Paukenschlag
am Donnerstag
No. 17 /2013
18. April 2013


Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Prof. Lucke - eine Alternative für Deutschland?

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Prof. Lucke - eine Alternative für Deutschland?
 
Ein Aufatmen geht durchs Land.
 
Endlich eine neue Kraft auf der politischen Bühne.
 
Eine mit ordentlicher medialer Begleitmusik vorbereitete und vor wenigen Tagen durchgezogene Parteigründung.
 
Diesmal treten weder machtgeile Berufspolitiker an, noch fraktionszwangsabhängige Listenplatzler und schon gar keine Überflieger, denen ihr Ministeramt nach Personaldecke zugeteilt wird.
 
Dies ist eine Partei der Experten.
 
Und dann das Programm!
    Zurück zu nationalen Währungen!
    Ein kompletter Neustart für Europa!
     
    Genau das, was uns die etablierten Parteien verwehren, weil sie es entweder nicht verstanden haben, oder Ziele verfolgen, die außerhalb unserer nationalen Interessen liegen.

 

 
Kein Wunder, dass man der AfD - kaum gegründet - schon nachsagt, sie sei von Neonazis unterwandert.
 
Schließlich sind alle Strömungen, die entgegen der blinden Europäisierungs-Politik für die Wahrnehmung nationaler Interessen eintreten, wie es das Grundgesetz immer noch gebietet, ein Dorn im Auge all jener, die erst Deutschland mit einer Flut antisozialer Gesetze zum Niedriglohnsektor herab"gesetzt" haben und nun ganz Europa zum Kontinent des Prekariats machen wollen.
 
Da muss man schnellstmöglich die Nazi-Keule schwingen.
 
 
Also wählen wir die AfD!
 
Langsam.
 
Ganz langsam.
 
Da gab es doch vor einigen Jahren den so genannten "Hamburger Appell".
 
Schon vergessen?
 
Und wer gehörte zu den Wortführern dieses Hamburger Appells?
 
Richtig.
Da standen drei Professoren vorne an.
Der eine hieß Straubhaar, der andere hieß Funke, und der dritte hieß Lucke.
 
Genau der gleiche Professor Lucke, der nun in der AfD vorne an steht.
 
Prof. Lucke unterschrieb damals folgende Forderungen bzw. Standpunkte, die ich hier verkürzt und pointiert wiedergebe.
 
 
  • Staatliche Eingriffe stören nur. Lasst die Finger von der Wirtschaft.
  • Lasst Reiche reich sein, ihre Ersparnisse finanzieren über Kredite die Nachfrage der Armen.
  • Um deutsche Waren verkaufen zu können, müssen sie - bei guter Qualität - möglichst billig produziert werden.
  • Die Löhne müssen runter.
  • Sozialleistungen müssen durch Lohnzuschüsse ersetzt werden, oder,
    wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.
  • Arbeitskosten und Steuern vermiesen den Investoren das Investieren.
  • Gerade in der Stagnation muss man sparen, selbst wenn man sich kaputtspart.
  • Einschnitte in die sozialen Sicherungssysteme und in alle übrigen Bereiche staatlichen Handelns sind zwingend geboten.
  • Bildungskosten sind vermeidbar, wenn die Arbeitnehmer zu Fleiß, Wissbegier und strenger Leistungsorientierung erzogen werden.
  • Gesetze - vor allem zum Umwelt- und Verbraucherschutz - lähmen Forschung und Entwicklung. Wie soll Gen-Mais in Deutschland gedeihen, wenn sein Anbau durch strenge Auflagen reglementiert wird?
  • Deutschland wird so lange als Verlierer im internationalen Wettbewerb dastehen, wie der Lebensstandard seiner Bürger über dem des Durchschnitts seiner Wettbewerber liegt. Also: Runter mit den Löhnen und den Sozialleistungen. Rein in die Armut!
  • Die Globalisierung ist ein Segen. Wir müssen nur unseren Lebensstandard total in den Keller fahren, dann wird uns die Globalisierung helfen, ihn wieder zu steigern.
  •  
 
Ausführlich und wie 2005 in der "Welt" veröffentlicht, können Sie den Hamburger Appell in meinem Kommentar "Versammelter professoraler Unverstand" vom 30.06.05 nachlesen (unten verlinkt).
 
Ja, das war Prof. Lucke, 2005.
 
Sollte er in den vergangenen acht Jahren vom Saulus zum Paulus geworden sein?
Das kann man nicht ausschließen. Doch dass er sich vom Hamburger Appell inzwischen distanziert hätte, davon ist mir nichts bekannt.
 
Wenn man die Liste der externen Unterstützer der AfD ansieht, da kann es einem Eurokritiker wie mir schon warm ums Herz werden.
 
Schachtschneider, Hankel und Starbatty, die ewigen Verfassungskläger gegen den Euro unterstützen die AfD, gehören ihr aber nicht an. Warum nicht?
 
Und da fällt unter den Unterstützern der AfD noch eine Figur besonders auf.
Hans Olaf Henkel - ebenfalls kein Mitglied, aber Unterstützer. Der hat doch als Wirtschaftslobbyist in jeder Talkshow jahrelang das gleiche erzählt, wie es die VWL-Professoren im Hamburger Appell verkündet haben. Ist Henkel ein weiterer bekehrter Saulus? Und warum lässt er sich dann nicht "taufen"?
 
 
Meine Meinung zur AfD,
Stand heute, 18. April 2013:
 
 
Die AfD ist durch und durch neoliberal eingefärbt.
 
Der Kurs von CDU/CSU ist den Gründern der AfD immer noch zu sozial und immer noch zu staatslastig. Die in der nächsten Legislaturperiode drohende große Koalition von CDU/CSU und SPD halten sie für ein Fiasko, weil dadurch die bereits durchgeführten Sozial- und Arbeitsmarktreformen infrage gestellt werden und weitere Reformschritte gar nicht mehr auf die Agenda kommen könnten.
 
Die FDP haben sie abgeschrieben. Die Liberalen haben - mit ihrem kläglichen Personal - in den letzten vier Jahren nichts vorwärts gebracht - und sie werden auch in den nächsten Jahren - so sie denn überhaupt die 5%-Hürde überspringen - nichts vorwärts bringen.
 
Die gut inszenierte Parteigründung, ein knappes halbes Jahr vor der Wahl, ist ein Geniestreich.
 
Die allgemeine Politikerverdrossenheit der Bevölkerung wird mit interessanten, weil unbekannten Gesichtern in Aufmerksamkeit verwandelt.
Die ebenso weit verbreitete Euro-Verdrossenheit der Bevölkerung wird aufgegriffen und der Austritt aus dem Euro zum (alleinig hochgehaltenen) Programmpunkt gemacht.
 
Es ist zu erwarten, dass die AfD, je nachdem wie sich die Stimmung weiter entwickelt, wie es gelingt, bis zur Wahl zu polarisieren, entweder gar nicht - oder mit einem Stimmenanteil von nahe 20 % in den Bundestag einziehen wird.
 
Die Koalition von sich so nennenden Christen mit den sich so nennenden Alternativen ist dann vorgezeichnet.
 
Es wird daraufhin in Richtung Euro zaghafte Schritte geben, vielleicht sogar eine Koalitionsvereinbarung, in welcher die Bestrebung, langfristig über Alternativen zum Euro nachzudenken, verankert sein wird, aber mit der CDU wird es niemals den Austritt aus der Währungszone, schon gar keinen Ansatz für ein neues, neutrales, also nicht die Umverteilung förderndes Geldsystem geben.
 
Ich halte es für möglich, dass die erklärte Euro-Feindschaft der AfD nur der Wurm ist, mit dem die Wähler an den neuen Haken gelockt werden sollen.
Ich halte es für möglich, dass die CDU in der Aussicht auf diesen neuen Koalitionspartner im Wahlkampf sogar eher wohlwollend mit der AfD umgehen wird.
 
Doch wenn wir dann die AfD gewählt haben, werden wir den Euro behalten und ersatzweise mit weiteren "Reformen" überzogen werden, dass uns die Schwarte kracht.
 
Lesen Sie hier einfach noch einmal den von mir kommentierten
Hamburger Appell:
 

 Versammelter professoraler Unverstand
 
Vielleicht auch den PaD No. 9 vom 1. März 2007:

 "DRECKSperten"
 
Und wenn Sie noch Zeit haben,

und auf ganz aktuelle Aussagen Wert legen,
dann hab ich da noch, wie der Bayer sagt,

ein "Schmankerl" für Sie.
 
Vor ein paar Tagen führte Frank Meyer (n-tv Börsenexperte, Betreiber der Website "Metallwoche" und des Blogs "Bankhaus Rott&Meyer") ein Telefoninterview für die Abonnenten der "Metallwoche" mit mir.
Der Mitschnitt ist für die Besucher meiner Seiten hier kostenlos zugänglich:
 

 Egon W. Kreutzer auf der Metallwoche
Das Erpressungspotential gehorteter Geldmengen
.
 
 
 
 
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Reaktionen auf diesen Paukenschlag
Sehr geehrter Herr Kreutzer,

vielen Dank für Ihre Arbeit und ihr Bestreben das Dunkel ein wenig zu lichten. Soviel erstmal vorneweg.

Es wurde also eine neue Partei gegründet. Im Vorfeld bestaunten wir hier die Meinung von Prof. Lucke in diversen Talkrunden. Er hatte unsere Sympathie. Nach kleiner Recherche zu seinen Ausagen stießen wir auf eine Liste (genauer Zusammenhang ist mit gerade nicht erinnerlich). Das Interessante an dieser Liste war für uns, dass Unterstützer der Luckeschen Theorien u.a. einer der Herren von Weizsäcker ist.

Da lag für uns instinktiv schon mal der Hund begraben. Sie werden das Buch "Das Reich zerfiel, die Reichen blieben." sicher kennen. Falls nicht kann ich es nur wärmstens empfehlen. Denn dort findet sich neben der Erklärung wem die BRD gehört, eine Auflistung der 400 reichsten Familien Deutschlands (Stand 1974). Dazu gehört eben auch die Familie von Weizsäcker und damit steht für uns fest: So oppositionell und alternativ wie der Herr Lucke sich gibt, können dessen Bestrebungen gar nicht sein -kann also auch diese neue Partei nicht sein.
Mit Fakten kann ich das Ganze leider nicht unterlegen. Es ist reines Bauchgefühl. Umso dankbarer bin ich für Ihren aktuellen PaD. Den werde ich dann gleich lesen. Und mit meinen Leuten diskutieren.
Ihr Aufsatz von 2005 erhellt die Sache bereits ungemein.

Am Ende ist die Lucke-Partei und diese ganze Initiative nur eine systemfestigende Maßnahme der Herren und Damen "Märkte" und die organisierte Vorbereitung der Mächtigen für die Zeit nach dem Euro. Anders ist uns nicht erklärlich, warum Profiteure des Euro und Sozialabbaus sich derart zusammenfinden. Absehbar ist jedenfalls das "nach dem Euro" eine CDU wohl abgewirtschaftet haben wird.

Neues, aber damit verbindbares Thema
Vor nicht allzu langer Zeit trat mal im Morgnmagazin Prof. Nico Paech auf. Verfasser des Büchleins "Befreiung vom Überfluß". Wir hatten dazu kurzen Mailkontakt. Nach Lesen des kleinen Buches waren wir beeindruckt. Es ist eine Kritik am derzeitigen System von unabdingbarem Wachstum und damit verbundenem Konsum und zeigt Möglichkeiten für andere Lebensweisen auf. Ähnlich Ihren Denkansätzen. Was haben Sie dazu für eine Meinung?

Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig Mut machen und Kraft für den weiteren Weg geben.
Mit den besten Grüßen, Ch. Albert

PS.: Glocalis lesen wir auch grad.

Hallo Herr Kreutzer,
Ihrer Analyse stimme ich aus vollem Herzen zu. Was Sie vielleicht noch vergessen haben zu erwähnen ist die weibliche Figur (Dagmar Metzger), ehemalige SPD-Politikerin in Hessen, meiner Kenntnis nach Tochter oder Schwiegertochter eines der Mitbegründers des Seeheimer Kreises der SPD, deren Intrige die Bildung einer rot-grünen Minderheitsregierung in Hessen durch Ypsilanti unter Duldung der Linken verhindert und uns damit den guten alten MP Koch erhalten hat, dessen Folgen wir Hessen noch heute spüren, auch wenn Koch inzwischen seinen Job gewechselt hat. Verständlich, hat er doch auf dieses Ziel seit Jahren hingearbeitet.
 
Ich denke, die AfD ist eine Neuaufstellung der FDP, der man keine großen Chancen mehr zubilligt. Am Euro wird die nichts ändern, außer entsprechend heißer Luft. Doch zuerst muss man mal ran an die Fleischtöpfe, dann ist immer noch Zeit, die Versprechen zu brechen und insofern betrachte ich die AfD als wirklich geeignete Partei, die sich reibungslos in den üblichen Parteienklüngel einfügen wird, sodenn man sie wählt
Mit freundlichen Grüßen
Gert Flegelskamp

Sehr geehrter Herr Kreutzer,
Kompliment und vielen Dank für diesen Paukenschlag, der sehr gut deutlich macht, wessen Geistes Kinder sich da im Vorstand dieser neuen Partei finden. Vom Vorstandsmitglied Konrad Adam gibt es übrigens einen Artikel in der Welt, in der er sich dafür ausspricht, den Arbeitslosen das Wahlrecht wegzunehmen:
http://www.welt.de/print-welt/article159946/Wer-soll-waehlen.html
und
http://andreaskemper.wordpress.com/2013/04/15/afd-wahlrecht-fur-arbeitslose-abschaffen/
 
Wir bewegen uns wohl immer mehr auf ein dekadentes Ende unserer bisherigen demokratischen uns solidarischen Gesellschaft zu. Das "Fin de siecle" vor 100 Jahren hat allerdings zu zwei großen Weltkriegen geführt, ob es das ist, was diese Herren letztendlich im Kopf haben?
Mit freundlichen Grüßen
Norbert Rex
 

Reaktion auf Paukenschlag Prof. Lucke, sollte einen Hinweis wert sein, siehe Link zu
Ökonomicus
 
Uwe Mertens
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