Paukenschlag
am Donnerstag
No. 48 /2012
7. Dezember 2012


Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Einmal einen Punkt machen.

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Einmal einen Punkt machen.
 

Die Gegenwart pflügt durch die Zeit wie ein endloses Satzgebilde, voller Einschübe und Nebensätze, voller Frage- und Ausrufezeichen, setzt ein Komma nach dem anderen - und wir treiben in dieser Gegenwart, verarbeiten dabei Zukunft in Vergangenheit und schaffen es nur selten, einmal einen Punkt zu machen.
 
Einen Punkt, der wenigstens einen der vielen Ereignisstränge, in die wir eingebunden sind, abschließt, ihn definitiv der Vergangenheit zuweist und uns damit von einer Bindung befreit.
 
Wir tun uns leicht damit, die Zeitung vom Vortag zum Altpapier zu werfen, doch wir tun uns sehr schwer damit, das, was wir dieser Zeitung als Gedanken, Ideen, Warnungen - manchmal auch Hoffnungen - entnommen haben, ganz bewusst ebenfalls ins "mentale Altpapier" zu donnern.
 
 
Warum klebt der Satz:
 
"Diese Bundesregierung ist die beste seit der Wiedervereinigung",
 
so hartnäckig in unseren Gedanken?
 
Bei manchen sicherlich in der durchaus positiven Gewissheit, dass er schlicht und einfach "die Wahrheit" ist, weshalb man den Fortbestand dieser Regierung zu sichern habe, bei anderen - bei mir zum Beispiel - als ein schmerzhafter Reiz zum Widerspruch, als ein Satz, den man einfach nicht so stehen lassen kann, nicht so stehen lassen darf?
 
Ich mach da heute einen Punkt.
 
Der Satz ist gesagt, gesendet, gedruckt worden.
Er ist - trotz aller Wiederholungen - schon längst verklungen.
Er ist tot, gestorben, weg damit.

Ich mach einen Punkt.
 
 
Diese Regierung ist, wie sie ist. Egal, was sie selbst über sich behauptet.
 
 
Warum ist der Bundeswehrverband besorgt über den Patriot-Einsatz an der
türkisch-syrischen Grenze?
 
Die sollen mal einen Punkt machen, unsere Berufssoldaten.
 
Wir haben eine Parlamentsberufsarmee - und wir haben ein Regierungsparlament, folglich ist die Parlamentsarmee eine Regierungsarmee. Und wenn die Regierung es nun, aus welchen Gründen auch immer, für richtig befindet, am Rand des syrischen Bürgerkriegs mit Raketenbatterien in Stellung zu gehen, dann dürfen sich darüber
Zivilisten Gedanken machen, dann dürfte eine Opposition, so es sie denn gäbe, dagegen Sturm laufen: Soldaten stehen jedoch unter dem Gesetz von Befehl und Gehorsam.
 
Also sollten sie einen Punkt machen.
Hingehen, ihre Raketen abschießen, so es denn erforderlich ist, und nach dem Einsatz in die Heimat zurückkehren, lebend und gesund, soweit das noch möglich ist,
 
oder,
 
den Einsatz verweigern, ganz nach dem Motto: "Stell Dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin ...".
 
Wer hingeht, und mit-kriegt, ist mit schuld, auch wenn er zuvor "Besorgnis" geäußert hat. Auch die bestmöglich vorgetragene Besorgnis entschuldigt nichts.
 
Macht einen Punkt, Soldaten, oder tut, was euch befohlen wird.
 
 
Der Bankenrettungsfonds macht wieder Verluste.
Die Griechenlandrettung kostet inzwischen richtig Geld.
Im Bundeshaushalt sind für die ganze Retterei lediglich die
Pflichtbeiträge Deutschlands zum ESM berücksichtigt.
Der Finanzminister legt einen ausgeglichenen Haushalt vor.
 
Macht einfach mal einen Punkt!
 
Seit über vier Jahren sind alle offiziellen Aussagen zur Finanz- und Euro-Krise schneller Makulatur als die sprichwörtliche "Sau", die durchs Dorf getrieben wird,
rennen kann.
 
Das ganze ist ein erfolgreicher Raubzug, gegen den Bonnie & Clyde aussehen wie schüchterne Erstklässlerinnen im Mädchenpensionat.
 
Die Regie dieses Raubzugs bedient sich in bestaunenswerter Weise der Schwächen aller Beteiligten und Mitspieler. Ob Korruption, Raffgier, Unvermögen oder nur der Wunsch, an der Macht zu bleiben, die treibenden Kräfte sind, immer finden sich Wege, diese zum Vorteil der Räuber zu instrumentalisieren und auszunutzen.
Der "Euro-Lotse" Juncker geht nun von Bord. So falsch sein Kurs war, er hatte jedenfalls einen. Nun ist's auch damit vorbei.
 
Gebt dem Euro endlich den Gnadenschuss, wie ihn der Waidmann jedem waidwunden Tier angedeihen lässt, statt ihn in der endlosen Arie der tragisch-komischen Oper in aller Schönheit immer weiter sterben zu lassen.
 
Macht einen Punkt.
 
 
Der Papst twittert.
Facebook lässt über das Ende der Abstimmungen abstimmen.
Das Internet ist abschaltbar.
 
 
Soziale Netzwerke dienen vorrangig dem Sammeln von Daten.
Der vermeintliche Zwang, unbedingt dabei sein zu müssen, ist Teil der Erfolgsstrategie. Nun ist sogar der Papst infiziert.
 
Wer setzt einen Punkt?
 
 
 
Zum Jahresende die Todesursachen-Statistik des Statistischen Bundesamtes:
"Krebsleiden holen auf!"
 
Da können sich die an Krebs Sterbenden bald auf den Siegerplatz freuen und diejenigen, denen Herz und Kreislauf zum Tod verhelfen, haben Grund, sich anzustrengen, um den Platz ganz oben auf dem Treppchen nicht zu verlieren.
 
Welch ein sprachlicher Missgriff!
 
Und welch eine Lüge, verkleidet in eine Statistik.
 
Die Menschen sterben nicht an den Krankheiten, sondern an dem, was diese Krankheiten verursacht und begünstigt. Dazu könnte ich viel schreiben, doch ich mach einfach einen Punkt.
 
Wir sterben so krank, wie wir "krank" leben, in einer kranken Welt.
Und je kränker wir leben und sterben, desto besser für den Medizinbetrieb
und für das Wachstum des Bruttosozialprodukts.
 
Wichtig ist, was wir mit unserem Leben anfangen - nicht woran wir sterben.
 
Ich mach einen Punkt.
 
 
Das waren nur wenige, fast wahllos herausgegriffene Beispiele aus den heutigen Nachrichten.
 
Es ließen sich noch unabsehbar viele finden.
 
 
 
Die Vendetta, die Blutrache, die oft über Generationen hinweg einen Mord nach dem anderen unter den verfeindeten Sippen hervorbrachte, ist weitgehend überwunden.
 
Warum schaffen wir es nicht, auf allen anderen Gebieten, die uns immer wieder beschäftigen, uns herunterziehen, unsere Energie kosten, ohne dass wir im steten feindseligen Geplänkel wirklich einen Schritt weiterkommen, an der nächstbesten Stelle den Schlusspunkt zu setzen?
 
Warum lassen wir uns von der Vergangenheit als Gefangene halten, was haben wir zu gewinnen, was zu verlieren, wenn wir von unseren alten Sorgen und Problemen, unseren leidvollen Bindungen, unseren absurden, weil unerfüllbaren Wunschvorstellungen, unseren überholten Argumenten und Positionen schlicht Abschied nehmen?
 
Was hindert uns daran, einfach so zu leben, wie ein Baum, wie eine Schwalbe, wie ein Schmetterling?
 
Warum organisieren wir unsere Staaten nicht wie Ameisen oder Bienen?
 
 
Diese Fragen sind naiv.
 
Doch manchmal lohnt es sich naive Fragen zu stellen.
 
Fragen, wie sie Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen seinen Simplicius Simplicissimus stellen ließ, Fragen, wie sie am Anfang aller Philosophie stehen, Fragen, die wir ablehnen, weil wir uns zu weit vom Grund unserer Existenz entfernt haben, weil wir uns die Welt nicht im Frieden teilen, sondern uns im Wettstreit, jeder gegen jeden, unseren Teil erkämpfen, erstreiten, erschwindeln und er-rauben wollen.
 
 
Und weil wir nicht aufhören können. Der Sieg, der Gewinn, sie ermutigen uns, in den nächsten Kampf, um das nächste Gut, um noch mehr Macht einzutreten - und der Verlust, die Niederlage, feuern uns an, uns zurückzuholen, was uns gehörte.
 
Das kann so nie enden.
 
Das kann so nie enden.
 
Das kann so nie enden.
 
Das kann so nie enden.
 
 
Das kann nur enden, wenn wir es lernen, auch einmal einen Punkt zu setzen.
Nicht aus Resignation, nicht aus falsch verstandener Humanität, nicht um eines Logenplatzes im Paradiese willen, nur für uns selbst.
 
Mit jedem Punkt, den zu setzen wir uns überwinden, verringert sich die Umdrehungszahl des Hamsterrades, in das wir uns - letztlich freiwillig - einsperren ließen.
 
Und mit jedem Punkt, den zu setzen wir uns überwinden, verringert sich auch die Umdrehungszahl anderer Hamsterräder.
 
 
Diese Ansicht ist ebenso naiv wie die Fragen des Simplicissimus.
 
Und die Entgegnung ist so einfach und schlüssig:
 
Wenn ich's nicht tu, dann tut's ein anderer.
 
 
 
Das ist das Dilemma.
 
Denn wenn wir es so weiter treiben, kann es nie enden.
 
 
 
Dabei ist die Entgegnung, die so einfach und schlüssig scheint, weder einfach, noch schlüssig.
 
Sie widerspricht simpelster mathematischer Logik.
 
Jeder, der es schafft, einen Punkt zu setzen, mindert die Menge derer, die noch weitermachen.
 
So wird aus der Menge X die Menge X - 1.
 
Und - jeder, der es schafft, einen Punkt zu setzen, reduziert die Motivation eines oder mehrer Menschen, ihrerseits unvermindert so weiterzumachen. Es bleibt also nicht bei X - 1, die Erosion an der Menge der "Weitermacher" schreitet fort.
 
 
Wenn die Sippe A aufhört, Mitglieder der Sippe B zu ermorden, ist niemand der Sippe B nach deren Ehrenkodex gezwungen, wieder ein Mitglieder der Sippe A zu ermorden.
Schon sind aus der einen Sippe, die nicht mehr mordet, zwei Sippen geworden, die nicht morden.
 
Und das ist bei weitem kein zufällig zutreffendes Beispiel unter Millionen von unzutreffenden Beispielen.
 
Wenn die Energieversorger einen Punkt setzen, und schlicht auf einen Teil ihrer Gewinne verzichten, sind irgendwo ein paar Menschen weniger gezwungen, sich das Geld für den Strom durch Schwarzarbeit zu verdienen.
 
Wo die Schwarzarbeit zurückgeht - aber die Arbeit getan werden muss, werden Handwerker bezahlt werden, was einfacher wird, weil auch die Auftraggeber der Handwerker ein bisschen Geld übrig haben, das nicht an die Aktionäre der Energieversorger ausgeschüttet werden muss.
 
Das wiederum könnte zu Neueinstellungen führen.
 
Die von den Energieversorgern nicht abgesaugte Geldmenge könnte einen kleinen Aufschwung auslösen, von dem am Ende die gesamte Gesellschaft profitiert.
 
 
 
In wenigen Tagen ist Weihnachten.
 
Wir gedenken der Geburt eines Mannes, dessen - für mich - wichtigster Satz lautete:
 
"Liebe deinen Nächsten wie dich selbst."
 
 
Wer sich, indem er es schafft, einen Punkt zu setzen, von seiner Last befreit, gibt damit immer auch seinem Nächsten ein Stück Freiheit.
 
Das beginnt in der Familie, in der Partnerschaft.
 
Wer es schafft, unter seine Eifersucht einen Punkt zu setzen, befreit sich selbst und seinen Partner.
 
Wer es schafft, unter seinen Ehrgeiz einen Punkt zu setzen, befreit sich selbst und seine Kinder von der Angst um die Noten - und ermöglicht erst so ein befreites, angstfreies Lernen.
 
Es setzt sich fort am Arbeitsplatz.
 
Wer es schafft, auf die kleinliche Überwachung seiner Mitarbeiter zu verzichten,
wird feststellen, dass mit dem Schwinden der Angst die Freude an der Arbeit
ebenso zunimmt, wie deren Ertrag.
 
Wer es schafft, auf die kleinen Gelegenheiten zur "Untreue" zu verzichten, wird feststellen, dass mit dem Schwinden der Ursachen auch die Lust an der Kontrolle und Überwachung schwindet.
 
 
Und es setzt sich fort in der großen Politik.
 
Nur wird es dort gewöhnlich nicht beobachtet.
 
Willi Brandts Kniefall in Warschau - das war das Setzen eines Punktes, wie es bisher kein deutscher Politiker mehr zustande gebracht hat.
 
Scheinbar nur eine Geste.
Doch die mit dieser Geste ausgedrückte Haltung hat die Welt verändert.
 
 
Lassen Sie sich also inspirieren, einen Punkt zu setzen,
es muss ja nicht gleich der ganz große sein.
 
Auch das Setzen von Punkten erfordert Erfahrung,
doch wenn vor dieser Erfahrung auch nur der Hauch der Überzeugung steht,
es könnte gelingen, dann werden auch Sie sich an den Ergebnissen erfreuen.
 
 
Wäre das nicht ein guter Vorsatz für 2013:
 
 
"Ich werde Punkte setzen,
um mich und andere zu befreien."
 
 
 
 
 
 
Mit besten Grüßen
 
Egon W. Kreutzer
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