Paukenschlag
am Donnerstag
No. 51 /2013
vom 12. Dezember 2013


Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Druckversion: Sigbert Döring
Die Weihnachtsjahresend-Geschichte

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Die Weihnachtsjahresend-
Geschichte
Gedanken zum Jahreswechsel 2013 -2014
 

Vorab:

Die kommenden Tage

Es kommen immer irgendwelche Tage. Noch zwei Wochen, und die Bescherung steht unmittelbar bevor. Noch drei Wochen, und der Nachname der Tage heißt 2014. Noch vier Tage - und wir wissen endlich, wie das Votum der SPD-Mitglieder ausgegangen ist, bzw., was bei der Auszählung herausgekommen ist.

Diese Tage meine ich allerdings gerade eben nicht.

Ich meine die Tage vom 12. bis zum 16. Dezember, vom Donnerstag dieser Woche bis zum Montag nächster Woche. In diesen fünf Tagen wird es von mir im Internet keinen Update geben, kein Wort, kein Pieps, nur die Uhr (ganz oben auf meiner Startseite) wird jeweils exakt den Zeitpunkt anzeigen, zu dem Sie diese Seite aufgerufen haben.

Und weil das so sein wird, habe ich den "Paukenschlag am Donnerstag" für den 12. Dezember auch schon heute, am 10. Dezember veröffentlicht. Es ist der Paukenschlag, der alle Jahre als "Gedanken zum Jahreswechsel" erscheint und über den Tag hinaus seine Gültigkeit bewahren soll. Wie alle Jahre ist er ein bisschen verspielt, ein bisschen humorvoll und ein bisschen nachdenklich.

Ein Guckloch im dichtgewebten Vorhang der Festtagsfreuden, das einen Blick auf die wirre Zeit ermöglicht, in der wir leben, weil wir - alle miteinander - diese Zeit so gestalten. Die einen durch ihr Tun, die anderern durch ihr Unterlassen.

Geschichte - und diese Tage werden auch bald "Geschichte" sein - schreibt die Menschheit insgesamt. Historiker führen in die Irre, wenn sie alles, was geschehen ist, den Fürsten und Feldherren, den Königen und Präsidenten, den Pharaonen und Päpsten zuschreiben. Pyramiden und Kathedralen sind nicht die Werke einzelner, Siege und Niederlagen ebensowenig.

Auch Diktatoren und Gewaltherrscher sind machtlose Einzelmenschen, deren Möglichkeiten, Gewalt auszuüben, durch ihre körperlichen Kräfte begrenzt sind.

Es sei denn ...

Nachdenklich?

Ich würde mich freuen, wenn Sie sich beim Lesen dieser Zeilen gedacht haben: "Schade, dass da jetzt fünf Tage lang nichts Neues kommt", zeigen mir solche Gedanken doch, dass Sie meine Beiträge und diese Seite wertschätzen. Und wenn dann - als Unterstützung für meine Arbeit - auch noch Bestellungen beim EWK-Verlag eingehen, freue ich mich doppelt.

Die Sammelbände Paukenschläge 2003 - 2008 und Paukenschläge 2009 - 2011
eignen sich z.B. sehr gut auch als Weihnachtsgeschenk.


Die Jahresweihnachtsend-Geschichte
 
 
Der Glühwein sei von schlechter Qualität, misstönte es schon am Montag nach dem zweiten Advent aus Berlin, wo man sich des ausreichenden Alkoholgehaltes des Weihnachtsmarktpflichtgetränkes ebenso akribisch annimmt, wie man in München beim Oktoberfest den Grad der Maßkrugfüllung argwöhnisch überwacht.
 
Herrlich, in einem Land zu leben, in dem solche Themen noch für Aufregung sorgen. Herrlich, in einem Land zu leben, in dem es Glühwein und Bier in der Schlagzeilenhierarchie ganz nach oben schaffen.
 
So ungefähr muss es im vorrevolutionären Frankreich gewesen sein, als es - einer weit verbreiteten Überlieferung nach - hieß: "Wenn die Leute kein Brot bekommen, dann sollen sie halt Kuchen essen, statt sich zu beschweren."
 
 
In einer Welt der allseitigen und ununterbrochen nachhaltigen politischen Alternativlosigkeit sind es - bei vernünftiger Würdigung der Tatsachen - doch ausschließlich die bedauernswerten Herrschenden, die unter den Sachzwängen leiden, so dass sie Entscheidungen gar nicht mehr treffen, sondern nur noch vollziehen können, während das Volk allenthalben die freie Auswahl hat.
 
Während führende Spitzen
unter den spitzfindigsten Spitzenpolitikern händeringend wehklagen, sie hätten keine andere Wahl, als den Euro zu retten, weil ohne diesen alles noch viel schlimmer wäre als es sowieso schon ist, wobei sie gleichzeitig beteuern, wie gut und schön alles ist, vor allem Deutschland ginge es gut und Deutschland profitiere vom Euro,
 
kann das deutsche Volk
- ohne jede Rücksicht auf irgendwas - eben diese Politiker alle vier Jahre wählen, beziehungsweise im Amt bestätigen. Und immer nimmt es ein gutes Ende.
 
Wählst du CDU, wird Merkel Kanzler, wählst du CSU, wird Merkel Kanzler, wählst du SPD, wird Merkel Kanzler, wählst du FDP, wird Merkel Kanzler, wählst du die Grünen, wird Merkel Kanzler, wählst du die Linke, wird Merkel Kanzler, wählst du die Piraten, wird Merkel Kanzler, wählst du gar nicht, wird Merkel auch Kanzler.
 
Während sich Innen- und Außenminister
an den Abhöreinrichtungen unserer Freunde in aller Welt die per Bleeching vom Zahnarzt telegen weißgemachten Zähne ausbeißen und wehklagen, sie hätten nun einmal keine andere Wahl, als die transatlantischen Beziehungen durch ihre lautstarke Leisetreterei zu erhalten und zu festigen,
 
kann die deutsche Bevölkerung wählen.
Wählst du die Telekom, wirst du abgehört, wählst du Vodafon, wirst du abgehört, wählst du 1&1, wirst du abgehört, auch wenn du gar nicht wählst, wird dein Handy geortet und dein Gesicht videografiert und dein Auto im laufenden Verkehr auch.
 
So viel Wahlfreiheit hatten frühere Generationen nicht. Die hatten nur die Wahl, ihre Briefe entweder offen zu versenden, oder dick zu versiegeln, was jedoch auch niemanden am Mitlesen hinderte. Mit den erweiterten Wahlmöglichkeiten, die das Internet und die Smartphones bieten, hat sich dem Bürger ein breites Feld geöffnet, sich die Art und Weise, mit der er abgehört und überwacht wird, selbst zu wählen.
 
Wenn das kein Fortschritt ist, dann hat die Geschichte der Arche Noah - als ein frühes Musterbeispiel der Folgen der Alternativlosigkeit - auch keinen nachhaltigen Nutzen gebracht.
 
Gut, ich denke, ich muss erklären, was die Arche Noah war.
 
Die Ergebnisse der PISA-Studien belegen, wie wenig deutsche Schüler über Mathematik und Naturwissenschaften wissen, und wie erbärmlich ihre Kenntnisse im Lesen und Schreiben sind.
Stattdessen wissen viel zu viele, dass man den Deutschunterricht am besten mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche übersteht, dass Mathematik nichts für Menschen mit angeborener Dyskalkulie ist, und dass Legastheniker und Schüler mit einem Zahlenproblem gute Noten selbst in naturwissenschaftlichen Fächern leichter erreichen können, wenn ein ärztliche Attest bescheinigt, dass ihr Handycap aktenkundig vermerkt und bei der Notengebung berücksichtigt werden muss.
 
Unter diesen Voraussetzungen ist es nur verständlich, dass selbst Kommunionskinder und Konfirmanden dem Religionsunterricht nur lückenhaft folgen können, was die nachstehende knappe Erklärung erforderlich macht:
 
Die Arche Noah - in finsterer Frühzeit - die war so etwas …, ja, - so etwas wie die Elbphilharmonie in Hamburg. Ein riesiger Kasten, nach göttlichen Anweisungen von einem in den erforderlichen Gewerken vollkommen unerfahrenen, jedoch unübertroffen gottesfürchtigen Menschen aufs trockene Land gestellt, eine sehr, sehr dauerhafte Baustelle, bei der sich zu allem Überdruss auch noch herausstellte, dass kaum Platz drin war, so dass Noah, ihr Erbauer, am Ende von jeder Tierart (Fische, Krebse und Schalentiere ausgenommen), derer er habhaft werden konnte, nur je ein Pärchen drin unterbringen konnte.
 
Als Gott dann die Flut schickte, stellte sich heraus, dass die ganze Philharchonie ins Schwimmen geriet, und am Ende ganz woanders, nämlich an einem - als Unterwasserriff getarnten - Berggipfel hängen geblieben ist.
 
Da hatten dann die zwei Giraffen keine andere Wahl, wie auch die beiden Löwen und die beiden Schafe keine andere Wahl hatten, und die beiden Tauben sowieso nicht (eine ist übrigens zu früh verschwunden), als sich gegenseitig zum Partner zu wählen und schnellstmöglich Nachwuchs zu zeugen.
 
Die Schafe mussten sich besonders eilen, weil sonst die Löwen verhungert wären. Das aber nur ganz am Rande.
 
Darauf wollte ich hinaus. Die ganze Arche, vollgestopft mit Leben, und doch hatte letztlich keiner eine Wahl.
 
Noah musste sich treiben lassen, und hielt das seinerzeit sicherlich auch für ganz und gar alternativlos. Die mitgeführten Tiere mussten sich während der Irrfahrt zwangsläufig voneinander und von den mitgeführten, eigentlich zur Rettung vorgesehenen Pflanzen ernähren, was wohl ebenso alternativlos war - und wenn man genau hinschaut, stellt man fest, dass sich der ganze Aufwand nicht gelohnt hat.
 
An der Beschaffenheit der Menschheit hat sich trotz der großen Flut nichts geändert, und wenn Noah für die Baufinanzierung einen Kredit hätte beantragen müssen, kein Banker hätte ihm das Geld dafür gegeben, weil die Allocationskraft des Zinses eine einträglichere Verwendung vorgezogen hätte, statt ein derart aussichtsloses Unterfangen zu unterstützen.
 
Auch daran hat sich bis heute nichts geändert. Was sich nicht rentiert, wird auch nicht finanziert.
 
 
Wäre unsere Zeit nicht so schnelllebig, würde ich jetzt noch einen Vergleich mit der großen Flut anbringen, mit welcher der Jahrhundert-Orkan Xaver versuchte, Hamburg, samt der Baustelle der Elbphilharmonie in ein modernes Atlantis zu verwandeln, oder doch zumindest in ein Bermuda-Dreieck.
 
Doch wer wird sich nach dem Weihnachtsfest 2013 schon noch an Xaver erinnern, wo wir doch, dank der unermüdlichen Arbeit unserer Medien, fast jede Woche die Wahl zwischen den unterschiedlichsten Wetterkatastrophen haben, denen wir unsere stets frisch erneuerte und schnell dahinwelkende Aufmerksamkeit zuwenden können.
 
Da ist Xaver nun doch - obwohl es nur regnete - der Schnee von gestern.
 
 
Kehren wir zurück zu den bedauernswerten Geschöpfen, die wir durch unsere Wahlentscheidungen immer wieder dazu zwingen, sich in alternativlosen Zwängen so zu bewegen, wie es die alternativlosen Zwänge erzwingen.
 
Ja! Wir sind es doch, die Angela Merkel, Wolfgang Schäuble - und wie sie alle heißen, dazu zwingen, genau das zu tun, was sie tun.

Würde nicht Angela Merkel
viel lieber am warmen Kachelofen sitzen und nach allen Regeln der Physik warme Wintersocken stricken, als sich von Sitzung zu Sitzung, von Hubschrauber zu Hubschrauber, von Jet zu Jet zu schleppen, weil schließlich einer das tun muss, was getan werden muss?
 
Würde nicht Wolfgang Schäuble
viel lieber irgendwo am Wolfgangsee verträumt nach weißen Rösseln Ausschau halten und dabei Sudoku-Rätsel lösen, als sich ständig auf der alternativlosen Ideallinie zwischen Skylla und Charybdis, Barroso und Draghi, vor- und abwärts schubsen zu lassen, bis der letzte Euro der deutschen Steuereinnahmen der nächsten fünfzig Jahre verpfändet ist?
 
Wir hingegen
haben immer und in jeder Beziehung die freie Wahl.

Kaum ist die neue Satellitenschüssel mit dem neuen Flachbildschirm an der Wand verbunden und der Sendersuchlauf abgeschlossen, können wir zwischen rund 100 frei empfangbaren gebührenpflichtigen und 1000 zusätzlich kostenpflichtigen Fernsehsendern wählen.
 
Wer sich für die öffentlich-rechtlichen,
geührenpflichtigen Sender entscheidet, wird gebührenpflichtig mit Informationen zu allen rezeptfrei erhältlichen Artikeln zur Erhaltung der Lebensqualität in geriatrischen Anstalten versorgt,
 
  • von Arzneikürbisextrakten zur Vermeidung des nächtlichen Harndrangs
  • bis zu Inkontinenzwindeln für den Fall, dass auch der Arzneikürbis versagt,
  • von Super-Anti-Aging-Hyper-Extra-Feuchtigkeits-Cremes für Gesicht und andere Körperteile der Frau
  • bis zum Kaffee-Extrakt für die kahlen Stellen im schütteren Haupthaar des Mannes,
 
und bekommt gratis zu den gewohnten Zeiten noch die besten aller Nachrichten und vor allem die besten aller Wetterberichte von den besten Meteorologen der Nach-Kachelmann-Ära, deren Mut noch nicht gebrochen ist, die in Größtrechnern erzeugten Simulationsergebnisse überzüchteter Prognoseprogramme vor wunderschönen Kulissen, mit ihrem Lächeln garniert, den Kameras und Mikrofonen anzuvertrauen, die stets bereitstehen, alles aufzunehmen, was für sende- und quotentauglich gehalten wird.
 
Wer sich für die frei empfangbaren,
ebenfalls gebührenpflichtigen, jedoch fast ganz und gar werbefinanzierten Sender entscheidet, bekommt die Wahl, sich für fast alles zu begeistern, was mit Geld zu kaufen ist und darf dafür auf störende Nachrichten fast vollständig verzichten.
 
Wer sich für echtes PayTV entscheidet, bekommt alles, was er sich wünscht, sofern er pünktlich bezahlt und sofern es im Angebot enthalten ist.
 
 
Inzwischen kann man sogar wählen,
ob man alleine wohnt oder zu zweit, ob in der Großfamilie oder in einer WG, solange sich alles hinter einer einzigen Wohnungstüre abspielt, wird auch nur eine einzige GEZ-Gebühr fällig - und das völlig unabhängig davon, ob man sich nun dafür entschieden hat, Rundfunk- und Fernsehgeräte zum Empfang bereitzuhalten, oder nicht.
 
Diese Wahlfreiheit ist uns in einer der letzten Legislaturperioden beschert worden, was wohl auch ein gewichtiger - wenn nicht der ausschlaggebende - Grund dafür gewesen sein mag, dass wir uns bei der letzten Casting-Show namens Wahlkampf, obwohl arm an echten Höhepunkten (es musste diesmal nicht einmal jemand eine Kröte schlucken, um seine Qualitäten zu beweisen) mehrheitlich wieder für die wohlbekannte und gewohnte Starbesetzung im Bundestag entschieden haben.
 
Gut, ein paar alte Gesichter aus der Zeit des "Quittengelben Spielmobils" von Guido Westerwelle wurden für diese Staffel ausgeschlossen, doch ich bin mir sicher, sie werden wiederkommen und einen neuen furiosen Auftritt hinlegen, mit ihren pickenden Möwen und dankbar nickenden Hoteliers im Gefolge.
 
 
Stattdessen sind nun Jung-Sigmar und Jungmutter Nahles zu Hauptdarstellern gekürt worden,
weil es ja immer so prickelnd schön und aufregend ist - erinnern wir uns nur an das knuddelsüße Eisbärbaby Knut - einen Frischling bei seinen ersten tapsigen Schritten in einer für ihn neuen Welt zu beobachten.
 
Schade nur, dass die Kinder heutzutage so schnell so frühreif werden. Kaum hat man sie liebgewonnen, schon werden sie groß und frech und wollen alles besser wissen.
 
Die großen, staatstragenden Parteien haben daher für ihre halbwüchsigen Politpubertierenden eigene Gehege eingerichtet, in denen sich Jusos und JU'ler, JuLis und JuPis, und wie sie alle heißen, solange ergebnislos mit den politischen Gegnern im eigenen und in fremden Lagern in der Kunst der verbalen Attacke üben dürfen, bis der schärfste Wadelbeißer herausgefunden ist, was ihn prädestiniert, fortan im Amt des Generalsekretärs zu wirken, bis ihm ein hungriger Nachrücker den letzten noch vorhandenen Zahn zieht und ihn damit beerbt.
 
Wir dürfen derweil
- sicher hinter den Absperrungen - unseren Blick ins Freigehege werfen und stehen schon wieder vor der Qual der Wahl, welchen der Jungfüchse wir mit unserer nächsten Wahlentscheidungen endgültig zum Sprung in die Alternativlosigkeit zwingen wollen.
 
 
Ach!
 
Kennen Sie Goethes Faust - der Tragödie ersten Theil?
Kennen Sie jenen, das ganze Stück tragenden Wehlaut "ach!"?
 
 
Wie hat Johann Wolfgang doch mit sich gerungen, um die Qual der Wahl, die seinen Protagonisten, den alten, schon leicht angesäuerten Privatgelehrten Faust, immer wieder belastete, wieder und wieder mit diesem "Ach!" zum Ausdruck zu bringen!
 
Am brillantesten da, wo er seufzt: "Habe nun, ach! …"
 
Um schlussendlich zu bekennen, es sei ihm von alledem so dumm, als ginge ihm ein Mühlrad im Kopfe herum.
 
 
Ach!
 
Mephisto.
Der wusste, was er wollte. Seine Rolle - so verführerisch tänzelnd sie auch mit unserem armen Dr. Faust spielt - ist und war von vornherein alternativlos.
 
Das Böse ist immer alternativlos.
 
Das Böse will - im Drama - die Seele, im richtigen Leben unser Geld und unseren materiellen Besitz, unser Wissen und unsere Fähigkeiten.
 
Die Guten sehen immer tausende Möglichkeiten, Bestehendes besser zu machen, doch fehlen ihnen meist die Wege und Mittel.
 
"Man müsste, man sollte, man könnte doch …"
"Wäre es nicht gut, wäre es nicht besser wenn …"
 
Und dann kommt das
"Ach!"
 
 
Von Platon stammt der auch heute noch unverändert bemerkenswerten Satz:
 
"Der Tugendhafte begnügt sich, von dem zu träumen,
was der Böse im Leben verwirklicht."
 
Natürlich kann daraus nicht im Umkehrschluss gefolgert werden, jeder, der im Leben etwas verwirklicht, sei böse, ebensowenig, wie jeder der sein Leben verträumt, alleine deshalb zu den Guten gezählt werden darf. Ach! Nein!
 
 
Doch wenn es darauf ankommt, eine Gelegenheit zu ergreifen, die sich bietet, wird der Böse nicht zögern, dabei anderen zu schaden, er wird an sich reißen, was er nur bekommen kann, während der Tugendhafte - mit seinen Skrupeln konfrontiert - lieber tausend Gelegenheiten ungenutzt verstreichen lässt, als sich einmal gegen Moral und Gesetz zu vergehen.
 
Für den Tugendhaften ist nichts alternativlos,
was anderen schaden würde.
Er findet eine Möglichkeit, das zu vermeiden,
und sei es der eigene Verzicht.

Für den Bösen ist stets das alternativlos, was ihm gerade den größtmöglichen Vorteil verschafft. Alles andere kommt gar nicht erst in Frage.
 
So ist auch das Denken des Bösen einfacher und schneller, weil vollkommen unbelastet von Gedanken an andere und deren Wohl.
Es ist zielgerichtet und präzise auf die ins Auge gefasste Beute gerichtet.
Kein Skrupel, kein Mitgefühl stören seine Pläne und sein Handeln.
 
Und so fällt ihm der Erfolg nur so zu - und wir stehen daneben und fragen uns, wie ist das möglich? Wie kann ein Mensch nur so sein? So egoistisch, so verlogen, so falsch, so gemein, so hinterhältig?
 
"Homo homini lupus" - "Der Mensch ist des Menschen Wolf",
wussten schon die alten Römer und ließen nach erfolgreicher Christianisierung das Gleichnis vom guten Hirten und seinen Schafen in die Köpfe hämmern.
 
Seitdem gilt: "Der Hirte ist der Schafe Wolf".
 
Weil sich die Schafe so leicht domestizieren ließen, konnte auch der Wolf in eine gemütlichere Gangart schalten. Er muss heutzutage nicht mehr nachstellen, lauern, jagen und schlagen. Er braucht nur noch hüten, scheren und schlachten.
 
Das ist für jeden Schäfer der vollkommen alternativlose Umgang mit den Schafen.
 
Als die französischen Schafe eines Tages räsonierten, weil es nämlich nicht nur kein Brot, sondern auch keinen Kuchen für sie gab, und sie daraufhin ihren Schäfer im Zorn niedertrampelten, sogar den Schäferhund unter die Guillotine brachten, erhielten sie das Recht, fortan ihren Schäfer selbst zu wählen. Unter zweien, manchmal auch nur unter einem, der gerade zur Wahl stand.

Und weil das ein so schönes Beispiel war, verbreitete es sich nach und nach über fast die ganze Welt.
 
Wir nennen das Demokratie
und während wir uns darüber ärgern, dass der Wahlzettel so groß ist, weil es schon viel zu viele Parteien gibt, die um unsere Stimmen buhlen, sehen wir, wie die Oberhirten mit Feuer und Schwert durch die Welt ziehen, um auch jene Schafe mit Demokratie zu "be**scheren", die immer noch lieber mit einer echten Chance auf den Erfolg vor echten Wölfen flüchten, als sich von degenerierten Hütewölfen domestizieren und hoffnungslos in die Enge treiben zu lassen.
 
 
Leider wissen die meisten in diesen Herden nicht, dass es nicht primär darum geht, ihnen Demokratie zu bringen, schon gar nicht, welche Qualität die Demokratieverkäufer im Angebot haben und was für jeden Doppelzentner jener Demokratie am Ende in Rechnung gestellt werden wird.
 
Dabei geht es doch in erster Linie nur darum, die umworbenen Schafe mit möglichst geringen Verlusten in die eigene Herde einreihen zu können.
 
Je größer so eine Herde, desto einfacher ist es, an ein Osterlamm zu kommen, desto dicker kann der Wollpullover gestrickt werden und umso mehr Gäste werden satt, wenn wieder mal der Tag gekommen ist, an dem den Hammeln das Fell über die Ohren gezogen wird.
 
Sir Winston Churchill,
wohl einer der bekanntesten britischen Politiker, sagte über die Demokratie:
 
"Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen - abgesehen von all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind."
 
Nimmt man diesen Satz ernst - darf man auch einen anderen Satz Churchills nicht außer Acht lassen:
 
"Was wir wollen, ist, dass die deutsche Wirtschaft vollkommen zusammengeschlagen wird."
 
Das war - 1938, also noch vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs - seine Antwort auf einen Vermittlungsversuch des ehemaligen Reichskanzlers (1930 - 1932) Heinrich Brüning, der 1934 über die Niederlande in die USA emigriert war. (Nachzulesen in: Heinrich Brüning: Briefe und Gespräche 1934-1945, München 1974, S. 207)
 
Wen Churchill mit "wir" gemeint haben könnte, ist unschwer zu erraten.
 
Das war nicht "seine Herde", die er später mit der ebenfalls berühmten "Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede" für den Krieg motivierte.
 
Sein "Wir", das waren die damals mächtigen und herrschenden Kreise in Großbritannien.
 
Auch die Politiker, die heute für die ihnen anlastbaren Miss-Geschicke der Welt mit dem billigen Angebot des Rücktritts Verantwortung zu übernehmen pflegen, führen die Worte "wir" und "uns" und "unser" und "Deutschland" und "Europa" und "die Weltgemeinschaft" oft und trügerisch im Munde. Nur ihre Taten erweisen, was und wen sie damit meinten.
 
Ja, Churchill hätte wohl gerne eine andere Form der Herrschaftsauswahl gehabt, als die demokratischer Wahlen, doch die Demokratie ist halt immer noch am besten geeignet, die Bevölkerung beim Scheren ruhig zu halten.
 
 
Von daher ist es beinahe zu begrüßen,
dass die Demokratie in Europa - dank des so genannten europäischen Einigungsprozesses - immer weiter eingeschmolzen wird und in weiten Teilen gerade noch als symbolischer Akt, als Ritual mit quasi religiösem Charakter veranstaltet wird. Weil wir eben dran glauben müssen …
 
 
Die Befreiung der Herren des alternativlosen Sachzwangs von der Peinlichkeit, sich vom Pöbel wählen lassen zu müssen, hat mit einem impotenten Europaparlament und der Selbstherrlichkeit der Kommissare, mit der inzwischen von keinem Wahlbürger mehr zu kontrollierenden EZB und dem jeder Kontrolle entzogenen ESM große Fortschritte gemacht.
 
Mit dem Aufbau spezieller Truppen zur Aufstandsbekämpfung im Inneren, wird zugleich das Gewaltmonopol der Mitgliedsstaaten, das immer noch demokratisch legitimiert ist, mehr und ausgehebelt, um stattdessen ein eigenes, in keiner Weise legitimiertes kommissionseuropäisches Gewaltpotential zu schaffen.
 
 
Dies führt allerdings zwangsläufig auch dazu, dass sich mit der Abwendung der Herrschenden von der Bevölkerung nicht nur die gedankliche und emotionale Distanz zwischen Herrschenden und Bevölkerung vergrößert, sondern im gleichen Maße auch die Beherrschten auf immer größere Distanz zu den Herrschenden gehen, was deren Machtposition - wenn auch an der Oberfläche noch kaum sichtbar - längst unterspült und aufweicht.
 
 
Die Folge:
 
Europa ist Krisenherd.
 
Die erzwungene gemeinsame Währung
zerstört den mühsam aufgebauten friedlichen Handel in Europa und facht das Feuer vergessen geglaubter Animositäten unter den Mitgliedsstaaten neu an.
 
Die gemeinsame Politik der Kommission,
die von den Parlamenten der Nationalstaaten nur noch abgenickt, aber nicht mehr gestaltet werden kann,
 
die gemeinsame Gerichtsbarkeit eines EuGH,
der nationalstaatliche Gesetze und sogar Verfassungsrecht aushebelt, sowie
 
das gemeinsame Streben einer selbstherrlichen Elite,
Europa auf dem Rücken seiner Bevölkerung zum wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt zu machen,
 
haben die einst tragenden Strukturen Europas soweit geschwächt, dass ihr finales Nachgeben nur noch eine Frage der Zeit scheint.
 
 
Der Weg in die Krise ist uns als alternativlos verkauft worden.
 
Doch wo sind wir angekommen, und wohin lassen wir uns weiter treiben?
 
Wer heute versucht, die Unterschiede zwischen Europa und Nordkorea
klar herauszuarbeiten, wird durchaus feststellen, dass es die noch gibt.
Die Tendenz, diese Unterschiede abzuschleifen, ist gleichwohl unverkennbar.
 
Vor allem in den heute hauptbetroffenen Krisenländern Griechenland und Spanien, die uns auf dem gemeinsamen europäischen Weg nur wenige Schritte vorangehen.
 
Und das liegt nicht an reformerischen Anstrengungen im Reiche Kim Jong Uns.
 
 
Womöglich ist das nun doch keine Weihnachtsjahresendgeschichte geworden,
sondern nur eine Endgeschichte.
 
Sorgen wir dafür, dass es keine unendliche Geschichte wird - und wenn, dann eine, die so ausgeht, wie die von Michael Ende.
 
Ende.

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 




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Kommentare zu diesem Paukenschlag
Lieber Herr Kreutzer,
als sich Leute wegen einer Lappalie beim Datenschutz aufregten, kommentierte ich: "Ist das alles?
Finanz- und Großunternehmen handeln auffällig häufig weitgehend nach dem Muster organisierter Kriminalität. Die politisch dagegen etwas unternehmen könnten und sollten, bleiben weitestgehend untätig.
Dagegen ist dieser ganzen Daten-"Skandal" doch ein Fliegenschiss.
Und die größten politischen Gauner haben sich auch noch eine supranationale Institution geschaffen, die alles geheim halten und rechtlich in keiner Weise belangt werden kann (ESM, Gouverneursrat), jedoch völlig undemokratisch und ohne Kontrollen mit fast grenzenloser Macht ausgestattet ist.
Und da echauffiert Ihr Euch über solche Peanuts?"
 
So ist es nun mal: Der Michel trägt nicht nur eine seltsame Mütze, sondern auch eine eigenartige Brille.
 
Schönes Fest und guten Rutsch!
Ihr
Manfred L. Schuermann

Herzlichen Dank für diese besinnliche und zugleich aufrüttelnde Weihnachtsjahresendgeschichte! Möge sie sich in Windeseile über das Netz verbreiten!

Mit lieben Grüßen
Günther Hoppenberger

gE
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