Paukenschlag
am Donnerstag
No. 12 /2013
14. März 2013


Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

Druckversion
hoher Kontrast
reduzierter Kontrast
Kommentare lesen schreiben

Druckversion: Sigbert Döring

Franziskus, der Chef

Impressum
Startseite
EWK-Verlag
Newsletter

    Neugierig? Anklicken und das Rätsel wird aufgelöst

Kaffeekasse? Was ist das denn?

  Paukenschläge-verhallt

EWK-VERLAG
 
 
 
 

NEU

 

NEU

 

 NEU

 
 

 SPANNUNG
 

 
 

 
 

 
 

 

 
 

 
 

 ANSPRUCH
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 WISSEN
 

 
 

 
 

 
 

 

 
 

ZEIITGESCHEHEN 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 BESINNLICH
 

 
 

 
 

 

 
 

 
 

  SCHÖNES
 

 

 
 

  KINDER
 

 
 

 
 

 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
Franziskus, der Chef
 
 
Zügig ist er gewählt worden, der neue Chef.
 
Ein gigantisches Medienspektakel, viele, viele Bilder aus Rom, minutenlang ein qualmender Schornstein, sinnleere Texte von Kommentatoren, Großaufnahmen aufmarschierender Blaskapellen, immer wieder Fetzen der italienischen Nationalhymne, verzweifelte Live-Schaltungen mitten in die wartende katholische Masse auf dem Petersplatz.
 
... und noch einen Minute, und noch eine ...
 
Nach schier endlosem Warten und noch mehr sinnleeren Sprüchen endlich der große Augenblick - und dann eine kaum zu übertünchende Schockstarre.
 
Das ist der Neue???
 
 
 
Nun haben 1.200.000.000 Katholiken weltweit ein neues Oberhaupt.
 
 
Mir fiel Jean Paul Sartres Roman "Kindheit eines Chefs" ein.

Ein hübscher lieber Junge mit lockigen Haaren, der einst die väterliche Fabrik übernehmen soll - und darüber ins Grübeln gerät. Die Frage: "Wer bin ich?", die
unlösbare Frage, die ja weder mit Namen und Geburtsdatum noch mit Titeln und Ämtern zu beantworten ist, die Frage, mit der man immer nur auf Bezüge, auf Relationen zur Außenwelt zurückgeworfen wird - und die auch dann, wenn man sich ganz und gar selbst angenommen hat, wenn man völlig in sich zur Ruhe gekommen ist, keine andere Antwort zulässt als: "Ich bin ich."
 
Als der Junge in Sartres Roman erwachsen geworden - und damit seinem eigenen Wesen ein Stück weit entfremdet - war, stand er vor einem Fenster, in dessen Scheibe er sich spiegelte - und beschloss, sich einen Schnurbart wachsen zu lassen.
 
 
Der neue Papst steht nun wohl auch vor so einer Fensterscheibe, sieht sich darin - und erkennt sich nicht mehr. Einen Namen hat er sich gewählt, sich eine neue Identität gegeben. Franziskus.
 
Und in diese neue Identität wird er nun hineinwachsen müssen.
 
Die Fahrten mit dem öffentlichen Nahverkehr zur Kirche - die wird er eine Weile vermissen, bis er erkennt, dass seine Tage zu kurz sind, um sie inmitten der Menschen, für die er da sein will, zu vertrödeln.
 
Die Fürsorge für die Armen, die christliche Nächstenliebe, wird ihm stets ein Anliegen bleiben, doch in seinem neuen Amt wird er den Armen entfernt werden. Zu viel anderes, zu viel "Politisches" wird seine Gedanken ausfüllen.
 
Franziskus wird eine Steigerung der Isolation erleben. Wie eine Bienenkönigin wird er in seiner päpstlichen Wabe sitzen müssen, rundum versorgt von den Arbeitsbienen, denen ein genetisches Programm sagt, dass zum Erhalt ihres Volkes eine oberste Instanz gehört, die per Pheromonsteuerung die Geschicke des Stockes lenkt und zugleich die Nachkommenschaft hervorbringt.
 
Er tut mir ein bisschen Leid, dieser Franziskus.
 
 
Wenn er sich demnächst im Spiegel betrachtet, und sich fragt: "Wer bin ich?", dann wird es ihm wohl schwerfallen, sich tatsächlich als Stellvertreter Gottes auf Erden anzusehen, dann wird es ihm schwerfallen, Gedanken, die ihm durch den Kopf gehen, zu sortieren in die Kategorien: göttliche Eingebung oder menschliches Denken.
 
Man sagt ihm schließlich Bescheidenheit nach. So viel Bescheidenheit, wie es einem Kardinal nur möglich sein kann, vielleicht sogar noch ein bisschen mehr, die hat er mitgebracht.
 
Wohin damit nun?
 
Ein Chef muss Entscheidungen treffen. Entscheidungen, die von den einen freudig angenommen werden, während andere davon zwangsläufig frustriert werden.
 
Bescheidenheit ist da wenig hilfreich.
 
Vor allem dann nicht, wenn er sich auf nichts mehr berufen kann, was auf Erden über ihm steht, wenn er nicht mehr im Gehorsam auf einen Papst stehen und seine Entscheidungen und Handlungen mit diesem Gehorsam rechtfertigen kann, weil er nun eben selbst der Chef ist.
 
Und doch auch wieder nicht!
 
Er ist ja nicht wirklich der Chef, er ist ja nur der Stellvertreter. Der Stellvertreter eines Chefs, der, seit Moses auf dem Berge Sinai stand, nichts Schriftliches mehr von sich gegeben hat, an dem man sich festhalten könnte.
 
Der Stellvertreter eines Chefs, der seit Adam und Eva mit niemandem mehr direkt gesprochen hat, von brennenden Dornbüschen und ähnlichen Erscheinungsformen einmal abgesehen.
 
Der Stellvertreter eines Chefs, der sein auserwähltes Volk in siegreiche Eroberungskriege führte, seine Kinder in Rache - "Auge um Auge, Zahn um Zahn" -
unterwies, um ihnen einige Zeit später das Gegenteil zu lehren: "Wenn dich einer auf die linke Wange schlägt, dann halte ihm die rechte hin ...".
 
Der Stellvertreter eines Chefs, dessen Gesetze zu brechen, zur ewigen Verdammnis führt, der zugleich aber alles verzeiht, wenn die Untat nur rechtzeitig bereut und die verordnete Buße angenommen wird.
 
Der Nachfolger vieler Stellvertreter, die durch die Jahrhunderte der Kirchegeschichte sehr viele Grausamkeiten angeordnet oder geduldet haben.
 
Der Nachfolger vieler Stellvertreter, die sich anmaßten, wissenschaftliche Erkenntnisse mit Exkommunikation und Folter zu bestrafen.
 
Der Nachfolger vieler Stellvertreter, die ihre Organisation nicht im Griff hatten, die es zuließen, dass priesterliche Ämter bis hin zum Bischof käuflich wurden, die es zuließen und billigten, dass gigantische Schätze angesammelt wurden, während die Ärmsten von den Fürstbischöfen zur Fronarbeit gezwungen und von Steuereintreibern unterdrückt wurden.
 
Der Nachfolger vieler Stellvertreter, die sich Geld verschafften, indem sie die Sündenvergebung zur käuflichen Ware machten und so die Möglichkeit, straflos weiter zu sündigen, mit dem schon angehäuften Reichtum der Sünder immer weiter wuchs.
 
Der Nachvolger vieler Stellvertreter, die Männer und Frauen als Hexer und Hexen foltern und auf dem Scheiterhaufen verbrennen ließen.
 
Der Nachfolger vieler Stellvertreter, die den vielfältigen Missbrauch Geistlicher an Kindern nicht sehen wollten - und wenn er offenbar wurde, sich bis in unsere Tage des schadensbegrenzenden Vertuschens befleißigten.
 
 
Er wird es nicht leicht haben, dieser Franziskus!
 
Er wird Mühe haben, aus dieser Geschichte heraus, die hier nur in dürren Worten andeutungsweise wiedergegeben werden konnte, zu einem Chef zu werden, der das verkörpert, was Jesus vorgelebt hat, nämlich bedingungslose, universelle Liebe, statt einfach nur von einer Macht Gebrauch zu machen, die ihm zweifellos zur Verfügung stünde - er müsste sie nur nutzen.
 
Auch Jesus wurde versucht, seine Macht zu nutzen, als er 40 Tage fastend in der Wüste verbracht hatte. Alles hätte er sich schaffen können, aus seiner eigenen Macht heraus - doch, wenn man dieser Geschichte aus der Bibel Glauben schenkt, dann widerstand er dieser Versuchung.
 
Für Jesus war die Frage: "Wer bin ich?" allerdings zweifelsfrei beantwortet.
Das macht vieles leichter.
 
Franziskus wird sich diese Frage von nun an täglich neu stellen.
 
Und wenn er sie in großer Gewissheit für sich so beantwortet, wie es seiner im Glauben verankerten Stellung entspricht, dann wird es unter den Katholiken auch weiterhin viele Enttäuschungen geben.
 
Ich meine, wer einer Religionsgemeinschaft angehört, wer der katholischen Kirche angehört, und dies nicht nur, um getauft, gefirmt, kirchlich getraut und beerdigt zu werden, sondern weil er glaubt,
 
der "MUSS" auch glauben.
 
Der muss auch dann glauben, wenn die kirchliche Lehre seine eigenen Wünsche und Lebensentwürfe missbilligt, ja als Sünde verdammt.
 
Laienorganisationen, die sich bemühen, die katholische Lehre zu verändern, zu modernisieren, die das, was sie glauben sollen, ändern wollen, um dann das Veränderte zu glauben, sind nicht gläubig. Sie sind wie Mitglieder in einem Verein zur Brauchtumspflege - schließen sich zu Koalitionen zusammen und beschließen Satzungsänderungen.
 
Kirche von innen heraus reformieren zu wollen, ist ein Irrweg.
 
Wer nicht glauben kann, was gepredigt wird, sollte aus der Kirche austreten und sich, wenn es denn unbedingt sein muss, eine andere suchen, statt zu fordern, dass nur noch das gepredigt wird, was ihm gefällt.
 
Und so sollten sich auch viele Katholiken die Frage stellen: "Wer bin ich?".
Es kann sein, dass sie feststellen, dass sie längst nicht mehr katholisch sind.
 
Die vielen Forderungen, die von unterschiedlichsten Seiten an den neuen Papst herangetragen werden, sind zu einem Großteil Forderungen nach einer Änderung des Glaubens. Einer Änderung, welche die Gläubigen jedoch nicht selbst durch Austritt oder Konvertieren vollziehen wollen. Sie fordern und erwarten, dass das, was sie sich wünschen, vorher von ganz oben, vom Kirchenoberhaupt abgesegnet wird. Weil sie sich nicht zutrauen, die Verantwortung für das eigene Leben selbst zu übernehmen.
 
 
Nach dem paradoxen Motto: Ich glaube zwangsläufig, was ich glauben soll, doch eigentlich glaube ich, dass ich etwas anderes zu glauben haben sollte.
 
Ein erzwungener Glaube ist aber keiner - und ein nach eigenem Gusto zusammengebastelter ebenfalls nicht.
 
Damit verliert die Kirche ihren göttlichen Kern und wird reines Menschenwerk.
 
Ein Blick in die Kirchengeschichte legt allerdings die Vermutung nahe, dass sie das schon lange ist ...
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
nach oben
 
 
 
 
 
Reaktionen auf diesen Paukenschlag
 

Ja, wer bin ich eigentlich, das wird er sich schon fragen, der soeben mit manch Mummenschanz gewählte Francisco.
Um damit zurande zu kommen, hätte er jedoch wohl schon früher damit anfangen sollen. Das gleiche gilt für jeden von uns. Mit fünf Jahren etwa haben wir schon vergessen, wer wir in den ersten drei Lebensjahren waren. Nur zwei Dinge haben sich aus der Kindheit herübergerettet, unser Name und daß wir Ich sagen. Das kam so häufig vor, dass es uns nicht verloren ging. Die Aussage ‚Ich bin‘ ist aber bereits eine reine Kopfgeburt eines als klug gelten Wollens.
In Wirklichkeit ließe sich höchstens sagen ‚ich werde‘, aber was und wie werde ich werden? Und wie lange wird das jeweils anhalten, was ich gerade soeben geworden bin? Wird es Ergebnis eigenen Strebens sein, oder eigenen Erlebens? Und was könnte heilig daran sein? Was soll heilig überhaupt heißen? Hat es mit Heil haben oder heil sein zu tun? Oder mit Heil statt Unheil über die Welt bringen?
Müssen wir unser Geschick einfach annehmen oder eher einiges Geschick aufbringen, geschickt damit umzugehen? Wer hat es uns eigentlich geschickt? Sollen wir uns einfach darein schicken, oder haben wir etwas möglichst Schickes daraus zu machen? Kriegen wir am Ende einen Scheck dafür. Oder wird es einen Schock für uns bedeuten?
 
Fragen über Fragen. Aber bitte, das macht uns als Menschen aus, dass wir mehr als uns nur mitteilen können. Wir sind darauf angelegt, nach dem richtigen Weltbild zu fragen und es nach allem, was in unserer Kräften steht, mitzugestalten. Aber was steht in unseren Kräften? Schon Goethe klagte: Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug, als wie zuvor, und sehe, dass wir nichts wissen können. Das will mir schier das Herz verbrennen.
 
Doch, doch, wir können schon eine ganze Menge mehr. Das Wichtigste aber scheint mir, dass wir ein Einsehen haben, dass reines Kopfwissen nicht ausreicht, dieses in uns angelegte Wissen sinnvoll auszuschöpfen und einzusetzen. Ohne Herzensbildung und von Herzen kommende Liebe wird das alles nichts werden. In diesem Sinne Glück auf!
 
Ihr Hasselbach

Franziskus der Chef
Mir tut er nicht leid, dieser Franziskus, immerhin ist er schon über 70
Jahre alt...
Und dann sind da noch die Zusammenarbeit mit der Junta und der Verrat an
seinen eigenen Priestern...
Wie hält Franziskus es mit der Hochfinanz? Nimmt auch sein Delegierter
(der Direktor der Vatikan-Bank?) teil an der Konferenz der Bilderberger?
Ich glaube nicht, dass dieser Franziskus den Mut haben wird, den
Vatikan-Staat abzuschaffen, den ganzen Kirchenpomp aufzugeben und seinen Amtssitz nach Buenos Aires zu verlagern...
Das, oder so etwas Ähnliches, müsste er aber tun, wenn die katholische Kirche eine echte Chance auf Erneuerung erhalten sollte.
 
Mit freundlichen Grüßen,
Joseph Meyer

Hallo Wolf.
In der Tat, diesen Gedanken hatte ich auch bei der Meldung nach dem Rücktritt von Ratzinger. Hey, wo kommen wir denn hin, wenn der Papst "zurücktritt"?? Das ist ein ziemlich "realpolitischer" Schritt und hat mit "heiljem Geist" wenig zu tun. Das Menschliche, was durch die Pensionierung Ratzingers zutage tritt, kommt einer Entheiligung der katholischen Kirche gleich. Das dürfte für die westliche, christlich geprägte Welt langfristig eine sehr bedeutsame Entwicklung sein, die "die Gläubigen", die nach deiner Beschreibung eher "Autoritätshörige" sind, vermutlich noch nicht in Gänze erfassen. Man könnte meinen, die Sekularisierung der Kirche hat begonnen. Ooops.
Sonnige Grüße!
Norbert
    Sicher surfen auf
    egon-w-kreutzer.de
     
    Mit dem Original Facebook-Button nutzt FB die Gelegenheit, Ihre Nutzerdaten abzugreifen, sobald Sie eine solche Seite betreten. Hier entscheiden Sie mit dem Anklicken des Links recht selbst, ob Sie sich mit "Gefällt mir" für Facebook sichtbar machen wollen.

  

Suchmaschinenoptimierung mit Ranking-Hits