Paukenschlag
am Donnerstag
No. 37 /2013
5. September 2013


Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Wahlvolks- und Schwarm-Intelligenz

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Wahlvolks- und Schwarm-Intelligenz

 

Sardinen

Ölsardinen leben, bevor sie ins Öl und in die Dose kommen, in großen Schwärmen in großen Ozeanen.

Forscher haben herausgefunden, dass der "Schwarm" mehr ist als die Summe seiner Teile, dass der Schwarm als solcher ein eigenes, funktionierendes Gebilde ist, dem aufgrund seiner Aktionen und Reaktionen sogar eine eigene Form der Intelligenz zuerkannt werden kann.

Der Begriff der "Schwarmintelligenz" war geboren und gelangte schnell in den allgemeinen Sprachgebrauch, wo er - noch schneller - abgeschliffen wurde auf die Bedeutung: "Viele machen vieles besser."
Inzwischen wird selbst dann schon von der Nutzung der "Schwarmintelligenz" gesprochen, wenn ein Millionärskandidat in der Fernseh-Show das Saalpublikum um Hilfe bittet.

Über wie viel "Schwarmintelligenz" ein solches "Saalpublikum" verfügt, würde sich allerdings erst herausstellen, wenn ein Spaßvogel schreit: "Feuer! Es brennt! Alles raus!"

Das faszinierende Wunder des perfekten und sinnvollen Zusammenwirkens aller Individuen im Schwarm zum gegenseitigen Nutzen ist eine Fähigkeit, die der menschlichen Art zu fehlen scheint.

Es ist müßig, diesen Vergleich weiter zu strapazieren, auch ein Schwarm ist nicht perfekt, bestenfalls reagiert er nahe am Optimum - und auch dieses Optimum kann nicht verhindern, dass der Schwarm, der ja nun einmal nicht am obersten Ende der Nahrungskette steht, mit allen seinen Einzeltieren gefangen, getötet, ausgenommen und in Öl eingelegt - oder, von anderen Räubern, direkt vor Ort verschlungen wird.

Sardinen enden eben - trotz aller Schwarmintelligenz - ganz überwiegend durch Verzehr.

 

Menschen

Menschen sollte man mit Sardinen nicht vergleichen.

Das gleichgeschaltete, im "Überwesen" Schwarm aufgehende menschliche Individuum ist kein erstrebenswertes Vorbild.

Menschsein heißt - heute mehr denn je - zugleich auch "ICH-Sein" und "Selbst-Verwirklichung".

Der Mensch sucht den Schwarm, also "die Gleichgesinnten", heute eher um des eigenen Vorteils willen als in der Absicht, in der Gemeinschaft auf- bzw. unterzugehen, oder gar der Gemeinschaft uneigennützig zu dienen.

Vor allem aber lässt der Mensch sich nicht mehr so leicht und dauerhaft an Gemeinschaften, deren Werte, Glaubenssätze und Rituale binden, wie das noch vor hundert Jahren der Fall war.

Die Ansprüche zu diskutieren, die sich daraus an die staatliche Verfassung und die Handhabung der Demokratie ergeben, ist bereits zum dringlichen Anliegen geworden. Alte, einst festgefügte Ordnungen, stehen weltweit vor dem Verfall, während weltweit Despoten versuchen, aus den Zerfallsprodukten ihre neuen, diktatorischen Ordnungen zu schmieden.

Die wahlberechtigte Bevölkerung nimmt all das zum Großteil nur indirekt wahr und reagiert unspezifisch, jedoch mit insgesamt sichtbaren Folgen.

Sinkende Wahlbeteiligung einerseits und der Wandel der Parteienlandschaft von einem 2+1-Parteien-Parlament zu einem 1+5-Parteien-Parlament sind die sichtbaren Zeichen des Erosionsprozesses, der das Funktionieren und die Daseinsberechtigung unserer Form der parlamentarischen Demokratie mehr und mehr in Frage stellt.

Die großen Parteien stehen vor dem Dilemma, den auseinanderdriftenden Egoismen der Wähler keine adäquaten Angebote mehr machen zu können und mühen sich daher beinahe krampfhaft darum, statt den "Rändern" die "Mitte" für sich zu gewinnen. Diese "Mitte" wird jedoch sowohl quantitativ wie qualitativ immer unergiebiger, weil sich dort letztlich diejenigen versammeln, bei denen Veränderungsbereitschaft und Risikobereitschaft ausgesprochen gering sind. Sich dieser Klientel verpflichtet zu fühlen, lähmt.

Die vielen neuen, kleineren Parteien sind angetreten, um Partikular-Interessen zu vertreten und spiegeln damit das gesamtgesellschaftliche Dilemma wider, das darin besteht, dass diesen Einzel-Egoismen aufgrund ihrer Vielzahl und Unterschiedlichkeit die mehrheitsfähige Zustimmung - schon rein rechnerisch betrachtet - einfach versagt bleiben muss. Auch diese Gewissheit lähmt.

 

Aus diesem letztlich allen Gewählten bekannten Gefühl, durch die Wünsche und Ziele der eigenen Wähler in der politischen Entfaltung gehemmt, ja gelähmt zu werden, hat sich eine weitere unschöne Konsequenz ergeben, nämlich die Distanzierung vom "Souverän" und dessen Degradierung zum "notwendigen Übel", zum reinen "Stimmvieh".

Das in Form und Inhalt längst peinlich wirkende Ritual "Wahlkampf", in dem wenige Wochen vor der Wahl alles daran gesetzt wird, möglichst viele Wähler für sich zu gewinnen oder sie wenigstens dem politischen Gegner abspenstig zu machen, verbunden mit der offen ausgesprochenen Ungeheuerlichkeit, Politiker müssten zwangsläufig - und auch im Wahlkampf - lügen, ist ein deutliches Zeichen dafür, dass es eine real existierende politische Zwei-Klassen-Gesellschaft gibt, deren beide "Schichten" über den Großteil der Legislaturperiode hinweg strikt voneinander getrennt existieren.

Dass sie sich überhaupt alle vier Jahre in einer Art "Balz-Ritual" treffen, ist ganz überwiegend der gesetzlichen Festlegung zu verdanken. Die meisten Wähler könnten gut darauf verzichten (und viele verzichten ja auch) und die Gewählten wahrscheinlich in noch größerem Anteil ebenfalls.

Stimmt vielleicht der - zumeist Kurt Tucholsky zugeschriebene - Satz: "Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie längst verboten"?

Nun, er stimmt sicherlich nicht.

Wahlen haben immer wieder etwas verändert, vor allem dann, wenn die Wahlen zu einem Wechsel der Regierung führten. Ich erinnere in diesem Zusammenhang gerne an zwei höchst unterschiedliche Veränderungen:
Willy Brandts Ostpolitik, die natürlich die direkte Folge (s)einer Wahl war, und Gerhard Schröders Agenda 2010.

Man muss die Veränderungen nicht mögen - doch man darf sie auch nicht vergessen oder verleugnen.

Dass im Vorfeld der diesjährigen Wahl zum Deutschen Bundestag keinerlei Wechselstimmung zu verzeichnen ist, liegt sicherlich nicht an den Themen, die in der nächsten Legislaturperiode zu bewältigen sein werden.

Es wäre auch zu einfach, nur zu behaupten, es läge am Desinteresse der Wähler, dass der Wahlkampf ereignislos bleibt und der Ausgang der Wahl schon festzustehen scheint.

Ich schlage vor, einmal darüber nachzudenken, ob es nicht daran liegen könnte, dass die Art und Weise, wie wir unsere Demokratie im Parteienstaat implementiert haben, einfach nicht mehr in die Zeit und zu den Menschen passt.

Die unselige Verquickung von Sachfragen mit parteiideologischen Glaubenssätzen macht das Staatsschiff weitaus träger und unbeweglicher als es sein müsste.

Wahlversprechen, die zum Inhalt haben, in der letzten Legislaturperiode verabschiedete Gesetze in den ersten hundert Tagen wieder rückgängig zu machen, zeugen vom Versagen der Parlamente, die derart umstrittene Fragen niemals so hätten beschließen dürfen.

Je interessierter und informierter die Öffentlichkeit wird, desto deutlicher wird den Menschen auch ihre Ohnmacht gegenüber der Politik.

Aus dieser Ohnmacht heraus werden neue Parteien gegründet, alle in der Hoffnung, wenige mit der Chance, wenigstens die 5-%-Hürde zu überspringen und daraufhin hin und wieder im Parlament ein paar Minuten Redezeit zu erhalten. Nach der Wahl schlägt dann die Frustration doppelt hart zu und trifft zuerst die Wähler der Splitterparteien, danach die Kandidaten und vielleicht sogar Gewählten.

Aus dieser Ohnmacht heraus schwindet bei anderen die Lust, sich einen schönen Herbstsonntag durch den Urnengang zu versauen, weil ja sowieso nichts dabei herauskommt.

 

 

Sardinen

Sardinen kommen ohne Erst- und Zweitstimme aus. Ihr Wohlergehen hängt davon ab, dass alle Angehörigen eines Schwarmes in voller Übereinstimmung und ohne erst darüber nachdenken zu müssen, in jeder Situation unmittelbar das für den Schwarm bestmögliche Verhalten an den Tag legen.

 

Menschen

Menschen müssen ohne Schwarmintelligenz auskommen.

Ihr Wohlergehen als Staatsbürger hängt daher nicht mehr von ihnen selbst ab, sondern ausschließlich vom Verhalten ihrer gewählten Vertreter.

 

Wahlberechtigte

Haben das Privileg, Einfluss darauf nehmen zu können,
wer sie im Parlament vertreten soll.

Es wäre schön, wenn die Wahlberechtigten bei dieser Wahl "in Schwärmen" auftreten und in voller Übereinstimmung und ohne lange darüber nachdenken zu müssen ihr Kreuz da machen würden, wo es für die gesamte Bevölkerung am besten wäre.

 

 


 

Fromme Wünsche?

 

Ja.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
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