Paukenschlag
am Donnerstag
No. 43 /2013
vom 17. Oktober 2013


Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Die kurze "Lange Bank" der USA

Und der Zins fehlt doch!

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Die kurze
"Lange Bank" der USA
 
…und der Zins fehlt doch!
 
Nach gewaltigem Theaterdonner ist gestern gelungen, was - nach allen bisherigen Erfahrungen mit amerikanischen Haushaltsstreitigkeiten - gelingen musste.
 
Die USA können wieder Geld ausgeben. Zwar sind die Republikaner aus dieser Schlacht weniger gut herausgekommen, als ich anfangs angenommen hatte, doch sie werden ihr Nachgeben schon noch in einen Akt verantwortungsvoller Staatsbürger umdeuten.
 
Gewonnen ist nichts.
Nur ein paar Wochen Zeit.
 
Doch schon während dieser paar Wochen wird die Staatsverschuldung weiter ansteigen, wird die FeD nicht aufhören, die Symptome des Patienten USA mit 85 Milliarden-Frischgeld-Spritzen zu kaschieren, was die chronische Krankheit allerdings nicht heilt, sondern nur noch weiter intensiviert.
 
Diese Krankheit ist der Kapitalismus selbst - und das zehrende Gift des Kapitalismus ist der Zins in allen seinen Erscheinungsformen.
 
 
Dennoch werden jene Menschen, die im Bemühen stehen, die Neutralität des Zinses, also seine "Unschuld" zu beweisen, offenbar nicht weniger, sondern mehr.
 
Der Nachweis, dass das Geld für den Zins keinen zusätzlichen Kredit erforderlich macht, wird dabei mit allerlei Beispielrechnungen immer wieder aufs Neue geführt, und wer sich nicht intensiv mit der Thematik befasst hat, übersieht dabei leicht die Fehler und Lücken dieser Argumentationen.
 
Letzte Woche erreichte mich (wieder einmal) die E-Mail eines Lesers, der sich in den Argumentationen dieser Zinsbeschöniger verheddert hatte und von alleine nicht mehr herausfand. Ich habe ihm zunächst nur kurz und pauschal geantwortet - und versprochen, die Thematik, obwohl sie mir längst weit zum Hals heraushängt, noch einmal in Form eines Paukenschlages zu behandeln.
 
 
Was ist der Zins?
 
Der Zins taucht in zwei sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen auf:
 
  • als eine Gebühr für die Nutzung von Eigentumsrechten, und
  • als eine Prämie für die Stilllegung von Liquidität.
 
Die Formel:
 
Zins = Gebühr für die Nutzung von Eigentumsrechten
 
ist noch nicht im allgemeinen Verständnis angekommen. Wir verwenden für die Bezeichnung von "Zinsen" sehr unterschiedliche Begriffe, die zwar einerseits die unterschiedlichen Formen der Eigentumsrechte zum Ausdruck bringen, andererseits aber die gemeinsame Basis verschleiern, nämlich das nicht aus Leistung sondern ausschließlich aus Eigentumsrechten generierte Einkommen.
 
Der Begriff "Zins" steht im allgemeinen Sprachgebrauch für die Gebühr, die fällig wird, wenn die Nutzung des Eigentumsrechts an Geld übertragen wird, wenn also ein Gläubiger einem Schuldner Liquidität verschafft und sein Geld-Eigentum damit in das Eigentum an einer Forderung gegenüber dem Schuldner umwandelt.
 
Wir kennen den Begriff "Zins" auch noch aus den nicht mehr sehr häufig verwendeten Begriffen "Mietzins" oder "Pachtzins". Beim Leasingvertrag versteckt sich der Zins, zusammen mit anderen Kostenbestandteilen, hinter dem Begriff "Gebühr" oder "Rate". Bei der Nutzung von Patenten wird die Gebühr für die Nutzung des "geistigen Eigentums" üblicherweise als Lizenzgebühr bezeichnet, während den Urhebern von Texten oder musikalischen Kompositionen für die Überlassung der Nutzungsrechte "Honorare" gezahlt werden.
 
Nicht zuletzt erhalten Geldgeber, die einem Unternehmen die Nutzung ihres Kapitals ermöglichen, indem sie Anteile erwerben, statt einer festgelegten Verzinsung Gewinnanteile oder so genannte "Dividenden".
 
 
Der Zins als Gebühr für die Nutzung von Eigentumsrechten und der Zins als Prämie für die Stilllegung von Liquidität haben bei Kreditgewährungen unter Nichtbanken einen sehr direkten Zusammenhang. Hier zahlt der Schuldner seinem Gläubiger den Zins für ein Darlehen, das aus dem (Geld-) Eigentum des Gläubigers stammt.
Der Gläubiger tauscht einen eigenen Geldbetrag gegen eine Forderung an seinen Schuldner ein. Sein Vermögen ändert sich dadurch nicht, allerdings hat er weniger Liquidität zur Verfügung. Der Zinsaufwand des einen ist dabei zugleich der Zinsertrag des anderen, was üblicherweise als Prämie für seinen Verzicht auf Liquidität angesehen wird. Diese Argumentation dreht zwar ab einer gewissen Größenordnung der Vermögensverhältnisse vollkommen ins Absurde, weil es keine andere Verwendungsmöglichkeit für die Liquidität mehr gibt, als die verzinsliche Anlage, doch darum soll es heute nicht gehen.
 
Etwas anders verhält es sich, wenn der Gläubiger eine Bank ist. Dann stammt das Darlehen nämlich nicht aus der vorhandenen Liquidität der Bank. Sie vollzieht für den (für jeden) Kredit eine Geldschöpfung aus dem Nichts und erhöht damit die umlaufende Liquidität. Auch das Vermögen der Bank ändert sich dabei nicht. Dem aus dem Kredit stammenden Guthaben des Schuldners steht nämlich die gleich hohe Forderung der Bank an ihren Schuldner gegenüber. Beides saldiert sich zu Null. Die Bank riskiert allerdings, genau wie der private Gläubiger, einen Vermögensschaden für den Fall, dass der Kredit nicht oder nicht vollständig getilgt wird.
Der Zinsaufwand des Schuldners ist in dieser Konstellation der Zinsertrag der Bank, der aber nun überhaupt nicht mehr als Verzicht auf Liquidität angesehen werden darf, weil die Bank durch die Kreditvergabe nicht auf Liquidität verzichten braucht.
 
So weit, so einfach.
 
 
Fehlt noch jener Zins, den der private Anleger von der Bank für sein dort geparktes Guthaben erhält.

Mit der Geldanlage bei einer Bank wird Liquidität zunächst einmal stillgelegt. Der Zins, der dafür gezahlt wird, kann aus Kundensicht natürlich ebenfalls - und zumeist fragwürdig - als Prämie für Liquiditätsverzicht angesehen werden, aus Sicht der Bank hat er zweierlei Funktionen:
 
a) Durch die Stilllegung von Liquidität wird das Kreditgeschäft des Bankensystems insgesamt direkt - und das Kreditgeschäft der Anlagebank zumindest indirekt gefördert. Das heißt, Anlegergeld erzwingt die Aufnahme neuer Kredite, wenn die Gesamtliquidität erhalten werden soll.

b) Das bei der Bank angelegte Geld kann von dieser nach Belieben für das eigene Finanzgeschäft eingesetzt werden, zu einem geringen Teil werden damit die Mindestreserven bei der Zentralbank dotiert, zum größten Teil ermöglichen diese Gelder den Banken eigene, spekulative Geschäfte an den Devisen- und Warenterminmärkten, sowie im Wertpapier- und Derivatehandel.
 
Der Zins, den die Bank dem Anleger zahlt, zählt also ganz überwiegend zu den Kosten des Investmentbankings. Mit dem Zins, den die Schuldner an die Bank entrichten, hat er faktisch nichts zu tun.
 
 
Wie wirkt der Zins?
 
Die Auswirkungen des Zinses werden zumeist an zwei Kriterien beobachtet:
 
  • in seiner Wirkung auf das Wirtschaftswachstum, und
  • in seiner Wirkung auf die Inflation.
 
Dabei sollen - bei ansonsten unveränderten gesamtwirtschaftlichen Faktoren - sinkende Zinsen das Wachstum positiv beeinflussen und die Inflation in die Höhe treiben, während steigende Zinsen das Wachstum bremsen und die Inflation eindämmen.
Diese Erfahrungswerte, die allerdings eher "Erwartungshaltungen" als sichere Funktionen des Zinses sind, sind zurückzuführen auf die eigentliche Wirkung des Zinses, die darin besteht, die Liquidität zu verändern.
 
Dabei ist zu unterscheiden zwischen einer primären und einer sekundären Wirkung des Zinses auf die verfügbare Liquidität.
 
Die primäre Liquiditätswirkung beruht auf der Erwartung, sinkende Zinsen würden die Kreditnachfrage erhöhen, weil sinkende Zinsen die Rendite von Investitionen erhöhen und Konsumkredite leichter bedienbar erscheinen lassen - was bei steigenden Zinsen umgekehrt erwartet wird.
 
Die sekundäre Liquiditätswirkung des Zinses beruht darauf, dass nicht nur die aus den Krediten fällig werdenden Tilgungsleistungen, sondern auch die Zinszahlungen nur über Neuverschuldung aufgebracht werden können. Gelingt dies, bleibt die in der Volkswirtschaft vorhandene Liquidität erhalten, gelingt es nicht, sinkt die Liquidität und die Volkswirtschaft gleitet in eine Depression.
 
Genau diese sekundäre Liquiditätswirkung ist es, die von den Zinsbeschönigern vehement bestritten wird.
 
Die sekundäre Liquiditätswirkung des Zinses
 
Die sekundäre Liquiditätswirkung des Zinses ist mit rein finanzmathematischen Modellen nicht beschreibbar, es braucht dazu Elemente der Spieltheorie, weil sehr unterschiedliche Gruppen von Individuen sehr unterschiedliche Strategien entwickeln, um die sekundäre Liquiditätswirkung des Zinses abzufangen oder sich positiv nutzbar zu machen.
 
Grob vereinfacht lassen sich diese unterschiedlichen Mitspieler zu fünf ähnlich und jeweils in die gleiche Richtung wirkenden Charakteren zusammenfassen:
 
1. Der Staat
2. Die Unternehmen der Realwirtschaft
3. Die Unternehmen der Finanzwirtschaft
4. Die privaten Haushalte mit Netto-Zinseinkommen
5. Die privaten Haushalte mit Netto-Zinslasten
 
Diese Charaktere verfolgen - jeweils summarisch für die von ihnen vertretenen einzelnen Wirtschaftssubjekte betrachtet - folgende Kern-Strategien:
 
Der Staat
 
Der Staat versucht seine gesetzlichen Aufgaben und die Steuereinnahmen in Übereinstimmung zu bringen.
Die aus den Staatsschulden resultierenden Zinslasten schmälern das staatliche Leistungsvermögen und schwächen damit das BIP. Zum Ausgleich stellt sich die Frage: Steuererhöhungen oder Neuverschuldung?
 
Steuererhöhungen, die sich vor allem in Lohnsteuer und Konsumsteuern auswirken, schmälern den privaten Konsum und schwächen damit ebenfalls das BIP, Steuererhöhungen, die sich auf hohe Einkommen und Vermögen auswirken, wirken sich kaum auf das BIP aus, stoßen jedoch auf hohen Widerstand der privaten Haushalte mit Netto-Zinseinkommen.
Die Regierung wird also in aller Regel bei Liquiditätsmangel zum Mittel der Neuverschuldung greifen und nur bei massiven Liquiditätsüberschüssen darauf verzichten oder gar Netto-Tilgungsleistungen erbringen. Der Weg über die Netto-Neuverschuldung erhöht die Zinsbelastung im Staatshaushalt Jahr für Jahr.
 
Die Unternehmen der Realwirtschaft
 
Die Unternehmen der Realwirtschaft versuchen ihre Rendite zu optimieren. Vorausgesetzt, die erforderliche Nachfrage erscheint erreichbar, werden sie Teile des betriebsnotwendigen Kapitals durch Kreditaufnahme bereitstellen.
Zinsaufwände werden in den Preisen weitergegeben. Je höher der Zinsaufwand, desto höher die Notwendigkeit, andere Kostenfaktoren zu minimieren.
 
Die in den Preisen letztlich an die Konsumenten weitergereichten Zinslasten wirken doppelt negativ auf das BIP. Einerseits binden hohe Preise ein höheres Maß an Liquidität, andererseits reduzieren Kostensenkungen stets auch die Kaufkraft der Konsumenten und die Einnahmen des Staates.
 
Die Unternehmen der Finanzwirtschaft
 
Finanzwirtschaftliche Unternehmen versuchen ihre Rendite zu optimieren. Je schwieriger die Wirtschaftslage, desto geringer ist ihre Neigung, neue Kredite auszureichen, stattdessen wird "überflüssige" Liquidität in immer neue und immer spekulativere Finanzanlagen verschoben.

Je prosperierender die Volkswirtschaft, desto bereitwilliger wird zusätzliche Liquidität bereitgestellt. Der gewünschte jährliche Zinsertrag aus dem Kreditgeschäft wird - abhängig vom aktiven Kreditvolumen - über die Zinssätze der Neukredite realisiert.
 
Das Bestreben, möglichst viel Liquidität von Anlegern abzuziehen, bleibt dabei - unabhängig von der Wirtschaftslage - stets gleich intensiv.
 
Die privaten Haushalte mit Netto-Zinseinkommen
 
Netto-Zinsempfänger versuchen, ihre Kapitaleinkünfte zu optimieren. Das heißt, sie wechseln in Niedrigzinsperioden tendenziell in spekulative Anlageformen und suchen bei stagnierenden Wirtschaftsdaten eher wieder den sicheren Hafen der festverzinsten Geldanlage.
 
Die privaten Haushalte mit Netto-Zinslasten
 
versuchen, mit dem Einkommen auszukommen. Sie werden in Zeiten hoher Zinsbelastung den Konsum zurückfahren (müssen) - und in Zeiten billigen Geldes wieder ausgabefreudiger.
 
 
Wo bleibt der Zins?
 
Unterstellen wir genau das, was die Zinsbeschöniger nicht müde werden, zu wiederholen, dass nämlich der Zins nicht gehortet wird, sondern von den Zinsempfängern immer wieder so rechtzeitig als Konsum- oder Investitionsausgabe in den Markt kommt, dass der Zins aus der umlaufenden Liquidität aufgebracht werden kann, dann sollte sich theoretisch eine Situation einstellen können, bei der sich ein einmal erreichter Schuldenstand - bis auf kleine Schwankungen - vollständig stabilisieren müsste.
 
Alle Tilgungsleistungen würden dann durch Neuverschuldung in gleicher Höhe kompensiert, alle Zinszahlungen flössen den Schuldnern aus "Einkäufen" der Gläubiger wieder zu. Es wäre stets genug Liquidität im Umlauf, um alle Transaktionen zu ermöglichen, es gäbe auch keinen Wachstumszwang.
 
Wir wissen jedoch, dass die Gesamtverschuldung von Staat, Unternehmen und privaten Haushalten genauso stetig steigt, wie auch das (Geld-) Vermögen der privaten Haushalte stetig steigt.
 
Was, außer dem Zins, könnte dafür verantwortlich sein, dass das Geld-Vermögen der privaten Haushalte stetig steigt?
 
Da gibt es sehr viele Faktoren. Hohe Gehälter hoher Angestellter, Gewinne aus Unternehmen, die an die Eigentümer ausgeschüttet werden, Miet- und Pacht-Einnahmen, denen nur geringe Kosten gegenüberstehen, Erträge aus Lizenzgebühren und Urheberrechten, realisierte Gewinne aus Spekulationsgeschäften, und so weiter.
 
Ein Wachstum des Geldvermögens ist aber - ganz unabhängig von der Einkommensart - immer nur dann zu erwarten, wenn die Ausgaben kleiner bleiben als die Einnahmen, wenn also so genannte "Sparvorgänge" stattfinden.
 
Sparen ist also stets der Überschuss aus allen Einkommensarten (einschließlich Guthaben-Zinsen) über die Ausgaben.
 
Was, außer dem Zins, könnte dafür verantwortlich sein, dass die Gesamtverschuldung von Staat, Unternehmen und privaten Haushalten stetig steigt?
 
Auch hier gibt es die unterschiedlichsten Gründe. Die Vorfinanzierung privater Bauvorhaben zählt ebenso dazu, wie die Investition in neue Maschinen, der Ratenkredit für die Möbel, der Dispo-Kredit zur Bezahlung der Lebensmitteleinkäufe, die Kreditfinanzierung des Defizits im Staatshaushalt, und so weiter.
 
Ein Wachstum der Verschuldung ist aber - ganz unabhängig von der Zweckbestimmung der Kredite - nur dann zu erwarten, wenn die Einnahmen dauerhaft kleiner bleiben als die Ausgaben.
 
 
Die Aussagen zum Wachstum von Vermögen und Verschuldung gleichen sich, wenn auch mit unterschiedlichem Vorzeichen. Doch sie erklären so noch nicht die dahinter stehende Dynamik - und die lässt sich wiederum nur unter Berücksichtigung der Eigenschaften des Geldes beschreiben.
 
Hier noch einmal zur Erinnerung:
 
  • Geld entsteht durch einen einfachen Buchungsvorgang als Giralgeld.
  • Geld bleibt, so lange es nicht zur Tilgung eines Bankkredits verwendet wird, als Bargeld oder Giralgeld existent. Es steckt also entweder im Safe oder als Guthaben auf einem Girokonto. Wurde es von einem Sparer auf ein "Sparkonto" verlagert, existiert die ihm zugehörige Liquidität immer noch auf dem Zentralbankkonto der Bank.
  • Da alles Geld erst aus Bankkrediten entsteht, ist grundsätzlich alles Geld auch zinspflichtig, und zwar dem gegenüber, der den originären Kredit aufgenommen hat.
 
Die vorstehend angesprochene Dynamik sieht nun so aus, dass es einen im Kern stabilen, an seinen Rändern sich verändernden Kreis von privaten Haushalten gibt, deren Einkünfte ihre Ausgaben dauerhaft übersteigen.
 
Dieser "Kreis der Sparer" saugt durch seine Ersparnisbildung permanent Liquidität von allen anderen Wirtschaftssubjekten ab.
 
Einen Teil dieser Liquidität gibt er in den Wirtschaftskreislauf zurück, zum Teil für privaten Konsum, zum Teil für Investitionen in neue Real-Investitionen, der (große) Rest verbleibt in der Finanzsphäre und erhöht den nominalen Wert des Gesamtvermögens.
 
Diese "Finanzsphäre" ist nämlich bei genauerem Hinsehen nichts anderes als das in unterschiedlichsten Geld-Anlageformen "geparkte" und ständig "spekulativ umgeschichtete" Gesamtvermögen dieses "Kreises der Sparer" - ergänzt um die Anlagen jener Kleinanleger, die sich aus Aktien und Derivaten, aus Termingeschäften und Devisenspekulationen Gewinne - wie beim Glücksspiel - erhoffen, ohne selbst entscheidenden Einfluss auf das Geschehen ausüben können.
 
 
Wo nichts ist, kann nichts abgesaugt werden.
 
Mit dem Verbringen von Einkommensüberschüssen des Kreises der Sparer in die Finanzsphäre schrumpft im nahezu gleichen Maße die Liquidität der Realwirtschaft. Das heißt: In der Sphäre von Staat, privaten Haushalten und Unternehmen steht weniger Geld zur Verfügung, was zwangsläufig zu sinkender Wirtschaftsleistung, sinkenden Unternehmensgewinnen und sinkenden Arbeitseinkommen führt.
 
Eine Situation, die weder für den "Kreis der Sparer" noch für die übrigen Wirtschaftssubjekte von Interesse ist.
 
Also wird die Liquidität wieder aufgefüllt. Ein erheblicher Teil dieses Auffüllens war bis vor wenigen Jahren dadurch gesichert, dass der Staat sich - über Pfandbriefe - das Geld direkt aus der Finanzsphäre wieder in die Kasse holte (und zwar Tilgung + Zinslast). Ein Weg, der wenigen großen Unternehmen über eigene Schuldverschreibungen auch offen steht.
Kapitalgesellschaften bieten zudem immer wieder Junge Aktien an der Börse an oder verschaffen sich überhaupt erst durch den Börsengang die benötigte Liquidität.
Pfandbriefe und ähnliche festverzinsliche Papiere definieren einen klaren Zinsanspruch, Anteile an Unternehmen sollen - entsprechend der Geschäftslage - eine variable Verzinsung, die "Dividende" genannt wird, abwerfen. Der Nominalwert der Pfandbriefe muss am Ende der Laufzeit zurückgezahlt werden, der Erlös aus der Aktienemission steht dem emittierenden Unternehmen als Eigenkapital zur Verfügung, eine Tilgung findet nicht statt, allerdings endet das Recht des Kapitalgebers auf Beteiligung am Unternehmensgewinn auch erst mit dem Untergang der Gesellschaft.
 
Kleinere Unternehmen und die privaten Haushalte kompensieren in ihrer Gesamtheit ebenfalls einen Teil der abgesaugten Liquidität durch ihre Netto-Neuverschuldung bei Banken.
 
 
Die nächste Periode
 
Der Kreis der Sparer hat seine Ansprüche aus den Zinseinnahmen der erweiterten Gesamtverschuldung befriedigt. Erneut sind einerseits Vermögen gewachsen und andererseits Schuldenstände gestiegen. Um auch die nächste Periode mit Gewinn zu überstehen, ist erneut die Auffüllung der Liquidität erforderlich.
 
Die Zinsbeschöniger ziehen nun lächelnd auf die Bühne und wiederholen ihre ewig falsche Behauptung: Es ist nicht der Zins, der Zins ist unschädlich! Schuld ist die Hortung.
 
 
Hortung und Zins sind so eng miteinander verwoben, dass die Situation dem "Henne-und-Ei-Problem" sehr ähnlich scheint. Doch sie ist nur ähnlich.
 
Da, wo existentes Geldvermögen entstanden ist, wo also Hortung stattgefunden hat, kann, mit der Abtretung des Nutzungsrechts gegen Gebühr, Zins gefordert werden.
Übersteigt der Zinsertrag die Ausgaben, ermöglicht er weitere Hortung - und so weiter.
 
In diesem Fall ist die Frage, wer zuerst da war, kaum mehr lösbar.
 
 
Da, wo Geld aus dem Nichts, zusammen mit einer gleich hohen Schuld aus dem gleichen Nichts geschaffen wird, fällt die Antwort eindeutig aus:
 
Es sind die Zinserträge der Banken, die Horte speisen, die es vorher nicht gegeben haben muss, um diese Zinserträge generieren zu können.
 
Verwendet man den erweiterten Zinsbegriff, der alle "Gebühren für die Nutzung von Eigentumsrechten" umfasst, betrachtet man zum Beispiel die ursprünglichen Kaufpreise ererbter Immobilien und stellt die Einnahmen aus Mieten und Pachten gegenüber, sieht es vergleichbar aus. Aus einem eher geringen ursprünglichen Kapitalstock erwachsen Zinserträge, deren Jahressumme nicht selten die ehemalige Investitionssumme übersteigt. Auch hier speist sich der Hort aus den Zinsen, und nicht umgekehrt.
 
Betrachtet man zudem, mit welch geringen Summen Erfinder oft abgespeist werden, vor allem dann, wenn ihre Erfindung eine so genannte "Arbeitnehmererfindung" war, deren Nutzung per Gesetz dem Arbeitgeber zusteht, findet man auch hier eine Verzinsung vor, gegen die der ursprüngliche Einsatz verblasst.
 
An dieser Stelle sei der Hinweis erlaubt, dass eine Geldreform ohne eine Eigentumsreform zum Scheitern verurteilt ist. Weiterdenken erwünscht …
 
Doch noch steht der finale Nachweis aus, dass das "Geld für den Zins" der Pferdefuß unseres Geldsystems ist. Indizien habe ich gesammelt und aufgezeigt. Indizien, die in jedem Fall für eine Verurteilung ausreichen würden, wäre da nicht noch jener Winkeladvokat, der eine neue Beispielrechnung aus der Tasche zieht, um das Gegenteil zu behaupten.
 
 
Der Beweis
 
Machen wir es ganz einfach:
 
Guthaben und Schulden der Volkswirtschaft stehen zu Beginn der Periode bei 100. Es werden 5 Prozent Zinsen auf die Schulden fällig. Wo wird der Index am Ende der Periode stehen?
 
Die fünf Prozent, die dem Markt zurückgegeben werden müssen, um die Zinsen bezahlen zu können, so argumentieren die Zinsbeschöniger, lassen sich leicht aus den im Laufe der Periode eingehenden Tilgungsraten darstellen.
 
Das ist ein schwaches Argument, weil es z.B. endfällige Darlehen ignoriert und überhaupt Bedingungen an die Abfolge von Darlehensgewährung, Zins- und Tilgungsterminen stellt, die in der Realität nur auf einen Teil der Kredite zutreffen.
 
Es ist aber darüber hinaus ein schwaches Argument, weil das Einkommen aus der Realwirtschaft nur einen Bruchteil des Umsatzes der Realwirtschaft ausmacht.
 
Die Zinsen müssen aber aus den Einkommen bezahlt werden, nicht aus den Umsätzen. Um neben den Zinslasten auch noch den notwendigen Konsum finanzieren zu können, sollten die Gesamt-Einkommen aus der Realwirtschaft vor Zinsen bei mindestens 50% der Umsätze liegen. 45 Prozentpunkte für den Konsum, 5 Prozentpunkte für die Zinsen. Das bedeutet aber, dass die Gläubiger, um fünf Prozent Zinsertrag einnehmen zu können, vorher für den zwanzigfachen Betrag in der Realwirtschaft "einkaufen" müssten.
Es ist gleichgültig, mit welchen Zahlenrelationen hier operiert wird, immer wird der Betrag, der in die Realwirtschaft abgeführt werden muss, um deren Zinszahlung an die Gläubiger zu ermöglichen, größer sein müssen, als der Betrag, der anschließend an Zinsen zurückkommt.
 
Wäre es also wahr, dass der Zins am Ende des Tages in der Rechnung nicht fehlt, dann müssten stattdessen die Vermögen der Gläubiger abnehmen!
 
Das wiederum ist schwierig, denn das zinstragende Vermögen der Gläubiger existiert in Form von Forderungen gegenüber den Schuldnern, ist also nicht liquide und kann gar nicht zum "Einkaufen" in der Realwirtschaft verwendet werden.
 
Auch das Einkaufen aus den Rückflüssen der Tilgung wird nicht ausreichen, um den für die Erwirtschaftung der Zinsen notwendigen Umsatz zu erreichen. Und selbst wenn es gelänge - stellt dieser Versuch ebenfalls eine Schmälerung des Vermögens der Gläubiger dar. Den getilgten Schulden stehen nun mal halt auch keine Forderung mehr gegenüber.
 
Folglich gilt:
 
Die Bereitstellung des Zinses durch die Gläubiger

- in Form von wie auch immer gearteten "Einkäufen" bei den Schuldnern -
führt zu einem Vermögensverlust, der den Zinsertrag übersteigt, weil der Zins aus dem Einkommen, nicht aus dem Umsatz der Schuldner stammen muss.
 
Lediglich direkte Zahlungen - ohne Gegenleistung - an die Schuldner,
um diesen die Zinszahlung zu ermöglichen, würden den Erhalt der Vermögen auf dem einmal erreichten Stand garantieren.
 
Dann allerdings könnte man aber auch gleich auf den Zins verzichten.
 
 
 
Übrigens:
 
Diese Darstellung hat vollständig auf den eingangs vorgestellten, erweiterten Zinsbegriff verzichtet. Wird dieser mit einbezogen, stellt sich die Situation noch etwas klarer dar:
 
Um 5 % Zins auf Kredite aus der Realwirtschaft holen zu können, müssen vorher ebenfalls nur 100 % "Einkäufe" bei der Realwirtschaft erfolgen.
 
Jetzt zeigt sich allerdings, dass die 50% aus dem Umsatz, die nicht Einkommen der Realwirtschaft sind, letztlich als "erweiterte Zinseinkünfte" der Gläubiger angesehen werden müssen, die in den Preisen als Mieten, Pachten, Rohstoffkosten, Lizenzgebühren usw. enthalten sind.
 
Es fließen also faktisch nicht nur die 5% Darlehenszinsen, sondern weitere 50% sonstiger Einkünfte aus der Verwertung von Eigentumsrechten an den Kreis der Sparer und Gläubiger, doch damit werden diese immer noch keinen Cent reicher,
 
sondern um - nun realistische - 45 % ärmer!
 
 
Warum also sollten sie mehr konsumieren, als sie ohnehin konsumieren? Das Leben eines Armen kostet, einschließlich der von den JobCentern bezahlten Miete und den Mietnebenkosten nicht mehr als 12.000 Euro im Jahr.
 
Die Lebenshaltung eines Milliardärs (Geldvermögen) muss nicht wesentlich mehr kosten, kann im gleichen Zeitraum allerdings durchaus auch zwei, vielleicht 10 Millionen Euro verschlingen. Mehr aber geht kaum!
 
Bei nur 5 Prozent Zinsen auf sein Geldvermögen müsste der "Sparer" 50 Millionen an die Schuldner verschenken (!), um sein Vermögen zu erhalten, oder er müsste eine Milliarde ausgeben, um davon 550 Millionen (nach dem erweiterten Zinsbegriff) zurück zu erhalten.
 
 
Nur Zinsbeschöniger halten Milliardäre für so bescheuert.
 
 
 
Zinsen aller Art fließen in die Hortung und erzwingen damit Neuverschuldung.
 
Schönstes Beispiel derzeit: Die USA.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

In diesem Zusammenhang:
 
Ein Programm zur Neuordnung des Eigentumsrechts,
verbunden mit einem echten "Grund"-Einkommen für
jedermann.
 

 Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre, Band IV - Eigentum und Teilhabe

In diesem Zusammenhang:

Ein Modell zur Gestaltung einer fairen Welt, in der Freiheit, Frieden und
Wohlstand zuhause sind
 
 
GLOCALIS ist ein recht umfangreiches Buch geworden, doch jeder Satz in diesem Buch sitzt und ist aufrüttelnd und hilfreich für alle, denen daran gelegen ist, dass bald das geschieht, was der Untertitel ausdrückt:
 
"Die Welt fair ändern".
 
Ich würde mich freuen, wenn Sie mehr von Karl Waldeckers Gedanken kennenlernen möchten.
 
Einfach die Abbildung anklicken ...
 
 
 

 

 

 

 

 
In diesem Zusammenhang:
 
Ein Buch über einen der größten Raubzüge der Geschichte,
bei dem das Ausplündern der Bürger als "Rettung"
der Währung verkauft wird.
 
Neu im Programm des EWK-Verlags:
 
 
"Das Euro-Schlachtfest - Die Logik der Krise",
 
.....sowie in den Interviews, die ich Michael Poost und
.....Frank Meyer anlässlich der Buchveröffentlichung
.....gegeben habe.
 
 Das Euro-Schlachtfest - Hardcover-Buch
 Das Euro-Schlachtfest - Ebook (Epub-Format)
Rezension von Roman Baudzus auf Dirk Müllers CASHKURS
 Interview Frank Meyer - Metallwoche
 Interview Michael Poost - Aristo-Blog
 
 

 
... und als Gegenentwurf,
damit unsere Kinder nicht blind
dem Vorbild der Gierigen folgen:
 
 
 

 

 
 
"Die Sternenpflückerin"
 
.....eine besonders schöne Geschichte in einem
.....besonders schönen Buch, für Mädchen und Jungen
.....ab 8 Jahren, das mir persönlich sehr am Herzen
.....liegt.
 
 
 Buchvorstellung
 Buchbestellung
 
 
 
 
 
Herbstzeit ist Lesezeit.
 
 
 
 
 
 

 

 

 

 

 
 
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