks, mitten im Fasching, zu der Prognose, 2013 werde das Volumen der Schwarzarbeit in Deutschland um 2,7 Milliarden auf 340 Milliarden Euro sinken.
 
Das Dumme ist bloß, dass diese Zahlen weder mit dem Abspielen des Narhallamarsches nach der grandios spaßigen Büttenrede, noch mit dem Aschermittwoch wieder vergehen.
 
Sie fressen sich ins Bewusstsein.
 
Und sie erleichtern politische Entscheidungen, z.B. die Höhe der Regelsätze betreffend, da kann man doch davon ausgehen, dass
 
von den 340 Milliarden Schwarzarbeitsumsatz
 
umgerechnet auf drei Millionen Arbeitslose jeder
 
monatlich 9.444 Euro schwarz dazuverdient.
 
(340.000.000.000 Euro : 3.000.000 Arbeitslose) : 12 Monate
Nullen wegkürzen!
=
(340.000 Euro : 3 Arbeitslose) : 12 Monate
=
113.333 Euro pro Arbeitslosem : 12 Monate
=
9.444 Euro pro Arbeitslosem und Monat
 
 
Und unter diesen Umständen ist jeder Gedanke an eine Erhöhung der Regelsätze doch vollkommener Blödsinn.
 
Nun ja, da hilft es auch nichts mehr, dagegen zu halten, dass es ja nicht nur drei Millionen Arbeitslose gibt, sondern insgesamt 7 Millionen Leistungsempfänger. Da sind das nämlich immer noch für jeden 4.047 Euro monatlich - schwarz, steuer- und sozialversicherungsfrei.
 
Es ließe sich daraus ja sogar ein bedingungsloses Grundeinkommen von monatlich 350 Euro für alle 82 Millionen Bundesbürger finanzieren ...
 
Warum also nicht die Sozialtransfers ganz abschaffen, wenn doch die Schwarzarbeit schon ausreicht, das Existenzminimum aller Bürger zu garantieren?
 
 
So viel zum aktuellen Bohei um die Schwarzarbeit.
Am närrischen Donnerstag des Jahres 2013.
 
Doch wie die Fastnachtsumzüge und Prunksitzungen sich alljährlich wiederholen, kommt auch Prof. Schneider alle Jahre mit seinen Zahlen daher.
 
Hier, zur Erinnerung und Vertiefung drei Aufsätze aus meiner Feder, die ich am unsinnigen Donnerstag wieder einmal in die Gegenwart hebe, um die unsinnigen Aussagen des Schwarzarbeitsprofessors aus Linz an den Pranger zu stellen:
 
1. Eine Zuschrift an das ZDF
aus dem Juni 2003
mit einem ausführlichen Nachtrag
 

 

 

 

Die öffentliche Diskussion um die Schwarzarbeit hat, so wird es immer deutlicher, hauptsächlich ein Ziel:

Die Diffamierung der Arbeitslosen.

Der neue Volksschädling, der Arbeitslose und Schwarzarbeiter in Personalunion ist entdeckt und soll erbarmungslos bekämpft werden. Schon Anfang Dezember wies ich in einem Leserbrief an den Spiegel darauf hin, daß die Zahlen zur Schwarzarbeit nur als Grober Unfug betrachtet werden können.

Am 4. Juni 2003 griff die Sendung ZDF-Reporter das Thema wieder auf und verbreitete aufs Neue die seit einiger Zeit umlaufende Information:
"In Deutschland werden jährlich 370 Milliarden Euro in Schwarzarbeit erwirtschaftet"

Dies veranlasste mich zu folgender Zuschrift an das ZDF




Redaktion
ZDF-Reporter

Schwarzarbeit



Es gibt Potemkinsche Dörfer, Irakische Massenvernichtungswaffen und die Deutsche Schwarzarbeit.

Wenn man Politikern gemeinhin zugesteht, dass sie sich im Umgang mit Informationen auf das Behaupten und das Dementieren beschränken, so erwartet man von Journalisten doch immer noch, dass sie recherchieren, bevor sie berichten.

In Ihrer Sendung vom 4. Juni 2003 "berichteten" Sie, daß in Deutschland jährlich 370 Milliarden Euro durch/mit/in Schwarzarbeit "erwirtschaftet" würden.

Diese Zahl geistert seit geraumer Zeit durch die Medien (Spiegel Heft 49/02: 350 Milliarden) und durch die politische Diskussion, ohne dass sich bisher jemand bemüht hätte, durch Anwendung der Grundrechnungsarten die Wahrscheinlichkeit der Richtigkeit dieser Aussage zu überprüfen.

Das deutsche Statistische Bundesamt gibt die Höhe der Brutto-Löhne und -Gehälter der deutschen Beschäftigten für das Jahr 2002 mit 911,78 Milliarden Euro an, ein Betrag, der von 34,5 Millionen Arbeitnehmern verdient wurde.

Selbst wenn man unterstellt, Schwarzarbeiter würden von ihren Auftraggebern zu Brutto-Löhnen engagiert, bedeuteten die genannten 370 Milliarden "erwirtschafteter" Schwarzarbeitseinkünfte ein Heer von 14 Millionen Menschen, die sich ganztags der Schwarzarbeit widmen.

Korrigiert man diese Werte auf tatsächliche, realistische Schwarzarbeiterstundenlöhne, die bei Handwerkern zwischen 8 und 12 Euro liegen dürften, bei Haushaltshilfen und Aushilfskellnern noch deutlich darunter, dann nähert man sich der Zahl von 25 Millionen Vollzeit-Schwarzarbeitern, die erforderlich wären um jene ominösen 370 Milliarden zu erwirtschaften.

Auch ein Vergleich mit dem Bundeshaushalt, der mit rund 250 Milliarden vergleichsweise ärmlich aussieht, macht die 370 Milliarden ziemlich fragwürdig.

Nimmt man am Ende die Tatsache, dass die Deutschen zwar brutto 911 Milliarden verdient haben, netto davon vermutlich aber nur 600 Milliarden ausbezahlt erhielten, dann fragt man sich, wer die 370 Milliarden wovon bezahlt haben soll.

370 Milliarden das ist eine ganz großzügig geschätzte Zahl des Umfangs der Schwarzarbeit zu Handwerkerpreisen inklusive Material zu Listenpreisen zzgl. Mehrwertsteuer.

Bei vernünftiger Betrachtung kommt heraus, dass das Volumen der Schwarzarbeit bei 30, höchstens 35 Milliarden Euro liegen kann. Das dabei verbrauchte Material haben sich die Schwarzarbeiter und ihre Auftraggeber für schätzungsweise 100 Milliarden Euro, vielleicht auch noch um einiges teurer, ganz regulär im Baumarkt und im Fachhandel gekauft.

Es sollte niemand glauben machen wollen, daß mit der Abschaffung der Schwarzarbeit plötzlich Steuer- und Abgabenmilliarden in die Kassen sprudeln würden. Eher würden weitere Einnahmen wegbrechen (Material). Es fehlt nämlich nicht nur dem Staat am Geld, es fehlt den Haushalten und vielen Unternehmern auch und das nicht, weil sie es verschwendet hätten, sondern weil es der realen Wirtschaft durch Spekulation, Geldhortung und die wachsende gesamtwirtschaftliche Zinslast entzogen wird.

Ich halte die ZDF-Reporter für ein seriöses Magazin, das sich der üblichen Stimmungsmache weitgehend enthält. Es würde mich freuen, wenn Sie versuchen, den 370 Milliarden Potemkimscher Schwarzarbeit nachzurecherchieren und gelegentlich darüber berichten.

Mit besten Grüßen

Egon W. Kreutzer



Nachtrag - nicht Bestandteil des 'Leser'-briefes

Natürlich habe ich inzwischen herausgefunden, wer die Schwarzarbeitszahlen in die Welt setzt.

Es ist dies der Volkswirtschaftsprofessor Dr. Friedrich Schneider, Linz, der seit vielen Jahren mit dem abenteuerlichen sog. "Bargeldansatz" das Volumen der Schattenwirtschaft in Österreich, der Schweiz und Deutschland schätzt.

Dabei zählt er zum Volumen der Schattenwirtschaft jede Leistung, die erbracht, aber aus welchen Gründen auch immer nicht im BIP ausgewiesen wird. So ist nach dieser Definition auch das, was der Heimwerker zu Hause am eigenen Haus, am eigenen Auto renoviert, repariert oder sonstwie arbeitet und selbstverständlich auch die legale Nachbarschaftshilfe ein Teil der Schattenwirtschaft.

Die eigentliche Schwarzarbeit ist folglich nur ein Teil dieser sog. Schattenwirtschaft.

Den Umfang der Schattenwirtschaft hat Prof. Schneider für Deutschland im Jahr 2002 auf 350 Milliarden Euro geschätzt, nicht den Anteil, den die Schwarzarbeit daran hat.

Dass dann bei der Vermarktung der Zahlen zwischen Schwarzarbeit und Schattenwirtschaft nicht mehr hinreichend differenziert wird, ist verwunderlich genug, läßt sich aber schon durch einen Blick in die Presseerklärungen seines Tübinger Instituts für angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) leicht nachweisen. Dass bei der Weiterverbreitung solcher Zahlen in den Medien dann aber auch niemand mehr nachfragt, weder nach der Definition von Schwarzarbeit, noch nach der angewandten Methodik, ist kaum noch zu verstehen.

Das Schätzverfahren, das Professor Schneider anwendet, basiert auf der epochalen Erkenntnis, dass Schwarzarbeit bar bezahlt wird, und so baut er seine Spekulationen über den Umfang der Schwarzarbeit auf der Vermutung auf, dass die Veränderung der Nachfrage nach Bargeld der beste Indikator für eine Veränderung des Volumens der Schwarzarbeit sei.

Das ist ungefähr ebenso genial, wie der Versuch, aus der Nachfrage nach Sonnenbrillen die Durchschnittstemperaturen oder die Jahresniederschlagsmengen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu ermitteln. Allerdings: Solange das gewünschte Ergebnis bekannt ist, ist auch das ein durchaus lösbares Problem!

Und so multipliziert der Professor seit vielen Jahren - vermutlich in hochkomplizierten Formeln und mit tausendundzwei spontan ersonnenen, variablen Korrekturfaktoren - aus den Veränderungen des Bargeldumlaufes das Volumen von Schwarzarbeit und Schattenwirtschaft heraus, bis ihm das Ergebnis gefällt.

Dies ist für mich nicht anderes als akademisch verbrämte Kaffeesatzleserei, die nur deshalb nicht massiv kritisiert wird, weil die Ergebnisse so gut in die Argumentationskette passen. Und dass diese Zahl gelegentlich durch eine Vergleichsrechung überprüft wird, die unterstellt, ein Zuwachs des Stromverbrauchs, dem kein entsprechender Zuwachs des BIP entgegenstünde, ließe auch direkte Schlüsse auf das aktuelle Volumen der Schwarzarbeit zu, ist nur die Bestätigung der einen unhaltbaren Hypothese durch eine andere, also wertlos.


Zu solch zweckmäßiger Methodik passt dann auch die Tatsache, dass Friedrich Schneider zusammen mit Meinhard Miegel zu jenen hundert erstunterzeichnenden Nationalökonomen gehört, die in ihrer Resolution zur Agenda 2010 zum Ausdruck bringen, dass sie es gar nicht erwarten können, den weiteren, unbedingt erforderlichen Kahlschlag in den Arbeitsverhältnissen, Tarifverträgen und Sozialversicherungen in Deutschland und ganz Europa auf den Weg zu bringen.



Noch ein Nachtrag
(06.06.2003)

An drei Problemstellung wird deutlich, dass ein Anwachsen der Schwarzarbeit, wie von Prof. Schneider behauptet, eher unwahrscheinlich ist, und dass der Bargeldansatz selbst, aus gravierenden Gründen
a) systematisch falsch ist und
b) durch Einflüsse außerhalb der Schwarzarbeit enorm und ebenso unkontrollierbar verfälscht wird.


Problem 1

Auch Schwarzarbeit erfordert Kaufkraft

Der Binnenmarkt einer Volkswirtschaft verfügt über ein bestimmtes Maß an Kaufkraft, das im Zeitverlauf durch steigende/fallende Löhne, durch steigende/fallende Transferleistungen (Rente, Krankengeld, usw.), durch vermehrtes Sparen oder die Auflösung von Sparguthaben und durch vermehrte Kreditnachfrage oder die forcierte Tilgung von Krediten steigt und fällt.
Diese Kaufkraft tritt als Nachfrage sowohl am legalen Markt, als auch bei den Anbietern von Schwarzarbeit auf. Die Kaufkraft kann zwar in einer Periode z.B. durch Sparen vermindert, in einer anderen Periode durch Auflösung von Sparguthaben vergrößert werden, diese Manipulationen gleichen sich jedoch über die Zeit aus, so daß am Ende die Erkenntnis bleibt, dass Kaufkraft nicht beliebig vermehrbar ist, sondern im Wesentlichen von der Summe der Brutto-Löhne und -Gehälter begrenzt wird. Kaufkraft, die sich Bargeld beschafft, um Schwarzarbeit zu bezahlen, steht also zwangsläufig nicht mehr zur Verfügung. Die Barabhebung vom Konto mindert das verfügbare Giralgeld. Ein Zuwachs der Schattenwirtschaft ist daher nur möglich, wenn bei unveränderter Kaufkraft und bei vergleichbaren Wertansätzen, ein gleich großer Rückgang der legalen Wirtschaftsleistung zu beobachten ist.

Die Reallöhne stagnieren seit geraumer Zeit, das BIP wächst (zwar langsam, aber es wächst) - wo und von wem also, soll die angeblich immens gewachsene Schwarzarbeit abgenommen worden sein?


Vorsicht, Herr Professor! Falls Sie obige Argumentation angreifen wollen, mit der Hypothese, die Schwarzarbeiter würden ihre "Schwarzeinkünfte" im vollen Umfang wieder ausgeben und damit den von mir unterstellten Kaufkraftausfall ihrer Auftraggeber ausgleichen, dann sollten Sie vorher versuchen herauszufinden, ob unter dieser Annahme von der Schwarzarbeit überhaupt ein volkswirtschaftlicher Schaden ausgehen kann. Fiktiv ja, weil Steuern und Abgaben erspart werden. Praktisch nein. Denn das Geld das benötigt würde, um die fiktiv entgangenen Steuern und Abgaben aufzubringen, entsteht nicht dadurch, daß eine Leistung netto, zu Schwarzarbeiterpreisen erbracht wird. Das ist leider so.



Problem 2

Schwarzarbeit verändert den Bargeldbedarf nur, wenn der Schwarzarbeiter Bargeld hortet - das aber ist nicht der Fall.


Das Geld, das zur Bezahlung des Schwarzarbeiters benötigt wird, wächst nicht im Blumentopf des Nachfragers. Der Nachfrager muß sich die Kaufkraft vorher verdienen, und zwar ganz überwiegend mit legaler Arbeit. Wenn der Nachfrager nun sein sauer Verdientes in bar von der Bank holt, ist es höchst wahrscheinlich, dass dieses Bar-Geld vom Schwarzarbeiter ganz überwiegend unmittelbar zur Bezahlung seines Konsums verwendet wird - was soll der Schwarzarbeiter sonst damit?

Bargeld horten? Wer Bargeld horten kann, braucht nicht mehr arbeiten. Geld horten ist das Geschäft der Kapitalisten, nicht der Arbeiter, schon gar nicht derjenigen Arbeiter, die sich durch Schwarzarbeit etwas dazuverdienen (müssen). Das Bargeld verweilt also nicht beim Schwarzarbeiter, es fließt über die Ladenkassen sehr schnell wieder zurück zu den Banken, die es unmittelbar an die Zentralbank zurückgeben, sobald ihre Kassenhaltung das zuläßt. Schließlich muß sich die Geschäftsbank das Bargeld gegen Zinsen von der Zentralbank leihen! Der von Prof. Schneider vermutete Effekt der vermehrten Bargeldnachfrage entpuppt sich in diesem Licht als ziemlich fragwürdig.

Bargeld, daß der Schwarzarbeiter in der Tasche hat, braucht er sich nicht vom Bankautomaten holen, wie er es ohne Schwarzarbeit getan hätte. Er wird es ausgeben, und wenn er Einnahmen aus Schwarzarbeit anspart, dann dadurch, daß er seinen Dispositonskredit in geringerem Umfang in Anspruch nimmt, oder sogar einmal Giralgelder auf seinem Konto stehen läßt, statt Bargeld unterm Kopfkissen zu halten.

Problem 3

Bargeldnachfrage der Steuerflüchtlinge und anderer Straftäter


Im Wirtschaftsgebiet Deutschland werden ungefähr 90 Milliarden Euro Bargeld vermutet, weil entsprechende Mengen an Banknoten und Münzen von der Zentralbank an die Geschäftsbanken verliehen wurden. Diese Vermutung verwendet man in weiteren Rechnungen als die Größe "Bargeldumlauf". Dass enorme Mengen des ausgegebenen Bargeldes (manche Schätzungen gehen von bis zu 50% aus) keineswegs in Umlauf, sondern von Ausländern und Inländern hauptsächlich im Ausland in Schließfächern und privaten Safes deponiert sind, ist bekannt.

Die Umstellung auf den Euro hat diese Bargeldbestände allerdings massiv reduziert. Weil der direkte Umtausch aus verständlichen Gründen für viele Schwarzgeldbestände nicht möglich war, wurden damit auf Umwegen Sachwerte erworben. So konnte Vermögen erhalten werden. Nun setzt sich der Prozess der Bargeldhortung nicht nur fort, es besteht an verschiedenen Stellen auch die Notwendigkeit, ehemalige DM-Bestände als Euro-Bestände wieder aufzubauen. Aus dieser Ecke kommt eine nicht zu unterschätzende Nachfrage nach Bargeld.

Ob Prof. Schneider dafür irgendwie eine Korrektur schätzt, oder ob jede Euro-Reserve, die in den Safes der Russenmafia angelegt wird, von ihm als Ausweitung der Schwarzarbeit interpretiert wird, ist für mich leider nicht erkennbar. Vielleicht äußert er sich ja einmal dazu.

Noch ein Nachtrag,

denn gerade eben habe ich in der SZ vom 6.6.03 gelesen, was die Rockwool Stiftung zur Schwarzarbeit zu sagen hat, es ist eine Bestätigung meiner Einschätzung



ca. 1,3 % vom BIP, wenn Schwarzarbeit zu Schwarzarbeitspreisen bewertet wird. Dann sind das 27 Milliarden Euro, 30 bis maximal 35 war meine Schätzung,

Nun ja, ich kann nicht auch noch Professor für Volkswirtschaft in Linz werden....

     
     
     
    2. Der "Offene Brief" zur Schwarzarbeit aus dem Jahre 2004

Aus den Richtlinien für die Sendungen des ZWEITEN DEUTSCHEN FERNSEHENS:

(4) Die Berichterstattung muss von vorbehaltlosem Willen zur Wahrhaftigkeit und Sachlichkeit bestimmt sein. Zweifel an der Zuverlässigkeit einer Nachricht sind zum Ausdruck zu bringen.

 

 

Die Schwarzarbeiter-Lüge

Offener Brief an

Hans Eichel,
Bundesminister der Finanzen

Ruprecht Polenz,
Vorsitzender des ZDF-Fernsehrates

Markus Schächter,
Intendant des ZDF

zur Kenntnis
Norbert Lehmann,
Programmbereichsleiter und Moderator "ZDF-Reporter"

Unterbernbach, 29.12.2004

Sehr geehrte Herren Eichel, Polenz und Schächter,

bedauerlicherweise sind Sie gemeinsam in einen Fall von Desinformation involviert, bei dem, wohl in der Absicht, eine "Stimmung" zu erzeugen, immer wieder die gleichen, maßlos übertriebenen und nicht haltbaren "Erkenntnisse" über den Umfang der Schwarzarbeit verbreitet werden. Am 15 Dezember 2004 hat Norbert Lehmann in seiner Eigenschaft als Programmbereichsleiter und Moderator des Magazins ZDF Reporter die Schwarzarbeit neuerlich thematisiert und sich wie folgt dazu geäußert:

"Wissen Sie, liebe Zuschauer, wo die Deutschen auch in diesem Jahr besonders fleißig waren?

Bei der Schwarzarbeit!

Experten schätzen, dass dort wieder so um die 360 Milliarden Euro Umsatz gemacht worden sind."

Dies ist gelogen.

Nur ein einziger "Experte", nämlich Prof. Schneider, Linz, schätzt diese gigantische Zahl als Umfang der Schattenwirtschaft (nicht etwa der Schwarzarbeit). Seine Zahlen werden kritiklos übernommen und verfälschend als Umfang der Schwarzarbeit ausgegeben. Andere Wissenschaftler kommen zu weitaus niedrigeren, daher allerdings auch weit weniger spektakulären Ergebnissen.

 

Die Behauptung, Schwarzarbeit sei in Deutschland ein 360-Milliarden-Euro-Geschäft, wird auch dadurch nicht wahr, dass das Bundesministerium der Finanzen im Sommer in ganzseitigen Zeitungsanzeigen verbreiten ließ, jeden Tag würde in Deutschland für 1 Milliarde Euro schwarz gearbeitet.

Auch das war gelogen.

 

Um 360 Milliarden Umsatz in Schwarzarbeit zu erzielen, bedürfte es eines Heers von annähernd 20 Millionen Vollzeit-Schwarzarbeitern, die bei 40 Wochenstunden für 10 Euro pro Stunde tätig sind. Diese aufzufinden, bedürfte es keiner 7.000-köpfigen Spezialtruppe, die mühsam und oft genug erfolglos auf Baustellen und in Restaurantküchen nach Schwarzarbeitern sucht. Gäbe es Schwarzarbeit im behaupteten Umfang, man müsste auf Schritt und Tritt über die Schwarzarbeiter stolpern.

Beide Lügen basieren auf den fragwürdigen Erkenntnissen von Professor Friedrich Schneider, Linz, zu denen Jörg Geuenich, ranghoher Mitarbeiter des Bundesministeriums der Finanzen, am 3.6.2004 auf meine Anfrage zum Wahrheitsgehalt der Anzeigenkampagne erklärte:

Der Vergleich von "täglich 1 Mrd. Euro" mit durchschnittlich 30.000 Jahresgehältern soll dem Bürger lediglich einen Maßstab liefern, anhand dessen er sich das Volumen der Schwarzarbeit plastisch vorstellen kann.
Damit wird aber keineswegs suggeriert, dass eine entsprechende Zahl von Schwarzarbeitern dieses Geld in Form von Gehältern tatsächlich ausgezahlt bekäme.

Dass die Angaben, die von Professor Schneider zum Ausmaß der Schattenwirtschaft gemacht werden, umstritten sind, ist dem Bundesministerium der Finanzen und einer breiten Öffentlichkeit seit Jahren bekannt. Seine Zahlen beschreiben wohl nur das größte aller anzunehmenden Ausmaße der Schattenwirtschaft.

Unabhängig davon, dass deren tatsächliches Ausmaß auch von anderer Seite nicht zweifelsfrei dargestellt werden kann, steht aber fest, dass die Auswirkungen dieses Missstandes für Staat und Gesellschaft in keinem Fall mehr hinnehmbar sind.

Die von Ihnen angesprochene Medienkampagne versucht, die Bürgerinnen und Bürger von der Notwendigkeit zu überzeugen, dass Schwarzarbeit zurückgedrängt werden muss.

Die nachstehende Erklärung zum "offiziellen Gehalt" seiner Stellungnahme erhielt ich am 4.6.2004:

Sehr geehrter Herr Kreutzer,
bei meiner Mitteilung handelt es sich nicht um eine "offizielle Stellungnahme" des Bundesministeriums der Finanzen, sondern um eine hausintern nicht abgestimmte Information per E-Mail, die nur als persönliche Hintergrundinformation verstanden werden kann. Da Sie eine offizielle Stellungnahme des Bundesministeriums der Finanzen wünschen, werde ich ihre Anfrage in den Geschäftsgang geben. Sie werden dann eine schriftliche Antwort erhalten.
Mit freundlichen Grüßen
Geuenich

Trotz mehrfacher Nachfragen kam bisher weder von Herrn Geuenich, noch von sonst wo aus dem Geschäftsgang eine offizielle Antwort.

Ich bitte daher nun auf diesem Wege den Bundesminister der Finanzen, Herrn Hans Eichel,
um eine klärende Stellungnahme zum tatsächlich anzunehmenden Umfang der Schwarzarbeit, zur Angemessenheit der "Schwarzarbeiterverfolgungs-Truppe" und zu den, im Vergleich zum behaupteten Ausmaß der Schwarzarbeit blamablen Erfolgen bei der Bekämpfung der Schwarzarbeit. Am Rande würde mich auch interessieren, was aus meiner, von Herrn Geuenich in den Geschäftsgang gegebenen, Anfrage geworden ist.

 

 

Das ZDF hat sich in der Berichterstattung über das angebliche Volumen der Schwarzarbeit in Deutschland mehrmals unrühmlich hervorgetan.

Dies veranlasste mich bereits im Sommer 2003, als in einer Sendung der ZDF-Reporter von einem jährlichen Schwarzarbeitsvolumen von 370 Milliarden Euro die Rede war, einen ausführlichen Leserbrief an die Redaktion zu schreiben.

Die Antwort eines Herrn Hassanzadeh war kurz, bündig und wenig hilfreich:

Hallo.

Wir haben uns auf eine Studie verlassen, die 30 Milliarden nennt. Das Problem bei der Schwarzarbeit ist die Dunkelziffer. Das bestätigt Ihnen jeder seriöse Wissenschaftler.

Grüsse
dara Hassanzadeh
ZDF.Reporter

Ich habe mich damit nicht zufrieden geben wollen und Herrn Hassanzadeh erneut angeschrieben. Dieser erklärte dann seine Unschuld, denn er hätte schließlich nicht die Reportage recherchiert, sondern nur meine E-Mail beantwortet und versprach eine umfangreichere und detailliertere Antwort.

Als diese trotz mehrfachen Nachhakens ausblieb, wandte ich mich an den ZDF Fernsehrat, dessen Vorsitzender, Ruprecht Polenz, mir am 9. September 2003 mitteilte, er werde dem Intendanten Gelegenheit geben, meine Programmbeschwerde zu prüfen und zu beantworten.

Vom Intendanten des ZDF, Herrn Schächter erhielt ich daraufhin ein vom 1.10.2003 datiertes Schreiben, in dem er unter anderem ausführte:

"Zum Wesen der Schwarzarbeit gehört, dass sie kaum zu quantifizieren ist. Die Schätzungen über den Ausfall von Steuern und Sozialabgaben variieren. (...) Nach der Lektüre Ihrer interessanten Ausführungen zur mutmaßlichen Größenordnung der Schwarzarbeit in Deutschland, wäre ein kritischer Umgang mit den Zahlen von Prof. Dr. Schneider sowie eine trennschärfere Abgrenzung der Begriffe ‚Schwarzarbeit' und ‚Schattenwirtschaft' angezeigt gewesen.

Ich habe die Redaktionen der ZDF-Informationssendungen daher gebeten, künftig differenzierter mit solchen Schätzzahlen umzugehen und dabei auch auf divergierende Berechnungen zu verweisen. Außerdem nehmen wir gerne Ihre Anregung auf und werden bei nächster Gelegenheit über das Thema der doch sehr unterschiedlichen Einschätzungen der Größenordnung von Schwarzarbeit berichten."

Ich bitte daher nun auf diesem Wege den Intendanten des ZDF, Herrn Markus Schächter,
in den Redaktionen der ZDF-Informationssendungen nachzufragen, warum sich der Umgang mit den Schätzzahlen bis heute nicht verändert hat und warum die angekündigte Berichterstattung über die unterschiedlichen Einschätzungen zur Größenordnung der Schwarzarbeit bisher nicht erfolgte.

Den Vorsitzenden des ZDF Fernsehrates, Herrn Ruprecht Polenz, möchte ich auf diesem Wege darauf aufmerksam machen, dass die durch seine Intervention erreichte und in dem Schreiben des Herrn Schächter an mich zum Ausdruck gebrachte "Einsicht" nicht zu der erhofften und wünschenswerten Veränderung geführt hat, so dass - zumindest in Bezug auf die ZDF-Reporter - immer noch fraglich bleibt, ob die in den Richtlinien für die Sendungen des ZDF festgelegte Anforderung an die Wahrhaftigkeit der Berichterstattung ernst genommen wird:

(4) Die Berichterstattung muss von vorbehaltlosem Willen zur Wahrhaftigkeit und Sachlichkeit bestimmt sein. Zweifel an der Zuverlässigkeit einer Nachricht sind zum Ausdruck zu bringen.

Herr Lehmann hat am 15.12.2004 im Zusammenhang mit dem emotionsbeladenen Thema ‚Schwarzarbeit' erneut, wider besseres Wissen, ohne sachliche Veranlassung und, wie ich glaube annehmen zu dürfen, auch gegen den erklärten Wunsch des Intendanten auf billige Effekthascherei gesetzt und den vorbehaltlosen Willen zur Wahrhaftigkeit und Sachlichkeit nicht erkennen lassen. Er ist meines Erachtens in dieser Position nicht mehr tragbar.

 

Mit besten Grüßen

Egon W. Kreutzer


     
    3. Ein weiterer Gedankengang zum Thema Schwarzarbeit, aus dem Jahre 2003
     

Spitzfindig?


ein schon beinahe verschwörungstheoretischer Gedankengang
von Egon W. Kreutzer
05.01.2003


Es gibt Zusammenhänge,
die ganz offensichtlich gar keine sind.


Die Themen und die Ereignisse, um die es geht, sind völlig verschieden, die Menschen, die sich damit befassen, haben oft nicht das Geringste miteinander zu tun, so dass noch nicht einmal die sonst stets wachsamen Verschwörungstheoretiker aufhorchen und ein Interesse daran haben.

Betrachten wir - als jüngstes Beispiel - den nicht vorhandenen Zusammenhang zwischen den Forderungen nach unbezahlter Mehrarbeit und der Kriminalisierung der Schwarzarbeit.

 

Es begann vor fast genau einem Jahr, als Georg Braun, der Präsident des DIHK, die Forderung auf den Tisch legte, jeder Arbeitnehmer sollte - innerhalb eines Zeitraums von 5 Jahren - doch bitte 500 Stunden freiwilliger, unbezahlter Arbeit erbringen.

Sechs Monate später, im Juni 2003, kam dann Herr Clement in die Nachrichten, als er verlangte einige Feiertage zu streichen, weil jeder gestrichene Feiertag als zusätzlicher Arbeitstag helfen würde, das Bruttosozialprodukt zu steigern. Drei Monate später meldete sich Angela Merkel zu Wort und verlangte, die westdeutschen Arbeitnehmer sollten doch, bitte, pro Woche ein bis zwei Stunden mehr arbeiten, das sei notwendig für den Aufschwung. Anfang November war ein gewisser Holger Schäfer als Arbeitsmarktexperte des vermutlich vollkommen unabhängigen Instituts der deutschen Wirtschaft in den Medien und verkündete, seiner Meinung nach ließe die Verlängerung der Wochenarbeitszeit um 1 Stunde das deutsche Bruttosozialprodukt um 1,5 Prozent steigen und 60.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Jetzt, zwei Monate später, hat der gescheiterte Kandidat aus Bayern die Rückkehr zur 40 Stunden Woche für alle Arbeitnehmer auf seine Fahne geschrieben. Begründung: Jede Stunde unbezahlte Mehrarbeit bringt ein Wachstum von 1,6 Prozent und 60.000 neue Arbeitsplätze, und, nicht zu vergessen, die meisten Deutschen wären gerne bereit, zwei Stunden umsonst zu arbeiten, wenn dadurch ihre Arbeitsplätze sicherer wären.

Es ist also erklärtes Ziel der heimlichen großen Koalition aus CDU, SPD, CSU, Grünen und FDP, dass die Arbeitnehmer dieser Republik in Zukunft Jahr für Jahr rund 100 Stunden zusätzlich und vor allem unentgeltlich arbeiten sollen.

So weit, so gut.

 

In ähnlichen Schritten vollzog sich völlig unabhängig davon eine andere Entwicklung.

Es begann vor fast genau einem Jahr. Der Spiegel eröffnete im Heft 49 des Jahres 2002 die Schlacht damit, dass er auf das ganz ungeheuerliche Ausmaß der Schwarzarbeit hinwies, das im Jahr 2002 bei rund 350 Milliarden Euro gelegen haben sollte. Medien und Politiker rechneten daraufhin flugs aus, wieviele zig-Milliarden an Steuern und Sozialbeiträgen dem Fiskus per Schwarzarbeit vorenthalten würden und alle beeilten sich, die von Prof. Schneider aus Linz aus der Luft gegriffenen Zahlen zur Schwarzarbeit weiterzuverbreiten.

Ein halbes Jahr später, im Juni 2003, berichtete das ZDF gar von einem Umfang der Schwarzarbeit von 370 Milliarden Euro p.a. und die Politik beschloss, zur Jagd auf die Schwarzarbeiter zu blasen. Die falschen Schwarzarbeiterzahlen wurden daraufhin bei Sabine Christiansen ebenso aufgeführt, wie bei Christoph Süss im Bayrischen Fernsehen, von fast allen Zeitungen, selbst von der Süddeutschen Zeitung aufgegriffen, obwohl sie (die SZ) ein paar Wochen zuvor noch die Ergebnisse der Rockwool-Studie zitiert und damit erhebliche Zweifel an den Schneiderschen Phantasiezahlen genährt hatte. Friedrich Merz suhlte sich geradezu in der großen Zahl von 370 Milliarden und Hans Eichel ließ sie ebenfalls gelten, wusch jedoch gelegentlich - mit dem Hinweis darauf, dass es sich um eine Schätzung handele - seine Hände in Unschuld.

Nun hat Hans Eichel die Schwarzarbeit zur Wirtschaftskriminalität erklärt und ein Heer von 7.000 Zollbeamten*) beauftragt, aus den angeblichen 370 Milliarden Schwarzarbeitsumsätzen eine ganze Milliarde an Steuern und Abgaben für den Staat zu retten.

Die heimliche große Koalition, die uns regiert, war sich also ganz offensichtlich auch darin einig, dass die Schwarzarbeit mit Macht bekämpft werden soll und dass Schwarzarbeiter und deren Auftraggeber kriminalisiert werden müssen.

Mit der "einen Milliarde", die aus der Hatz auf die Schwarzarbeiter in die Staatskassen kommen soll, kehren die Verantwortlichen zwar auf den Boden der Realität zurück, sehen aber deshalb noch lange keinen Anlass, sich von den Machenschaften ihres hilfreichen Schwarzarbeitsabschätzungsprofessors zu distanzieren. Hätte es jemals Schwarzarbeit im Umfang von 370 Milliarden gegeben, wäre das Ziel, daraus eine Milliarde für den Fiskus zu requirieren, ein sehr schlechter Witz, zumal alleine die per Schwarzarbeit hinterzogene Mehrwertsteuer den Betrag von 50 Milliarden Euro erreichen müßte, von Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen ganz zu schweigen.

 

...und jetzt fragen Sie genervt:

Was hat das Eine mit dem Anderen zu tun?

Wie gesagt, es gibt Zusammenhänge, die ganz offensichtlich gar keine sind.

Auf der einen Seite wird mit gigantischem Medienaufwand und unter Verwendung völlig unhaltbarer Zahlenwerke daran gearbeitet, Schwarzarbeit und Schwarzarbeiter zu verdammen. Das geht soweit, dass sogar die bislang weitgefasst-legale Nachbarschaftshilfe zur Wirtschaftskriminalität hochstilisiert wird, sobald sie den Wert eines kleinen Blumensträußchens übersteigt. Alles mit der Begründung, dass der Staat auf die Steuern und Sozialabgaben so dringend angewiesen sei, dass er nun mit aller Härte dreinschlagen muss, um sich seine (lächerliche) eine Milliarde Euro zu sichern.

Auf der anderen Seite erklärt der gleiche Staat zur gleichen Zeit, dass zum Wohle der Wirtschaft und des Sozialstaates alle Arbeitnehmer jährlich rund 100 Stunden ihrer Freizeit opfern müssten, um während dieser Zeit einer unbezahlten, und daher natürlich auch von allen Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen befreiten, Arbeit nachzugehen.

Sehen Sie den Zusammenhang jetzt?

Ein Staat, der seinen Bürgern sogar die Nachbarschaftshilfe zur kriminellen Handlung umdeutet, weil er sich angeblich um Steuern und Sozialabgaben betrogen fühlt, der aber gleichzeitig von seinen Bürgern verlangt, sie müssten in einem weit über den realen Umfang der Schwarzarbeit hinausgehenden Maße unentgeltlich arbeiten, der hätte, wäre der Zusammenhang so einfach zu erkennen, seine Glaubwürdigkeit vollkommen verspielt, denn er verzichtet mit der Forderung nach unentgeltlicher Mehrarbeit freiwillig auf ein Vielfaches dessen, was ihm an Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen durch Schwarzarbeit jemals verloren ging.

Während der Fiskus mit 7.000 Zöllnern versucht, im Dunstkreis der Schwarzarbeit eine Milliarde Euro aufzutreiben, verzichtet er mit seiner Forderung nach unbezahlter Mehrarbeit freiwillig auf Einnahmen von weit über 30 Milliarden*).

Fazit:

Schwarzarbeit, deren Ertrag den arbeitenden Menschen zugute kommt, ist kriminell.
Schwarzarbeit, deren Ertrag ausschließlich der Exportwirtschaft zugute kommt, wird vom Staat gefördert.

Aber, wie gesagt, das sind Spitzfindigkeiten. In Wahrheit existiert ein solcher Zusammenhang natürlich nicht, weil es keiner ist.

 

Ein Zusammenhang, der den Namen verdient, müsste nämlich zum Beispiel darin bestehen - aber das ist jetzt reine Spekulation und frei erfunden - dass die als Consultants engagierten Psychologen und Seelenheilsspezialisten aus den florierenden Regierungsberatungs- Unternehmen gegen ein millionenschweres Honorar herausgefunden haben, dass der Deutsche keine andere Motivation braucht, als ein ordentliches Schuldgefühl. Hat er das, nimmt er freudig jede Buße auf sich, die man ihm abverlangt. Hat er's nicht, bewegt er sich auch nicht.

Hätte man deswegen dem Volk der Schwarzarbeiter und Nachbarschaftshelfer ein ganzes Jahr lang in einer beispiellosen Kampagne vor Augen geführt, dass jeder einzelne von ihnen mitgeholfen hat, diese schier unglaublichen 370 Milliarden Schwarzarbeit aufzutürmen, und damit die Wirtschaft und den Staat an den Rand des Ruins zu treiben, dann wäre das schon der Anfang eines Zusammenhangs gewesen. Doch - und mit der Antwort auf diese Frage wäre in diesem konstruierten und frei erfundenen Zusammenhang sicherlich nochmals ein Millionenhonorar ohne Ausschreibung zu verdienen gewesen - was hilft die schönste Schuld ohne das passende Angebot zur Sühne?

Die Berater hätten also, um den Zusammenhang zu wahren, darüberhinaus noch einen Tipp haben müssen. Einen Tipp, wie zu vermeiden wäre, dass sich Hoffnungslosigkeit und Depression breitmachen und so hätten sie auch noch die Parole für eine zweite beispiellose Kampagne, die Buße betreffend, mitliefern müssen:

"Ihr müsst nur ein paar Stunden länger legal arbeiten, umsonst, versteht sich, dann ist alles wieder gut."

Und sie hätten vorausahnen müssen, dass der Michel begreifen würde, dass der Staat ihm seine Sünden vergeben will, wie er sie auch den Steuerflüchtigen vergibt, wenn sie nur Buße tun, und sie hätten mit hoher Sicherheit vorhersagen können müssen, dass der Michel alles glauben und solange umsonst arbeiten wird, bis alle Schwarzarbeit gesühnt ist.

In einem Land, in dem es nicht gelingt, ein Mautsystem zu installieren, scheint die Beherrschung so komplexer Zusammenhänge, wie hier unterstellt, völlig ausgeschlossen.

 

Denken Sie daher auch in Zukunft im Zweifelsfall immer daran:

Es gibt Zusammenhänge, die sind gar keine.



1)
2.800 Neu-Zöllner werden von der Bundesanstalt für Arbeit übernommen, die übrigen 4.200 müssen wohl von anderen Zoll-Aufgaben abgezogen worden sein, denn der Zoll bietet derzeit nur 1 Offene Stelle an:

Das Bundesministerium der Finanzen sucht für die neu eingerichtete Abteilung "Finanzkontrolle Schwarzarbeit" bei der Oberfinanzdirektion Köln zum nächstmöglichen Termin eine/n Leiter/in für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit





2)
Wenn 35 Millionen Beschäftigte jährlich 100 Stunden bei einem durchschnittlichen Stundenlohn von 18 Euro unentgeltlich arbeiten, errechnet sich daraus eine fiktive Lohnsumme von 63 Milliarden Euro. Daraus stünden dem Staat 40 Prozent Sozialabgaben (AG+AN-Anteil) und 20 Prozent Lohnsteuer, insgesamt also 37,8 Milliarden zu.


     
    Ende PaD 6 /2012 Schwarzarbeit! Helau!
     
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