Paukenschlag
am Donnerstag
No. 1 /2013
3. Januar 2013


Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Konsumenten und Nehmerqualitäten

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Konsumenten und
Nehmerqualitäten
 
 
Die folgende Betrachtung ist im Grunde von so schlichter Einfachheit, dass sie schon fast wieder naiv erscheint. Ich bin mir dessen bewusst.
 
Diese Welt ist voller Konsumenten.
Wer lebt, konsumiert.
 
Abgesehen von der Atemluft, die bisher noch nicht privatisiert wurde, auf die auch vom Europäischen Patentamt noch kein Patent erteilt wurde, was Lizenzabgaben auf die Nutzung der Luft zur Folge hätte, hat prinzipiell jeglicher Konsum seinen Preis, der vom Konsumenten zu entrichten ist.
 
Frei nach - und in Fortschreibung - der philosophischen Erkenntnis von René Descartes - ist der Existenznachweis zwar weiterhin mit jenem berühmten: "Ich denke, also bin ich", zu führen, doch weitaus griffiger und leichter verifizierbar ist der
 
"Satz des unbekannten Konsumenten":
 
Ich zahle, also bin ich.
 
 
Dass dieser Satz bei näherem Hinsehen scheinbar zerbröselt wie ein trockener Keks, ist eher unserem schludrigen Umgang mit der Sprache geschuldet als der Anwendung stringenter Logik.
 
Ein einfaches Beispiel:
 
Wer "mit seinem Leben bezahlt" ist zwar anschließend nicht mehr, aber eben erst nach dem finalen Bezahlen. Doch dann muss es korrekt heißen: "Er zahlte, also war er".
 
Ein schwierigeres Beispiel:
 
Der Zechpreller oder der Ehrengast (beide zahlen eben so wenig, wie der voll auf Geschäftskosten alimentierte Manager) sind zweifellos existent, auch wenn ihr "Zahlen" nicht erkennbar ist. Doch die Fokussierung auf einzelne ausgelassene Akte des Bezahlens ist unzulässig, denn der Mensch als zahlendes Wesen ist nicht in einer Augenblicksbetrachtung zu erfassen. Er tritt allerdings überdeutlich in Erscheinung, wenn man alle parallel und sequentiell vom Einzelnen ausgehenden Zahlungsstränge erfasst.
 
Ob der Einzelne viel und stets, oder wenig und sporadisch bezahlt, spielt keine Rolle. Das "Zahlen", als existenzbegründendes Prinzip, existiert jenseits möglicher Quantifizierungsansätze als bloßes "Ja oder Nein", "Wahr oder Unwahr".
 
Voraussetzung für jegliches Bezahlen ist die Verfügbarkeit eines vom Zahlungsempfänger akzeptierten Zahlungsmittels beim Zahlenden.
 
Vereinfacht und verkürzt ausgedrückt:
.
      "Wer zahlen (existieren) will, braucht Geld",
      bzw.
       
      "Ohne Moos, nix los".
 
Der Möglichkeiten, an Geld zu kommen, gibt es theoretisch unendlich viele. Praktisch stehen dem zumeist fast ebenso viele Hindernisse im Wege.
Führt man alle Möglichkeiten auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zurück, bleiben zwei grundsätzliche Methoden übrig:
 
1. Arbeiten (Werte schaffen)

Dazu zählt nicht nur die Arbeit des abhängig Beschäftigten, sondern
auch der sogenannte "Unternehmerlohn", ja selbst die Beute des
Bankräubers ist letztlich der "Lohn" für seine Mühen und seine
Risikobereitschaft.
 
2. Ausübung von Eigentumsrechten (Werte raffen)
 
Eigentum heißt: Ab- und Ausgrenzung.
Vor allem Eigentum an knappen Gütern bewegt die Ausgegrenzten
dazu, für ihnen zugestandene Nutzungsrechte an fremdem Eigentum
Geld zu bezahlen.
(Hierzu gehören z.B. Pachtzahlungen, Mietzahlungen, Lizenzgebühren
und vor allem der Zins für das knappe Gut Geld.)
 
 
Beide Methoden sind gesellschaftlich akzeptiert und werden im allgemeinen nicht in Frage gestellt, doch entsteht eben durch diese beiden grundverschiedenen Methoden, zu Geld zu kommen, zwangsläufig eine Einteilung der Konsumenten, die wir ja alle sind, in drei Gruppen:
 
 
1. Konsumenten, deren Zahlungsfähigkeit direkt an ihre Arbeitsfähigkeit
geknüpft ist, weil sie über keinerlei zur ertragbringenden
Fremdnutzung geeignetes Eigentum verfügen.
 
2. Konsumenten, deren Zahlungsfähigkeit alleine aus den Erträgen ihres
Eigentums sichergestellt ist, die also nicht arbeiten (weil sie es nicht
müssen).
 
3. Konsumenten, deren Geldzufluss sich aus beiden Quellen speist.
Diese dritte Gruppe lässt sich jedoch mit etwas gutem Willen und
ohne Verlust an argumentativer Treffsicherheit auf die beiden
erstgenannten Gruppen verteilen. Je nachdem, ob das Einkommen
aus Arbeit notwendig ist, um den Zahlungsverpflichtungen
nachzukommen, oder nicht.
 
Bei der ersten Gruppe handelt es sich also um das, was Thomas Koudela in seinem Buch "Entwicklungsprojekt Ökonomie" als "Prosumenten" bezeichnet.
 
Menschen, die (über ihre Lebenszeit) nicht nur Konsumenten, sondern zugleich auch Produzenten sind, indem sie durch ihre Arbeit Güter erzeugen und zum Konsum bzw. zur Nutzung bereitstellen.
 
Umfang und Qualität der während einer Zeiteinheit in einem Wirtschaftsraum erzeugten (Konsum-) Güter hängt also scheinbar ausschließlich davon ab, wie viele "Prosumenten" mit welcher Qualifikation welchen Teil ihrer Lebenszeit darauf verwenden, zu arbeiten.
 
Der Indikator für den Wohlstand einer Gesellschaft könnte also nach folgender Formel berechnet werden:
 
 
Wohlstand =
 
(Gesamtlebenszeiten minus unproduktive Zeiten) * Qualifikation
 
Oder, volkstümlich ausgedrückt:
.
    Wer etwas gelernt hat und fleißig arbeitet,
    wird es auch zu etwas bringen.
     
    (lerne, leiste, spare was, dann haste, kannste, biste was)
 
 
Dass das so nicht funktioniert, ist offensichtlich.
 
Schon beim Zugang zum "Lernen" gibt es Hindernisse, die hier aufzuzählen ich mir erspare, doch völlig unübersehbar sind diejenigen Hindernisse, die sich dem Arbeitswilligen in den Weg stellen.
 
Millionen gezählter und ungezählter Arbeitswilliger, die als Arbeitslose oder Unterbeschäftigte nicht nur die Statistiken füllen, sondern auch die Gemeinschaftskassen der Gesellschaft leeren, um zahlen, also existieren zu können, sprechen eine deutliche Sprache.
 
In einer wirklich "freien" Gesellschaft
könnte es zur Arbeitslosigkeit unter Arbeitswilligen nur kommen, wenn alle Bedürfnisse aller Mitglieder dieser Gesellschaft befriedigt werden könnten, ohne dafür die volle Arbeitsleistung aller Arbeitswilligen in Anspruch nehmen zu müssen.
 
In einer wirklich "freien" Gesellschaft
wäre ein Optimum an allgemeinem Wohlstand und eine ausgewogene Balance zwischen Arbeitszeit und arbeitsfreier Zeit erreichbar.
 
Welche Spielräume uns unsere so genannte "Freiheit" in einer so genannten "libertären" Gesellschaft tatsächlich lässt, hat Freimut Kahrs in seinem Buch "Lebenslüge Freiheit" über die ganze Bandbreite menschlichen Lebens im Detail herausgearbeitet.
 
Letztlich, so resümiert er, ist es lediglich jene zweifelhafte Freiheit, zwischen sehr wenigen, von mächtigen und nicht greifbaren Instanzen vorgegebenen, praktisch unveränderlichen Möglichkeiten entscheiden zu müssen.
 
Verweigerung führt dazu, dass der Verweigerer vom Zugang zum Zahlungsmittel abgeschnitten und damit existentiell bedroht wird.
 
Klassisch übrigens an der Sanktionspolitik der Argen und Agenturen abzulesen.
 
 
 
Ohne schon nach den Ursachen fahnden zu wollen, verdient die Situation dieser Menschen (Prosumenten), die ja - in ihrer Gesamtheit - aus dem Lohn der Arbeit derjenigen, die arbeiten dürfen, den Konsum (Essen, Trinken, Wohnen, Kleidung, Kommunikation, Transport, usw.) von allen, einschließlich der Arbeitslosen, Kinder, Rentner und - faktisch auch den Löwenanteil der Staatsausgaben zu bezahlen haben, noch eine nähere Betrachtung.
 
Und wir stoßen auf die Tatsache,
 
dass sie sich nicht leisten können, was sie geleistet haben.
 
Der Mechatroniker, der im Monat rund 150 Stunden rings um die Hebebühnen werkelt, wird mit seinem Brutto-Monatseinkommen niemals in der Lage sein,
150 Mechatroniker-Stunden zu bezahlen - vom Netto-Einkommen ganz zu schweigen.
 
Kein abhängig Beschäftigter ist in der Lage, die Ergebnisse seiner Arbeit aus seinem Lohn zu bezahlen - und falls doch, dann nicht dauerhaft, denn dann wird sein Arbeitgeber bald Insolvenz anmelden müssen.
 
 
Betrachten wir die Gruppe-1-Menschen als geschlossenen Block in einem geschlossenen Wirtschaftssystem, stellen wir fest, dass in der gesamten Erzeugung unter allen Strichen deutlich weniger Lohn gezahlt wird als Umsatz gemacht, bzw. BIP (Brutto-Inlandsprodukt) erzeugt wird.
 
 
In der deutschen Realität stellt sich das - über den dicken Daumen gepeilt*) - so dar:
.
   Anteil am BIP in %
Prosumenten
Gesamtheit der werteschaffenden Bevölkerung einschl. Kindern, Rentnern, Arbeitslosen, Kranken, Gefangenen

 ca. 50 %

Nur Konsumenten

Alle, die ihr Einkommen aus Vermögenserträgen (Eigentumsrechten) beziehen und nicht an der Wertschöpfung beteiligt sind

  ca. 25 %

Investitionen
(Verbleib im System)

zum Erhalt und zur Ausweitung des Eigentums fließen, zumeist direkt aus den Erträgen der Unternehmen, die Mittel
ab, die erforderlich sind, um die Produktion aufrecht zu erhalten.

 ca. 25 %

 

 
*) Die jeweils aktuellen Verhältnisse lassen sich aus dem Zahlenwerk des deutschen Statistischen Bundesamtes gewinnen.
 
 
Von den 100 % der Gesamtleistung lassen sich also 75 % ohne große Schwierigkeiten bezahlen:
 
25 % verbleiben als Neu-, Erweiterungs- oder Ersatzinformationen unmittelbar im Produktionsbereich und 50 % dienen dem Selbsterhalt (einschließlich der Reproduktion ihrer selbst) der Prosumenten.
 
Um jene weiteren 25 % absetzen zu können, die letztlich als "Gewinn" in die Kasse der Nur-Konsumenten fließen, müssten diese ihre gesamten Einkommen verkonsumieren, was sie jedoch nicht tun, und wohl auch beim besten Willen nicht könnten.
 
Nehmen wir großzügig an, dass etwa 5 Prozentpunkte aus deren Einkünften tatsächlich in den Konsum gehen, verbleiben immer noch 20 % der Gesamtleistung, die unverkäuflich wären, gäbe es da nicht drei Wege, die den Absatz dennoch ermöglichen:
 
 
a) Das Entsparen
 
Also die Auflösung von Sparguthaben, der Verkauf von Grundstücken und Wertgegenständen, und auf staatlicher Seite die so genannte "Privatisierung".
 
b) Die Verschuldung
 
Durch Kreditaufnahme kann Konsum vorfinanziert werden. Da jedoch alleine die laufende Tilgung der Kredite die Mittel für den zukünftigen Konsum mindert, ist eine laufende Netto-Neuverschuldung erforderlich, um alle Jahre wieder jenen Anteil der Produktion, der nur durch Verschuldung abgesetzt werden kann, auch absetzen zu können.
Diesem Trend wirkt lediglich die Inflation entgegen, da mit steigenden nominalen Einkommen alte Schulden leichter bzw. schneller getilgt werden können.
 
c) Exportüberschuss
 
Das BIP als Gesamtzahl ist bereits um die in die Leistungserbringung eingeflossenen Importe bereinigt. Der letzte Teil der Gesamtleistung schlägt sich also vollständig im Exportüberschuss nieder, womit klar wird, dass der Exportüberschuss Euro für Euro nichts anderes ist als der Reingewinn der Nur-Konsumenten, der schlussendlich - und das ist Nehmerqualität - vollständig in Vermögenszuwachs umgewandelt wird.
 
 
Aus diesen Überlegungen heraus wird nicht nur deutlich, dass die Schere zwischen Arm und Reich zwangsläufig immer weiter aufgehen muss, es wird auch deutlich, dass diese "Zwei-Klassen-Gesellschaft" aus Prosumenten und Nur-Konsumenten ihren Zweck, das Eigentum und damit die Macht der Nur-Konsumenten zu mehren, umso besser erfüllt, je geringer der Aufwand ist, der zum Erhalt und zur Reproduktion der Prosumenten getrieben werden muss.
 
Eine Bevölkerung, die zu niedrigen Löhnen, mit einem hohen Anteil von nicht ins Erwerbsleben eingebundenen Menschen, immer noch weit mehr produziert als für den ihr zugestandenen "Wohlstand" erforderlich ist, bringt - ganz umsonst - Luxus und Wohlleben derjenigen zustande, denen aus nichts als ihren Eigentumsrechten alles zufließt, was den Werteschaffenden vorenthalten werden kann. Und damit bekommt das Wort "Nehmerqualitäten" einen völlig neuen Inhalt.
 
 
Das garstige Wort von den "Human Ressources", also den (zur Reichtumsmehrung der Nehmer) verfügbaren Menschen, offenbart die Sicht der selbsternannten Eliten auf den "Rest" der Menschheit.
 
Dieser "Rest" wird nicht anders wahrgenommen als die nicht-menschlichen Produktionsmittel.
.
Der Mensch, gedacht als "Legehenne", eingepfercht in ein paar Quadratmeter Wohnraum, versorgt mit billigsten "Nahrungsersatzmitteln", gern auch mal mit Schadstoffen angereichert, darf seine Eier legen, solange er dazu in der Lage ist, dann wird er aussortiert.

 

Und weil diese Prosumenten nun mal einen Hang zur Menschlichkeit haben, sorgen sie gemeinschaftlich auch so lange für diese Aussortierten, bis sie in Alten- und Pflegeheimen noch restverwertet werden, das heißt, so lange, wie es dauert, bis über weit überhöhte Kosten bei beschämenden Leistungen auch noch das letzte Ersparte aus ihnen und ihren Angehörigen und darüber hinaus aus den Sozialkassen herausgequetscht ist.
 
Nicht anders, als bei der Legehenne, die entweder als Suppenhuhn endet oder gleich über den Häcksler in der Zentrifuge landet, wo verwertbare Proteine von weniger gut verwertbaren Knochen getrennt werden.
 
Und die Schraube zur Verbilligung dieser "Human Ressources" wird bei uns Jahr für Jahr weiter angezogen.
 
Interessant in diesem Zusammenhang ist ja auch, dass die viel bejammerten Arbeitslosen und prekär Beschäftigten die Gesamtleistung nicht etwa verteuern, sondern durchaus viel dazu beitragen, die Gesamtleistung zu verbilligen.
 
So senken die hungrigen Arbeitswilligen die Lohnkosten dadurch, dass sie sich selbst billiger anbieten, um wenigstens etwas zu verdienen, wenn sie nicht gar durch die Arbeitsgesetzgebung als Leiharbeiter, Praktikanten oder Ein-Euro-Jobber in Jobs gezwungen werden, über die sich außer den Politikern (wieder ein Arbeitsloser weniger) und den Kapitaleignern (wieder die Lohnstückkosten ein bisschen gesenkt) niemand wirklich freuen kann.
 
Das Gejammere um den Geburtenrückgang ist zu einem guten Teil auch der Sorge um die Aufrechterhaltung der Arbeitslosigkeit in der Zukunft geschuldet.

Wo bleiben die Profite, wenn die "Human Ressources" eines Tages wieder zum "knappen Gut" werden sollten?
 
Das Gejammere um die demografische Veränderung entspringt dem gleichen unheiligen Gedanken.
 
Wenn mehr Berufstätige in Rente gehen, als Schulabgänger nachkommen, vermindert sich die Zahl der Arbeitslosen und der Wert der Arbeit steigt zwangsläufig.
 
Damit haben die Berufstätigen dann wieder ein bisschen mehr Geld, um ihre Alten zu alimentieren, doch dieses Geld mindert die Ein-Nahmen der Nehmer - womit jeglicher Aufruf zu vermehrter Vermehrung gerechtfertigt werden kann, auch wenn Deutschland durchaus zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der Welt gezählt werden muss.
 
Besonders peinlich, dass mit steigenden Löhnen auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit leidet. Um den Exportüberschuss zu erhalten, müsste also an den im Export geforderten Preisen gedreht werden - und zwar nach unten. Auch keine erfreuliche Aussicht.
 
Außerdem gibt man Alten keine Kredite mehr, außer sie haben verwertbare Sicherheiten anzubieten.
 
Die Folge jener boshaft als "Überalterung" geschmähten Verlängerung der Lebenserwartung ist also auch ein unerwünschtes Nachlassen der Umsatzfinanzierung aus Krediten und damit ein Rückgang der Zinserträge.
 
Alles ganz und gar fürchterliche Szenarien!
 
Was wir brauchen, heißt es folglich,
 
sind gut ausgebildete Fachkräfte und Spezialisten, die ihr Leben mit Arbeit füllen. Bis 67, bis 70 oder gar noch länger.
 
Die halten das Rad am Laufen.
 
 
Was wir brauchen, heißt es folglich,
 
sind zudem Scharen von Kindern (künftigen Arbeitslosen), die dafür sorgen, dass die Leistungsträger angstvoll bescheiden bleiben.
 
 
Was wir nicht brauchen, heißt es folgerichtig,
 
sind viele arme Rentner. Denn die ziehen schlicht zu viel Leistung ab und schmälern die Renditen.
 
Die Kampagne gegen die beitragsfinanzierte Rente und für die kapitalgedeckte Rente zielt doch genau in diese Richtung.
 
Die Alten sollen nicht mehr von der Gemeinschaft der Prosumenten alimentiert werden. Die sollen gefälligst während ihrer Schaffensperiode für sich selbst vorsorgen. Und weil die nicht gerissen genug sind, um sich mit ihrem kleinen Einsatz ein kleines Vermögen zu erspekulieren, sollen sie eben einen Teil ihres Einkommens freiwillig in die Hände der Nehmer geben, die damit nach Lust und Laune spekulieren können, bis am dicken Ende die nächste Finanzkrise als Argument dafür hergenommen wird, ihnen weniger - oder gar nichts - von dem zurückzugeben, was sie einst eingezahlt und damit auch dem Kreislauf der Realwirtschaft entzogen haben, was - ganz nebenbei - für zusätzlichen Kreditbedarf und damit sprudelnde Zinserträge sorgt.
 
Die Pensionskassen in den USA sind notleidend - und den deutschen Lebensversicherungen geht es auch nicht glänzend, so dass die Regierung in Nacht und Nebel-Aktionen dafür Sorge tragen muss, dass sie ihren Verpflichtungen wenigstens noch eine Weile länger nachkommen können (zuletzt mit der Neuregelung der Verteilung der Bewertungsreserven).
 
 
Nein, Freunde,
 
nicht ihr seid die Konsumenten, die über ihre Verhältnisse leben.
 
Ihr seid "Human Ressources" die über Lohn und Gehalt mit genau dem versorgt werden, was benötigt wird, damit die Maschine am Laufen bleibt. Ihr dürft euch das leisten, was euch zugestanden wird, nicht das, was ihr leistet und geleistet habt.
 
 
Nein, Freunde,
 
ihr arbeitet nicht für euch, nicht dafür, dass es euch besser geht und euren Kindern noch besser, ihr arbeitet für eure Arbeitgeber und die - wenn sie es nicht selbst sind - arbeiten für ihre Kapitalgeber und die Grundstückseigner.
 
 
Die höchste je erreichte Zahl der Beschäftigten sei 2012 in Deutschland erreicht worden.
 
So tönt die Regierung vollmundig und verschweigt dabei vollständig, um welche Art von Beschäftigungsverhältnissen es sich inzwischen in der Mehrzahl handelt.
 
Man darf nicht die Zahlen der Beschäftigten vergleichen, man muss die inflationsbereinigte Entwicklung der volkswirtschaftlichen Lohnsumme vergleichen.
 
 
Dann erst erkennt man, wie sich der Anteil, der den Prosumenten vom BIP zugestanden wird, entwickelt. Wie sich "Leistung" lohnt - und für wen.
 
2002 betrug die Summe der Bruttolöhne und Gehälter in Deutschland
912 Milliarden Euro. Der Verbraucherpreisindex (2005=100) lag bei 95,9
 
2011 betrug die Summe der Bruttolöhne und Gehälter 1083,9 Mrd. Euro.
Der Verbraucherpreisindex (2005=100) lag bei 110,7.
 
 
Rechnet man die Bruttolöhne und Gehälter von 2011 über die Verbraucherpreisindizes auf 2002 um, ergibt sich für 2011 eine vergleichbare Kaufkraft von 939 Milliarden Euro.
 
Trotz des massiven (statistischen) Abbaus der Arbeitslosigkeit und einer nie dagewesenen Beschäftigungsquote wurde den Prosumenten über diese 10 Jahre hinweg also nur eine Lohnsteigerung und damit ein Wohlstandszuwachs von knapp drei Prozent zugebilligt.
 
Das BIP stieg in diesem Zeitraum von 2.110 Milliarden Euro auf 2.593 Mrd. Euro.
 
Und auch wenn von dieser Differenz nur der allergeringste Teil in den Verbrauch ging, sondern ganz überwiegend in Finanzanlagen: Wenn man auch diese Veränderung über die Verbraucherpreisindizes auf das Jahr 2002 zurückrechnet, ergibt sich immer noch ein Anstieg auf 2.246 Milliarden.
 
Um es deutlich zu machen:
 
Von der realen, inflationsbereinigten Mehrleistung von 136 Milliarden Euro im Jahr 2011 gegenüber 2002 erhielten die Prosumenten gerade einmal 27 Milliarden (20%).
 
Der Löwenanteil von 119 Milliarden (80%) ging an die Nur-Konsumenten mit den ausgezeichneten Nehmerqualitäten.
 
 
Das ist die Folge der Arbeitsmarktreform, die in genau diesen 10 Jahren den besten Niedriglohnsektor der Welt hervorgebracht hat.
 
 
 
Es lebe die klassische Zwei-Klassen-Gesellschaft.
 
 
Sklaven unten - Halter oben.
Human Ressources here - shareholder there.
 
 
Und wenn Angela Merkel in ihrer Neujahrsansprache lieblich säuselnd hervorhob, dass die Zahlen von 2011 in 2012 noch übertroffen wurden, dann sollte niemand, der nicht von seinen Kapital- und sonstigen Vermögenseinkünften leben kann, darüber in Jubel ausbrechen.
 
Und wenn die tägliche Berichterstattung über die Wellenbewegungen des DAX nach der Einigung im US-Fiskalstreit wieder einmal über eine massive Aufwärtsbewegung jubelt, dann sollte von uns Legehennen niemand mitjubeln.
Der DAX zeigt ja nur die Freude darüber, dass die Eier, die wir legen, auch weiterhin in Exportüberschüsse verwandelt werden können.
 
 
Dass die ausländischen Importeure unsere Eier nur mit Schuldscheinen bezahlen, ist nicht so wichtig, denn wenn die Schuldscheine platzen, dann wird man uns erklären, dass wir ein paar Eier mehr legen müssen und dafür ein paar Körner weniger fressen dürfen, weil der Euro und die Banken und die Versicherungen gerettet werden müssen, weil der Euro mehr ist als eine Währung, weil es uns allen nur dann besser geht, wenn es uns schlechter geht, und dass wir daher glücklich sein sollten, rechtzeitig angeleitet zu werden, den Gürtel enger zu schnallen.
 
 
 
 
Hennen sind doof.
Ihre Hirnentwicklung ist über das Kleinhirn nicht hinaus gekommen.
 
 
Wann beweisen wir "Human Ressources" endlich,
dass wir ein Großhirn besitzen?
 
Ach ja, stimmt:
 
Nach der Arbeit sind wir so fertig, dass wir einfach abschalten müssen. Und zum Abschalten schalten wir sie ein, die Fernseher, die uns das Großhirn ersetzen …
 
 
 
Schalten Sie einfach mal nicht ab.
 
Lassen Sie die grauen Zellen weiterarbeiten, zur Abwechslung mal für sich selbst.
 
... und wenn Sie Denkanstöße, Informationen und Fakten brauchen:
 
Die beiden Bücher, die ich im Text erwähnt habe, sind dafür goldrichtig - und deswegen sind sie auch nicht bei einem der großen Verlage erschienen, sondern bei mir. In einem vergleichsweise winzigen Verlag, mit einem Verleger, der sich zum Ziel gesetzt hat, auch solche wichtigen Bücher möglich zu machen.
 
 


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Reaktionen auf diesen Paukenschlag
 

Hallo,
 
Ich bin davon überzeugt, dass man die allermeisten neoliberalen Argumentationsmuster - werden sie erst einmal von ihrer sinnentfremdenden Schale befreit - auf eine handvoll Vorurteile und Behauptungen herunter brechen kann, die völlig aus der Luft gegriffen
und einer Beweisführung deshalb auch kaum zugänglich sind.
 
Ängste und andere negative Emotionen entziehen sich nun mal gerne der Vernunft. Überzeugungen und ihre Grundannahmen ("Des Pudels Kern") lassen sich nur schwer widerlegen.
 
Ein Beispiel wäre die Behauptung, dass die meisten Hartz-IV-Empfänger Faulenzer sind. Wer an das Feindbild des Sozialschmarotzers glaubt, wird sich auch mit 1000 Beispielen nicht vom Gegenteil überzeugen lassen, denn einige der Protagonisten auf der politischen Bühne dieser Tage wissen sehr gut, wie sie die Massen durch gezielte Desinformationen manipulieren, instrumentalisieren und gegeneinander ausspielen können.
 
Es erfordert einiges an Energie und Mut - aber auch Leidensdruck - sich darauf einzulassen, das während des Prozesses der Sozialisation erworbene Weltbild aus eigenem Antrieb zu revidieren bzw. in Frage zu stellen. Evolutionsbedingt fällt es uns trotz des Großhirns leider immer
noch schwer, einmal gewonnene Erkenntnisse über den Haufen zu werfen. Das ist immer auch mit Unsicherheit verbunden.
Ziel sollte es daher sein, die Axiome des Neoliberalismus als Dogmen eines Irrglaubens zu entlarven, damit dieser sein wahres Gesicht zeigt. Zunächst müssen jene Grundpfeiler des Gedankengebäudes jedoch erst einmal aufgedeckt und einer Bearbeitung zugänglich gemacht werden. Dann erst kann die Abrisskugel kommen :-)
Mit freundlichem Gruß
D.L.

Lieber Herr Kreutzer,
 
Sie haben einen geringen Ausschnitt aus einem Ist-Zustand gewählt, um darzustellen wie es um die Republik steht. Da bin ich ganz bei Ihnen, sehe ich es doch an meinem eigenen Geldbeutel, der nur dann gut gefüllt ist, wenn ich mit höchsten Umdrehungen nahe bei Effiktivität Null im
Hamsterrad drehe.
Gleichzeitig werfen Sie den Liberalismus - den ich im übrigen extremst von einer libertären Gesellschaft trenne - und den Marxismus in den Ring, um beide miteinander zu vergleichen, um zum Ergebnis zu kommen, daß beides nicht funktioniert oder funktioniert hat.
Ich denke, das allergrößte Problem ist, daß es beide Formen nie in ihrer Reinheit gab, sondern daß immer, mal mehr oder weniger, beide Systeme gemischt wurden mit einer gehörigen Portion Diktatur getränkt. Ich nenne es gerne Faschismus in einer abgewandelten Form zum italienischen Faschismus, siehe dort.
 
Auch heute haben wir einen abgemilderten Führerkult (Angie, Angie), Populismus aus den Massenmedien, Nationalismus (wobei dieser tatsächlich nicht national ist, sondern dem sogenannten Europa verbunden ist), Kooperation zwischen Wirtschaft (Großkonzernen und Banken) und der Politik, hierbei erkennbar, daß es nicht mehr klar darzustellen ist, wer
tatsächlich das Sagen hat, die Frau im Amt des Kanzlers oder - als Synonym - Herr Ackermann...
 
Fahnen (schauen Sie bei Fernsehbildern zum Thema Europa, Brüssel, Angie usw. mal genau hin), Symbole (meist Statussymbole, aber auch leider als Verschwörung viel Freimaurersymbolik) und Uniformen sind, noch dezent, deutlich vorhanden. Wobei die Uniform heute aus einem glänzenden Zweireiher mit weißem Hemd und roter, alternativ blauer Krawatte besteht oder auch schon mal gerne aus einem zu engen Hosenanzug.
 
Verherrlichung und Anwendung von Gewalt, nicht nur in Stuttgart, sondern auf jeder Demo, als auch gezeigt in der Notwendigkeit einer Vorwärtsverteidigung am Hindukusch und anderorten.
 
Bei all dem wird uns Wahlfreiheit suggeriert, angefangen bei der politischen Wahl bis hin zur Wahl des Benzins. Überall sehe ich nur noch Oligopole.
Sie können Ihren Stromanbieter in der Regel aus Vieren auswählen, Sie können die Tankstelle in der Regel aus Fünfen auswählen, Sie können den Anbieter der Waren des täglichen Ge- und Verbrauchs auswählen, hier gerne Discounter, da gibt es tendenziell nur zwei oder die etwas teureren, da gibt es meines Wissens auch keine Handvoll. Die Wahlfreiheit der Krankenkasse oder einer Versicherung gehören genauso dazu wie die Wahlfreiheit zu bestimmen, wem das sauer verdiente Steuergeld zukommen soll.
 
Es kommt uns vor als wären wir frei, jedoch sind wir alle Gefangene im System. Ein Ausbrechen ist nahezu unmöglich, solange wir uns im System bewegen, das System so nutzen wie es uns angeboten wird und auch nur die sichtbaren Wählhebel verstellen. Ich will hier nicht erörtern, wer der/die Chef/s des Systemes ist/sind, ob es geplant oder zufällig entstanden ist, ob es geplant oder nur nutzniessend geführt wird, das kann jeder für sich relativ simpel herausfinden, man muß nur der gut dokumentierten Spur des Geldes folgen, selbst in der Wikipedia kann man es mit etwas guten Willen nachlesen. Ich selber habe einen
Sonntagnachmittag dafür gebraucht.
 
Man kann diese Matrix durchbrechen, und jetzt bin ich wieder ganz bei Ihnen, man muß nur mal das Hirn anschalten und den Fernseher aus.
 
 
P.S. Es wäre schön, wenn Sie wie alle anderen auch, endlich mal Unternehmer=Arbeitgeber von Konzernlenkern=Ausbeutern unterscheiden würden, ich fühle mich da gerne persönlich auf den Schlips getreten. Denn es macht einen gewaltigen Unterschied, ob man als Unternehmer dem Wohl und Wehe seiner Mitarbeiter unterstellt ist oder ob man als angestellter Geschäftsführer oder Vorstandsvorsitzender in einem Drei-Jahres-Plan die Rendite erhöhen muß zu Gunsten der Dividende, zu Lasten der Arbeitnehmer, um dann mit stolzem Blick und einem mindestens siebenstellig gefüllten Bankkonto ein anderes Unternehmen zu zerstören.
--
Mit freundlichem Gruß
Peter Suxdorf
u
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