Paukenschlag
am Donnerstag
No.9 /2012
vom 8. März 2012

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

Druckversionen:
hoher Kontrast
reduzierter Kontrast
Druckversionen: Manuela Engl
Kommentare lesen schreiben

Sicherheitskonzepte: Angst vs. Vertrauen

Impressum
Startseite
EWK-Verlag
Newsletter

ARCHIV PaD

 Paukenschläge 2012
Paukenschläge 2011
Paukenschläge 2010
 Paukenschläge 2009
 Paukenschläge 2008
 Paukenschläge 2007
 Weitere Kommentare
 Leserbriefe

 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 
 
 EWK-Verlag

 unser gesamtes Buchangebot

 Belletristik
  Kinder und Jugendbuch
 
Sachbuch Wirtschaft 

 Sachbuch Soziales

 Sprachkompetenz mit
LINGVA ETERNA

Paukenschläge 
 Michael Brückner - Uhren

 Lyrik

 Reise

 Humor
 
 Weihnachtsempfehlungen
 

 Gutscheine
 
 
 
 
 
Sicherheitskonzepte
Angst vs. Vertrauen
 
 
Vor Jahren schon erzählte mir jemand einen Witz,
über den ich nicht lachen konnte.

Aber vergessen habe ich ihn bis heute nicht.
Ein Vater stellt seinen dreijährigen Sohn oben auf den Schlafzimmerschrank, sich davor, mit ausgebreiteten Armen, und sagt: "Komm, spring, das ist lustig. Ich fang Dich auf."

Nach etlichem Zögern des Kindes und gutem Zureden des Vaters springt der Kleine - und kracht aus zwei Metern Höhe auf den Fußboden, denn der Vater war blitzschnell zur Seite getreten.
 
Dann beugte er sich zu seinem laut heulenden Sohn hinunter und sagte:
 
"Das soll Dir eine Lehre sein fürs Leben: Vertraue niemandem, nicht einmal deinem eigenen Vater."

 

 

 
 
Unterstellt, es gäbe solche Väter, mit welcher Traumatisierung müssten ihre Kinder ins Leben gehen?
 
Ist es nicht gerade das wichtigste Gut im menschlichen Zusammenleben, dass man im Vertrauen auf seine Mitmenschen sein Leben planen und gestalten kann? Dass man eben nicht jeden Augenblick mit einer unliebsamen Überraschung rechnen muss, dass man sich im Wesentlichen in Werten und Zielvorstellungen einig ist?
 
Wer dieses Vertrauen leichtfertig oder vorsätzlich beschädigt, gilt gemeinhin als Betrüger oder Hochstapler, als Lügner oder Wolf im Schafspelz.
 
Denn wer einer Gemeinschaft angehört, sich als "zuverlässiges" Mitglied dieser Gemeinschaft ausgibt, sich damit Vertrauen erschleicht, um es dann zu missbrauchen, stellt sich außerhalb dieser Gemeinschaft - und wird von der Gemeinschaft, soweit sie das Fehlverhalten erkennen konnte, gemieden.
 
Schwierig wird es, wenn sich eine Gemeinschaft aufspaltet, wenn sich ein Teil dieser Gemeinschaft von den Werten und Zielen der anderen entfernt. Es entsteht ein Misstrauen, das über die Zeit auf Abspaltungen, Streitereien und Fehden hinausläuft.
 
Fehlt da ein neutraler Schlichter oder die von allen akzeptierte und respektierte maßgebliche Führungsperson, die versucht, möglichst alle Interessen unter einen Hut zu bringen und damit das "Leitbild" der Gemeinschaft zu erneuern, ist es bis zur Auflösung der Gemeinschaft nicht weit.
 
In diesem Lichte betrachtet, ist es für viele vertrauensvolle Bürger, die sich durch die Installation eigener ökologischer Stromerzeugungsanlagen an der Energiewende beteiligt haben oder noch beteiligen wollen, ein herber Schlag, wenn die Regierung praktisch von heute auf morgen die Einspeisevergütungen zusammenstreicht, eine Mindest-Eigenabnahme des selbst erzeugten Stromes vorschreibt und zudem die Energieversorgungsunternehmen von der bisherigen Pflicht zur vorrangigen Abnahme von Strom aus Photovoltaik-Anlagen befreit und den Betreiben auferlegt, ihre Anlagen technisch so zu gestalten, dass die Energieversorger jede einzelne Anlage jederzeit von der Abnahme ausschließen können.
 
In diesem Lichte betrachtet ist es für einen ganzen Industrie- und Handwerkszweig, der sich auf die Herstellung, Installation und Wartung solcher Anlagen spezialisiert hat, in dem Unternehmer im Vertrauen auf die nach Fukushima versprochene Energiewende in Maschinen und Anlagen investierten, die sich erst nach einigen Jahren und nur bei der angenommenen Auslastung selbst tragen und einen Gewinn abwerfen, ein herber Schlag, für einige ein existenzvernichtender Schlag, wenn infolge der Regierungsbeschlüsse die Nachfrage nach ihren Produkten und Leistungen soweit einbricht, dass ihre Unternehmen zugrunde gehen.
 
In diesem Lichte betrachtet ist es allerdings für die Vorstände und Aktionäre der großen Energieversorgungsunternehmen eine Stärkung ihres Vertrauens in die Regierung. Ein Vertrauen, das sie nach dem hastigen Atomausstieg verloren zu haben schienen, worauf sie mit Entlassungen und kräftigen Preiserhöhungen reagierten.
 
 
Was die Regierung bei dieser Überlegung geleitet haben mag, entzieht sich meiner Kenntnis. Die öffentlichen Erklärungen dazu, es ginge um den Schutz der Verbraucher vor immer weiter steigenden Strompreisen - wegen der zu hohen Einspeisevergütungen - ist ein vordergründiges Argument.
 
Vordergründig, weil es in keiner Weise beachtet, wie preiswert Strom sein kann, wenn er nicht an Privathaushalte, sondern an Unternehmen geliefert wird, die mit einem entsprechend hohen Verbrauch als Nachfrager auftreten.
 
Wenn dann argumentiert wird, die Versorgung eines großen Abnehmers verursache weniger Investitionen in das Verteilungsnetz, dann ist auch das zu hinterfragen. Lassen sich die Stromversorger nicht den Anschluss jedes Grundstücks mit Erschließungskosten bezahlen - fordern sie nicht anschließend von jedem Häuslebauer die Kosten für den Hausanschluss ein und lassen sie sich das, was im Grunde damit längst bezahlt ist, nicht laufend noch über so genannte "Grund- und Zählergebühren" immer wieder bezahlen?
 
Es ist, auch wenn man tiefer blickt, so wie es auf den ersten oberflächlichen Blick erscheint: Der Endverbraucher hat zu zahlen, und der Endverbraucher soll sich möglichst nicht aus der Abhängigkeit vom Oligopol der vier großen Energiekonzerne befreien können, die nach der Privatisierung der Energieversorgung eingetreten ist.
 
Für Kapital und Industrie wird "Gewinnsicherheit" geschaffen, während den einfachen Bürgern die "Existenzsicherheit" immer wieder ein Stück weit genommen wird.
 
Ein zweites Beispiel aus diesen Tagen, auf anderem Gebiet, jedoch in die gleiche Richtung weisend, ist Wolfgang Schäubles Forderung, die Vergütungen der freiwillig Wehrpflichtigen und der freiwillig sozial Dienenden der Einkommenssteuer zu unterwerfen, mit der Begründung, es ginge ihm um Steuergerechtigkeit.
 
Wenn es je einem Finanzminister tatsächlich um Steuergerechtigkeit gegangen wäre, dann hätten wir ein anderes Steuerrecht. Dann könnte es nicht sein, dass Zinserträge geringer versteuert werden als Arbeitseinkommen. Dann könnte es nicht sein, dass die Spitzensätze der Einkommensteuer gesenkt werden, während die Mehrwertsteuer angehoben wird.
 
Natürlich gibt es auch hier eine Argumentation, die besagt, dass eben alle, die gleiche Einkünfte haben, auch steuerlich gleichbehandelt werden sollen. So darf sich eben der Abteilungsleiter im Industrieunternehmen, der von 120.000 Euro Jahresgehalt 40.000 Euro an Steuern aufs Einkommen zu zahlen hat, nicht mit dem vergleichen, der aus einem Geldvermögen von 2 Millionen Euro jährliche Kapitaleinkünfte von 120.000 Euro erzielt und davon dann nur 25.000 Euro an den Fiskus abzuführen hat.
 
Aber ist es noch ein rationales Argument, dem Abteilungsleiter zu erklären, er bräuchte ja auch nur 2 Millionen zur Bank zu tragen, aufzuhören zu arbeiten und fortan von den Zinsen zu leben, dann bräuchte er - im Sinne der Steuergerechtigkeit - selbstverständlich auch nur 25.000 Euro Steuern zu zahlen?
 

Solche Entscheidungen und Maßnahmen, die ganz eindeutig zum Nutzen einer bestimmten Gruppe innerhalb der gesamten Gesellschaft erfolgen, bleiben so lange folgenlos, wie alle Angehörigen der Gesellschaft daran glauben, das Märchen "Vom Tellerwäscher zum Millionär" sei die Regel, und nur diejenigen, die es nicht für erforderlich halten, hart daran zu arbeiten, würden diese Chance verspielen.
 
Solche Entscheidungen und Maßnahmen sind möglich in Zeiten wirtschaftlicher Prosperität, sie halten auch noch nach. In der Erinnerung der Älteren sind sie fest verankert, auch wenn sie es nicht zum Millionär aber doch zumindest zu einem bescheidenen Wohlstand gebracht haben.
 
Inzwischen sind aber Menschen im selbstbestimmten Leben angekommen, die die Zeiten der Prosperität nie erlebt haben. Denen - seit sie sich erinnern können - erklärt wurde, sie müssten den Gürtel enger schnallen, Opfer bringen, Verzicht leisten - und die haben aufgehört, an dieses Märchen zu glauben. Die wissen, dass immer nur ganz wenige ganz oben schwimmen können.
 
Jeder könnte Bundeskanzler werden - aber es gibt immer bloß einen.
Jeder könnte theoretisch Vorstandssprecher der Deutschen Bank werden, aber es gibt bloß einen - und Banken von nennenswerter Größe, bei denen man sonst Vorstandssprecher werden könnte, gibt es auch keine 82 Millionen.
 
Und aus dieser Erkenntnis heraus schärft sich der Blick für die Gerechtigkeit, da kommt es nicht mehr darauf an, welche "Chancen" alle haben, sondern darauf, welchen "Wohlstand" alle haben - und da klafft ein nicht mehr überbrückbarer Riss.
 
Die Folge:
Die Regierung wird kritisiert.
 
Es bilden sich Interessengemeinschaften der Bürger, die gehen auf die Straße, stellen ihre Forderungen, protestieren ...
 
 
Die Folge:
 
Die Sicherheit, die der Breite der Bevölkerung durch die gezielte Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Situation genommen wurde und weiter genommen wird, macht sich plötzlich auch als Mangel an Sicherheit bei denen breit, die dies zu verantworten haben.
 
Regierung und Wirtschaftslenker haben nun Angst vor dem eigenen Volk, umgeben sich mit Mauern und Stacheldrahtzäunen, lassen sich von Personenschützern Deckung geben und verpflichten Geheimdienste und Polizeien, jedem Anfangsverdacht, der sich aus verdachtsunabhängiger Massenüberwachung ergibt, zu verfolgen, um sich auf diese Weise eine Sicherheit zu verschaffen, die nicht aus Vertrauen, sondern aus möglichst umfassendem, nicht den kleinsten verdächtigen Sachverhalt außer Acht lassendem Misstrauen entsteht.
 
Nur wer so misstrauisch ist, dass er hinter jeder Regung seiner vermeintlichen, mutmaßlichen, potentiellen Feinde einen Angriffswillen erkennt - und vorsorglich Maßnahmen dagegen zu ergreifen in der Lage ist, der darf sich sicher fühlen.
 
Und so führt das Wissen um die Ungerechtigkeit zur Angst vor denen, die ungerecht behandelt werden - und statt die ungerechte Behandlung zu beenden, wird sie durch Eingriffe der Staatsgewalt in die Persönlichkeitsrechte weiter verstärkt, was automatisch zu noch mehr Angst, zu noch mehr prophylaktischer Gefahrenabwehr führt - und letztlich in eine Spirale, die immer näher an den Punkt führt, an dem dieses Denken schon immer seinen Endpunkt fand: Aufstand, Revolution, Blutvergießen.
 
 
Sicherheit, die aus Vertrauen entsteht, ist hingegen stabil, so stabil, wie gemeinsame Ziele erkennbar verfolgt werden, wie bestehende Gesetze über lange Zeit unverändert bleiben, wie auf neue Herausforderungen nicht von oben herab mit alternativlosen Rezepten reagiert wird, sondern man die Bevölkerung tatsächlich in die Diskussion einbezieht und sie auch mitentscheiden lässt.

Das Volk ist in seiner großen Mehrheit weder dumm noch blöd, weder uneinsichtig noch störrisch, weder verlogen noch betrügerisch, weder kriegslüstern noch rachedürstend.
 
Es lässt sich von Demagogen leicht manipulieren, das ist richtig, aber nicht für alle Zeit, das ist auch richtig.
 
Besser, als dem Volk Schritt für Schritt die Existenzsicherheit zu nehmen und es dann unter Generalverdacht zu stellen, ist es, dem Volk das Vertrauen in die Gerechtigkeit, die langfristige Sicherheit der Lebensplanung zurückzugeben - und stattdessen jene zu verfolgen, die sich als Lügner und Betrüger, als Hochstapler und als kreidefressende Wölfe zu Lasten der Gemeinschaft zu bereichern suchen.
 
Das ist Utopie?
 
Nur für diejenigen, die nicht vertrauen können.
 
Was also hindert unser gewähltes Führungspersonal daran, mit seinen Handlungen Vertrauen zu säen?
 
Die fehlende Erkenntnis, dass Vertrauen allemal besser ist als Angst, kann es wohl nicht sein.
 
 



 
    Sicher surfen auf
    egon-w-kreutzer.de
     
    Mit dem Original Facebook-Button nutzt FB die Gelegenheit, Ihre Nutzerdaten abzugreifen, sobald Sie eine solche Seite betreten. Hier entscheiden Sie mit dem Anklicken des Links recht selbst, ob Sie sich mit "Gefällt mir" für Facebook sichtbar machen wollen.

  

 
 
 


nach oben  Newsletter bestellen

 
 
 
 
 
 
 
Reaktionen auf diesen Paukenschlag


Hallo Wolfgang,
„Die fehlende Erkenntnis, dass Vertrauen allemal besser ist als Angst, kann es wohl nicht sein.“
Das kann es wohl nicht sein? Aber das ist doch genau der Grund dieses Übels!
Die Erkenntnis ist, dass das System der Angst vertraut.
 
Ein ausgefeiltes System, das immer wieder aktualisiert und durch sich selbst erneuert wird.
Unser „gewähltes Führungspersonal“ bekommt doch schon lange vor der ersten Wahl bzw. Nominierung für einen kommunalen Posten mit, wer das Sagen hat und woran man sich zu halten hat, wenn man etwas erreichen will. Vertrauen ist in diesem Bereich bereits ein informeller Vertrag über die Aufgabe der eigenen Überzeugungen. Ein Vertrag mit dem Teufel! „Wenn du dieses oder jenes tust, oder nicht tust, wirst du bei uns ganz schnell Karriere machen, darauf kannst du vertrauen.“
Wer es geschafft hat, seinen Idealismus tatsächlich über die Schul- und Studienzeit hinaus zu erhalten, der wird spätestens dann merken, dass die Welt etwas ganz anderes mit ihm geplant hat.
Die Erkenntnis, dass Vertrauen besser ist als Angst, mag zweifellos vorhanden sein. Das bedeutet aber leider nicht, dass auch automatisch danach gehandelt wird.
Wir haben es bei unserem „gewählten Führungspersonal“ ja schließlich nicht mit einer Auswahl, von weisen und charakterlich gefestigten und sozial kompetenten Intellektuellen zu tun (welch schreckliche Vorstellung!).
„Besser, als dem Volk Schritt für Schritt die Existenzsicherheit zu nehmen und es dann unter Generalverdacht zu stellen, ist es, dem Volk das Vertrauen in die Gerechtigkeit, die langfristige Sicherheit der Lebensplanung zurückzugeben - und stattdessen jene zu verfolgen, die sich als Lügner und Betrüger, als Hochstapler und als kreidefressende Wölfe zu Lasten der Gemeinschaft zu bereichern suchen“
Ja, besser is dat! Aber das ist doch genau der Plan! Das Volk in Angst und Schrecken zu versetzen, das Selbstvertrauen zu zerstören, das Bewusstsein zu schaffen: „Ich kann nix – ich hab nix – aber is auch egal, weil – es ist ohnehin aussichtslos“.
 
Ich lebe also einfach weiter und warte auf den Lottogewinn. Ich warte auf meine Chance, auf mein Stück vom Kuchen. Und wenn es soweit ist, lasse ich all das hinter mir. Dann lebe ich endlich und nutze meinen Vorteil! Was kümmern mich da noch die anderen!? Wir haben ja alle die gleiche Chance…
Doch wie kann man so einen Plan durchkreuzen?
Wie kann man all diese Ängste und Unsicherheiten in der Lebensplanung abstellen?
Die Antwort ist nicht trivial. Man kann die Angst und die daraus resultierende Unsicherheit nicht abstellen. Man kann nur lernen und lehren mit ihr umzugehen. Man darf sie aber nicht wegsperren und überspielen. Man darf sie nicht relativieren oder ignorieren. Man muss sie erklären und bewusst mit ihr umgehen.
Daraus kann eine Erkenntnis entstehen, die viel weiter geht als das Wissen um die Notwendigkeit dem Nächsten zu vertrauen: Das Selbstvertrauen.
 
Das Vertrauen in die eigenen Fähigleiten. Das Vertrauen darauf, dass man auch Fehler machen kann, ohne dafür bestraft oder bewertet zu werden.
Ja, da sind wir wieder bei unserer Erziehung. Da sind wir wieder bei unseren Kindern. Ja ich weiß, es ist einfach, alles darauf herunter zu brechen.
Man kann aber immer etwas tun. Fein dosiert oder mit aller Konsequenz. Dafür gibt es bereits eine Anleitung in dem Buch „Unsere Freiheit“.
Aber wie sag ich es meinem Kinde – zwischen „Fatzebuck“ und „Twitter“?
„Boah ja Papa, is gut! Kann ich jetzt in mein Zimmer?“
Laptop wegnehmen? Strom abstellen? Stubenarrest? Wann soll ich denn noch mit meinen Kindern reden, wenn ich erst abends um acht nach hause komme? Wo soll ich da noch die Energie hernehmen?
Da ist der Zug bereits abgefahren, oder…? Der Kreis schließt sich. Das System hat gewonnen.
Wir dürfen es einfach nicht zulassen!!!
Wenn wir uns am Ende fragen: „Wozu das Ganze? Wofür haben wir uns eigentlich den Hintern aufgerissen?“, dann haben wir etwas falsch gemacht…
Bis die Tage
Stefan Neumann


Lieber Herr Kreutzer,
 
Ihre Formulierung "... an der Energiewende beteiligt haben oder noch beteiligen wollen..." könnte so mißverstanden werden, daß die Vergütung für bestehende Anlagen gesenkt würde. Dem ist nicht so.
 
Aber für Altanlagen der letzten Jahre gibt es tatsächlich teilweise eine rückwirkende Verpflichtung, technische Änderungen vornehmen zu lassen, die bestimmte Anpassungen an die neuen Regelungen für den Netzbetrieb erlauben. Näheres dazu kann man im Heft 2/2012 der Zeitschrift Photon erfahren.
 
Aber das eigentlich grundsätzliche Thema ist ja: Wie ernst nimmt diese Bundesregierung die Änderung der Energiestruktur in Richtung Kohlendioxid- und Nuklearfreiheit? Was ist, anders gesagt, mit der Sicherheit vor den Auswirkungen des Klimawandels, dem niemals restrisikofreien Betrieb und dem fast ewig gefährlichen Abfall von Kernkraftwerken? Und zwar nicht nur für das kleine Kind in dem komischen Witz.
Ich behaupte, es GIBT eine öffentlich bekannte Quelle, die man als Leitfaden der Regierung ansehen kann. Das Arrhenius-Gutachten von April 2010. Zum "Beweis" der Aktualität des Gutachtens füge ich dieses Dokument aus der RWE-Bilanz-Pressekonferenz hinzu (für die schnelle Suche: Seite 5).
 
Das Gutachten besagte an der entscheidenden Stelle: "Die Förderung von PV-Anlagen kann daher auch als Gaspedal der Energiewende interpretiert werden". Also: Runter vom Gaspedal!
 
Es ist die Photovoltaik, die quasi als verteilte Spitzenlastkapazität das Hochfahren von teureren Kraftwerken immer häufiger unnötig und generell das Herunterregeln von Grund- und Mittellastkraftwerken erforderlich macht. (Zur Erinnerung: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz verlangt in erster Linie den "Vorrang der Einspeisung von Erneuerbaren Energien"!). Wer die Wirkung der Photovoltaik nicht glaubt, kann ja mal an ein paar Tagen beobachten, wie der Tagesverlauf der Einspeisung von PV- und Windstrom aussieht.
 
In den letzten Jahren war nur die Verminderung des Börsenpreises ("Merit-Order-Effekt") durch die Windanlagen relevant. Jetzt schlägt die Photovoltaik auch noch zu.
 
Weil für diese Regierung nicht sein kann, was nicht sein darf, muß sie Maßnahmen ergreifen.
 
Der größere Clou an der EEG-Novelle ist aber dieser: Wirtschafts- und Umweltministerium sollen ermächtigt werden, ohne Gesetzesänderung auf einfachem Verordnungswege die Vergütung, die Einspeisemenge und was auch immer neu zu regeln. Wenn DAS durchkommt, können wir wirklich die Energiewende auf dezentraler Basis einstampfen.
 
Was auf jeden Fall in der Aufgabenliste bleibt, ist der Aufbau eines dezentralen Speichersystems. Ein Energiespeichergesetz analog dem EEG muß her!
 
Was nicht in jeder Zeitung stand: die realen Preissenkungen an der Strombörse - auch in Frankreich! Man darf nicht übermütig sein und damit auf alle Zukunft zu schließen, aber als markantes Zwischenergebnis macht es nicht unbedingt depressiv.
 
Sonnige Grüße!
Georg Nowak



Hallo Herr Kreutzer,

 

Sie müssen, glaube ich, für Ihre Standardwerke, mal wieder massiv die Werbetrommel rühren. Mir scheint dass einige Ihrer Stammreaktionäre Ihre dargestellten Alternativen noch nicht kennen…

Das tue ich doch glatt! Hau'n Sie drauf, mit der Maus, auf die Trommel!

u
Suchmaschinenoptimierung mit Ranking-Hits