Paukenschlag
am Donnerstag
No. 23 /2013
30. Mai 2013


Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Ab wann ist es Sozialbetrug?

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Ab wann ist es Sozialbetrug?
 
Als Florida-Rolf durch die Schlagzeilen gezogen wurde, da waren wir rechtschaffenen Sozialutopisten allesamt empört.
 
Wenn von üblen Schikanen der JobCenter und ArGen berichtet wird, empören wir uns wieder. Zu Recht, zumeist.
 
Doch da gibt es eben auch noch das, was ganz und gar nicht in unser liebgewonnenes Schema vom edlen Wilden und seinem Widersacher, dem bösen weißen Mann, passt.
 
Ja, es ist schwierig geworden.
 
Im Spannungsfeld zwischen
 
  • einer wildgewordenen neokonservativen Politik, die alle Schranken des Arbeitsrechts niedergerissen und die Ausbeuter eingeladen hat, sich im Niedriglohnstandort Deutschland goldene Nasen zu verdienen,

    und
  • der mehr als genug belasteten "Solidargemeinschaft" derjenigen, denen mit dieser Politik die Butter vom Brot genommen wurde und wird,
.
fällt es ausgesprochen schwer, abseits von Gesetzen und Paragrafen, nur unter moralischen Abwägungen, jene Grenze zu ziehen, ab der
 
aus einer noch tolerierbaren, weil überlebensnotwendigen Regelverletzung, wie z.B. einem nicht gemeldeten geringfügigen/gelegentlichen Hinzuverdienst, oder einer wie auch immer gearteten "Notlüge" zur Vermeidung von ungerechtfertigten - weil ungerechten - Sanktionen
 
etwas wird, was eben nicht mehr tolerierbar ist.
 
 
Lassen Sie mich eine Geschichte erzählen,
die Geschichte von zwei real existierenden Personen,
die m.E. diese Grenze überschritten haben - und fragen Sie sich dann, was Sie tun würden ...
 
 
Die Geschichte klingt märchenhaft, und daher habe ich die Namen der beiden Protagonisten einem Märchen entlehnt.
 
Dass es das Märchen "Hänsel und Gretel" geworden ist, ist der Tatsache geschuldet, dass dieses Märchen in seinem archaischen Kern genau jene böse Falle schildert, die hinter der verlockenden Fassade der wunderschönen Werbewelt lauert:
.
    Widersteht der Verlockung!
     
    Wer unbedacht zugreift,
    verliert seine Freiheit und am Ende sein Leben.
 
Zudem hat das Märchen noch eine zweite Botschaft - und die heißt:
.
    Ihr seid unschuldig.
    Und deshalb habt ihr das Recht,
    die Hexe auszutricksen und aus der Welt zu schaffen.
 
 
Und weil die Geschichte, die ich hier erzähle, eine neue Geschichte ist, sind die Namen noch ein bisschen verändert, so dass niemand herausfinden kann, um wen es sich da handelt, noch nicht einmal, ob um Männlein oder Weiblein.
 
 
Ich erzähle diese Geschichte so, wie ich sie - aus einiger Distanz - wahrnehme. Gut möglich, dass ich da Dinge und Zusammenhänge sehe, die ich nur wahrnehme, weil ich eigene Ideen und Gedanken, Emotionen und Motive, auch Vorurteile, hinein projiziere - nur:
 
Ich nehme es so wahr - und ich halte diese Wahrnehmung für wahr, und von diesem Punkt der vermeintlich sicheren Erkenntnis aus, stelle ich mir die Frage,
 
ob es gerechtfertigt wäre,
.
in Anbetracht von Wirtschaftsbetrügern mit weißem Kragen, die nicht nur Steuern hinterziehen, sondern auch sonst mit allen Tricks Millionen und Milliarden scheffeln, und denen kaum jemand auf die Schliche kommt, weil alle Welt die Augen davor verschließt, auch
 
hierbei die Augen zu verschließen.
 
 

 
Das Märchen von Hänsle und Gertel
 
Hänsle und Gertel verliefen sich im Wald.
Es war so finster - und auch so bitter kalt.
 
 
Quatsch!
 
Weder finster, noch bitter kalt - strahlend hell, lockend warm war es, als sie Eltern und Freunde wegen diverser Unstimmigkeiten verlassen hatten und auf dem breiten, gut beschilderten Weg schnell und ohne Umwege an das verlockende Pfefferkuchenhäuschen der Knusperhexe Marktwirtschaft gelangten.
 
Ach, dachten sie sich: "Wie sieht das doch alles lecker und verlockend aus!", und griffen mit vollen Händen zu, und was sie nicht gleich mitnehmen konnten, ließen sie sich einpacken und nach Hause liefern. Reisen buchten sie per Internet, ganz nach dem Motto: "Fliege jetzt, zahle später!", und so nahmen und konsumierten sie, was ihnen vor die Augen kam - und waren sehr, sehr überrascht, als die Hexe plötzlich verlangte, sie sollten das, was sie da genommen und verzehrt und verbraucht und vernascht hatten, nun endlich auch bezahlen.
 
Das konnten sie nämlich nicht.
Wovon denn!
 
Und so standen sie nun da, mit Gläubigern am Hals, die rund 100.000 Euro für Fernseher und Bezahlfernsehen, für Festnetz- und Mobiltelefonie, für Essen und Trinken, Kleider und Schuhe, Möbel und Fernreisen, Mahnkosten, Zinsen und Inkassogebühren von ihnen haben wollten, und sie erst auf Zahlung verklagten und als das nichts half, aus Rache auch noch die Anzeigen wegen Betrugs nachreichten.
 
Da sind Hänsle und Gertel erst einmal umgezogen.
 
Bloß weg von da, wo man sie kennt und so verfolgt.
 
Mit der Heirat bekam das Hänsle schnell noch einen anderen Namen. Was es wenigstens dem Hänsle möglich machte, die viele Post mit Rechnungen, Mahnungen und Zahlungsbefehlen, die noch an den "Mädchennamen" gerichtet war, ungeöffnet zurücksenden, während das Gertel mit seiner unerwünschten Post die Restmüll- und die Biomüll- und die Papiertonne wohl bis an den Rand zu füttern wusste.
 
Dummerweise kostete der Umzug Geld, das sie nicht hatten, also haben sie kurzerhand bei Ebay ihre alte Einbauküche mit sämtlichen Elektrogeräten versteigert. Viel zu spät erinnerten sie sich daran, dass die Küche zur Wohnung, und damit dem Vermieter gehörte, der die beiden natürlich auch verklagte, nachdem er erst einmal herausgefunden hatte, wo sie sich nun niedergelassen hatten.
 
Am neuen Wohnort wollten sie nun alles besser machen und vor allem nichts mehr kaufen, was sie nicht bezahlen konnten. Das fiel ganz schön schwer und es dauerte auch eine Weile, bis sie den Dreh raus hatten.
 
Erst einmal hat das Hänsle einen Job angenommen. Das ist wichtig, weil - mit einem Job, da zahlt man Beiträge - und wenn man Beiträge bezahlt hat, bekommt man auch Leistungen. Also hat das Hänsle zwei Wochen gearbeitet - das schien ihm genug zu sein - und ist dann prompt unheilbar krank geworden. Da gab es erst Lohn - und dann Krankengeld. Und so ein unheilbares Krankengeld ist eine sichere Bank, wenn man das erst hat, kann man in Ruhe wieder einen Job suchen und noch was dazuverdienen - doch davon später.
Das Gertel hingegen hat keinen Job angenommen, weil es fürs Gertel einfach günstiger und schöner war, gleich krank zu sein - und weil es dafür schließlich auch sehr viel Geld gibt, wenn man nur krank genug ist.
 
Gertel hat nämlich viele, viele, viele Krankheiten. Gertel ist so krank, dass das arme Gertel, wenn der Medizinische Dienst der Krankenkasse auftaucht, nur regungslos in seinem Rollstuhl sitzen kann, mit hängenden Schultern, halboffenem Mund und stierem, teilnahmslosem Blick. Wenn es sein muss, schafft Gertel das auch eine ganze Stunde lang, ohne die geringste Reaktion, auf alles, was ringsum vorgeht. Das Hänsle steht dann seufzend daneben und sagt mit traurig-belegter Stimme: "Ja, es ist schlimm, aber so ist das Gertel immer, und das schon lange".
 
Alle paar Tage kommen die Sanitäter mit dem Krankentransportwagen und hinterher der Notarzt mit Blaulicht und Sirene - und die schaffen das Gertel dann ins Krankenhaus. Manchmal, weil ihm schwindlig ist, manchmal wegen Schmerzen, manchmal, weil Hänsle und Gertel sich geprügelt haben und das Gertel blutet.
 
Nach ein paar Stunden ist das Gertel dann immer wieder zuhause. Es hält es einfach nicht aus im Krankenhaus. Die lassen das Gertel da nämlich ums Verrecken nicht einfach mal ein paar Stunden im frisch gemachten Bettchen liegen und schlafen, damit es sich erholen und ausruhen kann. Nein, die wollen es untersuchen und therapieren, es zum Röntgen und zum EKG schicken, in engen kalten Gängen vor geheimnisvollen Türen lange warten lassen - und davor hat das Gertel fürchterliche Angst. Also beeilt es sich, ins zusatzversicherte Einzelzimmer zu kommen, packt dort seine Sachen zusammen und entlässt sich auf eigenes Risiko, bevor der Medizinbetrieb ernsthaften Schaden am armen Gertel anrichten kann.
Hauptsache, es war mal wieder ein Notarzt-Einsatz fällig. Das macht Eindruck, überall da, wo es Geld gibt - und dass das Gertel sich nicht hat untersuchen und behandeln lassen, das macht gar nix, denn beim nächsten Mal kommt es ja in ein anderes Krankenhaus, wo man es noch nicht kennt ...
Ich wüsste nicht, wie das geht, doch bei dem Gertel klappt das anscheinend recht gut.
 
 
Wenn allerdings die Strafkammer am alten Wohnort wieder einmal eine Verhandlung wegen des großen Betrugs angesetzt hat, zu der sie aber nicht hin wollen, weil das Hänsle nämlich arbeiten muss und keinen Urlaub kriegt, aber auch nicht sagen kann, dass es da hin muss, weil es als Angeklagter vorgeladen ist, dann kann es sein, dass das Gertel auch mal so sehr schlimm krank wird, dass es drei Nächte im Krankenhaus bleibt. Der Trick dabei ist auch nicht ganz ohne: Erst kommt der Notarzt und holt das Gertel ab. In der Notaufnahme bekommt das Gertel dann Pillen, die zu seinen Symptomen ganz gut passen und darf wieder nachhause. Zuhause ruft das Hänsel im Krankenhaus an und fragt, ob denn die Nebenwirkungen laut Beipackzettel und die anderen Medikamente, die das Gertel so nehmen muss, nicht irgendwie gefährlich wären. Der Arzt beruhigt das Hänsle, und das Gertel nimmt brav die Pillen und bekommt prompt die fürchterlichsten Nebenwirkungen. Damit sind drei Tage Aufenthalt mit Entgiftungstherapie gesichert - und das Hänsle kann den Anwalt anrufen und der sorgt dann dafür, dass die Verhandlung verschoben wird, dass der Richter noch mehr Mitleid mit dem armen Gertel hat - und dass alle Zeugen, die geladen wurden, wieder heimfahren können und es sich beim nächsten Mal wieder neu einteilen müssen.
 
Das Gertel kennt inzwischen so ziemlich alle Krankenhäuser und Ärzte im Umkreis von 50 km. Alle haben Gertel wenigstens ein bisschen untersucht, alle haben Therapien verordnet, doch geholfen hat alles nichts, weil das Gertel immer schon wieder weg war, bevor da überhaupt was helfen konnte. Doch alleine die Tatsache, dass das Gertel so oft mit Tatütatah ins Krankenhaus muss, reicht doch, um nachzuweisen, wie krank das Gertel doch ist. Und wenn der Medizinische Dienst der Krankenkassen dann wieder anrückt, weil das Hänsle und das Gertel eine Putzfrau beantragt haben, weil das Hänsel ja so viel arbeiten muss und das Gertel ja gar nichts mehr kann, dann sitzt das Gertel wieder im Rollstuhl und das Hänsle holt die vielen Krankenhausberichte und Atteste und Rezepte aus der Schublade und dazu Gertels Behindertenausweis, weil das Gertel nämlich nicht nur sehr, sehr krank, sondern auch sehr schwerbehindert ist.
 
Das Gertel ärgert sich allerdings sehr darüber, dass es - obwohl es so sehr schwerbehindert ist, bis jetzt trotz aller Mühen nur Pflegestufe 1 bekommen hat. Es klagt jetzt (kost ja nix) vor Gericht darum,mindestens in Pflegestufe 2 zu kommen.
Bis jetzt und mit der Stufe 1 verdient sich das Gertel nämlich nur 300 Euro im Monat bei der Pflegekasse, dafür, dass es sich ganztags vom Hänsle pflegen lässt. Und weil das so wenig Geld ist, kann das Hänsle auch nicht immer da sein, wenn das Gertel Pflege braucht, weil das todkranke Hänsle nämlich für den Unterhalt der Familie auch noch arbeiten muss. Mit dem Lkw hat das Hänsle da fünf Tage in der Woche hunderte von Kilometern zu fahren, um wichtige Post ins Ausland zu schaffen und wichtige Post aus dem Ausland zu holen. Da ist er leicht 10 Stunden und mehr unterwegs.
 
Außerdem kann das Hänsle das Gertel auch dann nicht ganztags pflegen, wenn es selbst im Krankenhaus und beim Arzt sein muss, damit die herausfinden, was das Hänsle hat, weil es nämlich so krank ist, dass es bald stirbt und deswegen verhandlungsunfähig und haftunfähig ist - was wichtig ist, wenn man schon rechtskräftig zu einer Haftstrafe verurteilt ist und die zweite Haftstrafe in Kürze verhängt werden wird. Vor allem ist dabei wichtig, dass niemand rauskriegt, was das Hänsle eigentlich hat, auch der spezialisierteste Facharzt nicht.
 
Ja, so schlimm dran ist das Hänsle, und fährt trotzdem an fünf Tagen in der Woche jeden Tag weit über tausend Kilometer mit dem Lkw durch Europa, damit die Leute ihre Post kriegen, und wenn er dann wieder zuhause ist, dann pflegt er das Gertel, damit neben dem Lohn für das Fahren und dem Krankengeld für sein Kranksein und dem Arbeitslosengeld für seine Arbeitslosigkeit und dem Kindergeld für das Gertel und dem Sozialgeld für das Gertel auch noch das Pflegegeld für das Gertel reinkommt.
 
Ja, und da rechnen sie dann miteinander zusammen, was da alles so reinkommt, um den nächsten Ersten herum, und da sind das dann einmal über viertausend Euro, und einmal halt nur dreieinhalbtausend, und da ist noch gar nicht mitgerechnet, dass der Sozialstaat ja auch noch die Miete bezahlt und alle Nebenkosten und ungefähr vier Anwälte und die Kosten für viele, viele Arzttermine und Krankentransporte und Krankenhausaufenthalte.
 
 
Ach ja, und damit das Hänsle das Gertel auch öfter mal wirklich rund um die Uhr pflegen kann, darf das Gertel oft auch mitfahren, mit dem Lkw.
 
Da kann es natürlich den Rollstuhl nicht mitnehmen, das arme Gertel, und so muss es so tun, als ob es ganz und gar gesund und ganz und gar munter und ganz und gar hellwach wäre und als ob ihm das Spazierenfahren mit dem Auto richtig viel Spaß macht, ach - wie muss das anstrengend sein, sich unter schlimmsten Schmerzen so verstellen zu müssen, aber man sieht es ihm nicht an. Es hat sich super unter Kontrolle, lässt sich nichts anmerken, beißt die Zähne zusammen und lacht. Ganz gesund sieht es aus, wenn es da beim Einsteigen schwungvoll auf den Beifahrersitz hupft, die Cola-Flasche in den Halter steckt und das Radio anwirft.
 
So gesund sieht es da aus, wie es sich gesund anhört, wenn es nachts im Internetradio auf Sendung geht, als DJ Brähsi-Dent, so gesund, wie es aussieht, wenn es für ein Marktforschungsinstitut gegen Cash an Supermarktkassen als Testeinkäufer Schnaps und Zigaretten kauft und die Kassiererin verpfeift, wenn sie nicht nach dem Ausweis fragt, obwohl es doch so jung und so gesund und so jugendschutzbedürftig aussieht, das todkranke Gertel.
 
Doch immer, wenn's Geld dafür gibt, strengt sich das Gertel so was von an, um gesund zu wirken ...
 
Ach ja, und telefonieren tut das Gertel auch hin und wieder, immer wieder für eine andere Firma, von zuhause aus.
 
 
Aber das alles täuscht. Dem Gertel geht es verdammt, verdammt dreckig. Das arme Gertel mit dem Schwerbehindertenausweis hat nämlich auch noch ADHS und bekommt dafür sein Ritalin umsonst (Ritalin ist wie Kokain, nur eben ganz legal und auf Rezept), es muss an der Hüfte operiert werden - und an der Wirbelsäule, aber es lässt nicht so gern an sich rumschnipseln, es ist ja noch so jung - und was, wenn bei der OP was schiefgeht? Wenn das Gertel danach kränker ist als vorher?
 
Außerdem muss es Gerinnungshemmer einnehmen, weil es voller Thrombosen und Embolien ist - und wenn es dann, wie neulich erst, nachts im Krankenhaus aus dem Bett klettert und sich den Kopf blutig schlägt, dann muss es fixiert werden, um es vor sich selbst zu schützen - und das alles nicht etwa, weil es protokolliert wird und festgehalten und aufgeschrieben und weil das beim Sozialamt und beim Jugendamt, beim Staatsanwalt und beim Richter und bei der Gemeinde und beim Regierunsbezirk und überall, wo es eine Leistung gibt, so viel Eindruck macht, nein - deswegen doch nicht.
 
 
Als sie noch nicht so krank waren, neulich grad, da haben sie sich noch viel Spaß gegönnt. Da waren sie noch in Hamburg im Musical, und in Österreich auf den Bergen und in den Eishöhlen, und überall, wo es schön ist. Doch wenn man sie heute so sieht, wenn sie miteinander in den Lkw steigen, damit das Hänsle das Gertel pflegen kann, weil es sonst kein Pflegegeld gibt, und wenn es kein Pflegegeld gibt, vielleicht auch kein Sozialgeld mehr, sondern wieder ALG II, was hieße, dass auch das Gertel dem Arbeitsmarkt und dem Fallmanager wieder zur Verfügung stehen müsste, wenn man sie so sieht, das todkranke Hänsle mit der Multiplen Sklerose im Endstandium und das todkranke Gertel, im Endstadium der Hilflosigkeit, dann muss man sie bewundern, mit welcher Beherrschung und Konzentration sie es immer wieder schaffen, die ganz und gar Gesunden zu spielen, nur damit das Hänsle den Job behält und das Gertel auch noch was vom Leben hat. Da wundert es einen nicht, dass sie demnächst in Ägypten ein paar Tage Urlaub machen wollen, um sich von all der Anstrengung zu erholen.
 
Schlimm wird es, wenn das Hänsle jetzt doch und obwohl es todkrank ist, ins Gefängnis muss, wegen der anderen Sache, für die es schon verurteilt ist.
 
Dann ist da niemand mehr, der das Gertel den ganzen Tag pflegen kann. Mit dem Behindertausweis aber nur der Pflegestufe 1 käme dann zwar dreimal täglich ein Pfleger, zum Waschen und Kämmen und Windelnwechseln zum Gertel, und das Sozialamt oder die Pflegekasse oder der Bezirk, oder wer auch immer Geld dafür geben muss, würden dem Gertel auch eine Putzfrau bezahlen, damit es nicht im Dreck verkommen muss, doch wenn es sich nichts zu essen machen kann und dann nachts vor Hunger und total unterzuckert aus dem Bett fällt und sich den Schädel aufschlägt und vor lauter Makromar im Blut verblutet, weil es ja bewusslos ist und den Notarzt nicht anrufen kann, dann ist das sehr gefährlich für das Gertel.
 
Deswegen müsste das Gertel in ein Pflegeheim.
 
Da wäre es gut aufgehoben, doch da mag das Gertel nicht hin.
Die Lösung haben sie noch nicht gefunden, das Hänsle und das Gertel,
doch sie arbeiten schon fleißig dran ...
 
 
 
 
Soweit die Geschichte.
 
Es ist eine Geschichte, die es so wahrscheinlich nie gegeben hätte, hätte nicht Gerhard Schröder seine Agenda 2010 ins Leben gerufen.
Vermutlich hätte Hänsle seinen Job nicht verloren, vermutlich hätte Gertel eine Ausbildungsstelle oder einen Job gefunden, vermutlich hätten beide genug selbst verdient, um sich das Notwendige - und ein bisschen mehr - leisten zu können und wären niemals über die Schuldenfalle zu Betrügern geworden.
 
 

Nun sind sie des Betruges angeklagt - und die Anklageschrift ist um die fünfzig Seiten dick. Es sind drei Verhandlungstage vergangen, weitere stehen bevor - ein Urteil wird es vielleicht im Herbst geben. Hänsle und Gertel haben vor, das Urteil nicht anzunehmen (kost ja nix) und sich durch alle Instanzen immer wieder vor Gericht stellen zu lassen
 
Irgendwie geht das schon.
Irgendwie bleiben sie auf diese Weise lange draußen, in Freiheit.
Irgendwie beziehen sie in dieser Zeit weiter alle erreichbaren Leistungen des Sozialstaats.
 
 
Ich kenne einige Menschen, ältere vor allem, denen es physisch und psychisch sehr viel schlechter geht. Kranke, wirklich pflegebedürftige Menschen, die Mühe haben, sich zu bewegen, die ihre Wohnung nicht mehr verlassen können, die auf die Hilfe von Verwandten und Bekannten angewiesen sind, um ihr Leben zu fristen, denen aber niemand einen Behindertenausweis oder eine Pflegestufe zuspricht.
 
Und es sind ja nicht nur die paar, die man persönlich kennt. Es gibt wahrscheinlich in Deutschland eine Million Menschen, die gesundheitlich wesentlich schlechter dran sind als Hänsle und Gertel, Menschen, die nicht wegen einer frechen Serie von Betrügereien vor Gericht stehen, die ihr Leben lang gearbeitet und Kinder großgezogen haben, die sich nie etwas zuschulden kommen ließen - die nur einfach nicht wissen, was man sagen, wie man sich verhalten muss, um in den Genuss der Vorteile von Behindertenausweis und Pflegestufe zu kommen. Kenntnisse, wie sie bemerkenswert häufig bei der Verbüßung einer Haftstrafe kostenlos von Mithäftlingen unter Zuhilfenahme der Anstaltsbibliothek vermittelt werden.
 
 
 
So - und nun kommt die garstige Frage:
 
Soll der Staat deswegen noch mehr hinter allen Leistungsbeziehern her schnüffeln, sollen Arbeitslose und Bedürftige noch mehr zu gläsernen Menschen gemacht werden?
 
Brauchen wir den Privatdetektiv hinter jedem Leistungsberechtigten? Brauchen wir die elektronische Fußfessel für Arbeitslose?
 
 
 
 
 
Nein, sicher nicht.
 
Soll dann aber der Bürger, der mitbekommt, dass da ganz offensichtlich ganz massiv betrogen wird, versuchen, jemanden zu finden, bei dem er "Anzeige erstatten" kann?
 
 
Ja?
 
 
Ja, wie denn?
 
Hänsle und Gertel lachen darüber doch. Die haben ihre Stempel und Unterschriften, ihre Gutachten und Atteste, ihre Leistungsbescheide und Bewilligungen. Und selbst wenn ich noch so sehr überzeugt wäre, dass es sich um Simulanten handelt: Damit handele ich mir doch nur eine Anzeige wegen übler Nachrede ein ...
 
 
 
Es ist etwas faul.
Oberfaul.
 
 
 
 
 
 
 

 

 

 

 

 
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Reaktionen auf diesen Paukenschlag
Sehr geehrter Herr Kreutzer,
lange habe ich überlegt, ob ich mich zum Thema Hänsle und Gertel äußere.

Nun habe ich mich dafür entschieden, auch wenn es mir bestimmt nicht so perfekt wie Ihnen gelingt, die exakte Trennschärfe der Begrifflichkeiten und die absolut korrekte Zuordnung der Teilbereiche zu formulieren. Mein
Grundanliegen dürfte aber trotzdem verständlich werden.
In unserer komplexen Gesellschaft bestehen so viele Zusammenhänge, dass eine Einzelbetrachtung oft nicht zu einem vernünftigen Ergebnis führt. Meiner Meinung nach müssen die Bereiche Geld, Wirtschaft und Recht im
Zusammenhang betrachtet werden, eben weil diese meiner Meinung nach, innerhalb des Systems untrennbar miteinander verbunden und verflochten sind.
 
Sie fragen: "Ab wann ist es Sozialbetrug?"
 
Ist der eine Betrug ( Sozialbetrug ) etwas anderes als Betrug?
 
Wenn nicht, warum dann die Trennung?
 
Weshalb komme ich auf diese Frage? Schon in der Kindheit bekommen wir gelernt, dass die Gewinnmaximierung
oberste Priorität hat und dass daran nichts verwerfliches zu finden ist.
Es ist also Recht und Pflicht für Unternehmen Gewinne zu "erwirtschaften" und Unternehmen die genau das tun, werden medial als die Helden der Wirtschaft gefeiert und als leuchtendes Beispiel hingestellt. Nur, wo diese Gewinne her kommen, wird weder in Presse noch im Rundfunk erklärt.
 
Gewinne lassen sich nämlich nicht produzieren,
sondern können erst bei der primären Verteilung des gemeinsam erwirtschafteten Mehrwertes über den Verkauf generiert werden. Das bedeutet aber auch, dass Gewinn auf der einen Seite und Verlust auf der anderen Seite sich gegenseitig bedingen. Bleibt die Frage, wie es den Unternehmen gelingt, ständig Geschäfte zu ihrem Vorteil abzuschließen?
Man muss ja den und / oder die Anderen zumindest übervorteilen. Dafür gibt es ja Verträge, wie zum Beispiel Kaufverträge, Arbeitsverträge, Lieferverträge, Pachtverträge, Lizenzverträge und Mietverträge. Diese Verträge sind meist ellenlang und so formuliert, dass der Übervorteilte gar nicht bemerkt, dass er übervorteilt wird. Immer muss der
Übervorteilte am Ende eines solchen Vertrages schriftlich erklären, dass er den Vertrag gelesen hat, die Bestimmungen dieses Vertrages verstanden hat und über die Klauseln informiert wurde.
 
Nur, wenn sogar Rechtsexperten der Regierung Verträge zum Nachteil der Bevölkerung nicht erkennen können ( siehe Drohnenkauf ), wie soll eigentlich dann der Laie einen solchen Vertrag in seiner ganzen Tragweite überschauen können?
Was will ich damit sagen?
Betrug und Unrecht ( Übervorteilung ) wird in unserem System zu Recht, wenn ein Vertrag existiert. Wie kann ein solches System dann jemals moralisch urteilen? Ist der Verfall nicht vorprogrammiert?
 
Gleiches gilt für die Schulden, die Sie in ihrem Beitrag ansprechen.
Wenn Geld nur durch Schulden entsteht und durch Tilgung wieder vernichtet wird, wie kann es dann verwerflich sein Schulden zu machen? Das passt nicht zusammen. Diese Aussage soll bitte nicht als Billigung des Verhaltens von Hänsle und Gertel verstanden werden. Verwerflich ist doch im Grunde nur vor allem, dass die Profiteure der Verschuldung nie
den Verlust tragen, sondern den auf andere abwälzen. Und wieder wird auf diese Weise Unrecht zu Recht.
 
Bleibt für mich nur fest zu halten, dass das ganze System auf Unrecht beruht ( natürlich ist das Privateigentum an Produktionsmitteln primäre Ursache ) und somit meiner Meinung nach niemals Recht und Recht schaffendes Verhalten erzeugen kann.
 
Ist das jetzt wirklich die Schuld von Hänsle und Gertel, auch wenn ich selbst damit nicht einverstanden bin?
 
Mit freundlichen Grüßen
Peter Fischer

Lieber Herr Kreutzer,
Sie haben sehr richtig dargestellt, daß man auch bei denen ganz unten auf der 'Karriereleiter' das Ausreizen aller Möglichkeiten zum eigenen Vorteil und zum Schaden der Allgemeinheit anprangern kann, wie es bei denen auf den obersten schmalen Sprossen im dort eigenen Stil geschieht.
Sie haben mit Ihrem Märchen aber auch schön gezeigt, wie detailliert man die Verhältnisse bei den KLEINEN Leuten kennt und beschreiben kann. In den oberen Einkommens- und Vermögensetagen geht das nicht annähernd so gut.
 
Für die Gutsituierten gibt es die spezialisierten Berufszweige Rechts-, Steuer- und Vermögensberater (und was weiß ich noch...), die die Gutzahlenkönnenden um jede störende Klippe herumlotsen, damit sie ja nicht zuviel Steuern zahlen müssen - und das alles ohne viel Aufhebens.
 
Es ist sehr zugespitzt, den kleinen (oder den großen) Gaunern persönlich den Schaden zuzuordnen, der einem einzelnen Bedürftigen entsteht, wenn dieser eine ihm zustehende Hilfe nicht erhält. Entsprechend verhält es sich übrigens mit der Frage der persönlichen Schuld des Betreibers eines Kohlekraftwerks, dessen kräftiger Quecksilberausstoß in der Arktis über die Nahrungskette den küstennah lebenden Polarfuchs dezimiert!
 
Zwischenbemerkung: Der Konzern Apple ist gerade im Gespräch wegen diverser "Eigenheiten". Außer den Begriffen MacBook, iPod, iPad und Lifestyle kann man ihm eigentlich nicht viel mehr zuordnen - die Produktion ist outgesourcet, der steuerliche Firmensitz ebenso, im Grunde ist Apple nirgendwo richtig zu Hause, macht aber bekanntermaßen
einen Riesenumsatz. Wie ein schöner Guardian-Artikel beschreibt, ist Apple eine iCompany, ein "imaginäres Unternehmen". Und viele erfreuen sich an Apples Produkten und belohnen dieses trickreiche Verhalten mit dem Kauf eines solchen Lifestyle-Produkts!
 
Jetzt mal zum mittleren Bereich, dem bisher noch nicht genannten Abschnitt der gesellschaftlichen Leitersprossen:
Wieviele 'normale' Mittelschichtsbürger sagen "Ich will dem Staat doch nichts schenken!" und klagen über schlechte Straßen, schlechte Bildung (gemeint: Ausbildung) in Schulen usw.? Wieviele sagen "Ich krieg auf dem Sparbuch gar keine Zinsen mehr!", schieben ihr Geld in höherverzinste Anlagen und klagen über steigende Preise?
 
Ich warte auf den Tag, wo jemand bekennt, hochverzinste Anteile an einem Immobilienfonds gekauft zu haben und in ein Haus dieses Fonds eingezogen zu sein, um sicherzustellen, daß der Fonds auch anständig einnimmt, um ihm die
versprochene Rendite zahlen zu können.
 
Selbstbetrug, wohin man schaut. Es ist ja auch wirklich schwer, in einem Schneeballsystem sinnvoll zu Potte zu kommen; die Claims sind abgesteckt. Jeder kleine Gauner kann insofern noch als nützlich angesehen werden, weil er dafür sorgt, daß der Schneeball nicht bereits bei NÄCHSTER Gelegenheit platzt. Daß er platzt, ist ins Prinzip eingebaut.
 
Nur, Selbstbetrug zeigt doch auch, daß man sich der Zusammenhänge nicht (ganz) bewußt ist, oder?
Selbstbetrug ist nicht strafbar, bringt aber auch niemanden weiter. Wenn die von Ihnen geschilderten kleinen Gauner ihren Grips auf etwas Sinnvolles konzentrieren könnten, würde vielleicht ein Nutzen für sie selbst und die Gemeinschaft herausspringen. Aber wer hilft ihnen dabei, einen Ausweg zu finden?
Aus der Defensive heraus werden sie es von sich aus nicht schaffen. Ein erfolgversprechender Anfang wäre meiner Ansicht nach, wenn die Leute, die halbwegs materiell abgesichert sind, nicht ständig das Habenwollen als das höchste persönliche Ziel vorleben würden. Aber schon dafür müßten diese Menschen den Wirtschaftskreislauf verstehen, in dem sich ihr eigenes Leben abspielt.
 
Beste Grüße
Georg Nowak
 
Quellen:
<http://derstandard.at/1363710297348/Quecksilber-in-der-Arktis-setzt-Polarfuchsbestaenden-zu>
und
<http://www.plosone.org/article/info:doi/10.1371/journal.pone.0060879>
<http://www.guardian.co.uk/technology/2013/may/29/apple-ireland-cork-cathy-kearney>

Lieber Herr Kreuzer,
danke für die Geschichte von Hänsle und Gertel. Dem Kommentar von Barbara Walter schließe ich mich zu hundert Prozent an.
Ergänzend möchte ich noch hinzufügen, dass dem Problem des Schmarotzerns - meiner Meinung nach - nur durch einen rigorosen Systemwechsel Einhalt geboten werden kann.
In Gesellschaften werden über kurz oder lang auch die Menschen vergesellschaftet. Eine Gemeinschaft hingegen ist strukturell anders angelegt. Wer mehr über Gesellschaft/Gemeinschaft wissen möchte, dem sei der Artikel "Gesellschaft und Gemeinschaft" bei Wikipedia empfohlen.
Ich jedenfalls wünsche mir ein System - in dem die/das auf der - GEMEINSCHAFT aufgebaut ist.
 
Liebe Grüße
Margitta Lamers

Hallo Herr Kreutzer,

auch wenn es Hänsle und Gertel in der Realität so oder so ähnlich mit Sicherheit gibt, stellen sie mit Sicherheit Ausnahmefälle dar. Natürlich wird es solche Fälle auch in weniger krassen Ausprägungen geben, aber aber auch bei diesen handelt es sich um Ausnahmen. Mir persönlich sind solche Fälle z.B. nur aus den Medien bekannt. Und genau hier liegt bei Ihrer Geschichte das Problem: Indem man diese krassen Ausnahmefälle veröffentlicht und an den Pranger stellt, stigmatisiert man in gewisser Weise automatisch eine ganze Bevölkerungsgruppe, deren übergroße Mehrheit sich im großen und ganzen gesetzestreu und gesellschaftsverträglich verhält. Der geneigte Leser wird zukünftig jeden Arbeitslosen und chronisch oder psychisch Erkrankten mit Argwohn betrachten und diesen Teile der Bevölkerung ganz genau auf die Finger schauen, es könnten ja Schmarotzer wie Hänsle und Gertel sein. Solche Schmarotzer schaden schließlich uns allen und müssen deshalb nach Kräften denunziert werden. Solche Zeiten hatten wir in Deutschland schon einmal und die deutsche Bevölkerung hat in ihrer Mehrheit fleißig mitgemacht, alles nur nach Rechtsprechung und Gesetz, versteht sich.
Wie hier schon in einigen Kommentaren zu lesen ist, ein Verhalten wie von Hänsle und Gertel ist asozial und verabscheuenswert – mehr aber auch nicht! Man sollte diese Fälle ganz einfach unter den Teppich kehren und vergessen. Menschen sind von Natur aus Nutzen-Maximierer und Egoisten, nur ihr jeweiliges Gewissen entscheidet über den Grad an Umweltschaden, den sie im Laufe ihres Lebens anrichten. Die beiden Protagonisten Ihrer Geschichte sind da, verglichen mit den Eliten unseres kapitalistischen Wirtschaftssystems, nicht mehr als das “Zirpen einer Grille im Westwind”, wie Hermann Benjes so schön zu sagen pflegte.

Viele Grüße

Stefan Töns
Lieber Herr Kreutzer,

dankeschön für die Märchenstunde.

Mit einem gut durchdachten BGE würde dieser Form des Sozialschmarotzertums das Wasser abgegraben. Zudem würden solche Menschen mit jedem ihrer Einkäufe zum Steueraufkommen beitragen. Falls sie diese bezahlen, die Einkäufe.

Buy now - pay later. Diese Konsum-Hymne hat ja dafür gesorgt, daß diese beiden überhaupt erst so viele Schulden anhäufen konnten. Der Wahnsinn hat Methode. Menschen, die in der Schuldenmaschinerie drinstecken, mucken nicht auf. Zeitgleich mit der Einführung des BGE müßte ein Verbot für Kreditkäufe erlassen werden. Wer dann mal eben nach Ägypten fliegen oder sich einen Luxusartikel anschaffen will, sieht sich in der Situation, dafür arbeiten zu dürfen. Ganz einfach. Aber unerwünscht von denen, die an der Verschuldung des Einzelnen kräftig verdienen.

Noch sind wir nicht soweit. Noch gibt es die Möglichkeit des Sozialschmarotzertums. Doch gerade diese Menschen zeigen ja auf, wie krank unser System wirklich ist. Nein, ich finde dieses Verhalten nicht richtig, möglich ist es indes tatsächlich nur in einem Staatsgefüge wie dem unseren. Wenn ich sehe, wie viele Menschen unter besagter Agenda 2010 unsäglich leiden, dann kann ich durchaus verstehen, wenn manche von ihnen ihre Phantasie dazu benutzen, diese krank und hilflos machenden Zustände auszutricksen.

Manche. Denn den meisten der so genannt Unterprivilegierten fehlt dazu die Kraft und die Kenntnis. Nicht hingegen denen, die auf der vergoldeten Seite schmarotzen. Ungeniert, in Milliardenhöhe. Das sind die wahren Volksschädlinge. Angefangen vom einfachen Steuerbetrüger bis hin zu den Konzernen, die ihre hierzulande gemachten Gewinne einfach so abfließen lassen können.

Hänsle und Gertel sind verirrte Kinder ihrer Zeit. Brotkrumen, die nach Hause und somit in Sicherheit führen würden, sind nicht in Sicht.

Die Hexe ist die Personifizierung dieser Zeit. Erst locken, dann auffressen.

Nachdenkliche Grüße

Barbara Walter


Hallo Herr Kreuzer,
Gertel und Hänsle kenne ich zwar nicht, manche der Schilderungen erinnern mich aber ganz stark an meinen Ex-Nachbarn, der sich mit Krankheiten und deren Symptomen, und mit Verbraucherrecht und Sozialleistungen ganz gut auskannte. Der hatte zuvor bescheiden in einer WG mit betreutem Wohnen gelebt, leider hat die Gemeinde entschieden,
dass diese WG aufgelöst werden müsse, wegen fehlendem Geld oder wegen des Erwerbs des WG-Hauses durch eine Heuschrecke, so genau weiß ich das nicht.
 
Da hat ihm die Kommune lieber ein kleines Appartement gemietet, und das Verhängnis nahm seinen Lauf.
In einer WG hat man Gleichgesinnte, die für Kurzweil sorgen, und wenn es dann noch einen Betreuer gibt, der aufpasst, dass man nicht in die teuren Fallen des Alltages tappt, dann kann die Sozialhilfe zum Leben ausreichen. Lebt man alleine und hat viel Zeit, dann ist das Auskommen mit Hartz IV schwieriger. Mein Nachbar nahm dann irgendwann die Vorzüge
des Kreditkaufs ohne Anzahlung in Anspruch, stellte er sich aber offenbar nicht so geschickt an wie Hänsle und Gertel.

Die Auf-Kredit-Verkäufer sind über die Schufa ganz gut vernetzt, das neue Notebook durfte ich noch bewundern, aber die ebenfalls bestellte neue Wohnungseinrichtung kam schon nicht mehr. So einfach ist es nicht, 100.000 Euro Schulden aufzuhäufen. Auch keine 50.000, noch nicht mal 20.000 Euro. (Ich weiß, aus 20.000 werden auch irgendwann 100.000 Euro Schulden, wenn man unsere Justiz nur lange genug machen lässt, aber da muss sie ein Weilchen mahlen.)

Aber weiter mit dem Nachbarn: Der war auch ganz gut vernetzt, und zwar gibt es in den Fluren der Sozialämter so etwas wie einen Besuchertreff, der sich über die besten Sonderangebote, lukrativsten belegfreien Einnahmequellen und attraktivsten staatlichen Hilfsangebote austauscht.
Dort werden diverse Strategien diskutiert, kein Wunder, bei den vielen Stunden, die man dort gemeinsam im Gang wartet.

Sparen lässt sich bei den Zigaretten, wenn man diese durch die Mini-Zigarillos, beispielsweise von Norma ersetzt. Weil diese so billig sind, rauchte mein Nachbar dann fortan Kette. ("Kann man rauchen wie normale Zigareten, aber durch den niedrigeren Tabaksteuersatz sind sie viel billiger.") So gesund war das aber nicht, ich hörte ihn nachts oft husten. Da das Appartement im zweiten Stock lag, hatte der Nachbar dann irgendwann Probleme, seine Einkäufe nach oben zu schleppen. Wegen Asthma.
 
Asthma war beim Besuchertreff im Sozialamt ein echter Geheimtipp. Das Sozialamt bewilligte Essen auf Rädern und einen Zivi, der das mit den sonstigen Einkäufen erledigen sollte. Der Zivi hatte aber Probleme, die total verqualmte und verwahrloste Wohnung zu betreten, die Küche schien nicht begehbar zu sein. Hatte zur Folge, dass meinem Nachbarn auch noch eine Zugehfrau zur Seite gestellt wurde, die fortan aufräumte und sauber machte.

Wenn der städtische Zivi das Essen einkauft und die Putzfrau das Putzzeug selbst mitbringt, ist schon mal viel Freizeit gewonnen. Irgendwann berichtete der Nachbar mir bei einer der Begegnungen im gemeinsamen Treppenhaus, dass er sich neben seinem Behindertenausweis auch noch amtlich für "hilflos" erklären habe lassen. Damit könne er dann kostenlos ins Schwimmbad und auch kostenlos Bahnfahren und das beste: eine Betreuungsperson könne auch gleich mit, auch kostenlos.
Ich habe das aber nicht ausprobiert und will auch nicht beschwören, ob das stimmt.
Leider muss dann irgendwann die Episode mit dem Laptop-Ratenkauf hochgekocht sein. Da hatte er die Raten wohl nicht bezahlt. Ich glaube, der entscheidende Fehler war, dass er sich entmündigen ließ, vermutlich weil der Sozialamts-Ganggruppe das als den Königsweg ansah, aus dem drohenden Ungemach mit der Ratenkauf-Geschichte herauszukommen.
 
Erstmal entmündigt, waren alle vorangegangenen und laufenden Geschäfte, die er auch gerne über das Internet abwickelte (wegen der Treppe und dem Asthma) schwebend unwirksam. Da war er stolz drauf, er gewann alle
ebay-Auktionen, bei denen er mitbot, und bestellte auch viel in online-Shops. Gab es Ware, hatte der Verkäufer selbst schuld. Bezahlt wurde nix. Zurückgeschickt auch nicht.
 
Stolz berichtete mir der Nachbar später irgendwann, dass er nun einen Vormund habe, der in seinen übrigen
Tätigkeiten eigentlich richtig hohe Stundensätze habe. Der Vormund sei aber nett und umgänglich, und erlaube viel. Er habe den Nachbarn sogar gelobt, dass er ja eigentlich so selbständig sei.
Die Geschichte ging nicht so gut aus. Irgendwann muss es wohl doch zu Meinungsverschiedenheiten mit dem Vormund gekommen sein. Und wenn man erstmal entmündigt ist, dann bestimmt man künftig nicht mehr selbst, wo es langgeht. Der Nachbar verlor sein kleines vom Staat bezahltes Appartement. Vermutlich waren die Extra-Leistungen (Essen auf Rädern, Pflegekraft, Reinigungskraft) zu teuer geworden.
 
Ich hörte eines Tages durch die Wohnungstür Geschrei. Es klang nach "ich will nicht ins Heim" oder so. Ich bin der Sache nicht näher nachgegangen. Heute wohnt da jemand anderes.
Gruß,
Lutz N.

Hallo Herr Kreutzer,
 
auch ich sehe diese Geschichte mit gemischten Gefühlen. Natürlich kann ich dem Zustimmen, dass Hartz 4 Gesetze dem von Ihnen beschriebenen Unfug Vorschub leisten.
 
Als ich vor einigen Monaten in ALG 2 "rutschte", wurde mir von einer wohlwollenden Person die Lektüre eines kleinen Bandes von Honore de Balzac empfohlen. Es nennt sich: "Die Kunst seine Schulden zu zahlen" und ist, salopp ausgedrückt, eine Schmarotzeranleitung.
 
Wenn ich mich vor all diesen Gesetzen sehe, die es ALG 2 Empfängern rigoros verbieten, wieder auf einen grünen Zweig zu kommen, wenn ich zudem die asoziale Politik der Banken sehe, die nur jemand der sowieso genug Geld hat, auch Geld geben, und wenn ich dann Politiker tönen höre, dass es wohl nicht angehen könne, wenn Arbeitslose und andere Habenichtse in neuen Sozialwohnung wohnen würden, während die armen Reichen in ihren eigenen alten Hütten unterkriechen müssten,
 
dann frage ich mich: Habe ich dieses Gesocks gewählt?
 
Wenn ich mal wieder der einmaligen Chance beraubt wurde, ein kleines Häuschen zu kaufen weil die Bank da Prinzipien hat, frage ich mich: Habe ich diesem Gesindel mein Geld anvertraut?
Und wenn der nächste Arbeitgeber nur 8,- € die Stunde für einen hochqualifizierten Job zahlen will, muss ich mich fragen: tickt der noch richtig?
In jeder dieser Kategorien mag es auch andere Menschen geben. Tatsache ist aber, dass die sich anscheinend nicht mehr aus der Deckung trauen und die Schmarotzer überall das Sagen haben.
 
Deshalb frage ich einfach mal in die Runde. Gibt es eine Möglichkeit unseren Finanzverkehr ohne Banken abzuwickeln?
Oder besser, wann entwickelt jemand endlich solch ein System?
Gibt eine unabhängige Instanz, die die Effektivität von Politikern und Gesetzen überprüft?
Wo ist die Justiz, die solche Gesetze mit dem Inhalt des Grundgesetzes vergleicht und die Parteien, die gegen das Grundgesetz eigene Regeln zu Gesetzen machen wollen, auf einen Index setzt weil durch sie die freiheitlich demokratische Grundordnung gefährdet ist?
 
Nein, eine solche Justiz gibt es nicht. Richter begnügen sich mit zynischen Urteilen gegen Hartz 4 Empfänger auf Stammtischniveau. Die pseudodemokratische Wichtigtuerei von Bundes- und Landesregierungen ist ein Schlag ins Gesicht jedes ehrlichen Menschen.
Und während Deutschland vor unseren Augen in einen Feudalstaat verwandelt wird, beglückwünschen sich diese Helfershelfer noch für das Elend das sie weltweit anrichten. Die Justiz wird entweder durch Anwälte gezielt lahm gelegt oder hat sich dem Schmarotzertum längst ergeben.
Die Polizei betreibt nur "Schlipsträgerschutz' und hat ihre Rolle als Ordnungshüter längst verloren, sondern ist instrumentalisiert um die reibungslose Ausbeutung der wenigen die noch arbeiten dürfen, zu garantieren.
Die Beamten sehen allgemein im "Volk" das "Auszubeutende" und langen gerne auch mal unter Umgehung jeglichen Rechts beim Steuerbürger zu. Natürlich nur bei denen, die sich keinen teuren Anwalt leisten können und verhöhnen die Armen dadurch auch noch.
 
Ich frage mich wieweit all diese wichtigen Lenker und Denker über ihren eigen Vorteil hinaus denken können oder wollen. Und ehrlich gesagt kann ich mir eine Welt ohne diese Schmarotzer in leuchtenden Farben vorstellen, während jeder dieser nicht funktionierenden Funktionäre die Welt verdüstert wie ein Fettfleck auf der Brille.
 
So und nun genug geschimpft. Meckern hilft ja nicht, tun ist angesagt.
Egon Hauck

Ab wann ist es Sozialbetrug?
 
Spätestens dann, wenn man als Bankster, als Konzernherr oder als Politiker arbeitet, gerne auch in Brüssell.
Diese Heuchler sind für mich wesentlich schlimmer, als Hänsle und Gertel.
 
Die Notwendigkeit für Steuern ergibt sich aus der Tatsache, dass der Staat nicht selbst Geld schöpft und dieses in das Staatswesen investiert. Würde er das machen, hätte er keine Schulden und niemand müsste Steuern zahlen. Soweit die Theorie.
Da der Staat aber das Monopol der Geldschöpfung an die Privatbanken abgegeben hat, muss er sich Geld vorerst von den Banken leihen. Diese schöpfen das Geld aus Luft und leihen es mit Zinseszins weiter. Der Zinseszins, welcher vom Steuerzahler bezahlt werden muss, bewirkt eine Exponentialfunktion der Schulden, sodass eine Tilgung unmöglich wird. Daher spricht man auch von Zinsknechtschaft.
Dieses System ist NICHT alternativlos, wird aber von den Bankern auf´s Heftigste verteidigt. Kennedy musste deswegen sterben. Die Wissensmanufaktur hat dazu einen Plan B. unsere Politiker haben den EFSF, den ESM und andere Rettungsschirme, die aber schnurstracks in den Untergang führen.
Unglaublich, nicht wahr? Deswegen zahlen wir Steuern und es ist nie genug. Vielleicht ist der Untergang gar nicht mal so schlecht. Anschließend können wir dann alles ändern.
 
P.B.


Großartig! Ich glaube, ich kenne die beiden - und noch andere.

Die "Gretchenfrage", auf die dieser Paukenschlag hinausläuft, ist natürlich nicht leicht zu beantworten, wobei ich meine, dass es gar nicht nur um die Größenordnungen, sondern besonders auch um den Effekt gehen müsste.
 
Während die "oberen" Sozialschmarotzer die Realwirtschaft eindeutig aussaugen, beflügelt unser Pärchen ja ganz eindeutig die Wirtschaft. Hänsel und Gretl geben dem Staat die Gelegenheit, Wirtschaftsimpulse zu setzen, ohne in absurde, überdimensionierte und korruptionsbegleitete Großprojekte investieren zu müssen, mit denen meistens mehr Lebenswerte zerstört, als geschaffen werden.
 
Es ist ja eine enorme Leistung, die unser Pärchen da hinlegt. Das ist ja kein einfaches, sorgloses Leben, das die da führen. Und was da erst an Arbeitsplätzen im In- und Ausland entstehen und erhalten werden! Die Politik spricht immer nur von der Schaffung von Arbeitsplätzen. Hänsel und Gretl schaffen sie, oder erhalten sie zumindest. All die Juristen, Richter, Ärzte, Krankenhausbedienstete, Rettungen und Sanitäter, ganz zu schweigen von allen in den Produktionsbetrieben beschäftigten, denen unser Pärchen zu gesteigertem Umsatz und Absatz deren auf Lager liegenden Waren verhilft.

Im Unterschied zur misslungenen Bankenrettung, sind Sozialausgaben ja zu 100% Wirtschaftshilfe. Kritisch wird es erst dann, wenn die EU in übersteigerten Sozialausgaben eine Wettbewerbsverzerrung zu erkennen meint.

Es käme billiger (=weniger Einkommensmöglichkeit für Krankenhäuser, Ärzte, Apotheker, Anwälte,......), wenn man Hänsel und Gretl die Berufsbezeichnung "diplomierter Konsument" zubilligt. Ist heutzutage gar kein so leichter Beruf! Arbeiten dürfen - nicht müssen, ist doch seit je das Ziel der Menschheit. Mit Grundeinkommen (Monetative mit Vollgeld und fließendes Geld) wäre dieses Ziel erreichbar und Hänsel und Gretl würden niemandem zur Last fallen - und früher oder später erkennen, ein eher trostloses, weil sinnentleertes Leben zu führen.

Mit besten Grüßen
Günther Hoppenberger

P.S.: Übrigens läuft gerade die europaweite Initiative für ein Volksbegehren zum bedingungslosen Grundeinkommen. Sollte man schon deshalb unterschreiben, weil es eine Art von Probegalopp für EU-Bürgerinitiativen ist (war äußerst schwierig, alle Anforderungen zu erfüllen!).
www.pro-grundeinkommen.at
www.pro-grundeinkommen.de

Lieber Herr Kreutzer,
 
Sozialschmarotzer, Betrüger oder gar schlimmeres Gesindel wird es immer geben, egal wie gläsern der Mensch durch die Behörden gemacht wird.
So ist ein Teil der Menschen eingestellt, dagegen helfen keine Gesetze.
Eventuell würde die Möglichkeit der Selbstjustiz weiterführen, aber nicht zwingend zum gewünschten Erfolg.
So werden wir uns damit abfinden können oder sogar müssen. Ich gehe jedoch weiter. Hätten wir in Deutschland nicht so unsinnige Ideen und Gedanken in den SGBs stehen, hätten wir in Deutschland nicht ein so absurdes Geldsystem, hätten wir in Deutschland nicht ein so absurdes Bildungssystem, hätten wir in Deutschland nicht ein so absurdes
Arbeitssystem, so hätten wir in Deutschland auch nicht so ein absurdes Sozialsystem.
Denn dann könnten wir ohne Mühen und Probleme 2 Millionen Sozialschmarotzer - die es immer schon gegeben hat - durchfüttern. Und uns darüber ärgern und gut wäre es.
 
Was mich viel mehr auf die Palme treibt als solche Menschen, die mich und meine Arbeitskraft mit ausnutzen, sind diese Politschmarotzer, die in der Regel ohne Sinn und Verstand - jedenfalls nicht fürs Volk - Milliarden raushauen, um PRIVAT geführte Banken zu retten, um PRIVAT geführte Konzerne zu retten, um PRIVAT geführte Banken und Konzerne im Ausland zu retten, um KRIEG in anderen Ländern zu führen oder wenigstens zu unterstützen - ach ne, das
heißt die Landesgrenzen am Hindukusch verteidigen - oder um sich selber einfach nur die Taschen zu füllen.

Ein alter Freund der Familie, leider vor Jahren schon verstorben, sagte bereits in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts des letzten Jahrtausends, daß "man alle Politiker am nächsten Baum aufknüpfen sollte, dann wäre man eine Vielzahl von Problemen in einem Ruck los".

Ich für meinen Teil bin mittlerweile soweit moralisch verdorben, um ihm mindestens insgeheim recht zu geben.
Ich fürchte, ich stehe da nicht alleine. Ich fürchte, diese Moralverderbtheit wird sich im Zuge der Maßnahmen der
Politiker verstärken.
Ich fürchte dann, wenn ein Politiker tatsächlich auf diese Weise während meiner Anwesenheit für sein Tun "gelobt" würde, könnte es mir passieren, daß ich nichts gesehen habe...
Meine jetzige Moral jedenfalls läßt es zu, Ihnen und Ihren Lieben alles Gute zu wünschen.
 
Peter Suxdorf

Lieber Herr Kreutzer,

danke für den Paukenschlag.
Eine genaue Anleitung hätten Sie nicht zufällig bitte?

Ja, ja unsere "Sozialschmarotzer".
Die kosten die Allgemeinheit ein paar Millionen pro Jahr, Millionen, von denen die Allgemeinheit sofort wieder profitiert.
Und hätten wir, wie Sie, Herr Kreutzer es in Ihrem Wirtschaftslehre-Buch erklärt haben, eigenes, staatliches deutsches Bundesbank-Geld, bräuchten wir uns bei den neoliberalen Schmarotzern nicht verschulden, indem wir für unsere Staatsausgaben bei ihnen Kredite aufnehmen müssen (um die Sozialschmarotzer zu bezahlen) .

Also wissen wir eigentlich doch, das wir nicht nur Sozialschmarotzer unterstützen sondern ebenso die neoliberalen Schmarotzer, über Zins und Zinseszins...

Es braucht beim Schmarotzertum eine gewisse schauspielerische Fähigkeit und eine Portion kriminelle Energie.
Beide Systeme, das soziale- wie das neoliberale Schmarotzertum zahlen sich nicht in gleicher Höhe aus.
Hänsle und Gertel "leisten" da sehr viel mehr, bei vergleichsweise niedrigem Einkommen.
Unsere Neoliberale "Schmarotzerklientel" sahnt da schon mehr ab.
Und ich unterstelle denen mal sehr viel geringeren "Arbeitsaufwand" unter sehr viel angenehmeren Bedingungen....

Ihre beiden Märchenfiguren nutzen ganz legal eben nur das, was unsere Eliten auch tun, man darf sich halt nicht erwischen lassen bei den Tricksereien....

Durch die Talkshows werden beide gereicht, die armen sowie die reichen Schmarotzer.
Der Unterschied zu den Hänsles und Gertels ist: Wer reich und einflußreich ist, Staat und Gesellschaft um Millionen und Milliarden betrügt,dessen Vita in Talkshows mehr oder auch weniger wohlwollend behandelt wird, hat doch am Ende keine Existenznot, auch wenn er Amt und Würden niederlegen muß, oder ein paar Millionen, Milliarden verliert.

Mein Fazit: Eine gesunde Gesellschaft sollte sich schnellstmöglich der neoliberalen Schmarotzer entledigen, dann würden die Sozialschmarotzer erst garnicht mehr aufkommen.

Viele liebe Grüße

Christine Fürstenfelder
Lieber Herr Kreutzer,
Das Motto des Kapitalismus lautet: Lass die anderen für dich arbeiten – aber so, dass die tatsächlich Arbeitenden es nicht bemerken und dass diese dir am Ende sogar auch noch dankbar sind.
 
Hänsl und Gertel müssen also noch ein bisschen dazulernen.
Grüsse, Georgio Ferrero (enrico)

Lieber Herr Kreutzer,
eine wirklich gelungen erzählte Geschichte - da könnte man einen prima Film draus machen. Nur müßte das Ende des Films der Abschreckung von Nachahmern dienen :~))

Es ist aber weniger Schröders Agenda 2010 daran schuld, wenn einige ihren kriminellen Veranlagungen freien Lauf lassen, als vielmehr der seit Jahrzehnten sich steigernde Werteverlust. Wer noch versucht, seine sittlichen Werte zu leben, der wird oft schäl angeguckt, so als ob man zu blöde wäre, sich seinen Vorteil zu sichern. Diese Haltung wird in den Medien und von der Politik vorgelebt - allen Sonntagsreden zum Trotz, die leicht als Heuchelei erkannt werden. Hinzu kommt dann die Gleichgültigkeit derer, die "nur ihren Job" machen und jeden Anfangsverdacht, daß sie gerade von Sozialbetrügern veräppelt werden, von sich schieben, um sich den Streß einer Beweisführung zu ersparen...
Lesenswert hierzu http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-90931338.html das Essay von Frank Schirrmacher über "Die Seele, die aus der Kälte kam", wozu sich eine Menge hinzufügen oder auch kritisieren ließe.
Liebe Grüße
Beatrix Ullrich

Herr Kreutzer!
Ne, das Ausrufezeichen lasse ich mal besser weg und setze ein “lieber“ vor den Namen.
Also noch mal:
 
Lieber Herr Kreutzer,
ein weiteres Mal muss ich- trotz Rheuma - mühsam wieder auf den Stuhl klettern, um mich an der gewünschten kontroversen Disskussion zu beteiligen.
Ich hatte für einen kurzen Moment den Verdacht, es würde sich bei Hänsle und Gertel um - mir weitläufig bekannte - Personen handeln.
Nennen wir sie Hinzl und Kunzl. Sie können es aber nicht sein, denn diese beiden, ähnlich zweckhypochondrisch aufgestellt, sind gerade mittellos nach Teneriffa ausgewandert, um dort künftig einen Windbeutel-An- und Verkauf zu betreiben.
Doch dürfte der geneigte Leser, immer bereit an gut gemachte Märchen zu glauben, künftig diese Story nicht mehr aus dem Hinterkopf bekommen, wenn eine echte, schuldloskrank und in Not geratene Sau, durch das Dorf getrieben wird.

Darin sehe ich eine gewisse Gefahr.
Schmarotzer hingegen wird es immer geben.
Mit freundlichen Grüßen
Bernd Schröter

k
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