Paukenschlag
am Donnerstag
No. 31 /2013
25. Juli 2013


Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Gläubigkeit in Compostella und anderswo

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Gläubigkeit
in Compostella
und anderswo
.
Der ganz Europa durchziehende Jakobs-Pilgerweg, beschildert mit dem Symbol einer Jakobs-Muschel, die wiederum stark an das Logo einer großen Mineralölgesellschaft erinnert, endet im Wallfahrtsort Santiago de Compostella.
 
Heute wurde dort auch eine Zugfahrt unerwartet beendet und mit ihr das Leben von mehr als 70 Menschen.
 
Staunend lese ich, was Mitmenschen dazu als Kommentare an die Online-Redaktionen posten.
 
Nur einen Beitrag habe ich gefunden, in dem jemand erklärt, dass diese Katastrophen immer berechenbarer auf uns zukommen, weil - und das sage ich jetzt in meinen Worten - die Techniker nur noch jenes Maß an Sicherheit und Zuverlässigkeit realisieren dürfen, was die Kaufleute ihnen erlauben.
 
Die ganz überwiegende Mehrheit ist jedoch wieder einmal überrascht und empört, dass es da nicht jenes Meta-Sicherheits-System gegeben hat, das - wenn schon alle anderen Systeme ausfallen und auch noch der Mensch versagt - ganz selbstverständlich in Aktion tritt und - wie der Schutzengel aus der Versicherungswerbung - jeglichen Unfall verhindert.
 
 
Es ist verwunderlich.
 
Tag für Tag erreichen uns Meldungen von mehr oder minder tragischen Unglücksfällen, von technischem Versagen, von Katastrophen.
 
Einige der sicheren deutschen Autobahnen "explodieren" in der Hitze, Flugzeuge müssen notlanden, weil sich Batterien überhitzen, Raketen mit superteuren Satelliten an Bord explodieren kurz nach dem Start - und hin und wieder kommt es in einem Atomkraftwerk zur Kernschmelze, während in tiefe Gruben und Schächte, die man für sicher genug hielt, um dort radioaktives Material zu lagern, aus unerfindlichen Gründen Wasser eindringt.
 
Woher kommt nun diese Gläubigkeit an die Sicherheit menschengemachter Systeme, die mit jedem dieser Unglücke jäh zerstört wird, danach aber sofort ganz und gar unerschütterlich wieder da ist?
 
Mit der jüngst verkündeten Absicht der EU, den Bau neuer Kernkraftwerke ebenso zu fördern, wie die Errichtung von Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien, begegnen wir doch nur der Spitze des Eisbergs dieses Glaubens an die grenzenlose Machbarkeit - und auch hier wird es zweifellos wieder eine Titanic geben, die - als unsinkbar gepriesen - ihren Eisberg findet, der sie von vorne bis hinten aufschlitzen und innerhalb weniger Stunden auf den Meeresgrund schicken wird.
 
 
Betrachtet man diesen Glauben genauer, dann stellt sich heraus, dass es sich nicht eigentlich um den Glauben an die Sicherheit eines Gerätes oder einer Vorgehensweise handelt, sondern um den Glauben an die Aussage von Menschen, die uns erklären, etwas sei sicher oder unsicher.
 
Bahnfahren ist sicher.
Fliegen ist sicher.
Atomkraftwerke sind sicher.
Die Deiche halten.
Impfungen sind gesund.

Die Renten sind sicher ...
 
Stets sind es diejenigen, die für etwas verantwortlich sind - oder daran verdienen wollen, die uns versichern, wie sicher wir sind.
 
Da werden unsere kleinen, laienhaften Befürchtungen von Experten vom Tisch gewischt - und wenn es uns dann doch erwischt, dann war das eben die berühmte Ausnahme, der bedauerliche Einzelfall, das Restrisiko.
 
Ob und inwieweit wir uns einem Risiko auszusetzen haben, wird uns oft nicht mehr selbst überlassen.
 
Mobilfunkmasten sind sicher - und werden daher da errichtet, wo sie gebraucht werden. Starkstromleitungen sind sicher - und werden daher da errichtet, wo sie gebraucht werden.
 
Unendlich viele neue chemische Verbindungen sind sicher, weil noch niemand herausgefunden hat, welches Schadpotential in ihnen steckt - und während quälend langsam einige wenige aus dem Verkehr gezogen werden, wachsen in Windeseile tausend neue nach.
 
Lebensmittel sind sicher.
Die Luft, die wir atmen ist gesund.
 
Wir dürfen sicher sein, dass die Versicherungen jeden Schaden regulieren, den sie nicht im Kleingedruckten ausgeschlossen haben.
 
 
Unsere Welt ist so kompliziert geworden, dass wir uns - in Bezug auf die Einschätzung von Risiken - auf das verlassen müssen, was Experten darüber herausgefunden haben und darauf, dass die Politik die richtigen Schlüsse daraus zieht und die richtigen Entscheidungen trifft.
 
Es ist die Politik, die darüber bestimmt, wie das "Meta-Sicherheits-System" aussieht, wie stark es ist und wie zuverlässig.
 
Und es sind die Wähler, von denen es abhängt, welche Politik an dieser Schraube dreht.
 
Die Bundestagswahl steht bevor.
 
Angela Merkel besichtigte in dieser Woche noch einmal die Orte der frisch abgelaufenen Flut. Dafür, für diesen Spaziergang im Trockenen, wird sie wohl wiedergewählt werden - nicht dafür, dass rechtzeitig die notwendigen politischen Weichen gestellt worden wären, um das Hochwasser ohne Katastrophe erleben zu können.
 
Philipp Rösler fordert die Abschaffung des Solidaritätsbeitrages. Er vertritt eben die Politik der Steuersenkung und der damit einhergehenden Entmachtung des Staates ganz im Sinne der großen neoliberalen Vordenker. Doch dafür, dass er diesmal den Soli ins Visier genommen hat, statt die Einkommensteuer grundsätzlich oder die Mehrwertsteuer der Hoteliers, könnte er es schaffen, die FDP über die 5 Prozent Hürde springen zu lassen. Dass der Soli dann nicht abgeschafft wird, weil er schlicht per Gesetz bis 2019 festgeschrieben ist und der Koalitionspartner nicht daran denkt, auf diese Einnahmequelle zu verzichten, das kommt beim gläubigen FDP-Wähler nicht an.
 
Das ganz große, uns alle bedrohende Thema, das eigentlich den Wahlkampf dominieren und alle Experten im Ringen um eine gute Lösung vereinen sollte, das wird totgeschwiegen.
 
 
 
Die Banken-Staaten-Euro-Krise wird von Angela Merkel schlicht weggelächelt.
Es gibt sie zwar, diese Krise - doch wir haben ja Angela.
 
Mit einer Politik der schnellen und lautstarken Abfolge deutscher Einsprüche gegen den ganzen Rest der Euro-Zone und markigen Forderungen gegenüber den Krisenländern hat sie sich zur Retterin deutscher Interessen hochstilisieren lassen und es geschickt verstanden, das dem Einspruch meist schnell folgende Einknicken und Umschwenken aus der öffentlichen Wahrnehmung heraus zu halten.
 
Ich vermisse aber nicht nur die Stimmen aus den so genannten "Wirtschaftsparteien", ich vermisse ebenso die Ideen der SPD, der Grünen und der Linken, die Euro-Krise zu beenden, ohne in einem endlosen "Weiter so!", eine Rettungsmilliarde nach der anderen in den europäischen Sand zu setzen.
 
 
"Das €uro-Schlachtfest" hat zweifellos bereits begonnen.
 
 
Wie es dazu kommen konnte - und wie es aller Wahrscheinlichkeit nach enden wird, lesen Sie in meinem in Kürze erscheinenden neuen Buch:
 
 
 
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